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Artikel aus den Heften

LEGO-Bauwettbewerb: Wer ist Deutschlands kreativstes Kind?

Kreative Kinder-Köpfe gesucht: Lego startet ab dem 1. November seinen alljährlichen Bauwettbewerb „EinStein“. Dabei sollen junge Baumeister und Baumeisterinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ihr Lieblingsmodell aus LEGO Steinen basteln – und zwar ganz ohne fremde Hilfe.

Eine schlaue Erfindung, eine lustige Figur, ein verrücktes Fahrzeug oder ein fantasievolles Zuhause: Jede Idee ist willkommen. Je einfallsreicher die Erfindung, desto besser. Primär geht es dabei nicht um die Größe des Modells, sondern um Originalität.
„Wir möchten Kindern die Möglichkeit bieten, ihrer LEGO Kreativität ohne Vorgaben freien Lauf zu lassen und an einem nationalen LEGO Bauwettbewerb teilzunehmen“, so LEGO-Pressesprecherin Helena Seppelfricke.

Eine Jury bewertet anhand von Kriterien wie Kreativität und Originalität, welches Modell das einfallsreichste ist. Auch das Alter des Baumeisters geht in die Bewertung mit ein. Wichtig ist, dass das Modell allein vom Kind gebaut wird.

Hauptgewinn des Wettbewerbs ist eine Wochenendreise für zwei Erwachsene und zwei Kinder ins LEGOLAND Discovery Centre in Berlin sowie eine Stadtrundfahrt und ein Besuch im Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett. Die Plätze zwei bis fünf gewinnen ein LEGO Produktpaket im Wert von 200 Euro, die Plätze sechs bis zehn erhalten jeweils eine LEGO Uhr.

Ab dem 1. November kann man sich für den LEGO-Wettbewerb anmelden. Dafür muss ein Anmeldeformular ausgefüllt und zusammen mit Photos vom Künstler und dem Modell an LEGO@fischerappelt.de gesendet werden. Einsendeschluss ist der 15.1.2013.

Weitere Informationen und das Anmeldeformular gibt es unter www.EinStein.LEGO.de.

(fabi)

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg 0 0 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-10-30 16:13:292021-04-07 16:47:48LEGO-Bauwettbewerb: Wer ist Deutschlands kreativstes Kind?

Zwischen zwei Geschlechtern

Dr. Ute Buth beantwortet Fragen zur Intersexualität.

Was ist Intersexualität?

Der Duden definiert Intersexualität als „das Vorkommen von männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen in einem Individuum [einer sonst getrenntgeschlechtigen Art]“. Bei der Intersexualität ist die Geschlechtsbiologie uneindeutig. Man kann es auch von der lateinischen Bedeutung her erklären: „Inter“ bedeutet zwischen, Sexus steht für Geschlecht. Intersexualität meint also, dass es um einen „zwischengeschlechtlichen Zustand“ handelt. In der Medizin spricht man auch von Sexualdifferenzierungsstörungen. Intersexuelle Menschen werden je nach Ausprägung der Verschiedenartigkeit auch als Zwitter oder Pseudo- oder echte Hermaphroditen bezeichnet.

Welche Ausprägungen gibt es?

Die Intersexualität kann verschiedene Ursachen haben und dementsprechend ganz unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Deshalb wird sie auch zu verschiedenen Zeitpunkten entdeckt: Manchmal ist sie schon zur Geburt offenkundig oder in der Pubertät setzt die erwartete Körperveränderung nicht wie bei den anderen ein. Bei wieder anderen wird sie erst sehr viel später im Erwachsenenalter entdeckt.

1. Veränderungen der Erbinformationen (Chromosomen): Wenn beim Verschmelzen der männlichen und weiblichen Erbinformation nicht die gängigen 46XY (männlich) oder 46XX (weiblich) entstehen, kann es zur Intersexualität kommen. Auf Grundlage der gängigen oder veränderten Erbinformation entwickeln sich nach der Zeugung bei jedem Menschen im Verlauf der frühen Schwangerschaft die Ausprägungen der jeweiligen Geschlechtsinformation.

2. Fehlende oder veränderte Keimdrüsen, das betrifft beim Mann die Hoden und bei der Frau die Eierstöcke. Sie enthalten die Keimzellen, die wir für die Fortpflanzung brauchen: Samenzellen beim Mann, Eizellen bei der Frau. Veränderungen an den Keimdrüsen können auch als sogenannte „Streifengonaden“ in Erscheinung treten, bei denen die spezielle geschlechtliche Ausbildung und damit die Fortpflanzungsfähigkeit ausbleibt. Es kommen diverse Varianten mit unterschiedlichen klinischen Erscheinungsbildern vor.

3. Ein hormonell verändertes Gleichgewicht bei den Geschlechtshormonen oder ihrer biochemischen Vorstufen kann im Körper eines Menschen zu gegengeschlechtlichen Veränderungen führen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der männliche Behaarungstyp am Körper von Frauen, insbesondere der Bartwuchs (Hirsutismus) oder umgekehrt die Bildung einer Brust beim Mann (Gynäkomastie), wenn zu viele weibliche Geschlechtshormone überwiegen. Achtung: Dies kommt nicht nur bei einer Intersexualität vor, sondern kann auch nur ein Zeichen dafür sein, dass das hormonelle Gleichgewicht verschoben ist. Die Ursachen für eine hormonelle Intersexualität können im Bereich der Niere, der Erbinformation oder der Keimdrüsen liegen.
4. Uneindeutige Geschlechtsorgane als Zeichen der Intersexualität: Ein großer Kitzler bei einem weiblichen Säugling wird gelegentlich mit dem Penis verwechselt oder sehr kleine Hoden mit den Schamlippen.

Wie kommt es dazu, dass das Geschlecht uneindeutig ist?

Zu Beginn des Lebens wird das Geschlecht des neuen Menschen normalerweise durch die Samenzelle des Mannes festgelegt. Zu der Grundausstattung von 46 Erbinformationen (23 von der Frau und 23 vom Mann) kommt die Geschlechtsinformation dazu. Die Frau (Erbinformation 46XX) gibt die Hälfte ihrer Geschlechtsinformation weiter, also ein X. Der Mann (Erbinformation 46 XY) gibt ebenfalls die Hälfte seiner Geschlechtsinformation weiter, also entweder X oder Y. Dazu muss ihre Geschlechtsinformation halbiert werden. Funktioniert bei dieser Reduzierung der vollständigen Erbinformation auf die Hälfte etwas nicht richtig, können statt 46 XX zum Beispiel 45 X0 auftreten. Dies nennt man auch Turner-Syndrom. Oder es bildet sich 47 XXY, das Klinefelter-Syndrom. Doch auch wenn auf Basis der Erbinformationen alles problemlos verläuft, können im weiteren Geschehen zum Beispiel durch falsche oder unvollständige Botenstoffe (Hormone) Eigenschaften ausgebildet werden, die eigentlich zum anderen Geschlecht gehören würden. Das liegt auch daran, dass die grundsätzliche Möglichkeit, männliche oder weibliche Geschlechtsorgane auszubilden, in jedem Menschen als Kernanlage vorliegt. Gemäß seiner Erbinformation bildet sich aber normalerweise auch vermittelt durch Botenstoffe das zu den Erbinformationen passende Geschlecht aus — und das andere Geschlecht wird unterdrückt.

Um einige Beispiele zu nennen: Funktionieren wichtige männliche Botenstoffe nicht am Erfolgsorgan oder werden gar nicht erst gebildet, können bei einem Jungen mit 46 XY weibliche Genitalorgane ausgebildet werden. Liegen aufgrund von Nebennierenstörungen beim Mädchen zu hohe männliche Hormone vor, vergrößert sich der Kitzler und wird nicht selten für einen Penis gehalten (AGS-Syndrom / Adrenogenitales Syndrom).

Wie häufig ist Intersexualität?

Eine konkrete Zahl ist schwer zu ermitteln. Denn je nach Variante/Ursache der spezifischen Veränderung werden einerseits sehr unterschiedliche Häufigkeiten angegeben. Andererseits kommen manche Veränderungen nur sehr selten vor oder werden in ganz unterschiedlichem Lebensalter und nicht umfassend erfasst. So ist es schwer, überhaupt verlässliche Zahlen zu nennen. Alles in allem gibt es Quellen, die von einem intersexuellen Baby auf (500 bis) 5000 Geburten ausgehen. Verschiedene Quellen sprechen von vermuteten ca. 80.000 bis 120.000 Intersexuellen in Deutschland. Eine große Zahl – und doch kennt kaum jemand einen von ihnen persönlich, weil es ein großes Tabu-Thema ist und Betroffene meist in der Familie zum Schweigen angehalten werden – oder sogar selbst nichts von ihrer besonderen Situation wissen.

Ist es besser, das Geschlecht uneindeutig zu lassen, bis das Kind selbst entscheiden kann oder sollten Eltern sich lieber von Anfang an festlegen?
Das ist eine schwierige und sehr komplexe Frage. Denn jede Entscheidung, die man trifft — für oder gegen eine eindeutige Zuordnung — hat Folgen. Zum Beispiel könnte man das Kind mit einer eindeutigen Zuordnung auf ein Geschlecht festlegen, zu dem es sich später nicht zugehörig fühlt. Oder aber es ist bei einer Nicht-Zuordnung Hänseleien oder Unverständnis anderer ausgesetzt, die sich nicht vorstellen können, dass es eine Zwischengeschlechtlichkeit überhaupt gibt. Auch sah das Deutsche Gesetz bis vor kurzem kein uneindeutiges Geschlecht vor. In der Praxis war also bislang eine wie auch immer geartete Zuordnung nötig. Viele Alltagssituationen sind schwierig: Was sagt man Verwandten oder Bekannten? Wer wird in die Information einbezogen und kann damit wie vertrauensvoll umgehen? Melden die Eltern das Kind in der Kita/ Schule als Junge oder Mädchen an? Man denke zum Beispiel auch an nicht zu vermeidende Situationen wie das Umkleiden beim Sportunterricht, Baden, Klassenfahrten etc.
In der Vergangenheit gab es unterschiedliche Strategien: Tatsächlich hat man im 19. Jahrhundert auch in Ermangelung operativer Möglichkeiten das Geschlecht uneindeutig gelassen und Betroffene mit 18 Jahren entscheiden lassen, zu welchem Geschlecht sie sich zugehörig halten wollen. Doch so fortschrittlich wie das klingt, war es nicht in jedem Fall. Betroffene mit auffälliger Intersexualität wurden zum Teil sogar auf Jahrmärkten ausgestellt. Mit Zunahme der Operationsmöglichkeiten gab es dann eine deutliche Bewegung hin zu frühen Entscheidungen und damit Operationen. Technisch war es zudem anfangs leichter, ein weibliches Genital zu formen, was für Jungen mit einem sehr kleinen Genital gravierende Folgen hatte, wenn sie nach einer solchen Operation dann als Mädchen aufgezogen wurden. Hinzu kommt, dass man früher dachte, es sei bei kleinen Kindern noch steuerbar, in welcher Geschlechtszugehörigkeit man sie aufzöge. Außerdem riet man Eltern früher, mit ihren Kindern nicht über die Operation oder deren Intersexualität zu reden. Das hatte nicht selten traumatische Folgen, wenn Kinder an sich Veränderungen wahrnahmen, die aber nicht zu ihrem „Erziehungsgeschlecht“ passten. Inzwischen weiß man, dass das Geschlecht bereits im Mutterleib mit geprägt wird und dass es nicht einfach durch Erziehung veränderbar ist.

Somit ist das frühe medizinische Vorgehen heutzutage umstritten. Denn eine eindeutige Zuordnung, was für das Kind das Beste wäre, ist im Säuglingsalter nicht allumfassend möglich. Und die Zustimmung des Kindes kann man ja noch gar nicht einholen. Mit diesen Fragen befasste sich auch der Deutsche Ethikrat. Als Ergebnis verabschiedete der Bundestag in diesem Jahr ein Gesetz, das am 1. November in Kraft tritt: „Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen.“ (PStG § 22 Abs. 3). Somit ist das Geschlecht auf dem Standesamt offen zu lassen. Da die Eltern bei konsequenter Auslegung des Gesetzes nun auch keine Wahlfreiheit haben, ist das Gesetz auf Kritik gestoßen. Betroffene Eltern stehen so weiterhin vor einer Einzelfallentscheidung und einem Dilemma, in dem sie sehr viel Weisheit brauchen. Denn selbst wenn sie im Interesse ihres Kindes die endgültige Entscheidung offen lassen, können sie nicht steuern, wie verantwortlich und feinfühlig andere mit ihrem Kind umgehen. Wollen sie sich für ein bestimmtes Geschlecht entscheiden, befürchten Kritiker des Gesetzes, sehen sie sich erst recht zu einer Operation gedrängt, um eine vermeintliche Eindeutigkeit zu schaffen. Aber auch damit wissen sie nicht, ob es langfristig die richtige Entscheidung war.

Welche Behandlungen/OPs sind jeweils nötig oder sinnvoll?

Zunächst sollte man bedenken: Behandlungen haben in der Regel das Ziel einer eindeutigen Zuordnung. Damit erschweren sie oder verunmöglichen sie ggf. eine spätere andere Entscheidung des intersexuellen Menschen. Die konkrete Behandlung hängt von der Ausprägung der Symptome und dem gewünschten Ergebnis/Veränderungswunsch ab. Manchmal werden Botenstoffe eines Geschlechts gegeben, die zu spezifischen Körperveränderungen führen. Vielleicht kennt dies der eine oder andere bereits von Nachrichten über geschlechtsumwandelnde Operationen. Vor einem solchen Eingriff erhält der Betroffene schon weit im Voraus die Botenstoffe des anderen Geschlechts. So bildet sich bei Frauen dann Bartwuchs oder ein männlicherer Körperbau, die Muskelmasse nimmt zu, die Stimme wird tiefer … Bei Männern, die weibliche Botenstoffe erhalten, verändert sich der Behaarungstyp, der Bartwuchs verschwindet, die Brust beginnt zu wachsen, die Stimme wird höher. Allerdings lässt sich nicht der Knochenbau nachträglich verändern. Und weibliche Geschlechtsorgane wie Scheide oder Gebärmutter entstehen nicht einfach durch die Gabe von weiblichen Botenstoffen. Hier ist dann die plastische Chirurgie gefragt. Anders als früher sind heutzutage geschlechtsangleichende Operationen grundsätzlich möglich. Sie erschaffen optisch und zum Teil funktionell das andere Geschlecht, können aber keine Keimdrüsen wie Hoden oder Eierstöcke entstehen lassen, sondern allenfalls Hoden optisch nachbilden.

Doch auch dann wenn man eine Operation plant, die keine umfassende Geschlechtsumwandlung bedeutet, sollte man Folgen bedenken. Wird zum Beispiel ein als „zu groß“ empfundener Kitzler des Mädchens verkleinert, operiert man in einem Bereich, der für das sexuelle Lustempfinden zuständig ist. Das kann Folgen für das spätere Sexualleben haben.

Welche körperlichen und seelischen Auswirkungen kann Intersexualität haben?

Auch das ist von Fall zu Fall sehr verschieden und hängt stark von der Ausprägung im Einzelfall ab. Manche Menschen bemerken bis zur Pubertät gar nichts von ihrer Intersexualität, sind dann aber hochgradig irritiert, weil sie sich plötzlich nicht mehr als normal und zugehörig zu ihrer Geschlechtsidentität empfinden. Und das in einer Zeit, in der jungen Menschen auf dem Weg zum Erwachsenen gern möglichst unauffällig im breiten Mittefeld mitschwimmen. Andere fühlen sich ständig anders oder dem ihnen zugedachten Geschlecht nicht zugehörig, leiden unter der Schweigeverpflichtung, die ihnen womöglich auferlegt wurde oder finden erst später heraus, dass ihre Eltern oder Mediziner einmal grundlegende Entscheidungen hinsichtlich ihres Geschlechts getroffen haben. So wie Christiane Völlig, die als Mädchen einen zu großen Kitzler hatte. Die Geburtshelfer interpretierten ihn als Mikropenis und machen sie zum Jungen „Thomas“. Jahrzehntelang fühlte sie sich falsch in diesem Geschlecht. Mit 17 Jahren entdeckte ein Chirurg bei dem vermeintlichen Jungen in einer Blinddarm-Operation Gebärmutter und Eierstöcke. Mit 18 Jahren wurden sie ihr ohne ausreichende Aufklärung entfernt, männliche Botenstoffe wurden verabreicht und damit der Körper weiter vermännlicht. Erst mit weit über 40 Jahren erfuhr sie die ganze Geschichte – und lebt inzwischen nach einem langen Weg als Frau.
Vielen Intersexuellen geht es vor allem deshalb nicht gut, weil sie in einer Gesellschaft leben, in der in zwei einfachen Geschlechtsschubladen gedacht wird, in die sie nun einmal aufgrund ihrer Andersartigkeit nicht so ohne weiteres hineinpassen. Zwar ist die Anlage der Geschlechter von der Schöpfung her schon eindeutig männlich und weiblich gedacht. Aber wir leben in einer Welt, in der Krankheit und veränderte Erbinformationen nun einmal vorkommen. Es ist eine Frage des gesellschaftlichen Bewusstseins, wie wir mit Intersexualität umgehen — und damit auch eine zentrale Frage der Aufklärung. Wenn das Phänomen Intersexualität nicht bekannt ist, führt dies zu viel mehr Irritationen und Ablehnung, als wenn es als eine körperliche Variante dazugehört, von der man weißt, dass sie vorkommt, und dass dies einen feinfühligen Umgang mit dem Betroffenen erfordert. Auch hier gilt wieder der biblische Grundsatz, dass man sich überlegen sollte, wie man selbst in einer solchen Situation behandelt werden wollte oder auch das eigene besondere Kind. „So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“ (Matthäus, 7,12).

Können Intersexuelle Kinder bekommen?

Für viele Intersexuelle ist das nicht oder nicht so ohne Weiteres möglich. Im Einzelfall hängt es von der Ausprägung ihrer Geschlechtsmerkmale/-varianten ab und vor allem davon, ob funktionsfähige Keimdrüsen vorhanden sind oder nicht. Zum Beispiel ob die Frau eine Gebärmutter und funktionsfähige Eierstöcke hat oder ob der Mann funktionsfähige Hoden hat und der Penis zum Geschlechtsverkehr fähig ist. Manchmal kann man auch mit Botenstoffen/Hormonen die Situation so verändern, dass jemand, der intersexuell ist, Kinder bekommen/zeugen kann. Das sollte im Einzelfall genau untersucht werden. Darüber hinaus gibt es im Rahmen der künstlichen Befruchtung zum Teil noch Möglichkeiten, die aber ethische Fragen aufwerfen: Inwiefern beispielsweise eine Eizell- oder Samenspende verwendet werden sollte oder eine Leihmutterschaft in Frage kommt. Vieles davon ist aufgrund der deutschen Gesetzgebung und des Embryonenschutzgesetzes hierzulande auch nicht möglich.

Dr.med. Ute Buth ist Frauenärztin und Weißes-Kreuz-Fachberaterin. Die Sexualberaterin nach DGfS (Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung) leitet die Weißes-Kreuz-Beratungsstelle „herzenskunst“ in Bochum (www.herzenskunst-beratung.de).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg 0 0 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-10-16 16:50:252013-10-16 17:15:29Zwischen zwei Geschlechtern

Ein wenig Freund – ein wenig Eltern

Wie eine ganz besondere Beziehung entstehen kann

„Wenn alles gut geht, dann investierst du gut zehn Jahre in dein Kind, und anschließend hast du einen lebenslangen Freund an deiner Seite.“ So ähnlich habe ich es neulich gelesen. Auf dem Weg zu dieser außergewöhnlichen Freundschaft ist die Pubertät eine besondere Zeit. Im Miteinander mit den Kindern kommt dort beides zum Zug: mein Freundin-Werden und mein Mama-Sein.

Meine Kinder haben mit 13 und 17 Jahren diese Schwelle der „gut zehn Jahre“ bereits überschritten. Ich spüre an vielen Stellen, dass wir langsam Freunde werden. Neulich sitze ich am Küchentisch mit meiner Großen, sie erzählt etwas und plötzlich sagt sie: „Mama, ist was passiert? Du guckst so traurig.“ Eigentlich hatte ich gedacht, ich könne ihr meinen Kummer verheimlichen, aber das ging dann nicht mehr. Mit kurzen Worten konnte ich sie mit hineinnehmen, ihr das sagen, was ich preisgeben wollte. Und sie? Stand auf, drückte mich und sagte ihren Kommentar. Es war das erste Mal, dass mein fast erwachsenes Kind mich in dieser Tiefe getröstet hat. Eine völlig neue Erfahrung!

„Stolz auf dich“

Einige Monate zuvor: Wir sind in unserer alten Heimat, in der ich eine Lesung aus meinen Büchern halte. Mein Sohn macht den Büchertisch. Als alles vorbei ist und wir wieder nach Hause fahren, kommt vom Rücksitz eine Stimme: „Du, Mama, ich bin richtig stolz auf dich!“ Ich schlucke, wende den Kopf nach hinten, ob ich mich vielleicht verhört habe. Denn das ist ja nun nicht das Übliche, was man von einem 13-Jährigen zu hören bekommt. Aber ich habe mich nicht verhört. Selten hat mich ein Lob so beflügelt wie dieses.

Natürlich ist diese Freundschaft anders als meine anderen Freundschaften; das wird vielleicht auch so bleiben. Meine Kinder und mich trennen viele Jahre und auch viele Welten. Aber trotzdem wächst hier ein neues Miteinander, in dem Kinder nicht nur Empfangende sind. Es steht uns als Eltern gut an, wenn wir den neuen Ton bemerken und darauf eingehen. Denn das wünschen sich doch die Teens, wenn sie so auf uns zukommen. Letztlich wird es darum gehen, auf einer neuen Ebene miteinander umzugehen.

Verantwortung übertragen

Trotzdem bin ich natürlich „Mama“ meiner jugendlichen Kinder. Beispielsweise versorgen wir als Eltern unsere Kinder mit dem, was sie brauchen. Vor allem bin ich eine Mama, an der man sich reiben kann: Ich setze Grenzen, wann jemand nach Hause kommen soll oder wie lange die Medien benutzt werden können. Ich möchte Halt geben in so manchen Auseinandersetzungen, die mitunter auch keinen Spaß machen. Ich muss Konsequenzen einfordern, wenn Dinge, die wir besprochen haben, gar nicht gut gelaufen sind.

Außerdem muss ich meinen Teens Verantwortung übertragen: Sie sollen lernen, Termine selbst im Kopf zu behalten oder sich mit Bus und Bahn allein und sicher zu bewegen. Ich möchte sie ermutigen, weil sie vielen Anforderungen gerecht werden müssen in unserer hektischen Welt. Ich möchte sie loben, weil ich immer wieder über ihre Gaben und Eigenschaften staune und mich daran freue.

Einige dieser Mama-Aufgaben machen richtig viel Spaß. Wer genießt es nicht, wenn der eigene Sprössling in einem Konzert Erfolg hat oder einen Gottesdienst super moderiert? Andere Mama- Aufgaben sind nicht so lustig. Die gehören halt dazu.

Manchmal kann ich sie umso leichter ausfüllen, weil ich eben auch das andere miterlebe: Wir werden langsam ein wenig Freunde! Mal sehen, wohin das noch führt …

Kerstin Wendel ist Autorin und Referentin und lebt mit ihrer Familie in Wetter an der Ruhr.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2012/08/beziehung.jpg 865 758 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-09-03 12:25:522014-06-13 11:16:47Ein wenig Freund – ein wenig Eltern

Achtung, Ansteckungsgefahr!

Wie sie sich vor der miesen Stimmung Ihres Teenagers schützen

Wenn in Ihrem Haushalt ein Teenager lebt, haben Sie es bestimmt selbst schon erlebt: ein Wort, eine Frage, ein Auftrag, der falsche Zeitpunkt – irgendetwas kann die Stimmung von null auf hundert vermiesen. Pflegeleichte Kinder werden plötzlich ruppig. Und beide Seiten – Kinder und Eltern – verstehen die Welt und das Verhalten des anderen nicht mehr. In der Pubertät entwickelt sich der Jugendliche nicht nur körperlich; er reift auch in seiner Psyche vom Kind zum Erwachsenen. Das familiäre Zusammenleben – nicht zuletzt die Definition von Grenzen, geforderten Pflichten und erhofften Freiräumen und Privilegien – bietet eine Unsumme von Reibungsmöglichkeiten.

Schrei nach echten Aufgaben

Kinder betrachten lange Zeit unreflektiert die Meinungen, Werte und Glaubensüberzeugung der Eltern als allein gültige Wahrheit. Ich und Du verschmelzen noch häufig zum Wir. Dieses Wir gibt Sicherheit, Halt und Geborgenheit. In der Zeit der Pubertät schält sich das Ich aus dem (Familien-)Wir heraus. Dazu geht der Teenager entlang der elterlichen Grenzen, überschreitet sie, testet die Folgen und definiert seine eigenen Grenzen und Werte. Meistens fallen in diese Phase der Ich-Findung auch wesentliche Entscheidungen bezüglich des beruflichen Werdegangs.

Der Schweizer Psychologe Allan Guggenbühl schreibt in seinem Buch „Pubertät – echt ätzend“: „Zu Beginn der Adoleszenz sind beim jungen Menschen fast alle Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften entwickelt, die ihn als Erwachsenen auszeichnen. […] Sie haben die Kindheit verlassen und wären bereit, sich den Verantwortungen, Pflichten und Herausforderungen des außerfamiliären und außerschulischen Lebens zu stellen.“ Guggenbühl ist überzeugt, dass „die demonstrative Passivität, der coole Auftritt, das Schwatzhafte, das Chaos, die Introvertiertheit und die Disziplinlosigkeit, mit der Jugendliche auffallen“ der Schrei nach echten Aufgaben sind. Er ruft dazu auf, Teenagern Dinge zuzutrauen, an denen sie sich beweisen, wachsen und auch mal die Finger verbrennen können.

So sehr Ihr Teenager sich nach (Selbst-) Verantwortung sehnt, so sehr überfordert ihn diese Aufgabe – kein Wunder also, wenn er von Stimmungsschwankungen und Launenhaftigkeit hin und her geworfen wird. Auch wenn er sich zuweilen wie ein Kaktus anfühlt, lieben Sie ihn und umarmen Sie ihn im richtigen (!) Moment.

Überlebenstipps für „Kakteenbesitzer“:

• Nehmen Sie die Situation nicht persönlich.
• Rufen Sie sich in Erinnerung, dass Ihr Teenager sich von Ihnen lösen muss. Der erste Schritt dazu ist meistens, die Werte der Eltern in Frage zu stellen.
• Gestehen Sie sich und Ihrem Kind ein, dass die Veränderungen, die Ihr Kind momentan durchläuft, für Sie ebenso herausfordernd sind.
• Halten Sie sich vor Augen: auch diese rebellische Phase hat ein Ende. • Erinnern Sie sich an eigene Wünsche und Bedürfnisse: tun Sie sich etwas Gutes. Planen Sie mit Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin kleine Auszeiten als Paar.
• Und: Schmunzeln Sie über die folgende Erkenntnis von Mark Twain – sie könnte auch von Ihrem Teenager stammen: „Als ich 14 war, war mein Vater so dumm, dass ich ihn kaum ertragen konnte. Aber als ich 21 wurde, war ich doch erstaunt, wie viel der alte Mann in sieben Jahren dazugelernt hatte.“

Helena Gysin ist freie Journalistin und lebt mit ihrem Mann und Ihren drei Kindern (20, 18, 15) in Bülach im Zürcher Unterland.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2012/08/kaktus.jpg 388 457 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-09-03 12:18:562014-06-13 11:16:47Achtung, Ansteckungsgefahr!

„Das Bad hab ich geputzt!“

Wie man kleine Helfer motiviert

Die Mithilfe der Kinder im Haushalt ist ein Thema, bei dem Traum und Wirklichkeit oft weit auseinander klaffen. Wie schafft man es, Kinder zu kleineren und größeren häuslichen Arbeiten zu bewegen? Und warum sollen Kinder überhaupt mithelfen?

• Kinder erkennen und akzeptieren dadurch, dass bestimmte Tätigkeiten – auch wenn diese lästig, unangenehm oder eintönig sind – verrichtet werden müssen. Dies ist in unserer Spaß- und Freizeitgesellschaft nicht selbstverständlich!
• Die Kinder lernen: Das Zusammenleben in Gemeinschaft funktioniert nur dann, wenn alle ihren Teil beitragen.
• Die kindliche Mitarbeit entlastet nicht nur die Eltern, sondern stärkt vor allem das Selbstbewusstsein der Kinder. Erfahrungen wie: „Den Fruchtsalat habe ich alleine gemacht!“, „Das Bad habe ich geputzt!“, „Ich habe den Schnee in der Einfahrt weggeschaufelt!“ vermitteln den Kindern: Ich schaffe das!
• Die übertragenen Aufgaben lassen Kinder ihre eigenen Fähigkeiten und Begabungen erkennen und entwickeln. Im Haushalt lernen sie, Pläne zu machen, nach Vorgaben zu arbeiten und bestimmte Abläufe zu verrichten.
• Wenn Kinder mithelfen, bemerken sie bald: Mama und Papa gewinnen Zeit, um mit ihnen zu reden, zu spielen und Spaß zu haben. Es ist daher wichtig, dass Eltern die gewonnene Zeit nicht ausschließlich für ihre eigenen Interessen verwenden, sondern in erster Linie für die Beziehung zu ihrem Kind.

Was tun?

Eines steht fest: Die zu erledigenden Aufgaben müssen dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen. Dieser kann von Kind zu Kind sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Ab dem Grundschulalter können Kinder ihr Bett selbst machen, eigenständig Einkäufe erledigen, kleinere Mahlzeiten zubereiten, aufräumen, kurzzeitig auf jüngere Geschwister aufpassen, im Garten und rund ums Haus mithelfen, Schuhe putzen, das Badezimmer und die Toilette reinigen und die Küche in Ordnung bringen.

Wie motivieren?

Ob Kinder bereit sind, in Haus und Garten mitzuhelfen, hängt unter anderem davon ab, wie früh sie an die Hausarbeit herangeführt wurden. Auch die Familienatmosphäre spielt eine wichtige Rolle. Wird das Kind stets für seine Arbeit kritisiert? Kann es der Mutter nie etwas recht machen? Neigt der Vater zu besserwisserischen Belehrungen, wenn das Kind einen Fehler macht? Eltern, die diese drei Fragen mit „Ja“ beantworten müssen, dürfen sich nicht wundern, wenn das Kind keine Lust hat mitzuhelfen.

Es gibt kein Zaubermittel für die freiwillige Mitarbeit der Kinder – speziell im späten Grundschulalter. Sehr wohl gibt es eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit, wenn die Eltern selbst eine positive Einstellung zur Arbeit im Haushalt haben. Wer ständig über die Arbeit jammert, bekommt dies von seinen kleinen „Spiegelbildern“ umgehend präsentiert!

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Manche Familien führen mit ihren Kindern hin und wieder einen Arbeits-Relax- Tag durch. Genau in dieser Reihenfolge: Zuerst die notwendigen Arbeiten gemeinsam verrichten, dann ein leckeres Essen bestellen oder kochen und gemeinsam spielen und Spaß haben. So lernen Kinder schon früh: Arbeit und Freizeit gehören zum Leben dazu. Oder wie es schon in der Bibel zu lesen ist: „Ein Mensch kann nichts Besseres tun, als die Früchte seiner Arbeit zu genießen“ (Buch Prediger, Kapitel 3, Vers 22).

Roswitha Wurm arbeitet als Lern-, Legasthenie- und Dyskalkulietrainerin und lebt mit ihrer Familie in Wien.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2012/08/haushalt.jpg 441 548 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-09-03 12:08:372014-06-13 11:16:47„Das Bad hab ich geputzt!“

Mücke oder Elefant?

Was im Alltag wirklich wichtig ist

„Wie gut, dass Kinder keine Kuscheltiere sind, die immer nur nett und brav dasitzen, sondern dass sie ihren Willen trainieren und sich mitteilen.“ – Wie oft habe ich diesen Satz wiederholt, wenn Rieky ihr Eis erst in der Hand schmelzen lassen wollte, bevor sie es schlecken konnte. Oder wenn Tarik nicht in sein Bett wollte, „weil jemand seinen Duft weggeschnuppert hat“. Zwischen Routine und Dauerkopfschütteln hatte dann jemand einen Tipp für mich: „Elefant oder Mücke? Entscheide du!“

Ein Elefant ist groß und schwer. Es dauert seine Zeit, bis er seinen Platz verlässt. Was sind Elefantenthemen? Welche Dinge sind mir so wichtig und wertvoll, dass ich sie begleiten und vertiefen möchte, auch wenn es mühsam ist? Eins dieser Elefantenthemen für mich ist das Essen am Tisch. Es ist ein großes Thema, und dafür möchte ich mehrmals täglich trainieren. Und es ist mir den Dauer(ein)satz wert: „Ich möchte mit dir am Tisch sitzen, wenn wir essen!“ Der vorsichtige Umgang mit Spielzeug ist auch so ein Bereich: Für mich erscheint innerlich der Elefant, wenn jemand auf seinen Legosteinen herumläuft oder Bücher achtlos wegwirft. Da reagiere ich deutlich und lasse die Bücher wegräumen.

Wieso geht das nicht?

Und die Mücken? Klingen fast wie „Macken“: Nori, die im Feuerwehranzug den Tag verbringt (und dabei sehr, sehr schwitzt), Antonia, die sich zehnmal umzieht, Silas, der sich eine sehr laute Kreissäge zum Spielen ausdenkt. Im Kindergartenalter hat jedes Kind wechselnde oder begleitende Schrulligkeiten. Sie helfen ihm, der sich stark verändernden Welt und all den neuen Eindrücken die Stirn zu bieten. Der erwachsene Ruf „Das geht doch nicht!“, darf bei Mückenthemen hinterfragt werden. Wieso geht das nicht? Wen stört es, wenn Tinus eine 1A-Baustelle im Garten buddelt? Die Nachbarn, dieeigene innere Ordnung? Wieso darf Lennard nicht einmal in der Wocheseine Gemütlichkeitshose anziehen? Wieso darf Klara nicht sagen, wenn sie nicht mit Dennis spielen will? Da machen wir Eltern schnell aus der Mücke einen Elefanten. Dabei lassen sich oft gute Kompromisse schließen. Nori darf zum Beispiel ihren Anzug gerne zu Hause tragen – wenn sie rausgeht, zieht sie sich um. Eine klare Absprache!

Freundlich in Gummistiefeln

Ich habe viel Kraft beim Erziehen verloren, weil ich dachte, jede kleine Mücke höchstpersönlich verscheuchen zu müssen. Dafür sorgen zu „müssen“, dass meine Kinder nicht schrullig wirken. Irgendwann beim Beobachten der Lebenswirklichkeit der drei Experten habe ich dann gespürt: Wie schön, sie sind speziell, sie sind sie selbst. Unsere Aufgabe als Eltern dabei ist, die Elefanten im Blick zu behalten. Freundlich zu anderen zu sein, geht auch in unpassenden Gummistiefeln.

Eltern sind aufgefordert, miteinander im Austausch zu bleiben: Ist es eine Mücke, dass unsere Tochter so viel allein spielt? Darf unser Kind Gemüse verweigern? Wenn dieses Thema groß wie ein Elefant ist, sollten wir es aktiv und kreativ angehen: zum Beispiel indem wir weiter vielfältig Gemüse essen und an einigen Tagen die süßen Kekse weglassen. Vielleicht machen Sie in den nächsten Tagen ja mal ein Spiel daraus: Schreiben Sie zehn Situationen auf, und diskutieren Sie gemeinsam: Elefant oder Mücke? Bei uns gibt es diesen Dialog auch heute noch.

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und arbeitet im Gemeindejugendwerk Südwest, um Mitarbeiter für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auszubilden. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2012/08/muecke_elefant.jpg 683 407 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-09-03 11:56:502014-06-13 11:16:47Mücke oder Elefant?

„Nele Eis haben!“

Wie Kinder sprechen lernen

Von der Geburt bis zum zweiten Geburtstag rast die Entwicklung der Sprache nur so. Das Kind lernt, die Laute seiner Muttersprache von denen zu unterscheiden, die für seine Umgebung irrelevant sind, und imitiert fortan nur noch diese. Es macht vielfältige Erfahrungen mit seiner Umwelt und speichert sie unter neuen Begriffen ab. Der Begriff „Auto“ kann beispielsweise verknüpft sein mit der Vorfreude, zur Oma gefahren zu werden, mit dem Gefühl des kühlen Metalls der Karosserie an den kleinen Händchen, mit der Farbe blau, mit dem lustigen Ton, der beim Hupen entsteht oder mit dem Vanilleduft des Duftbäumchens. All diese Erfahrungen speichert das Kind unter dem Wort „Auto“ ab.

Wenn es nun viele solcher Wörter in seinem Wortschatz abgespeichert hat und anfängt, die Laute seiner Muttersprache gezielt zu benutzen, setzt es diese Bausteine nach bestimmten Regeln miteinander in Beziehung. Diese Regeln nennen wir Grammatik. Das Kind beginnt, durch Ausprobieren und Imitieren seine aktive Sprache zu entwickeln.

Wenig reden, viel verstehen

Kinder im Alter von zwei Jahren können noch keine vollständigen Sätze mit Haupt- und Nebensätzen bilden. Sie schaffen es jedoch, mehrere wichtige Informationen in einen Mehrwortsatz einzuflechten. Ein Beispiel, das alle Eltern kennen: „Eis haben?“ Das Kind hat die wichtigste Information, das Eis, untergebracht und ist am Ende des Satzes mit seiner Stimme nach oben gegangen, sodass Mama auch versteht, dass es sich hier um eine Frage handelt.

Das Kind hat begonnen, die grammatikalischen Strukturen seiner Muttersprache zu benutzen. Zweijährige Kinder benutzen ungefähr schon 50 Wörter aktiv, verstehen aber deutlich mehr. In den Sätzen benutzen sie ungefähr zwei bis drei Wörter, wobei es noch sein kann, dass das Verb im Aussagesatz am Ende steht und im Infinitiv verwendet wird. Außerdem spricht das Kind von sich selbst oft noch in der dritten Person: „Tim Auto nehmen“. Es kann schon viele Laute bilden, ersetzt aber noch schwierige Laute und Lautverbindungen durch einfachere oder lässt sie aus.

Ist Förderung nötig?

Auffällig ist eine Sprachentwicklung dann einzuschätzen, wenn ein oder mehrere Bereiche nicht altersgemäß entwickelt sind. Das stellen häufig die Kinderärzte bei den Vorsorgeuntersuchungen fest. Am besten kennen Sie als Mutter oder Vater jedoch Ihr Kind. Werden Sie wachsam, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind nicht versteht, was Sie sagen, obwohl es nachweislich gut hört. Wenn es im Vergleich zu Gleichaltrigen nur wenig spricht und im Alter von zwei Jahren deutlich weniger als 50 Wörter aktiv benutzt, beraten Sie sich mit Ihrem Kinderarzt und stellen Sie Ihr Kind an einer Schule zur Sprachförderung oder an der Frühförderstelle zur Beratung vor. Die Experten dort können eine zuverlässige Aussage treffen, ob die Auffälligkeiten behandlungsbedürftig sind.

Für Eltern sogenannter Late-Talker, also der Kinder, die außergewöhnlich spät anfangen zu sprechen, gibt es das „Heidelberger Elterntraining“. Durch den Kurs werden Eltern geschult, die Sprachentwicklung ihrer Kleinkinder bereits sehr früh positiv zu beeinflussen. Denn je früher ein Kind gefördert wird, desto schneller kann es aufholen! Ob eine Logopädin, die Frühförderung an der Schule zur Sprachförderung oder die Frühförderstelle der geeignete Förderort für Ihr Kind ist, legen Sie dann zusammen mit ihrem Kinderarzt fest.

Birgit Wenzel ist Erzieherin und leitet eine Vorklasse an einer Schule zur Sprachförderung.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2012/08/sprechenlernen.jpg 428 608 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-09-03 11:54:382014-06-13 11:16:13„Nele Eis haben!“

4. Deutscher Kinderliedkongress

Wenn „Anne Kaffeekanne“, „Stups der Osterhase“ und der „Popel“ über Toleranz diskutieren. Fredrik Vahle, Rolf Zuckowski und Gerhard Schöne sind nur drei der vielen Künstler, die sich am letzten Septemberwochenende in Hamburg treffen. Zum 4. Kinderliedkongress werden Liedautoren und -interpreten, aber auch Journalisten, Pädagogen, Erzieher und Vertreter der Musikindus-trie aus dem ganzen deutschsprachigen Raum anreisen.

An den drei Kongresstagen wird viel gesungen, aber auch ernsthaft diskutiert – über fachspezifische Fragen wie z.B. das neue Urheberrecht oder veränderte Hörgewohnheiten in Zeiten des Internets. Die Kongressteilnehmer werden sich vor allem mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auseinandersetzen. Kinder – „Lebensanfänger“ – erfahren Lyrik und Musik zuerst durch Kinderlieder. Sie hören – manchmal zum Leidwesen der Eltern – viele Lieder hundert Mal, bis sie sie im Schlaf können, und werden durch sie geprägt. Bereits die vergangenen drei Kinderliedkongresse haben die Verantwortung der Kinderliedschaffenden bewusst ins Zentrum gestellt. Spannende Inhalte von Seminaren und Symposien sind neben vielen anderen: „Kinderlieder aus den verschiedensten Kulturen“, „Lieder über Trauer“ sowie „Lieder mit Gebärden für gehörlose oder schwerhörige Kinder“. Der Kongress knüpft an das Schwerpunktthema „Toleranz“ an, das die evangelische Kirche für 2013 in Vorbereitung des Reformationsjubiläums ausgerufen hat. Dieses Thema ist auch Inhalt des Kinderliedwettbewerbs im Vorfeld der Tagung. Künstler aus dem ganzen deutschsprachigen Raum schicken derzeit ihre besten Lieder zum Thema „Toleranz“ nach Hamburg. Die von der Jury ausgewählten Beiträge werden auf dem bundesweit im Radio ausgestrahlten Eröffnungskonzert des Kongresses vorgestellt. Mit diesem und weiteren Konzerten lädt der Kongress die Hamburger Kinder ein. Eher für die erwachsene Öffentlichkeit ist die Podiumsdiskussion „… sing nicht ihre Lieder – Toleranz und Tabu“ gedacht. Vom 27. bis 29. September ist Hamburg die Hauptstadt des Kinderliedes!

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg 0 0 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-08-27 15:35:582013-08-27 16:13:374. Deutscher Kinderliedkongress

Woche der Familie: Papst nennt Eltern die „ersten Mitarbeiter Gottes“

Anlässlich der „Woche der Familie“ in Brasilien bezeichnete Papst Franziskus Eltern die „ersten Mitarbeiter Gottes“. Ihre Aufgabe sei es, in der heutigen Wegwerfgesellschaft den Wert jedes Lebens von jung bis alt zu vermitteln. Weiterlesen

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg 0 0 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-08-13 12:18:332013-08-13 12:18:33Woche der Familie: Papst nennt Eltern die „ersten Mitarbeiter Gottes“

Umfrage: Kinder sind zu teuer

In Deutschland werden offenbar deshalb so wenig Kinder geboren, weil sie zu teuer sind. Nach einer repräsentativen Umfrage der Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsforschung gaben 67 Prozent an, ein Grund für Kinderlosigkeit seien die hohen Kosten. Weiterlesen

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg 0 0 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2013-08-02 14:58:232013-08-02 15:03:24Umfrage: Kinder sind zu teuer
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