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Archiv für die Kategorie: Allgemein

Nur noch kurz die Welt retten

Was kann ein Einzelner bewirken, um die Welt zu verändern? Mehr, als viele denken, meint Ruth Weißenborn und fängt an, müllarm zu leben.

Ich träume davon, dass wir den leisen Gedanken zuhören, die Gott uns manchmal zuflüstert und die zu einer großen Sache werden können. Ich glaube, dass jeder von uns sie hat, diese kleinen Ideen und Träume. Denn so fängt Veränderung an. Mit einer Idee, einem, der sie umsetzt und dem nächsten, der sich anstecken lässt. Ich träume davon, dass wir anfangen zu tun. Dass wir selber wagen, anstatt auf andere zu warten. Ohne Rücksicht auf Perfektion, die uns nur aufhält. Wir können viel bewirken mit einer Idee, etwas Idealismus und einer Spur Blauäugigkeit, die uns etwas riskieren lässt. Das ist in der Theorie einfacher als in der Praxis. Können wir trotzdem heute zusammen etwas wagen? Und sei es nur, unseren Traum zu Ende zu träumen: Was möchte ich verändern, verbessern, verschönern? Was liegt mir auf dem Herzen? Was würde ich tun, wenn ich nicht scheitern könnte? Und was brauche ich, um meine leisen Gedanken in die Tat umzusetzen?

ZERO WASTE
Werner Boote hatte die Idee, einen Film über die katastrophalen Auswirkungen von Plastik zu machen. Sein Großvater war in den 60er Jahren Geschäftsführer der deutschen Interplastikwerke. Sandra Krautwaschl aus Österreich war von dem Film so bewegt, dass sie mit ihrer Familie beschloss, einen Monat lang komplett ohne Plastik zu leben und Online-Tagebuch darüber zu führen. Das war 2009, und Familie Krautwaschl lebt heute noch plastikfrei. Bea Johnson aus Kalifornien dachte, sie lebe umweltbewusst, weil sie ja ihren Müll ordentlich trennt. Bis sie durch Bücher und Dokumentationen anfing „zu verstehen, nicht nur, wie stark unser Planet gefährdet ist, sondern auch, wie sehr unsere alltäglichen, gedankenlosen Entscheidungen alles noch schlimmer machten für unsere Erde und die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen“. Sie lebt seitdem nicht nur plastik- sondern fast müllfrei: Ihre vierköpfige Familie produziert etwa ein Weckglas Restmüll pro Jahr. 2014 eröffneten in Deutschland die ersten Lebensmittelläden ohne Einwegverpackungen. Mittlerweile gibt es etwa 40 Unverpackt-Läden, weitere sind in Planung.

MÜLL HALBIERT
Vor zwei Jahren entdeckte ich beim Youtube-Surfen Werner Bootes Dokumentation „Plastic Planet“. Nach der Hälfte des Films wusste ich, dass ich nicht mehr ruhigen Gewissens weitermachen kann wie bisher. Ich musste etwas ändern – und zwar sofort. Ich habe mich im Netz informiert und schrittweise Plastik aus unserem Haushalt entfernt. Dann stieß ich auf Bea Johnsons Buch „Zero Waste Home“. Deutsche Literatur gab es Anfang 2015 kaum. Mittlerweile sind aber diverse Bücher und noch mehr Blogs erschienen. So fing ich an, unsere Wohnung zu entrümpeln und die Müllquellen in unserem Fünf-Personen-Haushalt durch müllfreie Alternativen zu ersetzen. Was wir aussortierten, wanderte ins soziale Kaufhaus oder in die Kleinanzeigen. Überrascht stellte ich fest: Für fast jeden Wegwerf- oder müllproduzierenden Artikel gibt es eine wiederverwendbare, aufladbare, auffüllbare oder DIY-Alternative. Zurück zur guten alten Pfandflasche und einem simplen, unverpackten Stück Seife. Manchmal ist etwas Kreativität gefragt, um zum Beispiel herauszufinden, dass man aus Joghurt und einer Prise Salz Labneh herstellen kann, der uns Frischkäse und Quark ersetzt. Innerhalb von ein paar Monaten halbierte ich unseren M üll. U nkompliziert u nd o hne großen A ufwand, weil ich eine Sache nach der anderen umstellte und nur das wählte, wo mir die Alternative leicht fiel: Auf dem Wochenmarkt kann ich mir Oliven und Schafskäsecreme direkt ins Bügelglas füllen lassen. Für Butter ist mir noch keine geeignete Alternative begegnet, deshalb kaufe ich sie weiterhin konventionell. Genau wie Zahnpasta. Die kann man zwar wunderbar selber machen, aber nach meinem Zahnpasta-Experiment wollte mein Mann mich nicht mehr küssen.

EIGENE VERPACKUNGEN
Die größte Müllersparnis brachte die Umstellung unserer Einkaufsgewohnheiten: Wir kaufen Getränke und Milchprodukte in Pfandflaschen und kaum noch Fertigprodukte. Auf dem Wochenmarkt besorge ich Käse und Wurst (Edelstahldosen), Honig (Pfandglas), Brot (Brotbeutel), Obst und Gemüse (waschbare Gemüsenetze). Alle Utensilien warten in meiner Markttasche auf den nächsten Einkauf. Auf freundliche Nachfrage wurde mir die Bitte, meine eigene Verpackung benutzen zu dürfen, bisher nur selten abgeschlagen. Ein guter Kompromiss ist, den Behälter nur auf die Theke zu stellen, sodass der Verkäufer die Ware hineinlegen kann. Laut Verbraucherzentrale NRW gibt es branchenspezifische Leitlinien, aber letztendlich entscheidet jeder Marktleiter, ob eigene Behälter benutzt werden dürfen. Die Bäckereien sind bei mir auf Platz eins in der Müllfrei-Beliebtheitsskala: Mein Brotbeutel war immer sofort willkommen. Zwischendurch kaufe ich im Supermarkt ein. Leider ist dort meistens das konventionelle Obst und Gemüse lose, während bio eingeschweißt ist. Mein Mann bevorzugt bio, ich entscheide mich eher für plastikfrei. Zum 17 Kilometer entfernten Unverpackt-Laden fahre ich nur alle paar Monate, um einen Großvorrat an trockenen Lebensmitteln zu kaufen. Oder ich teile mir mit Freunden Großgebinde in Papierverpackung, die wir online bestellen. Ich lagere alle Lebensmittel in Bügelgläsern, in denen man auch hervorragend einfrieren kann, wenn man sie maximal zu drei Vierteln füllt.

ENTSPANNUNG STATT PERFEKTION
Mit „heiter bis wolkig“ lässt sich die Begeisterung meiner Familie zusammenfassen. Die erste Reaktion meines Mannes zum Thema Zero Waste war: „Ja okay, mach das. Drei Monate lang sag ich nichts dazu.“ Daran hat er sich gehalten, sogar sechs Monate lang, und dann angefangen zu protestieren. Nach einigen Runden verbalen Armdrückens haben wir unseren Mittelweg gefunden und entschieden, dass beispielsweise Chips für uns, trotz Plastikverpackung, dazugehören. Mir fällt es leicht zu verzichten, wenn es keine unverpackte Alternative gibt. Über die plastikverpackten Käufe meiner Familie hinwegzusehen, fällt mir schwerer. Ich versuche, mich dennoch mit meinen Töchtern über ein neues Shampoo und superniedliche Polyestertierchen mit Riesenaugen zu freuen. Aber zwischendurch werde ich rückfällig und bin die nervige Ehefrau und Mama mit Müll-Spleen und erhobenem Zeigefinger. Als Familie funktioniert nur der Weg, den alle gerne gehen. Unsere Zero-Waste-Reise ist von Chipskrümeln gesäumt und riecht nach Pfirsichblüten. Entspannung statt Perfektion.

AUGEN AUF!
Plastik hält eine Ewigkeit und wird oft nur für wenige Augenblicke benutzt. Ich möchte dazu beitragen, dass wir die Augen öffnen für das, was um uns herum selbstverständlich geworden, aber der helle Wahnsinn ist. In Deutschland landen pro Stunde 320.000 To-Go-Becher im Müll, und wir verbrauchen zwei Milliarden Kaffeekapseln im Jahr. Zwei von vielen Beispielen, die wir im Handumdrehen ändern könnten. Erfreulich ist die Entwicklung beim Thema Plastiktüten: Durch die Einführung von Gebühren ist der Verbrauch von 5,6 Milliarden Tüten jährlich auf 3,6 Milliarden gesunken. Das sind ein Drittel weniger Plastiktüten als im Vorjahr. Mein Ziel ist „zero waste“, aber wir sind eine normale Familie mit unterschiedlichen Wünschen und Interessen. Ein Weckglas Restmüll im Jahr werden wir vermutlich nie erreichen. Doch wenn wir „Normalen“ uns zusammentun und jeder seinen Müll ein wenig reduziert, dann können wir zusammen viel verändern. Meine Hoffnung ist, dass einige anfangen und viele mitmachen. Der berühmte kleine Stein, der ins Wasser fällt und Kreise zieht. Jetzt kennen Sie meinen Traum. Wovon träumen Sie?

Ruth Weißenborn arbeitet in einer Freiwilligenagentur und lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in einem kleinen Dorf bei Hannover.

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/09/Weltretten-e1504690443821.jpg 763 630 Julia Kallauch https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Julia Kallauch2017-09-16 09:26:212018-06-05 14:20:04Nur noch kurz die Welt retten

„Meine Beine tun so weh“

Bis zu einem Drittel aller Kinder zwischen 2 und 12 Jahren leidet hin und wieder unter Wachstumsschmerzen. Klagt ein Vorschul- oder Schulkind nachts über brennende, ziehende oder klopfende Schmerzen in beiden Beinen oder Armen, können wachsende Knochen die Ursache sein. Üblicherweise treten die Beschwerden am Tag nicht auf. „Wachstumsschmerzen sind keine Gelenkschmerzen“, betont Professor Dr. Alexander Beck, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Juliusspital in Würzburg. „Der Schmerz tritt typischerweise in den Waden, Kniekehlen, Schienbeinen oder an den Vorderseiten der Oberschenkel auf.“

Wachstumsschmerzen sind in der Orthopädie ein häufiges Erscheinungsbild, doch bislang nur unzureichend erforscht. Es gibt auch keine diagnostischen Tests, mit denen sich Wachstumsschmerzen zweifelsfrei belegen lassen. „Wichtig ist daher, bei wiederkehrenden Schmerzsymptomen einen Orthopäden oder Unfallchirurgen aufzusuchen, um ernsthafte Erkrankungen des Bewegungs- und Halteapparates auszuschließen“, erklärt Professor Beck.

Warum viele Kinder beim Wachsen Schmerzen haben, ist unklar. Eine Vermutung ist, dass die Weichteile langsamer wachsen als die Knochen. So gerät die Knochenhaut bei einem Wachstumsschub unter Spannung und verursacht Schmerzen. Eine andere Theorie besagt, dass der junge Knochen beim Wachstum ermüdet und der Schmerz Ausdruck dieser Ermüdung ist. Auch psychosoziale Faktoren könnten eine Rolle spielen, zum Beispiel, wenn Kinder über den Schmerz Konflikte mit den Eltern verarbeiten.

„Eine Therapie gibt es leider nicht“, bedauert Beck. „Eltern können den Schmerz mit Massagen oder einer Wärmflasche lindern. Manchen Kindern helfen auch Kühlpads. Wenn die Beschwerden sehr stark sind, kann auch ein leichtes Schmerzmittel verabreicht werden – aber nur in enger Absprache mit dem behandelnden Kinderorthopäden.“

Symptome des Wachstumsschmerzes im Überblick:

  • Der Schmerz tritt erstmals im Vor- oder Grundschulalter auf.
  • Die Beschwerden machen sich abends oder nachts bemerkbar, hauptsächlich in den Waden, Kniekehlen, Schienbeinen oder an den Vorderseiten der Oberschenkel, nicht in den Gelenken.
  • Morgens sind die nächtlichen Beschwerden wie weggeblasen und das Kind kann sich uneingeschränkt schmerzfrei bewegen.
  • Der Schmerz tritt in beiden Extremitäten gleichzeitig auf.
  • Die Schmerzen treten nicht regelmäßig auf.
  • Wachstumsschmerzen sind keine Belastungsschmerzen, sondern Ruheschmerzen.

Wachstumsschmerzen sind auch ein Thema beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), der vom 24. bis 27. Oktober in Berlin stattfindet. http://dkou.org/

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/09/ThinkstockPhotos-667486874_AGrigorjeva_iStock.jpg 2000 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-09-05 11:23:252018-06-05 14:20:05„Meine Beine tun so weh“

Familienurlaub

DER MÜHSAME WEG ZUM START
Katharina Hullen wird zum Kontrollfreak, wenn der Familienurlaub beginnen soll.

Katharina: Als Kind fühlte ich diese grenzenlose Vorfreude. Da wir immer an den selben Ort im Bayrischen Wald fuhren, wusste ich auch genau, worauf ich mich freute: die Bäuerin, die Tiere, die Abenteuer. Nicht einen Gedanken verschwendete ich daran, was ich wohl alles einpacken müsste. Wozu auch? Meine Mutter hatte das alles fest im Griff. Sie wirbelte durchs Haus, innerlich eine sehr lange To-do- und Packliste abhakend, und je näher die Abfahrt rückte, umso nervöser und hysterischer wurde sie. Während mein Vater schweigend und schwitzend versuchte, das von ihr aufgetürmte Gepäckgebirge optimal im Kofferraum zu verstauen, platzte es stets irgendwann vor lauter Frust aus ihr heraus: „Du kannst meine Sachen direkt wieder auspacken! Ich bleibe hier! Ihr könnt ohne mich fahren!“ Sie fuhr natürlich trotzdem immer mit, aber als Kind konnte ich diese Ausbrüche überhaupt nicht nachvollziehen. Inzwischen ahne ich, was in meiner Mutter vorging. Auch wenn bei uns die großen Kinder ihre eigene Packliste bekommen, um eigenverantwortlich dafür zu sorgen, dass diese Dinge auch mitgenommen werden, bleibt bei sieben Personen so vieles auf meiner Liste stehen, dass der Gedanke „Zuhause ist doch eigentlich auch schön! Warum tun wir uns das immer an?“ nicht total abwegig ist. Hauke denkt natürlich ganz anders. Er ist stets der Auffassung, dass für unseren Urlaub in Deutschland sieben Zahnbürsten, Handtücher, Badesachen und sein Portemonnaie als Gepäck völlig ausreichen! Ich hingegen hätte gern die meisten Eventualitäten abgedeckt, von jedweder Wetterlaune bis zu Erkrankungen aller Art, die uns auf unserer langen Reise begegnen könnten. Naja, abgesehen davon sind für Baby und Kleinkind ja wohl doch mehr Dinge notwendig als nur die Badebuchse! Sie merken: Ich habe, im Gegensatz zu meinem Mann, Packstress. Außerdem verspüre ich ein tiefes Bedürfnis, die Wohnung sicher, aufgeräumt und sauber zu verlassen. Schließlich freut man sich darüber, wenn man wiederkommt. Das führt bei den Hullens zum eigentlichen Streit, denn Hauke hat inzwischen den Wagen gepackt, die Kinder ins Auto getrieben, die Route eingegeben und möchte endlich losfahren, da beginne ich im Haus nochmal schnell zu fegen, die Flächen abzuwischen und geradezu zwanghaft mehrere Sicherheits-Kontrollgänge durch die Wohnung zu unternehmen. Ich fürchte, es vergeht auch keine Fahrt, wo mir nicht noch irgendetwas Wichtiges einfällt, sobald ich dann im Wagen sitze. Also nochmal ins Haus, durch alle Sicherheitsschleusen durch, das vergessene Objekt einpacken und dann nur ganz kurz zur Kontrolle in jedem Raum nochmal nachsehen, ob wirklich alle Lichter aus, Stecker raus, Rollläden zu, Mülleimer leer sind. Ich hoffe, Hauke fährt nicht eines Tages los – ohne die Mama!

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

RISSE IM ZEIT-RAUMKONTINUUM
Hauke Hullen erlebt kosmische Phänomene im gepackten Auto.

Hauke: Kosmische Zusammenhänge versteht man erst so richtig, wenn man Familie hat. Sie erinnern sich vielleicht – vor Kurzem ging es hier um die Urknall-Theorie und den Zustand unserer Kinderzimmer. Ein anderes Phänomen, das sowohl Star-Trek-Fans als auch Ehemänner kennen, sind die Risse im Zeit-Raum-Kontinuum, die sich zuverlässig einstellen, wenn man mit der besten Ehefrau von allen in den Urlaub fahren will: Sack und Pack ist verstaut, die Kinder sitzen erwartungsfroh auf der Rückbank, der Papa hat das Navi programmiert – jetzt könnte es eigentlich losgehen. Eigentlich. Mama fehlt noch. Ich gehe nochmal die Packliste durch – haben wir noch etwas im Haus vergessen? Nein, alles an Bord. Außer Mama. Nun beginnt sie, die gefürchtete Dehnung der Zeit. Ich grüble: Warum kommt Kathi nicht raus? Was macht sie noch? Jacke anziehen und Tür abschließen kann doch nicht so lange dauern! Die Zeit im Auto steht inzwischen fast still. Die Kinder nutzen die Situation konstruktiv, indem sie sich schon mal anfangen zu streiten. Und statt „Wann sind wir endlich da?“ echot „Wann fahren wir endlich los?“ durch den Wagen. Irgendwann höre ich auf mit dem Rufen. Bringt ja nichts. Ich überlege, mit den Kindern eine Pippi-Pause zu machen oder, falls es länger dauert, schon mal die Winterreifen aufzuziehen. Man weiß ja nie, wann man aus dieser Zeitblase herauskommt. Irgendwann schaffe ich es, mich aus meiner Erstarrung zu lösen. Ich stemme die Autotür auf und kämpfe mich gegen die Zeit-Raum-Krümmung zurück ins Haus. Dort huscht meine Frau schemenhaft von Raum zu Raum. Während bei mir die Zeit stillstand, ist sie oder ihr Nervenkostüm um Jahre gealtert. Jeden Fenstergriff hat sie inzwischen mehrfach kontrolliert und sich wiederholt davon überzeugt, dass Kaffeemaschine, Herd und Küchenuhr tatsächlich ausgeschaltet sind. Trotz seitenlanger Packliste und übervollem Kofferraum hat sie noch weitere Dinge gefunden, die sicherheitshalber mitmüssen. Ich gehe also zurück zum Auto und verstaue zwei weitere Klappboxen, wohlwissend, dass ich sie am Ende des Urlaubes gänzlich unangetastet wieder ins Haus zurücktragen werde. Wir warten weiter. Während ich darüber nachdenke, wann wohl der Vermieter die Ferienwohnung anderweitig vergeben wird, feiert derweil auf der Rückbank eines der Kinder seinen Geburtstag. Das Leben muss ja weitergehen. Ich beschließe, noch mal im Haus nach meiner Frau zu suchen. Ich finde sie beim Frühjahrsputz. Ergibt ja auch Sinn, jetzt, wo die ganze Familie und der halbe Hausstand weg ist, die leeren Räume noch mal durchzuwischen. Ich erinnere mich noch gut an unsere Hochzeitsreise, wo ich mir irgendwann tatsächlich und ernsthaft gewünscht habe, dass wir unseren Flieger nun wirklich auch verpassen sollten! Inzwischen bin ich gelassener und putze einfach die Wohnzimmerfenster. Ich kann ja schlecht ohne meine Frau losfahren. Später klingeln die Kinder an der Tür. Sie hatten einen schönen Urlaub im Auto.

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Familienurlaub.jpg 912 1290 Julia Kallauch https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Julia Kallauch2017-08-23 10:00:242018-06-05 14:20:06Familienurlaub

Kurzsichtig!

Daddeln, posten, simsen: Viele Eltern beunruhigt der Anblick ihrer Kinder vor Bildschirmen. Zu recht. Die kurzen Seh-Distanzen und ein Mangel an natürlichem Licht können Kurzsichtigkeit begünstigen.

Gerade Teenager sitzen häufig lieber drinnen vor Smartphone, Tablet und Spielkonsole, statt sich an der frischen Luft zu bewegen. Studien zeigen, dass das Starren auf Monitore aus kurzen Distanzen sowie fehlendes Tageslicht zu Kurzsichtigkeit führen können.

Forscher sprechen schon von der „Generation kurzsichtig“. In China sind fast 90 Prozent der Jugendlichen betroffen. In Deutschland ist bereits jeder dritte Twen ein Brillenträger – Tendenz steigend. Bei rund 80 Prozent der Betroffenen besteht eine nachgewiesene Kurzsichtigkeit.

Kurzsichtige sehen in der Ferne undeutlich und verschwommen, weil sie das Auge nicht mehr richtig scharf stellen können. Beschwerden, die durch eine Brille oder Kontaktlinsen problemlos ausgeglichen werden können – wenn die Sehschwäche erkannt wird. Unbehandelt leiden nicht nur die Schulnoten, auch das Unfallrisiko beim Sport und im Straßenverkehr steigt. Zudem erhöht sich in extremen Fällen (über – 6 dpt) die Wahrscheinlichkeit im Alter an Augenleiden wie einer Netzhautablösung oder Makuladegeneration zu erkranken. Deshalb sollten Eltern die Augen ihrer Kinder regelmäßig vom Fachmann untersuchen lassen.

Bei Schülern, Teenagern und jungen Erwachsenen bis zum 30. Lebensjahr ist das Wachstum des Auges noch nicht abgeschlossen. Wird der Augapfel – begünstigt durch kurze Seh-Abstände und fehlendes natürliches Licht – zu lang, entsteht eine Kurzsichtigkeit. Die gute Nachricht: Pausen und Bewegung im Freien tragen zu einer gesunden Entwicklung bei. Regelmäßige Sehchecks geben Sicherheit bei der Einschätzung der eigenen Sehleistung.

Tipps gegen Kurzsichtigkeit:
1. Pro Tag höchstens zwei Stunden vor den Bildschirm. Vor allem die Nutzung von Geräten begrenzen, die weniger als 30 cm Leseabstand brauchen.
2. Mit dem Nachwuchs feste Medienzeiten vereinbaren.
3. Medienpausen einlegen und so das Nahsehen immer wieder mit einem Blick in die Ferne unterbrechen.
4. Täglich mindestens eine Stunde raus – auch an kalten grauen Tagen.
5. Sehleistung regelmäßig vom Augenoptiker oder Augenarzt überprüfen lassen.

Weitere Informationen zum Thema Kurzsichtigkeit unter www.sehen.de/sehen/sehschwaeche/kurzsichtigkeit/

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/07/ThinkstockPhotos-613753116_dolgachov.jpg 2000 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-07-17 13:39:212017-07-17 13:39:21Kurzsichtig!

Eine starke Bindung

„Ich bekomme bald mein erstes Kind und frage mich, wie eine gute Mutter-Kind-Bindung entsteht und was sie ausmacht?“

Bindung ist eine emotionale, andauernde Beziehung, hier zwischen Mutter und Kind. Sie beinhaltet den Schutz sowie Zuwendung und Fürsorge, die das Kind zum Leben braucht. Sie ist notwendig für eine gesunde körperliche und psychische Entwicklung. Auch für die seelische Gesundheit ist es wichtig, dass ein Kind in den ersten Lebensjahren eine liebevolle, intensive und beständige Beziehung zur Mutter erlebt, die dann durch den Vater und mögliche Geschwister erweitert wird. Mutter- Kind-Bindung bedeutet eine lebendige, innige Partnerschaft, die bei der Zeugung beginnt. Was braucht es für eine starke Bindung und das Gefühl, zusammenzugehören?

IN DER SCHWANGERSCHAFT UND WÄHREND DER GEBURT:
Durch die Nabelschnur ist das Ungeborene ganz natürlich mit der Mutter verbunden und bekommt von ihr alles, was es zum Wachsen braucht. Es ist von Anfang an fähig, wahrzunehmen und reagiert sehr positiv auf die Freude der Mutter. Es genießt die Geborgenheit in ihrem Bauch, die sanften Bewegungen der Mutter, hört ihren Herzschlag. Das Baby liebt die Stimme seiner Mutter und kann sich die Melodie ihrer Sprache einprägen. Es ist wesentlich, wie das Kleine angesprochen wird. Laute und hektische Worte können verunsichern, eine freundliche und ruhige Stimme hingegen festigt die Mutter- Kind-Bindung. Durch das Strampeln meldet sich das Ungeborene bei seiner Mama und freut sich, wenn sie mit ihren Händen über den Bauch streicht. Beide können so innige Momente erleben. Während der Geburt ist es für beide bedeutsam, in Kontakt miteinander zu bleiben. So wie die Mutter Unterstützung durch den Partner braucht, hilft es dem Kind, wenn sich die Mutter ihm zuwendet. Sie kann ihre Hand stärkend und beruhigend auf den Bauch halten oder zum Beispiel summend und singend die Geburtsarbeit begleiten.

WENN DAS KIND AUF DER WELT IST:
Mamas Nähe ist der sicherste Platz und gibt dem Kleinen emotionale Geborgenheit. Ihre Körperwärme und ihr Geruch, vor allem beim direkten Hautkontakt, zeigen dem Kind, dass es dazugehört. Durch das Stillen bekommt es nicht nur Nahrung, sondern das Nuckeln an der Mutterbrust lässt eine starke Bindung entstehen. Das Baby liebt sanfte Berührungen und genießt das Streicheln. Beim Halten der Hände oder der Füßchen kann es entspannen. Wenn es wach und konzentriert ist, erkundet es gerne das Gesicht seiner Mama und schaut ihr in die Augen. Es lauscht ganz intensiv ihrer Stimme und freut sich, wenn sie ihm Lieder singt oder vorliest. Jedes Mutter-Kind- Paar ist einmalig und einzigartig. So dürfen beide miteinander herausfinden, was ihnen gut tut und sich dafür viel Zeit nehmen. Der Start mit einem Baby kann auch herausfordernd sein. Sein Weinen und wenig Schlaf oder Ernährungsschwierigkeiten des Kindes können erschöpfen. Daher ist es zum Schutz der Mutter-Kind-Bindung ratsam, frühzeitig professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Agatha Rub ist freiberufliche Hebamme und lebt im Haus der Stille und Einkehr in Wildberg (Schweiz), wo Schwangere und Mütter mit Baby zur Ruhe kommen können. www.kommunitaet-wildberg.ch

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/04/F30-2.jpg 562 894 Julia Kallauch https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Julia Kallauch2017-05-18 10:32:132017-04-28 11:49:56Eine starke Bindung

Zum Zaungast degradiert?

Medien, Schule, Freunde – all das beeinflusst unsere fast erwachsenen Kinder. Haben wir als Eltern überhaupt noch Einfluss?

Jan hat gerade seinen 16. Geburtstag gefeiert und ist davon überzeugt, dass ihm jetzt die Welt offen steht. Endlich darf er den Führerschein für ein Moped oder einen Roller erwerben. Von den Eltern will er sich gar nichts mehr sagen lassen. So wie Jan sehen viele heranwachsende Kinder ihre eigene Position. Sie fühlen sich bereits erwachsen, obwohl sie es faktisch – und auch vor dem Gesetz – noch gar nicht sind. Das ist keine einfache Situation. Eltern wünschen sich manchmal, ihr Kind wäre noch klein und auf sie angewiesen. Denn Babys begreifen ihre Eltern als Erweiterung von sich selbst und hängen deshalb sehr an ihnen. Erst mit der Entwicklung des eigenen Ichs wird die Umwelt allmählich wichtiger. Mit dem Alter des Kindes nimmt die Beeinflussung außerhalb des Elternhauses kontinuierlich zu. Irgendwann ist dann der Punkt gekommen, an dem der Einfluss von Schule, Freunden und Medien dominiert und sich der junge Mensch kaum mehr etwas von den Eltern sagen lässt.

DAS GROSSE SCHWEIGEN
Marc ist 17, seine Freundin Svenja hat vor wenigen Wochen ihren 16. Geburtstag gefeiert. Beide halten ihre Beziehung vor den Eltern geheim. Marc, weil er genau weiß, dass seine Eltern die neue Freundin mit den schlechter werdenden Schulnoten in Verbindung bringen und deshalb gegen die Beziehung Partei ergreifen würden. Svenja, weil sie fürchtet, dass die Eltern es nicht gern sehen, dass sie sich mit einem Freund abgibt, der weder im Jugendkreis der Gemeinde anzutreffen ist noch sonst irgendeinen Bezug zum christlichen Glauben hat. Doch Svenja sieht in Marc jemanden, mit dem sie ihre Probleme besprechen kann und der sie versteht. Svenja empfindet diese Beziehung als Bereicherung, aber sie weiß, dass ihre Eltern das ganz anders sehen würden. Tom besucht die 10. Klasse einer Realschule. In diesem Jahr steht die Abschlussprüfung an. Doch statt fleißig zu lernen, sitzt Tom den ganzen Tag am Computer und macht … Ja, was er dort treibt, wissen seine Eltern nicht. Denn Tom schweigt sich darüber aus. Da sich die Eltern bisher wenig für den Computer interessiert haben und damit selbst nicht viel anzufangen wissen, können sie sich auch gar nicht vorstellen, was Tom den ganzen Tag im Internet macht. Auf jeden Fall hängt er den lieben langen Tag vor dem Computer ab und ist nicht zu motivieren, sich um die Schulaufgaben zu kümmern. Die 16-jährige Lisa blendet jede Unterhaltung von vornherein aus, da ihre Aufmerksamkeit vom Smartphone so sehr in Anspruch genommen ist, dass sie gar nicht mehr merkt, dass die Eltern mit ihr reden wollen. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Denn so viele unterschiedliche Jugendliche es gibt, so viele unterschiedliche Situationen gibt es auch, in denen Jugendliche ihre Eltern regelrecht ausbremsen und aus ihrem persönlichen Alltag außen vor lassen. Sie orientieren sich lieber an Medien oder Menschen, die vollkommen außerhalb des Einflussbereichs der eigenen Eltern stehen.

BETRETEN VERBOTEN!
Für Eltern, die den Zugang zu ihren Kindern suchen und dabei gegen Wände laufen, kann das sehr frustrierend sein. Obwohl die Kinder in derselben Wohnung leben, haben sie sich einen Bereich geschaffen, zu dem die Eltern keinen Zutritt haben. Sie zeigen das nicht nur ganz konkret durch Schilder an der Tür, wie „Betreten verboten – Lebensgefahr“ oder „Eltern müssen draußen bleiben“, sondern auch dadurch, dass sie ihren Eltern nichts von ihren Problemen oder auch nur von den Alltagserlebnissen erzählen. Tipps für ihr Leben holen sie sich eher aus den sozialen Netzwerken als von den Eltern. Eltern fragen sich deshalb nicht zu Unrecht: „Habe ich überhaupt noch Einfluss auf mein Kind?“ Grundsätzlich ist diese Frage schon allein deshalb zu bejahen, weil Sie als Eltern in all den vergangenen Jahren einen immensen Einfluss auf Ihren Sohn oder Ihre Tochter ausgeübt haben. Dieser Einfluss hat in Ihrem Kind bereits Grundlagen gelegt, die dafür sorgen, dass es sich bei seinen Handlungen in der Regel fragen wird, ob die Eltern diese Handlung gut oder schlecht finden werden. Das heißt natürlich nicht zwangsläufig, dass sich Ihr Jugendlicher genauso verhält, wie Sie es für richtig halten. Es kann im Gegenteil bedeuten, dass er genau aus diesem Grund einen anderen Weg wählt, als er ihn vom Elternhaus vorgelebt bekommen hat. Ein junger Mensch setzt sich mit den Werten und Meinungen auseinander, die ihm die Eltern vermittelt haben. Dazu gehört auch, dass er sich gegen die weitere Beeinflussung sperrt und absichtlich konträre Entscheidungen trifft. Wir kennen dieses Verhalten alle sehr gut aus der eigenen Jugend. Warum sollten unsere Kinder anders reagieren?

FALSCHE ENTSCHEIDUNGEN
Eltern sollten sich nicht unbedingt in die Entscheidungen ihrer Kinder einmischen. Lassen Sie Ihr Kind ruhig auch mal Fehler machen. Falsche Entscheidungen können durchaus heilsam sein. Außerdem ist es immer schwierig zu sagen, dass eine Entscheidung richtig oder falsch ist. Selbst „falsche“ Freunde können für den jungen Menschen wichtig sein. Vielleicht ist es für Ihre Tochter wichtig, gerade jetzt einen Freund zu haben, der so gar nicht zu Ihren Vorstellungen passt. Eltern müssen sich auch mal zurücknehmen und abwarten. Der erste Freund ist ganz selten der Mann fürs Leben. Geben Sie Ihren Kindern den Raum, allein Entscheidungen zu treffen. Wenn Ihre Kinder dann aber vor einem Scherbenhaufen stehen, weil die Entscheidung eben tatsächlich falsch war, dann vermeiden Sie es, Ihrem Kind zu sagen: „Ich habe es doch gleich gewusst.“ Zum einen nützt es nichts, mit dieser Bemerkung Salz in die Wunde zu streuen. Und zum anderen ist Ihr Kind jetzt sicherlich offen für Ihren Trost und Ihre Hilfestellung. Diese Offenheit sollten Sie nicht dadurch wieder zunichtemachen, dass Sie Ihre Überlegenheit ausspielen. Egal wie die Situation ist, behalten Sie die Ruhe und warten Sie einfach ab. Irgendwann kommt Ihr Kind wieder auf Sie zu.

DER 16. GEBURTSTAG
Manche Jugendliche haben hohe Erwartungen an ihren 16. Geburtstag. Spätestens jetzt erhalten sie einen eigenen Personalausweis. Außerdem sind manche Jugendschutzbestimmungen nun nicht mehr relevant für sie. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Erwachsenwerden ist für die meisten jungen Menschen der Erwerb des Führerscheins. Seitdem es die Möglichkeit gibt, den Führerschein im Rahmen des „Begleiteten Fahrens ab 17“ vorzeitig zu erwerben, ist der 16. Geburtstag ein wichtiges Datum, das die Heranwachsenden dem Führerschein näher bringt. Da jedoch meist die Eltern diejenigen sind, die den Führerschein bezahlen, können Sie diesen Erwerb auch mit der Bedingung verknüpfen, dass der oder die Heranwachsende sich an die Regeln des familiären Zusammenlebens hält. Dazu gehört es selbstverständlich, dass Jugendliche eben nicht machen, was sie wollen, sondern sich an Absprachen halten, ihr Zimmer selbst in Ordnung halten, die Hausaufgaben regelmäßig erledigen und an gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen. Welche Regeln für Ihre Familie wichtig sind, legen Sie selbst fest.

EINMISCHUNG DER ELTERN
Es gibt sicherlich viele Bereiche, in denen die Heranwachsenden ihre eigenen Erfahrungen machen wollen und auch müssen. Trotzdem gibt es auch Situationen, in denen Jugendliche ihre Eltern brauchen. Um das herauszufinden, ist es wichtig, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben. Im Alter von 16, 17 oder 18 Jahren wollen Kinder oft alles selbst regeln und schweigen Probleme manchmal tot. Wenn Sie als Eltern jedoch immer wieder zeigen, dass Sie an Ihrem Kind interessiert sind und sehr wohl merken, wenn es ihm nicht gut geht, wird sich Ihr Sohn oder Ihre Tochter leichter öffnen und eine schwierige Situation zumindest andeuten. Wenn Sie erfahren, wo das Problem zu suchen ist, können Sie beispielsweise mit dem Lehrer oder dem Arbeitgeber reden und so Licht ins Dunkel bringen. Vielleicht braucht Ihr Jugendlicher auch Hilfe bei der beruflichen Orientierung. Diese Frage treibt Jugendliche oft mehr um, als sie zugeben. Manchmal passen die Noten nicht zum Wunschberuf, oder der Jugendliche hat zu nichts Lust. Versuchen Sie, gemeinsam Stärken herauszufinden und entwickeln Sie mit ihm zusammen Ideen. Es ist nicht so, dass Sie als Eltern auf dem Abstellgleis stehen und nur noch als Zaungast zuschauen müssen. Ihr Kind braucht Sie als Eltern genauso dringend wie früher. Es zeigt es nur nicht – und braucht Sie anders. Doch wenn Jugendliche begreifen, dass die Eltern immer für sie da sind, dann ist das eine gute Grundlage für Ihre Eltern-Kind- Beziehung – bis ins Erwachsenenleben hinein.

Ingrid Neufeld ist Erzieherin und Mutter von drei inzwischen erwachsenen Töchtern. Sie lebt in Mittelfranken.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/02/Family_NEXT_17_2_DS_Seite_08.jpg 495 700 Julia Kallauch https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Julia Kallauch2017-04-11 09:52:512017-02-23 11:01:49Zum Zaungast degradiert?

Beim Umzug helfen?

„Unser Sohn (23) zieht in eine neue Wohnung, wo noch viel renoviert werden muss. Dafür erwartet er unsere Hilfe. Wir haben aber gerade selbst viel um die Ohren und denken, dass er alt genug ist, um so etwas allein zu regeln. Können wir ihm absagen?“

 

Wenn die Kinder das Nest verlassen haben, bleibt bei Eltern oft nicht das erwartete Freiheitsgefühl, sondern ein Wehmutsgefühl zurück. Loslassen ist nicht einfach. Eltern müssen akzeptieren, dass ihr Kind sein eigenes Leben lebt. Es beinhaltet aber auch, dem Kind sein Erwachsensein zuzugestehen, ihm einen eigenen Lebensstil und eigene Entscheidungen auch innerlich zu erlauben. So eine Beziehung auf Augenhöhe fühlt sich nach all den Jahren der Fürsorge und Verantwortung erst einmal fremd an. Die Eltern-Kind-Beziehung wächst in ein neues Stadium hinein, das Schritt für Schritt ertastet werden will. Vieles daran fühlt sich ungewohnt an. Zum Beispiel, dass es zu einem ausgewogenen Geben und Nehmen kommen darf. Wir sind nicht mehr die nur Starken und Überlegenen, sondern wir dürfen uns auch mit unseren Schwächen und Grenzen zumuten.

ABSAGE ZUMUTEN
In Ihrer Frage wird deutlich: Da hat schon jemand das Nest verlassen. Sowohl Sie als auch Ihr Sohn haben ein jeweils eigenes, erfülltes Leben. Deshalb gilt: Ihr Sohn ist selbst verantwortlich für seinen Umzug. Dass Sie als Eltern noch gefragt werden, ist ja auch schön und zeugt von familiärer Verbundenheit. Im besten Falle hat sich zwischen Ihnen und Ihrem Sohn ein freundschaftliches Nebeneinander entwickelt. Und wie es unter guten Freunden üblich ist, darf man sich auch mit seinen Unvollkommenheiten zeigen. Auch Sie als Eltern haben Grenzen, zum Beispiel weil Sie keine Zeit haben, gesundheitlich nicht mehr so viel leisten können oder zu weit weg wohnen. Nehmen Sie auf einer erwachsenen Ebene Kontakt zu Ihrem Sohn auf und muten ihm eine Absage zu. Ihr Sohn muss lernen, dass einseitige Ansprüche der Vergangenheit angehören. Eltern wollen fair gefragt werden. Und auf eine Frage darf man auch mit „Nein“ antworten.

RÜCKHALTLOSES ZUTRAUEN
Wir als Eltern sind nicht mehr verantwortlich für das Wohlergehen unserer erwachsenen Kinder. Und damit auch nicht für das Gelingen eines Umzugs. Diese Verantwortung liegt beim Sohn (oder der Tochter). Was Ihr Sohn braucht, ist Ihr rückhaltloses Zutrauen. Hat er das? Oder denken Sie, dass der Umzug ohne Ihre Mithilfe scheitern wird? Vielleicht lohnt es sich, wenn Sie über folgende Fragen nachdenken: Warum könnte es mir schwer fallen, Nein zu sagen? Was daran macht mir Angst? Dass unser Sohn Dinge falsch einschätzt und Fehler machen wird? Dass der Umzug misslingt? Halte ich es aus, wenn es vielleicht chaotisch läuft? Habe ich die Befürchtung, dass es mit einer Absage zu einem (grundsätzlichen) Konflikt kommen wird? Dass sogar die Beziehung als solche in Frage gestellt werden wird? Wollen wir einmal grundsätzlich miteinander darüber sprechen, wie jeder von uns sich eine erwachsene Eltern-Kind-Beziehung vorstellt, was jeder bisher erwartet hat, was sich jeder wünschen würde?

 

Michaela Schnabel ist Mutter von drei Töchtern, die ihre weltweiten Umzüge sehr selbstständig organisieren. Sie arbeitet als Sozialpädagogin und lebt in Witten.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/02/Auf-eigenen-Füssen-e1487778477532.jpg 532 596 Julia Kallauch https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Julia Kallauch2017-04-04 10:42:092017-02-24 13:06:28Beim Umzug helfen?

„Spione“ auf Kinderwebsites

Harmlose Spiele, pädagogisch wertvolles Wissen, lustige Zeichentrickfilme: Viele Internetseiten locken Kinder und Jugendliche mit Gratisangeboten. Doch oft dient das vor allem einem Zweck: Die Kinder sollen ausspioniert werden.

Kinder und Internet? Da denken die meisten Eltern in erster Linie an Gefahren wie Gewalt, Mobbing und Pornografie. Die Rettung versprechen speziell auf die junge Zielgruppe ausgerichtete Angebote, wie helles-koepfchen.de, kividoo.de oder spielaffe.de. Auf den bunten, harmlos erscheinenden Seiten erwartet niemand etwas Böses. Doch der Schein trügt, wie eine aktuelle eBlocker-Studie zeigt. Auf vielen dieser Internetseiten werden Kinder ausspioniert und anschließend mit verlockender Werbung konfrontiert.

Tracker „verfolgen“ auch Kinder

Beispiel Helles-Koepfchen.de: Das Wissensportal für Kinder und Jugendliche verspricht pädagogisch und journalistisch hochwertige Inhalte und will einen guten Überblick über das Angebot innerhalb der „Kinderseiten-Landschaft“ verschaffen. Siegel wie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend suggerieren Sicherheit. Tatsächlich verstecken sich aber auf der Seite insgesamt 31 so genannter „Web Wanzen“ (englisch „Tracker“), die Kinder mitunter über mehrere Websites hinweg verfolgen. Auch trackende Werbung, Like-Buttons und vieles mehr trägt dazu bei, dass das Surfverhalten von Internetnutzern genauestens protokolliert wird. Anhand verschiedener individueller Merkmale können Werbeunternehmen die Kinder dadurch eindeutig identifizieren und so ein genaues Persönlichkeitsprofil erstellen. Die dahinterstehenden Unternehmen protokollieren dazu die gelesenen Artikel, die angeschauten Videos und aufgerufenen Spiele und wissen dann nach einiger Zeit genau, mit wem sie es zu tun haben: Alter, Geschlecht, Vorlieben, Lernfortschritte, Entwicklungsstand – das surfende Kind
hinterlässt unbewusst seine persönliche Visitenkarte. Aber auch Dinge wie finanzieller Hintergrund, mögliche Lernschwächen oder soziale Probleme können so ans Licht kommen.

Helles-Koepfchen.de ist leider kein Einzelfall, wie die Ende Januar durchgeführte eBlocker-Untersuchung zeigt. Von zwölf geprüften Kinderseiten schnüffeln neun Ihre vorrangig kindlichen Besucher aus, ergab die Quellcodeanalyse der jeweiligen Startseiten durch die eBlocker-Experten. Besonders wild treiben es neben Helles-Koepfchen.de die Seiten Spielaffe.de mit 64, Kividoo.de mit 20 und Bravo.de mit 14 Web-Wanzen. Besonders heikel: auf der Hälfte der geprüften Internetseiten werden auch Tracker von Werbenetzwerken wie doubleclick.net, das zum Google-Konzern gehört, verwendet. Das ermöglicht nicht nur dem Webseitenbetreiber, sondern auch Dritten (dem Werbenetzwerkbetreiber) umfangreiche Einblicke in das Surfverhalten der jungen Besucher.

Es gibt aber auch positive Beispiele. Das Angebot von Blinde-Kuh.de erwies sich zum Beispiel datenschutztechnisch als rundum unbedenklich. Ebenfalls empfehlenswert sind WDRMaus.de sowie kidsville.de. Auf beiden Seiten ist jeweils nur ein Tracker vorhanden und dazu handelt es sich um harmlose Varianten, die keine Persönlichkeitsprofile erstellen.

Freie Bahn für Datenschnüffler?

Die Praktiken der Tracker sind nicht generell verboten. Persönlichkeitsprofile von Kindern und Jugendlichen – wie von jedem anderen Internetnutzer auch – dürfen kommerziell verwertet werden. Aus Sicht von Anti-Tracking-Experte und Initiator der Studie Christian Bennefeld ist das ein Skandal. Sein Appell: „Eltern müssen nicht nur überprüfen, was die Kinder mit den Medien machen. Sondern auch, was die Medien mit ihren Kindern machen.“ Übrigens: Aus gutem Grund ist in den USA bereits seit 2013 das Tracken von Onlineaktivitäten von Kindern unter 13 Jahren per Gesetz verboten. Hierzulande genießen die Datenschnüffler dagegen – noch – freie Bahn.

Wer seine Kinder ungern zum Spielball der Datensammler machen möchte, muss sie schützen. Eine Möglichkeit besteht darin, auf jedem einzelnen Gerät die Datenschutz-Einstellungen des Browsers zu überprüfen und gegebenenfalls Add-ons wie „Better Privacey“ bei Firefox zu installieren (Tipps z.B. hier: selbstdatenschutz.info). Wer aber nicht jedes einzelne Gerät für sicheres Surfen fit machen möchte, für den bietet sich der eBlocker Family an. Die kleine Box wird per Kabel am Router angedockt. Fortan schützt sie alle Geräte vor Tracking. Sie bietet darüber hinaus die Möglichkeit, für jedes Mitglied im Haushalt eigene Einstellungen zu treffen, so können für Kinder und Jugendliche spezielle Jugendschutz-Funktionen eingerichtet werden.Der eBlocker Family ist ab EUR 249,- erhältlich unter www.eblocker.com.

Geräte-Tests zum eBlocker (zum Teil bezogen auf das Vorgänger-Modell) gibt es hier:

test.de

datenschutzbeauftragter-info.de

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/03/ThinkstockPhotos-511319730_IuriiSokolov.jpg 1500 2250 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-03-31 09:49:402017-03-31 09:49:40„Spione“ auf Kinderwebsites

Ostern – kindgerecht erklärt

In vielen Geschäften ist es nicht zu übersehen: Bald ist Ostern. Hasen, Eier und Küken schmücken die Schaufenster. Der eigentliche Sinn von Ostern ist allerdings kaum präsent. Auch im Buchladen dominieren die „Häschenschule“ und die „schönsten Ostereiergeschichten“. Aber es gibt auch Bücher, Hörspiele und DVDs, in denen es um die Ostergeschichte an sich geht. Hier wird kindgerecht die zugegeben etwas schwierige Geschichte erzählt, wie Jesus gestorben und vom Tod auferstanden ist. Solche Medien eignen sich gut, um mit Kindern über den Sinn von Ostern ins Gespräch zu kommen.

Amelie Benn: Die Ostergeschichte

Hier wird für Kinder ab zwei Jahren in kurzen, einfachen Sätzen die Ostergeschichte erzählt. Vom Einzug in Jerusalem über das letzte Abendmahl, die Verhaftung und Hinrichtung (diese allerdings sehr zurückhaltend) bis hin zur Auferstehung. Sehr gelungen!

Marlene Fritsch: Wie Jesus nach Emmaus kam

Für Kinder ab drei ist diese Erzählung von den so genannten Emmaus-Jüngern geeignet. Nachdem Jesus gestorben ist, machen sich Kleopas und Jakob auf den Weg nach Emmaus. Unterwegs treffen sie einen Fremden, erzählen ihm von Jesus‘ Tod und den Gerüchten, er sei auferstanden. Erst als sie gemeinsam essen, wird ihnen klar, dass der vermeintlich Fremde Jesus ist. Hier wird die Ostergeschichte in der Rückschau der beiden Jünger erzählt und gleichzeitig durch Jesus, der vermeintlich Fremden, erklärt und gedeutet. Auch noch für Grundschulkinder passend.

SchlafSchaf.TV: Ostern

Diese DVD enthält neun Folgen der Sendung SchlafSchaf.TV, die sich mit den Ereignissen rund um Ostern beschäftigen und sie kindgerecht erzählen und erklären. SchlafSchaf.TV ist für Kinder von vier bis sieben Jahren gedacht.

Leonie: Die Osterentführung

Leonie und ihre Freundinnen planen einen besonderen Ostergottesdienst. Der soll in einem Zirkuszelt stattfinden. Doch plötzlich verschwindet das wertvollste Pferd des Zirkus. Kurz darauf ist auch Leonies Pferd Silver Cloud spurlos verschwunden. Leonie und ihre Freundinnen müssen unbedingt herausfinden, was dahintersteckt. Sie nehmen die Spur auf – und lernen außerdem viel über den wahren Sinn von Ostern.Ein Hörspiel von Christian Mörken für Kinder ab sieben.

Ben und Lasse: Juwelendieb in der Osternacht

Die Brüder Ben und Lasse sind zu Besuch bei ihren Großeltern. In der Nacht wird Omas teure Juwelenkette gestohlen. Die Brüder machen sich auf die Suche nach dem Täter. Diese Hörspiel-CD bietet nicht nur ein spannendes Abenteuer aus der Feder von Harry Voß, sondern erklärt „nebenbei“ noch die Ereignisse und den Sinn von Ostern. Für Kinder ab acht.

 

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/03/OStern.jpg 1500 2000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-03-23 12:23:532017-03-23 12:23:53Ostern – kindgerecht erklärt

„Beim Malen machen sich Kinder ein Bild von der Welt“

Warum Malen und Zeichnen wichtig für die Entwicklung eines Kindes ist, erklärt der Diplom-Psychologe Michael Thiel.

Welche Fähigkeiten werden durch Malen und Zeichnen trainiert?

Das Offensichtlichste ist, dass Zeichnen die Feinmotorik eines Kindes trainiert. Schon das Zusammenspiel zwischen Daumen und Zeigefinger, um den Stift zu halten und zu führen, ist Höchstleistung für das Gehirn – gerade bei kleinen Kindern. Und Intelligenz hängt stark mit der Fähigkeit zusammen, den Körper zu kontrollieren und auch gezielte, sichere Bewegungen auszuführen. Die feinmotorischen Bewegungen beim Zeichnen stärken bestimmte Gehirnstrukturen und daraus entwickelt sich nachher eine Intelligenzleistung, die auch Auswirkung auf andere kognitive Fähigkeiten hat. Beim Zeichnen und Malen legen Kinder daher die Grundlage auch für das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen. Und wer früh mit Stift und Pinsel umgehen kann, kann später leicht den Umgang mit Schraubenzieher, Kochmesser oder Nähmaschine lernen.

Welche Auswirkung haben Malen und Zeichnen noch auf die kognitive Entwicklung des Kindes?

Je mehr ein Kind zeichnet, umso genauer wird es sich ein Bild von der Welt machen können, die es umgibt. Malen und Zeichnen schärfen die Wahrnehmungsfähigkeit und das analytische Denken. Denn um etwas abzubilden, muss sich ein Kind diese Sache ja nicht nur genau anschauen, sondern auch analysieren, was die charakteristischen Merkmale sind und altersgemäß begreifen, wie es funktioniert. So ein einfaches Gesicht nach dem Motto „Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht“ sieht simpel aus – aber dafür muss ein Kind erst mal die Transferleistung machen, dass Auge, Nase, Mund in genau dieser Anordnung ein Gesicht ausmachen und einen Menschen darstellen. Andersrum: Es entsteht Abstraktionsvermögen. Wenn Kinder älter werden, sieht man an den immer detaillierter werdenden Bildern, dass sie eine immer genauere Vorstellung von ihrer Umwelt haben – und daraus auch eigene, neue Vorstellungen entwickeln.

Können sich Malen und Zeichnen auch positiv auf das sonstige Verhalten eines Kindes auswirken?

Eindeutig ja! Interessant ist, dass Malen und Zeichnen Einfluss auf das Selbstbewusstsein haben können. Zum einen kann ein Kind beim Malen dieses wunderbare Gefühl erleben, dass es etwas produzieren kann, was ihm selbst oder auch anderen Freude macht. Und das Wunderbare dabei ist, dass das alles aus seinem Kopf entstanden und mit seinen eigenen Händen auf Papier gekommen ist. Das stärkt das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl. Dazu kommt: Je sicherer ich in meiner Feinmotorik und meinem Körper bin, umso sicherer und selbstbewusster kann ich andere Situationen meistern. Aus psychologischer Sicht spricht man auch von Selbstwirksamkeit. Das heißt: Durch das Gehirn-Training beim Malen und Zeichnen hat man das Gefühl, etwas im Leben und der Umgebung bewirken zu können, und die Angst vor kleineren Herausforderungen oder komplizierten Angelegenheiten verschwindet. Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit macht das Leben für Kinder positiver und überschaubarer.

Wie können Eltern ihre Kinder ermuntern zu malen oder zu zeichnen?

Erster Punkt: Je früher, umso besser! Zweiter Punkt: Lernen am Modell. Auch als Erwachsener öfter mal Stifte benutzen und Dinge skizzieren. Drittens: Gemeinsam macht es Spaß. Bereits im Kleinkindalter schaffen Malen und Zeichnen zusammen mit den Eltern neben dem Flow innige und fröhliche Momente. Wecken Sie ruhig wieder das Kind in sich. Viertens: Auch, wenn das vielleicht ganz simpel klingt – Kinder brauchen altersgerechte Utensilien. Erst gröbere Stifte, dann vielleicht auch einen vernünftigen Malkasten. Fünftens: Stifte, Papier, ruhig auch mal eine Tapetenrolle, Karton oder buntes Papier – diese Materialien sollten immer parat liegen. Dann kann das Kind jederzeit seiner Phantasie und Kreativität freien Lauf lassen. Erfolgsdruck und Bewertungen haben beim Malen und Zeichnen nichts verloren – denn allein das Versinken, der Flow Effekt und der Moment der Kreativität beim Kind sind das Entscheidende und sollten Eltern freuen.

Herr Thiel, wird die Welt besser, wenn Eltern mit Kindern mehr malen?

Ja. Denn mal abgesehen davon, dass Malen Kindern auf ganz unterschiedliche Art und Weise sehr gut tut, macht gemeinsam Malen ja noch etwas ganz anderes: Wenn Eltern mit Kindern zusammen kreativ sind, vermitteln sie ihren Kindern, dass sie Spaß daran haben, mit ihnen zusammen zu sein – und dass man gemeinsam ganz tolle Sachen machen kann. Das wiederum stärkt die Eltern-Kind-Bindung, die für die psychische Entwicklung und psychische Gesundheit von Kindern extrem wichtig ist. Also sollten alle Familien einfach ab und zu einen Eltern-Kind-Maltag oder eine Eltern-Kind-Malstunde einlegen.

Quelle: STAEDTLER

Malwettbewerb

Anlässlich des Weltkindermaltags am 6. Mai ruft der Stiftehersteller STAEDTLER zum Malwettbewerb auf. Unter dem Motto „Kleine Köpfe, große Ideen“ sind Kinder auf der ganzen Welt aufgerufen, mit Bildergeschichten zu zeigen, wie sie sich ihr Leben in der Zukunft vorstellen. Bis zum 31. Mai können die Ideen eingereicht werden, dann wählt eine Jury die Gewinner. Der Preis: In einem Workshop können die Gewinnerkinder selbst daran mitwirken, aus ihren Bildern digital animierte Filme zu machen. Weitere Infos: weltkindermaltag.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/03/Bildersommer_photocaseltscs9d5s8mq2.jpg 1500 2250 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-03-03 12:34:442017-03-03 12:34:44„Beim Malen machen sich Kinder ein Bild von der Welt“
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