„Ich schaff das nicht!“

 „Mein Sohn (13) leidet vor Prüfungen enorm. Wie kann ich ihm helfen?“

Die Mathearbeit steht an, und alles ist wie auf Knopfdruck da: schlechter Nachtschlaf, der Kloß im Hals, Zittern, Durchfall, Herzrasen, das Brett vorm Kopf – der totale Blackout. Auch wenn die Reaktionen individuell unterschiedlich ausfallen: Prüfungssituationen können, je nachdem, welche Vorerfahrungen Kinder gemacht oder was sie auch nur darüber gehört haben, die gleichen Symptome wie reale Bedrohungen auslösen. Das ist für Erwachsene oft nicht (mehr) nachvollziehbar, aber logische Argumente richten kaum etwas aus. Hilfreicher ist dann eher eine emotionale Unterstützung.

Verstehen

Wenn Ihr Kind spürt, dass es mit seinen Gefühlen ernst genommen wird, ist schon viel gewonnen. Denn oft merkt es selbst, dass seine Wahrnehmung nicht angemessen ist. Dann schaden Sätze wie „Prüfungen sind doch gar nicht so schlimm!“ oder „Was du nur hast!“, weil sie den Druck verstärken und Schamgefühle produzieren. Lassen Sie sich von Ihrem Kind genau erklären, wie es ihm geht. Fragen Sie, welche Unterstützung es sich von Ihnen wünscht.

Stärken

Häufig sitzt das Problem im Kopf. Negative Erwartungen erfüllen sich leider oft von selbst, weil das Kind dann nicht mehr auf seine Fähigkeiten zurückgreifen kann – und eine bestätigende schlechte Erfahrung macht. Diese Abwärtsspirale kann mit positiven Gegenstimmen durchbrochen werden. Erinnern Sie glaubhaft und konkret an seine Fähigkeiten, an die gute Vorbereitung (die gelaufen sein sollte) und auch an Prüfungen, die schon ein Erfolg waren. Üben Sie mit Ihrem Kind, innerlich einen positiven Dialog zu führen, sobald sich die Negativstimmen wieder melden. Vielleicht mögen Sie diese stärkenden Sätze als Mutmacher aufschreiben und ihm am Tag der Prüfung auf den Frühstücksteller, in die Federmappe oder die Lunchbox legen?

Fantasieren

Wenn man sich vorstellen kann, dass etwas schlecht laufen wird, kann man sich auch vorstellen, dass etwas gut laufen wird. Helfen Sie Ihrem Kind, sich die Prüfungs situation so positiv wie möglich auszumalen. Das kann gute Gefühle auslösen – und die helfen wiederum, mit freierem Kopf in die Prüfung gehen und das Gelernte abrufen zu können. Sowieso hilft alles, was gute Laune hervorruft: an den persönlichen Wohlfühlort denken, sich selbst im Spiegel zuzwinkern, den Lieblingssong auf dem Schulweg hören …

Entspannen

Mag Ihr Kind kräftige Umarmungen? Dann drücken Sie beide fest zu. Denn Nähe wirkt oft tröstend, und die bewusste körperliche Anspannung macht die Muskelentspannung danach angenehm spürbar und kann dazu beitragen, Nervosität zu lösen.

Feiern

Denken Sie sich etwas Schönes für Ihr Kind aus, wenn die Prüfung geschafft ist – und feiern Sie, unabhängig vom Ergebnis, die Tatsache, dass es sich seinen Ängsten gestellt hat. Dafür verdient es jede Menge Anerkennung.

Aufpassen

Sollte sich allerdings der Leidensdruck des Kindes vor Prüfungen über längere Zeit hinweg verfestigen oder gar verstärken, ist professionelle Hilfe ratsam, um Entlastung zu schaffen. Denn auch, wenn das manchmal unmöglich scheint: Es gibt ein sorgenfreieres Schulleben!

Annette Penno ist LernCoach und Lerntherapeutin und erarbeitet mit Schülern, Studenten und Berufstätigen Stresslösungen in eigener Praxis. www.lernraum-luebeck.de

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