Spielpause

„Meine Tochter (4) macht neuerdings keinen Mittagsschlaf mehr. Da ich mich aber selbst gern ausruhe, wenn unser Baby mittags schläft, würde ich gern eine Mittagspause einführen, in der sie allein in ihrem Zimmer spielt. Wie bekomme ich das hin?“

Zunächst einmal: Ihr Wunsch nach einer Pause für sich ist absolut richtig und gesund. Sie befinden sich in einer fordernden Lebensphase, in der Sie von Ihren Kindern stark gebraucht werden. Eine unterschätzte Form der elterlichen Fürsorglichkeit ist nämlich die Selbstfürsorge. Die sollte im Tages-Rhythmus jeder Mutter und jedes Vaters in irgendeiner Form stattfinden. Ein Schläfchen am Mittag ist ein tiefes Luftholen und Energieschöpfen vor dem Nachmittagsprogramm mit all seinen Herausforderungen. Es ist erwiesen, dass eine kurze Ruhephase am Mittag Stress abbaut, Kreativität fördert und sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt. Dabei ist es egal, ob Sie nur ein bisschen vor sich hindösen oder ein kurzes Power-Napping von 20 Minuten einschieben.

SELBSTSTÄNDIG WERDEN
Ihre Tochter zu einer eigenen Mittagspause anzuleiten hat nichts mit „Abschieben“ zu tun, sondern kann eine große Chance sein, Selbstständigkeit zu erlernen und sich von Mamas Rockzipfe zu lösen. Also bitte kein schlechtes Gewissen! Jedes Kind ist mit vier Jahren bereits in der Lage, alleine zu spielen. Manche tun sich leichter, andere muss man erst behutsam hinführen.

MITTAGSPAUSEN-TIPPS:
Beginnen Sie langsam. Setzen Sie sich anfangs das Ziel, dass Ihre Tochter zehn Minuten in ihrem Zimmer bleibt. Bei Erfolg können Sie den Zeitraum schrittweise ausdehnen. Ein Kind kann allerdings Zeit noch nicht selber messen, deshalb ist es hilfreich, zum Beispiel eine Hörspiel-CD mit mehreren kurzen Geschichten anzuschalten. Anfangs darf das Kind nach einer Geschichte die Mittagspause beenden, dann nach zwei, drei und mehr, bis man bei einer Dauer von einer halben oder dreiviertel Stunde ist. Gestalten Sie das Kinderzimmer einladend. Beseitigen Sie das gröbste Chaos. Kinder können sich schlechter auf ein Spiel einlassen, wenn zu viel herumliegt. Dann sind sie schnell überfordert und wir Eltern wundern uns, warum sie sich langweilen, obwohl sie doch „alles haben“. Manchmal hilft es auch, jeden Tag einen Korb mit Beschäftigungen zu füllen, der nur für die Mittagspause gedacht ist. Da dürfen Bücher, Bausteine, Autos, Tiere, Knete, Malbücher und -stifte oder Puppen hinein. Für manches Kind ist es spannend, was Mama heute hineingepackt hat! Wenn ein Kind nicht auf den Korb anspringt, dann kann man den Maltisch mit frisch gespitzten Stiften und Papier ausstatten, eine Kiste mit dem Lieblingsspielzeug auf den Boden stellen oder ein paar Bücher ins Kuscheleck legen. Es wird Tage geben, an denen sich Ihre Tochter gerne auf eine Mittagspause einlässt. Aber es wird auch diese Tage geben, an denen sie alle zwei Minuten zu Ihnen stürmt. Das hängt einfach von ihren jeweiligen Bedürfnissen und Stimmungen ab. Lassen Sie sich davon nicht irritieren, bleiben Sie geduldig, liebevoll und bestimmt. Morgen ist die Chance zu einem weiteren Versuch!

 

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