Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

Wieder zu Hause einziehen?

„Unser Sohn (26) muss aus seiner WG ausziehen, hat es aber nicht rechtzeitig auf die Reihe bekommen, sich etwas Neues zu suchen. Nun will er übergangsweise wieder bei uns wohnen. Wir nutzen sein Zimmer inzwischen als Arbeitszimmer. Ich finde, dass er sein Leben auch allein bewältigen können muss. Kann ich ihm das so sagen?“

Kinder ins Leben zu begleiten, ist manchmal eine echte Herausforderung. Ihre Frage ist eine von vielen Fragen, die Eltern erwachsener Kinder beschäftigt. Aber seien Sie sicher, dass Gott uns Kinder nicht zugemutet, sondern zugetraut hat.

Unser Erziehungsziel ist es, unsere Kinder in ein selbstständiges und verantwortungsvolles Erwachsenenleben zu begleiten. Dies haben Kinder in der Regel zwischen 18 und 20 Jahren gelernt. Hier hat auch die elterliche Einflussnahme ihren endgültigen Punkt erreicht. Wir bleiben Eltern und auf dieser Ebene verbunden, jedoch nun auf einer anderen Augenhöhe. Das bedeutet auch, dass jeder für sein Leben selbst verantwortlich ist und es eigenständig gestaltet. Wie können Sie also mit der Situation umgehen?

SEIEN SIE GASTFREUNDLICH!

Als eines unserer Kinder mit 19 Jahren plötzlich vor der Tür stand, weil es aus verschiedenen Gründen kein Zuhause mehr hatte, mussten wir ihm deutlich machen, dass sein ehemaliges Kinderzimmer aus Kostengründen untervermietet war und wir keinen dauerhaften Platz in der Wohnung hatten. Aber wir halfen natürlich bei der Wohnungssuche und nahmen das inzwischen erwachsene Kind vorübergehend als Gast auf. Dazu war es notwendig, dass unser Wohnzimmer für diese Zeit als Gästezimmer und Wohnzimmer umgestaltet werden musste.

Nehmen Sie doch Ihren Sohn ebenso als „Gast“ auf. Als Christen sollen wir gastfreundlich sein. Dazu hat Jesus uns aufgefordert. Aber ein Gast ist eben nur vorübergehend in unserem Haus. Sprechen Sie offen über Ihre Erwartungen. Sprechen Sie auch darüber, dass dies eine andere Situation ist als noch vor Jahren, als Sie eine andere Verantwortung für das Leben Ihres Sohnes hatten. Das Kind lebt nicht mehr in der gewohnten Eltern-Kind- Beziehung. Arbeiten Sie auch daran, dass Sie als Ehepaar gemeinsam agieren und sich einig sind.

ABSPRACHEN SCHON BEIM AUSZUG

Um Konflikte oder böse Überraschungen bereits vorab zu vermeiden, fragen Sie ihr Kind, wenn es auszieht, ob es okay ist, nach seinem Auszug das ehemalige Kinderzimmer neu einzurichten und einer neuen Funktion zuordnen zu dürfen. Finden Sie einen Abschluss. Als unsere Kinder auszogen, haben wir mit jedem von ihnen eine Abschiedsfeier gemacht. Wir luden das Kind zu einem besonders schönen Restaurantbesuch ein und sprachen miteinander. In diesem Gespräch fragten wir auch, wo wir als Eltern Fehler gemacht haben, ob wir ungerecht empfunden wurden und ob es zwischen uns etwas zu bereinigen gibt. Wir sprachen auch über die neue Situation und machten deutlich, dass sowohl für das Kind als auch für uns nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Sabine und Siegbert Lehmpfuhl haben vier Kinder im Alter zwischen 34 und 41 Jahren und sind Team.F-Regionalleiter.
Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com