Den Takt selbst bestimmen

Das Dossier zum Thema „Ruhe“ in der aktuellen Family und FamilyNEXT ist mir persönlich sehr wichtig. Ich merke, dass ich ohne bewusste Ruhezeiten meinen Alltag nicht bewältigen kann. Und dass ich immer wieder das Tempo rausnehmen muss.

Einen wesentlichen Impuls, wie ich das praktisch umsetzen kann, habe ich beim Reiten bekommen. Ich reite ein eher phlegmatisches Schulpferd, das aber manchmal, vor allem gegen Ende der Reitstunde, eine Art Renntrab einlegt. Wahrscheinlich weil es hofft, dass die Stunde dann schneller rumgeht …

Beim Leichttraben muss der Reiter im Takt des Pferdes im Sattel aufstehen und sich wieder hinsetzen. Wenn meine liebe Merrie nun losrennt, gibt es einen bewährten Tipp der Reitlehrer: Langsamer aufstehen! Wenn ich mich nicht seinem Tempo anpasse, sondern selbst ein ruhigeres Tempo wähle, wird auch das Pferd wieder etwas langsamer. Funktioniert nicht immer (Merrie kann ganz schön stur sein), aber immer öfter.

Irgendwann fiel mir auf, dass man dieses Prinzip auch auf das Leben anwenden kann. Der Alltag gibt oft einen zackigen Takt vor: Noch schnell dieses erledigen, jenes organisieren, Kind 1 hierhin bringen, mit Kind 2 Vokabeln lernen … Wenn ich merke, dass es mir zu schnell wird, versuche ich, einen Gang zurückzuschalten. Ich will mich nicht an den Takt des Alltags anpassen, ich will ihn – soweit das möglich ist – selbst bestimmen. Ich will mir mein Lebenstempo nicht von anderen oder vom Alltag vorgeben lassen.

Wie das praktisch geht: Jetzt in der Adventszeit heißt das für mich zum Beispiel, die Weihnachtsdeko eine Nummer kleiner ausfallen zu lassen. Nicht jede Woche Plätzchen zu backen (die ja nicht mal eine Woche überleben …), für das Adventskaffeetrinken nur einen einfachen Blechkuchen zu backen. Und beim Weihnachtseinkauf gehe ich einfach mal einen Schritt langsamer. Ich höre dem Straßenmusiker zu, nehme die unterschiedlichen Gerüche wahr und stelle mir vor, ich sei im Urlaub in einer fremden Stadt …

Bettina Wendland
Redakteurin Family/FamilyNEXT

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