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Artikel aus den Heften

Paartherapeut: Schon zehn Minuten pro Tag helfen der Beziehung

Im Alltagsstress bleibt oft keine Zeit für viel Zweisamkeit. Aber Paartherapeut Jörg Berger ist überzeugt: Es reichen auch die kleinen Gewohnheiten.

Drei Megatrends lenken uns von dem ab, was unsere Liebe aufbaut. Wir haben uns an sie gewöhnt und doch beeinflussen sie unser Leben:

Gestiegene Anforderungen. Manchmal führe ich mir vor Augen, was meine Eltern leisten mussten, um gegenüber der Schule und dem Sportverein als „gute Eltern“ dazustehen. Ich würde sagen, meine Frau und ich müssten heute das Dreifache leisten, um die Erwartungen in gleicher Weise zu erfüllen. Ich werde neidisch, wenn ich höre, wie ältere Kollegen vor 30 Jahren gearbeitet haben, und höre ähnliche Geschichten von Menschen in anderen Berufen. Natürlich ist heute auch vieles besser. Gleichzeitig führen wir unser Leben in einem Tempo, für das wir nicht geschaffen sind.

Höhere Ansprüche. Produkte und Erlebnisse treffen heute jeden Geschmack. Noch mehr als die Produktpalette hat sich aber unsere Möglichkeit verbessert, uns zu informieren und genau das zu finden, was zu uns passt. Der Urlaub wird perfekt, wenn wir nicht ins Reisebüro gehen, sondern ihn nach einer tagelangen Internetrecherche zusammenstellen. Gleichzeitig nimmt unsere Fähigkeit ab, mit einem durchschnittlichen Erlebnis glücklich zu sein. Wir sind beinahe gezwungen, den Aufwand zu betreiben, der zu dem Produkt oder Erlebnis führt, das wirklich zu uns passt.

Google und Facebook fressen Stunden unseres Lebens

Die Macht der Aufmerksamkeitsindustrie. Warum noch mal sind Unternehmen wie Google und Facebook Milliarden wert? Ja, sie wollen unsere Daten. Doch letztlich bezahlen wir mit unserer Aufmerksamkeit, nämlich jener, die wir der Werbung widmen. Je länger uns digitale Unternehmen an ihre Anwendungen binden, desto besser funktioniert ihr Geschäftsmodell. Die Nutzungsstatistiken von Facebook, WhatsApp oder YouTube zeigen, wie gut das gelingt: Stunden unserer Aufmerksamkeit schenken wir digitalen Medien. So nützlich viele Anwendungen sind, verlieren wir durch sie doch Zeit für unser übriges Leben.

Zwar gibt es längst Gegentrends der Vereinfachung und digitaler Enthaltsamkeit. Doch die meisten von uns finden sich in einem Leben vor, das mehr Zeit und Aufmerksamkeit bindet, als wir eigentlich haben. Hier setzen die sogenannten Mini Habits an: Sie beginnen so bescheiden, dass ein guter Vorsatz auch in einem Alltag voller Ablenkungen bestehen kann.

Ein Beispiel: Zehn Minuten können reichen

Markus hat Lisa versprochen, den Eheabend wieder aufleben zu lassen, der nach ihrer Hochzeit so gut funktioniert hat. In manchen Wochen hat er schlicht nicht daran gedacht, weil so unglaublich viel los war. In anderen Wochen hat er ihn sich fest vorgenommen. Doch als er abends das Wichtigste erledigt hatte, war es für beide schon zu spät.
„Dann nehmen wir uns einen ganzen Nachmittag am Wochenende“, will Markus schon vertrösten, aber Lisa rollt nur mit den Augen. „Ok“, gesteht Markus ein, „ist vielleicht unrealistisch an diesem Wochenende.“ Markus hat von den Mini Habits in einem Gespräch mit einem Freund gehört. Was könnte das für einen Eheabend heißen? Eine ganz kleine Gewohnheit? Vielleicht Lisa jeden Tag zehn Minuten mit voller Aufmerksamkeit zuhören und ihr dann in ein paar Sätzen Anteil geben, was ihn beschäftigt?

Das hat geklappt. Markus hat eine leere Seite in seinem Kalender als Habit Tracker gestaltet und freut sich, wenn er seinen Mini-Erfolg abhaken kann. Natürlich sind aus den zehn Minuten auch schon fünfzehn oder zwanzig geworden, einmal sogar ein langes Gespräch, das durchaus als Eheabend hätte durchgehen können. Trotzdem ist es ein gutes Gefühl, wenn zehn Minuten reichen. Weil er Lisa nicht schon wieder zu viel versprechen wollte, hat Markus nichts von den Mini Habits erzählt. Vielleicht merkt sie gar nichts von seinem Einsatz? „Wie unaufmerksam“, hat Markus erst gedacht. Aber Lisa ist gerade zufriedener und zärtlicher. Sie hat sich seither nicht beklagt, dass sie gemeinsame Zeit vermisst.

Für mehr ist oft nicht die Zeit

Manchem wird dieser Ansatz wie eine Vertröstung vorkommen: Mit zehn Minuten kann sich ein Partner von seinem schlechten Gewissen freikaufen und von seiner Verantwortung, wirklich in die Beziehung zu investieren. Das beabsichtige ich natürlich nicht. Ich biete auch Ehewochenenden an mit viel, viel Zeit füreinander. Doch freitags in der Vorstellungsrunde höre ich oft Sätze wie diesen: „Wir haben schon tolle Ehewochenenden besucht. Das letzte ist allerdings 15 Jahre her – wir haben es einfach nicht mehr geschafft.“ Wo Sie trotz Ablenkungen Zeit füreinander finden: Bitte keine Mini Habits daraus machen! Aber wo Sie die Erfahrung lähmt, es einfach nicht zu schaffen, da beginnen Sie doch klein.

Eine Berührung am Tag schenken

Manches lässt sich leicht in Mini Habits verwandeln: Umarmungen und andere Alltagszärtlichkeiten; wertschätzende Worte; kleine Zeichen von Ermutigung, wenn der andere im Stress ist, zum Beispiel ein paar liebe Zeilen, mal aufs Kopfkissen, mal auf den Schreibtisch, mal auf den Frühstückstisch; treu eine ungeliebte Aufgabe erledigen, etwa den Müll rausbringen; bei einem Kind beharrlich an einem Erziehungsziel dranbleiben (ihr Kind ist froh, wenn das Gespräch darüber nicht länger als fünf Minuten dauert); eine persönliche Macke abstellen (fünf Minuten Selbstbetrachtung – „Habe ich sie heute ausreden lassen?“ – und ein Stoßgebet).

Sophia zum Beispiel stellt Nähe eher über Gespräch und gemeinsame Unternehmungen, weniger über Zärtlichkeit. Aber Lars braucht einfach Berührungen. Eine Umarmung oder ein kurzes Schmusen würde einen großen Unterschied machen, aber weil es nicht ihre Liebessprache ist, vergisst Sophia es oft. Sie kann sich vornehmen, Lars einmal am Tag eine Berührung zu schenken. Ihre Liste zum Abhaken, ihren Habit Tracker, legt sie in die Gute-Nacht-Lektüre am Bett. Dann kann sie die kleine neue Gewohnheit entweder abhaken oder noch nachholen.

Sex in fünf Minuten?

Aber was ist mit größeren Dingen? Sex oder ein Spaziergang in fünf Minuten? Auch das geht, aber es geht kaum, ohne mit dem Partner darüber zu reden. Für manche Paare funktioniert zum Beispiel eine Verabredung zu fünf Minuten erotischem Kuscheln am Abend, das mehr werden kann, aber nicht muss. Für andere wäre es schwer erträglich, Lust zu bekommen oder zu machen, ihr dann aber nicht immer Raum zu geben. Wenn das nicht geht, wo liegt dann ein noch kleineres erotisches Ritual, das nicht mehr weckt, als nach fünf Minuten wieder wegzuatmen wäre? Da findet sich etwas, man muss nur offen und geduldig darüber reden. (Das Beispiel geht von einer Situation aus, in der sich einer mehr sexuelle Nähe wünscht und der andere sie schon fast wie eine Pflicht empfindet.)

Ein Spaziergang könnte verkleinert werden auf fünf gemeinsame Minuten auf dem Balkon oder der Terrasse oder die kleinstmögliche Runde durchs Viertel, die dann vielleicht zehn Minuten dauert. Gespräch ist nötig, weil nicht jede Verkleinerung für jeden passt. Vielleicht muss man die kleine Gewohnheit auch als Notlösung, Übergangslösung oder behutsamen Neubeginn verstehen, damit sie Freude weckt und nicht die Sorge, abgespeist zu werden.

Liebevolle Kreativität

Leider gibt es mehr innere Widerstände und praktische Komplikationen, als wir erwarten: Eine Frau schätzt vielleicht nur bestimmte Blumen, während ihr andere entschieden nicht gefallen. Außerdem wünscht sie sich nicht in erster Linie die Blumen, sondern vor allem den romantischen Moment, mit Blumen überrascht zu werden. Für ihren Mann wird aus der einfachen Aufgabe ein komplizierter Auftrag: „Was kaufe ich, wenn es keine Tulpen gibt? Was mache ich, wenn mir die romantischen Gefühle fehlen? Und was geschieht, wenn sie nicht zu Hause ist und ich mit den Blumen komme?“

Die kleine Gewohnheit könnte dann darin bestehen, jeden Tag fünf Minuten Kreativität aufzuwenden, um die Liebesmission einen Schritt voranzubringen. Tag 1: Brainstorming – wer könnte wissen, welche Blumen Karen noch gefallen?; Tag 2: WhatsApps an zwei Freundinnen von Karen schreiben; Tag 3: Überlegen: Wann wäre die nächsten Tage ein guter romantischer Moment? Plan A, B und C aufschreiben; Tag 4: Blumen kaufen und überreichen im Kalender fixieren: übermorgen; Tag 5: romantische Gefühle wecken: Hochzeitsalbum ansehen, die Top 3 zärtlicher Momente des letzten Jahres in Erinnerung rufen; Tag 6: Blumen kaufen und überreichen; Tag 7: ausführlich stolz auf sich sein und den schönen Moment in der Erinnerung nachklingen lassen. Fünf Minuten liebevolle Kreativität machen auch da kleine neue Gewohnheiten möglich, wo wir zunächst auf Hindernisse stoßen.

Große Ziele sind oft nicht zu schaffen

Wenn mir Paare ihre gemeinsamen Ziele nennen, muss ich oft sagen: „Es tut mir leid. Das schaffen Sie in dieser Lebensphase nicht.“ Viele Paare kommen nämlich in einer Zeit zu mir, in der sie beruflich und familiär sehr beansprucht sind. Nach dem ersten Schreck ist das Paar aber auch erleichtert, wir einigen uns auf bescheidenere Ziele. Der Erfolg einer Paartherapie steht und fällt mit den Anfangserfolgen. Stellen sie sich ein, steigt die Motivation und auch der Mut, Dinge auszuprobieren. Bleiben die Erfolge aus, weckt das Zweifel und Entmutigung. So geht es uns auch in unserem Liebesalltag – wir setzen uns gerne ein, aber nur, wenn wir dabei auch Erfolg haben. Das gelingt besser, wenn wir ernst nehmen, wie beansprucht und abgelenkt wir in unserem Alltag sind. Es bleibt oft nur Raum für Kleines, das aber einen großen Unterschied macht.

Jörg Berger ist Psychotherapeut und Paartherapeut in eigener Praxis in Heidelberg.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/11/family_umarmung-e1605192510627.jpg 959 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-12-15 09:39:182020-12-15 09:39:18Paartherapeut: Schon zehn Minuten pro Tag helfen der Beziehung

Weihnachten ohne Kinder

„Unsere Kinder feiern dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachten nicht mit uns. Unsere Tochter ist im Ausland, und unser Sohn feiert das Fest mit der Familie seiner Frau. Ich kann nicht sagen, dass ich mich auf die Weihnachtstage freue. Wie komme ich damit zurecht?“

Es weihnachtet: Plätzchen backen, Weihnachtsbaum schmücken, Weihnachtsessen planen und die Vorfreude auf fröhliche Gesichter – so kennen und lieben wir das Weihnachtsfest; besonders den Heiligen Abend. Aber die Kinder werden flügge, haben das Elternhaus verlassen, und plötzlich sitzt man mit dem Ehepartner allein unter dem Weihnachtsbaum.

Weihnachten neu entdecken

Uns übermannt eine gewisse Trostlosigkeit, und selbst der alljährliche Weihnachtsstress ist auf einmal erstrebenswerter, als nur ein Essen zu zweit zu planen. Doch wenn wir jetzt in diesen Erinnerungen haften bleiben oder ein gelungenes Weihnachtsfest nur von den Kindern abhängig machen, ist dies eine Garantie für einen traurigen und inhaltsleeren Weihnachtsabend. So möchten wir jedoch nicht das „schönste Fest des Jahres“ verbringen! „Plötzlich zu zweit“ bietet die Perspektive, Weihnachten neu zu entdecken und zu erleben.

Vielleicht laden wir Freunde ein, denen es ebenso geht wie uns, und gestalten ein Weihnachtsdinner mit allem Drum und Dran: ein tolles Essen, zu dem jeder etwas beiträgt. Oder man entschließt sich, die Zweisamkeit an diesen Feiertagen besonders zu genießen: Der Wecker bleibt aus, das Abendessen wird vorgekocht, man liest endlich wieder ausgiebig Zeitung oder die ungelesenen Bücher und verbringt einen Pyjama-Tag, an dem Weihnachten abseits von großartigem Essen und Abendkleidung zelebriert wird.

Chance für eine neue Perspektive

Vielleicht machen wir uns aber auch auf und entschließen uns, denen ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten, die ohnehin nicht mehr mit ihrer Familie feiern können. Wir besuchen Menschen im Altersheim oder gestalten mit anderen zusammen einen schönen, festlichen Abend für Obdachlose.

Weihnachten hat viele Aspekte – auch ohne Kinder, ohne liebgewonnene Traditionen. Letztlich ist jedes Weihnachtsfest auch die Chance, sich vielleicht ganz neu bewusst zu machen, wen und was wir feiern, und darauf den Fokus zu setzen. Und vielleicht wird uns dann auch deutlich, dass – wenn sich unsere Leben ändern – neue Traditionen entstehen können, die das Weihnachtsfest anders gestalten, aber nicht schlechter.

Ute Sinn ist verheiratet mit Martin, hat drei erwachsene Kinder und lebt und arbeitet als Seelsorgerin und Künstlerin in Wetter/Ruhr.

Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/12/weihnachten_ohne_kinder.jpg 1460 1572 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-12-13 14:00:512020-12-09 13:31:51Weihnachten ohne Kinder

Digitale Medien unterm Weihnachtsbaum

Smartphone, Tablet, Spielkonsole und Co. – bei vielen Kindern und Jugendlichen stehen dieses Jahr digitale Medien auf dem Wunschzettel. Der Medienratgeber „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ gibt Eltern Tipps, welche Mediengeschenke für welches Alter geeignet sind und was sie beim Kauf beachten können.

Ist mein Kind schon bereit für ein eigenes Smartphone, Tablet oder einen eigenen Laptop? „Kinder bis etwa sechs Jahre nutzen am besten bereits vorhandene Geräte mit altersgerechten Inhalten, begleitet von ihren Eltern“, rät SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer. „Ältere Kinder sind für eigene Geräte bereit, sobald sie genug Erfahrung und Reife besitzen, mit den Gerätefunktionen verantwortungsvoll umzugehen, und wissen, wie sie sich vor Risiken schützen.“ Immer empfehlenswert sind Vereinbarungen zu Bildschirmzeiten, Datenschutz sowie Nutzungsregeln. „Beim Kauf von Spielen, Apps und Co. helfen Alterskennzeichen und pädagogische Empfehlungen dabei, geeignete Angebote für das Alter Ihres Kindes zu finden“, so Langer „Für EinsteigerInnen ist es besonders wichtig, dass Eltern die Angebote gemeinsam mit ihren Kindern ausprobieren.“

Hörangebote für 3- bis 6-Jährige 
„Hörbücher und -spiele können für Kinder schon im Kleinkindalter eine Bereicherung sein, wenn Eltern Empfehlungen von ExpertInnen folgen und die Vorlieben ihres Kindes berücksichtigen“, sagt Langer. Für CD- oder MP3-Player können Eltern Inhalte gezielt und altersgerecht auswählen. Als Alternative bieten sich Musikboxen an. 

Altersgerechte Filme und Apps für 6- bis 9-Jährige 
Für Sechs- bis Neunjährige sind Apps zum Lernen und Entdecken sinnvolle Weihnachtsgeschenke. Thematisch bieten sich Geschichten an, die den Alltag der Kinder einbeziehen, wie Schule, Familie, Tiere oder das „Großwerden“. Auch altersgerechte Kinderfilme sowie Computer- oder Konsolenspiele, die sich gemeinsam schauen oder spielen lassen, sind geeignete Geschenkideen.

Sichere Spiele und Geräte für 10- bis 12-Jährige
Ab circa neun Jahren sind Computer und Spielekonsolen mit altersgerechten Spielen, deaktiviertem Internetzugang und aktivierten Sicherheitseinstellungen geeignet. „Wenn Kinder digitale Medien zunehmend allein nutzen, sind sicher eingerichtete Familiengeräte im Wohnzimmer eine gute Alternative“, sagt Langer. „So behalten Eltern den Überblick und können für ausreichend Ausgleich sorgen.“ 

Smartphone und Co. mit Surferfahrung für Kinder ab 12 Jahren
Ein eigenes Smartphone empfiehlt sich, wenn Kinder bereits Surferfahrung haben und wesentliche Sicherheitsregeln kennen: Kinder ab zwölf Jahren haben meist bereits gelernt, nicht altersgerechte oder wenig vertrauenswürdige Angebote zu erkennen, und wissen, was sie tun können, wenn sie online auf etwas stoßen, was ihnen komisch vorkommt oder Angst macht. „Viele Kinder sind in diesem Alter bereit für ein eigenes Smartphone – abhängig von ihren Medienerfahrungen“, so Langer. Die „Checkliste Smartphone“ kann die Entscheidung erleichtern.

Alterskennzeichnung beachten
Wichtig ist, dass Eltern die Altersfreigaben beachten, wenn sie Filme und Computerspiele kaufen. Alterskennzeichnungen vergeben die Freiwillige Selbstkontrolle Filmwirtschaft (FSK) für Filme sowie die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) für Computerspiele. Gesetzliche Alterskennzeichnungen sind jedoch keine pädagogischen Empfehlungen. Inhaltliche Einschätzungen finden Eltern auf Plattformen wie flimmo, Kinderfilmwelt, Klick-Tipps, dem Spieleratgeber NRW und der Datenbank „Apps für Kinder“ des Deutschen Jugendinstituts.

Mehr Informationen zur Mediennutzung ihrer Kinder finden Eltern auf www.schau-hin.info.

„SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der AOK – Die Gesundheitskasse. Der Medienratgeber für Familien unterstützt seit 2003 Eltern und Erziehende dabei, ihre Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/12/D-Keine_GettyImages-846782044.jpg 1415 2119 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2020-12-11 09:42:052020-12-11 09:42:05Digitale Medien unterm Weihnachtsbaum

Generation Maybe: Wieso sich Jugendliche oft nicht mehr entscheiden können

Jungen Erwachsenen fällt es oft schwer, sich festzulegen. Roswitha Wurm nervt das. Aber ein bisschen maybe ist sie auch …

Vor ein paar Jahren verkündete meine Tochter wenige Wochen vor ihrem Geburtstag: „Ich feiere diesmal im Freien mit einem Picknick mit meinen acht besten Freunden!“ Wir planten gemeinsam die Location und das Essen. Zumindest zwei Tage lang. Denn dann beschloss meine Tochter, ihren Geburtstag „doch nicht mit Freunden, sondern nur mit der Familie“ zu verbringen. In den nächsten Tagen änderte sie wieder ihre Meinung. Nun wollte sie bei uns zu Hause eine Party geben, aber „nur für 12 Freunde“. In den zwei Wochen bis zum Geburtstag sagten einige Freunde zu und einige wieder ab.

Schließlich kamen 18 junge Menschen, von denen ursprünglich nur acht eingeladen waren. Mein Mann und ich verbrachten den Abend auswärts und überließen den jungen Leuten unsere Wohnung. Alles ging gut und alle waren glücklich. Nur ich fühlte mich überfordert. Ähnliches erlebte ich bei Gruppen, Familienfeiern und anderen Festen. Zusagen und Absagen von den (jungen) Besuchern in der letzten Minute, weil sich irgendetwas anderes Interessantes angeboten hatte. Mich verwirrte und verunsicherte dieses Hin und Her!

Alles ist möglich

Zum Glück klärte mich ein Buch von Oliver Jeges auf. Der in Wien geborene Journalist, Jahrgang 1982, outete sich: „Ich bin ein Maybe. Meine Freunde sind Maybes. Ich wäre zwar gern keiner, aber es ist nun mal so. Ich habe kein ADHS, dennoch tue ich mich schwer, Entscheidungen zu treffen. Mich festzulegen. Mich einer Sache intensiv zu widmen. Ich bin entscheidungsschwach. Ich sehe all die Optionen vor mir, die Verlockungen einer ultramodernen Welt, in der alles möglich ist.“

Unendlich viele Wahlmöglichkeiten

Die heutigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurden im digitalen Zeitalter sozialisiert. Ihre Kindheit und Jugend war geprägt vom immer stärker werdenden Einfluss von Social Media. Wer täglich über die verschiedenen Kanäle erfährt, was sich so alles tut im Leben seiner Bekannten, ist überzeugt: Ich habe unendlich viele Wahlmöglichkeiten. Vergleichbar ist das mit dem Gefühl, wenn man im Eisladen vor 25 Eissorten steht und sich für zwei entscheiden muss. Die verärgerte Menschenschlange hinter einem wird länger, während man unentschlossen, zaudernd und zögernd abwartet, bis man sich sicher ist, ob es Weiße Schokolade oder doch lieber Melonensorbet sein soll.

„Bis dass der Tod euch scheidet“ weicht „Solange es nicht zu kompliziert ist“

„Maybes“ tun sich zum Leidwesen ihrer Mitmenschen schwer, Entscheidungen zu treffen und Wort zu halten. Flexibilität und Bereitschaft, spontan etwas Neues zu wagen, sind die Schlagwörter dieser Generation. Wenn es sein muss, auch auf Kosten anderer. Die Generation der Maybes ist mitunter auch überzeugt davon, dass sie die Freiheit hat zu wählen, ob sie einen schwierigen Weg geht oder nicht. Die Frage ist jedoch, ob uns die vielen Wahlmöglichkeiten wirklich frei machen. Wir können vor Schwierigkeiten davonlaufen. Jeder findet das in Ordnung und hat Verständnis dafür. Schließlich muss jeder „auf seine Art glücklich werden“. Wir können Beziehungen, die uns nerven oder zu schwierig sind, einfach beenden. Wenn es uns zu schwerfällt, dem anderen dabei in die Augen zu schauen, sogar einfach per WhatsApp. „Bis dass der Tod euch scheidet“ ist einem „Solange es nicht zu kompliziert ist“ oder einem „Bis ich etwas scheinbar Besseres für mich gefunden habe“ gewichen.

Unentschlossenheit bringt Stress

Diese scheinbare unendliche Freiheit bringt in vielen Fällen innere Leere und Orientierungslosigkeit mit sich, die eine ganze Generation zu befallen scheint. Oliver Jeges schreibt: „Wir sind die Generation, die nichts mit sich anzufangen weiß und sich permanent fragt: Leben – wie geht das? Wir wollen tun, worauf wir Lust haben, wollen nur Erlebnis, aber nie Alltag. Ist das vielleicht die Lebenslüge unserer Generation? Uns alle eint die Sorge, nicht dahin zu gelangen, wo wir uns in unseren Vorstellungen sehen. Die Sorge, dass wir vielleicht die falschen Entscheidungen treffen. Wir wollen unsere Träume wahr werden lassen, haben aber nie gelernt, was zu tun ist, wenn das nicht klappen sollte.“

So sehr wir uns als Über-Fünfunddreißigjährige auch an der Unschlüssigkeit und der Unverbindlichkeit der Jungen stoßen, vergessen wir nicht: Es ist für die Maybes gar nicht so angenehm, sich nicht entscheiden zu können. Schließlich verpasst man dann auch vieles, zum Beispiel Beziehungen, die bereits in jungen Jahren beginnen und ein Leben lang halten. Oder Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten ohne langes Zaudern anzunehmen. Auch auf das Wagnis hin, dass man erst nach und nach in etwas hineinwächst, wenn man wagt, es zu tun. Stattdessen ist da die Angst, man würde etwas verpassen, wenn man sich festlegt.

„Schauen wir mal“

Da ich nicht nur Mutter dreier Kinder der Maybe-Generation bin, sondern auch beruflich viel mit jungen Leuten zu tun habe, sind mir Aktionen wie die variable Geburtstagsfestplanung nichts Neues. Und ehrlich gesagt: Wir sind von der Generation Maybe vielleicht mehr beeinflusst, als uns lieb ist. Auch wir Eltern sind uns in der Fülle aller Angebote nicht immer sicher, wofür wir uns entscheiden sollen. In der Stadt, in der ich lebe, gibt es ein geflügeltes Wort: „Schauen wir mal!“

Wenn uns jemand fragt: „Wollen wir uns treffen?“, antworten wir gern mit diesem Satz. Ich ertappe mich auch immer wieder, dass ich mit „Schauen wir mal!“ antworte, wenn ich mich nicht festlegen möchte. Im Grunde genommen warte ich dann darauf, ob noch „etwas Besseres“ für dieses Datum in mein Leben kommt. Dabei bin doch gerade ich eine Verfechterin des wichtigen Bibelwortes: „Euer Ja sei ein Ja! Euer Nein ein Nein!“ (Matthäus 5,37). Das zitiere ich gern den lieben Maybes in meinem Leben.

Zusammenleben mit Maybes

Diese Erkenntnis hat mich den Maybes gegenüber verständnisvoller gestimmt. Es fällt tatsächlich schwer, aus dem riesigen Angebot zu wählen, das uns heute allerorts geboten wird.

Ich will Verständnis haben für die jungen Menschen, die so viel mehr Möglichkeiten vor Augen haben, als wir das in unserer vordigitalen Zeit hatten. Da kann es schon einmal vorkommen, dass Verabredungen oder Familienfeiern nicht eingehalten werden können. Für uns als Familie haben wir eine Lösung gefunden, die meist alle glücklich macht. Wir sprechen uns am Sonntag jeder Woche ab: Wie ist der ungefähre Plan aller für die kommende Woche? Welche Termine, die uns alle betreffen, sind wirklich wichtig für jeden Einzelnen von uns? Es klappt manchmal gut, manchmal weniger gut. Aber seit wir darüber reden und mitunter lachen können, fällt es auch uns „Oldies“ leichter, mit der scheinbaren Unverbindlichkeit umzugehen. Nicht selten kommt ein Anruf unserer Kinder, die mit einem humorvollen Unterton meinen: „Mama, du weißt, hier spricht dein Maybe … Wegen Mittwochabend …“

Corona kann auch Segen sein

Unsere Maybe-Generation macht gerade eine schwere Zeit durch: Corona hat sie in die Knie gezwungen. Plötzlich sind die Möglichkeiten beschränkt. Es ist für uns alle eine harte, eine gute Schule. Ein Kurs im Dankbarsein für das, was wir trotz allem noch haben. Minimalismus im Angebot kann für geraume Zeit ein Segen sein. Jedenfalls habe ich unsere Maybes selten so entspannt erlebt wie in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen: „Endlich muss ich mich für nichts entscheiden, weil es nur eine Sache zu tun gibt!“

Einmal Maybe, immer Maybe?

Neulich fragte mich unser ältester Sohn per WhatsApp, ob wir an einem bestimmten Feiertag auf seine Kinder aufpassen könnten. Ich wollte mich zuerst mit meinem Mann absprechen. Dann vergaß ich es, und als es mir wieder einfiel, hatte ich gerade zu tun und dachte, vielleicht hat sich das Ganze ja schon erledigt und ich könnte an diesem Tag etwas mit Freunden unternehmen. Drei Tage vor dem Termin fragte mein Sohn nach: „Wisst ihr bereits, ob ihr das übernehmen könnt?“ Ich zögerte. Höflich wie er ist, fragte er nicht laut: „Mama, bist du jetzt auch ein Maybe?“ Aber im Unterton seiner Stimme meinte ich, genau das zu hören!

Tja, unsere Maybe-Kinder sind erwachsen geworden. Spätestens wenn sie selbst Eltern sind und Verantwortung tragen, weicht das Zaudern und Zögern einer Erkenntnis: Manchmal gibt es keine Wahlmöglichkeit! Es gilt vielmehr, den eingeschlagenen Weg mit der Hilfe Gottes zu bewältigen. Dann weicht dem „Vielleicht“ ein „So ist es“.

Roswitha Wurm ist Förderpädagogin und Kinderbuchautorin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien. Ihre Webseite ist lesenmitkindern.at

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/11/family_entscheidung.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-12-10 14:27:382020-12-10 14:27:38Generation Maybe: Wieso sich Jugendliche oft nicht mehr entscheiden können

Weihnachtsgottesdienst im Wohnzimmer

In diesem Jahr fällt für viele Familien der Besuch des Gottesdienstes, der Christvesper oder Christmette an Heiligabend aus. Doch auch zu Hause lässt sich ein eigenes Familienritual schaffen, um den Festtagen eine besondere Bedeutung zu geben. Von Anke Kallauch

Wichtig: Kinder und Gäste sollten darauf vorbereitet werden, dass wir einen kleinen Gottesdienst feiern wollen. Wenn alle die Lieder, die gesungen werden, schon in den Adventswochen kennengelernt haben, kann man besser mit einstimmen.

Ort und Zeit finden

Wann der beste Zeitpunkt für den Gottesdienst ist, hängt von den anderen Aktivitäten ab. In unserer Familie gab es am frühen Nachmittag immer eine kleine Stärkung, damit man den Gottesdienst gut durchhält. Danach könnte man auch daheim den Gottesdienst starten.

Planen Sie die gemeinsame Zeit und verteilen Sie Aufgaben an alle, die dabei sind (Gebet, Lieder begleiten, Sterne ausschneiden). Suchen Sie einen schönen Platz: vor dem Weihnachtsbaum oder am Wohnzimmertisch. Räumen Sie unnötige Deko zur Seite, damit die Weihnachtsgeschichte im Mittelpunkt steht.

Gestartet wird mit dem Klang eines Glöckchens oder der Melodie eines bekannten Weihnachtsliedes auf dem Xylophon oder der Blockflöte. Jetzt wissen alle: Es geht los.

Die Lieder sind sorgfältig ausgesucht. Wenn jemand Gitarre oder Klavier spielen kann, ist das natürlich toll, aber man kann auch zu Liedern von CDs singen. Kinderlieder wie „Weihnachten ist Party für Jesus“ oder „Ein Kind ist heut geboren“ und ältere Lieder wie „Mit den Hirten will ich gehen“ oder „Wisst ihr noch wie es geschehen“ können dabei sein.

Am besten nimmt man eine Weihnachtskrippe mit robusten Figuren, die man in die Hand nehmen und bespielen kann. Der Stall ist zunächst noch leer, und weit weg davon besucht der Engel Maria. Dann wandern Maria und Josef nach Bethlehem und suchen ihre Unterkunft. Die Hirten auf dem Feld sind natürlich wichtig. Was haben sie erlebt? Die Engel am Himmel singen „Gloria“ – da singen natürlich alle mit. An einer anderen Stelle im Wohnzimmer sehen die Weisen einen hellen Stern und beginnen ihre Reise. Jeder spielt eine oder mehrere Figuren.

Mit verteilten Rollen

Kleinere Kinder können sich manchmal noch nicht an die Geschichte erinnern. Es ist ja schon ein ganzes Jahr her! Dann kann sie auch aus einer Kinderbibel vorgelesen werden.

Wenn größere Geschwister dabei sind und auch Oma und Opa gern aktiv mitmachen, kann die Geschichte auch mit verteilten Rollen gespielt werden. Am besten organisiert man dafür einige Tücher oder die Baby- puppe aus dem Kinderzimmer. Oft staunt man nicht schlecht, welche Gedanken, Handlungen und Worte den Personen dabei zugedacht werden.

Ein kleines Gespräch schließt sich an: Was ist das Wichtigste an der Geschichte? Worüber freust du dich besonders? Wofür willst du Gott „Danke“ sagen? Für jedes „Danke“ kann ein vorher ausgeschnittener Stern zur Krippe gelegt werden.

Mit einem Weihnachtsgebet und Liedern klingt der Gottesdienst daheim aus. „Du bist geboren, Jesus – darüber freuen wir uns riesig! Danke, dass du uns besucht hast. Danke, dass du auch heute bei uns bist. Wir feiern deinen Geburtstag und lassen dich hochleben! Amen.“

Anke Kallauch ist Referentin für Kindergottesdienste im Bund Freier evangelischer Gemeinden. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

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https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/12/GettyImages-885625696.jpg 1388 2160 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-12-09 12:04:152020-12-09 12:25:48Weihnachtsgottesdienst im Wohnzimmer

Kinderaugen sehen alles!

Ruth Korte wünscht sich mehr Vorbilder im Straßenverkehr – für ihre Tochter und alle anderen Kinder.

Wir bringen unserer Tochter gerade die ersten und wichtigsten Verkehrsregeln bei: Dass man nicht einfach über eine Straße geht, sondern erst nach links, rechts und wieder nach links schaut, bevor man sie überquert, sich im Auto immer anschnallt, die Hände von Mama und Papa immer ans Lenkrad gehören, man den Radweg für Radfahrer freihält und man sich auch dann nochmal umsehen und gegebenenfalls Blickkontakt mit den Autofahrern suchen sollte, wenn die Fußgängerampel schon grün zeigt. Klappt prima. Eigentlich.

Uneigentlich fällt uns seitdem immer öfter auf, wie viele Erwachsene diese Regeln brechen. Da fährt dann doch noch schnell ein Auto über die rote Ampel, glotzen Autofahrer auf ihr Handy statt auf die Straße oder läuft ein Fußgänger über die Straße, ohne auf den Verkehr zu achten.

Zugegeben: Die eine oder andere Verkehrssünde habe auch ich schon mal begangen, zum Beispiel wenn ich es eilig hatte oder abgelenkt war. Doch die aufmerksamen Augen meiner kleinen Tochter mahnen mich. Beim Einhalten der Verkehrsregeln geht es nicht nur um meine Sicherheit und schon gar nicht darum, ob die Polizei mich erwischen könnte, wenn ich sie breche. Auch Kinderaugen können mich erwischen! Wir Erwachsene haben eine Vorbildfunktion. Kinder lernen von uns, wie man sich verhält – auch im Straßenverkehr. Wir haben ihnen gegenüber somit eine große Verantwortung, die lebensgefährlich werden kann, wenn wir sie nicht wahrnehmen. Denn je öfter Kinder sehen, dass Verkehrsregeln von ihren Vorbildern gebrochen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese Regeln selbst irgendwann brechen und sich somit in Gefahr begeben.

Also: Augen auf die Straße und Hände aufs Lenkrad oder den Lenker und Geduld haben, bis die Ampel grün leuchtet – auch wenn die Straße nicht besonders befahren ist. Denn es kann immer sein, dass wir aus einem Auto, Buggy oder vom Straßenrand aus von denen beobachtet werden, die es uns irgendwann nachmachen.

Ruth Korte ist Freie Redakteurin bei Family und FamilyNEXT, Buchautorin und lebt mit ihrer Familie in Gießen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/12/frantic00_GettyImages-1187817024.jpg 1414 2121 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2020-12-03 12:43:322020-12-03 12:43:32Kinderaugen sehen alles!

Videospiele unterm Weihnachtsbaum: 5 Dinge sollten Eltern beachten

Je älter Kinder werden, desto angesagter sind Computerspiele. Diese fünf Tipps schützen vor gefährlichen Inhalten oder versteckten Käufen, sagt Mediencoach Kristin Langer.

Für Kinder das richtige Videospiel zu Weihnachten zu finden, ist gar nicht schwer, findet Mediencoach Kristin Langer von der Initiative Schau Hin! Was Dein Kind mit Medien macht. Die Schenkenden sollten nur ein paar Dinge beachten:

1. Bis zum Grundschulalter warten

Kinder brauchen für Computerspiele eine manuelle Geschicklichkeit. Zum Beispiel sollten sie schon die unterschiedlichen Schalter an der Spielekonsole bedienen können. Auch müssen sie schon komplexe Zusammenhänge überschauen können. Deswegen sollten Eltern mit dem Kauf eines Computerspiels warten, bis ihr Kind in der Grundschule ist, rät Mediencoach Kristin Langer.

2. Auf die Bedürfnisse des Kindes achten

Findet ein Kind das Thema des Spiels toll und hat Interesse daran, ist der erste Schritt getan. Zudem sollten die Herausforderungen im Spiel auch zu bewältigen sein. Nicht jedes Spiel ist automatisch auch für jedes Kind geeignet, selbst wenn es „altersgerecht“ ist. Hat ein Kind zum Beispiel ein Problem mit Zeitlimits, weil es sich davon schnell unter Druck gesetzt fühlt? Dann suchen Eltern oder Großeltern besser Spiele aus, die frei in der Zeitgestaltung sind. Kann das Kind schon gut Enttäuschungen einstecken? Falls nicht, sollte das Spiel keinen ausgeprägten Wettbewerbscharakter haben. Um einschätzen zu können, ob das ausgesuchte Spiel auch gut zum Kind passt, sollten Eltern gerade zu Anfang gemeinsam mit ihm spielen. Wichtig ist dabei die Frage: Wie reagiert das Kind beim Spielen?

3. An Altersangaben und pädagogischen Empfehlungen orientieren

Altersangaben, die von den App Stores oder Spieleanbietern selbst festgesetzt werden, sind wenig verlässlich, erklärt Kristin Langer: „Diese Einstufung hat in erster Linie mit der Zielgruppe zu tun, an die verkauft werden kann.“ Bei Computerspielen, die Eltern als Datenträger im Handel kaufen, sollten sie sich nach der dort aufgedruckten gesetzlichen Alterseinstufung durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) richten. Teilweise werden auch Online-Spiele und Apps nach diesen Kriterien eingestuft, jedoch längst nicht alle. Die USK-Kriterien fragen danach, ob die Inhalte im Spiel sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Wie bedrohend ist das Spiel? Wieviel Gewalt wird eingesetzt? Ist das Setting glaubwürdig?

Es gibt Altersfreigaben ab 0, 6, 12 und 16 Jahren. „Als Eltern wissen wir aber auch: Zwischen sechs und zwölf passiert eine ganze Menge“, merkt Kristin Langer an. Daher ist es hilfreich, wenn die Schenkenden, ergänzend zu der USK-Freigabe, auch pädagogische Altersempfehlungen zu Rate ziehen. Auf spielbar.de oder spieleratgeber-nrw.de finden sie zum Beispiel pädagogische Bewertungen und Alterseinschätzungen für Computerspiele. Das Deutsche Jugendinstitut bewertet Kinder-Apps. Auf der umfangreichen Datenbank „Apps für Kinder“ können Interessierte gezielt nach Spielen für das Alter des Kindes (zum Beispiel Schulanfänger) und auch nach gewünschten Genres (zum Beispiel Lernspiel, Kinderbuch-App) suchen.

4. Vorsicht vor versteckten Käufen

Gerade bei kostenlosen Spielen versuchen die Hersteller, ihre Entwicklungskosten über In-Game-Käufe wieder einzuspielen. Mit diesen Käufen im Spiel kann das Kind weitere Spielfunktionen oder höhere Level freischalten kann. Der Kauf von kostenpflichtigen Spielen kann eine erste wirkungsvolle Schutzmaßnahme dagegen sein. Doch auch bei gekauften Spielen können Kinder in Bezahlfallen tappen. Die Schenkenden sollten bei der Wahl des Spiels darauf achten, dass keine Lootboxen gekauft werden können. Lootboxen sind virtuelle Kisten, die verschiedene Gegenstände wie extra Rohstoffe, bessere Waffen oder neue Charaktere beinhalten. Die Boxen können im Spiel freigespielt oder mit einer fiktiven Währung gekauft werden. Oft lassen sie sich aber auch für echtes Geld kaufen. „Diese Boxen haben eine Art Glücksspielcharakter. Man weiß nicht, was man für sein Geld bekommt“, sagt Kristin Langer.

Auch in Spielen für Spielekonsolen wie zum Beispiel der Playstation, der Xbox oder der Nintendo Switch ist es möglich, über den Shop In-Game-Käufe zu tätigen. Das kann schnell schiefgehen: „Ich bekomme häufig Zuschriften von Eltern, die berichten, dass ihre 12- oder 13-jährigen Kinder viel Geld im Spiel ausgegeben haben. Da kommen meist unbeabsichtigt hohe Summen zustande. Eine anstrengende Situation für Eltern und Kind“, berichtet Kristin Langer. Um dem vorzubeugen, können Eltern auf den Spielekonsolen ein extra Kinderkonto einrichten, das keine Käufe erlaubt. Auf dem Smartphone können In-App-Käufe in den Einstellungen eingeschränkt werden. So ist das Kind vor Spontankäufen geschützt. Falls es schon älter ist und die Eltern ihm erlauben, sein Taschengeld dafür einzusetzen, sollten diese mit ihm über diese Stolperfallen sprechen und Geld-Limits verabreden.

5. Den Datenschutz im Blick behalten

Gerne wird in digitalen Spielen dazu aufgefordert, seine Erfolge mit Freunden auf sozialen Medien zu teilen oder sie zum Spiel einzuladen. Zur Belohnung gibt es dann zum Beispiel Sonderpunkte. Das ist für Kinder attraktiv, sie wollen gerne ihren Freunden zeigen, was sie geschafft haben. Sie wissen nicht, dass diese Spiele darauf ausgelegt sind, die Daten von anderen zu sammeln. Wenn das Kind noch jünger ist, sollten Schenkende auf solche Spiele verzichten. „Das ist im Grundschulalter absolut ausgeschlossen. Kinder sollten soziale Medien nicht mit eigenen Accounts und ohne Begleitung nutzen, solange sie nicht 13 Jahre alt sind“, erklärt Kristin Langer.

Sarah Kröger ist freie Journalistin und Projektmanagerin und bloggt unter neugierigauf.de zu Themen wie Familie, Digitales, Arbeit, Soziales und Nachhaltigkeit.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/12/family_weihnachten.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-12-03 12:08:362020-12-03 12:08:36Videospiele unterm Weihnachtsbaum: 5 Dinge sollten Eltern beachten

„Mit wem trifft sie sich?“ Wenn Eltern die Freunde ihrer Kinder nicht mehr kennen …

Ab einem gewissen Alter haben Teenager elternfreie Zonen mit eigenen Freunden. Pädagogin Sonja Brocksieper rät dabei zur Gelassenheit.

„Früher wussten wir immer, mit wem unsere Tochter (16) befreundet ist. Mittlerweile kennen wir ihre Freundinnen und Freunde nicht mehr. Ist das normal oder sollten wir uns irgendwie bemühen, sie kennenzulernen?“

Jahrelang haben Sie Ihre Tochter intensiv begleitet, waren in die Kinderfreundschaften involviert, haben diese gefördert oder eben auch bewusst nicht. So ist es erstmal seltsam und befremdlich, wenn Sie nicht mehr alle ihre Freunde so gut kennen, wie das früher der Fall war. Vermutlich schwingt auch die Sorge mit, dass Ihre Tochter Kontakte pflegt, die ihr nicht guttun könnten?

Jugendliche brauchen Freiraum

Es ist ein normaler Entwicklungsschritt, wenn Jugendliche immer mehr eigene Lebensbereiche haben. Für die Heranwachsenden sind elternfreie Zonen wichtig, in denen sie sich unter Gleichaltrigen ausprobieren und ihre Sozialkompetenzen schulen können. Sie brauchen den Freiraum, Freundschaften eigenständig gestalten zu können. Solange Sie nicht den Eindruck haben, dass Ihnen Ihre Tochter extra etwas verheimlicht, ist diese Entwicklung also unbedenklich.

Interesse zeigen

Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich als Eltern komplett aus den Kontakten Ihrer Tochter heraushalten sollten. Auch in diesem Alter ist es angemessen, Interesse an den Freundschaften zu zeigen und über die engsten Freunde Bescheid zu wissen. Fragen Sie ruhig immer wieder mal vorsichtig nach, mit wem und wo sich Ihre Tochter trifft. Ist die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer Tochter entspannt, wird es ihr vermutlich leichtfallen, von ihren Freunden zu erzählen. Etwas schwieriger ist es, wenn der Umgang insgesamt eher spannungsreich ist, sodass Sie vermutlich weniger Infos bekommen.

Party Zuhause?

Aus diesem Grund ist es zunächst wichtig, dass Sie in eine vertrauensvolle Beziehung investieren. Je mehr Vertrauen Eltern signalisieren, desto mehr sind Jugendliche bereit, sie in ihr Leben schauen zu lassen. Auf dieser Grundlage können Sie ruhig zum Ausdruck bringen, dass Sie die Freunde auch mal kennenlernen möchten. Öffnen Sie Ihr Haus und geben Sie Ihrer Tochter die Gelegenheit, ihre Freunde mitzubringen. Wenn sie sie zum Beispiel zu ihrer Geburtstagsparty nach Hause einlädt, ist ein netter und lockerer Kontakt zu den Freunden zu Beginn der Party durchaus angemessen. Aber dann ist es auch ratsam, die Jugendlichen ihre eigene Party feiern zu lassen. Zeigen Sie Präsenz, ohne sich dabei den Freunden und Ihrer Tochter aufzudrängen oder gar anzubiedern.

Aufmerksam bleiben

Wenn Ihre Tochter ein selbstbewusster Teenager ist, können Sie mit einer gesunden Portion Gelassenheit an das Thema herangehen. Vertrauen Sie Ihrer Tochter, dass Sie sich ein gutes Umfeld aussuchen wird. Wenn es allerdings ernsthafte Gründe für die Annahme gibt, dass sich Ihre Tochter in einem gefährlichen Umfeld aufhält oder wenn sie Veränderungen an ihr wahrnehmen, sollten Sie nicht tatenlos zusehen. Sobald Sie das Gefühl haben, dass die Freunde Ihrer Tochter schaden oder dass sie Ihnen entgleitet, sollten Sie bewusst das Gespräch mit ihr suchen und eventuell auch externe Hilfe in Anspruch nehmen.

Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid und ist Mitarbeiterin bei Team.F. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/11/family_freundschaft.jpg 1280 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-12-01 09:03:452020-12-01 09:03:45„Mit wem trifft sie sich?“ Wenn Eltern die Freunde ihrer Kinder nicht mehr kennen …

Beim Konflikt helfen?

„Mein Sohn (25) engagiert sich als Trainer im Fußballverein. Nun gibt es einen heftigen Konflikt mit dem Vorsitzenden des Vereins, den ich gut kenne. Soll ich versuchen zu vermitteln? Oder sollte ich mich lieber raushalten?“

Spontan würde ich als Erstes sagen: raushalten! Schließlich handelt es sich ja um erwachsene Menschen – jedenfalls dem Alter nach. Aus meiner eigenen Tätigkeit als Trainer und als Mentor unserer Vereinsvorstände (Jugend und Senioren) weiß ich aber auch, dass die Kommunikation in Vereinen ausbaufähig ist. Manchmal sind auch die Beweggründe für Konflikte vielfältig und haben oftmals mit versteckten Interessen zu tun, die nicht öffentlich gemacht werden und auch nicht immer leicht zu erkennen sind. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte es also schon sinnvoll sein, sich am Gesprächsgang zu beteiligen.

Klären Sie Ihre Rolle!

Wichtig in dem Zuge ist, dass Ihr Sohn dies nicht als Bevormundung empfindet, weshalb Sie meiner Meinung nach zunächst mit ihm das Gespräch suchen sollten. In diesem Gespräch sollten Sie folgende Fragen klären:

Will er, dass Sie an der Klärung beziehungsweise am Gesprächsprozess beteiligt sind?
Wenn ja, in welchem Maße – als direkt Beteiligter in den Gesprächen, als Ratgeber, als Mediator …?
Wäre es für ihn okay, dass Sie mit dem Vorsitzenden generell über den Konflikt reden – eventuell auch nur, um Ansichten zu spiegeln und für Verständnis und Klärung zu werben?
Gibt es Alternativen, die zu einer Klärung beitragen könnten, etwa externe Berater, Mediatoren, Ansprechpartner vom Verband oder Vereinsmitglieder, die großes Vertrauen im Verein genießen und als ausgleichende Persönlichkeiten bekannt sind?

Nicht in den Rücken fallen!

Ebenso könnten Sie Ihrem Sohn anbieten, gemeinsam die möglichen weiteren Verläufe des Konflikts mal zu durchdenken. Stellen Sie sich die Frage: „Was wäre, wenn …?“ Beachten Sie: Die Entscheidung über Ihre Rolle und Ihre Aufgabe(n) in dieser Kontroverse obliegt einzig Ihrem Sohn!

Wichtig ist meines Erachtens vor allem, dass Sie Ihrem Sohn nicht – gefühlt – in den Rücken fallen, zum Beispiel indem Sie hinter seinem Rücken agieren oder ohne sein Wissen mit dem Vorsitzenden sprechen. Selbst wenn der Filius im Unrecht wäre, würde eine Parteinahme zugunsten des Vorsitzenden Ihr familiäres Verhältnis schädigen. Verhalten Sie sich daher möglichst neutral – auch gegenüber dem Vorsitzenden. Das A und O ist Transparenz gegenüber Ihrem Sohn und die Vermittlung Ihrer Wertschätzung und Ihres Vertrauens ihm gegenüber!

Tim Linder ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Bochum-Ost und Co-Trainer der A-Jugend des SV Langendreer 04.

Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/10/AeF_stress_fussballverein.jpg 1480 1464 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-11-18 14:14:472020-12-09 13:15:23Beim Konflikt helfen?

„Glaubt die Zahnfee auch an Gott?“ – Diese Tipps helfen, wenn Kinder Glaubensfragen stellen

Kinder reden ganz unbefangen über Gott und den Glauben. Sie stellen oft lustige, manchmal aber auch herausfordernde Fragen. Die Theologin Gabriele Berger-Faragó gibt Anregungen, wie Eltern darauf reagieren können.

Die Gedanken und Gespräche von Kindern über Gott sind oft lustig, ihre Fragen an uns Erwachsene mitunter anstrengend. Für Eltern mit wenig Bezug zum Glauben ist ein „theologisches“ Gespräch mit Kindern im besten Fall irrelevant, im schlimmsten Fall wird es als Zumutung empfunden. Manche Eltern wollen ihre Kinder nicht beeinflussen, also reden sie lieber gar nicht über das Thema. Oder sie wollen sich aus persönlichen Gründen nicht damit beschäftigen und fühlen sich von den religiösen Fragen ihrer Kinder bedrängt, weshalb sie lieber ausweichen oder das Thema wechseln.

Aber auch für Eltern mit kirchlicher Bindung ist das theologische Gespräch mit Kindern oft eine Herausforderung. Manche meinen, sie müssten die „richtigen“ Antworten auf Glaubensfragen ihrer Kinder wissen und setzen sich dadurch selbst unter Druck.

Vier Themengebiete

Kinder hingegen sind dem Glauben gegenüber völlig unvoreingenommen. Sie stellen Fragen, haben selbst oft interessante Antworten und denken viel über Gott und die Welt nach. Manche ihrer Gedanken lassen uns schmunzeln, andere Fragen sind so tiefgründig, dass wir selbst als Erwachsene lange darüber nachdenken und zu keiner umfassenden Antwort kommen, egal, wie gut wir uns mit Glaube und Theologie auskennen.

Dabei drehen sich die theologischen Fragen und Aussagen von Kindern, wenn man sie näher betrachtet, grob gefasst um vier Themengebiete:

1. Wer und wie ist Gott?

Bei diesem Thema geht es nicht nur darum, wie Gott aussieht, sondern oft um Gottes Allmacht, seine Allwissenheit, sein Schöpfer-Sein und uns als seine Geschöpfe. Kinder empfinden sich nicht nur im Vergleich zu uns Erwachsenen, sondern auch Gott gegenüber als „klein“. Ihnen ist ihre Nicht-Allmacht und ihr Nicht-Wissen oft viel bewusster als uns Erwachsenen. Dabei empfinden sie Gottes Größe jedoch meistens nicht als bedrohlich, sondern als beruhigend und stabilisierend. Es ist erstaunlich, dass selbst völlig religionslos aufwachsende Kinder oft eine innere Ahnung oder ein Gefühl haben: Da ist einer über allem, der unendlich stark ist und der es gut mit mir meint. Das spiegelt sich in ihren Fragen und Gedanken zum Wesen Gottes wider. Das kann beispielsweise so klingen:

Magdalena (5) hüpft auf und ab: „Guck mal, Papa, ich hüpfe ganz doll in Gottes Hand, und ich falle nicht runter!“
Papa: „Nun ja, du hüpfst auf dem Boden.“
Magdalena: „Ja, aber Gott hält die ganze Welt in seiner Hand, also hält er auch mich auf dem Boden.“

Wie geht man mit Fragen über Gott und sein Wesen um? In jedem Fall ist es gut, sein Kind in dem Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit zu bestärken, das aus dem Glauben an eine große, liebende Macht erwächst. Wie die obigen Fragen zeigen, geben sich Kinder oft selbst die Antworten. Daher ist es besser, nachzufragen: „Was denkst du?“, als vorgefertigte Antworten zu geben.

Achtung vor der Angst

Wenn sich bei Kindern religiöse Ängste zeigen – vor Gott, seiner Allmacht, Allwissenheit oder Ähnlichem –, ist es hilfreich, nachzufragen, welche Vorstellung genau beim Kind herrscht und woher diese kommt. Häufig stellt sich dann heraus, dass Gehörtes missverstanden wurde. Oder dass Dinge kombiniert wurden, die nichts miteinander zu tun haben: Aus einem bösen Monster mit „Zauberkräften“ kombiniert mit Gottes „Allmacht“ kann ein beängstigendes Gottesbild entstehen. Es ist wichtig, diesem frühzeitig auf die Spur zu kommen und es auf liebevolle Weise aufzulösen.
Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich selbst offen auf die Fragen nach Gott einzulassen. Kinderfragen bieten die Möglichkeit, verkrustete Denkmuster aufzubrechen und nochmal neu nach dem zu fragen, was man schon längst verstanden zu haben meint. Dabei lässt sich Gott neu entdecken, der viel größer, weiter und unverständlicher ist, als wir manchmal meinen. Egal, wo wir selbst als Eltern glaubensmäßig stehen: Unsere Kinder können uns mit ihren Fragen bereichern, wenn wir uns darauf einlassen und uns mit ihnen gemeinsam auf Spurensuche machen.

2. Woher komme ich und wohin gehe ich?

Hier gilt es, zwischen „biologischen“ und „ontologischen“ Fragen zu unterscheiden. Die „biologischen“ Fragen wollen wissen, wie das Werden und Vergehen rein faktisch funktioniert: Befruchtung, Schwangerschaft, Geburt ebenso wie Sterben, Beerdigung, Zerfall des Körpers. Hier gilt es, Kindern altersgemäße, ehrliche Antworten zu geben, ohne sie zu überfordern. Als Unterstützung für Eltern gibt es hierzu viele Kinderbücher für das jeweilige Alter (siehe Buchtipps). Beispiele für „biologische“ Fragen und Gedanken von Kindern können sein:

Samuel (4): „Wenn man dick ist und stirbt, haben die Ameisen mehr zu fressen, gell?“
Tabea (6): „Mama, trink mal einen Kakao, dann trinkt dein Baby im Bauch auch Kakao, gell? Und wenn es den Kakao wieder rauspieselt, schwimmt es dann im Kakao?“

Kindgerechte Antworten

Die „ontologischen“ Fragen dagegen wollen über das „Sein“ vor und nach dem Tod Auskunft erhalten und fragen nach dem Sinn des Lebens. Kinder formulieren das einfach und konkret, beispielsweise so:

Magdalena (5): „Hat Gott sich selber gemacht? Er hat doch ‚alles, alles, alles gemacht‘ (Liedzitat). Oder?“

Die Antworten müssen ebenfalls kindgerecht sein, ohne jedoch simpel zu werden. Kinder sind durchaus in der Lage, größer und komplexer über das Sein zu denken, als wir oft meinen. Rückfragen, die das Denken der Kinder anregen und zum Finden eigener Antworten herausfordern, sind auch hier oft besser als Erwachsenen-Antworten, und können zu tiefgründigen Erkenntnissen führen, wie der Gesprächsfortgang von obiger Frage zeigt:

Mama: „Was glaubst du? Hat Gott sich selbst gemacht?“
Magdalena: „Ja!“
Mama: „Und wie geht das? Kann man sich selbst machen?“
Magdalena denkt eine Weile stumm nach, dann: „Wir Menschen können uns nicht selbst machen. Aber Gott kann alles. Also kann er sich auch selbst machen.“
Mama: „Du hast echt tiefe Gedanken.“
Magdalena denkt weiter: „Und was war, bevor Gott sich selbst gemacht hat?“
Mama: „Ja, gell? Gute Frage!“
Magdalena: „Da war er auch schon da.“
Mama: „Und woher kam Gott dann?“
Magdalena: „Ja, woher? Schon immer immer da, wie kann das sein? Das kann ich mir nicht vorstellen.“
Mama: „Ja, es ist schwer, Gott zu verstehen oder sich vorzustellen. Darum ist er ja auch Gott.“
Magdalena grübelt, nach einer langen Zeit: „Ich hab’s! Gott war erst ein Nix-Gott, und dann hat er sich selbst zum Gott-Gott gemacht, der dann die Welt gemacht hat. Gell?“

3. Fragen nach dem Unsichtbaren und Sichtbaren

Kinder wollen alles wissen. Für sie ist die Welt so neu, so faszinierend, dass sie nicht zwischen „Immanent“ und „Transzendent“, das heißt zwischen „Materiellem“ und „Über-Irdischem“ trennen. Für sie ist das ganze Leben, das Universum eins. Alles ist denkbar, alles ist möglich. Die Frage nach der Farbe von Pudding und der Farbe von Engelsflügeln macht für sie keinen Unterschied. Daher ist es wichtig, unsere Kinder nicht zu belächeln und von oben herab zu belehren, nicht die immanenten Fragen ernsthaft-wissenschaftlich und die transzendenten Fragen mystisch-märchenhaft zu beantworten, sondern auf sämtliche Fragen ernsthaft, aber doch mit spielerischer Leichtigkeit einzugehen. Theologische Gespräche von Kindern untereinander haben oft diese unverkrampfte Offenheit, wie folgendes Beispiel zeigt:

Magdalena (6): „Kann man Engel sehen? Welche Farbe haben ihre Flügel?“
Tabea (13): „Ich glaube, ihre Flügel können jede Farbe haben. Meistens sind sie unsichtbar.“
Samuel (11): „Manchmal sehen Engel wie Menschen aus und helfen uns.“
Magdalena: „Verkleiden sie sich als Menschen? Wo verstecken sie dann ihre Flügel?“
Samuel: „Nein, nicht verkleidet. Sie machen sich einfach so menschlich. Oder Gott macht das.“
Magdalena: „Ach so, ja. Gott kann alles. Aber hat er dann keine Engel mehr im Himmel?“
Tabea: „Doch, der hat genug Engel für Himmel und Erde. Er hat Heerscharen davon.“
Magdalena: „Ja, er ist ja auch der Herrscher, gell?“

4. Konkrete Wissensfragen, die sich auf die eigene Glaubensgemeinschaft beziehen

Diese Fragen entstehen bei kirchlich geprägten Kindern durch (Kinder-)Gottesdienst und Familienalltag, bei nicht-kirchlich aufwachsenden Kindern durch den Religionsunterricht oder durch Gespräche mit Gleichaltrigen. Solche Fragen oder Aussagen lauten beispielsweise so:

Ali (8), mit islamischem Hintergrund, will mehr über die Pfingstferien in Deutschland wissen: „Was ist Pfingsten? Feiern Christen das auch mit Schokotieren?“

Oder: 

Unsere Familie unterhält sich beim Essen über Gaben, die Gott uns schenkt und die wir zum Wohl unserer Mitmenschen einsetzen können. Als Beispiele nennen wir verschiedene Teams in der Gemeinde, zum Beispiel Küchenteam, Musikteam, Kindergottesdienstteam.

Magdalena (5): „Gibt es auch ein Schlafteam?“

Gemeinsam nach Antworten suchen

Auch bei religiösen Wissensfragen gilt es für Eltern, nicht gleich mit vorgefertigten Antworten zu kommen, sondern erst einmal nachzuhaken, woher die jeweilige Frage kommt und welche Gedanken das Kind selbst dazu hat. Für nichtreligiöse Eltern kann es hilfreich sein, sich ein Religionslexikon anzuschaffen (siehe Buchtipps), um mit dem Kind gemeinsam nach Antworten zu suchen. Gläubige Eltern tun gut daran, ihren Kindern zwar die Gedanken mit auf den Lebensweg zu geben, die ihnen selbst als tragfähig erscheinen, ihnen aber dabei Freiraum zu lassen, eigene Gedanken zu verfolgen.

Toleranz bewahren

Ebenso ist es wichtig, mit Kindern auch offen und tolerant über andere Weltanschauungen zu sprechen, wie folgendes Beispiel zeigt:

Im Chinarestaurant sieht Tabea (10) eine Buddha-Statue und fragt nach deren Bedeutung. Nach der kurzen Erklärung über Buddhismus staunt sie: „Und die glauben an so einen fetten Gott?“
Mama: „Nicht Gott, weiser Lehrer. Du solltest höflicher sein gegenüber dem, was andere glauben.“
Tabea: „Okay, sorry. Trotzdem mag ich Jesus lieber. Der ist dünner und sitzt nicht nur rum.“
Samuel (8): „Besser dick rumsitzen als dünn am Kreuz hängen.“
Tabea: „Stimmt, von außen betrachtet ist unsere Religion auch komisch. Aber ich glaub trotzdem an Jesus.“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für Kinder meistens gar nicht um die „korrekte“ Antwort geht, sondern darum, dass man sie ernst nimmt und mit ihnen ins Gespräch kommt. Das ist die erleichternde Botschaft sowohl für die „unreligiösen“ als auch für die „religiösen“ Eltern, die alles richtig machen wollen. Wenn man das Theologisieren mit Kindern entspannt als Möglichkeit sieht, die tiefsten Gedanken und Gefühle der Kinder besser zu verstehen und dabei selbst auf neue Ideen und Gedankenwege zu stoßen, kann es richtig großen Spaß machen.

Gabriele Berger-Faragó ist evangelische Theologin, Psychologische Beraterin und Systemische Ehe- und Familientherapeutin in eigener Praxis. Sie wohnt mit ihrer Familie in Heidelberg. Die meisten Zitate stammen von ihren drei Kindern, die mit der Veröffentlichung einverstanden sind. Bei den Zitaten anderer Kinder sind die Namen geändert.

 

Buchtipps

Religionslexika für Kinder:
Monika & Udo Tworuschka: Die Weltreligionen – Kindern erklärt (Gütersloher)
Religionen der Welt. Wieso? Weshalb? Warum? (Ravensburger)

Kinderbuch über Aufklärung, Schwangerschaft, Geburt:
Malcolm & Meryl Doney: Mama, Papa und ich. Wo kommen die kleinen Babys her? (Brunnen)

Bücher zu Tod und Sterben: 
Roland Kachler: Wie ist das mit der Trauer? (Gabriel)
Elke Barber & Anne Jarbis: Kommt Papa gleich wieder? Ein für Kindergarten- und Grundschulkinder verständliches Buch über den plötzlichen Tod eines geliebten Menschen (Mabuse)

Theologie mit Kindern:
Lydia Fischer: Glaube und Gottesvorstellungen von Kindern im Alter von 3-6 Jahren. Theologisieren mit Kindern im Kindergartenalter (Akademiker)
Friedrich Schweitzer: Das Recht des Kindes auf Religion (Gütersloher)

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