Irrtum Selbstliebe

Warum man sich selbst nicht lieben kann. Von Jörg Berger

Lassen wir uns ein wenig Zeitgeist um die Nase wehen. Da sind in angesehenen Verlagen folgende Titel erschienen: „Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest.“ Oder: „Lerne dich selbst zu lieben, dann liebt dich das Leben.“ In einem weniger bekannten Verlag heißt es sogar: „Heirate dich selbst: Wie radikale Selbstliebe unser Leben revolutioniert“. Dieser Titel war zum Zeitpunkt meiner Recherche Amazon-Bestseller Nr. 1 in der Rubrik Selbsterkenntnis. Wortschöpfungen spiegeln diesen Trend: Ich- AG, Ego-Shooter, Selfies … In Blogs, Tweets und Whatsapp- Nachrichten teilen Menschen auch ihre gewöhnlichsten Lebensvorgänge mit. Warum ist das interessant? Weil auch das Gewöhnliche die ganz persönliche Erfahrung eines Ichs ist. Und eben das macht die Erfahrung mitteilenswert.

Selbstbezogenheit liegt im Trend. Doch die Menschheit war schon einmal weiter. Die alten Griechen sahen in der Selbstliebe eine Strafe der Götter. Narziss, ein stolzer, junger Mann, wies die Liebe anderer zurück. Die Rachegöttin Nemesis strafte Narziss daraufhin mit unstillbarer Selbstliebe. Er verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild. Sigmund Freud hat diesen Mythos Anfang des 20. Jahrhunderts zum Ausgangspunkt eines der wichtigsten psychologischen Konzepte gemacht: Der Narzissmus bezeichnet die Reaktion eines ungeliebten Kindes, das seine Liebe von anderen abzieht und auf die eigene Person richtet. Freud beschrieb damit die schwerste Störung der Liebesfähigkeit. Heute spricht man nicht nur von traurigen Einzelfällen, sondern auch von einer narzisstischen Gesellschaft.

2 Kommentare
  1. Marita Schroers says:

    Hallo noch Selbstliebende?!,
    ich finde es fantastisch sich selbst also sein eigenes Selbst, das von Gott kommt zu entdecken. Ich stimme dem Artikel nicht zu aus mehreren Gründen. 1. Ich empfinde einen Mangel an konkretem Wissen über Selbstliebe in Christenkreisen. Wenn ich Pfarrer frage, dann stoße ich schnell auf Grenzen der Erklärung.
    2. Gottes Wort spricht selbst von Selbstliebe im Rahmen von Nächstenliebe und Gottesliebe. Also ein wunderschönes Beziehungs-Dreieck.
    3. Selbstliebe erfahren ist total spannend und sehr förderlich um Frieden wahrzunehmen mit seinem Selbst. Durch ein neues göttliches Selbstbild des Angenommenseins, der totalen Wertschätzung von Gott usw. der Himmel ist voller Liebe und ich bin ja sein Mitbürger. Dort erlebe ich ein Flow an gutem.
    4. Jesus spricht, dass er uns seinen Frieden gibt und Leben die Fülle. Das bezieht sich auch auf unsere Vorstellungen also inneren Bilder und Heilung meiner Gefühle.
    Fazit: Erst durch das persönliche Erlauben, dass ich Gottes Wahrheiten nicht zweifelnd sondern annehmend in Gedanken, Gefühlen und Handeln (innerer bester Freund und nicht der berühmte Kritiker) werde ich zu dem Menschen, der Liebe empfinden kann und sie versteht weiterzugeben.
    Gottes Liebe sprengt unsere Grenzen, dass wünsche ich jedem persönlich zu erleben fernab von Narzissmus und Egoismus.
    Liebe Umarmung
    Marita

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