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Artikel aus den Heften

Bindungsorientierte Erziehung? Was sich wirklich dahinter verbirgt

Für die einen ein Schreckgespenst, für die anderen der Königsweg: Bindungsorientierte Erziehung. Doch was genau ist das? Daniela Albert klärt auf und gibt Tipps, wie Eltern den passenden Erziehungsstil finden.

Bindungsorientierte Erziehung ist für manche Eltern der Königsweg zu einem gelungenen Zusammenleben. Für andere Eltern ist dieser Ansatz ein rotes Tuch, das sie mit Überforderung, verwöhnten Kindern und ständigem Körperkontakt in Verbindung bringen. Immer wieder entbrennen Diskussionen darüber, ob der Ansatz, der auch als bedürfnisorientierte Erziehung bezeichnet wird, nun das Potenzial hat, eine neue Generation friedfertiger Menschen hervorzubringen oder einen Haufen Egomanen, die nicht lebenstauglich sein werden.

Das mag überspitzt klingen. Schaut man sich aber an, wie unnachgiebig und kompromisslos unterschiedliche Richtungen in sozialen Medien aufeinander losgehen, wird klar, dass in dieser Debatte selten mit Augenmaß und Pragmatismus auf den Familienalltag geschaut wird.

Glücklicherweise begleite ich mittlerweile so lange Familien, dass ich mit Sicherheit sagen kann, dass ein großer Teil von Menschen, die Kinder erziehen, längst ihren eigenen Weg gefunden haben, jenseits dieser Polarisierung. Diese Wege sind meist eine Mischung aus erlerntem Wissen über das, was kleine Menschen brauchen, einem guten Bauchgefühl und einer pragmatischen Anpassung der eigenen Ideale an das, was im Alltag machbar ist.

Feinfühlige Begleitung

Eine Methode, zu einem guten Miteinander in der Familie zu finden, ist für mich die Frage, was junge Menschen am Ende einmal mit ins Leben nehmen sollen. Viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder ein grundsätzliches Gefühl von Verbundenheit mitnehmen, etwas, das sich nach Geborgenheit anfühlt und an das man anderswo anknüpfen kann. Natürlich wollen wir, dass junge Menschen mit einer gewissen Resilienz ausgestattet sind. Wir wünschen uns, dass sie in der Lage sind, soziale Beziehungen einzugehen, und dass sie wissen, was sie zufrieden macht und was ihnen weniger gut tut.

Für all das kann eine feinfühlige Begleitung einen Grundstein legen. Kinder, die mithilfe von Erwachsenen gelernt haben, sich selbst und ihre Gefühle besser zu verstehen, wissen später darum, wie sie emotional für sich sorgen können. In einem Zuhause, in dem ein gutes Miteinander vorgelebt wurde, kann die Fähigkeit entstehen, sich in soziale Gefüge einzufinden. Kinder, die Verlässlichkeit durch klare Regeln, gut gestaltete Übergänge und schöne Rituale erlebt haben, haben eine Idee von Geborgenheit mitbekommen. Diese wirkt sich positiv auf ihr weiteres Leben aus und kann sie in schwierigen Situationen tragen.

Begrenzte Kraft

Um all das mitzugeben, braucht es ein paar Grundzutaten, die wir im Vorratsschrank der bedürfnis- oder bindungsorientierten Erziehung finden und die wir nützlich einsetzen können. Doch wie genau das aussieht, bleibt am Ende jeder Familie selbst überlassen. Das hat, wie schon erwähnt, mit eigenen Einstellungen, Gestaltungsmöglichkeiten und Ressourcen zu tun. Für die einen spielt das gemeinsame Schlafen im Familienbett eine entscheidende Rolle, wenn es um das Geben von Sicherheit und Geborgenheit geht. Für andere ist allein die Vorstellung der Horror – und für viele liegen Wahrheit und praktische Ausgestaltung dazwischen.

Es hilft definitiv beim Verstehen der eigenen Emotionen und beim Lernen, diese sozialverträglich zu regulieren, wenn man in emotionalen Ausnahmesituationen wie Wutanfällen geduldig begleitet wird. Manche Eltern halten dies mit stoischer Ruhe sehr lange aus. Andere müssen den Raum verlassen oder an andere Erwachsene übergeben. Oder sie schimpfen doch irgendwann, und hinterher müssen sich alle beieinander entschuldigen – und lernen so auch etwas über soziales Miteinander.

Kraft, die man im Elternalltag hat, ist endlich und nicht verhandelbar – auch das ist eine wichtige Erkenntnis. Mütter und Väter, die sich aufgrund von Perfektionsdruck und Erziehungsansätzen, die nicht zu ihnen passen, an den Rand eines Zusammenbruchs manövriert haben, können nicht mehr viel mitgeben. Manchmal sind klare Grenzen oder ein „Nein ohne Diskussion“ wichtig für die gesunde Entwicklung unserer Kinder. Nicht weil Kinder, wie es in einem alten Ratgeber mal hieß, Grenzen brauchen. Sondern weil wir als Eltern dadurch gut für uns sorgen und somit dafür, dass wir weiterhin verlässlich an ihrer Seite sein können.

Sicher und geborgen

Grundsätzlich kann man feststellen, dass die Erkenntnisse der Bindungstheorie und Ableitungen, die dadurch in die alltägliche Erziehung eingesickert sind, gute Entwicklungen gebracht haben. Es ist eine positive Entwicklung, dass immer mehr Mütter und Väter sich mit menschlichen Grundbedürfnissen auseinandersetzen. Auch ist es gut, dass sie sich Mühe geben, ihre Kinder feinfühlig zu begleiten und auf ihre verbalen und nonverbalen Signale einzugehen. Es hilft, wenn Kinder ihrem Alter angemessen verlässlich dabei unterstützt werden, nicht nur satt und sauber zu sein, sondern sich sicher und geborgen zu fühlen und sich eigenständig entwickeln zu können.

Gerade in meiner Arbeit in der Jugendhilfe sehe ich, wie viel nachhaltig kaputt gehen kann, wenn junge Menschen zu lange in einer Umgebung waren, in der ihnen dies nicht zuteilwerden konnte. Doch genau diese Arbeit dort hat mir auch noch einmal klar vor Augen geführt, dass wir uns diese ideologischen Grabenkämpfe darüber, wie genau man es nun „richtig“ macht, sparen können – genauso wie den Perfektionsdruck, der dahintersteht.

Bauchgefühl und Liebe

Es geht nicht darum, immer alles richtig zu machen. Und es geht schon gar nicht darum, jeden neuen Trend, der im Fahrwasser von „Bindungsorientierung“ durch soziale Medien oder Feuilletons geistert, mitzumachen. Es geht einzig und allein darum, einen Weg zu finden, der in der eigenen Familie gut funktioniert.

Und nein, dabei ist es natürlich nicht völlig egal, was wir tun. Glücklicherweise hat sich mittlerweile auch breit herumgesprochen, dass es Erziehungsmethoden gibt, die nichts Gutes mit sich bringen. Gewalt gegen Kinder, harte Hände und starre autoritäre Familienhierarchien sind nicht hilfreich, um Menschen auf ein Leben in dieser Welt vorzubereiten. Auch wenn heute wieder vereinzelt danach gerufen wird. Wir können uns von der guten Mischung aus Bauchgefühl, Wissenschaft und einer kräftigen Portion Liebe leiten lassen, dann dürfen sich solche Ideen schnell erübrigen.

Doch dazwischen – zwischen dem Aufopfern und Verwöhnen und der Härte, die wir größtenteils hinter uns gelassen haben – liegt ein Raum, in dem Verbundenheit und Beziehung möglich ist. Ein Raum, in dem Liebe gelebt werden und Halt gegeben werden kann. Gestaltet diesen Raum nach euren Vorstellungen!

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin (familienberatung-albert.de). Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel.

 

Buchtipps

Daniela Albert: Kleine Kinder, starke Wurzeln. Bedürfnisorientiert durch die ersten Jahre (Neukirchener)

Daniela Albert: Anlauf nehmen fürs Leben. Bedürfnisorientiert von der Grundschule in die Teenagerjahre (Neukirchener)

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/03/Bindung_GettyImages_eggeeggJiew_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1188 2523 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-03-18 14:04:062026-03-18 14:04:06Bindungsorientierte Erziehung? Was sich wirklich dahinter verbirgt

Hochsensibilität: So erkennen Eltern, wie ihr Kind tickt

Reagiert Ihr Kind empfindlich auf Reize, ist es schnell überfordert und zugleich kreativ, empathisch oder tiefgründig? Dann ist es vielleicht hochsensibel. Pädagogin Celina Fanous klärt auf.

Kennen Sie das? Sie müssen den Käse am Abendbrottisch ans andere Ende des Tisches legen, weil ihr Kind sonst nichts mehr isst? Dabei waren Sie gerade noch froh, ihr Kind überhaupt zum Esstisch bekommen zu haben, weil es nicht spürt, dass es hungrig ist. Sie konnten dies jedoch schon längst an seiner Stimmung, Körperspannung und seinem Verhalten ablesen.

Bekommen Sie Rückmeldungen aus der Schule, dass Ihr Kind eine hohe Auffassungsgabe und Begeisterungs­fähigkeit hat und intellektuell gut mitkommt, aber auch unglaublich unruhig ist, manchmal abwesend und verträumt, manchmal aufgeregt wirkt und an Pulli oder Stift kaut?

Wundern Sie sich immer wieder, zu welch tiefgründigen Gedanken und Fragen Ihr Kind fähig ist? Sind Sie erstaunt, mit welch außerordentlicher Kreativität und mit welchem Detailreichtum es erzählt, malt oder spielt?

Wundern Sie sich immer wieder über die starke Intensität und Dauer von Gefühlsausbrüchen Ihres Kindes bei vermeintlichen Kleinigkeiten? Vielleicht fragen Sie sich, ob das alles normal ist oder doch besonders?

Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen, denn Menschen und ihr Verhalten sind immer individuell. Doch was ich hier beschreibe, ist ein unvollständiges Bild eines Kindes mit einer sogenannten Hochsensibilität.

Hochsensibilität verstehen

Mit Hochsensibilität ist ein messbares und nachweisbares Phänomen gemeint, das eine erhöhte Reizaufnahme und Reizverarbeitung im Gehirn und Nervensystem beschreibt. Hochsensible Menschen nehmen mehr wahr als nicht-hochsensible. Diese Besonderheit betrifft sowohl innere als auch äußere Wahrnehmungsbereiche und kommt bei etwa 20 Prozent der Menschen vor. Es handelt sich dabei um eine vererbte Veranlagung und nicht um erworbenes Verhalten oder eine Störung. Allerdings kommt es auf Grund von Unkenntnis über Hochsensibilität häufig zu Verwechslungen mit Störungsbildern wie ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen. Doch wie zeigt sich Hochsensibilität und wie wirkt sie sich aus?

1. Gründliche Verarbeitung von Informationen

Hiermit ist die erhöhte und komplexere Aufnahme und Verarbeitung von Reizen jeglicher Art gemeint. Das betrifft alle äußeren und inneren Reize – auch Gedanken, Schmerzen, den Herzschlag … Es werden mehr Feinheiten und Details wahrgenommen, die verarbeitet werden „müssen“. Diesen Prozess nennt man auch „Nachhallen“.

2. Rasche Übererregbarkeit

Aufgrund der Vielzahl an aufgenommenen Reizen erreichen Betroffene schneller die Grenze zur Überreizung. Dies kann zu allen denkbaren Stressreaktionen und Verhaltensweisen führen. Es kommt zu einem höheren Bedarf an Ruhe und Auszeiten.

3. Emotionale Intensität

Auch Gefühle werden intensiver erlebt und verarbeitet. Deshalb ist der Gefühlsausdruck besonders intensiv. Hochsensible reagieren verstörter auf gewaltvolle Filme, Ungerechtigkeiten, beunruhigende Ereignisse und Mobbing. Einige haben eine sehr hohe Empathiefähigkeit, weil ihre Spiegelneuronen so sensibel ausgeprägt sind.

4. Sensorische Empfindlichkeit

Häufig sind der Gehör- und Geruchssinn und die Lichtempfindlichkeit stark ausgeprägt. Taktile Empfindungen können als sehr unangenehm und störend empfunden werden. So möchten viele Hochsensible manche Materialien nicht berühren oder davon nicht berührt werden.

Wenn man weiterführende Literatur heranzieht, finden meines Erachtens auch Kinder, die als „gefühlsstark“ beschrieben werden, ihren Platz im Konstrukt der Hochsensibilität. Folgende drei Merkmale können die Definition von Hochsensibilität erweitern:

5. Erhöhte intellektuelle Sensitivität

Dieses Merkmal zeigt sich in Form von ausgeprägter Neugierde, im Problemlösen und im theoretischen Denken. Diese Menschen streben nach einem tieferen Verständnis der Wahrheit. Sie sind wissbegierig, stellen ausgesprochen viele Fragen, mögen Denkaufgaben, die eine hohe Fokussierung, Konzentration und Problemlösung erfordern. Auch befassen sie sich (früh) mit moralischen Fragen und Gerechtigkeit. Außerdem sind häufig von ihren eigenen Ideen begeistert, überzeugt und willensstark. Oft wissen sie in ihren Interessengebieten mehr als Erwachsene.

6. Erhöhte imaginäre Sensitivität

Dieses Merkmal ist gekennzeichnet von einer reichen Vorstellungskraft und einer Vorliebe für komplexe imaginäre Abläufe, die dramatisch in Szene gesetzt werden. Im Unterricht schweifen die Gedanken häufig in die eigene kreative Gedankenwelt ab. Kinder wirken weggetreten, abwesend und in ihrer eigenen Welt. Sie können sich Ereignisse sehr deutlich und lebhaft im Geiste vorstellen und sind meist ganz mit sich oder mit wenigen Freunden zufrieden.

7. Erhöhte psychomotorische Sensitivität

Dieses Merkmal beschreibt eine hohe Aktivität in der körperlichen und geistigen Bewegung. Das Denken ist besonders agil. Betroffene brauchen und lieben die Bewegung und haben ein Übermaß an Energie. Ihnen wohnt eine leidenschaftliche Begeisterungsfähigkeit inne. Sie sprechen oft sehr viel und schnell. Der Körper erscheint oft zappelig. Ruhigsitzen ist fast unmöglich. Sie ziehen aus dieser körperlichen und verbalen Aktivität große Freude – eher zum Leidwesen der Umgebung.

Das Potenzial der Hochsensibilität entfalten

Vielleicht konnten Sie Ihr Kind in einigen oder vielen Punkten wiedererkennen. Wichtig zu wissen ist, dass nicht alle Merkmale bei jedem (gleich stark ausgeprägt) vorhanden sein müssen. Trotzdem kann der Mensch hochsensibel sein. Doch was bringt Ihnen nun dieses Wissen?

Wenn man Wissen über Entwicklungspsycho­logie sowie die spezifischen Bedürfnisse eines Menschen (Persönlichkeitsmerkmale, bisher gemachte Erfahrungen) im Blick hat, kann man hilfreicher darauf reagieren. Dies ermöglicht wiederum den Erhalt oder Aufbau einer sicheren Bindung – was ein hervorragendes Fundament für alle weiteren Erfahrungen und Herausforderungen ist, aber auch für die Entfaltung des individuellen Potenzials. Ihr Kind kann sein Licht leuchten lassen!

Doch was heißt es nun praktisch, wenn sie Ihr Kind hier wiedererkannt haben? Es bedeutet, dass mehr Pausen und Rückzugsmöglichkeiten im Alltag eingeplant werden dürfen, um dem langen Nachhallen den notwendigen Raum zu geben. Bei besonderen Ereignissen und Übergängen sollten andere Aktivitäten vorübergehend ausgesetzt oder zurückgefahren werden. Also wenn ein Familien­fest ansteht, sollte die Zeit danach ereignisarm geplant werden.

Erwartungen an Fremdbetreuung, Hobbys und gesellschaftliche Zusammenkünfte dürfen individuell überdacht und angepasst werden. Manches wird früher, manches später als bei anderen Familien gelernt und stattfinden. Meist sind auch mehrere Familienmitglieder von Hochsensibilität betroffen. Dies kann zu einem hohen Emotionspotenzial im Alltag führen, wofür eine reflektierte, weise und kreative Führung durch regulierte Erwachsene benötigt wird. Aber wie können die Eltern zu regulierten Lotsen für ihr Kind werden?

Hier kommt die Frage der Bedürfnisorientierung für alle Familienmitglieder ins Spiel. Um feinfühlig reagieren zu können, muss man selbst einigermaßen reguliert und entspannt sein. Dafür braucht es die Verantwortungsübernahme der Erwachsenen für ihre eigenen Bedürfnisse und deren Erfüllung, aber auch das Wissen um eigene Verletzungen und wunde Punkte.

Anregungen für Eltern in herausfordernden Situationen:

1. Als Erstes und Schwierigstes: Ruhe bewahren! Notfallstrategien anwenden, wenn nötig

  • „478-Regel“: 4 Sekunden tief in den Bauch einatmen, anschließend 7 Sekunden Luft anhalten, dann 8 Sekunden ausatmen
  • Situationswechsel mit oder ohne Kind (je nach Alter)
  • Temperaturwechsel: ins Freie, kaltes Wasser ins Gesicht, Hände waschen
  • körperliche Bewegung
  • positiver innerer Monolog, z. B. „Wir schaffen das!“
  • Situation niederschreiben

Damit dieser Schritt gelingt, ist ein gewisses Maß an stetiger Selbstfürsorge der Eltern notwendig. Aus einer leeren Schale kann man nicht schöpfen. Langfristig hilfreich können das Erlernen von Stopp-Techniken und Selbstregulation des Nervensystems durch wertfreies Wahrnehmen und Annehmen, Beten, Meditation etc. sein. Hier ist Ihr Vorbild von entscheidender Wichtigkeit. Denn Ihr hochsensibles Kind kämpft sehr häufig mit seinen überbordenden Gefühlen und braucht Hilfe, damit umzugehen. Bei wiederkehrenden Triggern macht es Sinn in einem ruhigen Rahmen zu schauen, was Sie so berührt.

2. Schwierigkeiten nicht persönlich nehmen und Gefühle wertschätzend spiegeln

Ihr Kind „stellt sich nicht an“. Es will Sie nicht ärgern oder testen, sondern es erlebt die Situation gerade wirklich so heftig. Es gilt herauszufinden, welche Gefühle und Bedürfnisse hinter dem gezeigten Verhalten stehen und diese dem Kind einfühlsam verbal und nonverbal zu spiegeln, um sie dann gemeinsam auszuhalten und nach passender Bedürfniserfüllung zu suchen. Diese gelungene Co-Regulation befähigt das Kind immer mehr zur Selbstregulation. Strafen sind bei keinem Kind sinnvoll. Insbesondere hochsensible Kinder reagieren darauf besonders verletzlich.

Es dauert jedoch Jahre, bis das kindliche Gehirn so weit herangereift ist, um Selbstkontrolle zuverlässig über das eigene Verhalten zu erlangen. Kinder sind vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft, aber sie sind noch im Entwicklungs- und Reifungsprozess und benötigen die Unterstützung von zugewandten Erwachsenen.

3. Kreative Lösungen entwickeln, die die Konventionen in der Gesellschaft hinten anstellen

Erforschen und überdenken Sie die Beweggründe für Ihre Erwartungen an Ihr Kind: Ist mir das wirklich selbst wichtig? Warum? Weil es einem Bedürfnis von mir entspricht oder weil ich denke, dass man das halt so machen muss? Oder weil ich vor etwas Angst habe?

4. Vorausschauend und realistisch planen

Beachten Sie bei Ihren Plänen, dass die Grenze zur Überreizung schneller erreicht wird. Berücksichtigen Sie das erhöhte Ruhebedürfnis auf Grund des Nachhallens. Familienrituale können hilfreich sein, um nicht immer wieder in die gleichen Überforderungssituationen zu geraten. Hier ist Kreativität und ein Anpassen von Ansprüchen notwendig, die sich stark von denen nicht hochsensibler Familien unterscheiden können. Mit zusätzlichen Ritualen werden die starken Bedürfnisse der Hochsensiblen nach Orientierung und Sicherheit befriedigt und wiederkehrende Stresssituationen minimiert.

5. Ein Spiel daraus machen

Kinder sind leidenschaftliche Spieler. Sie sind meist leicht für etwas zu gewinnen, wenn es in ein ansprechendes Spiel integriert wird. Besonders Hochsensible mit einer ausgesprochen starken Vorstellungskraft sind so gut zu erreichen.

6. Übergänge vorbereiten

Viele Kinder, insbesondere hochsensible, haben Probleme mit Übergängen. Hier gilt es, die kritischen Übergänge zu identifizieren und Entschärfung zu überlegen. Übergangsobjekte, Teilschritte, langsames (Ein-)Gewöhnen oder Übergangslieder können helfen.

7. Anspruch senken und Konflikte in Würde durchleben

Chaos ist normal bei mehreren Hochsensiblen. Sagen Sie sich immer wieder, dass es nicht auf die Abwesenheit von Konflikten ankommt, sondern auf die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. Gelingt es Ihnen – in einem Verhältnis von 7 zu 3 –, Konflikte in Wertschätzung zu lösen? Dann ist das sehr gut!

8. Ein Gremium etablieren

Hochsensiblen ist Gerechtigkeit meist extrem wichtig, so dass es, je nach Alter der Kinder, hilfreich sein kann, ein Gremium zu etablieren, in dem die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Gehör finden und Kompromisse und Strategien zur Befriedigung entwickelt werden. Sie werden erstaunt sein, welch gute Ideen von Kindern kommen. Sie halten sich viel lieber an die erarbeiteten Strategien, wenn sie selbst daran mitgewirkt oder sie selbst vorgeschlagen haben.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Verbindung miteinander beim gegenseitigen Entdecken und Ausprobieren. Denken Sie immer daran: Sie und Ihr Kind sind wunderbar und einzigartig gemacht und von unserem Schöpfer geliebt und angenommen! Deshalb dürfen Sie sich und Ihr Kind annehmen und Ihre Einzigartigkeit feiern!

Celina Fanous ist Sozialpädagogin, Systemische Therapeutin (SG) und Fachpädagogin für Hochsensibilität mit Beratungspraxis in Reutlingen (beratung-blickwechsel.com)

 

Buchtipps

Für hochsensible/gefühlsstarke Kinder:

Nora Imlau, Lisa Rammensee: Und was fühlst du, Känguru? (Carlsen), ab 2

Elaine Thais: Tom hochsensibel und wundervoll, ab 7

Corinne Fischbacher: Hochsensibilität. Feinfühlige Kinder erklären ihre Welt (Vandenhoeck & Ruprecht), ab 5

 

Für Eltern hochsensibler Kinder:

Melanie S. Vita: Hochsensibilität bei Kindern (Bonifatius)

Nora Imlau: So viel Freude, so viel Wut (Penguin)

Stuart Shanker: Das überreizte Kind. Wie Eltern ihr Kind besser verstehen und zu innerer Balance führen (Goldmann)

 

Für hochsensible Erwachsene:

Brigitte Küster: Hochsensibilität. Den eigenen Weg finden (Hänssler)

Brigitte Schorr: Hochsensible Mütter (Hänssler)

Kathrin Borghoff: Hochsensibel Mama sein (Beltz)

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/03/Hochsensibel_GettyImages_skynesher_E-Plus.jpg 1414 2120 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-03-12 10:06:152026-03-12 10:06:15Hochsensibilität: So erkennen Eltern, wie ihr Kind tickt

Das erste Taschengeld: So lernt Ihr Kind den Umgang mit Geld

Elternfrage: „Unser Sohn kommt bald in die Grundschule, und wir möchten nun das Taschengeld einführen. Wie können wir Kindern einen guten Umgang mit Geld beibringen, sodass sie auch verstehen, was Sparen oder Spenden bedeutet?“

Wie schön, dass Sie sich mit dem Thema Taschengeld beschäftigen und das so bewusst angehen. Die Einführung des Taschengeldes ist eine ideale Gelegenheit, um Kindern praktisch zu zeigen, wie Geld im Alltag funktioniert und wie wir damit gut umgehen können. Mit meinem jüngsten Sohn (inzwischen sieben Jahre alt) leben wir seit zwei Jahren ein Taschengeldsystem, das sich aus vier unterschiedlichen Bausteinen zusammensetzt. Er wendet es inzwischen selbstverständlich an, und ich möchte als Anregung erklären, wie das funktioniert.

Münzen auf vier Zwecke aufteilen

Beim Taschengeldsystem darf das Kind sein wöchentliches Geld auf vier Bereiche verteilen:

  • Portemonnaie: für alles, was es direkt ausgeben möchte
  • Sparen: für größere Wünsche
  • Investieren: für langfristiges Sparen, bei dem es „Zinsen von Mama“ gibt
  • Spenden: als Zeichen dafür, wie gut es uns geht und dass wir etwas davon abgeben können

Warum diese vier Bereiche? Weil Geld im Leben nicht nur für das Ausgeben da ist. Kinder lernen auf diese Weise spielerisch, dass man sich Wünsche erfüllen kann – aber eben nicht alle sofort. Sie verstehen dadurch auch, dass Geld (durch Zinsen) arbeiten kann und dass durch Teilen ein gutes Gefühl entsteht.

Bei uns besteht die Regel, dass das Taschengeld jedes Mal auf alle vier Bereiche aufgeteilt werden muss. Keiner der Zwecke darf ausgelassen werde. Wie viel wohin kommt, entscheidet das Kind jedoch selbst. Bei unserem Sohn hat sich das mit der Zeit stark verändert. In der Anfangszeit floss fast alles in das Portemonnaie. Der Reiz, sich sofort etwas zu kaufen, war am größten. Inzwischen ist das Investieren sein Favorit. Er hat schnell verstanden: Wenn das Geld dort bleibt, wächst es durch die Zinsen, die ich alle drei Monate auszahle. Diese kleinen Zinszahlungen sind nicht nur ein Anreiz, sondern auch ein kindgerechter Einstieg in ein späteres Finanzverständnis: Geld kann arbeiten, sei es später auf dem Tagesgeldkonto oder an der Börse.

Marmeladengläser gestalten

Mein Tipp für den Einstieg ist, dass Sie zunächst mit zwei bis drei Euro pro Woche starten. Damit lässt es sich gut aufteilen und ausprobieren. Kinder lieben es, Geld sichtbar aufzuteilen – aus diesem Grund nutzen wir dafür Gläser. Das funktioniert zum Beispiel mit Marmeladengläsern gut. Verwenden Sie außerdem auch ein Portemonnaie, in welches nur das Geld kommt, welches das Kind nach Lust und Laune ausgeben darf, ohne dass wir Eltern dazwischenfunken. Sie können die Gläser auch gemeinsam gestalten. Das ist kreativ und bringt Gespräche ins Rollen: Wofür sparen wir? Wem könnten wir mit dem Geld helfen? Was bedeutet langfristig? Was sind denn überhaupt Zinsen?

Ja, anfangs wird das meiste Geld vermutlich in Produkte aus dem Süßigkeitenregal investiert werden. Aber genau da steckt das Lernpotenzial. Fehler? Gibt es nicht! Es gibt nur Erfahrungen. Bleiben Sie geduldig mit Ihrem Kind. Das Taschengeld ist ein tolles Übungsfeld für das echte Leben. Wenn Kinder erleben, dass Geld viele verschiedene Aufgaben hat – ausgeben, sparen, vorsorgen, teilen – entwickeln bereits die Jüngsten Stück für Stück einen gesunden und selbstverständlichen Umgang damit. Und das ist in meinen Augen eines der schönsten Geschenke, das wir ihnen fürs Leben mitgeben können.

Deborah Scarpino-Helle ist Mutter von zwei Kindern und Gründerin von „Die Finanzkomplizin“. diefinanzkomplizin.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/01/Taschengeld.jpg 1280 1920 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-03-10 10:26:102026-03-10 10:26:10Das erste Taschengeld: So lernt Ihr Kind den Umgang mit Geld

Einschlafprobleme: Warum Melatonin für Kinder nicht sinnvoll ist

Elternfrage: „Ich bin neulich auf Einschlafmittel in Form von Fruchtgummis für Kinder gestoßen. Sind solche Mittel bei Kleinkindern – meine Tochter ist vier Jahre alt – wirklich unbedenklich?“

Gut, dass Sie fragen – denn bei Einschlaf­medikamenten für Kinder ist immer Vorsicht geboten. Gerade frei verkäufliche Mittel, die von der Apothekenpflicht ausgenommen und deshalb scheinbar harmlos sind, unterliegen keinen strengen Laborkontrollen. Hinzu kommt, dass viele Präparate, auch pflanzliche, vom kindlichen Körper anders verstoffwechselt werden als vom Erwachsenen. Häufig liegen hierzu keine Studien zur Verträglichkeit von Kindern vor.

Vorsicht bei Melatonin-Produkten

Manche Einschlafmittel gelten nicht als Medikamente, sondern als Nahrungsergänzungsmittel. Nahrungs­ergänzungsmittel dürfen ohne ärztliche Verschreibung gekauft werden, können dennoch erheblichen Schaden anrichten, weil die Nebenwirkungen nicht bekannt sind oder nicht überprüft wurden. Vermutlich handelt es sich bei den Fruchtgummis, auf die Sie aufmerksam geworden sind, um ein Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin.

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Ein Einschlafmittel mit Melatonin soll ein schnelles Einschlafen begünstigen. Doch die Zugabe des Hormons führt dazu, dass es in wichtige Körpervorgänge eingreift – über die konkreten Auswirkungen bei Kindern ist wenig bekannt. Allerdings weisen Kinderärzte und Kinderärztinnen darauf hin, dass der Melatonin-Abbau bei Kindern deutlich langsamer verläuft als bei Erwachsenen. Experten warnen deshalb vor der Einnahme der Melatonin-Gummibärchen. Hinzu kommt, dass Melatonin nur dann wirkt, wenn tatsächlich ein Mangel davon für die Schlafprobleme verantwortlich ist – das ist meist erst bei Menschen ab 55 Jahren der Fall.

Natürliche Hilfsmittel

Es gibt durchaus einige milde, für Kinder zugelassene medikamentöse Schlafhilfen, die Eltern sich nach individueller Beratung in der Apotheke rezeptfrei besorgen können. Viel sinnvoller ist es aber, bei Einschlafproblemen zunächst nach pädagogischen und psychologischen Hilfen Ausschau zu halten. So hilft zum Beispiel ein möglichst dunkles Zimmer, gegebenenfalls mit rötlichem Nachtlicht, die Melatonin-Produktion natürlich zu fördern. Lavendelsäckchen versprühen einen beruhigenden Duft, und spezielle Einschlafmusik für Kinder fördert die Schlafbereitschaft. Auch Sternenlicht-Projektoren können Kindern helfen, zur Ruhe zu kommen, ebenso wie Kuscheleinheiten mit Gute-Nacht-Liedern oder Gebeten.

Manchmal hilft es dem Kleinkind, wenn eine Matratze neben dem Kinderbett liegt, auf die sich ein Elternteil zeitweise legt. Das vermittelt Sicherheit und unterstützt gleichzeitig die Gewöhnung an das Einschlafen im eigenen Bett. Wichtig ist es auch, dass Kinder mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen nicht mehr auf Bildschirme schauen, um Überreizung zu verhindern. Wenn Ihr Kind Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hat, empfehle ich, eine professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine kostenlose Schlafberatung finden Eltern beispielsweise auf www.elternleben.de.

Und, nicht vergessen: Es ist alles eine Phase! Schon bald reiben Sie sich verwundert die Augen, wenn Ihr Kind ein Teenager ist, den man kaum noch aus dem Bett bekommt.

Melanie Schüer ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Zudem ist sie freie Autorin von Kinderbüchern und Elternratgebern.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/03/Gummibaerchen.jpg 1280 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2026-03-09 11:41:472026-03-09 11:41:47Einschlafprobleme: Warum Melatonin für Kinder nicht sinnvoll ist

DIY-Ostergarten: So wird’s gemacht

Zwischen Hasen und Eiern gerät die eigentliche Bedeutung von Ostern schnell in den Hintergrund. Ein Ostergarten hilft, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen.

Als Familie haben wir gute Erfahrungen mit einem kleinen, selbst angelegten Ostergarten in unserer Wohnung gemacht. Einige Wochen vor Ostern haben wir darin Ostergras ausgesät. Während der Karwoche nahmen wir uns an den Feiertagen immer wieder kurz Zeit, um die passende Geschichte in einer kindgerechten Fassung vorzulesen. Dann gestalteten wir den Garten mit verschiedenen Figuren und Symbolen.

Für uns als Familie waren das immer schöne Momente, um zusammenzukommen, kurz innezuhalten und sich den Sinn dieses Festes in Erinnerung zu rufen. Die Kinder hatten viel Freude beim Aufbau und (Um-)Gestalten des Gartens. Zwischendurch ergaben sich immer wieder Fragen und Gespräche zu den Geschichten. Die Materialien sammle ich in einem Schuhkarton, sodass wir den Ostergarten jedes Jahr aufs Neue hervorholen können. Dieses Jahr wird er schon zum vierten Mal aufgebaut – er ist für uns zu einer schönen Ostertradition geworden.

So könnt ihr den Ostergarten ganz einfach selbst machen:

Ihr benötigt:

 

  • Blumenerde
  • Moos und Ostergras-Samen
  • Naturmaterialien (Steine, Zweige, etc.)
  • Stoffreste
  • Schnur
  • kleiner Blumentopf
  • Brot und Weintrauben
  • Figuren und Symbole zum Erzählen der Geschichte (Jesus, Esel, Brot & Wein, Soldaten, Engel, Kerze)

So wird’s gemacht:

 

  1. Den Ostergarten könnt ihr in einer Plastikwanne, einer Holzkiste oder einem (mit Plastik ausgelegtem) Pappkarton anlegen.
  2. Füllt euer Gefäß mit Blumenerde. Formt einen Hügel an dem Ort, an dem später die Kreuzigung dargestellt wird.
  3. Nun könnt ihr die Landschaft gestalten: Legt in der Mitte einen Weg aus Steinen, sät ringsherum Ostergras aus und legt Moos oder Holzstückchen aus.
  4. Legt die Figuren und Symbole zum Erzählen der Geschichte bereit. Ihr braucht sie für die einzelnen Stationen.

Stationen

Im Folgenden findet ihr zu jedem Ereignis eine kurze Geschichte. Lest diese Geschichte oder den passenden Abschnitt aus eurer Kinderbibel vor. Im Anschluss könnt ihr die einzelnen Figuren und Symbole am Ort des Geschehens platzieren.

Palmsonntag

Material: Figuren „Jesus“ und „Esel“, grüne Zweige, Stoffreste

Was für ein Gewimmel! Die ganze Stadt Jerusalem ist auf den Beinen. Viele Gäste aus nah und fern sind gekommen, um gemeinsam das Passahfest zu feiern. In den Straßen drängen sich viele Menschen. Da ruft jemand: „Schaut mal, da kommt Jesus!“ Tatsächlich: Auch Jesus möchte mit seinen Freundinnen und Freunden das große Fest der Befreiung feiern. Er reitet auf einem Esel in die Stadt. Die Leute sind ganz aufgeregt. Sie haben schon viel von diesem Mann gehört: Jesus hat vielen Menschen geholfen, er hat sie gesund und froh gemacht. Und er hat spannende Geschichten von Gott und seiner neuen Welt erzählt. Die Menschen sind begeistert. Sie begrüßen ihn wie einen König. Einige winken ihm mit grünen Palmzweigen, andere legen ihre Kleider auf die Straße. Viele jubeln ihm zu und rufen „Hosianna!“ Jesus ist in aller Munde. Viele fragen sich: Wer ist dieser Mensch?

Aktion: Stellt die Figuren von Jesus und dem Esel auf den Weg. Legt die grünen Zweige und kleine Stoffreste daneben.

Eine Jesus-Figur reitet auf einem Esel durch einen Ostergarten

Foto: privat

Gründonnerstag

Material: Figuren „Jesus“, „Brot & Wein“ und „Soldaten“, Brot, Weintrauben

Der Abend des Passahfestes ist gekommen. Jesus feiert mit seinen Freunden. Sie essen und trinken gemeinsam. Aber Jesus ist nicht fröhlich, er wirkt eher traurig und nachdenklich. Er sagt zu den anderen: „Einer von euch ist enttäuscht von mir und wird mich verraten.“ „Was? Doch nicht etwa ich?“ – Die Freundinnen und Freunde sind erschrocken, als sie das hören. Dann nimmt Jesus das Brot und den Wein, dankt Gott dafür und sagt: „Esst und trinkt alle davon! Dieses Brot und dieser Wein sind ein Zeichen dafür, dass ich mein Leben für euch gebe.“ Die Freunde wundern sich. Sie verstehen Jesus nicht. Aber sie essen und trinken alle davon – Freunde und Feinde.

Aktion: Stellt die Figuren von Jesus sowie Brot und Wein auf. Erinnert euch an das letzte gemeinsame Essen von Jesus und seinen Freunden, indem ihr gemeinsam Brot und Weintrauben teilt.

Nach dem Essen geht Jesus in einen Garten außerhalb der Stadt. Einige Freunde kommen mit. Sie warten am Eingang. Jesus weiß, dass es Menschen gibt, die ihn töten wollen. Er betet zu Gott: „Lieber Vater, ich habe große Angst! Bitte, lass mich nicht allein!“ Als er zu seinen Freunden zurückkommt, sieht er, dass alle eingeschlafen sind. Da kommen Soldaten mit Waffen. Einer der Freunde von Jesus ist bei ihnen. Er gibt Jesus einen Kuss und sagt: „Das ist der, den ihr fangen sollt!“ Jesus wird gefangen genommen. Seine Gegner sagen: „Jesus lügt! Er ist nicht Gottes Sohn und kein König! Er muss sterben!“

Aktion: Stellt die Figuren der Soldaten auf.

Soldaten-Playmobilfiguren stehen in einem Ostergarten

Foto: privat

Karfreitag

Material: Stöcke und Schnur

Heute ist ein stiller und trauriger Tag. Auf dem Berg hinter der Stadt steht ein Kreuz aus Holz. Jesus wurde verurteilt und stirbt. Seine Freundinnen und Freunde sind unendlich traurig und verzweifelt. Viele laufen davon und verstecken sich. Sie können es kaum aushalten. Alles ist vorbei. Alles ist aus. Sie weinen. Ihr Herz fühlt sich an wie ein schwerer Stein.

Aktion: Bastelt aus zwei Stöcken und der Schnur ein Kreuz und stellt es auf den vorbereiteten Hügel.

Karsamstag

Material: Stein, kleiner Blumentopf als Grab

Jesus ist tot. Er liegt in einem Grab in einer Felsenhöhle, davor ein schwerer Stein. Jetzt ist wirklich alles aus. Wie soll es nun weitergehen?

Aktion: Legt den kleinen Blumentopf neben das Kreuz in die Erde. Verschließt die Öffnung des Grabes mit einem Stein.

Ein Ostergarten mit Kreuz, Grab und einem Weg aus Steinen

Foto: privat

Ostersonntag

Material: Engelfigur, Kerze

Der schwere Stein ist weg! Drei Freundinnen von Jesus kommen am Morgen zum Grab. Sie wollen noch einmal Jesus nahe sein und sich von ihm verabschieden. Aber was ist das? Der Stein ist weg! Das Grab ist leer! Wo ist Jesus? Sie sehen ein helles Licht und einen Engel. Er sagt: „Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus. Er ist nicht hier! Er ist nicht mehr tot. Jesus lebt! Er ist auferstanden!“ Die Frauen können es erst selbst kaum glauben, aber dann sind sie überglücklich. Sie erzählen allen von dem, was sie gesehen und erlebt haben. Jesus lebt, Halleluja! Darum feiern wir bis heute das Osterfest!

Aktion: Nehmt den Stein vom Grab. Stellt die Engelfigur auf. Zündet die Kerze an und stellt sie in oder neben den Ostergarten. Wenn ihr mögt, singt gemeinsam ein Osterlied oder sprecht ein Gebet.

Eine Jesus-Figur steht neben einem leeren Grab im Ostergarten. Daneben brennt eine Kerze

Foto: privat

Lea Morgenstern liebt es, Neues zu lernen und andere dabei zu begleiten. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Chemnitz und unterstützt verschiedene Kirchengemeinden als Predigerin und Referentin. Eine ihrer Aufgaben ist die wöchentliche Leitung eines Eltern-Kind-Kreises mit Liedern, Spielen und Geschichten von Gott und seiner bunten Welt.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/01/Ostersonntag-scaled.jpg 2250 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2026-03-09 08:30:052026-03-09 08:52:20DIY-Ostergarten: So wird’s gemacht

KI im Kinderzimmer: Wie Eltern mit der neuen Technologien umgehen können

Algorithmen steuern, was bei YouTube angezeigt wird. Spielzeuge hören mit, wenn Kinder erzählen. Dr. Denise Holtschulte erklärt, wo und wie künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt und wie Eltern sinnvoll damit umgehen können.

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst Teil unseres Familienlebens – sichtbar in Lern-Apps, Sprachassistenten, interaktivem Spielzeug oder Streaming-Plattformen. Viele Kinder begegnen KI nicht nur direkt über Apps, sondern zunehmend auch indirekt: durch ältere Geschwister, Großeltern oder über Erzieherinnen in Kitas, die Tablets oder digitale Angebote nutzen. Umso wichtiger ist es, dass Eltern wissen, wie KI wirkt – und wie sie mit einem klaren Blick begleitet werden kann.

Ein Beispiel: Eine Mutter nimmt eine süße Sprachnachricht ihres dreijährigen Sohnes auf – mit einem Bild. Diese schickt sie an die Familie. Die Oma leitet sie in ihre WhatsApp-Gruppe weiter, der Onkel speichert sie, ein Freund zeigt sie bei einer Veranstaltung. Plötzlich sind Stimme, Gesicht, Alter und Name des Kindes auf mehreren Handys – gespeichert in Clouds, durchsuchbar, oft dauerhaft abrufbar. Niemand hat etwas Böses gewollt. Und doch ist das ein Moment, der zum Nachdenken einlädt.

Denn in einer Welt, in der KI Stimmen imitiert, Gesichter analysiert und emotionale Muster erkennen kann, entstehen aus solchen Momentaufnahmen potenziell langfristige digitale Spuren, die Kinder später selbst kaum noch kontrollieren können.

KI: Unsichtbar, aber wirksam

KI ist keine Zukunftsmusik. Sie wirkt im Hintergrund – oft leise, aber deutlich:

  • Die YouTube-Kinderseite zeigt Videos, die durch KI-Algorithmen ausgewählt wurden.
  • Sprachassistenten wie Alexa oder Siri hören mit – auch Kinderstimmen.
  • Kostenlose Spiele zeigen Werbung, die von KI individuell angepasst wird.
  • Lern-Apps analysieren, wo das Kind wie lange klickt – und was es motiviert.
  • Was blinkt, tönt, lobt oder unterbricht, bleibt haften. Und genau darauf sind viele Systeme optimiert.

Zunehmend bieten auch kindgerechte Geräte Fitnessfunktionen oder Chat-Begleiter an. Was viele Eltern nicht wissen: Wenn Gesundheitsdaten, Stimmungen oder Gewohnheiten ohne medizinischen Schutzrahmen verarbeitet werden, können daraus ungewollte Profile entstehen. Chatverläufe mit emotionalen Fragen („Bin ich dick?“, „Warum bin ich traurig?“) oder Tracker, die Schlafmuster aufzeichnen, können durch KI-Systeme genutzt werden, um Vorhersagen zu treffen – ohne dass dies transparent gemacht wird. Was heute noch verspielt wirkt, kann morgen Grundlage für automatisierte Entscheidungen sein. Eltern sollten deshalb besonders sensibel sein, wo sensible Daten landen – und welche Apps mitlesen, speichern oder analysieren.

Besonders verletzlich

Kinder unter zehn Jahren können Reize nicht vollständig einordnen oder reflektieren. Ihr Gehirn ist besonders verletzlich. Sie reagieren auf Farben, Stimmen, Belohnungen – und auf Wiederholung. KI-Algorithmen nutzen das: Sie „lernen“, was wirkt, und spielen mehr davon aus. So kann es passieren, dass ein Kind sich stundenlang mit ähnlichen Inhalten beschäftigt – nicht, weil es das will, sondern weil es immer wieder dahin gelenkt wird. Gleichzeitig sind die Inhalte nicht immer pädagogisch geprüft. Manche Spiele beinhalten Werbung für Spielzeug, Süßigkeiten oder Apps, die für Kinder gar nicht geeignet sind – aber durch KI ansprechend verpackt werden.

Viele Eltern sagen heute: „Ich versteh das alles gar nicht mehr.“ Sie meinen TikTok, YouTube Shorts, Empfehlungen, Emojis, Filter, Spiele. Sie spüren, dass sie nicht mehr wissen, was Kinder da eigentlich tun – oder wie es auf sie wirkt. Wer seine Kinder begleiten will, muss nicht alles verstehen – sondern bereit sein, sich Grundwissen über digitale Mechanismen anzueignen. Zum Beispiel:

  • Warum Inhalte nicht neutral, sondern KI-gesteuert gezeigt werden
  • Wie Apps Kinder mit Belohnungssystemen binden
  • Welche Informationen mitgeschnitten werden – selbst bei Sprachbefehlen oder scheinbar harmlosen Fragen
  • Dass KI nicht objektiv ist – sondern von Daten lernt, die auch Vorurteile enthalten

Was Eltern konkret tun können:

  • sich zeigen lassen, was Kinder sehen – ohne Bewertung
  • digitale Zeiten begleiten, nicht nur begrenzen
  • Sprachassistenten deaktivieren, wenn sie unbeobachtet aktiv sind
  • Großeltern einbinden: Auch sie sollten wissen, was weitergeleitet wird
  • gemeinsam Apps auswählen, nicht nur installieren
  • ein Gespräch über Gefühle führen: Wie fühlst du dich nach dem Spiel? Was hat dir gefallen? Was war komisch?

Haltung statt Hilflosigkeit

KI ist nicht per se schlecht. Sie kann beim Vorlesen helfen, Sprachen vermitteln, Strukturen im Alltag unterstützen. Doch sie ersetzt keine elterliche Beziehung, keine liebevolle Grenze, kein echtes Gespräch. Sie kann Entscheidungen erleichtern – aber sie trifft keine guten. Sie kann Daten ordnen – aber keine Bindung aufbauen. Sie kann viel – aber nicht das, was Kinder am meisten brauchen: Beziehung, Orientierung und Schutz.

Die Europäische Union arbeitet mit dem sogenannten „AI Act“ an einem Rahmen, der KI-Systeme regulieren soll – gerade im Umgang mit Kindern. Doch bis solche Regeln greifen, sind Familien gefragt: mit gesundem Menschenverstand, einem Blick hinter die Kulissen – und der Bereitschaft, immer wieder neu dazuzulernen. Denn digitale Erziehung beginnt nicht mit Technik, sondern mit Haltung.

Dr. Denise Holtschulte ist promovierte KI-Expertin. Sie engagiert sich für verantwortungs-volle Technologien – mit Blick auf Kinder, Familie und Gesellschaft. thelittlegoodlife.de

 

Weiterführende Links

Kinder kommen oft früh mit KI in Kontakt – über Sprachassistenten, Lern-Apps oder YouTube. Wer sicher begleiten will, findet hier Orientierung:

  • klicksafe.de: Infos & Materialien zu Medienkompetenz ab dem Kita-Alter
  • schau-hin.info: Elternratgeber für Mediennutzung zu Hause
  • digikids.online: Medienbildung & KI-Projekte für Kitas und Grundschule
  • medien-kindersicher.de: Anleitungen für technische Schutzfunktionen
https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/03/Kinder-und-KI_GettyImages_vladans_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-03-06 15:50:162026-03-06 15:50:16KI im Kinderzimmer: Wie Eltern mit der neuen Technologien umgehen können

Neurodermitis: Ärztin erklärt, worauf Eltern achten sollten

Elternfrage: „Mein Kind (2) hat Neurodermitis, mal stärker, mal schwächer. Worauf kann ich achten, um die Ursache herauszufinden und es zu behandeln?“

Neurodermitis ist mehr als „nur“ eine Haut­erkrankung. Sie ist oft Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels aus Haut­barriere-Störung, Immunsystem, Darmgesundheit, Ernährung und Umweltfaktoren. Dass du genauer hinschauen willst, ist absolut richtig, denn es gibt viele Stellschrauben, an denen du ansetzen kannst.

Was uns die Haut spiegelt

Aus schulmedizinischer Sicht gehört die konsequente Basispflege der Haut zu den wichtigsten Grundlagen: rückfettende Cremes, Badezusätze mit Öl und entzündungshemmende Akutbehandlung bei Schüben. Mein persönlicher Geheimtipp hier statt Kortison: Ectoin. Damit habe ich in der Praxis gute Erfahrungen bei meinen Patienten gemacht. Je nach Schweregrad braucht es manchmal aber auch eine richtig eingesetzte kortisonhaltige Salbe. Wichtig ist, die Haut zwischen den Schüben zu stärken, um möglichst neue Ausbrüche zu verhindern.

Darüber hinaus lohnt es sich, ganzheitlich auf dein Kind zu schauen. Denn oft ist die Haut nur der „Spiegel“ dessen, was innerlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ein zentrales Thema ist der Darm. Studien zeigen, dass Kinder mit Neurodermitis häufiger eine veränderte Darmflora haben – mit weniger Vielfalt und weniger „guten“ Bakterien. Auch das Immunsystem im Darm (über 70 Prozent unserer Immunzellen sitzen dort) spielt bei allergischen und entzündlichen Reaktionen eine Schlüsselrolle. Eine gezielte mikrobiologische Therapie mit bestimmten Probiotika, manchmal auch kombiniert mit Präbiotika, kann helfen, die Immunregulation zu verbessern. Du kannst eine solche Therapie mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin besprechen.

Ernährung und Stress

Auch die Ernährung ist ein möglicher Hebel: Nicht jedes Kind mit Neurodermitis hat eine Unverträglichkeit, aber es lohnt sich, mögliche Trigger wie Kuhmilch, Ei oder Weizen im Blick zu haben. Ebenso wichtig ist eine nährstoffreiche, entzündungshemmende Ernährung mit viel Gemüse, gesunden Fetten und wenig Zucker. Nährstoffe wie Zink, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren oder B-Vitamine sollten ausreichend vorhanden sein – gerade bei Haut- und Immunproblemen.

Ebenso kann die Psyche mit hineinspielen. Stress – ja, auch bei kleinen Kindern – kann die Haut verschlechtern. Reizüberflutung, unruhige Schlafphasen oder große Veränderungen im Alltag wirken auf das vegetative Nervensystem. Das wiederum beeinflusst Entzündungen, Haut und Verdauung. Achtsame Tagesstrukturen, Nähe, guter Schlaf und auch kindgerechte Entspannungsmethoden können hier unterstützend wirken. Nicht zuletzt lohnt sich ein Blick auf äußere Umweltfaktoren: Waschmittel ohne Duftstoffe, Kleidung aus Naturmaterialien, eine gute Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer – all das kann helfen, die Haut deines Kindes zu entlasten.

Drei weitere bewährte Tipps

 

  • Ballaststoffreich frühstücken: Eine warme Hirse- oder Hafermahlzeit mit Beeren, Leinöl und einem Teelöffel Flohsamenschalen unterstützt gezielt das Mikrobiom. Viele Familien berichten, dass die Haut nach einigen Wochen stabiler wird.
  • Probiotika nicht zu spät einsetzen: Gerade bei Kindern mit häufigen Infekten kann eine kurzzeitige Gabe geeigneter Probiotika sinnvoll sein – am besten individuell abgestimmt und nicht auf eigene Faust.
  • Ruhe für Haut und Nervensystem: Streichelmassagen, zum Beispiel mit Mandel- oder Nachtkerzenöl, stärken die Hautbarriere und Eltern-Kind-Bindung.

Dr. med. Celine Schlager ist Ärztin für ganzheitliche Familienmedizin, Medfluencerin, Podcasterin, Speakerin, Buchautorin und Mutter. In ihrem Buch „Wenn’s im Bauch zwickt, drückt und grummelt“ (Riva Verlag) erklärt sie Zusammenhänge zwischen Darm, Ernährung, Unverträglichkeiten & Co.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/03/Neurodermitis.jpg 1280 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2026-03-05 08:57:172026-03-05 08:57:17Neurodermitis: Ärztin erklärt, worauf Eltern achten sollten

„Euer Kind braucht mehr Regeln!“ – Wenn Großeltern die Erziehung nicht verstehen

Elternfrage: „Wir erziehen unsere Kinder bedürfnis­orientiert, aber unsere Eltern meinen, Kinder brauchen mehr Strenge und Regeln. Wie können wir ihnen unser Erziehungsverständnis erklären, ohne sie vor den Kopf zu stoßen?“

Immer mehr Eltern entscheiden sich heute bewusst gegen autoritäre Erziehungsmethoden und orientieren sich stattdessen an einem beziehungsstarken, kindzentrierten Umgang – der sogenannten bedürfnisorientierten Erziehung. Studien belegen: Kinder, die in einem Umfeld von emotionaler Sicherheit und echtem Respekt aufwachsen, entwickeln ein stärkeres Selbstwertgefühl, sind empathischer und können besser mit Stress umgehen.

Es braucht keine Einigkeit

Doch genau hier beginnt oft der Generationskonflikt. Viele Großeltern wurden selbst noch autoritär erzogen – mit Sätzen wie „Da wird nicht diskutiert!“ oder „Ich lasse mir nicht auf der Nase herumtanzen!“. Kein Wunder also, dass der bedürfnisorientierte Ansatz für sie manchmal fremd, vielleicht sogar nachlässig wirkt. Ihre Sorge ist oft, dass Kinder keine Grenzen mehr kennen und machen dürfen, was sie wollen.

Als unser erstes Kind geboren wurde, hatten wir das Gefühl, Neuland zu betreten. Wir wollten einen liebevollen, bindungsorientierten Weg mit Nähe, Verständnis und Geduld gehen. Gleichzeitig merkten wir: In unseren Herkunftsfamilien hatte man sich früher weniger damit beschäftigt, was Kinder brauchen. Im Mittelpunkt stand eher, wie Kinder sich verhalten sollen. Es war nicht immer leicht, darüber im Gespräch zu bleiben. Aber genau das wurde zum Schlüssel: einander zuhören, statt zu überzeugen – in dem Vertrauen, dass Kinder nicht perfekte Einigkeit brauchen, sondern liebevolle Beziehungen. Sie spüren, dass sie geliebt werden. Die Kinder sehen, dass Menschen unterschiedlich handeln. Sie lernen, dass Vielfalt zum Leben gehört und entwickeln die Fähigkeit, ihren eigenen Weg zu finden. Heute bin ich selbst Oma und darf erleben, wie sich die Erziehung weiter verändert und dass eines bleibt: die Kraft der echten Beziehung.

Verständnis statt Grundsatzdebatten

Diese vier Gedanken helfen dabei, Brücken zwischen euch und den eigenen Eltern zu bauen, anstatt Gräben zu ziehen:

  • Wertschätzung zuerst: „Ich sehe, wie viel Erfahrung ihr habt und wie sehr euch unsere Kinder am Herzen liegen.“
  • Eigene Haltung erklären, ohne zu belehren: „Für uns ist es wichtig, dass unser Kind lernt, dass seine Gefühle ernst genommen werden – auch wenn das mehr Geduld braucht.“
  • Gemeinsame Ziele betonen: „Wir wünschen uns alle, dass unser Kind selbstständig, verantwortungsvoll und innerlich stark wird.“
  • Gesprächsangebote statt Grundsatzdebatten: „Wenn ihr Lust habt, erzähle ich euch mehr über das, was uns an diesem Ansatz überzeugt hat.“

Verbindung ist wichtiger als Zustimmung. Ihr müsst eure Eltern nicht überzeugen, aber ihr könnt sie einladen, euch zu verstehen. Manchmal braucht es dafür weniger Worte und mehr gelebte Haltung: Geduld, Klarheit, Authentizität – und einen liebevollen Blick für alle Generationen.

Annette Sperling ist Familylab-Familienberaterin und Expertin für Großelternberatung. Mehr unter: grosselternberatung.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/03/Generationendialog_GettyImages_AJ_Watt_E-Plus-scaled.jpg 1725 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-03-03 11:42:052026-03-03 11:42:05„Euer Kind braucht mehr Regeln!“ – Wenn Großeltern die Erziehung nicht verstehen

Schreibaby: Das können Eltern tun, wenn das Schreien nicht aufhört

Stundenlanges Schreien, Unruhe und Eltern am Rand der Verzweiflung: Ein Schreibaby kann eine echte Herausforderung sein. Was Eltern tun können, verrät Psychotherapeutin Melanie Schüer.

Janna steht am Fenster und wischt sich eine Träne weg. Gerade ist endlich Kai zurück von der Arbeit genommen und hat ihr die Kleine abgenommen, die schon wieder seit einer Stunde schreit. Woran kann das nur liegen? Janna ist verzweifelt. Die Babys ihrer Freundinnen wirken immer so entspannt! Hat sie ein „Schreibaby“?

Wie Janna geht es vielen Eltern: Wenn das Baby oft schreit, fühlen sie sich hilflos, erschöpft und manchmal sogar schuldig. Viele fragen sich: „Liegt es an mir?“ oder „Ist mein Baby krank?“ Die Wahrheit ist: Meistens ist niemand Schuld – manche Babys werden einfach mit einem Temperament geboren, das etwas Starthilfe beim Regulieren braucht.

Was ist ein Schreibaby?

Von einem Schreibaby spricht man, wenn ein Säugling mehr als drei Stunden pro Tag, an mehr als drei Tagen pro Woche, über mindestens drei Wochen hinweg weint. Das ist eine klassische Definition, aber entscheidend ist letztlich, als wie belastend die Eltern die Situation erleben. Wichtig: Babys wollen ihre Eltern nicht ärgern oder ausdrücken, dass sie grundsätzlich unglücklich sind. Ihnen fehlt noch die Fähigkeit, innere Anspannung selbst zu reduzieren und zur Ruhe zu kommen.

Warum schreien manche Babys so viel?

Babys kommen mit einem sehr unreifen Nervensystem zur Welt. In den ersten Monaten müssen sie lernen, ihre Gefühle, ihren Hunger und Übergänge zwischen Wachheit und Schlaf zu steuern. Das ist eine enorme Aufgabe – und bei manchen Babys ist dieses Regulierungssystem besonders empfindlich. Mögliche Gründe für ausgeprägtes Schreien sind:

  • Unreifes Nervensystem: Einige Babys brauchen einfach länger, um Stress zu verarbeiten und um “abzuschalten”, nachdem sie die Welt erkundet haben
  • Reizüberflutung: Viele Geräusche, Licht, Besuch, zu viele Eindrücke oder Termine
  • Unruhe im Körper: Verdauungsprobleme, Blähungen, Reflux, Allergien oder Unverträglichkeiten.
  • Schlafprobleme: Schlafmangel verstärkt das Schreien oft
  • Temperament: Manche Babys sind von Natur aus sensibler und reizempfindlicher – das sind dann später oft auch sehr feinfühlige, kreative Kinder und Erwachsene.
  • Elterlicher Stress: Eltern, die selbst gestresst, unsicher oder erschöpft sind, übertragen oft unabsichtlich ihre Anspannung auf das Baby – und Babys „spüren“ das sehr schnell. Ein schreiendes Baby stärkt diese Belastung natürlich – ein Teufelskreis.

Wichtig ist: Nicht jede Ursache ist klar erkennbar. Manchmal bleibt es bei der Erklärung „Reifungsprozess“ – aber natürlich gilt es, genau hinzuschauen und alle möglichen Ursachen zu beleuchten.

Was hilft – und was nicht?

Es gibt kein Patentrezept, aber es gibt viele Strategien, die helfen können, das Baby zu beruhigen und mit dem Schreien besser zurechtzukommen. Die wichtigste Grundlage ist: Das Baby braucht Regulation – und zwar körperlich und emotional.

Beruhigungsstrategien (die oft funktionieren)

  • Tragen oder Kuscheln: Nähe und Bewegung vermitteln Sicherheit.
  • Ruhiges Schaukeln: Babys lieben rhythmische Bewegungen.
  • Weißes Rauschen: Ein Staubsauger-, Föhn- oder Regen-Geräusch kann sehr beruhigend wirken.
  • Pucken/Swaddling: Das Gefühl von Geborgenheit hilft vielen Babys, sich zu entspannen. Manche schlafen auch besser auf der Seite (mit einem speziellen Seitenschläferkissen für Babys)
  • Bauchmassage: Sanfte, kreisende Bewegungen können bei Blähungen helfen. Manche Babys lieben auch die sogenannte Schmetterlingsmassage, eine spezielle Massagetechnik, zu der es online viele Informationen gibt.
  • Stillen, Schnuller oder Flasche: Nuckeln hilft Babys oft, zur Ruhe zu kommen.

Wechsle nicht zu oft zwischen verschiedenen Strategien – das verstärkt die Überreizung. Gib jeder erst einmal 5-10 Minuten Zeit, zu helfen.

Weinen begleiten – statt „wegmachen“

Ein wichtiger Punkt: Weinen ist auch ein Weg zum Stressabbau. Vielleicht hast du es auch schon einmal erlebt, dass du dich irgendwie erleichtert gefühlt hast, nachdem du dir etwas von der Seele gesprochen und – geweint hast? Babys können noch nicht reden – ihnen bleibt nur das Schreien als Ventil.

Manchmal ist es daher gar nicht möglich oder nötig, das Schreien sofort zu stoppen. In solchen Momenten kann es helfen, das Baby einfach zu begleiten:

  • Dabei bleiben, ohne den inneren Druck, das Schreien zu beenden
  • Sanft sprechen oder summen
  • Hand auf den Rücken legen
  • Dem Baby sagen: „Es ist okay, dass du weinst. Ich bin bei dir und halte dich.“

Für viele Babys wirkt diese Begleitung wie ein „sicherer Hafen“ und unterstützt den Stressabbau. Oft sind Eltern überrascht, dass das Weinen früher oder später von selbst aufhört, wenn sie es nicht zwanghaft beenden wollen.

Ganz pragmatischer Tipp: Nutze bei dieser „Schrei-Begleitung“ Ohrenschützer oder -stöpsel. Das hilft, dein eigenes Stresslevel gering zu halten – und das spürt dann auch dein Baby.

Was nicht hilft – oder sogar verschlimmert

  • Schütteln: Das hilft überhaupt nicht und ist stattdessen gefährlich! Die Halswirbelsäule eines Säuglings ist noch instabil. Schütteln kann zu schweren Verletzungen führen.
  • Unbegleitet schreien lassen: Das kann das Stressniveau erhöhen und ist emotional belastend sowie schädlich für die Bindung und das Urvertrauen.
  • Zu viel Stimulation, Ablenken mit Spielzeugen oder ständiger Aktivität: Manchmal braucht das Baby weniger, nicht mehr.

Wie Eltern damit umgehen können (ohne auszubrennen)

Schreien ist für Eltern extrem belastend. Besonders, wenn es sich anfühlt, als würde es niemals enden. Hier sind Strategien, die helfen, nicht zu zerbrechen:

  1. Du bist nicht allein – und du bist nicht schuld

Viele Eltern von Schreibabys fühlen sich schuldig. Das ist verständlich, aber meist gibt es dafür überhaupt keinen Grund. Viele Babys kommen unruhig zur Welt – dafür können die Eltern nichts. Wenn du aber merkst, dass du selbst sehr belastet bist mit eigenen Themen, dann ist es richtig, dir fachliche Hilfe zu holen. Denn wenn Eltern unter Depressionen, anderen psychischen Erkrankungen oder unter starker Anspannung stehen oder extrem verunsichert sind, können Kinder das unbewusst spüren. Oft spiegeln sie diese Anspannung, was ihre Unruhe verstärkt.

  1. Sorge für dich – das ist kein Luxus

Wenn du erschöpft und angespannt bist, kannst du keine Ruhe vermitteln. Das bedeutet:

  • Mach Pausen, auch kurze
  • Hol dir Unterstützung: Partner, Familie, Freunde, Nachbarschaft, Ehrenamtliche, z.B. Familienpaten oder „wellcome“
  • Geh raus, auch wenn es nur 10 Minuten sind.
  • Sprich über deine Gefühle, z. B. mit einer Hebamme, einer Elternberatungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe.
  1. Setze klare Grenzen – auch gegenüber dir selbst

Wenn das Schreien zu viel wird, ist es okay, das Baby sicher in die Wiege zu legen und kurz Abstand zu nehmen. Eine Minute Ruhe kann einen Unterschied machen. Wenn du merkst, dass du kurz davor bist, die Kontrolle zu verlieren, ist das ein Signal: Du brauchst eine Pause – genau jetzt.

Wann ist ärztlicher Rat ratsam?

Auch wenn das Schreien meist keine gravierenden körperlichen Gründe hat, ist es wichtig, medizinische Ursachen auszuschließen. Besonders bei folgenden Beobachtungen:

  • wenn das Baby nicht zunimmt oder Gewicht verliert
  • wenn das Schreien plötzlich sehr stark wird oder neu auftritt
  • bei Fieber, Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag oder Blut im Stuhl
  • wenn das Baby apathisch wirkt oder ungewöhnlich lethargisch ist
  • wenn du den Verdacht auf Reflux, Allergien oder starke Verdauungsprobleme hast (z.B. Schreien immer nach dem Essen, harter, aufgeblähter Bauch)

Der Blick nach vorn: Es bleibt kein Schreibaby

Die gute Nachricht: Ein Schreibaby wird nicht „für immer“ schreien. In den meisten Fällen verbessert sich die Situation ab dem 3.–4. Monat deutlich, weil das Nervensystem reift und das Baby lernt, sich selbst zu regulieren. Manche brauchen etwas länger, aber es handelt sich definitiv um eine begrenzte Phase in eurem Leben. Wichtig ist, genau das nicht zu vergessen: „Es geht vorbei“. Stelle dir immer mal wieder Szenen aus der Zukunft vor, in denen du die Zeit mit deinem fröhlichen Kind genießt.

Und, ganz wesentlich: Du bist nicht allein. Hole dir Hilfe – besser früh als spät. In vielen Orten gibt es Schreiambulanzen oder Frühe Hilfen, zum Beispiel „Familienpaten“, Familienhebammen oder das Projekt „wellcome“. Auch online gibt es gute Anlaufstellen wie elternleben.de.

Melanie Schüer ist Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Autorin. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/02/Schreibaby_GettyImages_ArtMarie_E-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-02-26 14:57:392026-02-26 14:57:39Schreibaby: Das können Eltern tun, wenn das Schreien nicht aufhört

„Mein Kind ist anders … “ – Wenn Eltern an ihre Grenzen kommen

Eltern von Kindern, die sich anders entwickeln als erwartet, stehen oft vor großen Herausforderungen. Familienberaterin Daniela Albert will betroffenen Eltern aus der Isolation helfen.

„Ich habe von Anfang an gespürt, dass etwas mit meinem Kind anders ist …“ So fangen viele Beratungsgespräche an, wenn Eltern zu mir in die Praxis kommen, weil ihr Kind sich anders entwickelt als erwartet. Oft haben sie schon einen längeren Leidensweg hinter sich. Alltägliche Situationen, die andere spielend meistern, sind herausfordernd: Auf der Familienfeier im Kinderwagen schlafen? Fehlanzeige! Ein Stadtbummel in der Trage? Funktioniert nicht, weil das Kind schnell überreizt ist. Oder die Eingewöhnung in einer Betreuungseinrichtung erweist sich als schwierig. Zu Beratungsbeginn haben diese Eltern häufig die Erfahrung gemacht, dass andere über sie in Unverständnis die Nase rümpfen. „Die stellen sich aber auch an mit ihrem Kind“, heißt es vielleicht.

Dass sie sich anstellen oder auch übertreiben, bekommen meine Klientinnen und Klienten nicht nur in ihrem direkten Umfeld zu hören. Immer wieder müssen sie die Erfahrung machen, von ihrem Gegenüber nicht ernst genommen zu werden. Da ist die Kinderärztin, die die Bedenken mit einem Lächeln abtut. Oder da sind pädagogische Fachkräfte, die finden, dass alles noch im Rahmen sei. Solche Sätze sollen beruhigend wirken, und manchmal entsprechen sie auch den Tatsachen. Doch für Mütter und Väter, deren Bauchgefühl eine deutlich andere Sprache spricht und die im Alltag erleben, dass ihr Kind eben nicht „normal funktioniert“, verschlimmern sie die Lage. Und sie erschweren den Weg zu Hilfe und Erleichterung.

Falsche Unterstellungen

Eltern von Kindern mit Neurodiversitäten, körperlichen oder psychischen Auffälligkeiten kämpfen oft damit, Verständnis und Akzeptanz zu finden. Ein schwieriger, oft schmerzhafter Prozess, in dessen Verlauf sich soziale Beziehungen verändern und Familien sich oft allein fühlen. Ganz zu schweigen davon, dass es die verbreitete Ansicht gibt, dass „all das“ sicher nur an den Eltern läge. Diese ließen sich von ihrem gefühlsstarken Kind auf der Nase herumtanzen, verwöhnten das hochsensible Kind zu sehr, förderten Entwicklungsprozesse nicht genug oder – wie beim Thema Hochbegabung unterstellt – zu viel. Ein großer Teil von Eltern, deren Kinder sich abseits gängiger Normen bewegen, kennt solche Unterstellungen und Zuschreibungen.

Doch nicht nur die Akzeptanz von außen ist ein Thema. Denn oft müssen Eltern selbst erst einmal diesen Weg gehen. Sie müssen ihre Vorstellungen vom Familienleben loslassen und akzeptieren, dass ihr Elternalltag anders aussieht. Kein Vater und keine Mutter träumt davon, sich auf die frustrierende Suche nach Therapieplätzen zu machen, seine Nachmittage in Wartezimmern zu verbringen oder den Alltag nach den besonderen Bedarfen seines Kindes auszurichten. Die Eltern, die ich begleite, stehen genau vor diesen Herausforderungen. Viele meistern sie wunderbar und schaffen es, sich diesen anders getakteten Alltag so schön wie möglich zu machen. Ich begleite echte Löweneltern und ziehe immer wieder den Hut vor ihnen.

Akzeptanz und Herzschmerz

Ein erster Schritt, das Bestmögliche aus der Situation zu machen, besteht darin, die Erwartungen, die man einmal hatte, loszulassen. Es ist gut, seinen Frieden damit zu machen, dass bestimmte Dinge nicht funktionieren werden. Manchmal erlebe ich Eltern, die sich damit schwertun. Ich habe Verständnis dafür, denn oft wird man von rosaroten Eindrücken vom Familienleben überschwemmt. Social Media oder der WhatsApp-Status gaukeln uns vor, dass andere scheinbar das perfekte Glück gefunden haben. Die Erkenntnis, dass man als Familie da nicht mithalten kann, macht im schlimmsten Fall bitter. Aber sie kann auch befreien. Wenn man den oft schmerzhaften Weg der Akzeptanz nämlich einmal gegangen ist, bleibt die Freiheit zu überlegen, wie man sein Familienleben unter den gegebenen Umständen gestalten möchte. Vergleiche darf man sich getrost schenken.

Was beim Thema Alltagsgestaltung noch bewältigbar ist, gestaltet sich auf einer anderen Ebene deutlich schwieriger: Wie hält man den Herzschmerz aus, den die Begleitung eines besonderen Kindes oft mit sich bringt? Dieses stechende Gefühl in der Brust, wenn dir bewusst wird, dass dein Kind schon ein Jahr lang in den Kindergarten geht, aber noch nie zu einem anderen Kind nach Hause kommen durfte? Wie oft ringen sich Mütter oder Väter ein müdes Lächeln ab, um Trauer oder Wut darüber zu verbergen, dass nur im Fach ihres Kindes wieder keine Geburtstagseinladung liegt? Wie lange kann man sich zusammenreißen, wenn man wieder mitbekommt, dass andere über das eigene Kind tuscheln?

Raus aus der Isolation!

Und es ist ja oft nicht nur das Kind, das ein Problem hat, Anschluss zu finden. Auch die Eltern können in Isolation geraten. Die Themen, über die andere sprechen, sind nicht die eigenen. Gemeinsame Aktivitäten kommen nicht in Frage. Oft sind Eltern auch müde davon, sich und ihr Kind immer wieder erklären zu müssen. In einer Lebensphase, in der Kontakte meist im Umfeld der Kinder entstehen, kann man mitunter einsam werden. Ein großer Gewinn sind hier Mütter und Väter in ähnlichen Situationen. Über soziale Netzwerke kann man sich leichter finden. Dazu rate ich dringend! Denn die Erkenntnis, dass man mit seinen Sorgen und Nöten nicht allein ist, kann zur Annahme der Situation beitragen.

Eltern, deren Kinder aus irgendeinem Grund durch unsere gängigen Raster fallen, leisten Unglaubliches – sowohl in der Bewältigung ihres Alltags als auch beim Loslassen und Annehmen von Situationen, die man sich anders ausgemalt hatte. Ich wünsche mir, dass wir uns öfter klarmachen. Und wir sollten diesen Familien wohlwollend und offen gegenübertreten und uns fragen, wie wir unseren Teil dazu beitragen können, dass diese Kinder und ihre Eltern bei uns ihren Platz finden.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel und bloggt unter: eltern-familie.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/02/Sandkasten_GettyImages_Olha-Romaniuk_iStock_Getty-Imaages-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-02-24 12:30:552026-02-24 12:30:55„Mein Kind ist anders … “ – Wenn Eltern an ihre Grenzen kommen
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