Jedes Kind ist kreativ

„Mein Sohn (4) hat meistens keine Lust zu malen oder zu basteln. Wie kann ich seine Kreativität wecken?“

Das wünschen wir Eltern uns so oft: kreative Kinder mit vielen Ideen, die gekonnt und künstlerisch umgesetzt werden. Doch nicht alle Kinder verlieren sich unmittelbar in kreativen Prozessen. Manche sagen gar, sie könnten nicht malen. Dies sollten Sie als Eltern zunächst wahr- und annehmen. Nicht jeder Mensch ist gleich, auch nicht in seinem Drang nach kreativem Schaffen. Allerdings ist dieser in jedem Menschen verankert! Und es ist wichtig, ihn zu wecken und nicht verkümmern zu lassen.

DER PROZESS IST WICHTIGER ALS DAS ERGEBNIS

Der Ursprung des Wortes „kreativ“ hat keinen direkten Zusammenhang mit Bastelwerken. Kreativ sein bedeutet: schöpferisch sein, etwas erschaffen. Das können auch neuartige Denkweisen und originelle Lösungen sein. Wenn Ihr Kind zum Beispiel mit Lego neue Gebäude kreiert, einen Zollstock in eine Angel verwandelt, Melodien erfindet oder eine Idee hat, wie man einen traurigen Freund aufmuntert, so ist auch das eine Form von Kreativität. Auch macht es Sinn, den Blick darauf zu lenken, warum Ihr Sohn scheinbar keine Lust hat zu malen. Vielleicht denkt er, er könne es nicht gut genug. Da hilft es, aus der Bewertungsfalle herauszutreten. Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um die Freude am Ausdruck. Nicht das Produkt Bild steht im Mittelpunkt, sondern der Prozess, Farben zu nutzen und Spuren zu hinterlassen. Ihr Sohn kann dadurch wieder Selbstvertrauen entwickeln und Zufriedenheit gewinnen. Bieten Sie verschiedene Materialien an: Stifte, Pinsel, Flüssigfarben, Fingerfarben, Wachsmalblöcke … Beobachten Sie, welche Materialien Ihr Kind mag und welche nicht. Malen kann man auch prima mit Rasierschaum auf einer unifarbenen Wachst ischdecke, mit einem Stöckchen im Sandkasten oder mit dem Finger auf einer beschlagenen Scheibe. Bleiben Sie mit Ihrem Kind neugierig und spielerisch! So können Sie auch Bilder mit Stoffen oder Naturmaterialien legen oder mit Knete Gebilde gestalten. Ermöglichen Sie Ihrem Kind immer wieder verschiedene Zugänge, wenn es sich ergibt.

WERTVOLLE IDEEN

Spannend wird es auch, wenn Sie Ihr Kind nach seinen Ideen fragen oder es bei Vorhaben mit einbeziehen: „Ich brauche deine Hilfe: Ich würde gerne einen Apfel gestalten. Wir könnten ihn aus Pappmaché herstellen oder aus Tonkarton. Was würde dir mehr Freude machen? Was brauchen wir dafür?“ So verbringen Sie wertvolle Zeit miteinander und suchen gemeinsam nach Ideen und Lösungen. Feinmotorik und Ausdauer werden auch gestärkt. Immer wieder äußern Kinder aus eigenem Antrieb Ideen. Nehmen Sie solche Impulse schnell auf und setzen sie um – auch wenn es nicht perfekt ist. Man muss nicht erst in den Bastelladen gehen. Suchen Sie gemeinsam nach Möglichkeiten der Umsetzung, zum Beispiel, indem Sie Alltagsdinge oder Altpapier miteinbeziehen. Das Kind erfährt: „Meine Idee ist wertvoll, das wird ‚mein Werk‘.“ Viel Freude beim Malen, Werkeln, Basteln, Experimentieren, Tüfteln …

Sonja Krebs ist Erzieherin und Heilpädagogin und Inhaberin des Ateliers MalRaum (www.atelier-einmalig.de). Sie ist verheiratet, Mutter von zwei Jungs und lebt in der Nähe von Bonn.

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