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Artikel aus den Heften

Der Countdown läuft!

Es bleibt spannend: In vier Wochen erscheint die erste Ausgabe von FamilyNEXT. Und natürlich auch die neue Family. Heute sind wir noch mal alle Seiten von Family und FamilyNEXT durchgegangen, damit beide Zeitschriften auch richtig gut werden. Da ja ein Teil der Seiten in beiden Ausgaben gleich sind und ein Teil unterschiedlich, ist es etwas komplizierter als sonst. Aber es sieht gut aus.

Wir haben auch schon unsere Lieblingsartikel: Zum Beispiel eine Artikelstrecke zum Thema „Seelenverwandt“. Und einen Artikel zum „Potenzial entfalten“. Außerdem gibt es zwei ganz tolle Kreativseiten, eine für Family (Eulenlaternen für Sankt Martin) und eine für FamilyNEXT (Die Regentagbox).

Im Dossier geht es um „Das Erbe unserer Familie“, ein ausgesprochen spannendes Thema, das wir von verschiedenen Seiten beleuchten: Wie gehe ich mit Ähnlichkeiten um („Du bist wie deine Mutter“)? Welche Familientraditionen und -eigenheiten will ich in meiner eigenen Familie übernehmen? Und wie rede ich mit meinen erwachsenen Eltern über ihren Nachlass (exklusiv in FamilyNEXT)?

Ihr könnt euch also schon mal vorfreuen!

Übrigens: Uns haben schon mehrere Leser und Leserinnen angeschrieben, weil sie gern von Family zu FamilyNEXT wechseln möchten. Das geht am einfachsten direkt bei unserer Abo-Abteilung: vertrieb@bundes-verlag.de oder Tel: 02302/930 93 – 910. Schweizer wenden sich an info@scm-bundes-verlag.ch oder Tel: 043/288 80 10.

Ihr wollt bei Family bleiben? Dann braucht ihr gar nichts zu unternehmen. Außer der Vorfreude natürlich!

Bettina Wendland

Redakteurin Family und FamilyNEXT

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/IMG_2299.jpg 1224 1632 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-09-21 13:40:452016-09-21 13:40:45Der Countdown läuft!

Besorgte Eltern

Zwei Klassenpflegschaftssitzungen innerhalb einer Woche liegen hinter mir. So schlimm, wie sie gern in Blogs und Kolumnen beschrieben werden, waren sie nicht. Im Gegenteil. Ich habe engagierte Lehrer und nette Eltern erlebt. Aber ich habe auch viele besorgte Eltern erlebt. Eltern, die sich Sorgen machen, dass ihr Kind den Anschluss verliert. Dass es vielleicht erst gar nicht in der Schule ankommt, weil es nun mit dem Bus fahren muss. Oder dass es trotz Inklusion nicht genug Förderung bekommt.

„Eltern haben keine Sorgen, sie machen sich welche“ – diesen Satz habe ich vor kurzem aufgeschnappt. Natürlich stimmt er so nicht. Denn viele Eltern haben in der Tat ernsthafte Sorgen. Aber es stimmt schon, dass wir Eltern manchmal dazu neigen, uns Sorgen zu machen, wo es gar nicht nötig wäre.

Als es in der 8. Klasse darum ging, dass im Rahmen der Berufswahlvorbereitung eine Potenzialanalyse mit den Kindern durchgeführt werden soll, spürte ich, wie manche Eltern fast erschraken: „Mein Kind wird getestet. Was, wenn es nicht gut genug ist?“ Dabei handelte es sich ja nicht um einen Einstellungstest, sondern lediglich darum festzustellen, in welchen Bereichen das Kind gute Fähigkeiten und ausbaufähiges Potenzial hat. Da kommen möglicherweise Aspekte zu Tage, die Eltern bisher nicht im Blick hatten. Vielleicht hat das Lehrerkind gute Voraussetzungen für einen handwerklichen Beruf? Oder der Künstlersohn eher das Potenzial zum Ingenieur?

Manchen Eltern machte es aber offensichtlich Angst, dass ihr Kind „getestet“ werden sollte. Fürchteten Sie in der Bewertung Ihres Kindes auch eine Bewertung ihrer eigenen „Leistung“? Machen wir Eltern unser Selbstwertgefühl vielleicht manchmal zu sehr vom „Wohlgeratensein“ unserer Kinder abhängig?

In der 5. Klasse ging es stärker darum, wie die Eltern nachvollziehen können, was die Kinder in der Schule gerade lernen. In unserer Schule gibt es keine Hausaufgaben. Und es wird großer Wert gelegt auf selbstständiges Arbeiten. Gerade für Fünftklässler eine große Herausforderung. Aber offensichtlich auch für ihre Eltern. Eine Mutter meinte, ob es nicht besser sei, dass die Kinder übers Wochenende Hausaufgaben bekämen, damit die Eltern wüssten, was sie gerade durchnehmen.

Ich fühlte mich einen Moment schlecht. Denn ich bin so froh, dass wir diese leidigen Hausaufgaben am Wochenende los sind, die uns in der Grundschulzeit so manche Nerven geraubt haben. Aber Moment mal: Kann es sein, dass man die sehr durchdachte Arbeitsstruktur der Schüler ändert und ihnen ihr freies Wochenende verdirbt, nur damit die Eltern wissen, ob sie gerade Bruchrechnen oder Statistik machen?

Ich verstehe, dass Eltern sich sorgen, dass ihr Kind mit dem selbstständigen Lernen nicht klar kommen könnte. Und es dann irgendwann in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen ist. Leider gibt es ja auch genug Eltern, die sich viel zu wenig dafür interessieren, was ihr Kind den ganzen Tag so macht. Aber ich würde mir an dieser Stelle mehr Vertrauen wünschen. Vertrauen in das eigene Kind, dass es seinen Weg machen wird. Vertrauen in die Lehrer, die oft mit viel Herzblut ihren Job machen. Und nicht zuletzt auch Vertrauen in Gott, dem wir unsere Kinder anvertrauen können.

Gerade heute bekam ich eine Pressemeldung von einer Firma, die verschiedene technische Geräte für Familien anbietet. Zum Beispiel eine WLAN-Monitoring Kamera fürs Baby, die gleichzeitig auch die Temperatur misst (allerdings nur die Raumtemperatur, nicht die Körpertemperatur des Babys – da ist noch Luft nach oben). Oder einen Luftbefeuchter fürs Kinderzimmer, den man mit dem Smartphone steuern kann (wieder was für die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“). Außerdem bietet die Firma ein Gerät für Grundschulkinder an, das dem Kind vermittelt, ein Smartphone light zu sein – es kann damit übers Internet Musik hören und Videos schauen. Eigentlich handelt es sich aber um ein Überwachungsgerät: Die Eltern können nicht nur ständig  kontrollieren, welche Inhalte ihr Kind nutzt, sondern auch, wo es sich gerade aufhält.

Aber wie sollen unsere Kinder zu selbstständigen und selbstbewussten Erwachsenen werden, wenn wir sie krampfhaft festhalten – und sei es auch „nur“ digital? Richtet so ein Überwachen nicht mehr Schaden an als eine verpatze Mathearbeit? Loslassen fängt nicht erst an, wenn die Kinder aus dem Haus gehen. Es ist ein langer Prozess. Der ist für uns Eltern oft schwer. Aber für uns und vor allem unsere Kinder notwendig.

Bettina Wendland

Family-Redakteurin

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/day-walker_photocase.de_.jpg 2000 2000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-09-15 12:09:142016-09-15 12:09:14Besorgte Eltern

Wellness in der Bikerwerkstatt

Christof Matthias über die Faszination des Schraubens.

Als wir letztens in unserer Männerrunde (siehe Family 2/16) zusammensaßen, erzählte ich von einem Beitrag in einer Autozeitschrift. Das Redaktionsteam hatte sich zusammengetan, um einen schrottreifen Oldtimerkäfer zu restaurieren. „Hey Jungs, wäre das nicht was?“ Alle waren von der Idee begeistert. Nur leider wohnen wir weit auseinander, haben außer unseren regelmäßigen Treffen kaum Berührungspunkte und auch nicht die Zeit, so etwas realistisch umzusetzen. Schön war der Gedanke trotzdem.

Wenn ich ans Schrauben denke, werde ich lebendig. Irgendwie hat mich die Technik in der praktischen Art immer angezogen. Das hat auch mit meinem zweiten beruflichen Lebensabschnitt zu tun. Damals hatte ich tatsächlich eine eigene (Männer-) Tankstelle inklusive Werkstatt gepachtet. Einige Jahre verbrachte ich mit, an und unter Autos. Das war eine Zeit, in der vieles noch freier schien, alles irgendwie möglich und machbar. „Geht nicht“ gab es nicht. Zumindest probierten wir alles. In Nacht- und Nebelaktionen wurden die Fahrzeuge Liegengebliebener wieder zusammengeflickt, zwar provisorisch, aber sie konnten weiterfahren. Verbunden damit waren ein einzigartiger Flair – und der ständig präsente Benzin- und Ölgeruch.

Heute ist es deshalb für mich nicht ganz leicht, mit meinen Fahrzeugen zur Inspektion oder zum TÜV zu fahren, ohne selbst Hand anlegen zu dürfen. „Finger weg, jetzt schrauben andere“ muss ich mir da schweren Herzens immer sagen.

Mein erstes eigenes Fahrzeug vor genau 40 Jahren war ein Motorrad, eine RD 350, noch mit autoluber Getrenntschmierung. Wichtig war mir, sie durch eine schärfere Nockenwelle auf 34 PS zu bringen, und natürlich wurde sie schon mal ausprobiert, bevor ich den Führerschein in den Händen hatte (nicht weitersagen).

Autos sind heute noch immer prima, aber eher die Pflicht, Motorräder die Kür. Deshalb freue ich mich besonders, nach meinen Beratungsgesprächen oder Supervisionssitzungen, ab und zu mal bei einem befreundeten Bikehändler aufzulaufen. Dort ist es mir erlaubt, in der Werkstatt rumzulungern oder mich mit einer Story in ein Verkaufsgespräch einzumischen. Der Funke springt noch immer über. Die jeweils neuen Modelle werden dann einmal von mir besetzt oder auch ausführlich zur Probe gefahren. Ein kurzes Fachgespräch über die Stärken der aktuellen 3-Zylindermodelle von Yamaha belebt meine Seele. Das ist eine meiner persönlichen Tankstellen, in der es ganz speziell riecht. Es ist eine Mischung der Ausdünstungen von Ölen, Fetten und Leder, die im Raum wabert. Bestimmt nicht jedermanns Sache, aber jeder Mann hat sicher seinen speziellen Erinnerungsduft, der ihn lebendig werden lässt. Vielleicht gilt es diesen wiederzuentdecken.

Mich erinnert das auch an die Jünger von Jesus, die auch immer wieder zu ihrer vergangenen Tätigkeit zurückgingen – dem Fischen. Und da – das weiß ich sicher – ist der Geruch nun ganz speziell. Der geht noch nicht einmal mit Waschen weg.

Christof Matthias ist freiberuflicher Supervisor und Regionalleiter von Team.F, Vater von drei leiblichen Söhnen, einem mehrfach behinderten Pflegesohn, zwei Schwiegertöchtern und Opa von zwei Enkeltöchtern.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/Tanke-Mann.jpg 653 1117 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2016-09-14 15:41:252016-09-14 15:41:25Wellness in der Bikerwerkstatt

Alles wird gut

Elisabeth Vollmer muss akzeptieren, dass sie ihre Kinder nicht vor allem beschützen kann. Zuversichtlich ist sie trotzdem.

Oktober 2001: schweißgebadet wache ich auf. Der 11. September hat mich in meine Träume verfolgt: Tabea im Tragetuch, die Jungs an der Hand befinde ich mich auf der Rolltreppe eines Einkaufzentrums, das in sich zusammenfällt. Mit meinem Körper versuche ich, meine Kinder zu schützen. Meine beruhigenden Worte „Alles ist gut, ich passe auf euch auf“ sind schlicht falsch, und genau dieses Bewusstsein trifft mich tief und lässt mich schweißgebadet aufwachen. Der Traum vergeht, das Bewusstsein bleibt: Ich kann meine Kinder nicht in allem beschützen. Und es ist auch nicht gewiss, dass alles in diesem Leben gut ausgehen wird. Meine Grundzuversicht ins Leben wird in dieser Nacht erschüttert. Vielleicht bin ich auch dort erst erwachsen geworden.

Inzwischen sind meine Kinder groß. Ich bin immer noch Mutter und würde so gerne beschützen und beruhigen, stärken und auf einen guten Weg begleiten. Und in vielen Bereichen kann und darf ich das auch noch. Aber meine (vermeintlichen) Beschützer-Möglichkeiten sind geringer, die Risikofaktoren sind größer (und mir bewusster) geworden. Damit zu leben und umzugehen, fordert mich immer wieder heraus. Ich stolpere und schlingere dabei. Aber es gibt drei Lebensweisheiten, die mir dabei hilfreiche Krücken geworden sind:

Die Erste stammt von meiner Schwester Ulrike: Jonas war ein paar Tage alt und ich im postnatalen Hormontief, als ich aufgrund einer heftigen Neugeborenengelbsucht um seine Gesundheit bangte. Im Telefonat gab sie mir ein Bild weiter: „Du bist das Mutterschaf. Du kümmerst und sorgst dich um dein Lämmchen und das ist gut so. Aber du kannst und musst nicht alles machen. Es gibt auch noch den guten Hirten. Er hält dich und dein Lämmchen und kümmert sich um euch beide. Du darfst ihm auch und gerade jetzt vertrauen.“ Das übe ich seitdem. Mein Job ist nur der des Mutterschafs. Der Hirte ist ein anderer.

Von Sören Kierkegaard stammt das Zitat: „Gott macht aus dem Verkehrten noch das Bessere, als es das Richtige gewesen wäre.“ Aus unbekannter Quelle stammt das ähnliche Zitat: „Gott macht aus Mist Dünger.“ Verkehrte Entscheidungen, Schuld, Fehler … gehören zum Leben dazu. Das darf ich mir, meinen Kindern, meinem Mann und allen anderen zugestehen. Gott kann daraus trotzdem „Dünger“ oder sogar „das Bessere“ machen. Falsch bleibt es trotzdem und fühlt sich auch so an. Das ist nicht schön, aber normal!

Und zum Dritten dann noch Joachim Ringelnatz: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass dir der Kragen platzt“ in Kombination mit dem Zitat von Papst Johannes XII: „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig.“ Ich kann mich dafür entscheiden, meine Sorgen sich nicht dadurch aufblähen zu lassen, dass sie meine beständige Aufmerksamkeit bekommen. Zum zweiten hilft eine gute Portion Humor sogar dann, wenn mir nicht zum Lachen zu Mute ist. Lachen baut Stress ab, entspannt und setzt Glückshormone frei. Schon Lächeln hilft.

Nun kann ich zwar nicht behaupten, dass ich dadurch zur Expertin in Zuversicht, Loslassen und Glaubensstärke geworden wäre. Krücken sind Krücken. Marathon läuft man damit nicht und manchmal gibt es sie immer noch, diese gruselig-große Sorge ums Leben und meine Liebsten. Aber ich bin dran und zuversichtlich, dass am letzten Ende wirklich alles gut sein wird.

Elisabeth Vollmer ist Religionspädagogin und lebt mit ihrer Familie in Merzhausen bei Freiburg.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/Tanke.jpg 509 907 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2016-09-14 15:06:132016-09-14 15:32:24Alles wird gut

Wenn Gott auf der Bettkante sitzt

Ein Infekt zwingt die sonst so aktive Veronika Smoor ins Bett. Und beschenkt sie mit wichtigen Erkenntnissen.

„Und du wirst mich immer lieben, richtig?“
„Ja.“
„Selbst der Regen wird das nicht ändern?“
„Nein.“
– Ernest Hemingway –

Legen Sie sich das ganze Wochenende hin, und lassen Sie Ihren Mann die Kinder übernehmen.“ Mein Arzt schaut mich streng über seine Brille hinweg an. Ich habe einen grippalen Infekt verschleppt und bin das dritte Mal innerhalb von fünf Wochen krank. Stur und ärztemisstrauisch wie ich bin, habe ich mich lange geweigert, fachlichen Rat zu suchen (weil Dr. Google selbstverständlich kompetenter ist). Aus Sorge hat mein Lieblingsmann einen Termin für mich vereinbart. Also sitze ich nun hier und muss mir mit gesenktem Haupt anhören, dass weder Eigenblut-Therapien noch Smoothie-Kuren mein Immunsystem auf Vordermann brächten, sondern nur die gute altmodische Bettruhe.

Es ist Hochsommer und meine Projekte laufen auf Hochtouren. Täglich bombardiert mich mein überaus produktiver Garten mit Tomaten, Zucchini, Brombeeren und Gurken. Außerdem wollen Kräuter geerntet und verarbeitet werden, denn ich habe mich meinem neuesten Hobby, der Herstellung von Kräutermedizin, gewidmet (welch Ironie in meinem Zustand). Ein Kunde wartet dringend auf einen Rückruf, weil ich seine Hochzeit fotografieren soll. Aber ich bin so schrecklich heiser, und ich will bei ihm und seiner zarten Verlobten nicht den Eindruck hinterlassen, ich würde mich in meiner Freizeit dem hemmungslosen Genuss von Whiskey und Zigaretten widmen. Außerdem wollte ich noch zwei Partys organisieren.

SCHWER WIE BLEI
Zähneknirschend gebe ich dem Arzt recht. Da ich beruflich selbstständig bin, kann ich mich nicht krankschreiben lassen und mit einem wohligen Juhu in die Sofakissen sinken. Ich muss mir selbst die Erlaubnis erteilen, krank sein zu dürfen. Und das habe ich die letzten fünf Wochen nicht getan. Stur habe ich Foto-Termine abgearbeitet, Gemüse eingeweckt, Beeren gesammelt, bin mit den Kids geschwommen und habe das Kinderzimmer neu gestrichen. Nun liege ich hier, mitten in den Kissen und fühle mich gar nicht wohlig. Draußen tobt der schönste Sommer. Und ich versumpfe hier drin.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/Family_2016_5_DS_Seite_40.jpg 495 700 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2016-09-14 14:45:322016-09-14 14:45:32Wenn Gott auf der Bettkante sitzt

Weniger Zeug, mehr Raum

Nicht erst seit Silbermonds Song „Mit leichtem Gepäck“ fragen sich Familien, wie sie ihr Leben vereinfachen und erleichtern können. Auch Rachel Suhre aus dem Hunsrück ist mit ihrer Familie minimalistisch unterwegs.

Eine ausrangierte Fahrradzeitschrift und diverse Holztiere liegen verstreut auf dem Boden herum. Hinter mir ein kleiner Haufen Krimskrams: Drei bunte Badeschwämmchen, ein lila Handspiegel, zwei Spielzeugautos, eine Dino-DVD und ein Handglöckchen aus Metall. Ein kleiner Haufen Spielzeug, der es vom Wohnzimmer nicht ins Kinderzimmer geschafft hat. So sieht das Leben als Familie aus, die sich mit dem Thema Minimalismus auseinandersetzt? Ja. Vor etwa sieben Jahren begann für uns das Weniger relevant zu werden. Wir lebten in einer Wohnung voller Dinge. So viel Besitz wie damals haben wir seitdem nicht mehr gehabt, dennoch ist es noch immer einiges.

DREIMAL MEHR
Es fing damit an, dass wir von allen vermeintlich notwendigen Babyutensilien mindestens zwei hatten: zwei Babyphone, drei Wippen, zwei Babyschalen fürs Auto, Unmengen Babykleidung. Wir begannen zu reduzieren. Erst den Babykram, dann Bücher, DVDs, Kleidung, Möbel.

Anfangs fehlte uns einfach der Platz. Dann wurde uns bewusst, wie viel Pflege und Arbeit viele Dinge erfordern. Sei es die Instandhaltung technischer Geräte oder das Säubern und Ordnen von Regalen und Kommoden. Beides erfordert Zeit, die wir plötzlich zurückgewannen und für anderes einsetzten. Das Leben wurde leichter, und wir hatten plötzlich wieder mehr Raum. Mehr Raum für uns, mehr Raum zum Spielen, mehr Raum zum Durchatmen. Das sind meine ganz persönlichen drei Mehr, von denen wir heute als Familie profitieren.

Nach dieser Erfahrung entschieden wir, nur noch das in unseren Haushalt hineinzulassen, was wir wirklich brauchen. Wir haben keinen Fernseher. Allerdings schauen wir ausgewählte Kinderserien am Notebook, und das Tablet darf zum Spielen verwendet werden. Ich stelle keine Regale im Wohnzimmer auf. Ich halte den Süßigkeitenkonsum gering, und das Spielzeug unterliegt meiner mal mehr, mal weniger strengen Auswahl. Unser Wasser trinken wir aus dem Hahn und nicht mehr aus der (Plastik-)Flasche. Wir kaufen viel frisch aus dem Bio-Hofladen und den Joghurt in Gläsern. Bücher leihen wir uns aus der Bücherei. Wir sind viel draußen unterwegs. Deshalb hat jeder ein eigenes Fahrrad. Ist das Minimalismus? Keine Ahnung. Das machen viele Familien so, ganz ohne das große Wort Minimalismus.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/Family_2016_5_DS_Seite_27.jpg 495 700 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2016-09-14 12:20:002016-09-14 12:20:00Weniger Zeug, mehr Raum

Glühbirnen-Bildchen und Checklisten

ADHS-Trainerin Judith Gruhler gibt Tipps, was betroffenen Familien helfen kann. Teil 2 unserer Mini-Serie zu ADHS

Ein Leben mit ADHS bringt ständige Herausforderungen mit sich – das kostet Kraft. Vor allem, wenn man als Elternteil selbst auch betroffen ist! Doch es ist möglich, dass der Alltag entspannter wird. Dazu möchte ich in diesem Artikel einige Anregungen geben. Diese ersetzen allerdings kein Elterntraining! Darum ist der erste Tipp: Nehmen Sie an einem ADHSElterntraining teil! Dort lernen Sie, Ihr Kind besser zu verstehen und besser mit ihm umzugehen. Dazu gehört zu verstehen, welche Auswirkungen die andere Netzwerknutzung im Gehirn eines Kindes mit ADHS hat (siehe Teil 1 der Mini-Serie in Family 4/16). Und sie können sich dort mit anderen Eltern austauschen. Das gilt auch für ADHSSelbsthilfegruppen. Je mehr hilfreiches Wissen Sie über ADHS haben, umso besser werden Sie den Alltag bewältigen können (Infos und Buchtipps siehe Kasten).

VORSICHT, GEÄNDERTER FAHRPLAN!
Was kann helfen, dass der Alltag entspannter wird? Einige praxisbewährte Anregungen dazu:

  • Kinder mit ADHS haben Probleme mit Umstellungen. Sie brauchen eine Ankündigung vor einer Umstellung, etwas Neuem oder einer „Fahrplanänderung“. Hilfreich ist ein Küchenwecker, der als Ankündigung beispielsweise fünf Minuten vor dem Ende des Spielens läutet.
  • Bei einem Kind mit ADHS, das überreizt oder irritiert ist, kann die Stimmung unmittelbar kippen. Es kann heftig erregt sein und verletzende Dinge sagen. Nehmen Sie diese Äußerungen nicht persönlich! Versuchen Sie, tief durchzuatmen. Stellen Sie sich vor, vor Ihnen sei eine Plexiglasscheibe, an der die Aussagen Ihres Kindes abprallen.
  • Achtsamkeit, Gelassenheit und Humor können bewirken, dass Schweres leichter wird. Diese Fähigkeiten kann man lernen, dazu braucht man jedoch Zeit!
  • Weil der Alltag viel Kraft kostet, ist ein positiver Ausgleich wichtig. Tun Sie regelmäßig etwas, das Ihnen guttut, wo Sie auftanken können. Um Stresshormone abbauen zu können, ist Bewegung sehr gut. Planen Sie auch Zeiten ein, in denen Sie gemeinsam mit dem Kind etwas Schönes erleben können.
https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/Family_2016_5_DS_Seite_35.jpg 495 700 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2016-09-14 12:13:562016-09-14 12:13:56Glühbirnen-Bildchen und Checklisten

Endgültig am Ende

Wann der Neuanfang nach dem „Seitensprung“ gelingen kann. Und wann der Zerbruch nicht aufzuhalten ist. Von Stanislaus Klemm

Ein Paar kommt in die Eheberatung. „Mein Mann ist öfters fremdgegangen“, so die Frau, „ich sehe keine Basis mehr, ihm zu vertrauen. Gibt es dennoch eine Chance, unsere Ehe zu retten?“ Die Erfahrung zeigt, dass diese Frage generell sicher genau so oft verneint wie auch bejaht werden könnte. Es spielen dabei ganz sicher viele Faktoren eine entscheidende Rolle. Was sind das eigentlich für Wege, d ie d ann e ntweder z um u nwiderruflichen A bbruch oder aber zu einem neuen Aufbruch führen können?

Man kann leicht zu dem Schluss kommen, dass die eheliche Treue heute nicht mehr hoch im Kurs steht und im Begriff ist, ein trauriges Auslaufmodell zu werden. Immer selbstverständlicher und alltäglicher wird vom „Fremdgehen“, von außerehelichen Beziehungen oder dem „Seitensprung“ gesprochen oder in den Medien berichtet. Vielfach wird die Liebe zweier Menschen geradezu lieblos in unüberlegter Begrifflichkeit als One-Night-Stand abgehandelt – nach dem Motto: „einmal ist keinmal“. Gleichzeitig gibt es aber auch einen ganz anderen Befund: Die Treue und vor allem die sexuelle Treue wird von Frauen und Männern, aber ganz besonders von Jugendlichen als eines der Fundamente gelingender Partnerschaft angesehen. Vielleicht steckt dahinter doch eine Ahnung davon, dass das eheliche Vermächtnis: „den anderen zu lieben, zu achten und ihm in guten wie in schlechten Tagen die Treue zu halten“ nichts Geringeres ist als der Ausdruck einer Wahrheit, die hinter jeder Liebe steht.

Wenn man als gläubiger Mensch hinter dieser menschlichen Liebe das Fundament einer noch größeren Liebe erkennt, dann erscheint uns Treue nicht mehr nur als „Verpflichtung“. Sie ist unsere ganz natürliche Antwort, vielleicht auf eine biblische Zusage, wenn Gott sagt: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ (Josua 1,5) Und dennoch erfahren viele Männer und Frauen – zusammen mit ihren Kindern – immer wieder, dass sie vom anderen Partner hintergangen, betrogen und gedemütigt worden sind. Grund genug, die Partnerschaft für immer beenden zu wollen.

SELBST VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN
Von außen betrachtet scheint die Rollenverteilung klar. Es gibt einen Missetäter und ein Opfer. Wir sind da oft ähnlich schnell in unserem Urteil wie die Pharisäer, die eine ehebrecherische Frau zu Jesus schleppten, in der Hoffnung, er möge ihre Steinigung anordnen. Wir achten kaum auf das, was ihn zum Täter, sie zur Täterin machte oder „vorbereitete“. Hier gibt es dann auch Gründe genug, sich dieses verletzende Verhalten hinlänglich zu erklären. Friedrich Nietzsche lässt einmal in seiner Schrift „Also sprach Zarathustra“ eine Frau sprechen: „Zwar brach ich die Ehe, doch zuvor brach die Ehe mich!“

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/Family_2016_5_DS_Seite_23.jpg 495 700 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2016-09-14 11:56:232016-09-14 11:57:41Endgültig am Ende

Der gefangene Mann

Wenn die Arbeit Ehemänner und Väter fesselt, leiden Partnerschaft und Familie. Doch es gibt Auswege aus den Zwängen. Von Jörg Berger

Er ist freundlich und gewinnend. Er begeistert sich schnell und setzt sich voll ein. Auch Ausdauer, Belastbarkeit und Verlässlichkeit gehören zu seinen Qualitäten. Trotzdem erzählen Ehefrauen ihren Freundinnen mit einem Seufzen von ihm, manchmal auch mit Tränen in den Augen. Kleinkinder fremdeln und lassen die Mama nicht alleine weg, obwohl doch der Papa da ist. Schulkinder beklagen sich: „Du bist nie da.“ Jugendliche behandeln ihn wie einen WG-Mitbewohner.

Der gefangene Mann hätte das Zeug zum perfekten Ehemann und Vater. Aber eine dunkle Macht zieht ihn immer wieder aus dem Haus, raubt ihm das Beste, was er zu geben hat und entlässt ihn erst spät abends – müde und zerstreut – nach Hause. Natürlich hat das Ehepaar schon oft über das Thema Arbeit gesprochen. Es hat gestritten, Vorsätze gefasst und Schlachtpläne geschmiedet. Es hat kleine Siege über die Fremdbestimmung errungen wie zum Beispiel ein völlig freies Wochenende. Aber sobald das gemeinsame Bemühen nur ein wenig erlahmt, nimmt die Arbeit wieder zu. Die Macht der Arbeit erweist sich als stärker als die Macht der Liebe.

Als ich meiner Familie beim Mittagessen von dem anstehenden Artikel erzähle, verstehe ich das Gelächter nicht gleich. Ob sie als Betroffene etwas dazu schreiben soll, fragt meine Frau. Nein, ich schreibe hier über die anderen, die richtig schweren Fälle. Oder doch nicht? Bin ich auch schon auf dem Weg zum gefangenen Mann? Oder komme ich in manchen Wochen dem Prototyp, den ich hier beschrieben habe, schon bedenklich nahe? Auch wenn Sie noch nicht im Endstadium angelangt sind, kann es spannend sein, einmal das eigene Arbeitsverhalten und die Beweggründe dafür unter die Lupe zu nehmen. Ich schreibe bei diesem Thema über Männer, weil es mir bei ihnen in der Praxis häufiger begegnet. Auch Frauen kann die Arbeit gefangen nehmen, dies zeigt sich aber in anderen Formen, und auch die Beweggründe sind andere.

Wenn Arbeit gefangen nimmt, hat das unterschiedliche Gründe. Vier davon stelle ich Ihnen im Folgenden genauer vor.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/Family_2016_5_DS_Seite_17.jpg 495 700 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2016-09-14 11:50:222016-09-14 11:50:22Der gefangene Mann

Auf Namenssuche

WEICHENSTELLUNG – Bei der Suche nach einem schönen Namen für ihr Kind haben die Hullens schon eine gewisse Routine, aber das hilft nur bedingt.

Katharina: Unglaublich: Bald wird ein fünfter kleiner Hullen diese Welt ein bisschen bunter machen! Wir freuen uns riesig – und grübeln nun darüber nach, wie unser Kind wohl heißen soll. Die Verantwortung, die Eltern in dieser Frage tragen, wiegt schwer. Der Name kann dem Kind den Weg in ein leichteres oder schwereres Leben ebnen. So viele Dinge, die beachtenswert sind:

  • Passt der Name zum Nachnamen? Luis Hullen – zuviel U, Smilla Hullen – zu viel L …
  • Welche Bedeutung hat der Name? Irgendwie ist es nicht so toll, wenn mein Kind „die Hinkende” (Claudia), die „Bittere” (Miriam) oder „der Gehörnte” (Cornelius) heißt. Ganz egal, wie schön der Name ist.
  • Überhaupt, wie klingt der Name, wenn ich das Kind mal rufen muss? „JASON!“ über den Spielplatz gebrüllt ist ganz nah dran an: „SCHE_I_SSEN!” Auch bei Max würde es mir schwerfallen, beim Schimpfen ernst zu bleiben. MAX! Max, Mux, mix … maunz!
  • Was assoziiert man mit einem Namen? Alle Kevins und Chantalles wissen, was ich meine. Welchen ersten Eindruck vermittele ich, wenn ich mich mit Bosse Hullen vorstelle? Denkt nicht jeder sofort an ADHS, wenn mein Kind Sturmius- Vito heißt?
  • Außerdem gibt es noch die historischen Vorbilder, die man unter die Lupe nehmen sollte, bevor man sich für Namen wie Kain, Nero oder Brutus entscheidet. Darum ist auch „Mats” seit der letzten Bundesliga- Rückrunde für meinen Mann keine Option mehr.
  • Und nicht zuletzt sollen die Namen der Geschwister in Klang und Länge gut zusammenpassen. Wenn man aber bereits vier Kinder mit Doppelnamen hat, sind die besten schon weg.

In unserem Fall kommt noch hinzu, dass Hauke Lehrer ist und viele Namen durch Schüler „verbrannt” sind. Er will sein Kind nicht nach den größten Chaoten benennen. Ebensowenig kann er seiner Tochter den Namen der tollsten Schülerin geben. Wie sähe denn das aus?

Das ist wohl der Grund, warum er sich weitestgehend raushält aus der Namensfrage. Ich versuche zwar seit Wochen, ihm das Vornamen-Lexikon unterzujubeln – lege es ans Bett, auf die Klausuren, neben den Teller beim Abendbrot. Aber letztlich läuft es wohl wieder so:

Ich wälze wochenlang dieses Buch, erstelle eine Liste meiner Favoriten. Hauke liest sich nur noch diese Essenz durch, streicht die Schülernamen, findet meinen Vorschlag eigentlich ganz gut, will aber selbst nochmal überlegen. Und dann entscheiden wir uns. Für meinen Vorschlag, denn Hauke findet, dass man sich irgendwann sicher an jeden Namen gewöhnt – und irgendwie muss das Kind ja heißen. Und wir sind beide glücklich! Hoffentlich unser Kind auch.

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache. Sie und Ehemann Hauke haben vier quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

NOMEN EST NONSENSE – Verbaut man mit dem falschen Namen die Karriere des Sprösslings?

Hauke: Puh, eine Namenssuche ist echt schwer! Klang, Form und Bedeutung – auf was man da alles achten muss! Nun glaube ich nicht daran, dass vom Namen eine magische Wirkung ausgeht, die Charakter oder Schicksal des Kindes bestimmt. Nicht jede Bianca (= weiß) ist blond, nicht jede Melanie (= schwarz) dunkelhaarig, nicht jede Sophie (= Weisheit) klug. Und die Frage, ob mein eigener Name ein Fehlgriff war (Hauke = Geist, Verstand), würden meine Mutter und meine Frau möglicherweise unterschiedlich beantworten. Möglicherweise bejahen sie auch beide.

Trotzdem: Ich möchte mein Kind mit etwas Positivem benennen! Linus ist süß, heißt aber „der Klagende” – ist das ein Hinweis auf eine Anwaltskarriere? Cecilia-Lea ist die blinde Wildkuh, Edwin der Besitzliebende, Cameron der Schiefnasige … und selbst schöne Bedeutungen wie „edler Wolf” (Adolf) scheiden aus historischen Gründen aus.

Früher war‘s unkomplizierter. Einfach die Namen der Großeltern kombinieren, fertig. Heute verteile ich Lebenschancen, das will gut durchdacht sein! Ein Maximilian wird für intelligenter gehalten als ein Justin-Maurice, ein Alexander für erfolgreicher als ein Alex. Namen vorne im ABC machen leichter Karriere – wahrscheinlich weil hier und da Leistungen in alphabetischer Reihenfolge abgefragt werden, der Alexander also immer glänzen kann, der Xaver aber nicht mehr drankommt. Vernünftigerweise sollte ich meinen Sohn Drago Philipp Alexander nennen, dann kann er sich direkt mit Dr. phil. Alexander Hullen abkürzen.

Dummerweise heißt schon jeder Zweite Alexander. Leon ist doch eigentlich schon Kevin 2.0, oder? Ein bisschen eigen sollte der Name schon sein, aber auch nicht zu abgedreht. Die Verteilung bekloppter Vornamen in der Gesellschaft beschreibt ja ungefähr eine U-förmige Parabel: In der Unterschicht gibt es deutlich mehr „Josephine-Estelle-Priscilla Kunzes” als in der Mittelschicht, dafür tauchen ganz oben wieder die abgefahrensten Kreationen auf. Paradebeispiel sind die vier Kinder des Schauspielers Uwe Ochsenknecht, welche „Blue- Cheyenne-Gonzales-Jimi-Rocco-Savannah-Stark-Wilson” heißen. Ich habe die Namen alphabetisch sortiert, suchen Sie sich einfach eine lustige Kombination aus … Und sollte ich in Hollywood-Manier mein Kind wirklich „Duisburg” nennen, nur weil es dort gezeugt wurde?!?

Also, was nun? Je mehr Namen ich recherchiere, desto mehr scheiden aus. Darum plädiere ich für Durchnummerierung. Wie bei den Borg von Star Trek: Seven of Nine. Dann ist unser Kind Nummer 5 von 7. Einfach, eindeutig, einprägsam. Jetzt muss ich nur noch meine Frau überzeugen.

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben vier quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/Family_2016_5_DS_Seite_19.jpg 495 700 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2016-09-13 16:45:262016-09-13 17:09:35Auf Namenssuche
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