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Neurodermitis: Ärztin erklärt, worauf Eltern achten sollten

Elternfrage: „Mein Kind (2) hat Neurodermitis, mal stärker, mal schwächer. Worauf kann ich achten, um die Ursache herauszufinden und es zu behandeln?“

Neurodermitis ist mehr als „nur“ eine Haut­erkrankung. Sie ist oft Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels aus Haut­barriere-Störung, Immunsystem, Darmgesundheit, Ernährung und Umweltfaktoren. Dass du genauer hinschauen willst, ist absolut richtig, denn es gibt viele Stellschrauben, an denen du ansetzen kannst.

Was uns die Haut spiegelt

Aus schulmedizinischer Sicht gehört die konsequente Basispflege der Haut zu den wichtigsten Grundlagen: rückfettende Cremes, Badezusätze mit Öl und entzündungshemmende Akutbehandlung bei Schüben. Mein persönlicher Geheimtipp hier statt Kortison: Ectoin. Damit habe ich in der Praxis gute Erfahrungen bei meinen Patienten gemacht. Je nach Schweregrad braucht es manchmal aber auch eine richtig eingesetzte kortisonhaltige Salbe. Wichtig ist, die Haut zwischen den Schüben zu stärken, um möglichst neue Ausbrüche zu verhindern.

Darüber hinaus lohnt es sich, ganzheitlich auf dein Kind zu schauen. Denn oft ist die Haut nur der „Spiegel“ dessen, was innerlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ein zentrales Thema ist der Darm. Studien zeigen, dass Kinder mit Neurodermitis häufiger eine veränderte Darmflora haben – mit weniger Vielfalt und weniger „guten“ Bakterien. Auch das Immunsystem im Darm (über 70 Prozent unserer Immunzellen sitzen dort) spielt bei allergischen und entzündlichen Reaktionen eine Schlüsselrolle. Eine gezielte mikrobiologische Therapie mit bestimmten Probiotika, manchmal auch kombiniert mit Präbiotika, kann helfen, die Immunregulation zu verbessern. Du kannst eine solche Therapie mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin besprechen.

Ernährung und Stress

Auch die Ernährung ist ein möglicher Hebel: Nicht jedes Kind mit Neurodermitis hat eine Unverträglichkeit, aber es lohnt sich, mögliche Trigger wie Kuhmilch, Ei oder Weizen im Blick zu haben. Ebenso wichtig ist eine nährstoffreiche, entzündungshemmende Ernährung mit viel Gemüse, gesunden Fetten und wenig Zucker. Nährstoffe wie Zink, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren oder B-Vitamine sollten ausreichend vorhanden sein – gerade bei Haut- und Immunproblemen.

Ebenso kann die Psyche mit hineinspielen. Stress – ja, auch bei kleinen Kindern – kann die Haut verschlechtern. Reizüberflutung, unruhige Schlafphasen oder große Veränderungen im Alltag wirken auf das vegetative Nervensystem. Das wiederum beeinflusst Entzündungen, Haut und Verdauung. Achtsame Tagesstrukturen, Nähe, guter Schlaf und auch kindgerechte Entspannungsmethoden können hier unterstützend wirken. Nicht zuletzt lohnt sich ein Blick auf äußere Umweltfaktoren: Waschmittel ohne Duftstoffe, Kleidung aus Naturmaterialien, eine gute Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer – all das kann helfen, die Haut deines Kindes zu entlasten.

Drei weitere bewährte Tipps

 

  • Ballaststoffreich frühstücken: Eine warme Hirse- oder Hafermahlzeit mit Beeren, Leinöl und einem Teelöffel Flohsamenschalen unterstützt gezielt das Mikrobiom. Viele Familien berichten, dass die Haut nach einigen Wochen stabiler wird.
  • Probiotika nicht zu spät einsetzen: Gerade bei Kindern mit häufigen Infekten kann eine kurzzeitige Gabe geeigneter Probiotika sinnvoll sein – am besten individuell abgestimmt und nicht auf eigene Faust.
  • Ruhe für Haut und Nervensystem: Streichelmassagen, zum Beispiel mit Mandel- oder Nachtkerzenöl, stärken die Hautbarriere und Eltern-Kind-Bindung.

Dr. med. Celine Schlager ist Ärztin für ganzheitliche Familienmedizin, Medfluencerin, Podcasterin, Speakerin, Buchautorin und Mutter. In ihrem Buch „Wenn’s im Bauch zwickt, drückt und grummelt“ (Riva Verlag) erklärt sie Zusammenhänge zwischen Darm, Ernährung, Unverträglichkeiten & Co.

Ständig räuspert sich die Tochter (4) – Ist es eine Tic-Störung?

Dauerhaftes Räuspern schadet der Gesundheit. Logopädin Ina Finis hat für Eltern mehrere Lösungen parat.

„Meine Tochter (4) räuspert sich seit kurzer Zeit ständig. Am Anfang dachte ich, sie hätte nur einen Frosch im Hals. Nun tritt es aber dauernd auf – vor allem dann, wenn ich ihr vorlese oder sie ruhig vor sich hin spielt. Ist das ein Tic? Und wenn ja, wie kriegen wir ihn wieder weg?“

Wer kennt es nicht: Da ist ein Kratzen im Hals und wir räuspern uns. Damit befreien wir den Rachen von Schleim oder die Stimme von Heiserkeit. In normalem Maß keine große Sache – bei häufigem Auftreten kann es jedoch für die betroffene Person und mehr noch für andere Menschen störend sein.

Was passiert beim Räuspern? Im Kehlkopf liegen sich die beiden Stimmlippen gegenüber. Um Stimmklang zu erzeugen, müssen sie sich im Luftstrom aus der Lunge schwingend schließen. Liegt nun Schleim aus der Nase oder den Atemwegen auf den Stimmlippen, klingt die Stimme heiser. Wir räuspern uns, um den Schleim zu entfernen. Geräuspert wird auch, wenn ein Reizgefühl vorhanden ist (ein Krümel oder beim Verschlucken). Beim Räuspern wird massiver Druck auf die Stimmlippen ausgeübt, dadurch wird als Schutzreaktion eine Schleimbildung ausgelöst. So kann ein Kreislauf von Räuspern – Schleimbildung – Räuspern entstehen. Das ist möglicherweise stimmschädigend.

Lutschbonbons können helfen

Falls Sie ein extrem häufiges Räuspern bei Ihrem Kind beobachten, gibt es ein paar einfache Hilfsmittel: raumtemperiertes Wasser ohne Kohlensäure trinken oder Salbeibonbons lutschen. Vermeiden Sie Lutschbonbons mit Menthol, Kamille oder Eukalyptus, da diese eher austrocknend wirken. Sollte dies nicht helfen, kann der HNO-Arzt oder Phoniater (Stimmarzt) feststellen, ob ein Anlass – zum Beispiel Stimmlippenknötchen oder eine ausgeprägte Mund- statt Nasenatmung – vorhanden ist und entsprechende Maßnahmen einleiten. Logopäden und Atem-, Sprech- und Stimmlehrer bieten therapeutische Unterstützung, um häufiges Räuspern wieder abzubauen und die geschädigte Stimme zu behandeln.

Denn auch bei Kleinkindern kann es bereits zu einer Stimmstörung kommen. Die Ursache ist häufig, dass beim Sprechen zu viel Druck aufgebaut wird. So kann es zu einer Überlastung der Stimmlippen kommen. Dann haben die Kinder gerade nach längerem Sprechen oder Singen einen höheren Räusperdrang.

Tics erst mal ignorieren

In Ihrer Frage fiel auch das Schlagwort Tic. Plötzlich kann das Kind nicht mehr aufhören, sich zu räuspern (oder zu blinzeln, Grimassen zu schneiden, zu hüsteln). Oft sind diese Tics dem Kind nicht bewusst. Bei hohem Alltagsstress stellt sich das Räuspern gerade in entspanntem Spiel oder beim Vorlesen ein. Bei anderen Betroffenen sind die Auslöser Reizüberflutung und Anspannung. Es ist ratsam, solche Tics durch Ablenkung und Ruhe zu durchbrechen.

Bei Kleinkindern sind Tics häufig vorübergehend. Es wird empfohlen, sechs bis zwölf Wochen abzuwarten und zu versuchen, das Räuspern zu ignorieren und auszuhalten. Wenn der Tic länger andauert oder ein Leidensdruck beim Kind entsteht, da es von anderen Kindern gehänselt wird, ist es empfehlenswert, zum Kinderarzt zu gehen. Dieser kann zum Neurologen überweisen, der weitere Schritte wie eine Spieltherapie, eine kinderpsychologische Beratung oder neurologische Untersuchungen empfehlen kann.

Ina Finis ist Logopädin, Mutter zweier Töchter im Teenageralter und zurzeit in einer Weiterbildung zur Individualpsychologischen Beraterin. 

Mutter fragt sich: Ab wann sollte meine Tochter zur Frauenärztin?

Wann ist die richtige Zeit für einen ersten Frauenarztbesuch? Und was sollten Töchter vorher wissen? Dr. Ute Buth klärt auf.

„Meine Tochter ist jetzt 14. Manche ihrer Freundinnen waren schon bei der Frauenärztin, andere (wie sie) noch nicht. Ich bin mir unsicher: Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Und wie bereite ich meine Tochter darauf vor?“

Für viele Mädchen sind Frauenärztinnen zunächst die große Unbekannte. Früher gab es nur den Kinderarzt oder die Kinderärztin. Den meisten Kids ist klar, im Erwachsenenalter gibt es stattdessen Hausärzte. Wozu braucht es zusätzlich eine Frauenärztin?

Was ist eine Frauenärztin?

Eine Frauenärztin ist für die inneren und äußeren Geschlechtsorgane der Frau im Intimbereich sowie für die Brüste zuständig, bei der Vorsorge und der Behandlung von gut- und bösartigen Erkrankungen. Sie begleitet ergänzend zu Hebammen Frauen in der Schwangerschaft und rund um die Geburt. Sie ist Ansprechpartnerin bei Störungen der Monatsblutung, Entzündungen, einem Ungleichgewicht weiblicher Hormone, in Fragen der Empfängnisregelung und bei vielen sexuellen Problemen.

Der Besuch bei der Frauenärztin wird ab dem 20. Lebensjahr ein- bis zweimal pro Jahr zur Vorsorge empfohlen. Wenn ein Mädchen keinerlei Beschwerden hat, genügt es, den ersten Besuch zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr zu planen. Ausnahmen, die Praxis früher aufzusuchen, sind Beschwerden im Genitalbereich, starke Schmerzen und/oder Störungen der Monatsblutung, das Ausbleiben der ersten Blutung bei Mädchen älter als etwa 16 Jahre oder wenn kein Tampon eingeführt werden kann. Außerdem ist die Frauenärztin ansprechbar, wenn ein Mädchen schon sexuell aktiv ist oder unsicher, ob alles okay ist, zum Beispiel bei unklaren Tastbefunden der Brust.

Ein Kennenlerntermin kann helfen

Vielen Mädchen hilft ein orientierender erster Termin ohne Untersuchung, um die Ärztin und die Praxis kennenzulernen. Respektieren Sie unbedingt, ob sie zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen möchte. Drängen Sie Ihre Tochter nicht zu Ihrem Gynäkologen. Überrumpeln Sie sie nicht, indem Sie mit Terminen Tatsachen schaffen. Klären Sie mit ihr, wann sie dazu bereit ist. Sie sollte wissen: Vor der Untersuchung entkleidet sie sich in einer Umkleidekabine im Untersuchungsraum untenherum – nie ganz! Ein langes Shirt ist ein guter Sichtschutz auf dem Weg zum Untersuchungsstuhl.

Steht eine Untersuchung an, bereiten Sie sie darauf vor, dass die Frauenärztin dafür einen speziellen Untersuchungsstuhl benötigt, auf dem man zurückgelehnt sitzt, während die Beine seitlich auf Beinschalen oder Bögen gelagert sind. Nur so kann die Ärztin durch die Scheide bis zum Eingang der Gebärmutter schauen. Dazu schiebt sie vorsichtig mit Untersuchungsinstrumenten die Scheidenwände beiseite. Zusätzlich kann sie die inneren Geschlechtsorgane durch die Scheide abtasten und sie mit einem schmalen Ultraschallgerät betrachten. Falls es wehtun sollte, bitte Bescheid sagen. Die Frauenärztin ist immer ansprechbar.

Dr. med. Ute Buth ist Frauenärztin, Sexual- und Weißes Kreuz-Fachberaterin. Sie leitet die Beratungsstelle „herzenskunst“ in Bochum, ist verheiratet, Mutter zweier Töchter und Autorin des Teenie-Aufklärungsbuches „Mädelskram“. 

Sie fürchtet sich vor dem Zahnarzt

„Unsere Tochter (5) hat große Angst vorm Zahnarzt. Sie war schon mehrmals mit mir dort und hat trotz geduldigen Zuredens den Mund nicht aufgemacht. Wir wollen sie nicht traumatisieren oder drohen, aber irgendwann sollte doch der Fachmann eine Kontrolle vornehmen können, oder? Sie putzt zweimal täglich sehr gut die Zähne. Was raten Sie uns?“

Wenn Ihre Tochter sich zweimal am Tag die Zähne gut putzt, ist die wichtigste Basis für die Zahngesundheit schon gelegt. Sicherlich wäre es gut, wenn der Zahnarzt die Zähne dennoch kontrollieren könnte.

Zwingen Sie das Kind nicht

Mit Blick auf die Gesamtentwicklung Ihrer Tochter sollte man aber definitiv gut abwägen zwischen dem Risiko einer Traumatisierung und den Vorteilen einer Kontrolle – das tun Sie offenbar auch sehr gewissenhaft! Daher würde ich Ihnen empfehlen, weiter sehr geduldig und behutsam vorzugehen und nicht mit Druck oder Zwang zu arbeiten. Folgende Schritte könnten helfen:

1. Spielen Sie zu Hause in einem Rollenspiel „Zahnarzt“. Besorgen Sie dazu einen kleinen Mundspiegel, um das Spiel realistischer gestalten zu können, gern auch eine Maske und vielleicht eine OP-Haube. Lassen Sie Ihre Tochter zuerst selbst Arzt spielen, Sie sind die Patientin. Versuchen Sie dann beim nächsten Mal, einen Rollentausch vorzuschlagen. Natürlich sollte bei diesen Spielen alles gut und schmerzfrei ablaufen.

2. Lesen Sie Kinderbücher zum Thema vor (z. B. „Conni geht zum Zahnarzt“) und zeigen Sie diese Geschichte als Video (online zu finden).

3. Eine langsame Gewöhnung durch ein bis zwei Besuche, bei denen keine Kontrolle bei Ihrem Kind geplant ist, sondern es nur die Räume kennenlernt und beobachtet, kann helfen – vielleicht auch bei einem Termin von Ihnen oder eines anderen Kindes, das es kennt. Manchmal wirkt Ablenkung Wunder, etwa wenn das Kind während des Zahnarztbesuchs auf dem Handy einen Clip ansehen darf.

Überlegen Sie sich eine Belohnung

4. Kindern fällt es noch schwer, langfristig zu denken und dafür kurzfristig Unangenehmes in Kauf zu nehmen. Da ist es hilfreich, ihnen kleine Motivationsanreize zu schaffen. Besprechen Sie mit Ihrer Tochter, warum der Zahnarztbesuch so wichtig ist, und überlegen Sie mit ihr, welche kleine Belohnung ihr helfen würde, ihren Mut zusammenzunehmen.

5. Vielleicht kann die Oma, der Onkel oder eine andere vertraute Person, die Ihre Tochter noch nie zum Zahnarzt begleitet hat, viel unbefangener mit der Situation umgehen und dadurch mehr Gelassenheit ausstrahlen, weil sie noch nicht selbst erlebt hat, wie schwierig die letzten Besuche waren. Auch Kinder reagieren oft, je nach Bezugsperson, unterschiedlich. Besprechen Sie aber vorher, wie viel „Ermutigen“ okay ist und wann der Versuch abgebrochen werden soll.

6. Sollte das alles nicht helfen, könnte auch ein Wechsel des Zahnarztes helfen – vielleicht zu einer Praxis, die auf Angstpatienten spezialisiert ist? Auch hier können die veränderten Bedingungen dem Kind helfen, festgefahrene Muster loszulassen.

Melanie Schüer ist Erziehungswissenschaftlerin, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und als freie Autorin und Elternberaterin tätig (elternleben.de).