„Ein ’sorry‘ reicht mir nicht“

Es ist wichtig, eigene Fehler einzugestehen. Doch nicht immer erreicht ein „Tut mir leid“ den Partner so, dass ein Verzeihen möglich ist.

Manche Entschuldigungen fallen uns nicht schwer: Sie liegen uns nahezu auf der Zunge, und wir sprechen sie im täglichen Miteinander zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten fast automatisch aus: „Tut mir leid, dass ich störe“, „Tut mir leid, das zu hören!“ Manchmal entschuldigen wir uns nur aus reiner Höflichkeit. Wenn echte Konflikte in der Partnerschaft auftauchen, geht ein „Tut mir leid“ unter Umständen nicht mehr so leicht über die Lippen, und manchmal scheint es noch nicht einmal den gewünschten Effekt zu haben. Warum ist das so? Claudia und Frank hatten vereinbart, dass er heute um 19.00 Uhr nach Hause kommt, damit die Kinder nicht alleine sind. Claudia hat einen Abendtermin, den sie unbedingt wahrnehmen möchte. Doch um 19.30 Uhr ist nichts von ihm zu sehen, eine halbe Stunde später auch nicht. Claudia ist zornig, ihr Termin ist geplatzt. Mit Wut im Bauch fragt sie sich, warum sie sich nicht mehr auf die Zusagen ihres Mannes verlassen kann. Warum ihre Vereinbarungen offenbar keine Priorität mehr für ihn haben. Um 21.00 Uhr kommt Frank nach Hause. Claudia möchte wissen, was los war und stellt ihn zur Rede. Wie wird Frank reagieren? Wird er sich entschuldigen? Wird die Entschuldigung ernst gemeint sein?

Zerstörungspotenzial

Neuere Untersuchungen belegen, dass die Partnerschaftszufriedenheit in Beziehungen in den ersten zehn Jahren allgemein stark abnimmt. Die Zahl der Scheidungen erreicht beinahe 40 Prozent, während Beziehungen von Unverheirateten bei einer wesentlich höheren Trennungsrate liegen. Bei der Frage nach den Ursachen begegnet den Forschern in erster Linie ein Defizit in der Kommunikation und beim gemeinsamen Lösen von Problemen. Diese Mischung bildet ein hohes Zerstörungspotential für die Partnerschaft. Zurück zu Claudia und Frank. Nehmen wir einmal an, Frank ärgert sich selbst über seine Schusseligkeit. Er hat den Termin einfach vergessen. Ihm ist das sehr unangenehm. „Dass Claudia jetzt auch noch so ein Theater machen muss!“ Am liebsten möchte er, dass ganz schnell wieder Ruhe einkehrt und Gras darüber wächst. Um des lieben Friedens willen bringt er gerade noch ein „Ja, tut mir leid“ über die Lippen. Er meint, damit sei die Sache geklärt.

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