„Das Bad hab ich geputzt!“

Wie man kleine Helfer motiviert

Die Mithilfe der Kinder im Haushalt ist ein Thema, bei dem Traum und Wirklichkeit oft weit auseinander klaffen. Wie schafft man es, Kinder zu kleineren und größeren häuslichen Arbeiten zu bewegen? Und warum sollen Kinder überhaupt mithelfen?

• Kinder erkennen und akzeptieren dadurch, dass bestimmte Tätigkeiten – auch wenn diese lästig, unangenehm oder eintönig sind – verrichtet werden müssen. Dies ist in unserer Spaß- und Freizeitgesellschaft nicht selbstverständlich!
• Die Kinder lernen: Das Zusammenleben in Gemeinschaft funktioniert nur dann, wenn alle ihren Teil beitragen.
• Die kindliche Mitarbeit entlastet nicht nur die Eltern, sondern stärkt vor allem das Selbstbewusstsein der Kinder. Erfahrungen wie: „Den Fruchtsalat habe ich alleine gemacht!“, „Das Bad habe ich geputzt!“, „Ich habe den Schnee in der Einfahrt weggeschaufelt!“ vermitteln den Kindern: Ich schaffe das!
• Die übertragenen Aufgaben lassen Kinder ihre eigenen Fähigkeiten und Begabungen erkennen und entwickeln. Im Haushalt lernen sie, Pläne zu machen, nach Vorgaben zu arbeiten und bestimmte Abläufe zu verrichten.
• Wenn Kinder mithelfen, bemerken sie bald: Mama und Papa gewinnen Zeit, um mit ihnen zu reden, zu spielen und Spaß zu haben. Es ist daher wichtig, dass Eltern die gewonnene Zeit nicht ausschließlich für ihre eigenen Interessen verwenden, sondern in erster Linie für die Beziehung zu ihrem Kind.

Was tun?

Eines steht fest: Die zu erledigenden Aufgaben müssen dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen. Dieser kann von Kind zu Kind sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Ab dem Grundschulalter können Kinder ihr Bett selbst machen, eigenständig Einkäufe erledigen, kleinere Mahlzeiten zubereiten, aufräumen, kurzzeitig auf jüngere Geschwister aufpassen, im Garten und rund ums Haus mithelfen, Schuhe putzen, das Badezimmer und die Toilette reinigen und die Küche in Ordnung bringen.

Wie motivieren?

Ob Kinder bereit sind, in Haus und Garten mitzuhelfen, hängt unter anderem davon ab, wie früh sie an die Hausarbeit herangeführt wurden. Auch die Familienatmosphäre spielt eine wichtige Rolle. Wird das Kind stets für seine Arbeit kritisiert? Kann es der Mutter nie etwas recht machen? Neigt der Vater zu besserwisserischen Belehrungen, wenn das Kind einen Fehler macht? Eltern, die diese drei Fragen mit „Ja“ beantworten müssen, dürfen sich nicht wundern, wenn das Kind keine Lust hat mitzuhelfen.

Es gibt kein Zaubermittel für die freiwillige Mitarbeit der Kinder – speziell im späten Grundschulalter. Sehr wohl gibt es eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit, wenn die Eltern selbst eine positive Einstellung zur Arbeit im Haushalt haben. Wer ständig über die Arbeit jammert, bekommt dies von seinen kleinen „Spiegelbildern“ umgehend präsentiert!

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Manche Familien führen mit ihren Kindern hin und wieder einen Arbeits-Relax- Tag durch. Genau in dieser Reihenfolge: Zuerst die notwendigen Arbeiten gemeinsam verrichten, dann ein leckeres Essen bestellen oder kochen und gemeinsam spielen und Spaß haben. So lernen Kinder schon früh: Arbeit und Freizeit gehören zum Leben dazu. Oder wie es schon in der Bibel zu lesen ist: „Ein Mensch kann nichts Besseres tun, als die Früchte seiner Arbeit zu genießen“ (Buch Prediger, Kapitel 3, Vers 22).

Roswitha Wurm arbeitet als Lern-, Legasthenie- und Dyskalkulietrainerin und lebt mit ihrer Familie in Wien.

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