„Mama, halt dich da raus!“

Wie Eltern Teens (trotzdem) bei ihren Freundschaften unterstützen können

„Und – was macht Anne so?“ Auf meine harmlose Frage reagiert meine Tochter mit Augenrollen und einem Knurren „Mamaaaaa, halt dich raus …“ Schon länger ist die Freundschaft zu Anne ein Thema. Was vorher ein fester Anker in ihrem Leben war, wird nun zu einem Trümmerfeld. Meine Tochter fühlt sich unverstanden, durch Gesten und Themen der kurzen Treffen ausgeschlossen. Es herrscht Funkstille. Und ich? Ich hätte so viele Tipps: anrufen, liebe Briefchen schreiben, eigene Themen vorschlagen.

Wenn Teens Freunde suchen, hat dies mehr Ebenen als bei Grundschulkindern. Sie suchen Gleichdenkende, Bestätiger, Anfeuerer, Teamkollegen durchs stürmische Leben. Nicht immer entwickelt sich eine Beziehung so, dass es den Teens die Mühe wert ist, diese Freundschaft zu pflegen. Und nicht immer haben Eltern bei Freundschaften den Eindruck, dass sie die Fähigkeiten des Kindes fördern. Nicht selten fühlen sich Eltern also herausgefordert, in die Freundschaften der Teens einzugreifen.

Lob ausschütten

Eltern können Teens bei ihren Freundschaften helfen, indem sie Worte für eigene Krisen und Beziehungskämpfe finden. So kann Mama in einer entspannten Situation von dem Zickenkrieg mit Sandra erzählen, die immer die angesagten Outfits trug. Und davon, wie einsam sie war, bis Wencke in ihr Leben trat. Dabei ist es gut, sich an die Facetten der eigenen Gefühle zu erinnern.

Wenn Eltern das Selbstwertgefühl ihres Kindes stärken, kann es in Freundschaften schneller durchblicken, ob sie ihm gut tun. Eltern sollten zum Beispiel Lob ausschütten über die Orientierung suchende Teenagerseele. Sie sollten ihrem Teenager eine Rückmeldung zu seinem Verhalten geben: „Ich finde toll, wie sorgfältig du über das Geschenk für Lene nachdenkst!“ Oder: „Ich wäre gern dein Freund, du kannst Geheimnisse super für dich behalten.“

Kommt es zum Klagen und zu bitterbösen Beschwerden über Freunde, sind Eltern gefragt, erwachsen zu handeln. Sie sollten nicht in das Klagen einstimmen, nach dem Motto: „Ja, stimmt. Tims Eltern sind mir auch suspekt. Unmöglich, wie die ganze Familie sich verhält. Und hast du die Sofakissen gesehen?“ Das klingt jetzt humorvoll und überspitzt – ist aber leider Realität. Damit das Kind reifen kann, ist es nötig, Fragen zu stellen: „Was denkst du, warum hat Tim das getan?“, „Was ärgert dich am meisten?“, „Wie kannst du Tim das erklären?“

Respekt!

Teens nehmen wahr, wie verschieden Familien miteinander leben: Der eine darf selbstverständlich auf das Konzert, der andere nicht. In einer Familie gibt es keine festgelegten Fernsehzeiten, in der andere dürfen Teens am Wochenende nicht außer Haus. Eltern sollten ihren Teens helfen, Respekt für die Lebensform und die Familienentscheidungen ihrer Freunde zu entwickeln. Sie müssen nicht alles verstehen und bejahen, aber den anderen darin leben lassen.

Teens reiben sich an ihren Eltern und sollen das auch tun. Auch beim Thema Freundschaften. Ich habe für die Anne-Thematik unendlich viele Vorschläge gemacht – zu viele. An der Reaktion meiner Tochter merke ich: Sie muss lernen, ihre Gedanken auszudrücken. Ich kann nicht ihr Textansager sein. Sie darf Freundschaften betrauern und ehrlich mit sich sein.

Gerne stelle ich meine Möglichkeiten zu Verfügung: Fahrdienste, meine Küche, meine Zeit. Ich habe aber gelernt: Auch wenn ich Anne als Freundin für mein Kind geliebt habe, habe ich nun kein Recht diese Freundschaft zu erzwingen.

Eine Lektion für uns beide …

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und arbeitet im Gemeindejugendwerk Südwest, um Mitarbeiter für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auszubilden. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

Illustration: Thees Carstens

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