Erste Periode: So kannst du deine Tochter vorbereiten

Elternfrage: „Meine Tochter (10) hat mich gefragt, woran sie erkennen würde, dass ihre erste Blutung bevorsteht. Ich wusste es nicht! Wie kann ich sie auf ihre erste Periode vorbereiten?“

Wie schön, dass Ihre Tochter mit so einer wichtigen Frage zu Ihnen kommt. Das ist ein Zeichen von großem Vertrauen. Viele Mädchen spüren intuitiv, dass sich ihr Körper verändert, und suchen Orientierung. Als Elternteil können Sie hier eine wichtige Begleitung sein.

Mögliche Anzeichen

Die erste Monatsblutung, die Menarche, tritt meist zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr auf. Das ist allerdings individuell und vielleicht auch ein wenig Veranlagung. Es gibt verschiedene Zeichen des hormonellen Wandels, welche die Blutung ankündigen können:

  • Brustwachstum ist das wichtigste Zeichen im Hinblick auf das Auftreten der ersten Periodenblutung und beginnt etwa zwei Jahre vorher.
  • Haarwachstum im Intimbereich und unter den Achseln
  • Weißlicher Ausfluss aus der Scheide
  • Wachstumsschub, Hautveränderungen und Stimmungsschwankungen

Diese Veränderungen treten nicht immer alle zusammen auf, sondern auch nacheinander. Aber sie sind ein guter Anlass, mit Ihrer Tochter über das Thema Periode ins Gespräch zu kommen – offen, altersgerecht und unaufgeregt. Mädchen erleben die erste Blutung sehr unterschiedlich: Manche empfinden sie spannend, andere sind verunsichert. Das Wichtigste ist, dass sie überhaupt wissen, was passiert und dass sie vorbereitet sind.

Die Monatsblutung normalisieren

Rein praktisch hilft ein kleines Notfallset in der Schultasche mit Binden, Ersatzunterhose und Feuchttüchern. Vielleicht auch Periodenunterwäsche? Hier braucht es kein Anwendungswissen. Zeigen Sie ihr trotzdem, wie Binden funktionieren. Sprechen Sie darüber, dass die Periode auch unerwartet einsetzen kann, zum Beispiel beim Sport, und dass das völlig in Ordnung ist. Ermutigen Sie Ihre Tochter, sich bei Vertrauenspersonen (Lehrkraft, Freundinnen, die bereits ihre Periode haben) Hilfe zu holen, wenn sie es braucht.

Ich empfehle, kleine Gesprächsanlässe zu nutzen. Etwa beim Einkauf, beim Packen der Tasche oder wenn (bei Müttern) die eigene Periode ansteht. Und: Bleiben Sie offen für Fragen. Auch, wenn Sie nicht sofort alles beantworten können – gemeinsam finden Sie Antworten. Gute, kindgerechte Bücher oder Informationen im Internet, wie auf der Plattform Doctorial, können zusätzlich unterstützen. Gut zu wissen: Bei Mädchen und jungen Frauen kann die Periode noch sehr unregelmäßig kommen. Mal einen Monat nicht, dann wieder regelmäßig. Das ist normal.

Zum Frauenarzt?

Ein Gespräch mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin ist in dieser frühen Phase nicht zwingend notwendig, kann aber hilfreich sein – etwa in einer Mädchen-Sprechstunde, wie sie in vielen frauenärztlichen Praxen angeboten werden. Dabei stehen Gespräch und Kennenlernen im Vordergrund, nicht die Untersuchung. Wie der Berufsverband der Frauenärzte in seinen Empfehlungen schreibt, soll dieser erste Kontakt Vertrauen schaffen und Mädchen stärken, ihren Körper zu verstehen und gut für sich zu sorgen.

Wichtig ist, die Periode positiv zu besetzen, denn sie ist ein Schritt auf dem Weg in das Erwachsenwerden, ein Zeichen von Fruchtbarkeit und dass der weibliche Körper auf wunderbare Weise „funktioniert“.

Dr. Stephanie Eder ist Expertin des Berufsverbandes der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. und niedergelassene Frauenärztin aus Gräfelfing bei München. Als Mutter von drei Kindern liegt ihr insbesondere die Aufklärungs- und Präventionsarbeit mit Jugendlichen am Herzen.

Das erste Handy: Digitaltrainer erklärt, wann es sinnvoll ist

Elternfrage: „In der Klasse unseres Kindes (8) bekommen Smartphones immer mehr Bedeutung. Wir fragen uns, ab wann ein Kind überhaupt eines haben sollte und ab wann es einem Klassenchat beitreten darf. Woran können wir uns bei diesen Entscheidungen orientieren?“

Diese Fragen beschäftigen viele Eltern. Allgemeingültige Antworten, die für jede Familie und jedes Kind passen, gibt es zwar nicht, doch einige Orientierungshilfen kann ich euch mitgeben.

Ohne Angst vor Bestrafung

Ein Smartphone ist kein Spielzeug, sondern ein komplexes Kommunikationsmittel, das viele Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Deshalb empfehle ich, dass euer Kind schrittweise und begleitet Erfahrungen mit digitalen Medien sammelt. Verwendet dafür anfangs beispielsweise eure eigenen Geräte in gemeinsam genutzten Räumen wie dem Wohnzimmer. So seid ihr nah genug, um bei Fragen rasch zu helfen, ohne ständig direkt daneben sitzen zu müssen. Wichtig ist vor allem der Aufbau eines stabilen Vertrauensverhältnisses. Euer Kind sollte immer wissen, dass es sich jederzeit mit Fragen oder Problemen an euch wenden kann, ohne Angst vor Strafen zu haben – auch dann nicht, wenn etwas am Handy schiefläuft. Vertrauen entsteht nicht plötzlich, sondern durch viele kleine Gespräche, echtes Interesse und gemeinsam vereinbarte Regeln.

Mediennutzungsvertrag

Grundsätzlich benötigen Kinder in der Grundschule noch kein eigenes digitales Endgerät (wie Smartphone oder Tablet). Fachleute empfehlen oft ein Mindestalter von etwa elf bis zwölf Jahren. Doch die individuelle Reife eures Kindes sowie das soziale Umfeld sind ebenso entscheidend. Der soziale Druck in der Klasse sollte nicht unterschätzt werden, denn völlige Ausgrenzung ist auch nicht sinnvoll. Ein Leihgerät, an dem sich euer Kind für einen gewissen Zeitraum (sechs bis zwölf Monate) ausprobieren darf, kann ein guter Kompromiss sein, um zu testen, ob es schon verantwortungsvoll genug ist. Es dient als eine Art Zwischenlösung, um Kinder selbstständig machen zu lassen, in dem Wissen, dass sie mit den Geräten nicht machen können, was sie wollen. Ein gemeinsamer Mediennutzungsvertrag, den ihr beispielsweise auf www.mediennutzungsvertrag.de erstellen könnt, hilft, klare Regeln zu definieren. Lasst euer Kind unbedingt mitbestimmen, um Verständnis und Akzeptanz für die vereinbarten Regeln zu fördern.

Handyfreies Kinderzimmer

Besonders wichtig ist es, Smartphones oder andere digitale Geräte konsequent aus dem Kinderzimmer und speziell aus dem Bett fernzuhalten. Gerade nachts passieren oft problematische Dinge wie verletzende Nachrichten oder heimliches Scrollen, von denen Eltern wenig mitbekommen. Eine einfache Regel wie „Alle Handys nachts in die Küche“ schafft Klarheit und Sicherheit. Zum Thema Klassenchat: Wenn euer Kind in einer Chatgruppe aktiv ist, schaut regelmäßig gemeinsam hinein und besprecht offen und ohne Vorwurf, was ihr dort findet – immer mit dem Ziel, euer Kind zu schützen. Hilfreich ist es, wenn ihr euch dabei mit anderen Eltern abstimmt, um die Gefahr zu minimieren, dass einzelne Kinder als „Petze“ gelten.

Medienerziehung beginnt nicht erst mit dem ersten Smartphone, sondern viel früher – durch Gespräche über Werbung, gemeinsam genutzte Tablets oder handyfreie Zeiten. Kinder lernen am meisten durch Vorbilder. Wenn ihr euer eigenes Medienverhalten reflektiert und bewusst vorlebt, fällt es eurem Kind leichter, gesunde Mediengewohnheiten zu entwickeln. Ich wünsche euch viel Erfolg und Freude bei der Medienerziehung!

Daniel Dell‘Aquia ist Digitaltrainer und bietet Vorträge, Fortbildungen und Seminare an Schulen zur Medienerziehung an.

„Mein Kind ist eine Naschkatze“ – Wie viele Süßigkeiten sind okay?

Elternfrage: „Unsere Tochter (10) ist eine Naschkatze und liebt Süßigkeiten. Ich mache mir Sorgen, dass sie sich eine ungesunde Ernährungsweise angewöhnt und ertappe mich dabei, dass ich ständig an ihr herumkritisiere. Woher weiß ich, wie viel Zucker oder Fett okay ist?“

Kinder lieben Süßes. Das ist völlig normal. Entwicklungsgeschichtlich sind wir Menschen auf süß gepolt. Die Muttermilch schmeckt bereits durch den enthaltenen Milchzucker leicht süß. Sogar das Fruchtwasser im Mutterleib hat einen süßlichen Geschmack und wird gern von den Babys getrunken. Dennoch ist Ihre Sorge nicht unbegründet. Leider haben Süßigkeiten und der darin enthaltene Zucker ein „Suchtpotenzial“. Wir gewöhnen uns schnell an den Geschmack und brauchen immer mehr davon, um es als angenehm zu empfinden.

Alles in Maßen

Zucker und Fett sind in vielen Lebensmitteln enthalten. In Süßigkeiten werden Zucker und Fett kombiniert: Kalorienbomben pur! Wer zu viel Zucker isst, ist häufiger von Zahnkaries, Übergewicht und daraus entstehenden Zivilisationskrankheiten (wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ II) betroffen. Sich über die Ernährung der Kinder Gedanken zu machen, ist also absolut wichtig. Die wünschenswerte Menge der einzelnen Lebensmittel pro Tag ist gut durch die Pyramide des Bundeszentrums für Ernährung wiedergegeben und lässt sich dort nachlesen. Dabei entspricht die Menge eines Bausteins in etwa einer Handgröße (kleine Hand = kleine Portion). Doch wie lassen sich diese Angaben und Maßstäbe umsetzen?

Zwischen „sollen“ und „wollen“

Kinderernährung kann und muss nicht zuckerfrei sein. Aber der Umgang mit Snacks will gelernt sein. Eltern sind dabei ein wichtiges Vorbild. Denn Kinder tun bekanntlich nicht unbedingt das, was wir sagen, sondern was wir tun. Erwachsene sollten – unter Mitbestimmung der Kinder – zum Essen einladen: Sie entscheiden, wann, was und wie gegessen wird. Aber es ist die Entscheidung der Kinder, ob und wie viel sie essen. Dabei wird die Herausforderung beim Thema Essen deutlich: Wir möchten unsere Kinder besonders gesund und nachhaltig ernähren. Aber Kinder haben eben auch ihre eigenen Bedürfnisse.

Folglich sitzen sich am Esstisch das „Sollen“ und „Wollen“ häufig gegenüber. Wie es trotzdem gelingen kann, auf einen Nenner zu kommen als Eltern mit Naschkatzen im Haus, habe ich in den nachstehenden Tipps zusammengetragen. Bleiben Sie entspannt: Mithilfe von Regeln legen Sie einen Rahmen für die Ernährung Ihrer Tochter fest; innerhalb dieses Rahmens kann sie dann aber – ohne Ihre Anmerkungen – frei entscheiden.

8 Tipps für eine gesunde Kinderernährung

 

  • Erklären Sie Ihren Kindern, warum sie Süßes und Fettiges in Maßen essen sollten. In Bezug auf Fett fährt man am besten, wenn man bei fetthaltigem Brotbelag komplett auf Streichfett verzichtet.
  • Vermeiden Sie generelle Verbote im Umgang mit Süßigkeiten. Legen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern zum Beispiel eine „süße Wochenration“ oder eine geplante Naschzeit fest.
  • Süßigkeiten sollten zu den Mahlzeiten gegessen werden, sie eignen sich sehr gut als Abschluss (anschließend Zähneputzen nicht vergessen).
  • Achten Sie auf ein bewusstes Genießen und essen Sie mit Ihren Kindern nur im Sitzen. Das trägt nicht nur zum Genuss bei, sondern sorgt ganz nebenbei für eine bessere Kontrolle.
  • Regelmäßige Mahlzeiten beugen dem Heißhunger auf Ungesundes vor.
  • Bieten Sie süße Getränke gar nicht oder nur zu besonderen Anlässen an.
  • Sagen Sie Verwandten und Freunden, dass Sie keine Süßigkeiten als Geschenke oder Mitbringsel für Ihre Kinder möchten.
  • Bieten Sie attraktive Alternativen an, wie zum Beispiel Studentenfutter, Reiswaffeln, selbstgemachtes Popcorn, Salzstangen, Vollkorndinkelstangen, Obstspieße oder Rohkoststicks.

Elke Decher ist Diplom-Oecotrophologin und unterrichtet Ernährung, Hauswirtschaft, Gesundheits- und Naturwissenschaften an einem Berufskolleg.

„Wie redest du mit mir?“ – So lernen Kinder respektvolle Kommunikation

Elternfrage: „Ich finde es oft nicht in Ordnung, wie meine Tochter (7) mit mir spricht. Was kann ich tun, um wertschätzende Kommunikation zu fördern?“

Hierzu ist es wichtig, erst einmal zu verstehen, dass Kinder oft im Eifer des Gefechts handeln. Wenn sie uns patzig, zu laut oder zu fordernd antworten, dann nicht, weil sie uns nicht respektieren oder wertschätzen, sondern weil ihre Emotionen mit ihnen durchgehen und dafür sorgen, dass sie ungefiltert auf eine Situation reagieren. Deswegen bringt es nicht viel, eine wertschätzende Kommunikation einfach nur einzufordern. Vielmehr liegt es in unserer Verantwortung, Kinder da hinzuführen.

Raus aus der „Schimpfschleife“

Das Gesagte und die Tonlage sind häufig keine Rückmeldung über uns als Eltern, sondern darüber, wie ein Kind sich gerade fühlt. Ein erster Schritt zu einer wertschätzenden Kommunikation wäre es daher, genau dies zu benennen. „Oh, ich merke gerade, dass dich das ganz schön aufregt.“ „Das ist dir enorm wichtig, oder?“ „Kann es sein, dass du das Gefühl hast, dass ich dir nicht zuhöre?“

Solche Nachfragen bringen Ihre Tochter aus ihrer eigenen „Schimpfschleife“ heraus und sorgen dafür, dass Sie selbst gar nicht erst mit einsteigen. Stattdessen kann die Kommunikation auf eine andere Ebene gehoben werden. Außerdem bekommen Kinder so praktische Vorbilder für einen respektvollen Umgang miteinander, und das ist ja bekanntlich besser als jede theoretische Aufforderung.

Erst abkühlen lassen

Aber machen wir uns nichts vor: Obwohl wir vielleicht theoretisch wissen, dass das Kind es nicht so meint, und eine Ahnung davon haben, wie wir reagieren könnten, kann einen solch ein Verhalten auch mal ordentlich antriggern. Es gibt Tonlagen, Aussagen oder Verhalten, das wir einfach nicht hinnehmen wollen. Das ist völlig legitim, und unsere Kinder dürfen spüren, dass sie an diesen Stellen Grenzen überschreiten.

Ich habe allerdings gelernt, dass es besser ist, so etwas zu kommunizieren, wenn die Situation sich abgekühlt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Kinder verstehen, warum wir dieses oder jenes nicht wollen, ist höher, wenn wir es in Ruhe mit ihnen besprechen. „Ich habe verstanden, dass du vorhin wütend warst, aber dass du XY zu mir gesagt hast, hat mir wehgetan/hat mich geärgert/stört mich.“ Sie können dann auch mit Ihrem Kind einüben, was es stattdessen in ähnlichen Situationen sagen könnte. Aber erwarten Sie hier bitte keine schnellen Wunder. Es braucht viel Zeit und viele, viele Wiederholungen, bis Impulskontrolle und respektvolle Kommunikation funktionieren.

Zu guter Letzt noch ein anderer Gedanke: Ich finde, dass es manchmal auch was Gutes hat, wenn wir uns am Verhalten unserer Kinder reiben – oft können wir dadurch nämlich viel über uns selbst, unsere Grenzen und unsere wunden Punkte lernen.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin, Eltern- und Familienberaterin und Bloggerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel.

6 bis 10 – So gelingt der Schulstart ohne Druck

Elternfrage: „Im Sommer ist der Schulstart unseres Sohnes. Wie können wir ihn darauf vorbereiten, dass es bald viel mehr um Leistung und Bewertungen geht, als er es aus der Kindergartenzeit gewohnt ist?“

Das Magengrummeln beim Gedanken an den Schulstart ist nicht unberechtigt, weil Schule einiges im Gepäck hat, was Kinder vorher noch nicht kannten: mehr Fremdbestimmung, weniger Begleitung, wechselnde Bezugspersonen, mehr geforderte Selbstständigkeit und ja, definitiv auch mehr Bewertungen. Um ein Kind darauf vorzubereiten, sollte man aber gar nicht so sehr von den Leistungsthemen selbst ausgehen. Es benötigt kein Rechen- oder Lesetraining und keine Disziplinierungen, wenn Ordnung nicht klappt. Ein Kind wird am besten schul-, lern- und damit auch lebensfit, wenn der Fokus auf Beziehungsstärke und Bewältigungskraft liegt.

Beziehungsstärke

Bis zur Einschulung haben viele Eltern die Frage im Kopf: „Geht es meinem Kind gut?“ Das darf auch nach der Einschulung so bleiben. Ein Wechsel auf den Blick „Passt mein Kind sich an? Oder fällt es nicht auf?“ ist fehl am Platz. Denn diese Perspektive erzeugt zum einen unguten Druck, der die Beziehung gefährden kann. Zum anderen übersieht sie, dass unter schulischen Kompetenzen ein Gerüst aus emotionalen Kompetenzen liegen sollte, um den Schulalltag und andere Herausforderungen meistern zu können.

Das heißt, bei jeder Problematik, die nach dem Schulstart ansteht, sollte die erste Frage immer sein: „Wie geht es uns miteinander, und sind wir gut in Beziehung?“ Dann könnt ihr weiterschauen, was jeder von euch braucht und wie ein Problem zu lösen ist. Das Kind ist auf diese Weise verlässlich eingebettet und kann mit Urvertrauen ins Leben gehen. Es weiß, dass ihr hinter ihm steht, egal, was es leistet, egal, wie es bewertet wird. Starke Beziehungen geben Kraft. Und sehr wahrscheinlich wird es sich mit allen Sorgen an euch wenden.

Bewältigungskraft

Spürt ein Kind in einer solchen starken Eltern-Kind-Beziehung Zutrauen, Rückhalt und bekommt außerdem zu Hause Hilfe zur Selbsthilfe, sodass es selbst Probleme lösen kann und darf, ist es super vorbereitet für die Schule. Es wird sich äußern, wenn es ihm nicht gutgeht oder es etwas nicht kann. Es wird bei Herausforderungen nicht sofort in Panik verfallen, sondern sich Lösungen ausdenken können oder wissen, mit wem es gemeinsam nach einer Lösung suchen kann. So benötigt ein Kind keine Patentlösungen und kein Superheldentum von Anfang an: Stifthaltung kann sich entwickeln, statt Schnürsenkel dürfen es auch Klettverschlüsse sein. Der erste Misserfolg in Mathe oder Deutsch darf betrauert werden, aber regt auch zum Weiterlernen an.

Ein weiterer wichtiger Impuls für den Alltag mit Leistungsbewertungen: dem Kind beizubringen, sich immer mit sich selbst über die Zeit zu vergleichen, nicht mit anderen: „Wo hast du Fortschritte gemacht? Was ist anders als vor drei Wochen oder drei Monaten?“ Auch das trägt zur Bewältigungskraft rund um Schule bei.

Inke Hummel, Pädagogin M.A., bietet Eltern als Familienbegleiterin, Erziehungsberaterin und pädagogischer Coach Beratung an.

6 bis 10 – Wie finden schüchterne Kinder Freunde?

Elternfrage: „Meine Tochter (7) ist schüchtern und zurückhaltend gegenüber anderen Kindern. Ihr fällt es schwer, Freunde zu finden. Wie können wir sie dabei unterstützen?“

Es ist gut, diese Frage zu stellen und in die Freundschaften unserer Kinder zu investieren: Freunde sind extrem wichtig und können einen sehr positiven Einfluss auf Kinder haben. Schon ein einziger enger Freund kann dafür sorgen, dass sie besser mit schwierigen Zeiten klarkommen, herausfordernde Situationen in der Schule leichter bewältigen oder weniger Stress bei Tests haben. Dennoch haben Kinder unterschiedliche Wege, Freunde zu finden, und nicht jedes Kind braucht viele Freunde – manchmal reicht ein einziger. Als Erstes müssen wir also unterscheiden, ob wir ein schüchternes Kind haben, das eigentlich gern mit anderen spielen möchte und dabei Hilfe braucht oder ob wir ein Kind haben, das allein lesen, malen und für sich sein möchte. Wenn unser Kind sich – mehr – Freunde wünscht, können wir es gut mit den folgenden Tipps unterstützen.

1. Berührungspunkte aufspüren

Freundschaft zwischen Menschen beruht auf Gemeinsamkeiten – gemeinsamen Interessen, Erfahrungen oder Tätigkeiten. Wir fragen also unser schüchternes Kind: Wer teilt die gleichen Interessen? Wer wohnt in der Nähe? Wer ist nett?

2. Zueinander finden

Wenn wir das wissen, geht es mit dem zweiten Schritt weiter: Wie geht man auf Menschen zu? Wir können unser Schulkind ermuntern, die anderen Kinder zu fragen: Was spielen sie gern? Welche Musik interessiert sie? Welche Tiere? Welcher Sport? Wir wissen aus Studien, dass Kinder, die anderen Kindern gezielt zweimal am Tag helfen, mehr Freunde haben. Wem könntest du deine Stifte leihen? Wer würde gern einen von deinen Keksen probieren?

3. Unvollkommenheit normalisieren

Als Nächstes können wir unserem Kind beibringen, dass Freunde nicht perfekt sein müssen: „Aber niemand interessiert sich für Schach!“, schimpft unser Schulkind vielleicht. Okay, das können wir nicht ändern, aber was wäre für dich auch okay? Gehst du gern in die Natur? Interessierst du dich für Mathematik? Sogar: Findet noch jemand den Kunstunterricht langweilig? All das können Gemeinsamkeiten sein, auf denen wir Kontakt aufbauen können.

4. Treffen planen

Anschließend machen wir eine Spielverabredung in unserem Zuhause aus, weil sich schüchterne Kinder hier oft wohler und sicherer fühlen. Das kann auch heißen, auf „unserem“ Spielplatz, in „unserem“ Wald, in „unserem“ Zoo. Manchmal haben Kinder das Gefühl, dass sie „nichts zu bieten“ haben. Da kann es sehr hilfreich sein, an einen Ort zu gehen, den sie mögen, den sie kennen und den sie dem anderen Kind „zeigen“ können. Wenn sich unser schüchternes Kind jetzt windet: „Vielleicht langweilt sie sich aber dann doch!“ und nicht weiterweiß, können wir Situationen durchsprechen: Was könnte passieren? Wie möchtest du reagieren? Was könntest du sagen oder tun? Wie könnte ich dir helfen?
Auf diese Weise kann unser schüchternes Kind „Freundschaft“ üben und lernen – eine Fähigkeit, die ihm ein Leben lang helfen wird.

Nicola Schmidt ist Bestseller-Autorin und Gründerin des artgerecht-Projektes. Mehr Infos zum Thema bietet ihr Buch „artgerecht – das andere Schulkinderbuch“ (Kösel).

6 bis 10 – Verbunden bleiben

Elternfrage: „Mein Sohn ist neun Jahre alt, und ich vermisse das Alter, in dem er noch mehr meine Nähe gesucht hat. Wie schafft man es, eine tiefe Verbundenheit zu Kindern zu halten, die einen immer weniger brauchen?“

Bindung ist von Anfang an eins der größten Grundbedürfnisse von Kindern. Das Bedürfnis verschwindet nicht, wenn sie älter werden. Es ändert sich jedoch mit der Zeit die Art, wie Eltern die Verbindung zu ihren Kindern leben und vertiefen. Ich habe drei Ideen für den Alltag gesammelt, die dabei helfen können, eine tiefe Verbundenheit zu unseren Kindern zu fördern.

1. Den Moment nutzen

Kinder, die selbstständig werden, verändern ihren Alltag: Sie gestalten die Nachmittage eigenständiger als zuvor, sind länger in der Schule und oft nicht mehr zu den gewohnten, festen Zeiten zu Hause. Umso wichtiger ist es als Eltern, die wenigen Verbindungsmomente wahrzunehmen, die uns das Leben schenkt. Die Herausforderung dabei ist, dass es sich für uns Eltern häufig nicht nach einem günstigen Moment anfühlt, weil wir gerade das Geschirr spülen, eine E-Mail schreiben oder die Zähne putzen wollten. Wir dürfen lernen, die Momente zu erkennen und zu nutzen, in denen unsere Kinder offen für Verbindung sind. Auch wenn dabei etwas anderes erstmal liegen bleibt.

2. Interesse zeigen

Wenn unsere Kinder größer werden, ändern sich oft auch ihre Interessen. Es kommt vielleicht auch ein neues Hobby hinzu, das nicht zu unseren eigenen Vorlieben gehört. Für eine gute Verbundenheit ist es wichtig, dass wir genau dafür Interesse entwickeln. Wir können lernen, nicht nur nach der Schule zu fragen, sondern nach dem, was gerade wirklich wichtig für das Kind ist – auch, wenn wir das womöglich nicht verstehen. Frag nach, wie der YouTuber heißt, den dein Kind toll findet und erkundige dich, was es an ihm so mag. Lass dir seine liebsten Videos zeigen oder die Lieblingsmusik vorspielen. Setz dich daneben, wenn es zockt und lass dir erklären, wie das funktioniert.

3. Körpernähe anbieten

Nichts fördert die Bindung so sehr wie positiver Körperkontakt. Bei Berührungen wie einer Umarmung schüttet der Körper Oxytocin aus. Dieses Hormon wird auch als Bindungshormon bezeichnet. Es intensiviert die Verbundenheit, verstärkt das Vertrauen zueinander, baut Stress ab und löst Ängste. Sind unsere Kinder klein, entstehen Kuschelzeiten meist von allein. Das ändert sich jedoch oft, wenn sie älter werden. Trotzdem ist diese Art der Nähe wichtig. Wir dürfen auch unseren großen Kindern Körperkontakt anbieten, zum Beispiel durch eine Umarmung, eine Massage oder ein nahes Beieinandersitzen auf dem Sofa.

Zum Schluss noch ein kleiner Gedanke: Genauso wichtig, wie die Verbundenheit zu deinen Kindern ist die Verbundenheit zu dir selbst, deinem Partner und Gott. Vielleicht darfst du erleben, dass dafür jetzt, wenn dein Kind größer wird, wieder mehr Zeit und Raum entsteht. Ich wünsche dir, dass du das ganz bewusst für dich nehmen und genießen kannst.

Judith Oesterle ist Mama von drei Kindern, Pädagogin, Künstlerin und Coach.

6 bis 10 – Halloween feiern?

Elternfrage: „Jedes Jahr, wenn es Richtung Herbst geht, kommt das Thema Halloween auf unseren Familientisch. Wir sind unschlüssig, wie wir mit diesem Fest umgehen sollen, das nicht zu unserem christlichen Glauben passt. Sollte unsere Tochter (7) auf das Süßigkeitensammeln verzichten? Oder lässt sich Halloween auch ohne Hexerei und Co. gestalten? Wie machen das andere Familien?“

Hinterfragen statt mitmachen

Ohne die Herkunft des Festes Halloween näher zu beleuchten, haben wir uns als Eltern die Frage gestellt: Passen die Halloween-Bräuche, so wie sie bei uns im Norden von Deutschland gelebt werden, zu den Werten, die wir unseren Kindern (3 und 5) vermitteln wollen? Welches Gefühl hinterlässt es bei Menschen, wenn gruselig verkleidete Kinder an der Tür klingeln und „Süßes, sonst gibt’s Saures!“ einfordern? Bei mir persönlich hinterlassen solche Begegnungen kein positives Gefühl und wir möchten unseren Kindern nicht beibringen, dass sie mit Süßigkeiten belohnt werden, wenn sie diese in schauriger Aufmachung bei teils fremden Menschen einfordern. Aus meiner Kindheit in Nordrhein-Westfalen kenne ich die Tradition, an Sankt Martin mit der Laterne von Tür zu Tür zu ziehen, ein Martinslied zu singen und dafür mit Süßem belohnt zu werden. Dieser Brauch bringt Licht und Hoffnung in die Häuser statt Angst und Schrecken. Und das freudige Ergebnis für die Kinder ist das gleiche: ein Beutel mit allerlei Süßkram.

Stefanie Assmann

Kein Spaß­verderber sein

Mein Großer hat Halloween mal als sein Lieblingsfest bezeichnet. Schon Wochen vorher beginnt er mit den Vorbereitungen: Dekoration wird gebastelt, Kostüme werden vorbereitet, Essen geplant, ein Kürbis geschnitzt. Als er klein war, hat er sich verkleidet und draußen an die Kinder Süßigkeiten verteilt, inzwischen ist er sieben Jahre alt und zieht mit seinem Bruder (4) und Mama oder Papa selbst um die Häuser. Nach der Bedeutung oder dem Ursprung dieses Festes hat noch keiner meiner Kinder gefragt, und ich müsste ehrlicherweise nachschauen, weil mir das egal ist. Mein Mann hält den Reformationstag hoch und betont gern, dass der doch viel wichtiger sei. Ihren Spaß verdirbt er den Kindern trotzdem nicht. In meiner Familie wurde das Fest früher sehr verteufelt, weshalb ich es wahrscheinlich besonders genieße, den Kindern das zu ermöglichen.

Anna Koppri

Erinnerung an Luther

Da am 31. Oktober nicht nur Halloween, sondern auch der Reformationstag gefeiert wird, haben wir mit unseren Kindern darüber gesprochen und zusammen beschlossen, dass wir den Leuten vom Reformationstag erzählen und ihnen Gutes tun wollen. Denn durch Luthers Thesen ist auch Positives entstanden: Viele Menschen haben damals verstanden, dass sie in den Himmel kommen, weil Gott sie liebt und nicht, weil sie der Kirche genügend Ablass zahlen. Unsere Kinder durften jeweils einen Freund oder eine Freundin einladen. Dann haben wir gemeinsam Herzkekse gebacken, kleine Kekstüten damit bestückt und einen netten erklärenden Text an die Tüten gehängt. Die Kinder haben sich mittelalterliche Kleider angezogen und sind nachmittags losgegangen, um in der Umgebung Kekstüten zu verteilen. Die Leute waren sehr überrascht und haben sich gefreut! Oft wollten sie unseren Kindern dann auch noch Süßigkeiten geben.

Stefanie Böhmann

Freiheit übertrumpft Angst

In Sachsen ist der 31. Oktober ein Feiertag. Wir feiern Reformationstag und das immer morgens in unserer Kirche mit einem Gottesdienst. Zum Frühstück gibt es Reformationsbrötchen, die wir beim Bäcker kaufen. Sie sind verziert mit einem Marmeladenklecks in der Mitte, der die Lutherrose darstellen soll. Unsere Kinder lernen jedes Jahr neu, was Martin Luther zur Errettung und Gnade zu sagen hatte. Aufgrund dieser Freiheit der Christenmenschen feiern wir inzwischen nachmittags ein Herbstfest. Wir laden immer einen Freundeskreis ein, in dem niemand einen gläubigen Hintergrund hat. Aus einem Herbstfest wurde dadurch sehr schnell Halloween. Wir verkleiden uns, essen Mumienwürstchen und blau gefärbten Nudelsalat, trinken Bowle und halten Marshmallows ins Feuer. Unsere Kinder laufen durch unsere Wohnsiedlung und sammeln Süßigkeiten ein. Diese Freiheit nach Jahrzehnten, in denen ich beinahe Angst vor einem „solchen Teufelsfest“ hatte, fühlt sich unglaublich an. Und wenn die Kinder abends im Bett liegen und sich bei Jesus für die vielen Süßigkeiten bedanken, dann freue ich mich, dass sie ohne Angst aufwachsen dürfen.

Priska Lachmann

6 bis 10 – Probleme mit Zahlen

Elternfrage: „Unser Sohn (6) tut sich schon in der 1. Klasse mit dem Rechnen sehr schwer. Wir haben gehört, dass es so etwas wie Rechenschwäche gibt. Wie kann man das feststellen? Und was kann man dagegen tun?“

Es gibt Kinder, die bereits im Vorschulalter auffallen, weil sie Probleme mit Zahlen und Mengen haben. In den meisten Fällen werden die Schwierigkeiten beim Rechnen aber erst in der Grundschule deutlich sichtbar. Die betroffenen Kinder rechnen zählend und können Rechenaufgaben nicht erfassen. Wenn es dann über den Zehnerzahlenraum hinausgeht und die Finger nicht mehr ausreichen, um zählend zu rechnen, können sie die Aufgaben meist nicht lösen. Sie haben auch keine Vorstellung davon, ob Acht größer als Fünf ist, denn sie beherrschen den Zahlenstrahl noch nicht.

Diagnose Dyskalkulie

Wenn man bei einem Kind diese massiven Schwierigkeiten mit Zahlen und Mengen beobachtet, sollte man mit dem Kinder- und Jugendarzt darüber sprechen, ob eventuell eine Sehschwäche oder eine Aufmerksamkeitsstörung ursächlich sein können. Ist das auszuschließen, wird der Kinder- und Jugendarzt empfehlen, eine Diagnostik zur Feststellung einer Dyskalkulie (Rechenstörung) bei einem Kinder- und Jugendpsychiater oder einer Psychologischen Psychotherapeutin durchführen zu lassen.

Die Eltern sollten die Lehrkraft für Mathematik über die Diagnose Dyskalkulie informieren und besprechen, wie eine individuelle Förderung des Kindes in der Schule erfolgen kann. Lehrkräfte sollten für eine individuelle Dyskalkulie-Förderung weitergebildet sein, denn es hilft Kindern mit einer Dyskalkulie wenig, wenn sie bei der Förderung nur den Schulstoff wiederholen. Ihnen fehlt ja noch das grundlegende Verständnis für Zahlen und Mengen. Erst wenn die Kinder über eine individuelle Förderung verstanden haben, was sich hinter einer Menge und einer Zahl verbirgt, und sie den Zahlenstrahl beherrschen, ist es möglich, in erste Rechenoperationen einzusteigen. Dazu gibt es gut evaluierte Förderansätze, die zum Einsatz kommen sollten, wie sie in der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung aufgeführt sind.

Keine Matheangst

Wir empfehlen Eltern, möglichst frühzeitig die medizinische Diagnose stellen zu lassen und beim Vorliegen einer Dyskalkulie schnellstmöglich eine Förderung einzuleiten. So bleibt dem Kind unnötiges seelisches Leid erspart und es entwickelt keine „Matheangst“. Wenn das Kind in der Schule keine ausreichende Förderung erhält, sollten Eltern eine außerschulische Förderung einleiten. Auch hier ist eine gute Qualifizierung der Therapeuten entscheidend, um den Kindern nachhaltig zu helfen.

Annette Höinghaus ist Pressesprecherin des BVL – Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie.

 

INFOS UND BERATUNG

Deutschland: Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie www.bvl-legasthenie.de

Beratung unter beratung@bvl-legasthenie.de oder 0228 – 38 75 50 54

Schweiz: www.verband-dyslexie.ch

Österreich: www.schulpsychologie.at

Soziale Netzwerke – gehören Kinderbilder auf Insta und Co?

Soziale Netzwerke laden dazu ein, das eigene Leben mit dem Rest der Welt zu teilen. Dabei stehen Eltern oft vor der Frage: Kann ich ein Bild von meinem Kind posten? Mediencoach Iren Schulz rät zur Vorsicht.

Das Familienleben hält jede Menge aufregende, lustige und besondere Momente bereit. Und weil Eltern sich gern daran erinnern und stolz auf ihre Kinder sind, werden die Erlebnisse mit der Smartphone-Kamera festgehalten und in privaten oder eben auch öffentlichen Communities geteilt. Insbesondere soziale Netzwerke bieten eine Plattform. Auch wenn Eltern positive Gedanken dabei haben, übersehen sie leider, dass solches Bildmaterial im Prinzip für jede(n) zugänglich ist und in falsche Hände geraten kann.

Grundsätzlich muss man sagen, dass digitale Medien wie das Smartphone heute selbstverständlicher Bestandteil des Familienalltags sind und nicht nur bei der Organisation helfen, sondern auch eine Art Erinnerungskiste, Verbindungsschnur und Sammelalbum darstellen. Gleichzeitig ist aber die Kindheit eine besonders schützenswerte Lebensphase. Wir als Erwachsene tragen die juristische und erzieherische Verantwortung dafür, dass Kinder sicher und gut aufwachsen können.

Das Recht am eigenen Bild

Juristisch gesehen ist das zum Beispiel darüber geregelt, dass auch Heranwachsende ein Recht am eigenen Bild haben. Weil sie aber noch nicht selbst über die Veröffentlichung entscheiden können, sind Eltern gefragt, hier besonders sensibel und sorgsam zu entscheiden. Denn sicher ist, dass Kinderfotos im Netz das Risiko für unerwünschte Kontakte oder eine problematische Weiterverwendung bergen. Deshalb sollten sich Eltern gut überlegen, ob und auf welche Art und Weise sie Kinderfotos im Netz und in sozialen Netzwerken verbreiten.

Öffentlich zugängliche Profile, Portale und Programme sind dafür nicht geeignet. Wenn Bilder veröffentlicht werden, sollten Kinder auf diesen Fotos nicht direkt erkennbar sein, sondern beispielsweise nur im Anschnitt, von hinten oder mit Sonnenbrille. Außerdem ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Fotos keine Kontextinformationen wie personenbezogene Daten zum Kind, Standortdaten oder Ähnliches enthalten. Zudem sollten Eltern regelmäßig die Sicherheits- bzw. Privatsphäre-Einstellungen in ihren Social-Media-Profilen überprüfen. Fotos von Kindern in peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen Situationen sind absolut tabu!

Gute Routinen und Regeln

Mit dem Älterwerden sollten Heranwachsende in die Entscheidung einbezogen und gefragt werden, ob sie einverstanden sind, dass ein Foto von ihnen erstellt und geteilt wird. Kinder haben nicht nur ein gutes Bauchgefühl, sondern eben auch ein Recht darauf und lernen so, bewusst und souverän mit den Möglichkeiten digitaler Medien umzugehen. Hierbei ist auch noch einmal die Vorbildrolle von uns Erwachsenen angesprochen. Wenn wir uns verantwortungsvoll mit und in digitalen Medien bewegen, gute Routinen und Regeln in der Familie etablieren und auch mal ohne Smartphone zum Ausflug antreten, wird es eher gelingen, diese Handlungsweisen an unsere Kinder weiterzugeben. Und mal ehrlich: Ist nicht jeder Ausflug und jedes Erlebnis schöner, wenn die Familie mit allen Sinnen – und nicht mit allen Bildschirmen – dabei ist?

Dr. Iren Schulz ist Mediencoach bei der Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“