Der Familienalltag könnte so schön sein – wenn er nicht ständig anders wäre, als wir es uns wünschen. Eine Mutter gibt ungeschminkte Einblicke.
Wir sitzen gemeinsam am Esstisch. Jeder irgendwo. Nur keiner dort, wo er eigentlich hingehört. Der eine möchte heute unbedingt auf Papas Schoß sitzen, nicht auf seinem Stuhl. Der andere will lieber unter dem Tisch essen. Und ich sitze kaum, weil ich mich erst um die Folgen des umgekippten Glases kümmere und dann eine neue Wurst aus dem Kühlschrank ziehe, obwohl ich mir geschworen hatte, dass wir erst mal den geöffneten Käse leer essen. Das eine Kind überschreitet unterdessen das von mir gesetzte Wurst-Limit, und das andere hat zwar am Ende des Abends Käse gegessen, aber dafür kein Stück Brot.
Die Abendessenszeit bei uns zu Hause ist eine der unentspanntesten Zeiten am Tag: Die Luft ist gereizt, die Diskussionsbereitschaft groß und die Nerven liegen schon nach dem Tischgebet blank. Wir alle sind müde, keiner hat Kapazität für Gemeinschaft, Gerede und Geschmatze – dennoch kämpfen wir uns immer wieder durch diese 20 Minuten. Warum? Weil eine gemeinsame Mahlzeit am Tag doch zum Familienalltag dazugehört. Weil es andere Familien auch so machen. Weil es sich unnormal anfühlen würde, es nicht zu tun.
Wie ein Spagat
Manches im Familienleben stellt sich als unangenehmer, schwieriger oder unschöner heraus, als wir Eltern uns das zuvor ausgemalt hatten. Manches war vorhersehbar, aber wir waren optimistisch von der besseren Version ausgegangen. Manches hätte keiner von uns voraussehen können. Und manches hat der Zeitgeist mit sich gebracht.
Ich habe mit Familien darüber gesprochen, wovon sie im alltäglichen Familienleben besonders überrascht wurden. Interessanterweise bezogen sich die meisten Antworten auf die Nachmittagsgestaltung der Kinder: Hausaufgaben, Fahrdienste, Hobbystress, aber auch Medienzeit-Diskussionen. Zusammengefasst in dem Gefühl, die Kids nicht einfach hinausschicken zu können, sondern jeden Schritt organisieren und kommunikativ begleiten zu müssen. „Kinder spielen heute nicht einfach draußen, vor allem nicht allein“, schildert Sonja Gera, Mutter von drei Kindern. „Wenn meine Kids nachmittags bei anderen Kindern klingeln, wollen diese oft lieber drinnen bleiben und am Bildschirm hängen. Das erlauben wir unseren Kindern in dem Ausmaß nicht, und dann haben sie niemanden zum Spielen.“
Bei Eltern von vier Kindern schnappe ich auf, wie sehr ihnen die Realitätsklatsche beim Übergang vom Kindergarten in die Schule zugesetzt hat: „Man denkt, die Kinder werden eigenständiger, aber sie brauchen einen noch viel mehr, beispielsweise bei Freundschaftskonflikten oder Sexualthemen.“ Andere Familien spiegeln mir, wie stark ihre Tage von den Regeln anderer Familien beeinflusst werden. Zum Beispiel, wenn die Kinder bei ihren Freunden allein im Kinderzimmer am Handy zocken dürfen, was zu Hause nicht erlaubt ist. Sie beschreiben, dass sich der Alltag wie ein Spagat anfühlt zwischen den eigenen Überzeugungen und dem Feingefühl für Kompromisse, um das eigene Kind nicht zu sehr auszuschließen.
Der Ursprung allen Übels
In meinen Gesprächen erfahre ich auch von richtig großen Hindernissen im Familienalltag: finanzielle Engpässe, Mobbing oder Arbeitslosigkeit beispielsweise. Cindy Greiner, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, sucht eine neue Teilzeitstelle. Sie vergleicht dies mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen und hadert mit der fehlenden Perspektive, die sie für ihr Familienleben hat. Trotzdem – oder gerade deshalb – hat sie eine Strategie entwickelt, sich nicht von den Schwierigkeiten herunterziehen zu lassen: „Ich vergleiche mich schon lange nicht mehr. Ich weiß, dass jede Familie ein individuelles System ist. Lebenswirklichkeiten sind unterschiedlich. Andere Familien haben mit anderen Problemen zu kämpfen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“ Und damit spricht sie etwas an, was ich als den Ursprung allen Übels bezeichnen würde: das Vergleichen.
Ein Großteil der Unzufriedenheit im Familienalltag entsteht durch das Vergleichen mit anderen Familien. Wir vergleichen uns mit der Familie am Ende der Straße, mit den Familien in unseren Gemeinden, mit den Familien auf Instagram und mit denen, die uns in der Werbung anstrahlen. Ich bin ehrlich: Nach einem anstrengenden Abendessen frustriert mich nicht das überschrittene Wurst-Limit, sondern die Annahme, dass es bei allen anderen Familien besser läuft: harmonischer, kommunikativer, mit weniger Streit. Es reicht aus, dass ich ein einziges Mal ein entspanntes Abendessen bei der Familie meiner Freundin miterlebt habe, um zu glauben, dass es bei ihnen immer so lässig abläuft. Ich pauschalisiere und unterstelle, dass alles andere in ihrem Alltag auch entspannter ist. Bestimmt haben sie bessere Betreuungsmöglichkeiten, tollere Schulen, mehr finanzielle Möglichkeiten, ein funktionierendes Nachbarschaftsnetzwerk … Und zack bin ich tief drin im Selbstmitleid.
Trauer oder Selbstmitleid?
Ich will die Schwere im Familienalltag nicht kleinreden, im Gegenteil: Auf Enttäuschung dürfen Tränen folgen. Müssen sie sogar. Insbesondere, wenn es um die großen Enttäuschungen geht. Ich glaube jedoch, dass es einen Unterschied zwischen Trauer und Selbstmitleid gibt. Wer ausreichend trauert, der jammert nicht, sondern findet Worte für das, was schmerzhaft anders läuft, als es geplant war. Selbstmitleid findet diese Worte nicht. Selbstmitleid wiederholt immer nur die Lüge, dass alle anderen Familien es leichter haben. Selbstmitleid deckelt jede Handlungsoption. Auf Trauer kann eine Neuorientierung folgen. Ich sehe nach einer tränenreichen Nacht, in der ich mir meinen Schmerz bewusst gemacht habe, so manches klarer und kann auch besser unterscheiden zwischen dem, was ich nicht ändern kann und dem, was ich verändern kann.
Niemand von uns kann das Schulsystem, die Freunde unserer Kinder, die Medienzeit-Regeln anderer Familien oder die Arbeitsmarktsituation ändern. Aber wir können zwischen Trauer und Selbstmitleid wählen. Wir können uns gegen das Vergleichen entscheiden und das eigene Familiensetting fokussieren. Wir können anfangen, das Leben um die nervigen oder schweren Umstände herum so zu gestalten, dass es zu uns passt. Wir können die kleinen Zwischendurch-Familienmomente deutlicher zu unseren machen. Den Ort und den Zeitpunkt des Abendessens zum Beispiel: „Stullen auf die Hand und raus mit uns!“ Oder die gemeinsamen Minuten während der Autofahrt vom Turnen zum Klavierunterricht. Auf diese Weise werden Enttäuschungen im Familienalltag zu einem Anlass, uns als Familie näherzukommen.
Was uns wichtig ist
Familie Kassebaum hat in ihrem Hausflur Worte wie Großzügigkeit, Respekt und Gebet in einer schönen Schrift eingerahmt. Es sind die Werte der Familie, die einem ins Auge springen, sobald man ihr Zuhause betritt. „Das schriftliche Festhalten unserer Werte erinnert uns immer wieder daran, was uns wichtig ist. Es sind Erinnerungen daran, wofür wir stehen“, erklärt Joyce Kassebaum, Mutter von drei Kindern. Die eigenen Familienwerte zu bestimmen, hilft, klarer zu sehen, was uns als Familie ausmacht, wo der gemeinsame Herzschlag und die Priorisierung im Alltag ist.
Ich bin ehrlich: Wir haben (noch) keine Familienwerte im Flur hängen. Aber ich habe mich auf den Weg gemacht, unser „Wir“ besser kennenzulernen. Dabei habe ich festgestellt, dass unsere Liebessprache nichts mit einem gemeinsamen Abendessen zu tun hat. Die 20 Minuten am Esstisch sind nach wie vor eher ätzend. Aber sie sind uns auch nicht wichtig. Ich habe keinen Anspruch mehr, darin „besser zu werden“. Ich quetsche mich nicht länger in eine idealisierte Abendbrot-Schablone. Die Wurst kommt aufs Brot. Der Käse auch. Hauptsache, jeder wird satt. Danach kümmern wir uns um das, was uns mehr verbindet: den Nachtisch gemeinsam auf dem Sofa naschen zum Beispiel.
Die Autorin möchte anonym bleiben, ist aber der Redaktion bekannt.
So lernen Kinder, gut mit Geld umzugehen
Elternfrage: „Unser Sohn kommt bald in die Grundschule, und wir möchten nun das Taschengeld einführen. Habt ihr Tipps, um Kindern einen guten Umgang mit Geld beizubringen, sodass sie auch verstehen, was Sparen oder Spenden bedeutet?“
Wie schön, dass Sie sich mit dem Thema Taschengeld beschäftigen und das so bewusst angehen. Die Einführung des Taschengeldes ist eine ideale Gelegenheit, um Kindern praktisch zu zeigen, wie Geld im Alltag funktioniert und wie wir damit gut umgehen können. Mit meinem jüngsten Sohn (inzwischen sieben Jahre alt) leben wir seit zwei Jahren ein Taschengeldsystem, das sich aus vier unterschiedlichen Bausteinen zusammensetzt. Er wendet es inzwischen selbstverständlich an, und ich möchte als Anregung erklären, wie das funktioniert.
Münzen auf vier Zwecke aufteilen
Beim Taschengeldsystem darf das Kind sein wöchentliches Geld auf vier Bereiche verteilen:
Warum diese vier Bereiche? Weil Geld im Leben nicht nur für das Ausgeben da ist. Kinder lernen auf diese Weise spielerisch, dass man sich Wünsche erfüllen kann – aber eben nicht alle sofort. Sie verstehen dadurch auch, dass Geld (durch Zinsen) arbeiten kann und dass durch Teilen ein gutes Gefühl entsteht.
Bei uns besteht die Regel, dass das Taschengeld jedes Mal auf alle vier Bereiche aufgeteilt werden muss. Keiner der Zwecke darf ausgelassen werde. Wie viel wohin kommt, entscheidet das Kind jedoch selbst. Bei unserem Sohn hat sich das mit der Zeit stark verändert. In der Anfangszeit floss fast alles in das Portemonnaie. Der Reiz, sich sofort etwas zu kaufen, war am größten. Inzwischen ist das Investieren sein Favorit. Er hat schnell verstanden: Wenn das Geld dort bleibt, wächst es durch die Zinsen, die ich alle drei Monate auszahle. Diese kleinen Zinszahlungen sind nicht nur ein Anreiz, sondern auch ein kindgerechter Einstieg in ein späteres Finanzverständnis: Geld kann arbeiten, sei es später auf dem Tagesgeldkonto oder an der Börse.
Marmeladengläser gestalten
Mein Tipp für den Einstieg ist, dass Sie zunächst mit zwei bis drei Euro pro Woche starten. Damit lässt es sich gut aufteilen und ausprobieren. Kinder lieben es, Geld sichtbar aufzuteilen – aus diesem Grund nutzen wir dafür Gläser. Das funktioniert zum Beispiel mit Marmeladengläsern gut. Verwenden Sie außerdem auch ein Portemonnaie, in welches nur das Geld kommt, welches das Kind nach Lust und Laune ausgeben darf, ohne dass wir Eltern dazwischenfunken. Sie können die Gläser auch gemeinsam gestalten. Das ist kreativ und bringt Gespräche ins Rollen: Wofür sparen wir? Wem könnten wir mit dem Geld helfen? Was bedeutet langfristig? Was sind denn überhaupt Zinsen?
Ja, anfangs wird das meiste Geld vermutlich in Produkte aus dem Süßigkeitenregal investiert werden. Aber genau da steckt das Lernpotenzial. Fehler? Gibt es nicht! Es gibt nur Erfahrungen. Bleiben Sie geduldig mit Ihrem Kind. Das Taschengeld ist ein tolles Übungsfeld für das echte Leben. Wenn Kinder erleben, dass Geld viele verschiedene Aufgaben hat – ausgeben, sparen, vorsorgen, teilen – entwickeln bereits die Jüngsten Stück für Stück einen gesunden und selbstverständlichen Umgang damit. Und das ist in meinen Augen eines der schönsten Geschenke, das wir ihnen fürs Leben mitgeben können.
Deborah Scarpino-Helle ist Mutter von zwei Kindern und Gründerin von „Die Finanzkomplizin“.
Vom Baby-Geschlecht enttäuscht? So entgehen Eltern der Panik
Elternfrage: „Ich bin Mutter von zwei Söhnen und erwarte wieder einen Jungen. Ich bin enttäuscht, weil ich mir ein Mädchen gewünscht habe. Geht das wieder weg?“
Was du gerade erlebst, wird als Gender Disappointment bezeichnet – eine Enttäuschung über das Geschlecht des eigenen Kindes. Du bist damit keineswegs allein. Viele Eltern empfinden in einer vergleichbaren Situation ähnlich, und das ist absolut menschlich. Diese Enttäuschung bedeutet nicht, dass du dein Kind ablehnst oder nicht lieben wirst. Sie ist vielmehr Ausdruck eines inneren Abschieds: der Abschied von einer lang gehegten Vorstellung, wie deine Familie einmal aussehen sollte oder was du dir – bewusst oder unbewusst – erhofft hast.
Was steckt hinter der Enttäuschung?
Hinter der Enttäuschung über das Geschlecht des Kindes liegen oft tiefere, emotionale Themen. Sie kann verborgene Wünsche oder frühere Erfahrungen berühren – etwa die eigene Kindheit, die Beziehung zu Geschwistern und Eltern, gesellschaftliche Erwartungen oder persönliche Träume. Vielleicht wünschst du dir, Mutter einer Tochter zu sein. Die innere Sehnsucht danach hat jedoch mehr mit deiner eigenen Geschichte zu tun hat als mit dem Kind selbst.
Eine Schwangerschaft und die Auseinandersetzung mit dem Geschlecht des Kindes können unbewusst Türen zu solchen biografischen und persönlichen Themen öffnen. Die damit zusammenhängenden Gefühle sind nicht falsch. Im Gegenteil: Sie sind wichtig und verdienen es, gesehen zu werden. Denn nur, wenn wir uns erlauben, diese innere Enttäuschung zu spüren, können wir sie auch loslassen. Der Prozess, den du durchlebst, ähnelt in gewisser Weise einem Trauerprozess – der Trauer um eine Vorstellung, die sich nicht erfüllt hat.
Über Gefühle sprechen
Auch wenn es paradox klingt: Der erste Schritt zur Vorfreude besteht darin, die eigenen unangenehmen Gefühle zuzulassen. Du darfst traurig, enttäuscht, verwirrt oder sogar wütend sein – all das ist erlaubt. Gefühle, die unterdrückt werden, wirken oft im Hintergrund weiter und blockieren das Erleben positiver Emotionen wie Freude, Nähe oder Vorfreude. Viele Eltern berichten, dass sich diese Enttäuschung über das Geschlecht des Kindes im Lauf der Schwangerschaft auflöst. Spätestens dann, wenn sie ihr Kind zum ersten Mal im Arm halten. Häufig entsteht schon vorher eine tiefe Verbindung, wenn man beginnt, das Baby als eigenständige kleine Persönlichkeit wahrzunehmen – jenseits des Geschlechts.
Es ist jedoch auch wichtig zu wissen, dass Gefühle der Enttäuschung nach der Geburt oder in einer anderen Lebensphase noch einmal auftauchen können. Das ist kein Rückschritt, sondern oft ein Zeichen dafür, dass du nun bereit bist, einen weiteren Aspekt anzuschauen, der bisher verborgen war.
Es ist hilfreich, mit vertrauten Menschen wie deinem Partner, engen Freunden oder auch mit Fachpersonen wie Hebammen oder Therapeuten über deine Gefühle zu sprechen. Allein darüber zu reden, kann schon entlastend wirken. Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Es ist okay, Unterstützung zu brauchen und sich Zeit zu lassen.
Liebe bleibt
Die Enttäuschung wird vergehen. Die Liebe wird bleiben und wachsen. Wenn du deine Gefühle annehmen und verstehen kannst, wird sich die Freude auf dein Baby mit der Zeit wieder einstellen. Dein drittes Kind wird einzigartig sein, mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit. Und du wirst es lieben, genauso tief und bedingungslos wie deine beiden anderen Kinder. Du bist eine gute Mutter – auch mit widersprüchlichen Gefühlen. Gerade deine Ehrlichkeit zeigt, wie sehr du dir wünschst, emotional präsent für dein Kind zu sein. Das ist ein wunderschöner Anfang.
Kristin Peukert ist Mutter von vier Jungs und Autorin von „Ein Kleeblatt voll Jungs: Gender Disappointment. Wenn das Wunschgeschlecht nicht kommt“: einkleeblattvolljungs.de
Enttäuscht vom Geschlecht? So können Eltern damit umgehen
Elternfrage: „Ich bin Mutter von zwei Söhnen und erwarte wieder einen Jungen. Ich bin enttäuscht, weil ich mir ein Mädchen gewünscht habe. Geht das wieder weg?“
Was du gerade erlebst, wird als Gender Disappointment bezeichnet – eine Enttäuschung über das Geschlecht des eigenen Kindes. Du bist damit keineswegs allein. Viele Eltern empfinden in einer vergleichbaren Situation ähnlich, und das ist absolut menschlich. Diese Enttäuschung bedeutet nicht, dass du dein Kind ablehnst oder nicht lieben wirst. Sie ist vielmehr Ausdruck eines inneren Abschieds: der Abschied von einer lang gehegten Vorstellung, wie deine Familie einmal aussehen sollte oder was du dir – bewusst oder unbewusst – erhofft hast.
Was steckt hinter der Enttäuschung?
Hinter der Enttäuschung über das Geschlecht des Kindes liegen oft tiefere, emotionale Themen. Sie kann verborgene Wünsche oder frühere Erfahrungen berühren – etwa die eigene Kindheit, die Beziehung zu Geschwistern und Eltern, gesellschaftliche Erwartungen oder persönliche Träume. Vielleicht wünschst du dir, Mutter einer Tochter zu sein. Die innere Sehnsucht danach hat jedoch mehr mit deiner eigenen Geschichte zu tun hat als mit dem Kind selbst.
Eine Schwangerschaft und die Auseinandersetzung mit dem Geschlecht des Kindes können unbewusst Türen zu solchen biografischen und persönlichen Themen öffnen. Die damit zusammenhängenden Gefühle sind nicht falsch. Im Gegenteil: Sie sind wichtig und verdienen es, gesehen zu werden. Denn nur, wenn wir uns erlauben, diese innere Enttäuschung zu spüren, können wir sie auch loslassen. Der Prozess, den du durchlebst, ähnelt in gewisser Weise einem Trauerprozess – der Trauer um eine Vorstellung, die sich nicht erfüllt hat.
Über Gefühle sprechen
Auch wenn es paradox klingt: Der erste Schritt zur Vorfreude besteht darin, die eigenen unangenehmen Gefühle zuzulassen. Du darfst traurig, enttäuscht, verwirrt oder sogar wütend sein – all das ist erlaubt. Gefühle, die unterdrückt werden, wirken oft im Hintergrund weiter und blockieren das Erleben positiver Emotionen wie Freude, Nähe oder Vorfreude. Viele Eltern berichten, dass sich diese Enttäuschung über das Geschlecht des Kindes im Lauf der Schwangerschaft auflöst. Spätestens dann, wenn sie ihr Kind zum ersten Mal im Arm halten. Häufig entsteht schon vorher eine tiefe Verbindung, wenn man beginnt, das Baby als eigenständige kleine Persönlichkeit wahrzunehmen – jenseits des Geschlechts.
Es ist jedoch auch wichtig zu wissen, dass Gefühle der Enttäuschung nach der Geburt oder in einer anderen Lebensphase noch einmal auftauchen können. Das ist kein Rückschritt, sondern oft ein Zeichen dafür, dass du nun bereit bist, einen weiteren Aspekt anzuschauen, der bisher verborgen war.
Es ist hilfreich, mit vertrauten Menschen wie deinem Partner, engen Freunden oder auch mit Fachpersonen wie Hebammen oder Therapeuten über deine Gefühle zu sprechen. Allein darüber zu reden, kann schon entlastend wirken. Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Es ist okay, Unterstützung zu brauchen und sich Zeit zu lassen.
Liebe bleibt
Die Enttäuschung wird vergehen. Die Liebe wird bleiben und wachsen. Wenn du deine Gefühle annehmen und verstehen kannst, wird sich die Freude auf dein Baby mit der Zeit wieder einstellen. Dein drittes Kind wird einzigartig sein, mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit. Und du wirst es lieben, genauso tief und bedingungslos wie deine beiden anderen Kinder. Du bist eine gute Mutter – auch mit widersprüchlichen Gefühlen. Gerade deine Ehrlichkeit zeigt, wie sehr du dir wünschst, emotional präsent für dein Kind zu sein. Das ist ein wunderschöner Anfang.
Kristin Peukert ist Mutter von vier Jungs und Autorin von „Ein Kleeblatt voll Jungs: Gender Disappointment. Wenn das Wunschgeschlecht nicht kommt“.
Ausbildung abbrechen: In 3 Situationen ist das sinnvoll
Unser Sohn hat eine Ausbildung angefangen, aber schon nach zwei Monaten möchte er abbrechen. Meine Frau und ich sind uns uneinig, was wir tun sollen.
Dass es eurem Sohn in seiner Ausbildung nicht gut geht, ist kein Einzelfall. Bei einer Instagram-Umfrage des Online-Portals ausbildung.de gaben 14 Prozent der Jugendlichen an, dass sie mit ihrer Ausbildung unzufrieden seien und sie keinen Spaß mache. Bei mir war das damals ähnlich. Ich habe in meiner Ausbildung als Elektroinstallateur vor vielen Jahren eine Reihe von frustrierenden Erfahrungen machen müssen. Besonders in den ersten Wochen fiel mir die Umstellung vom Schüler-Dasein zum Acht-Stunden-Job schwer.
Das erste Jahr durchhalten
Wie könnt ihr mit eurem Sohn dieses Problem angehen? Zunächst einmal ist es sinnvoll, in einem Gespräch folgende Punkte gemeinsam zu durchdenken:
Ausbildung abbrechen: 3 gute Gründe
Einen sofortigen Abbruch der Ausbildung in den ersten Monaten würde ich nur dann in Erwägung ziehen, wenn
Meine Frau und ich haben vor elf Jahren das Lebenstraum-Jahr gegründet. Das ist ein 10-monatiger Kurs für junge Erwachsene mit den Schwerpunkten Persönlichkeitsentwicklung, Berufsfindung und Bibelschule. Es gab ein paar wenige unserer Teilnehmenden in den letzten Jahren, die den Kurs abbrechen wollten. Wir haben ihnen Mut gemacht, durchzuhalten, und sie haben es geschafft! Einer unserer Werte im Lebenstraum-Jahr heißt deshalb: „Dranbleiben und Durchhalten“. Gerade in der heutigen Zeit, in der wir so viele Möglichkeiten haben, lohnt es sich, trotz mancher Herausforderungen durchzuhalten – denn dadurch wächst innere Stärke.
Stephan Münch gründete gemeinsam mit seiner Frau Hanna im fränkischen Uffenheim das Lebenstraum-Jahr (dein-lebenstraum.com).
So wird die Weihnachtszeit entspannt: 3 Tipps für Familien
Endlich mehr Zeit für das Wesentliche: Mit drei einfachen Ideen wird die Weihnachtszeit für Familien entspannt und besinnlich.
Wer kennt das nicht: Im Dezember rast die Zeit. Mit einem unglaublichen Tempo geht es auf Weihnachten zu. Nachdem der Adventskranz gebunden oder gekauft wurde, die Adventskalender der Kinder gepackt und die Füllungen für die Nikolausstiefel besorgt wurden, findet pro Kind noch mindestens eine Weihnachtsfeier statt. Außerdem muss für das Krippenspiel an Heiligabend geprobt werden, fehlende Weihnachtsgeschenke werden besorgt, und der Weihnachtsbaum wird gekauft und geschmückt. Schließlich stehen der Besuch wenigstens eines Weihnachtsmarkts, das traditionelle Plätzchenbacken und gern noch eine tägliche Adventsandacht mit den Kindern auf dem Programm.
Jahrelang war ich diesem Stress ausgeliefert und an Heiligabend völlig fertig und erschöpft. Im Lauf der Jahre habe ich mir verschiedene Techniken angeeignet, die die Adventszeit deutlich entstressen und mit denen wir als Familie sogar mehr Advents- und Weihnachtsbräuche ausleben können als zuvor. In diesem Artikel stelle ich euch drei davon vor.
Tipp 1: Die 12 heiligen Nächte nutzen
Vor einigen Jahren las ich einen Artikel über die 12 heiligen Nächte – ursprünglich als Rauhnächte mit heidnischem Kontext bekannt, die aber auch einen christlichen Bezug zur katholischen Kirche haben. Da kam mir die Idee, diese Zeit zu nutzen! Warum sollten alle Advents- und Weihnachtsbräuche denn unbedingt noch vor den Heiligabend gequetscht werden, in eine Zeit, in der zusätzlich zu Schule und Kindergarten noch viele extra Termine stattfinden?
Die 12 heiligen Nächte enden am 6. Januar mit der Ankunft der heiligen drei Könige. Die gehören schließlich auch zu Weihnachten und stehen in fast jeder Weihnachtskrippe. Zudem sind in diesem Zeitraum Ferien für die Kinder, und auch die Erwachsenen haben oftmals durch die vielen Feier- und Brückentage frei. Diese 13 Tage (es sind 12 heilige Nächte und somit 13 Tage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar) nutzen wir nun, um die Weihnachtszeit bewusst als Familie erleben zu können. Hierfür haben wir einen „12 heilige Nächte“-Kalender, welcher in der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag aufgehängt wird. Er besteht aus 13 Briefumschlägen, versehen mit 12 Zahlen und einem Stern am Dreikönigstag.
Abwechselnd darf jedes Kind beim gemeinsamen Frühstück einen Umschlag öffnen und erzählen oder vorlesen, was darauf steht. Es ist immer ein kurzer Text und ein dazugehöriges Bild abgebildet. Jeden Tag findet nun ein besonderes Event statt wie Plätzchen backen, den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt besuchen, Schlittschuh laufen, in den Weihnachtszirkus gehen, Schneekugeln basteln oder einen Weihnachtsfilm gucken. Die Kinder lieben diesen Kalender, denn wir verbringen jeden Tag eine besondere intensive Familienzeit miteinander, erleben die Weihnachtszeit sehr bewusst und haben auch Zeit für all die Dinge, welche vor Heiligabend nicht stressfrei in den Kalender gepasst hätten.
Die Kärtchen bereite ich schon im Vorfeld vor, wir benutzen die meisten jedes Jahr wieder. Ich bestücke den Kalender zu Beginn mit den Kärtchen der fest gebuchten Aktivitäten wie Weihnachtszirkus, Kino oder Mittelaltermarkt. Bei Events, die wetterabhängig sind – Schlitten fahren oder Iglu bauen – werden die Kärtchen erst am Vorabend in die Umschläge gesteckt oder entsprechend ausgetauscht, wenn das Wetter nicht mitspielen sollte.
Da ich an Silvester immer Zeit zum Vorbereiten brauche, wird an diesem Tag traditionell das Kärtchen mit dem „Playmobil Arktis Spieltag“ geöffnet. Die Kinder bekommen eine große Kiste mit der Playmobil Arktis-Welt und dem passenden Hörspiel dazu und dürfen damit einen ganzen Tag bauen, hören und spielen. Diese Kiste gibt es ausschließlich an Silvester, und sie wird auch am nächsten Tag wieder weggeräumt. So beschäftigen sich die Kinder ausgiebig damit, und ich kann in aller Ruhe den Silvesterabend vorbereiten und habe meistens auch noch Zeit für einen persönlichen Jahresabschluss.
Tipp 2: Weihnachtsvorbereitungen entzerren
Der nächste Tipp betrifft den Stress, welcher durch die Weihnachtsvorbereitungen entsteht: Da muss die Dekoration aufgehängt, die Weihnachtskrippe aufgebaut, der Tannenbaum gekauft, aufgestellt und geschmückt und das Weihnachtsessen vorbereitet und gekocht werden – und all dies am besten an einem einzigen Tag.
Aber wer sagt denn, dass der Weihnachtsbaum erst an Heiligabend aufgestellt und geschmückt werden darf? Und warum die Weihnachtskrippe nicht schon früher aufbauen? Vielleicht kann man mit den Gewohnheiten der Herkunftsfamilie brechen und eigene Rituale passend für die eigene Familie einführen? Vor wenigen Jahren habe ich diesen Schritt gewagt. Seitdem hat meine Familie viel mehr von der Weihnachtszeit, und ich habe deutlich weniger Stress im Vorfeld und kann entspannt Heiligabend genießen.
Hierzu habe ich alle diese Vorbereitungen auf die verschiedenen Adventswochenenden beziehungsweise Sonntage verteilt. Dekorieren am Sonntag als ganze Familie kann ein tolles und abwechslungsreiches Event und eine schöne Familienzeit sein: So wird die Weihnachtsdekoration am ersten Adventswochenende aufgehängt. Hierbei helfen vor allem die kleineren Kinder fleißig mit. Innerhalb einer Stunde sieht es richtig schön weihnachtlich aus, und wir feiern im Anschluss unsere erste Adventsandacht mit Weihnachtsliedern und Blockflöte, dem ersten Teil eines Weihnachtsgeschichten-Adventskalenders sowie natürlich Punsch und Keksen. Am zweiten Adventswochenende wird die Weihnachtskrippe aufgebaut, und am vierten Advent steht bereits der Weihnachtsbaum, welcher gemeinsam mit den Kindern und passender Weihnachtsmusik geschmückt wird.
Auch richte ich im Vorfeld schicke Kleidung für jedes Kind – für alle drei Feiertage – sodass diese nur noch hineinschlüpfen können und nichts mehr in Eile gewaschen und gebügelt werden muss, bevor der Besuch bei Oma und Opa ansteht. An Heiligabend gibt es bei uns immer Raclette, da dieses auch gut vorbereitet werden kann. So können wir uns, wenn wir vom Gottesdienst kommen, direkt an den gedeckten Tisch setzen und mit dem Weihnachtsessen anfangen.
Tipp 3: Geschützter Familientag
Gerade an Weihnachten geht es um weit mehr als Geschenke, volle Terminkalender und festliche Dekoration – es geht um die Geburt Jesu, um Besinnung und um Gemeinschaft. Mitten im Trubel der Feiertage tut es gut, bewusst innezuhalten und sich daran zu erinnern. Warum also nicht den ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag ganz bewusst als geschützten Familientag einplanen?
Nach den oft aufregenden Tagen mit Vorbereitungen, Besuchen, Gottesdiensten und Programmpunkten darf dieser Tag frei sein von Terminen, Erwartungen und Perfektionismus. Keine Einladungen, keine Gäste, keine Verpflichtungen – stattdessen Zeit nur für die Familie. Vielleicht beginnt der Tag mit einem gemütlichen Frühstück im Schlafanzug, einem gemeinsamen Gebet oder einer kleinen Andacht, um die Weihnachtsbotschaft noch einmal ins Herz sinken zu lassen. Danach bleibt Raum zum Spielen, Spazierengehen oder zum Nichtstun.
Gerade wenn wir bewusst einen Schritt zurücktreten und die Stille zulassen, entsteht Platz für das, was Weihnachten ausmacht: die Freude darüber, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, und die Dankbarkeit für seine Nähe in unserem Alltag. Ein Spaziergang in der Natur kann helfen, diesen Blick zu schärfen – für Gottes Spuren um uns herum und sein Wirken mitten in unserem Leben. So wird Weihnachten nicht nur gefeiert, sondern auch erlebt: als Zeit der Ruhe, des Friedens und der Begegnung mit Gott und miteinander.
Dorothee Tappe ist Diplom-Sozialpädagogin und Bildungsforscherin und Mutter von sechs Kindern. Auf ihrem YouTube-Kanal „Familie(n)leben“ veröffentlicht sie Tipps und Themen zu Familienalltag und Erziehung.
Die Weihnachtszeit entspannt genießen: 3 Tipps für Familien
Endlich mehr Zeit für das Wesentliche: Mit drei einfachen Ideen wird die Weihnachtszeit für Familien entspannt und besinnlich.
Wer kennt das nicht: Im Dezember rast die Zeit. Mit einem unglaublichen Tempo geht es auf Weihnachten zu. Nachdem der Adventskranz gebunden oder gekauft wurde, die Adventskalender der Kinder gepackt und die Füllungen für die Nikolausstiefel besorgt wurden, findet pro Kind noch mindestens eine Weihnachtsfeier statt. Außerdem muss für das Krippenspiel an Heiligabend geprobt werden, fehlende Weihnachtsgeschenke werden besorgt, und der Weihnachtsbaum wird gekauft und geschmückt. Schließlich stehen der Besuch wenigstens eines Weihnachtsmarkts, das traditionelle Plätzchenbacken und gern noch eine tägliche Adventsandacht mit den Kindern auf dem Programm.
Jahrelang war ich diesem Stress ausgeliefert und an Heiligabend völlig fertig und erschöpft. Im Lauf der Jahre habe ich mir verschiedene Techniken angeeignet, die die Adventszeit deutlich entstressen und mit denen wir als Familie sogar mehr Advents- und Weihnachtsbräuche ausleben können als zuvor. In diesem Artikel stelle ich euch drei davon vor.
Tipp 1: Die 12 heiligen Nächte nutzen
Vor einigen Jahren las ich einen Artikel über die 12 heiligen Nächte – ursprünglich als Rauhnächte mit heidnischem Kontext bekannt, die aber auch einen christlichen Bezug zur katholischen Kirche haben. Da kam mir die Idee, diese Zeit zu nutzen! Warum sollten alle Advents- und Weihnachtsbräuche denn unbedingt noch vor den Heiligabend gequetscht werden, in eine Zeit, in der zusätzlich zu Schule und Kindergarten noch viele extra Termine stattfinden?
Die 12 heiligen Nächte enden am 6. Januar mit der Ankunft der heiligen drei Könige. Die gehören schließlich auch zu Weihnachten und stehen in fast jeder Weihnachtskrippe. Zudem sind in diesem Zeitraum Ferien für die Kinder, und auch die Erwachsenen haben oftmals durch die vielen Feier- und Brückentage frei. Diese 13 Tage (es sind 12 heilige Nächte und somit 13 Tage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar) nutzen wir nun, um die Weihnachtszeit bewusst als Familie erleben zu können. Hierfür haben wir einen „12 heilige Nächte“-Kalender, welcher in der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag aufgehängt wird. Er besteht aus 13 Briefumschlägen, versehen mit 12 Zahlen und einem Stern am Dreikönigstag.
Abwechselnd darf jedes Kind beim gemeinsamen Frühstück einen Umschlag öffnen und erzählen oder vorlesen, was darauf steht. Es ist immer ein kurzer Text und ein dazugehöriges Bild abgebildet. Jeden Tag findet nun ein besonderes Event statt wie Plätzchen backen, den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt besuchen, Schlittschuh laufen, in den Weihnachtszirkus gehen, Schneekugeln basteln oder einen Weihnachtsfilm gucken. Die Kinder lieben diesen Kalender, denn wir verbringen jeden Tag eine besondere intensive Familienzeit miteinander, erleben die Weihnachtszeit sehr bewusst und haben auch Zeit für all die Dinge, welche vor Heiligabend nicht stressfrei in den Kalender gepasst hätten.
Die Kärtchen bereite ich schon im Vorfeld vor, wir benutzen die meisten jedes Jahr wieder. Ich bestücke den Kalender zu Beginn mit den Kärtchen der fest gebuchten Aktivitäten wie Weihnachtszirkus, Kino oder Mittelaltermarkt. Bei Events, die wetterabhängig sind – Schlitten fahren oder Iglu bauen – werden die Kärtchen erst am Vorabend in die Umschläge gesteckt oder entsprechend ausgetauscht, wenn das Wetter nicht mitspielen sollte.
Da ich an Silvester immer Zeit zum Vorbereiten brauche, wird an diesem Tag traditionell das Kärtchen mit dem „Playmobil Arktis Spieltag“ geöffnet. Die Kinder bekommen eine große Kiste mit der Playmobil Arktis-Welt und dem passenden Hörspiel dazu und dürfen damit einen ganzen Tag bauen, hören und spielen. Diese Kiste gibt es ausschließlich an Silvester, und sie wird auch am nächsten Tag wieder weggeräumt. So beschäftigen sich die Kinder ausgiebig damit, und ich kann in aller Ruhe den Silvesterabend vorbereiten und habe meistens auch noch Zeit für einen persönlichen Jahresabschluss.
Tipp 2: Weihnachtsvorbereitungen entzerren
Der nächste Tipp betrifft den Stress, welcher durch die Weihnachtsvorbereitungen entsteht: Da muss die Dekoration aufgehängt, die Weihnachtskrippe aufgebaut, der Tannenbaum gekauft, aufgestellt und geschmückt und das Weihnachtsessen vorbereitet und gekocht werden – und all dies am besten an einem einzigen Tag.
Aber wer sagt denn, dass der Weihnachtsbaum erst an Heiligabend aufgestellt und geschmückt werden darf? Und warum die Weihnachtskrippe nicht schon früher aufbauen? Vielleicht kann man mit den Gewohnheiten der Herkunftsfamilie brechen und eigene Rituale passend für die eigene Familie einführen? Vor wenigen Jahren habe ich diesen Schritt gewagt. Seitdem hat meine Familie viel mehr von der Weihnachtszeit, und ich habe deutlich weniger Stress im Vorfeld und kann entspannt Heiligabend genießen.
Hierzu habe ich alle diese Vorbereitungen auf die verschiedenen Adventswochenenden beziehungsweise Sonntage verteilt. Dekorieren am Sonntag als ganze Familie kann ein tolles und abwechslungsreiches Event und eine schöne Familienzeit sein: So wird die Weihnachtsdekoration am ersten Adventswochenende aufgehängt. Hierbei helfen vor allem die kleineren Kinder fleißig mit. Innerhalb einer Stunde sieht es richtig schön weihnachtlich aus, und wir feiern im Anschluss unsere erste Adventsandacht mit Weihnachtsliedern und Blockflöte, dem ersten Teil eines Weihnachtsgeschichten-Adventskalenders sowie natürlich Punsch und Keksen. Am zweiten Adventswochenende wird die Weihnachtskrippe aufgebaut, und am vierten Advent steht bereits der Weihnachtsbaum, welcher gemeinsam mit den Kindern und passender Weihnachtsmusik geschmückt wird.
Auch richte ich im Vorfeld schicke Kleidung für jedes Kind – für alle drei Feiertage – sodass diese nur noch hineinschlüpfen können und nichts mehr in Eile gewaschen und gebügelt werden muss, bevor der Besuch bei Oma und Opa ansteht. An Heiligabend gibt es bei uns immer Raclette, da dieses auch gut vorbereitet werden kann. So können wir uns, wenn wir vom Gottesdienst kommen, direkt an den gedeckten Tisch setzen und mit dem Weihnachtsessen anfangen.
Tipp 3: Geschützter Familientag
Gerade an Weihnachten geht es um weit mehr als Geschenke, volle Terminkalender und festliche Dekoration – es geht um die Geburt Jesu, um Besinnung und um Gemeinschaft. Mitten im Trubel der Feiertage tut es gut, bewusst innezuhalten und sich daran zu erinnern. Warum also nicht den ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag ganz bewusst als geschützten Familientag einplanen?
Nach den oft aufregenden Tagen mit Vorbereitungen, Besuchen, Gottesdiensten und Programmpunkten darf dieser Tag frei sein von Terminen, Erwartungen und Perfektionismus. Keine Einladungen, keine Gäste, keine Verpflichtungen – stattdessen Zeit nur für die Familie. Vielleicht beginnt der Tag mit einem gemütlichen Frühstück im Schlafanzug, einem gemeinsamen Gebet oder einer kleinen Andacht, um die Weihnachtsbotschaft noch einmal ins Herz sinken zu lassen. Danach bleibt Raum zum Spielen, Spazierengehen oder zum Nichtstun.
Gerade wenn wir bewusst einen Schritt zurücktreten und die Stille zulassen, entsteht Platz für das, was Weihnachten ausmacht: die Freude darüber, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, und die Dankbarkeit für seine Nähe in unserem Alltag. Ein Spaziergang in der Natur kann helfen, diesen Blick zu schärfen – für Gottes Spuren um uns herum und sein Wirken mitten in unserem Leben. So wird Weihnachten nicht nur gefeiert, sondern auch erlebt: als Zeit der Ruhe, des Friedens und der Begegnung mit Gott und miteinander.
Dorothee Tappe ist Diplom-Sozialpädagogin und Bildungsforscherin und Mutter von sechs Kindern. Auf ihrem YouTube-Kanal „Familie(n)leben“ veröffentlicht sie Tipps und Themen zu Familienalltag und Erziehung.
Enttäuscht vom Familienalltag: Eine Mutter berichtet
Der Familienalltag könnte so schön sein – wenn er nicht ständig anders wäre, als wir es uns wünschen. Eine Mutter gibt ungeschminkte Einblicke.
Wir sitzen gemeinsam am Esstisch. Jeder irgendwo. Nur keiner dort, wo er eigentlich hingehört. Der eine möchte heute unbedingt auf Papas Schoß sitzen, nicht auf seinem Stuhl. Der andere will lieber unter dem Tisch essen. Und ich sitze kaum, weil ich mich erst um die Folgen des umgekippten Glases kümmere und dann eine neue Wurst aus dem Kühlschrank ziehe, obwohl ich mir geschworen hatte, dass wir erst mal den geöffneten Käse leer essen. Das eine Kind überschreitet unterdessen das von mir gesetzte Wurst-Limit, und das andere hat zwar am Ende des Abends Käse gegessen, aber dafür kein Stück Brot.
Die Abendessenszeit bei uns zu Hause ist eine der unentspanntesten Zeiten am Tag: Die Luft ist gereizt, die Diskussionsbereitschaft groß und die Nerven liegen schon nach dem Tischgebet blank. Wir alle sind müde, keiner hat Kapazität für Gemeinschaft, Gerede und Geschmatze – dennoch kämpfen wir uns immer wieder durch diese 20 Minuten. Warum? Weil eine gemeinsame Mahlzeit am Tag doch zum Familienalltag dazugehört. Weil es andere Familien auch so machen. Weil es sich unnormal anfühlen würde, es nicht zu tun.
Wie ein Spagat
Manches im Familienleben stellt sich als unangenehmer, schwieriger oder unschöner heraus, als wir Eltern uns das zuvor ausgemalt hatten. Manches war vorhersehbar, aber wir waren optimistisch von der besseren Version ausgegangen. Manches hätte keiner von uns voraussehen können. Und manches hat der Zeitgeist mit sich gebracht.
Ich habe mit Familien darüber gesprochen, wovon sie im alltäglichen Familienleben besonders überrascht wurden. Interessanterweise bezogen sich die meisten Antworten auf die Nachmittagsgestaltung der Kinder: Hausaufgaben, Fahrdienste, Hobbystress, aber auch Medienzeit-Diskussionen. Zusammengefasst in dem Gefühl, die Kids nicht einfach hinausschicken zu können, sondern jeden Schritt organisieren und kommunikativ begleiten zu müssen. „Kinder spielen heute nicht einfach draußen, vor allem nicht allein“, schildert Sonja Gera, Mutter von drei Kindern. „Wenn meine Kids nachmittags bei anderen Kindern klingeln, wollen diese oft lieber drinnen bleiben und am Bildschirm hängen. Das erlauben wir unseren Kindern in dem Ausmaß nicht, und dann haben sie niemanden zum Spielen.“
Bei Eltern von vier Kindern schnappe ich auf, wie sehr ihnen die Realitätsklatsche beim Übergang vom Kindergarten in die Schule zugesetzt hat: „Man denkt, die Kinder werden eigenständiger, aber sie brauchen einen noch viel mehr, beispielsweise bei Freundschaftskonflikten oder Sexualthemen.“ Andere Familien spiegeln mir, wie stark ihre Tage von den Regeln anderer Familien beeinflusst werden. Zum Beispiel, wenn die Kinder bei ihren Freunden allein im Kinderzimmer am Handy zocken dürfen, was zu Hause nicht erlaubt ist. Sie beschreiben, dass sich der Alltag wie ein Spagat anfühlt zwischen den eigenen Überzeugungen und dem Feingefühl für Kompromisse, um das eigene Kind nicht zu sehr auszuschließen.
Der Ursprung allen Übels
In meinen Gesprächen erfahre ich auch von richtig großen Hindernissen im Familienalltag: finanzielle Engpässe, Mobbing oder Arbeitslosigkeit beispielsweise. Cindy Greiner, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, sucht eine neue Teilzeitstelle. Sie vergleicht dies mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen und hadert mit der fehlenden Perspektive, die sie für ihr Familienleben hat. Trotzdem – oder gerade deshalb – hat sie eine Strategie entwickelt, sich nicht von den Schwierigkeiten herunterziehen zu lassen: „Ich vergleiche mich schon lange nicht mehr. Ich weiß, dass jede Familie ein individuelles System ist. Lebenswirklichkeiten sind unterschiedlich. Andere Familien haben mit anderen Problemen zu kämpfen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“ Und damit spricht sie etwas an, was ich als den Ursprung allen Übels bezeichnen würde: das Vergleichen.
Ein Großteil der Unzufriedenheit im Familienalltag entsteht durch das Vergleichen mit anderen Familien. Wir vergleichen uns mit der Familie am Ende der Straße, mit den Familien in unseren Gemeinden, mit den Familien auf Instagram und mit denen, die uns in der Werbung anstrahlen. Ich bin ehrlich: Nach einem anstrengenden Abendessen frustriert mich nicht das überschrittene Wurst-Limit, sondern die Annahme, dass es bei allen anderen Familien besser läuft: harmonischer, kommunikativer, mit weniger Streit. Es reicht aus, dass ich ein einziges Mal ein entspanntes Abendessen bei der Familie meiner Freundin miterlebt habe, um zu glauben, dass es bei ihnen immer so lässig abläuft. Ich pauschalisiere und unterstelle, dass alles andere in ihrem Alltag auch entspannter ist. Bestimmt haben sie bessere Betreuungsmöglichkeiten, tollere Schulen, mehr finanzielle Möglichkeiten, ein funktionierendes Nachbarschaftsnetzwerk … Und zack bin ich tief drin im Selbstmitleid.
Trauer oder Selbstmitleid?
Ich will die Schwere im Familienalltag nicht kleinreden, im Gegenteil: Auf Enttäuschung dürfen Tränen folgen. Müssen sie sogar. Insbesondere, wenn es um die großen Enttäuschungen geht. Ich glaube jedoch, dass es einen Unterschied zwischen Trauer und Selbstmitleid gibt. Wer ausreichend trauert, der jammert nicht, sondern findet Worte für das, was schmerzhaft anders läuft, als es geplant war. Selbstmitleid findet diese Worte nicht. Selbstmitleid wiederholt immer nur die Lüge, dass alle anderen Familien es leichter haben. Selbstmitleid deckelt jede Handlungsoption. Auf Trauer kann eine Neuorientierung folgen. Ich sehe nach einer tränenreichen Nacht, in der ich mir meinen Schmerz bewusst gemacht habe, so manches klarer und kann auch besser unterscheiden zwischen dem, was ich nicht ändern kann und dem, was ich verändern kann.
Niemand von uns kann das Schulsystem, die Freunde unserer Kinder, die Medienzeit-Regeln anderer Familien oder die Arbeitsmarktsituation ändern. Aber wir können zwischen Trauer und Selbstmitleid wählen. Wir können uns gegen das Vergleichen entscheiden und das eigene Familiensetting fokussieren. Wir können anfangen, das Leben um die nervigen oder schweren Umstände herum so zu gestalten, dass es zu uns passt. Wir können die kleinen Zwischendurch-Familienmomente deutlicher zu unseren machen. Den Ort und den Zeitpunkt des Abendessens zum Beispiel: „Stullen auf die Hand und raus mit uns!“ Oder die gemeinsamen Minuten während der Autofahrt vom Turnen zum Klavierunterricht. Auf diese Weise werden Enttäuschungen im Familienalltag zu einem Anlass, uns als Familie näherzukommen.
Was uns wichtig ist
Familie Kassebaum hat in ihrem Hausflur Worte wie Großzügigkeit, Respekt und Gebet in einer schönen Schrift eingerahmt. Es sind die Werte der Familie, die einem ins Auge springen, sobald man ihr Zuhause betritt. „Das schriftliche Festhalten unserer Werte erinnert uns immer wieder daran, was uns wichtig ist. Es sind Erinnerungen daran, wofür wir stehen“, erklärt Joyce Kassebaum, Mutter von drei Kindern. Die eigenen Familienwerte zu bestimmen, hilft, klarer zu sehen, was uns als Familie ausmacht, wo der gemeinsame Herzschlag und die Priorisierung im Alltag ist.
Ich bin ehrlich: Wir haben (noch) keine Familienwerte im Flur hängen. Aber ich habe mich auf den Weg gemacht, unser „Wir“ besser kennenzulernen. Dabei habe ich festgestellt, dass unsere Liebessprache nichts mit einem gemeinsamen Abendessen zu tun hat. Die 20 Minuten am Esstisch sind nach wie vor eher ätzend. Aber sie sind uns auch nicht wichtig. Ich habe keinen Anspruch mehr, darin „besser zu werden“. Ich quetsche mich nicht länger in eine idealisierte Abendbrot-Schablone. Die Wurst kommt aufs Brot. Der Käse auch. Hauptsache, jeder wird satt. Danach kümmern wir uns um das, was uns mehr verbindet: den Nachtisch gemeinsam auf dem Sofa naschen zum Beispiel.
Die Autorin möchte anonym bleiben, ist aber der Redaktion bekannt.
„Mama, ich will keine Kinder“ – So können Eltern mit der Enttäuschung umgehen
Elternfrage: „Meine Tochter (23) meinte neulich, dass sie keine Kinder haben will. Ich bin mit Blick auf mögliche Enkelkinder ein bisschen enttäuscht und frage mich, ob ich ihr das Muttersein so unschön vorgelebt habe. Wie kann ich das ansprechen, ohne ihr Druck zu machen?“
Es geht nicht um die eigenen Lebensziele
Die Tatsache, dass Ihre Tochter ihre Gedanken zum Muttersein geteilt hat, lässt vermuten, dass sie gesprächsbereit ist. Das dürfen Sie nutzen! Um ihr jedoch keinen Druck zu machen, würde ich empfehlen, diese Entscheidung nicht infrage zu stellen, sondern nachzufragen, was Ihre Tochter zu diesen Gedanken bewogen hat. Denn Gedankenspiele ohne den direkten Austausch führen nur zu Spekulationen und schaffen keine echte Klarheit. In einem solchen Gespräch sollte es nicht um Rechtfertigung, sondern um Verständnis gehen: „Was sind deine Beweggründe? Was verbindest du mit dem Muttersein? Was magst du darin nicht?“ All das darf ausgesprochen werden. Je weniger Sie die Gedanken Ihrer Tochter bewerten oder in eine bestimmte Richtung lenken, desto offener können Sie ins Gespräch kommen.
Es scheint sich abzuzeichnen, dass Ihre Tochter Ihnen keine Enkelkinder schenken wird. Ihre Enttäuschung darüber darf sein und auch zum Ausdruck gebracht werden. Aber letztlich können Eltern die Entscheidungen der erwachsenen Kinder nur respektieren. Kinder haben nicht die Aufgabe, die Träume und Wünsche der Eltern zu erfüllen. Deswegen sollte ein Austausch zu diesem Thema nicht das primäre Ziel haben, Einfluss zu nehmen, um die eigenen Lebensziele zu erreichen, sondern um Verständnis zu schaffen. Und wer weiß? Vielleicht kann Ihre Tochter auf der Grundlage dieser Freiheit und durch den ehrlichen Austausch mit Ihnen sogar eine neue Perspektive und ein Ja zur Mutterschaft entwickeln.
Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid und leitet bei team-f den Fachbereich Familie und Erziehung.
Wenn es sich fremd anfühlt
Eltern können eine Entscheidung des Kindes in Themen, die sie grundlegend anders getroffen haben, wie einen unbekannten Gast behandeln. Was bringt dieser Gast mit? Was macht den Schmerz aus? Woher kommt die Enttäuschung? Neugierig und offen können Sie sich selbst Fragen stellen: Was war oder ist so erfüllend an der Elternschaft für mich? Wie hätte mein Leben ohne Kind ausgesehen?
Nach dem „Beschnuppern“ der fremden Entscheidung, dem unbekannten Gast, könnte ein gemeinsames Gespräch mit der Tochter folgen. Dabei hilft ein klarer, unter Umständen bisher unüblicher Gesprächsrahmen: „Ich habe etwas, das ich in Ruhe mit dir besprechen möchte. Hast du in den nächsten Tagen einen Zeitpunkt, der gut für dich ist?“ Außerdem tut es dem gegenseitigen Verständnis gut, den Austausch in eine liebevolle Haltung der Annahme zu kleiden: „Ich nehme deine Aussage sehr ernst. Hilf mir, das besser zu verstehen. Hast du das Muttersein bei mir als belastend erlebt?“ Eltern dürfen dabei auch ehrlich fragen: „Gibt es etwas, in dem dich unser gemeinsamer Weg verletzt hat?“
Jede Antwort des Kindes in diesem Gespräch ist kein Gesetzesentwurf, sondern ein Statement mit dem aktuellen Tagesdatum. Darauf ohne Wertung mit „Ich denke weiter darüber nach …“ oder „Danke, für den Einblick in deine Gedanken“ zu antworten, stärkt das Vertrauen. Es kann helfen, die Akzeptanz für die Entscheidung wachsen zu lassen, bis eine vorsichtige Freundschaft zu dem zuvor fremden Gast entsteht.
Stefanie Diekmann ist Pädagogin, verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern.
Skinfluencer: Wo der Trend zur Gefahr wird
Elternfrage: „Meine Töchter (13,14) schauen sich auf Social Media Videos an, in denen andere Teens, Skinfluencer, teure Pflegeprodukte für die Haut bewerben. Das brauchen Kinder doch gar nicht – oder?“
Immer häufiger fragen mich besorgte Eltern, ob ihre Töchter wirklich schon Anti-Aging-Produkte brauchen. Der Grund: Auf TikTok, Instagram und YouTube präsentieren sogenannte Skinfluencer eine tägliche Hautpflegeroutine – oft mit Produkten, die für deutlich ältere Haut entwickelt wurden. Das wirkt professionell, modern und ist für junge Menschen faszinierend. Aber ist es auch sinnvoll?
Pflegewahn mit 13
Die Antwort ist klar: Nein. Kinder- oder Teenagerhaut kann sich in der Regel selbst versorgen, es sei denn, es liegen Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis, Schuppenflechte oder schwere Akne vor. Aber auch dann sind Ratschläge durch Skinfluencer weniger sinnvoll als der Gang zum Hautarzt. Abgesehen von einem zuverlässigen Sonnenschutz ist in diesem Alter keine aufwendige Pflegeroutine nötig
Im Gegenteil: Viele Anti-Aging-Produkte enthalten Wirkstoffe wie Retinol, Fruchtsäuren oder hochkonzentrierte Hyaluronsäure, die die empfindliche Haut von Jugendlichen reizen oder sogar schädigen können. Unreine Haut, Irritationen oder langfristige Störungen der Hautbarriere sind als Folge möglich – ganz ohne medizinische Notwendigkeit.
DIY-Trends mit Hyaluronsäure
Ich sehe Skinfluencer grundsätzlich nicht als Gefahr, sondern als einen zeitgemäßen Kanal für Aufklärung. Sie können helfen, das Bewusstsein für Hautgesundheit zu schärfen – vorausgesetzt, die Inhalte sind wissenschaftlich fundiert, altersgerecht und sorgfältig geprüft. Was problematisch ist: Wenn komplexe Produkte ohne fachliche Einordnung empfohlen werden oder sogar riskante Behandlungen verharmlost dargestellt werden.
Besonders alarmierend sind DIY-Trends, bei denen sich junge Menschen Hyaluronsäure online bestellen und selbst anwenden – manchmal sogar injizieren. Dabei wird suggeriert, das sei harmlos. Tatsächlich aber kann eine unsachgemäße Anwendung ernste gesundheitliche Schäden mit sich bringen, etwa Gefäßverschlüsse, was zu abgestorbenem Gewebe führen kann. Das ist kein Hautpflege-Hack, sondern grob fahrlässig.
Hautpflege beginnt mit Wissen, nicht mit Influencern
Eltern sollten sich deshalb mit dem Content ihrer Kinder auseinandersetzen. Welche Quellen nutzen sie? Was wird empfohlen und für wen ist es überhaupt gedacht? Es geht nicht darum, jede neue Pflegeroutine zu verbieten, sondern um einen bewussten Umgang mit der eigenen Haut. Meine Empfehlung: Bei Unsicherheiten lieber gemeinsam zum Hautarzt gehen, als sich von Social-Media-Trends leiten zu lassen. Denn Hautpflege ist keine Frage des Hypes, sondern der Gesundheit – und die beginnt mit Wissen, nicht mit Werbung.
Dr. Afschin Fatemi ist Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetischer Medizin sowie Gründer der S-thetic Gruppe.
Ausbildung abbrechen: Ist das wirklich sinnvoll?
Elternfrage: „Unser Sohn (19) hat eine Ausbildung zum Elektroniker angefangen. Schon nach zwei Monaten meint er, das sei nichts für ihn. Er möchte die Ausbildung abbrechen. Meine Frau und ich sind uns uneins. Ich denke, er sollte sich etwas anderes suchen, meine Frau meint, er müsse sich da durchbeißen. Habt ihr einen Rat?“
Dass es eurem Sohn in seiner Ausbildung nicht gut geht, ist kein Einzelfall. Bei einer Instagram-Umfrage des Online-Portals ausbildung.de gaben 14 Prozent der Jugendlichen an, dass sie mit ihrer Ausbildung unzufrieden seien und sie keinen Spaß mache. Bei mir war das damals ähnlich. Ich habe in meiner Ausbildung als Elektroinstallateur vor vielen Jahren eine Reihe von frustrierenden Erfahrungen machen müssen. Besonders in den ersten Wochen fiel mir die Umstellung vom Schüler-Dasein zum Acht-Stunden-Job schwer.
Das erste Jahr durchhalten
Wie könnt ihr mit eurem Sohn dieses Problem angehen? Zunächst einmal ist es sinnvoll, in einem Gespräch folgende Punkte gemeinsam zu durchdenken:
Ermutigt euren Sohn, dranzubleiben. „Wenn du es schaffst, versuche das erste Jahr durchzuhalten. Beobachte die Situation Monat für Monat, wie sie sich entwickelt. Wenn es besser wird, kannst du bleiben. Und wenn es immer schlechter wird, dann ist es wirklich Zeit zu gehen.“
Es ist außerdem hilfreich, eurem Sohn auch von euren eigenen Erfahrungen in der Ausbildung oder im Job zu erzählen. Jede Arbeitsstelle hat ihre Schatten- und Lichtseiten. Die Erfahrung zeigt, dass es oft gut ist, erst einmal durchzuhalten. Hin und wieder ist es jedoch besser, die Reißleine zu ziehen.
Ausbildung beenden, wenn …
Einen sofortigen Abbruch der Ausbildung in den ersten Monaten würde ich nur dann in Erwägung ziehen, wenn die Begabungen überhaupt nicht zur Ausbildung passen, die Atmosphäre in der Firma toxisch beziehungsweise zerstörend ist oder sich die Persönlichkeit des Sohnes durch die Ausbildung stark verändert. Zum Beispiel, wenn er depressiv wird.
Meine Frau und ich haben vor elf Jahren das Lebenstraum-Jahr gegründet. Das ist ein 10-monatiger Kurs für junge Erwachsene mit den Schwerpunkten Persönlichkeitsentwicklung, Berufsfindung und Bibelschule. Es gab ein paar wenige unserer Teilnehmenden in den letzten Jahren, die den Kurs abbrechen wollten. Wir haben ihnen Mut gemacht, durchzuhalten, und sie haben es geschafft! Einer unserer Werte im Lebenstraum-Jahr heißt deshalb: „Dranbleiben und Durchhalten“. Gerade in der heutigen Zeit, in der wir so viele Möglichkeiten haben, lohnt es sich, trotz mancher Herausforderungen durchzuhalten – denn dadurch wächst innere Stärke und Vertrauen auf Gott.
Stephan Münch gründete gemeinsam mit seiner Frau Hanna im fränkischen Uffenheim das Lebenstraum-Jahr. Er ist stolz auf seinen Sohn (19), der trotz einer Krise im 2. Lehrjahr seine Lehre als KFZ-Mechatroniker nicht abgebrochen hat und sie bis zum Ende durchziehen will.