Schrei- und Trotzanfälle

„Als Mutter eines Säuglings (2 Monate) und eines Kleinkinds (2 Jahre) werde ich oft mit Gefühlsausbrüchen konfrontiert. Mein Baby hat die typischen ‚Schreiphasen‘ und mein Zweijähriger ist im Trotzalter. Wie kann ich in diesen Situationen entspannt bleiben?“

Überlegen Sie zunächst, ob veränderbare Ursachen für das Verhalten Ihres Kindes vorliegen. Bei Ihrem Baby sollten Sie an Folgendes denken:

  • Reizüberflutung: Gibt es zu viele Termine oder aufregende Situationen?
  • Zu wenig Schlaf/zu kurze Schlafphasen: Kleine Babys brauchen alle ein bis zwei Stunden ein Schläfchen, ab einem Alter von vier bis fünf Monaten sind mindestens zwei bis drei Tagesschläfchen nötig. Dabei sollte wenigstens eines nicht kürzer als eineinhalb Stunden sein. Unterstützend wirken können sanfte Veränderungen der Einschlafsituation und homöopathische Mittel – nach Rücksprache mit dem Kinderarzt.
  • Verdauungsprobleme: Gegen Blähungen und Bauchschmerzen können pflanzliche Arzneimittel helfen. Einige Babys haben auch Unverträglichkeiten, zum Beispiel auf Kuhmilch. Bei Ihrem trotzenden Kleinkind können Sie ebenfalls überprüfen, ob bestimmte Situationen eine Überforderung darstellen, Schlafmangel vorliegt oder Grenzen unklar sind. Manchmal sind solche Ursachen aber nicht zu finden. Schließlich ist das Trotzen ein normaler, gesunder Teil der Identitätsentwicklung.

SCHREIEN BEFREIT

Säuglinge nutzen das Schreien gelegentlich, um Stress zu verarbeiten. Alles ist neu für sie und einiges verwirrend. Das Schreien kann helfen, die Anspannungen abzubauen. Deshalb sollten Sie sich von dem Druck befreien, dass Ihr Kind das Schreien schnellstmöglich einstellt. Stattdessen empfiehlt es sich umzudenken: „Wenn du etwas loswerden musst, weine ruhig. Ich halte dich im Arm.“ Weil Babys stark auf unsere Körpersprache reagieren, setzen dort die sogenannten Emotionellen Ersten Hilfen an. Ihr Ziel ist es, dass Eltern lernen, entspannt zu bleiben und so für das Kind ein sicherer Hafen zu sein.

METHODEN DER EMOTIONELLEN ERSTEN HILFEN

Bauchatmung: Atmen Sie tief in den Bauch ein (Gedanke: „Ich atme Ruhe ein“) und dann ganz lange aus (Gedanke: „Ich atme allen Stress aus“). Ruhebilder: Stellen Sie sich einen Ort vor, wo es ganz ruhig und friedlich ist. Innere Helfer: Stellen Sie sich Personen vor, die unterstützend da sind und Ruhe und Kraft vermitteln (Gott, Eltern, Partner …) Neben diesen Methoden können Sie individuelle Entspannungshilfen finden, zum Beispiel Gebete, Hörbücher oder Musik über Kopfhörer. So können Sie das Baby halten, ihm das Weinen erlauben und sich selbst beruhigen. Auch Trotzanfälle können Sie so begleiten – sofern Körperkontakt möglich ist. Möchte das Kind in Ruhe gelassen werden, können Sie die Hilfen trotzdem nutzen, um selbst entspannt zu bleiben.

Melanie Schüer und ihr Mann haben zwei Kinder (5 und 1). Sie ist freie Autorin, Erziehungswissenschaftlerin und bietet (Online-)Beratung bei Schrei- und Schlafproblemen von Babys und Kleinkindern (www.neuewege.me).

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