Ran an die Controller!

Letzte Woche wurde an unserer Schule ein Elternabend für die siebten Klassen zum Thema „Computerspiele“ angeboten. Deutlich mehr Eltern als erwartet waren gekommen – überwiegend Jungs-Eltern. Neben dem Input eines Lehrers wurde in kleinen Gruppen ausgetauscht und diskutiert. Es stellte sich heraus: Die meisten Eltern sind genervt von den digitalen Spielen und der Faszination, die sie auf die Kinder ausüben. Schließlich kam in meiner Gruppe die Frage auf, welche Eltern denn auch mal mit ihren Kindern zusammen zocken. Von zehn Eltern erklärte lediglich ein Vater, dass er ab und zu mal FIFA mit seinem Sohn spiele. Die anderen meinten: „Für sowas habe ich keine Zeit.“ Oder: „Das nervt mich total.“ Oder: „Der spielt ja eh schon viel zu viel.“

Ich muss zugeben, dass auch nur wenige Male zu Beginn der FIFA-Karriere meines Sohnes mit ihm gespielt habe. Mittlerweile hätte ich bei FIFA auch überhaupt keine Chance mehr. Zumal ich mich weder für Computerspiele noch für Fußball interessiere. Aber an diesem Abend ist mir klar geworden, wie wichtig es ist, mit den Kindern zu spielen. Und eben nicht nur Rollenspiele mit den Kleinen oder Lego mit den Grundschulkids und vielleicht noch ein Gesellschaftsspiel mit den Teens. Wir Eltern sollten mit unseren Kindern digital zocken. Auch wenn es uns keinen Spaß macht – das machen mir Rollenspiele oder Monopoly ja auch nicht. Aber so können wir beim Thema digitale Spiele mal aus der Mecker-Ecke rauskommen. So können wir dem Kind unsere Wertschätzung zeigen. Ihm deutlich machen, dass wir gern Zeit mit ihm verbringen und das kennenlernen, was ihn oder sie begeistert.

Ich war bei diesem Elternabend auch erstaunt, wie wenig manche Eltern über die Inhalte der Spiele wissen, die ihre Kinder spielen. Viele 12-Jährige lieben Fortnite. Da es ein Onlinespiel ist, gibt es keine USK-Kennzeichnung. Wer sich aber schlau macht (z.B. hier: www.spieleratgeber-nrw.de), findet heraus, dass das Spiel eigentlich erst ab 16 empfohlen wird. Trotzdem erlauben es viele Eltern ihren Teens. Was da genau abgeht, ist ihnen oft gar nicht so bewusst …

Ein Grund mehr, sich mal mit dem Kind oder Teenager zusammen vor die Spielkonsole zu setzen. Ich habe diese Erkenntnis gestern direkt umgesetzt und mit meinem Sohn eine Runde Minecraft gespielt. Wir haben Bäume gefällt und ein Haus gebaut – und ja, auch ein paar Schafe getötet. Sonst hätten wir kein Bett für die Nacht gehabt. Auch wenn ich ziemlich orientierungslos war – es hat Spaß gemacht. Und mein Sohn hat sich ehrlich gefreut. Also, liebe Eltern, ran an die Controller!

Bettina Wendland

Redakteurin Family/FamilyNEXT