Gewohnheiten Umkrempeln

„Unser Baby will nicht alleine einschlafen. Es schläft nur, wenn der Fön läuft oder wir Auto fahren. Wie kann ich das ändern?“

Viele Babys holen sich ihren täglichen Schlaf auf Autofahrten. Es ist ja auch wirklich einladend: das monotone Brummen in einem komfortablen Kindersitz bei angenehmen Temperaturen und gleichmäßigem Geschuckel, vielleicht noch eine kleine Melodie im Hintergrund. Erst recht, wenn das Kind versteht: „Das Auto fährt, wenn meine Mama vorne sitzt. Da bin ich in Sicherheit. Alles ist gut. Halten wir allerdings an, passiert irgendetwas. Als Erstes steigt Mama aus.“ Unruhezustände und Gewohnheit können die Situation schüren, dass Kinder nur noch im Auto schlafen wollen. Die Steigerung dessen ist, wenn Mama und Papa das Kind aus lauter Not angeschnallt in einen Auto-Sitz setzen und im Wohnzimmer mit Fön oder Ähnlichem und viel Geschuckel versuchen, ein Auto zu „simulieren“. Dann wird es für Eltern und Familie belastend. Bei dem einen Kind sind es die kommenden Zähnchen, beim anderen sind es Blähungen, familiärer Stress oder ein wunder Po, der das Kind zu Hause schlecht einschlafen lässt. Gewiss kennen Sie als Eltern das gespaltene Gefühl: Einerseits sind Sie heilfroh, dass Ihr Kind nach viel Geschrei endlich Ruhe gibt und schläft. Andererseits haben Sie das Wunschbild vor Augen, wie eine Mutter ihr Kind einfach nur ins Bettchen legt, ihm ein Küsschen gibt und liebevoll zuzwinkert, während das Baby bereits in süße Träume fällt. – Fern von Ihrer Realität, nicht wahr?

RUHE EMPFINDEN
Versuchen Sie, Unruhefaktoren auszuschalten. Sprechen Sie aufrichtig mit Ihrem Partner und Ihrem Kinderarzt, um möglichst gut einschätzen zu können, wie es Ihrem Kind geht. Wenn Sie sicher sind, dass bei Ihrem Kind alles in Ordnung ist, können Sie sich auf die Umgebungsfaktoren in der Wohnung und in Ihrer Partnerschaft einlassen. Was nimmt das Kind wahr? Schließlich dürfen Sie Ruhe empfinden. Es ist ja alles in Ordnung. Mit diesem Schritt beginnen Sie, Ruhe auszustrahlen – die halbe Miete im Umgang mit einem Baby. Vergewissern Sie Ihr Kind, dass es Ihnen vertrauen darf. Alles ist gut. Dennoch schläft das Baby nur im Auto. Und nun?

WOCHE DER UMGEWÖHNUNG
Wie schwer es ist, Gewohnheiten zu ändern, weiß jeder. Verabreden Sie mit Ihrem Partner einen Zeitpunkt, zu dem es Ihnen beiden gut genug geht, um Veränderung zuzulassen. Es bringt nichts, wenn einer der Eltern gerade nicht die Kraft, Geduld und Ruhe findet, um eine bewusste Woche der Umgewöhnung zu unterstützen. Einigen Sie sich auf einen Rhythmus, der zu dem Ihres Babys passen könnte. Mit Konsequenz einerseits, aber auch mit viel Liebe und Geduld, durchbrechen Sie den Kreislauf. Bedenken Sie aber auch, dass Ihr Baby vielleicht lieber in Ihrer Nähe schlafen möchte und nicht im eigenen Bett. Oft mögen Babys die Orte und Momente, wo ganz normales Alltagsleben praktiziert wird. Normalität beruhigt unter Umständen mehr als ein stilles Kinderzimmer. Schließen Sie individuelle Kompromisse, ganz zwangfrei und mit viel Bauchgefühl, aber nur solche, die für Sie und Ihren Partner in Ordnung sind. Schließlich eröffnen Sie die Tür zu einer neuen Gewohnheit. Und die soll doch allen gefallen, oder?

Irina Kostic ist Kinderkrankenschwester, Autorin und Mutter von vier Kindern. Sie lebt mit ihrer Familie in Nordfriesland. www.irinakostic.de

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