„Ich will das haben!“

„Jacob (4) bettelt bei jedem Einkauf penetrant nach Süßigkeiten oder Spielzeug.
Wie kann ich ihm vermitteln, dass man nicht immer alles kaufen kann?“

Ein Kindergartenkind wie Jacob erlebt in seiner Wahrnehmung immer wieder eine bunte, anregende Explosion: so viele Dinge, die er wiedererkennt. Und er weiß: Wenn ich das habe, geht es mir gut. Diese Erinnerung ruft beispielsweise ein Eiswagen hervor. Am Gesicht des Kindes können Sie als Eltern ablesen, wie der sichtbare Reiz – Eiswagen – mit den Erinnerungen verknüpft wird – „War so lecker!“ – und sogar in eine Transferleistung mündet: „Ich möchte noch einmal diesen Genuss erleben!“ Diese Gehirnleistung ist nötig für den Erwerb der Schulfähigkeit und zeigt eine gesunde Entwicklung.

„HEUTE NIX KAUFEN!“
Klingt gut, ist im Alltag aber herausfordernd. Dabei ist es jüngeren Kindern kaum möglich zu verarbeiten, dass ein Traumspielzeug zu teuer ist. 50 Cent oder Rappen haben denselben Wert wie eine Million – irgendwas Undefinierbares. Aber im Kindergartenalter beginnen Kinder, einen Sinn für Mengen und Zahlen zu entwickeln. Deshalb können kleine Übungen hilfreich sein. So wie ein Kindergartenkind auch üben wird zu teilen oder zu warten, sollte das Üben des Geldausgebens in diesem Alter auf der Agenda stehen. Schon im Auto vor dem Geschäft können Sie mit Jacob klären: Heute schauen wir nur schöne Dinge an und sammeln Ideen. Heute kaufen wir nichts. Oft haben unsere Kinder vor dem ersehnten XXL-Kuschelbär gestanden und gemurmelt: „Heute nix kaufen!“ Beim Lebensmitteleinkauf können Sie ein Ritual einführen: Jacob darf eine Frucht oder einen Joghurt aussuchen, aber nichts anders. Oder geben Sie ihm auf dem Wochenmarkt ein Geldstück, und Jacob darf selbst erfahren, welche Köstlichkeiten es dafür gibt. Wir haben sogar den Besuch eines Jahrmarktes zum Beispiel so gestaltet: Jedes Kind bekam drei Gutscheine: ein Fahrgeschäft, ein Essen für maximal drei Euro und einmal freie Wahl im Wert von drei Euro. So sind die Kosten für uns überschaubar, und auch das Kind erlebt den Wert des Geldes.

WARTEN KÖNNEN
Ab dem Vorschulalter können Eltern mit einem Minibetrag (nicht mehr als 50 Cent oder Rappen pro Woche) als Taschengeld beginnen. Es geht nicht um das Sparen für eine große Sache, sondern darum, mit dem Kind zu sehen, was für dieses Geld zu bekommen ist. Gehen Sie eher spielerisch damit um („Dafür bekommst du eine Kiwi oder einen Schokoriegel.“) und nicht vorwurfsvoll („Was stellst du dir vor? Für dieses Eis musst du noch vier Wochen warten!“). Das Warten auf etwas Nichterreichtes ist eine wichtige Übung im Bereich der Resilienz- Förderung. Eltern brauchen und sollten daher nicht jedes Mal den Wunsch erfüllen, auch wenn das Geld des Kindes nicht reicht. Natürlich sind die Enttäuschung und ein möglicher Wutausbruch nichts Wundervolles, aber sie können Wunder vollbringen. Denn das Kind erfährt: Ich überlebe diesen Verzicht. Ich schaffe es. Ich bin stark genug und versuche es wieder.

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

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