Schicksal oder Chance? Diese Perspektive braucht deine Beziehung
Passen wir wirklich zusammen? Ein grundlegender Glaubenssatz entscheidet darüber, wie wir unsere Beziehung bewerten und ob wir in Krisenzeiten weiter zusammenhalten.
Carolin und Lukas sitzen am Küchentisch. Eben haben sie über die Ausrichtung ihres Lebens gestritten. Beide sind unzufrieden. Nun herrscht Stille. Kein eisiges Schweigen, sondern ein ratloses. Sie zweifeln auch an ihrer Ehe: „Passen wir überhaupt zusammen? War unsere Ehe einfach nur Wunschdenken? War es ein Fehler?“ Jeder neue Konflikt dient ihnen als Beleg dafür, dass sie nicht kompatibel sind.
Nina und Fabian, ebenso um die 40, sitzen auch am Tisch und kämpfen darum, einander im turbulenten Alltag zwischen all den unerfüllten Träumen und Wünschen nicht zu verlieren. Doch sie verstehen die Schwierigkeiten in ihrer Paarsexualität, ihre Wohnsituation oder die unbefriedigende Aufteilung ihrer Verantwortlichkeiten nicht als Indiz dafür, den falschen Partner zu haben. Für sie sind es Herausforderungen, an denen sie wachsen und für die sie Lösungen finden müssen. Sie fragen nicht: „Passen wir?“, sondern: „Was tun wir heute, damit es uns morgen besser geht?“
Chance oder Schicksal?
Es gibt Menschen wie Carolin und Lukas, die glauben, zwei Menschen seien entweder füreinander bestimmt – oder nicht. Diese Überzeugung wird als Schicksalsglaube bezeichnet. Demgegenüber steht der Wachstumsglaube von Menschen wie Nina und Fabian. Sie glauben, dass sich Beziehungen entwickeln und wachsen, wenn man sie pflegt und Lösungen sucht.
Die Beziehungszufriedenheitskurve verläuft oft in einer U-Form. Viele Paare starten mit einer hohen Beziehungszufriedenheit. Dann sinkt die Kurve ab und erreicht um das 40. Lebensjahr ihren Tiefpunkt, bevor sie dann wieder ansteigt bis zum Erreichen des Pensionsalters. Die Gefahr des Schicksalsglaubens ist: Wer überzeugt ist, dass eine glückliche Ehe eine Frage der Fügung ist, interpretiert dieses normale „Tal der Tränen“ als Beweis für das Scheitern. Für Carolin und Lukas fühlt sich die Unzufriedenheit nicht wie eine vorübergehende Phase an, sondern wie die späte Erkenntnis, dass sie nicht füreinander bestimmt sind.
Wer aber an Wachstum glaubt, sieht in der U-Kurve keinen Grund zur Resignation, sondern eine Herausforderung zur Gestaltung. Das bestätigt die Wissenschaft: Ein Team der Universität Basel befragte über 900 Paare, die im Schnitt fünf Jahre zusammen waren. Dabei kam heraus, dass bei Paaren mit Wachstumsglauben die Zufriedenheit deutlich langsamer abgenommen hat als bei Paaren mit Schicksalsglauben.
Bei Licht betrachtet
Natürlich gibt es Paarkonstellationen, die besonders herausfordernd sind. Doch ich bin überzeugt: Die Einstellung zur Beziehung und regelmäßiges Beziehungstraining sind oft wichtiger als reine Kompatibilität. Erfolg in der Liebe ist kein Zufall, sondern auch das Ergebnis einer bewussten Entscheidung zur Gestaltung.
Es lohnt sich, die eigene Ehe in diesem Licht zu betrachten. Statt zu bilanzieren, dass man nicht zusammenpasst, hilft die Haltung von Nina und Fabian: Wir stecken in Schwierigkeiten, für die wir eine Strategie brauchen.
Marc Bareth und seine Frau Manuela leiten gemeinsam FAMILYLIFE Schweiz. Sein Blog bietet wertvolle Impulse für die Partnerschaft: familylife.ch/five







