Übergewicht Teenager

„Er leidet unter seinem Übergewicht…“

„Unser Sohn war von klein auf ein guter Esser. Leider entwickelt sich das allmählich zum Problem. Er hat deutliches Übergewicht und leidet inzwischen sehr darunter. Was sollen wir tun?“

Ihr Sohn ist kein Einzelfall. In unserer Gesellschaft, in der wir jederzeit Zugriff auf leckere Lebensmittel haben, passiert es schnell, dass wir verlernen, auf unseren eigenen Körper zu hören. Laut einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Instituts sind unter den 3- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen 15,4 Prozent von Übergewicht und 5,9 Prozent von Adipositas, also starkem Übergewicht, betroffen.

DAS KÖNNEN SIE TUN:

Wenn Ihr Sohn unter seinem eigenen Gewicht leidet, soll er zunächst begreifen, dass sein Körper nicht hässlicher oder weniger liebenswert ist als mit weniger Pfunden. Im nächsten Schritt geht es darum, dass Ihr Sohn ein normales Essverhalten einübt. Nicht weil er nach einer Gewichtsabnahme attraktiver sein wird, sondern weil er sich rundherum wohler und gesünder fühlen und entsprechend fitter sein wird. Zur Einübung eines normalen Essverhaltens gehört, dass er zu den Zeiten isst, wenn er Hunger hat. Es bedeutet nicht zwangsweise, dass er nur noch gesundes Essen zu sich nehmen muss, sondern dass er durchaus essen darf, worauf er Lust hat, allerdings nicht zu jeder Zeit. Essen aus Frust oder Langeweile sollte er vermeiden. Wenn Ihr Sohn keine Lust auf Frühstück hat, dann darf er das ruhig ausfallen lassen. Er soll lernen, auf seinen Körper zu hören.

DAS LIEBER NICHT:

Animieren Sie Ihren Sohn nicht dazu, eine Diät zu machen. Diäten haben oft nur einen kurzfristigen Erfolg. Schon nach kurzer Zeit stellt sich das alte Gewicht wieder ein und gleichzeitig das Gefühl des Versagens. Zudem gibt es Jugendliche, bei denen eine Diät der Einstieg ins andere Extrem ist, nämlich in die Magersucht. So wie bei der 16-jährigen Lisa, die sich seit Monaten weigert, gemeinsam mit ihrer Familie zu essen. Sie hätte schon gegessen, behauptet sie und verschwindet in ihrem Zimmer. Lisa hatte früher Übergewicht, doch jetzt hungert sie, macht Sport und nimmt Woche für Woche weiter ab. Ihre Eltern schieben ihr Verhalten auf die Pubertät und hoffen, dass sich alles wieder von selbst normalisiert. Doch Magersucht ist eine Krankheit, die sogar tödlich verlaufen kann. Egal, ob zu dick oder zu mager: Essstörungen müssen ernst genommen werden. Deshalb scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erster Ansprechpartner ist der Kinder- oder Hausarzt.

Ingrid Neufeld ist Erzieherin und Mutter von drei erwachsenen Töchtern. Sie lebt in Schlüsselfeld in Oberfranken.