Ohne Schlaf: Was einer Mutter half, Nachtschichten durchzustehen
Gerade eingeschlafen, wird das Baby wach. Familienberaterin Eline van der Eijk berichtet von durchwachten Nächten, frustrierenden Vertröstungen und einer hilfreichen Erkenntnis.
Vorsichtig schleiche ich mich ins Schlafzimmer. Es ist halb elf, und ich habe meinem Mann, der im Gästezimmer schläft, gerade einen Gute-Nacht-Kuss gegeben. Der Tag wird kommen, an dem das Schlafzimmer wieder uns gehören wird. Aber heute ist es noch nicht so weit. Es ist am sinnvollsten, wenn wir uns jetzt aufteilen. Er kümmert sich nachts um die Großen, ich mich um die Kleinste. In der Hoffnung, dass wir beide so genug Schlaf bekommen.
Ich versuche, so geräuschlos wie möglich ins Bett zu gleiten, um meine anderthalbjährige Tochter im Gitterbettchen neben mir nicht zu wecken. Ich stelle den Wecker und bemerke, dass ich nun acht Stunden Schlaf bekommen könnte. Die Betonung liegt auf „könnte“. Ich höre, wie sie friedlich schläft, während ich müde und erschöpft in meinem Bett liege. Ich bete noch kurz, bitte um eine gute Nacht und merke, wie der Schlaf mich überkommt. Aber um 23 Uhr ist meine Tochter wach. Sie weint und setzt sich auf. Ich strecke meinen Arm durch die Gitterstäbe und versuche, sie zu streicheln. Meine Hand wird weggeschlagen. Sie wird sauer. Sie schreit und zieht sich den Schlafsack aus. Es fängt also an: das nächtliche Drama wie fast jede Nacht. Meine Tochter wird eine oder zwei Stunden wach sein und nicht wieder in den Schlaf finden.
Wohlgemeinte Ratschläge
Für mich sind diese schlechten Nächte nichts Neues. Ich habe sie mit allen drei meiner Kinder in unterschiedlichsten Formen durchgemacht. Entweder habe ich es verdrängt oder wirklich gedacht, dass ich einmal ein Baby bekomme, das so gut schläft wie die Kinder meiner drei Schwestern. Deren Kinder schlafen nämlich durch. Schon nach ein paar Monaten. „Wir wissen nicht, wie du das schaffst, Eline. Du musst sie einfach nur …“ Ja, ich kenne alle Tipps. Alle wohlgemeinten Ratschläge. Die bemitleidenden Blicke, die sagen: „Es tut uns leid, dass dein Kind so schlecht schläft. Aber wir glauben, du machst etwas falsch.“ So kommt es zumindest bei mir an. Wenn ich besonders müde bin, macht mich das vor allem sauer. Und traurig. Dann liege ich nachts zwei Stunden wach und denke an meine Schwestern und andere Mamas, die mir erzählen, wie toll ihre Kinder schlafen. Ich beiße die Zähne zusammen und seufze laut. Ich bin neidisch und frustriert. Warum dürfen die einen nachts ruhig schlafen und die anderen nicht?
Eine andere Welt
Ich erinnere mich an einen Sonntag nach der Zeitumstellung. Ich hatte eine besonders kurze Nacht hinter mir – magere 3,5 Stunden Schlaf. Pünktlich um 8 Uhr war ich die Erste in unserer Gemeinde und bereitete alles vor. Kurz vor dem Gottesdienst kam der Moderator dazu, wir beteten gemeinsam. Er stand herrlich entspannt da mit seiner Kaffeetasse und betete: „Danke, Gott, dass wir heute eine Stunde extra Schlaf hatten …“ In diesem Moment wurde mir klar, dass dieser Mensch in einer anderen Welt lebt als ich.
Jede Nacht habe ich Nachtschicht. Ich bin nicht nur viel wach. Nein, ich kämpfe nachts. Mit mir selbst. Mit meinen Emotionen. Und mit Gott. Wie oft habe ich Gott angefleht, mir ein paar Stunden Schlaf zu schenken und ein Wunder zu tun! Aber es tat sich nichts. Keine Gebetserhörung. Ich habe sehr damit gehadert. Sieht Gott mich hier? Warum ist Mutterschaft manchmal so erschöpfend?
„Ich weiß!“
Schlaflos und frustriert habe ich nicht selten laut geschrien: „Warum dürfen alle schlafen, nur ich nicht?“, um dann mit Schrecken festzustellen, dass das Fenster offen ist und die Nachbarn mich vielleicht gehört haben. Es ist schwer, jemandem zu erklären, wie es ist, wenn er es selbst nicht erlebt hat. Wenn ich im Umfeld erzähle, dass ich müde bin, weil mein Kind schlecht schläft, ist die Reaktion oft: „Ach, bestimmt ein Zähnchen“, „Dafür siehst du aber noch gut aus!“ oder ich bekomme noch einen Tipp, den ich wortlos abnicke.
Welche Reaktion erhoffe ich mir? Am heilsamsten ist es, wenn mich eine andere Mama verständnisvoll anblickt. Eine, die weiß, wovon ich spreche. Die mir sagt: „Ich weiß! Halte durch!“ Denn in den meisten Fällen geht es ums Durchhalten. Genau wie bei der Geburt. Auch die ist irgendwann vorbei. Manche spazieren nach ein paar Stunden aus dem Kreissaal, andere kämpfen und pressen über Stunden, um danach erschöpft dazuliegen. Wäre da jemand gekommen und hätte mir mit einem freundlichen Lächeln gesagt: „Also bei mir war das ganz anders. Vielleicht musst du es so probieren wie ich?“ Ich glaube, ich hätte losgeheult.
Viel gekostet
Mit etwa zwei Jahren haben meine Kinder jeweils angefangen, durchzuschlafen. Davor habe ich vieles ausprobiert, versucht, die perfekten Bedingungen zu schaffen, aber letztendlich einfach durchhalten müssen. Schlaf ist wohl auch eine Typ- und Charaktersache. Jedes Kind ist individuell. Wie kann man erwarten, dass alle gleich schlafen? Besonders, wenn sie so viele Entwicklungssprünge in so kurzer Zeit machen?
Letztens fragte mich meine Schwester, ob ich rückblickend nicht lieber ein strenges Schlaftraining gemacht hätte, wie es ihr Erfolg gebracht hatte. Ich verneinte und sagte, dass es für mich der richtige Weg war. Warum? Weil es für meinen Mann und mich stimmig war. Es war schwer und erschöpfend. Aber wir haben es ausgehalten und unsere Kinder begleitet. Wir haben ihnen gezeigt, dass wir da sind. Darauf bin ich stolz, weil es mich viel gekostet hat. Es war nicht leicht, die Reaktionen im Umfeld auszuhalten. Viele Nächte waren lang und einsam. Warum Mutterschaft mit all ihren Anstrengungen in den ersten Jahren mit so viel Schlaflosigkeit einhergehen muss, ist mir noch immer ein Rätsel. Und doch halte ich daran fest, dass Gott jede schlaflose Nacht bei mir war. Dass er mich gesehen hat. Dass es ihm nicht egal war. Wenn mich die letzten Jahre eins gelehrt haben: Die Liebe kostet etwas. Mutterschaft bedeutet Hingabe. Es verlangt alles von mir, das fällt mir manchmal schwer. Und doch weiß ich, dass ich an etwas ganz Großem dran bin. Dass Gott in mir arbeitet und mich immer wieder neu befähigt, meine Kinder zu lieben und ihnen zu dienen.
Eline van der Eijk ist Familienberaterin, wohnt mit ihrer Familie in Heidelberg und schreibt über ehrliche Mutterschaft auf Instagram unter „hundertprozentgeliebt“.








