Erster Job: Wenn junge Erwachsene (zu) hohe Ansprüche haben

Elternfrage: „Unsere Tochter (22) hat in unseren Augen zu hohe Ansprüche an ihren ersten Job, hinsichtlich des Gehalts, Work-Life Balance etc. Sollen wir was sagen oder uns lieber raushalten?“

Als ich vor 35 Jahren einen Ausbildungsplatz im Elektrobereich suchte, war ich froh, dass mich ein kleiner Handwerksbetrieb nahm – während Industriebetriebe mir eine Absage erteilten. Heute hat sich die Situation vollkommen gewandelt. Viele Firmen warten darauf, dass fitte Azubis oder Berufseinsteiger sich bei ihnen bewerben. Der Arbeitgeber kann nicht mehr frei wählen, wen er haben will – sondern der Berufseinsteiger oder Azubi hat oft die Möglichkeit, auszusuchen, in welchen Betrieb er geht. Von daher können junge Leute heute an ihren Betrieb andere Erwartungen stellen.

Mut, Wünsche auszusprechen

Die Diskussion um die Gen Z (zwischen 1995 und 2010 geboren) brandet in unseren Medien immer wieder auf. Sie seien zu faul, hätten zu hohe Ansprüche, suchten nur den eigenen Vorteil. In Einzelfällen mag das stimmen. Aber sprechen die jungen Leute nicht genau das aus, was wir damals nicht sagen konnten, uns aber heimlich gewünscht haben? Dass zum Beispiel der Arbeitgeber um unsere Gesundheit besorgt ist? Dass wir nicht ausgenutzt werden als „Arbeitskraft“? Dass auf die Atmosphäre unter den Mitarbeitenden geachtet wird? Von daher ist es durchaus sinnvoll, etwas entspannter an die Berufsfindung unserer Kinder heranzugehen und nicht die Maßstäbe von vor 30 Jahren an sie zu legen.

Eigene Wege gehen

Das Entscheidende ist doch, dass unsere Kinder einen Weg gehen, der ihnen entspricht. Dass sie eine Aufgabe finden, in der sie aufgehen, die Spaß macht. Von daher sollten wir ihre Wünsche und Erwartungen auf jeden Fall ernst nehmen. Ihnen bewusst zuhören, wenn sie von Gehaltswünschen oder Work-Life-Balance reden. Aber wir dürfen ihnen auch von unseren eigenen Erfahrungen mit Gehalts-Verhandlungen erzählen oder von der Urlaubs-Diskussion mit dem Chef. Fakt ist: Wir dürfen unsere Erwartungen haben und sie auch verfolgen – aber sie werden nicht immer alle erfüllt.

Ehrlich bleiben

Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einer unserer Teilnehmerinnen im Lebenstraum-Jahr. Es ging um ihre Ausbildung als Einzelhandelskauffrau. Und ich sagte ihr: Genial, dass du deinen Traumjob gefunden hast. Das ist eine echte Gebetserhörung. Allerdings wird es immer wieder Tage geben, an denen es keinen Spaß macht zu arbeiten. Und gerade in den ersten drei bis vier Monaten der Probezeit ist es notwendig, dranzubleiben. Wichtig ist aber auch, dass dir die Arbeit Spaß macht und mehr zurückgibt, als sie dich kostet – sonst kannst du diesen Job nicht mehrere Jahre machen.

Fazit: Zuhören und Bedürfnisse ernstnehmen ist ein Schlüssel, um Heranwachsende in ihrer Berufswahl zu begleiten. Aber wir dürfen auch ehrlich erzählen von den eigenen Herausforderungen zwischen Wunsch und Realität.

Stephan Münch lebt mit seiner Familie in Uffenheim/Mittelfranken und gründete vor 12 Jahren mit seiner Frau das Lebenstraum-Jahr mit den Schwerpunkten Persönlichkeitsentwicklung, Bibelschule und Berufsfindung.

Ernährungstipps auf Social Media: Sind die seriös?

Elternfrage: „Meine Tochter (16) probiert seit einiger Zeit verschiedene Ernährungstipps aus, die sie in den Sozialen Medien findet. Wie vertrauenswürdig sind solche Tipps? Und wie rede ich mit meiner Tochter darüber?“

Ich kann Ihre Sorge gut verstehen. Als Mutter von Teenie-Töchtern weiß ich genau, wovon Sie sprechen: In den sozialen Medien kann jede und jeder behaupten, Doktor oder Wissenschaftlerin zu sein. Das macht es kompliziert. Wir werden geflutet mit Massen an ungefilterten Informationen, deren Quelle und Herkunft – ob mit oder ohne Absicht – oft gut verschleiert sind. Leider kann man bei der Menge an Trends nie pauschal sagen, welcher seriös und gesund und welcher gefährlich ist. Das macht die Unterscheidung sehr schwierig – auch für Erwachsene.

In Kontakt bleiben

Das können Sie Ihrer Tochter genau so sagen. Wichtig finde ich, dass Sie mit ihr im Gespräch bleiben, damit sie merkt, dass Sie sie ernstnehmen und ein echtes Interesse an ihrem Leben haben: Welche Trends findet sie besonders gut, und was würde sie gern ausprobieren? Hat sie vielleicht kürzlich etwas total Irres gehört oder gesehen, von dem sie erzählen möchte? Haben Sie etwas Lustiges oder Interessantes gehört oder gelesen? Unterhalten Sie sich über die Themen, die Ihrer Tochter wichtig sind, ohne direkt zu (be-)urteilen.

Seriöse Quellen

Natürlich gibt es Gefahren und vor denen möchten Sie Ihre Tochter bewahren. Aber es gibt auch unglaublich viel Neues, das gut und interessant ist. Zeigen Sie ihr, wie und wo sie fundierte Quellen findet, und erklären Sie ihr als Faustregel, dass radikale und/oder einseitige Maßnahmen in Ernährungsfragen meist ein Indiz für ungesunde und unseriöse Methoden sind. Ausgewogenheit statt Einseitigkeit ist in den meisten Fällen eine gute Richtlinie.

Vielleicht haben Sie ja auch Lust, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren: eine Smoothie Bowl oder selbstgemachte Ramen. Viele Trends sind tatsächlich auch gut, lecker und machen Spaß!
Gute und seriöse Quellen sind:

Beinahe alle der oben genannten Quellen stellen – oft kostenlos – Material zur Verfügung.

Mareike Lotz ist Lehrerin für Ernährung und Hauswirtschaft an einem Berufsschulzentrum. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei (Teenie-) Töchtern in der Nähe von Wetzlar.

Urlaub mit erwachsenen Kindern: Das solltet ihr bedenken

Elternfrage: „Mein Mann und ich möchten im Sommer mit allen vier erwachsenen Kindern in den Urlaub fahren. Drei von ihnen sind ausgezogen, zwei haben einen Partner oder eine Partnerin. Das macht die Planung schwer. Wie können wir das organisieren, sodass jeder Lust auf den Urlaub hat?“

Keine Illusionen

Am Anfang eines solchen Projekts sollte eine ehrliche Reflexion stehen: Sind unsere Beziehungen in der Familie so, dass ein gemeinsamer Urlaub für alle einigermaßen entspannt werden könnte? Wenn die Antwort kein überzeugtes „Ja“ ist, müsst ihr euch als Elternpaar wohl noch einmal ungeschminkt ein paar Fragen stellen: Welches Motiv steht hinter unserem Wunsch nach einem gemeinsamen Urlaub? Wollen wir damit eine Idylle herbeizwingen? Wenn der Plan Ausdruck einer Sehnsucht nach Wiederherstellung von Beziehungen ist, wird das Ganze vermutlich überstrapaziert und ist zum Scheitern verurteilt. Ein Urlaub mit erwachsenen Kindern, ihren Partnern und allenfalls Enkeln spült nämlich gnadenlos alle Unterschiede und Dissonanzen an die Oberfläche.

Gebt ihr euch als Paar innerlich ein fröhliches „Go“, dann kommuniziert den Termin mindestens ein Jahr im Voraus. Achtet darauf, dass Ort und Art der Unterkunft (Hotel, Ferienwohnung, Camping) in etwa den verschiedenen Bedürfnissen, vor allem nach Privatsphäre, entsprechen. Definiert unbedingt schon im Vorfeld des Urlaubs, was in eurer Einladung alles inbegriffen ist. Wenn plötzlich der Ausflug oder das Essen im Restaurant zu Lasten der Kinder geht, kann das Unstimmigkeiten auslösen. Und: Ein gewisses Maß an individueller (Wahl-) Freiheit muss für alle während der gemeinsamen Zeit möglich sein.

Helena Gysin wohnt in Seegräben (CH). Sie ist seit 33 Jahren mit Thomas verheiratet. Zur Familie gehören drei erwachsene Kinder mit Partnern und sechs Enkelkinder.

Urlaub lieber zu zweit

Meine Kollegin genießt ihren jährlichen Urlaub mit den erwachsenen Kindern samt Partnern und Omas sehr. Ich wiederum genieße es sehr, dass wir zu zweit als Ehepaar in den Urlaub fahren können. Der Erholungs- und Genussfaktor ist so (für mich) deutlich höher. Nicht, dass gemeinsame Familienzeiten uns nicht wichtig wären oder wir die Idee vom gemeinsamen Urlaub nicht auch schon gehabt und umgesetzt hätten – die gemachten Erfahrungen waren durchaus (auch) positiv. Allerdings haben wir für uns gemerkt, dass der damit einhergehende Aufwand auf allen Ebenen nicht im Verhältnis zum „Beziehungsertrag“ stand.

Unsere Lösung ist es, einmal im Jahr einen Tag gemeinsam mit einer schönen Aktion zu verbringen: zum Beispiel eine Wanderung mit Picknick oder eine Kanufahrt durchs Naturschutzgebiet. Demnächst werden wir ein mehrgängiges veganes Menü unter professioneller Anleitung kochen und essen. Vielleicht werden wir irgendwann auch wieder einmal für ein Wochenende zusammen wegfahren. Bei der Planung werden wir darauf schauen, dass es genügend Rückzugsräume und mindestens zwei Toiletten gibt. Wir werden einige typische Vollmer-Familien-Aktionen zelebrieren (Fußmassagen, Stockbrot und Karriere-Poker), oft lachen und vielleicht manchmal auch streiten. Und am Tag darauf werde ich Urlaub nehmen und mich erholen …

Elisabeth Vollmer ist Religionspädagogin. Sie lebt mit ihrem Mann in Freiburg und hat drei erwachsene Kinder.

Anders als früher

Die erste Frage, die wir uns bei einem bevorstehenden gemeinsamen Urlaub stellen, ist: Haben wir gerade eine Atmosphäre, in der alle ihre Meinung sagen können und es keine billigen Kompromisse gibt? Auch wenn wir einander als Kernfamilie gut kennen, bringen Partner oder veränderte Lebensbedingungen von jungen Erwachsenen neue Themen mit, weshalb es wichtig ist, uns an die Grundhaltung „Deine Meinung ist wichtig“ zu erinnern.

Seit unsere Kinder Teenager sind, versuchen wir die Urlaube so zu planen, dass es Freiraum für jeden geben kann und feste Punkte geplant werden, die wir gemeinsam genießen. So essen wir gern abends zusammen, aber frühstücken nach persönlichen Bedürfnissen. Einige von uns spielen bis in die Nacht, andere beginnen den Tag mit einer Morgenandacht. Dabei holen wir uns aus den Schubladen, in die wir uns gesteckt haben: Wenn nun jemand plötzlich am Puzzle-Tisch sitzt, ist das genauso angenehm, wie bei einer Gebetszeit dabei zu sein. Oder eben nicht. Was als Tradition von früheren Urlauben geblieben ist? Dass wir uns beim gemeinsamen Essen im Tagesfeedback üben und uns erzählen, was schön war.

Stefanie Diekmann ist Pädagogin, verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Berufswahl: So können Eltern unsichere Jugendliche unterstützen

Elternfrage: „Meine Tochter (18) beendet bald die Schule. Ihr fällt es schwer, eine Berufswahl zu treffen. In der Schule war sie bisher sehr zielstrebig, nun erlebe ich sie unsicher und orientierungslos. Was kann ihr helfen?“

Zuerst einmal ist es mir wichtig zu sagen, dass ich die Orientierungslosigkeit bei Schülerinnen und Schülern vor dem Abschluss für normal halte. Das Schulsystem orientiert sich zu wenig an der Realität. Wer nach dem Abitur die Schule verlässt, weiß zwar, wie sich Integrale berechnen lassen, hat aber zum Beispiel wenig Ahnung von Finanzen und Steuern – das verunsichert.

Welche Gründe gibt es noch, dass Jugendliche verunsichert in ihre Zukunft blicken?

Die 18-Jährigen, die jetzt in die Berufswelt starten, sind die Kerngruppe der Generation Z. Sie sind mit Krisen, wie der Finanzkrise, Klimakrise, einer Pandemie und Krieg in Europa aufgewachsen. Diese Generation hat bis zu zwei Jahre Schul-Lockdown erlebt. Jede Generation hat ihre Herausforderungen, aber ich nehme bei dieser eine deutliche Mehrfachbelastung wahr. In einer Zeit zunehmender Unsicherheit ist das Sicherheitsbedürfnis der Generation Z stärker ausgeprägt als das früherer Generationen. Jetzt kommt auch noch die Künstliche Intelligenz hinzu. Da höre ich immer wieder Sätze wie „Eigentlich wollte ich Grafikdesignerin werden, aber jetzt übernimmt das ja die KI …“

Was antworten Sie dann?

Ich sage ehrlich, dass ich nicht weiß, inwiefern KI wirklich den Beruf ersetzen wird. Wir wissen noch nicht genau, wohin sich die Arbeitswelt in den nächsten fünf Jahren entwickelt und ob die Jobs ersetzt oder nur bestimmte Tätigkeiten ausgelagert werden. Wenn die Person aber Gestaltung liebt und es ihre Stärke ist, wird sie damit einen Weg zum Arbeiten finden. Ich würde mit ihr aber auch weitere Stärken herausfinden wollen. Denn vermutlich ist das auch die Generation, die verschiedene Jobs ausüben und deren Flexibilität noch notwendiger werden wird. In meiner Berufsberatung beschäftigen wir uns mit Talenten und Begabungen, aber auch mit Werten. Wir schauen nicht, was es für Jobs gibt und wie dort die Person hineinpassen könnte. Sondern wir fokussieren uns auf das, was die Persönlichkeit ausmacht und finden heraus, wie damit Sinn und Zufriedenheit in einer Arbeit gefunden werden kann.

Was hilft Schülern und Schülerinnen dabei, ihre Stärken zu erkennen?

Dafür braucht es nicht zwingend eine Persönlichkeitsanalyse. Schon ein Blick in die eigene Biografie kann helfen, die eigenen Begabungen wahrzunehmen. Wovon war ich in der Vergangenheit begeistert? Wann war ich im Flow? Wobei bin ich aufgeblüht? Hierbei können Eltern helfen, indem sie ihre Kinder spiegeln: „Darin warst du immer sehr vertieft.“ Außerdem lohnt es sich, Jugendliche zum Ausprobieren in Ehrenämtern, Hobbys oder Praktika zu motivieren. Das geht manchmal in der vollen Schulzeit unter.

Wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, eine Berufswahl zu treffen?

Ein gutes Selbstwertgefühl ist die Basis für alles, auch für die Zukunftsplanung. Wenn sich das Kind geliebt weiß, ist das Wichtigste bereits getan. Übrigens entsteht ein gesunder Selbstwert nicht dadurch, dass man jemanden ständig lobt. Lob ist auch nicht unbedingt das beste Mittel, um jemanden auf seine Stärke aufmerksam zu machen. Denn Lob kann von den eigenen Kindern schnell in Richtung Leistung interpretiert werden. Statt „Das hast du gut gemacht“ ist es besser „Mir fällt auf, du hast da eine Stärke“ zu sagen. Dann entsteht weniger der Eindruck bei dem Kind, dass es von einer Sache mehr machen sollte, sondern dass da etwas Besonderes in ihm ist.

Annette Penno lebt in Lübeck und bietet LernCoaching sowie professionelle Berufsberatung an. Interview: Annabel Breitkreuz

Wohnung finanzieren während der Ausbildung: So klappt`s

Elternfrage: „Mein Sohn (21) macht eine Ausbildung und möchte in eine eigene Wohnung ziehen. Die meisten Mieten sind mit einem Ausbildungsgehalt nicht bezahlbar. Welche Möglichkeiten hat er?“

Der Wunsch nach der ersten eigenen Wohnung muss kein Traum bleiben – mit einer guten Planung, dem richtigen Mix aus Unterstützung und Eigeninitiative kann es klappen. Zunächst gilt, dass Eltern grundsätzlich bis zum Ende der ersten Berufsausbildung unterhaltspflichtig sind, sofern sie über ein ausreichendes Einkommen verfügen.

Zusätzlich zum eigenen Einkommen erhalten Eltern in Deutschland bis zum Ausbildungsende beziehungsweise längstens bis zum 25. Geburtstag des Kindes das monatliche Kindergeld in Höhe von derzeit 259 Euro. Dieses wird zwar formal an die Eltern gezahlt, soll aber dazu dienen, das Kind zu unterstützen. Kommen die Eltern ihrer Unterhaltspflicht nicht nach, kann das Kindergeld bei der Familienkasse „abgezweigt“ und direkt an das Kind in einer eigenen Wohnung überwiesen werden. Das heißt: Die erste Unterstützungsinstanz für Ihren Sohn sind Sie. Nachfolgend stelle ich Ihnen noch weitere Möglichkeiten vor, die dabei helfen können, dass Ihr Sohn seine erste eigene Wohnung realisieren kann.

Berufsausbildungsbeihilfe oder Wohngeld

Das Ausbildungsgehalt allein reicht in den meisten Fällen nicht aus, um die Miete und die Lebenshaltungskosten zu stemmen. In der Praxis hat sich deshalb eine Kombination aus Unterhalt, staatlicher Förderung, Ausbildungsgehalt und gegebenenfalls Einnahmen aus einem Nebenjob bewährt. Bei einer betrieblichen Erstausbildung ist die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) ein möglicher Baustein. Auszubildende mit einer geringen Vergütung können den Antrag bei der örtlichen Arbeitsagentur stellen, die sie über die genauen Richtlinien informiert. Ein großer Vorteil hiervon ist, dass die monatlichen Zuschüsse nach dem Ausbildungsende nicht zurückgezahlt werden müssen.

Besteht kein Anspruch auf BAB oder Sozialleistungen wie Bürgergeld, kann ein Antrag auf Wohngeld gestellt werden. Der staatliche Zuschuss zur Miete ist beim Landratsamt oder der zuständigen Wohngeldbehörde zu beantragen. Alternativ kann ein Wohnberechtigungsschein den Zugang zu einer Sozialwohnung ermöglichen. Das zuständige Wohnungsamt in der Stadt oder Gemeinde erteilt dazu Auskünfte. Auch eine Anfrage bei einer Wohnbaugenossenschaft vor Ort lohnt sich oftmals, da diese günstige Mietwohnungen verwalten.

Hilfe vom Jobcenter

Zusätzlich können sich junge Menschen unter bestimmten Voraussetzungen bei ihrem Auszug Unterstützung vom Jobcenter in Form von einer Einmalzahlung oder Sachgutscheinen für die Erstausstattung der Wohnung holen. Es ist außerdem möglich, dass auch die Umzugskosten oder die Mietkaution übernommen werden, sofern kaum eigenes Vermögen vorhanden oder das Einkommen sehr gering ist. Wichtig: Die Anträge müssen unbedingt vor der Unterzeichnung des Mietvertrags gestellt und genehmigt worden sein.

Außerdem interessant zu wissen: Liegt das Ausbildungsgehalt über dem Grundfreibetrag von 12.096 Euro im Jahr, gibt es Steuervorteile. Wer erstmals wegen des Berufs aus dem Elternhaus auszieht, kann eine Umzugskostenpauschale von 193 Euro geltend machen. Fahrten zur Wohnungsbesichtigung, Maklergebühren und die Kosten eines Transporters können weiterhin als Werbungskosten steuerlich in Abzug gebracht werden. Erfolgt der Auszug aus privaten Gründen, lassen sich beispielsweise Handwerkerkosten und die Lohnkosten einer Spedition als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen.

Tobias Gerauer ist Steuerberater und Vorstand der Lohnsteuerhilfe Bayern.

Beruflicher Neustart: So gelingt der Bewerbungsprozess

Mit der Einladung zu einem Gespräch geht der Bewerbungsprozess erst richtig los. Carmen Gladhofer erklärt, wie man sich vorbereitet.

Was dich bei einem Bewerbungsgespräch erwartet, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Für Stellen, auf die es eine Vielzahl an Bewerbern gibt oder wenn mehrere Stellen vergeben werden, findet zu Beginn häufig ein Assessment Center (AC) statt. In einem größeren Unternehmen kann ein solches AC wie folgt ablaufen:

Es werden zeitgleich mehrere Bewerberinnen und Bewerber eingeladen, die auf mehrere Bewerter aus dem Unternehmen treffen. Vorgeschaltet erfolgt oft ein erstes Interview – gern auch online. Im AC sind unterschiedliche Bewerbungselemente zusammengefasst: In der Regel besteht die Möglichkeit zur kurzen Selbstpräsentation. Zudem muss man sich Einzel- und/oder Gruppenaufgaben stellen, die inhaltlich auf den ersten Blick nichts mit der eigentlichen Aufgabe zu tun haben müssen, sondern auf andere Kompetenzen abzielen, zum Beispiel die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, die Problemlösungskompetenz, Umgang mit Stresssituationen … Abschließend erfolgt häufig ein individuelles Gespräch oder Interview zur Reflexion des Tages oder zur Klärung von offenen Fragen.

Vorgeschaltet, ergänzend oder integriert in das AC oder sonstige Bewerbungsrunden sind mitunter kognitive Leistungstests. Diese Tests werden, je nach Stelle und geforderten Kompetenzen, individuell zusammengestellt. Normalerweise kannst du diese online durchführen. Suche dir dafür einen ruhigen Ort und einen Zeitpunkt aus, an dem du dich gut konzentrieren kannst, denn sie enthalten oft zeitliche Restriktionen. Es gibt eine Vielzahl an kognitiven Kompetenzen, die getestet werden können: beispielsweise die Analyse deiner Wahrnehmung, logisches Schlussfolgern, Gedächtnisleistung, Bearbeitungsgeschwindigkeit …

Diese Leistungsdiagnostik findet Eingang in Bewerbungsprozesse, um die einstellenden Personen mit objektiven Daten im weiteren Auswahlprozess zu unterstützen. Das soll Einstellungen aufgrund des „Nasenfaktors“ verhindern. Idealerweise werden die Ergebnisse für eine Reflexion im gemeinsamen Bewerbungsprozess genutzt, und du erhältst die Resultate im Anschluss an die Bewerbungsrunde. Das Internet bietet eine Vielzahl von Beispielen dazu.

Gut vorbereitet ins Interview

In den meisten Fällen besteht allerdings die erste Runde im Bewerbungsprozess aus einem Interview – entweder online oder persönlich vor Ort. Für Online-Interviews setze dich vorab mit der Technik auseinander, sodass das Gespräch mit einer guten Bild- und Tonqualität sowie in einer ruhigen Atmosphäre stattfinden kann. Dies gibt dir, im Falle von technischen Schwierigkeiten, ein souveränes Gefühl. Ansonsten darfst du dich, so wie in einem Präsenzinterview auch, im Hinblick auf deine Getränke, Kleidung und Schreibmaterialien entsprechend vorbereiten. Wenn du sprichst, versuche, in die Kamera zu schauen und weniger stark auf deinen Gesprächspartner auf dem Bildschirm. Je nachdem, wo deine Kamera positioniert ist, kann der Interviewer dich so besser sehen.

Mit wem du es im Interview zu tun hast? Je kleiner das Unternehmen und je flacher die Hierarchien, desto eher wirst du schon in der ersten Runde direkt mit deinem potenziellen Vorgesetzten in Kontakt kommen. Es kann aber auch sein, dass du in der ersten Runde auf den Personaler des Unternehmens triffst. Oder auf ein Team aus Personal- und Fachabteilung. Welches Setting es auch ist: Lass dich davon nicht irritieren!

So kann ein Interview ablaufen

Auch wenn sich der Aufbau von Bewerbungsrunden bei Arbeitgebern unterscheidet, kann man anhand gewisser Aspekte erkennen, ob es sich um ein professionell vorbereitetes Interview handelt: Deine Gesprächspartner sind auf dich vorbereitet. Sie haben deine Unterlagen gelesen, sich mit dir auseinandergesetzt, und sie folgen einem strukturierten Ablauf. Das heißt, sie lassen dich nicht nur standardmäßig deinen Lebenslauf rezitieren, deine größten Stärken und Schwächen benennen, abschließend ein paar Fragen stellen und flankieren das Gespräch ansonsten mit eigenen Geschichten. Sondern sie stellen sich kurz selbst, das Unternehmen sowie die zu besetzende Stelle vor und verwenden anschließend den größten Teil der Zeit auf dich.

Sie führen dafür, nach einer kurzen (!) Selbstvorstellung deinerseits, ein zielgerichtetes Interview durch. Dabei prüfen sie fokussiert diejenigen Kompetenzen ab, die sie in der Ausschreibung für die Durchführung der beschriebenen Aufgaben gefordert haben. Beispielsweise durch:

  • Reflexionsfragen zu Kompetenzen: „Bei welcher Aufgabe konnten Sie Ihr Organisationstalent besonders gut unter Beweis stellen? Warum?“
  • Analogiefragen zu deinem Privatleben: „Sie werden bei uns kreative Lösungen finden müssen und attestieren sich dies im Anschreiben. Auf welche kreative Lösung aus der Vergangenheit sind Sie besonders stolz?“
  • Selbsteinschätzungen: „Auf einer Skala von 1-10 (10 = höchste Ausprägung): Wie schnell lassen Sie sich aus der Ruhe bringen? Wovon?“
  • Durchspielen von Fallbeispielen und möglichen Reaktionen: „Ein Kunde wird persönlich ausfallend, weil er mit der erbrachten Leistung des Unternehmens nicht zufrieden ist. Wie reagieren Sie? Wie fühlen Sie sich in solch einer Situation?“
  • Provokative Rückfragen zu Äußerungen deinerseits

Zudem kommen abschließend vermutlich Fragen zum Arbeitgeber: Beispielsweise:

  • „Warum möchten Sie gerade bei uns arbeiten?“
  • „Wie möchten Sie als Mitarbeiter/Mitarbeiterin geführt werden?“
  • „Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit einem Team wichtig?

Dabei gilt: Lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Frag nach, wenn du eine Frage nicht richtig verstanden hast. Sei ehrlich, wenn du keine wirkliche Antwort auf eine Frage findest. Und sei auch selbstkritisch, sofern es angebracht ist. Abschließend gibt es in der Regel die Möglichkeit für Fragen deinerseits. Diese können sich beispielsweise auf das Unternehmen, das Team oder die konkrete Aufgabe beziehen. Das Gespräch endet meist mit einem zeitlichen Ausblick auf mögliche Entscheidungen sowie eventuellen Inhalten von Folgerunden.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass du im Rahmen eines ersten Gespräches noch kein finales Jobangebot erhältst. Mittlerweile ist es eher üblich, eine Folgerunde stattfinden zu lassen. Dies können neben den zuvor beschriebenen Verfahren auch eine Präsentation, Probearbeiten oder Ähnliches sein. All dies ist stark abhängig vom Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle.

Mindset und Vorbereitung

Solltest du das Gefühl haben, dass es an einer Stelle nicht gut gelaufen ist: Mach dich deswegen nicht verrückt! Ein Unternehmen entscheidet sich immer aufgrund einer Vielzahl an Eindrücken. Sollte eine Absage dennoch mit spezifischen Situationen begründet werden, halte dir vor Augen: Es sind immer nur Momentaufnahmen in einem speziellen Setting, in dem es diesmal nicht so gut gelaufen ist. Es ist aber niemals eine Wertung über dich und deine Persönlichkeit!

Wenn du bemerkst, dass du vor oder nach einer Bewerbung mit den immer gleichen Gedanken konfrontiert wirst, kann es sein, dass dich ein negativer Glaubenssatz belastet. So etwas wie: „Die anderen sind alle viel besser als ich.“ Oder: „Ich werde nie einen neuen Job finden.“ Dies sind Aussagen, die du irgendwann als vermeintliche Wahrheit über dich verinnerlicht hast. Das Problem dabei: Sie sind nicht die Realität, und sie wirken sich auf dich, dein Selbstbewusstsein und möglicherweise auf dein Verhalten im Bewerbungsprozess aus.

Die Bearbeitung von negativen Glaubenssätzen ist ein wichtiger Aspekt. Ansonsten heißt es in der Vorbereitung, sich mit dem Arbeitgeber und der möglichen Aufgabe zu beschäftigen, eine aussagekräftige Selbstpräsentation zu üben, zu überlegen, welche Kompetenzen man wie gut und auf welche Art und Weise einbringen kann und angemessene Fragen vorzubereiten. Für den Fall, dass es sich um ein international tätiges Unternehmen handelt: Eigne dir das wichtigste Fachvokabular sowie deinen Lebenslauf in der englischen Sprache an.

Einen Moment innehalten

Irgendwann geht ein Bewerbungsprozess zu Ende, und du hast bestenfalls eine Zusage erhalten. Herzlichen Glückwunsch! Deine Aufregung ist sicherlich groß – du solltest dir dennoch einen kurzen Moment des Innehaltens gönnen. Gehe zurück zu den Inhalten aus Teil 1 und 2 dieser Serie. Reflektiere die Gefühle, die du während des gesamten Bewerbungsprozesses mit dem potenziellen Arbeitgeber hattest. Und nimm diese – trotz aller Euphorie – ernst.

Frag dich, ob du mit dem angebotenen Job eine berufliche Mission formulieren kannst, die auf die Vision von deinem Leben einzahlt. Die gut zu denjenigen Kompetenzen passt, die dir besondere Freude bereiten. Die deinen Werten für eine produktive Zusammenarbeit entspricht. Und die stimmig ist mit den wichtigsten Bedürfnissen in eurer Familienkonstellation.

Triff erst dann eine Entscheidung, ob du dich auf den Weg machen möchtest. Falls ja: Viel Erfolg bei deinem neuen Abenteuer! Falls nein: Hab den Mut, auch diese Entscheidung zu treffen, um dann deine wirklich passende berufliche Mission zu finden! Du schaffst das – ganz sicher!

Hier geht es zu Teil 1 der Serie von Carmen Gladhofer: Wie du entscheidest, ob eine berufliche Veränderung ansteht

Hier geht es zu Teil 2: Wie du eine gute berufliche Entscheidung triffst

Hier geht es zu Teil 3: Tipps für deine Bewerbung

Carmen Gladhofer ist Ökonomin, Trainerin und arbeitet in Dortmund als Systemischer (Online-)Coach. Sie bietet Businesscoachings mit dem Schwerpunkt „berufliche Zufriedenheit“ an.

 

„Mama, ich will keine Kinder“ – So können Eltern mit der Enttäuschung umgehen

Elternfrage: „Meine Tochter (23) meinte neulich, dass sie keine Kinder haben will. Ich bin mit Blick auf mögliche Enkelkinder ein bisschen enttäuscht und frage mich, ob ich ihr das Muttersein so unschön vorgelebt habe. Wie kann ich das ansprechen, ohne ihr Druck zu machen?“

Es geht nicht um die eigenen Lebensziele

Die Tatsache, dass Ihre Tochter ihre Gedanken zum Muttersein geteilt hat, lässt vermuten, dass sie gesprächsbereit ist. Das dürfen Sie nutzen! Um ihr jedoch keinen Druck zu machen, würde ich empfehlen, diese Entscheidung nicht infrage zu stellen, sondern nachzufragen, was Ihre Tochter zu diesen Gedanken bewogen hat. Denn Gedankenspiele ohne den direkten Austausch führen nur zu Spekulationen und schaffen keine echte Klarheit. In einem solchen Gespräch sollte es nicht um Rechtfertigung, sondern um Verständnis gehen: „Was sind deine Beweggründe? Was verbindest du mit dem Muttersein? Was magst du darin nicht?“ All das darf ausgesprochen werden. Je weniger Sie die Gedanken Ihrer Tochter bewerten oder in eine bestimmte Richtung lenken, desto offener können Sie ins Gespräch kommen.

Es scheint sich abzuzeichnen, dass Ihre Tochter Ihnen keine Enkelkinder schenken wird. Ihre Enttäuschung darüber darf sein und auch zum Ausdruck gebracht werden. Aber letztlich können Eltern die Entscheidungen der erwachsenen Kinder nur respektieren. Kinder haben nicht die Aufgabe, die Träume und Wünsche der Eltern zu erfüllen. Deswegen sollte ein Austausch zu diesem Thema nicht das primäre Ziel haben, Einfluss zu nehmen, um die eigenen Lebensziele zu erreichen, sondern um Verständnis zu schaffen. Und wer weiß? Vielleicht kann Ihre Tochter auf der Grundlage dieser Freiheit und durch den ehrlichen Austausch mit Ihnen sogar eine neue Perspektive und ein Ja zur Mutterschaft entwickeln.

Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid und leitet bei team-f den Fachbereich Familie und Erziehung.

Wenn es sich fremd anfühlt

Eltern können eine Entscheidung des Kindes in Themen, die sie grundlegend anders getroffen haben, wie einen unbekannten Gast behandeln. Was bringt dieser Gast mit? Was macht den Schmerz aus? Woher kommt die Enttäuschung? Neugierig und offen können Sie sich selbst Fragen stellen: Was war oder ist so erfüllend an der Elternschaft für mich? Wie hätte mein Leben ohne Kind ausgesehen?

Nach dem „Beschnuppern“ der fremden Entscheidung, dem unbekannten Gast, könnte ein gemeinsames Gespräch mit der Tochter folgen. Dabei hilft ein klarer, unter Umständen bisher unüblicher Gesprächsrahmen: „Ich habe etwas, das ich in Ruhe mit dir besprechen möchte. Hast du in den nächsten Tagen einen Zeitpunkt, der gut für dich ist?“ Außerdem tut es dem gegenseitigen Verständnis gut, den Austausch in eine liebevolle Haltung der Annahme zu kleiden: „Ich nehme deine Aussage sehr ernst. Hilf mir, das besser zu verstehen. Hast du das Muttersein bei mir als belastend erlebt?“ Eltern dürfen dabei auch ehrlich fragen: „Gibt es etwas, in dem dich unser gemeinsamer Weg verletzt hat?“

Jede Antwort des Kindes in diesem Gespräch ist kein Gesetzesentwurf, sondern ein Statement mit dem aktuellen Tagesdatum. Darauf ohne Wertung mit „Ich denke weiter darüber nach …“ oder „Danke, für den Einblick in deine Gedanken“ zu antworten, stärkt das Vertrauen. Es kann helfen, die Akzeptanz für die Entscheidung wachsen zu lassen, bis eine vorsichtige Freundschaft zu dem zuvor fremden Gast entsteht.

Stefanie Diekmann ist Pädagogin, verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Ausbildung abbrechen: Ist das wirklich sinnvoll?

Elternfrage: „Unser Sohn (19) hat eine Ausbildung zum Elektroniker angefangen. Schon nach zwei Monaten meint er, das sei nichts für ihn. Er möchte die Ausbildung abbrechen. Meine Frau und ich sind uns uneins. Ich denke, er sollte sich etwas anderes suchen, meine Frau meint, er müsse sich da durchbeißen. Habt ihr einen Rat?“

Dass es eurem Sohn in seiner Ausbildung nicht gut geht, ist kein Einzelfall. Bei einer Instagram-Umfrage des Online-Portals ­ausbildung.de gaben 14 Prozent der Jugendlichen an, dass sie mit ihrer Ausbildung unzufrieden seien und sie keinen Spaß mache. Bei mir war das damals ähnlich. Ich habe in meiner Ausbildung als Elektro­installateur vor vielen Jahren eine Reihe von frustrierenden Erfahrungen machen müssen. Besonders in den ersten Wochen fiel mir die Umstellung vom Schüler-Dasein zum Acht-Stunden-Job schwer.

Das erste Jahr durchhalten

Wie könnt ihr mit eurem Sohn dieses Problem angehen? Zunächst einmal ist es sinnvoll, in einem Gespräch folgende Punkte gemeinsam zu durchdenken:

  • Zeigt euch verständnisvoll und gebt ihm das Gefühl, dass es durchaus normal sein kann, dass er sich in den ersten Monaten seiner Lehrzeit unwohl fühlt. Die Umstellung vom Schüler- auf das Arbeitsleben ist ein herausfordernder Schritt.
  • Es könnte unter Umständen sinnvoll sein, ein offenes Gespräch mit dem Ausbilder oder dem Chef zu suchen. Dadurch lassen sich manche Ungereimtheiten klären.
    Ermutigt euren Sohn, dranzubleiben. „Wenn du es schaffst, versuche das erste Jahr durchzuhalten. Beobachte die Situation Monat für Monat, wie sie sich entwickelt. Wenn es besser wird, kannst du bleiben. Und wenn es immer schlechter wird, dann ist es wirklich Zeit zu gehen.“
  • Die Zeit des Beobachtens kann von eurem Sohn dafür genutzt werden, dass er herausfindet, was er wirklich will. Er kann sich umschauen, was es für Alternativen gibt. Bietet ihm eure Hilfe für diesen Prozess an.
    Es ist außerdem hilfreich, eurem Sohn auch von euren eigenen Erfahrungen in der Ausbildung oder im Job zu erzählen. Jede Arbeitsstelle hat ihre Schatten- und Lichtseiten. Die Erfahrung zeigt, dass es oft gut ist, erst einmal durchzuhalten. Hin und wieder ist es jedoch besser, die Reißleine zu ziehen.

Ausbildung beenden, wenn …

Einen sofortigen Abbruch der Ausbildung in den ersten Monaten würde ich nur dann in Erwägung ziehen, wenn die Begabungen überhaupt nicht zur Ausbildung passen, die Atmosphäre in der Firma toxisch beziehungsweise zerstörend ist oder sich die Persönlichkeit des Sohnes durch die Ausbildung stark verändert. Zum Beispiel, wenn er depressiv wird.

Meine Frau und ich haben vor elf Jahren das Lebenstraum-Jahr gegründet. Das ist ein 10-monatiger Kurs für junge Erwachsene mit den Schwerpunkten Persönlichkeitsentwicklung, Berufsfindung und Bibelschule. Es gab ein paar wenige unserer Teilnehmenden in den letzten Jahren, die den Kurs abbrechen wollten. Wir haben ihnen Mut gemacht, durchzuhalten, und sie haben es geschafft! Einer unserer Werte im Lebenstraum-Jahr heißt deshalb: „Dranbleiben und Durchhalten“. Gerade in der heutigen Zeit, in der wir so viele Möglichkeiten haben, lohnt es sich, trotz mancher Herausforderungen durchzuhalten – denn dadurch wächst innere Stärke und Vertrauen auf Gott.

Stephan Münch gründete gemeinsam mit seiner Frau Hanna im fränkischen Uffenheim das Lebenstraum-Jahr. Er ist stolz auf seinen Sohn (19), der trotz einer Krise im 2. Lehrjahr seine Lehre als KFZ-Mechatroniker nicht abgebrochen hat und sie bis zum Ende durchziehen will.

Mit den Eltern über den Tod reden: Tipps für offene Gespräche

Mit den alten Eltern über Sterben und Tod reden – das fällt vielen schwer. Eine Trauerrednerin erklärt, wie man letzte Dinge ansprechen kann.

In meiner freiberuflichen Tätigkeit als Trauerrednerin begegnet mir so einiges. Zum Beispiel die Familie einer Frau, die schon seit Jahren eine Diagnose hatte, die unweigerlich zum Tod führen würde. Während sie immer schwächer wurde und schließlich ins Krankenhaus kam, wussten alle, dass sie sterben würde. Doch die Familie redete nur davon, was sie noch alles vorhatten, wenn die Patientin wieder aus dem Krankenhaus käme: Sie planten Urlaube und Unternehmungen und machten einen großen Bogen darum, über den Tod zu reden.

Als die Frau verstorben war und wir zum Gespräch am Tisch saßen, erzählten sie mir, dass die Verstorbene schon alle Papiere für ihren Tod vorbereitet hatte. Es brauchte nur noch ihr Sterbedatum eingetragen zu werden. Alles war fertig, ausgedruckt und organisiert, jedes einzelne Schreiben für jede Behörde und jede Versicherung. Aber vor ihrem Tod haben sie und ihre Angehörigen kein Wort darüber verloren.

Natürlich ist es legitim, nicht über den Tod zu reden. Aber dieses Schweigen hat seinen Preis. Denn jeder ist auf seiner Seite allein: die Person, die stirbt, und die, die zurückgelassen wird. Beide können von einer offenen Kommunikation profitieren. Aber häufig wird das Reden über Sterben und Tod blockiert, weil es unangenehm ist und verunsichert oder weil man es nicht gewohnt ist, über schwierige Dinge zu sprechen.

Angst und Scham

Es fordert uns heraus, darüber zu reden, dass die Eltern eines Tages nicht mehr da sein werden. Das geht sicher vielen so. Es hängt wohl auch damit zusammen, dass wir eines Tages selbst die alternden Eltern sein werden. Das konfrontiert uns mit der Aussicht auf unsere eigene Endlichkeit.

Die Eltern-Kind-Beziehung ist eine der tiefsten Verbindungen, egal wie gut oder schlecht sie sein mag. Die alternden Eltern, die als nächstes dem Tod entgegensehen, müssen mit Schmerzen, Kontrollverlust und körperlichem Versagen rechnen. Auch damit, ihre Kinder und Enkel allein zurückzulassen, loszulassen und alles nicht mehr mitzuerleben. Die Kinder müssen sich damit auseinandersetzen, was ihre Verantwortung sein mag in dem unsicheren Prozess und welche Hilfe sie leisten können. Sie wissen, dass sie eines Tages ohne ihre Eltern leben werden – mit allen Konsequenzen. Das kann man in Gedanken vielleicht üben, aber man kann nicht wissen, wie es ist, bevor man es erlebt. Das macht Angst.

Ängste provoziert auch, dass beide Seiten sich mehr oder weniger bewusst sind, dass die letzte Lebensphase der Eltern die jahrelang vertieften Rollenbilder umkehren kann. Nun ist es an den Kindern, Verantwortung für die Eltern zu übernehmen. Das kann Scham auf beiden Seiten auslösen. Und es ist zu vermuten, dass sie mit einem intensiven Gefühl von Verletzlichkeit einhergeht. Schutzbedürftigkeit und Stärke wechseln die Lager. Wie wird man damit zurechtkommen? Wird die Beziehung das aushalten?

Dazu kommt, dass in unserer Gesellschaft der Tod ein Tabuthema ist. Man flüstert nur darüber, verschweigt es den Kindern, wo es geht, und arbeitet daran, den eigenen Tod möglichst weit nach hinten zu schieben. Im Alltag über den Tod zu reden, steht meist im Gegensatz zu dem, was wir gelernt und weitergegeben haben. Kein Wunder also, dass es Irritationen auslösen kann. Sollte ich mich trotzdem dem Thema stellen und mit meinen Eltern über den Tod reden? Macht es Sinn, sie damit zu konfrontieren? Und wie stelle ich es an?

Offener Austausch

Als meine Kinder in der Grundschule waren, machten mir andere Eltern Angst vor den Teenagerjahren: „Warte nur ab, dann wird es euch nicht mehr so gut gehen“, schien die Botschaft zu sein. Ein Erziehungsvortrag bot eine andere Perspektive: „Wenn ihr jetzt als Eltern mit den Kindern in gutem Kontakt seid und daran arbeitet, dass es so bleibt, habt ihr eine gute Grundlage für die Teenagerzeit,“ beantwortete der Referent meine sorgenvoll gestellte Frage.

Ähnlich kann man auch auf die Phase zugehen, wenn die Eltern alt werden. Wir können rechtzeitig die Beziehung zu unseren Eltern pflegen und vertiefen. Gelegenheiten zum besseren Kennenlernen und Austauschen kann man mit einem Kaffeetrinken oder Abendessen schaffen. Einstiegsfragen können sein:

  • Gab es einen Moment, der euer Leben besonders geprägt hat?
  • Was hättest du gern über das Leben gewusst, als du so alt warst wie ich jetzt?
  • Wie habt ihr schwierige Zeiten gemeistert?
  • Welche Träume habt ihr aufgegeben?
  • Welche Wünsche habt ihr für die nächsten Jahre?

Wenn wir uns selbst unseren Eltern gegenüber offen und verletzlich zeigen, fördert das den Austausch und vertieft die Beziehung. Es kann auch hilfreich sein, den Eltern Lob und Anerkennung für ihr Engagement und ihre Erziehungsarbeit zu zollen. Vielleicht hadern sie genau wie wir mit ihrem Elternsein. So ein offenes Gespräch kann eine Grundlage bilden, weiter in Kontakt zu bleiben und auch die Themen der Zukunft anzusprechen, zum Beispiel so:

„Meine lieben Eltern, auf der Family-Webseite habe ich einen Artikel gelesen, der mich nachdenklich gemacht hat. Es ging um das Älterwerden der eigenen Eltern. Ich bin oft so mit meinen Kindern beschäftigt, dass ich nicht so sehr an euch denke. Beim Lesen des Artikels wurde mir bewusst, wie wichtig ihr mir seid. Und auch, dass ich gar nicht weiß, was euch wesentlich ist, wenn ihr alt werdet und etwas so kommt, dass ihr es vielleicht nicht mehr ausdrücken könnt. Es macht mir auch ein mulmiges Gefühl, dass ich mich vielleicht eines Tages um euch kümmere und unsere Rollen vertauscht werden. Aber ich möchte euch dann gern zur Seite stehen und wünsche mir, dass wir über ein paar Dinge reden.“

Oder: „Ich würde euch gern ein paar Fragen stellen. Die demente Mutter meiner Arbeitskollegin ist ins Pflegeheim gekommen. Ihr Vater hatte sich bisher um alles gekümmert, aber er ist vor vier Wochen plötzlich verstorben. Jetzt steht meine Kollegin allein mit der Verantwortung da und hat viele Fragen, die ihr keiner mehr beantworten kann. Ich merke, wie schwer es für sie ist. Das wünsche ich mir mit euch anders. Können wir uns mal Zeit dafür nehmen und darüber reden, welche Vorstellungen und Wünsche ihr habt?“

In diesem Kontext kann man auch auf Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu sprechen kommen. Oder man kann besprechen, ob eine 24-Stunden-Pflegekraft für zu Hause eine Möglichkeit ist oder ein Pflegeheim, in dem noch andere Menschen wohnen.

Über Essenzielles reden

Nun haben wir aber immer noch nicht über Tod und Sterben geredet, nur übers Älterwerden. Als meine Mutter im Hospiz war, sagten uns die Pflegerinnen dort, dass sterben so individuell ist wie geboren werden. Es kann länger dauern und ein Kampf sein. Es kann friedlich sein und schnell. Es kann erwartet sein oder plötzlich. Jeder stirbt anders. Jeder hat seine eigene Geschichte, oder sein eigenes Ende der Geschichte, wenn man so will. Worüber kann man da vorher reden?

Auf der einen Seite ist es sicher gut, Chancen zu nutzen, um über Essenzielles zu reden. Fragen könnten sein: Was soll dein Vermächtnis sein? Was sollen wir über dich erzählen? Was soll von dir bleiben? Gibt es etwas, das du noch erreichen oder erleben möchtest? Was möchtest du mir oder deinen Enkeln noch sagen? Wie siehst du mich? Was wünschst du dir für mich, wenn du nicht mehr da bist? Hier kann auch ein Brief oder ein Audio wertvoll sein.

Vielleicht gibt es auch wunde Stellen im Herzen, die Vergebung brauchen. Eine Bekannte hat von ihrer Mutter auf dem Sterbebett zum ersten Mal den Satz gehört: „Man hätte auch manches anders machen können.“ Es war das erste Eingeständnis, dass sie als Mutter nicht über allem gestanden und sich selbst hinterfragt hat. Diese paar Worte waren ein enormer Trost für meine Bekannte. Wenn über Sterben und Tod geredet wird, ist es ein guter Zeitpunkt, sich zu fragen, was emotional noch zu klären ist, bevor jemand geht. Vielleicht ist auch eine kritische Rückmeldung möglich oder nötig: „Ich hätte mir gewünscht …“ Oder: „Diese Entscheidung habe ich nicht verstanden …“

Um über den Sterbeprozess selbst zu reden, können diese Fragen wertvoll sein:

  • Denkst du, du möchtest eher allein sein, wenn du im Sterben bist? Oder wünschst du dir, dass jemand bei dir ist?
  • Gibt es Lieder, die wir singen oder abspielen können, die dir guttun? Oder sollen wir etwas vorlesen oder mit dir beten?
  • Gibt es etwas, das dir Trost und Geborgenheit spenden würde?

Gleichzeitig ist es auch ein gemeinsamer Weg, den wir mit unseren Eltern gehen. Und es ist gut, darüber im Gespräch zu sein. Nach einer Diagnose kann die bisherige Zuversicht unerwartet schnell umschlagen. Schmerzen können Gottvertrauen in Frage stellen. Es ist ein Weg, bei dem wir oft nur bis zur nächsten Biegung schauen können – danach kann alles passieren. Jeder Abschnitt mag sich anders anfühlen. Aber wenn wir gelernt haben, im Kontakt zu sein und Gefühle und Ängste auszusprechen, ist keiner allein.

Aufeinander zugehen

Ich bin fest davon überzeugt, dass beide Seiten emotional profitieren und sich gegenseitig stützen können, wenn der Austausch früh angefangen hat und in herausfordernden Zeiten weitergehen darf. Dieser Weg, der unterschiedlich endet, kann lange gemeinsam gegangen werden.

Mit den Eltern über Sterben und Tod zu reden, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Da darf jeder und jede einen eigenen Weg finden, auf dem es kein richtig oder falsch gibt. Manches, was eine Seite sich wünscht, kann die andere nicht ertragen. Aber es ist gut, mutig zu sein, aufeinander zuzugehen und damit zu rechnen, dass Nähe wachsen kann. Mit offenen Augen und einem offenen Herzen lassen sich Möglichkeiten finden, um über praktische und persönliche Dinge zu sprechen und sich gegenseitig zu tragen.

PS: Vergesst nicht, nach dem Rezept vom leckeren Kartoffelsalat zu fragen!

Debora Güting lebt in Linsengericht. Sie hat vier Kinder, zwei davon erwachsen. Sie arbeitet derzeit mit psychisch kranken Menschen und als Trauerrednerin.

Beruflicher Neustart: Praktische Tipps für deine Bewerbung

Wer sich für einen beruflichen Neustart entschieden hat, steht vor praktischen Herausforderungen. Wie du eine Stelle findest und wie die Bewerbung funktioniert, erklärt Businesscoach Carmen Gladhofer.

Auf der Suche nach der passenden Arbeitsstelle kann man erst einmal die einschlägigen großen Online-Jobportale sichten. Hier sind aufgrund der Anzeigenkosten tendenziell eher mittelständische und größere Unternehmen zu finden. Die Portale bieten viele Filtermöglichkeiten wie Umkreissuche, Pendelzeit, Arbeitszeitmodell, Berufsfelder, (Sprach-)Fähigkeiten, gewünschte Anstellungsart, bevorzugte Bewerbungsart …

Wenn es eher um eine Stelle bei kleineren und lokalen Arbeitgebern geht: Bitte andere, die Augen und Ohren offen zu halten. Frage auch selbst bei interessanten Firmen nach. Dies gilt insbesondere, wenn das Unternehmen keine eigene Website hat. Oft vernachlässigt, aber dennoch bei der lokalen Suche hilfreich: Die Angebote bei der Bundesagentur für Arbeit. Diese sind ebenfalls online verfügbar und mit etlichen Filtermöglichkeiten ausgestattet. Auch Anzeigen in der lokalen Presse, in Fachzeitschriften oder spezifische Kongresse bieten die Möglichkeit, themen- oder branchenspezifisch von möglichen offenen Stellen zu erfahren.

Was für große und kleine Arbeitgeber gilt: Hast du ein bestimmtes Unternehmen im Auge, bei dem du dich bewerben willst, dann schau zunächst (sofern vorhanden) einmal auf der Website vorbei. Du hast dich bisher gegen einen Social-Media-Account entschieden? Überlege dir dennoch, dir zeitweise einen Account anzulegen. Das heißt nicht, dass du dort aktiv posten oder kommentieren musst. Zu den Social-Media-Portalen gehören längst nicht nur Instagram, Facebook oder TikTok. Über spezifische Portale mit einem starken Fokus auf Business-Themen wie LinkedIn und (in gewissen Teilen) XING kann man zukünftige Arbeitgeber finden oder zumindest weitere Informationen generieren.

Die richtige Stelle?

Gerade in der Lebensmitte sind viele unsicher, wie denn ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt aussehen. Überspitzt gesagt: Es sollte sich von selbst verstehen, dass man sich als Einsteiger ohne Berufserfahrung eher nicht auf eine Stelle als Geschäftsführer mit entsprechender Berufserfahrung bewerben sollte. Gleichzeitig ist mangelnde Erfahrung für eine Aufgabe auf der nächsten Hierarchiestufe nicht gleich ein No-Go.

Denn aktuell gibt es im Vergleich zu früheren Krisen einen Vorteil für Bewerberinnen und Bewerber: die schrumpfende Gesamtmenge an Arbeitnehmern. So müssen die Unternehmen im Hinblick auf erwartete Qualifikationen und Erfahrungen zwangsweise durchlässiger werden.
Mit der Analyse deiner Situation, die ich dir in Teil 1 und Teil 2 dieser Serie vorgestellt habe, sollte eine Entscheidung, ob du dich auf eine Stelle bewerben willst, deutlich einfacher für dich sein. Beim Lesen der Ausschreibung kannst du folgendes identifizieren:

  1. Welcher Ausbildungsgrad durch eine Ausbildung/Studium/Weiterbildung oder erste/mehrjährige Berufserfahrung ist gefordert?
  2. Was erwartet dich inhaltlich?
  3. Nach welcher Persönlichkeit wird gesucht?
  4. Welche Kompetenzen werden benötigt? Achte dabei besonders auf die Formulierung derjenigen Aufgaben, die mit deiner Persönlichkeit einhergehen. Zum Beispiel:
    „Mit Ihrer offenen Art gewinnen Sie schnell das Vertrauen der Kunden.“
    „Das Finden von pragmatischen Lösungen motiviert Sie.“
    „Die sorgfältige Erstellung der täglich anfallenden Dokumentation.“
    „Erste Führungserfahrung ist wünschenswert.“

Sollte die Stellenbeschreibung sehr kurz gehalten sein, wie zum Beispiel: „Sie erstellen die täglich anfallende Dokumentation“, dann überlege, welche (deiner) Kompetenzen für diese Anforderung hilfreich sind.

Die Bewerbung

Wie das Bewerben genau funktioniert, hängt vom Unternehmen ab. Inzwischen bevorzugen nur noch wenige und eher kleinere Unternehmen die Unterlagen schriftlich als Mappe oder per Mail. Der Grund: Es gibt dort keinen Personaler oder gar ein webbasiertes Bewerbermanagementsystem. Gibt es ein solches aber, sollte dir das keine Sorgen bereiten. Diese Systeme sind recht benutzerfreundlich.

Zum Teil findest du dort Quick-Bewerbungsformulare mit extrem wenigen Fragen. Manchmal sind zu Beginn noch stellenspezifische Fragen vorgeschaltet. Am Ende erhältst du aber in den allermeisten Fällen die Möglichkeit, entweder ein Anschreiben und die individuellen Dokumente wie Lebenslauf (CV) und passende Zeugnisse hochzuladen oder die Informationen in entsprechende Masken einzutragen. Bei allen technischen Möglichkeiten: Arbeite sorgfältig und mache es dem Leser möglichst leicht durch verständliche Dateinamen, Seitensortierung etc.

Du fragst dich vielleicht: Kann ich die Künstliche Intelligenz (KI) nutzen, um ein passendes Anschreiben für meine Bewerbung zu erstellen? KI kann hilfreich sein, die wesentlichen Aspekte einer Stelle herauszufiltern und mit dir und deiner Vita zu verknüpfen. Das Ergebnis „einfach abzusenden“ empfehle ich aber nicht. Denn der im Hintergrund arbeitende Algorithmus nimmt darauf maßgeblich Einfluss und kann wichtige Aspekte anders werten.

Die Vorteile, wenn du selbst schreibst:

  • Du bereitest dich gleichzeitig auf ein potenzielles Bewerbungsgespräch vor.
  • Du lieferst eine passgenaue Bewerbung, mit der du auffällst. Denn ein Personaler merkt, ob jemand sich mit einer konkret formulierten Stellenanzeige auseinandergesetzt hat.

Deshalb:

  1. Pick dir die aus deiner Sicht wesentlichen Aspekte einer Aufgabe heraus und begründe über deine Ausbildung/Studium/Weiterbildung, deine (ggf. auch fachfremden) Erfahrungen, deine Persönlichkeit und damit einhergehenden Kompetenzen, warum genau du mit viel Freude zum (nicht nur monetären) Erfolg des Unternehmens beitragen kannst.
  2. Benenne, warum du genau bei diesem Arbeitgeber arbeiten möchtest (und nicht bei der Konkurrenz). Hier hilft ein Blick auf die Website, um etwas über das Selbstverständnis, die Vision und Werte eines Unternehmens zu erfahren. Mit der in Teil 1 und 2 beschriebenen Analyse deiner Werte kannst du einen Bezug zwischen dir und dem Unternehmen herstellen. Du findest dazu nichts? Überlege, was mögliche Werte eines Arbeitgebers in dieser Branche sein könnten.
  3. Der Lebenslauf ist noch immer ein wichtiger Bestandteil einer Bewerbung. Er sollte die von dir im Anschreiben gemachten Angaben (auch Ehrenamt oder Hobbys) aufgreifen und sich selbstverständlich mit den Angaben aus den Zeugnissen decken. Vorherige Stationen mit Aufgaben oder Kompetenzen, die auch für den zukünftigen Job nützlich sind, können dabei ein wenig umfangreicher dargestellt werden.

Die Zeit des Abwartens

Ist die Bewerbung abgeschickt, heißt es Abwarten. Dies kann leider dauern. Wie die Auswertung von Bewerbungen abläuft, unterscheidet sich zum Teil auch innerhalb eines Unternehmens erheblich. Eine häufige Frage lautet: „Soll ich den Personaler anrufen und den Stand der Dinge erfragen?“ Die Antwort heißt: „Es kommt darauf an – auf die einstellende Person, die aktuelle Situation im Unternehmen und die konkrete Frage.“ Anders ausgedrückt: In der Regel sind die Personaler mit ihrer täglichen Arbeit gut ausgelastet. Wichtige Fragen werden aber, auch im Sinne der Arbeitgeberattraktivität, immer gern beantwortet. Was sind nun wichtige Fragen?

  • Rückfragen, um herauszufinden, ob die zu erfüllenden Aufgaben oder erwarteten Anforderungen zueinander passen könnten
    Organisatorische Details abklären (zum Beispiel zur Vakanz einer Stelle)
  • Rückfragen zum Stand der Bewerbung mehrere Wochen nach dem Ende der Bewerbungsfrist

Von Anrufen, um sich „ins Gespräch zu bringen“ oder Überzeugungsreden in eigener Sache würde ich absehen. Sie sind meist leicht zu enttarnen und hinterlassen schlimmstenfalls einen schalen Beigeschmack.

Die Zeit des Wartens ist anstrengend und nervenaufreibend – gerade, wenn du auf deine vermeintliche Traumstelle gestoßen bist. Ich rate dennoch davon ab, den Bewerbungsprozess jetzt einzustellen. Denn: Bis es zu einer Einstellung kommt, sind noch einige Hürden zu nehmen. Schlimmstenfalls ist viel Zeit verloren, wenn du abwartest, ob diese eine Bewerbung wirklich zum Erfolg führt. Also nutze die Zeit! Du kannst nur gewinnen.

Hier geht es zum nächsten Teil der Serie von Carmen Gladhofer: Wie der Bewerbungsprozess gelingt

Hier geht es zu Teil 1: Wie du entscheidest, ob eine berufliche Veränderung ansteht

Hier geht es zu Teil 2: Wie du eine gute berufliche Entscheidung triffst

Carmen Gladhofer ist Ökonomin, Trainerin und arbeitet in Dortmund als Systemischer (Online-)Coach. Sie bietet Businesscoachings mit dem Schwerpunkt „berufliche Zufriedenheit“ an.