Zu viel Zeit für PC und Co?

„Meine Tochter (16) hängt nachmittags gern am PC ab und hat deshalb weniger Zeit für Freunde im ‚real life’. Auch befürchten wir, dass sie abends nicht zum Abschalten kommt. Nun wollen wir nicht einfach nur reglementieren. Wie können wir sinnvoll helfen?“

Der Medienkonsum ist ein echter Dauerbrenner für viele Familien. Auch wir Wendels sind hier oft an unsere Grenzen gekommen, hatten mehr Fragen als Antworten, fühlten uns überfordert.

MEINUNGEN ANHÖREN

Um dennoch zu einer Meinung zu finden, haben wir wiederholt Freunde gefragt: „Wie macht ihr das eigentlich?“ Da gab es dann das breite Spektrum von: „Lasst die einfach selbst entscheiden. Teens finden schon ihren Weg.“ Bis hin zu anderen Eltern, die klare Grenzen setzen, Zeiten vorgeben oder Jugendschutz-Programme installieren, damit die PC-Zeiten nicht ausufern. Mit beiden Extremen waren wir nicht ganz glücklich.

INDIVIDUELL ENTSCHEIDEN

Ihren Beobachtungen spüre ich ab, dass Sie bereits genau merken, wo die Knackpunkte im Leben Ihrer Tochter liegen könnten: Echte Begegnungen und gute Entspannung sind für Teens wirklich wesentlich. Vielleicht können Sie im Gespräch weg vom PC-Thema kommen, hin zu diesen beiden Fragen? Vielleicht können Sie ganz partnerschaftlich aus Ihrem eigenen Leben erzählen, wie Sie versuchen, sich Zeit für Begegnung und andere Entspannungsmöglichkeiten einzurichten? Darf Ihre Tochter sogar spüren, wie die Eltern an dieser Stelle ringen?

EIGENVERANTWORTUNG HERVORLOCKEN

Ich möchte Sie ermutigen, noch einen weiteren Schritt zurückzutreten, um in Ihrer Frage aus dem Abstand heraus sinnvoll helfen zu können: Welche großen Ziele verfolgen Sie zurzeit bei Ihrer Sechzehnjährigen? Eins meiner Erziehungsziele bei meinem Teenie (16) ist, ihn zur Eigenverantwortung anzuregen. So haben wir ihm in ähnlichen PC-Fragen unsere Ideen mitgeteilt: PC-freie Zone bei den Hausaufgaben, beim Essen und 45 Minuten vor Schlafenszeit. Da wir aber unseren Teenie nicht jederzeit kontrollieren wollen und können, haben wir klargestellt, dass ohne seine Mithilfe, seine Einsicht, sein Wollen unsere Tipps ins Leere laufen werden. Wir haben ihn gebeten, mal eine Weile zu notieren, wie viel Zeit er am PC verbringt, damit er merkt, wohin seine Zeit fließt. Wir nennen ihm je nach Alter auch eine tägliche Zeit, die wir für vertretbar halten und fragen nach seiner Meinung dazu. Er weiß, dass wir insgesamt ein Auge auf ihn haben, ihn also nicht einfach verwahrlosen lassen. Auch haben wir ihn über Suchtgefahren informiert. Aber wir machen ebenfalls deutlich: „Bewahren können wir dich nicht vor den negativen Folgen, wie Stress durch zu viel PC-Konsum, vernachlässigte Beziehungen oder Abhängigkeiten. Du musst selber mitmachen wollen und Verantwortung übernehmen.“

GROSS WERDEN

Ich gebe zu, dass ich das gewagt von uns fand. Aber: Unser Teenie ist dadurch gewachsen. Er hat die Not und Sorge gespürt, die wir als Eltern empfinden. Er hat aber auch Vertrauen empfunden. Ihre Tochter wird vielleicht noch zwei Jahre bei Ihnen leben. Dann muss sie ganz allein mit dieser Herausforderung klarkommen. Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Gesprächsfaden miteinander – bei diesem und anderen Themen – nie abreißt.

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