Mobbing-Täter

„Mit Erschrecken habe ich erfahren, dass mein Sohn (13) einen Mitschüler mobbt. Was kann ich tun?“

Diese Nachricht hat Sie bestimmt sehr getroffen. Ich kann mir vorstellen, dass Sie diverse Gefühle erleben, dass Sie erschrocken sind und schockiert. Vielleicht plagen Sie Schuldgefühle, und Sie fragen sich, ob Sie in ihrer Erziehung etwas falsch gemacht haben. Oder Sie können sich gar nicht vorstellen, dass Ihr Kind so etwas getan haben könnte und sind empört über die Anschuldigung. Ich lade Sie als Eltern ein, diese Information ernst zu nehmen und sich mit Ihrem Sohn auf den Bearbeitungsprozess einzulassen. Ihr Sohn braucht Sie als klare Positionseinnehmer, die ihm gegenüber äußern, dass Sie Mobbing gegen Mitschüler vollkommen tabu finden. Und er braucht Sie als Unterstützung und als Halt, als Eltern, deren Liebe auch jetzt gilt.

KONKRETE SCHRITTE
Gehen Sie offensiv auf Klassenlehrer und Schulleiter zu. Suchen Sie das Gespräch, und bitten Sie darum, dass die Schule sich um die Klasse kümmert. Wenn in einer Klasse Mobbing geschieht, sind alle daran beteiligt, selbst die, die sich passiv verhalten haben. Die Klasse braucht Hilfe. Die wird von Schulpsychologen oder von externen Beratern angeboten. Machen Sie deutlich, dass Sie nicht wollen, dass Ihr Kind an den Pranger gestellt wird. Ein guter Berater sucht mit der Klasse nach Gründen, weshalb es zu einer Mobbing-Situation gekommen ist. Manchmal sind es ganz banale Gegebenheiten in der Vergangenheit, die erst in einem Beratungsprozess zutage kommen. Bleiben Sie mit den Lehrern im Dialog und lassen Sie sich einbinden in das, was die Schule unternimmt.

KLARE POSITION
Wenden wir den Blick nun weg von der Klasse hin zu Ihrem Sohn. Sprechen Sie mit ihm! Treten Sie in einen Dialog! Das bedeutet, dass Sie weder einen moralischen Vortrag halten noch dass Sie ein Kreuzverhör eröffnen. Machen Sie Ihre Meinung deutlich, äußern Sie Ihr B efinden, schildern Sie Ihre Gefühle. Weinen Sie, toben Sie, seien Sie authentisch. Machen Sie Ihre Position in Sachen Mobbing deutlich! Vielleicht legen Sie Ihrem Kind eine Grundhaltung nahe, mit der Jesus mal die gesamte Heilige Schrift zusammengefasst hat:„Behandelt die Menschen so, wie auch ihr von ihnen behandelt werden möchtet.“ Diese gut verständliche Maxime kann Ihrem Sohn Orientierung für sein Handeln geben. Fragen Sie ihn, was er davon hält. Und hören Sie Ihrem Kind zu. Fragen Sie ihn, was ihn bewogen hat, so zu handeln. Welche Frustration liegt dahinter, welche Wut? Wie ist sein Selbstwertgefühl? Ist er eher unsicher, oder hat er eine übersteigerte Vorstellung von sich selbst? Wie geht es Ihrem Kind in der Schule, welche Bedürfnisse hat es dort?

KEINE VORWÜRFE
Richten Sie den Blick auch auf sich selbst: Erkennen Sie sich in der Mobbing-Situation wieder? Haben auch Sie schon andere Menschen erniedrigt oder sind selbst erniedrigt worden? Sprechen Sie als Eltern miteinander, und klären Sie Ihre Haltung. Spenden Sie sich gegenseitig Trost, und ziehen Sie sich nicht zurück. Vermeiden Sie Vorwürfe an den Ehepartner, und gönnen Sie sich Zeiten der Erholung. Gehen Sie offensiv mit dieser Situation um, das wird Ihnen allen guttun. Ich wünsche Ihnen alles Gute und hoffe, dass Sie bald als Familie feiern können, diese Herausforderung und Krise gemeistert zu haben!

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