Die grosse Party

„Unser Sohn möchte seinen 18. Geburtstag gern mit einer großen Party in unserm Haus feiern. Was sollten wir vorher mit ihm absprechen, damit es keine bösen Überraschungen gibt?“

Zunächst erst einmal herzlichen Glückwunsch – Sie haben gemeinsam mit Ihrem Sohn eine wichtige Wegstrecke gemeistert und können zu Recht sagen: Das muss gefeiert werden! Ihr Sohn wird jetzt mehr und mehr Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen und will damit sofort anfangen. Das sei ihm zugestanden. 18 werden bedeutet, neue Freiheiten zu genießen und das Leben zu feiern. Dass Ihr Sohn „sein Fest“ in Ihren vier Wänden feiern möchte, ehrt Sie.

VERHANDLUNGSSACHE
Nach allem Positiven, das hinter dieser Party-Idee steckt, müssen nun aber auch ein paar klare Gedanken folgen. Also heißt es aushandeln und nachfragen:

  • Wie genau stellst du dir dein Fest vor?
  • Wen willst du einladen? Das musst du uns nicht erzählen, aber ist es dir selbst klar?
  • Willst du Essen und Trinken frei für alle spendieren? Dann stellt sich die Frage: Wovon? Oder könntest du dir auch vorstellen, eine Mitbringparty zu veranstalten?
  • Was wollt ihr trinken? Das musst du uns auch nicht erzählen, aber dir sollte es klar sein. Was passiert, wenn zu viel des Guten dazu führt, dass einige Leute stark angetrunken sein werden? Müsstest du vorsorgen? Wie kann das aussehen?
  • Welche Räume willst du nutzen? Wohnzimmer, Küche, Bad? Oder gibt es Alternativen, zum Beispiel die ausgeräumte Garage oder einen Partyraum?
  • Wie kommen die Gäste nach Hause? Müssen Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden?
  • Wer räumt mit auf? Wir wünschen dir nicht, dass du nach deinem Fest damit alleine dastehst. Kannst du das vorher klären und wenn ja, mit wem?
  • Musik – da musst du dich selbst kümmern oder jemanden beauftragen. Da wir auch nach der Party noch ein harmonisches Miteinander mit unseren Nachbarn pflegen wollen, fänden wir es gut, wenn du sie kurz über deine Party informierst.
  • Einige deiner Freunde sind noch unter 18? Dann solltest du nochmal nachlesen, wie sich das mit Jugendschutz, Alkohol usw. verhält: www.kenn-deinlimit. info/gesetzliche-regelungen.html
  • Wo bleiben wir Eltern? Wäre es für dich okay, wenn wir am Anfang kurz Hallo sagen und uns dann einen gemütlichen Abend mit Freunden machen? Gegen 24 Uhr wären wir spätestens wieder da, länger halten wir nicht durch …

Solch ein Gespräch sollte in einer möglichst ruhigen und entspannten Atmosphäre stattfinden. Beide Seiten nutzen die Chance, ihre Fragen und Sorgen ehrlich loszuwerden und zu einer konstruktiven Lösung beizutragen. Niemand hat etwas davon, wenn es um so einen großartigen Tag Stress miteinander gibt.

Antje Rein ist Mutter von drei inzwischen erwachsenen über 18-Jährigen, die keine Lust auf große Partys im eigenen Haus hatten. Glück gehabt, oder? Unter www.lebens-nah.de findet man alles, was die Autorin sonst noch macht.

Quarter Life Crisis

Als Tim Allgaier sein Studium abgeschlossen hatte, stellte er fest: Dieser Beruf ist nicht sein Ding. Eine Erfahrung, die auch andere junge Erwachsene teilen.

 

Meine Eltern hatten gutes Geld in meine gute Ausbildung gesteckt – und trotzdem warf ich hin. Dabei war ich gerade in den Gehaltsregionen angekommen, in denen meine Eltern ihre Sorgen um mein Auskommen getrost vergessen konnten. Schöne Bescherung! Immer mehr jungen Menschen geht es wie mir: Wir sind fertig mit dem Studium oder der Ausbildung und fragen uns, ob das überhaupt das Richtige war. In meinem Fall fühlte ich mich wie ein Pinguin, der auf einmal merkt, dass er an Land ist. Dort kann sich der Pinguin zwar auch passabel bewegen und überleben – die Stärken des Pinguins zeigen sich jedoch im Wasser. Im Wasser wirkt der Pinguin wie ein komplett anderes Tier. Und das ist auch der Grund, weshalb meine Eltern damit leben können, viel eckiges Geld in eine Berufsausbildung investiert zu haben, deren Berufsabschluss nun völlig unnütz für mich ist. Ich habe gelernt: Eltern geht es um viel mehr als nur die materielle Sicherheit des Kindes. Beruf ist nur eine Seite des Erwachsenwerdens.

BETAVERSION
In den Wissenschaften, die sich mit dem Menschen beschäftigen und wie er das wird, was er ist, wird „erwachsen“ sowieso anders definiert als vom Gesetzgeber. Dort wird eine Grenze bei 25 bis 27 Jahren gezogen, alles vorher ist „Erwachsen sein – Betaversion“ (also eine Testversion). Mittlerweile kann ich das aus persönlicher Erfahrung unterstreichen, auch wenn es dazu gehört, beim Übergang von der Betaversion in das „richtige“ Erwachsenenalter vielleicht Wachstumsschmerzen zu spüren. Oder bei der Test-Version festzustellen, dass man das gewählte Produkt gar nicht haben möchte. Dafür hat sich ein Begriff eingebürgert: Quarter Life Crisis. Er bedeutet, sich nach einem Viertel des Lebens die Sinnfrage zu stellen. Weil die Entscheidungen mit 19, 20 vielleicht doch nicht das waren, was man damals glaubte, das sie sind: optimal.

WATSCHELN UND SCHWIMMEN
Immer mehr Menschen meiner Generation scheinen sich mit Mitte zwanzig diese Frage zu stellen – und den Mut zu haben, aus der Antwort Konsequenzen abzuleiten. Für mich persönlich bedeutete dies, mich als Pinguin gewissermaßen vom Land an das Wasser vorzukämpfen. Ich trat also auf einmal in Konkurrenz mit jüngeren Menschen, die zwar scheinbar früher den richtigen Job gefunden hatten, aber auch bereit waren, monatelang für ein Taschengeld zu arbeiten. Und plötzlich merkt man, wie man selbst bei einer Art elterlicher Sicht angekommen ist und lehnt solche Jobs ab. Manchmal brauchen Kinder einfach Zeit, bis sie Entscheidungen treffen, die die besten für sie sind. Würde ich mich heute anders entscheiden, wenn ich wieder Anfang 20 wäre? Nein! Denn meine Entscheidung war damals gut und richtig, ich brauchte nur etwas Zeit, um zu erkennen, was noch „richtiger“ für mich ist. Auf dem Weg dorthin habe ich zudem viele wichtige und schöne Sachen mitgenommen, die ich heute nicht missen möchte. Und nur das Watscheln an Land macht dem Pinguin klar, wie schön Schwimmen ist.

tim-allgaierTim Allgaier (30),war mal Pädagoge & Theologe und hat nun sein Glück darin gefunden, Gutes besser zu kommunizieren.