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Schlagwortarchiv für: Partnerschaft

Beiträge

Ein Kind zu viel!?

Reagieren Partner ständig gereizt, sind gestresst, dünnhäutig und wenig umsichtig, steht schnell die Frage im Raum, ob etwas mit der Beziehung nicht stimmt. Doch manchmal liegt das Problem woanders, erklärt Jörg Berger.

Jede Paarbeziehung hat Kipppunkte. Werden sie überschritten, verändert sich das Gleichgewicht, in das sich das gemeinsame Leben eingependelt hat. Maren und Bastian (Namen geändert) zum Beispiel sind glücklich in die Liebe gestartet. Sie hatten tolle erste Jahre. In den Augen ihrer Freunde waren sie ein Dream-Team und irgendwie sind sie es auch heute noch. Trotzdem ist Maren frustriert. Sie fühlt sich im Stich gelassen mit allem, was erledigt werden muss. Warum verzieht sich Bastian in den Garten und pflegt ihn, obwohl drinnen das Chaos herrscht? „Das entspannt mich“, entschuldigt er sich. „Ich brauche auch Zeit für mich. Das war doch schon immer so.“ Umgekehrt fehlen Bastian Zärtlichkeit, Sex und Austausch mit Maren. „Wenn alles an mir hängt“, verteidigt sich Maren, „muss ich doch abends weiter machen. Dann bin ich müde und falle ins Bett.“

Kein Beziehungsproblem

Haben Maren und Bastian ein Problem in ihrer Paarbeziehung? Kommen persönliche Defizite ans Licht, von denen sie früher nur nichts gemerkt haben? Ich kann verstehen, wenn es den beiden so vorkommt. Doch ich sehe nichts dergleichen, als ich sie kennenlerne. Sie haben ein Defizit, das nichts mit ihnen zu tun hat: Ihnen fehlt Zeit. Sie haben viel zu wenig Zeit für ihre Aufgaben, für das Miteinander und für sich selbst. Bis zum zweiten Kind ging es noch irgendwie.

Doch mit dem dritten ist es gekippt. Die Hoffnung, dass es nach der Geburt wieder entspannter wird, hat sich nicht erfüllt. Alles, was ungeplant dazu kommt, ist nun viel zu viel: eine ADS-Verdachtsdiagnose der Fünfjährigen, ein Wasserschaden im Keller. Bastian sitzt beim Abendessen und kann sich nicht entspannen. Es ist ihm zu laut und er schämt sich zugleich dafür. Es sind doch seine geliebten Kinder. Wenn die Kinder streiten oder jemand etwas runterwirft, reagiert er gereizt. Als Maren ihn dann auch noch tadelnd ansieht, steht er wütend auf und geht. „Super“, denkt sich Maren. „Jetzt muss ich schon wieder alles allein machen und er hat seine Ruhe.“

Eine entlastende Sicht

Wenn Maren und Bastian darüber nachdenken, was eigentlich los ist, stehen sie unter dem gleichen Tabu wie ich bei der Einschätzung ihres Problems. Sie können kaum ihre kleine Lia ansehen und sich denken: „Ohne dich wären wir noch im Gleichgewicht.“ Doch andere Einschätzungen führen in Sackgassen, wie etwa die, dass Bastian seine Verantwortung nicht übernehme und selbstbezogen sei oder dass Maren nur noch die Kinder liebe und ihr Bastians Bedürfnisse egal seien. Denn das stimmt nicht. So waren beide nie. Unter normalen Umständen sind beide verantwortungsvoll und großzügig. Doch die Umstände sind nicht normal. Es ist alles so viel.

Wie viel Familienleben ein Paar bewältigen kann, liegt auch an gesellschaftlichen Faktoren. Manchmal entlastet es ein Paar, wenn ich darauf aufmerksam mache:

„Die Anforderungen an Familien sind enorm gestiegen. Kindergarten und Schule binden Eltern viel mehr ein, als es früher der Fall war. Außerdem hat die Mobilität zugenommen. Deshalb ist Ihre Situation ganz typisch: Ihre Eltern wohnen nicht in der Nähe. Auch Ihre Geschwister können gerade kaum aushelfen. Sie sind weit weg oder selbst in der Überforderungsfalle. Schließlich gehen junge Paare wie Sie mehr auf die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder ein, als es Ihre Eltern getan haben. Das ist natürlich gut. Aber das braucht Zeit und kostet Kraft.“

Maren und Bastian können allmählich erkennen, dass sie sich den Umständen entsprechend gut schlagen. Sie tragen schon Verantwortung über ihre Leistungsgrenzen hinaus. Es ist nicht selbstverständlich, dass es überhaupt noch schöne Momente zu zweit gibt. Diese Sicht entspannt und schafft auch eine Grundlage für einen Aktionsplan.

Delegieren und Standards senken

Kinder sind ein Geschenk an die Gesellschaft. Warum sollte es nicht in Ordnung sein, um mehr Hilfe zu bitten? Wenn man es erklärt und die Hilfe wertschätzt, sind viele bereit, zu unterstützen, auch wenn sich Geben und Nehmen nicht ausgleichen. Entlastung bringen Kinderbetreuung, Fahrten zu Terminen oder Hilfe in Haus und Garten. Vielleicht finanzieren Großeltern, die weiter weg wohnen, eine Haushaltshilfe oder einen Babysitter, wenn sie wissen, wie sehr das eine notvolle Situation entlastet.

Wenn überlastete Paare ihre Ansprüche senken, sind die Folgen oft nicht so katastrophal wie befürchtet. Ein Kindergeburtstag mit süßen Stückchen und Limo, Sackhüpfen und freiem Spiel auf dem Hof macht genauso viel Freude wie der durchgestylte Geburtstag mit raffinierter Verköstigung, Bastelaktion und süßen Tütchen zum Abschied. Vielleicht erleben die kleinen Gäste sogar intensiver, worum es eigentlich geht: um Spaß mit dem Geburtstagskind.

Mit einigen Lehrern lassen sich Bündnisse schließen, wenn man sich anvertraut. Bei Buchvorstellungen oder Präsentationen ist es vielleicht in Ordnung, dass ein Kind selbstständig sein Bestes gibt und dafür genauso gelobt wird wie andere Kinder, die stundenlang mit den Eltern gefeilt haben. Vielleicht dürfen Eltern auch mal eine Notiz ins Heft kleben, dass es in einer Woche nicht für alle Hausaufgaben gereicht hat. Das würde nicht nur entlasten, es wäre auch eine Lebensschule für das Kind: Man muss nicht über jedes Stöckchen springen, das einem jemand hinhält.

Der Preis fürs Familiesein

„Könnten Sie es vielleicht auch akzeptieren?“ Das klingt seltsam aus dem Mund eines Therapeuten, zu dem man doch kommt, um etwas zu ändern. Doch manche Probleme sind einfach der Preis, den ein Paar bezahlt, um eine so große Familie zu sein, wie man es möchte – und manchmal auch: wie es sich ergeben hat. Vielleicht gehört es für ein paar Jahre dazu, dass beide unausgeglichen sind und überreagieren. Man streitet sich und versöhnt sich oder geht einander ein paar Stunden aus dem Weg. Vielleicht kann man mit dem leben, was einem fehlt: einem Mangel an Zeit zu zweit, an Intimität oder an Sicherheit, dass der andere mit anpackt, wenn man selbst nicht mehr kann. Angenommen, dies wäre der Preis fürs Familiesein, wäre es das nicht wert? Und könnte es den Mangel und die Überforderung aufwiegen, wenn man genug Zeiten mit den Kindern gestaltet, die einen auch selbst glücklich machen?

Ich will nicht zu viel versprechen, doch manchmal liegt der Schlüssel zur Veränderung in der Akzeptanz. Dann machen überforderte Paare die Erfahrung: „Wenn ich den Mangel annehme, spürt meine Frau weniger Erwartungen und geht wieder auf mich zu.“ – „Wenn ich schätzen kann, was der andere schon beiträgt, motiviert das, und mein Mann findet zu der Extrameile, die eigentlich schon über seine Grenzen geht.“

Welchen Preis können wir zahlen?

Eine ähnliche Doppelbelastung aus Mangel und Überforderung kann auch durch andere Situationen ins Leben kommen. Es kann auch ein Karriereschritt zu viel sein oder ein umfangreiches Ehrenamt. Doch nicht immer ist das Zuviel selbst gewählt. Manchmal ist es auch eine Erkrankung oder ein Elternteil des Paares, das akut hilfsbedürftig wird. Auch dann könnten die beschriebenen Strategien helfen, sich in Überforderung und Frust zu entlasten.

Ist die Entscheidung darüber, wie groß die Familie werden darf, noch nicht gefallen? Dass wir mit jeder Lebensentscheidung ins Risiko gehen, sollte uns nicht ängstlich machen. Warum sollten wir für das, was wir wirklich wollen, nicht auch einen Preis zahlen? Umgekehrt hilft diese Frage herauszufinden, was ein Paar wirklich will: Wäre es uns eine größere Familie wert, zur Not eine Lebensphase lang einen Mangel in der Paarbeziehung zu tragen oder überfordert zu sein? Eine mutige Entscheidung ließe sich so auf eine tragfähige Grundlage stellen. Das wäre auch realistisch. Denn ein Paar kann lernen, mit einem Mangel oder einer Überforderung liebevoll umzugehen. Es gibt aber keinen therapeutischen Trick, der beides aus der Welt schafft, wenn die Zeit nicht für alles reicht. Andererseits kann es auch Liebe sein, die sagt: „Mehr traue ich mir und uns nicht zu.“

Beantworten sich Fragen der Familienplanung anders, wenn ein Paar glaubt und mit Gottes Hilfe im Familienleben rechnet? Aus meiner Perspektive würde ich sagen: Eher nicht, weil der Glaube unsere Grenzen nicht grundsätzlich verschiebt, die uns unsere leib-seelische Ausstattung und unsere Lebenssituation setzen. Paare müssen manchmal umgekehrt ihren Zugang zum Glauben anpassen, wenn dieser nicht auch noch zur Stressquelle werden soll.

Eine Wende im Glauben

Überforderte Paare, die glauben, bräuchten Gott dringend als Kraftquelle. Doch viele aktive Kirchengemeinden sind blind für die Engpässe, die das Familienleben mit sich bringen kann. Selbst ein Paar, das offensichtlich auf dem Zahnfleisch geht, wird mit allerlei Anfragen zur Mithilfe heimgesucht. Oft erwartet das ein Paar auch selbst von sich, weil es so geprägt ist. Wenn sich ein Paar innerlich sicher wird, dass es in seiner Kirchengemeinde auftanken darf und nicht helfen muss, kann es das den meisten verständlich machen und das Unverständnis weniger ignorieren. Es kann eine andere Seite des Glaubens entdecken als eine, die engagiert dient. Jesus hat denen, die ihm folgen, auch Erfrischung und Ruhe für die Seele versprochen und eine Aufgabenlast, die sanft auf den Schultern liegt (Matthäus 11,28). Wäre das nicht auch eine Facette des Glaubens, die man seinen Kindern vorleben möchte?

Jörg Berger ist Psychologe und Psychotherapeut mit eigener Praxis in Heidelberg. psychotherapie-berger.de

Zum Vertiefen Jörg Berger: „Die Anti-Erschöpfungsstrategie“ (Herder Verlag, 2023)

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/06/Ueberforderung_GettyImages_PeopleImages-e1750927338977.jpg 1120 2180 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-06-26 06:58:262025-06-26 06:58:26Ein Kind zu viel!?

Mehr Freundschaft, weniger Leidenschaft? Beziehungsexperte klärt auf

Schadet es dem Sexualleben, wenn man einander zu gut kennt? Paarcoach Marc Bareth erklärt, wie Sie dieser Dynamik entgehen und wie die Leidenschaft bleibt.

Alex fragt sich, ob die größere emotionale Nähe auch ein Grund für die fehlende Leidenschaft zwischen Julia und ihm sein könnte. Wehmütig denkt er an ihre Anfänge zurück, als sie kaum die Finger voneinander lassen konnten. Inzwischen ist ihre Freundschaft gewachsen und sie fühlen sich viel vertrauter. Gemeinsam haben sie Hürden überwunden, eine tiefe Verbundenheit aufgebaut. Doch genau diese Nähe erscheint Alex jetzt wie ein Hindernis für ihr Liebesleben.

Bindung durch Sex

Vielen Menschen fällt es leicht zu glauben, dass emotionale Nähe zu einer unbefriedigenderen Sexualität führt, weil es sich mit ihren eigenen Erfahrungen zu decken scheint. Sie erinnern sich, dass sie in ihren schlechtesten Beziehungen am meisten sexuelle Anziehung verspürten. Oder dass sie sich in emotional distanzierten Phasen körperlich besonders zueinander hingezogen fühlten. Solche Erfahrungen sind weit verbreitet. Sie bedeuten aber nicht, dass weniger emotionale Nähe zu besserem Sex führt, sondern lassen sich dadurch erklären, dass in diesen Beziehungen die Bindung bedroht war und die Partner sich deshalb durch Sex aneinander binden wollten.

Wenn die emotionale Nähe in einer Beziehung wächst, entsteht ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Diese Intimität kann die anfängliche Aufregung und sexuelle Spannung, die oft mit dem Unbekannten und Abenteuerlichen verbunden ist, verringern. Dieser Effekt wird jedoch mehr als aufgewogen durch die Tatsache, dass Menschen sich sicherer, offener und freier fühlen, ihre sexuellen Wünsche zu äußern und auszuleben, wenn eine starke emotionale Bindung besteht. Emotionale Nähe schafft Vertrauen, Offenheit und emotionale Sicherheit – alles wichtige Grundlagen für eine erfüllende Sexualität. Deshalb ist sich die überwiegende Mehrheit von Wissenschaftlerinnen und Experten einig, dass mehr emotionale Nähe zu einem besseren, nicht zu einem schlechteren Sexualleben führt.

Zuviel Routine

Dass es bei Julia und Alex im Bett nicht mehr rundläuft, kann alle möglichen Gründe haben. Vielleicht hat das Älterwerden bei beiden Spuren hinterlassen, oder sie haben inzwischen andere Lebensprioritäten, die weniger Raum für Intimität lassen. Es könnte aber auch an mangelnder Offenheit und Neugier für Neues liegen, dass das Liebesleben zu routiniert und damit langweilig geworden ist. Ungeklärte Konflikte, die unbewusst in ihre Sexualität hineinwirken und die Leidenschaft hindern, könnten ebenfalls eine Rolle spielen. Hinzu kommen möglicherweise veränderte Hormonspiegel, die das Verlangen beeinflussen, oder eine zu enge Vorstellung davon, was Sex eigentlich ist und wie er ablaufen soll.

All das sind mögliche Erklärungen. Aber ganz sicher liegt es nicht daran, dass sich die beiden jetzt emotional näher sind als zu Beginn ihrer Partnerschaft. Diese Interpretation ist nicht nur falsch, sie ist auch schädlich. Sie führt zu Resignation, anstatt den Blick für die wahren Auslöser zu öffnen. Wenn Paare hingegen gemeinsam an den Ursachen arbeiten oder neue, für die aktuelle Lebensphase passende Formen der gemeinsamen Sexualität suchen, können sie die Sexualität in ihrer Beziehung mit Leidenschaft wiederbeleben.

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Er bloggt unter familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/06/Leidenschaft_GettyImages_DaniloAndjus.jpg 1414 2119 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-06-24 13:10:122025-06-24 13:10:12Mehr Freundschaft, weniger Leidenschaft? Beziehungsexperte klärt auf

Partner fürs Leben: Paar-Expertin verrät, wie die Beziehung glücklich bleibt

Den Partner fürs Leben finden! Das wünschen sich viele. Aber ist der Traum von der ewigen Liebe nicht der Stoff für kitschige Liebesromane? Nein, sagt Psychologin Tabea Müller und gibt Tipps, wie die Liebe im Alltag lebendig bleibt und ein Leben lang halten kann.

Es war ein Novembertag in Paris, als er niederkniet und die Frage aller Fragen stellt. „Jaaaaa!“, antworte ich. Er steckt mir einen Ring an. Wir küssen uns, lachen erleichtert. Nur wenige Schritte entfernt erfüllt ein Straßenmusiker die Luft mit Geigenklängen. Zu unseren Füßen liegt Paris mit seinen verwinkelten Gassen und unendlichen Möglichkeiten – wie ein Spiegel unserer gemeinsamen Zukunft. Der Partner fürs Leben – der Traum ist zum Greifen nahe.

Der perfekte Moment

Nicht nur der Moment schien perfekt, sondern auch der Mann an meiner Seite. Mein kleines Herz konnte das große Glück gar nicht fassen, dieses vor uns liegende gemeinsame Abenteuer, das für immer halten sollte.

Niemals zuvor war ich mir einer Entscheidung so sicher wie in jenem Augenblick, auf den Stufen von Sacré-Cœur vor einem Dutzend Jahren. Ja, ich wollte seine Frau werden. Er sollte mein Mann werden. Mein one and only, mein Partner fürs Leben. Der, der besser zu mir passt als alle, die bisher meinen Weg gekreuzt haben. Auch wenn wir beide nicht perfekt sind, füreinander sind wir es – oder werden es jeden Tag ein Stückchen mehr. Und noch immer bin ich überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben.

Der Traum von der ewigen Liebe

Der Traum von der ewigen Liebe ist zeitlos – der Wunsch, den einen Partner fürs Leben zu finden, begleitet die Menschheit durch alle Generationen hindurch. Auch heute noch wollen 67 Prozent der „Generation Z“ laut einer österreichischen Jugendstudie einmal heiraten. Kein Wunder, denn die positiven Auswirkungen sind enorm: Glücklich Verheiratete leben zum Beispiel im Durchschnitt vier bis acht Jahre länger als unglücklich verheiratete oder geschiedene Paare. Sie haben mehr natürliche Killerzellen in ihren weißen Blutkörpern und sind dadurch weniger anfällig für Krankheiten.

Die tatsächliche Zahl der Eheschließungen sinkt trotzdem seit 1950 stetig. Das kann an der erschlagenden Auswahl an potenziellen Partnern liegen, die wir dank Internet inzwischen weltweit haben. Aber auch an unseren Erwartungen, die höher sind als je zuvor. Als ich meine Oma fragte, wie sie sich unter ihren Verehrern für meinen Opa entschieden hatte – ich wusste, dass es mehrere Anwärter gab –, antwortete sie: „Er hatte ein Motorrad.“

Partner fürs Leben und veränderte Ansprüche

Ein Motorrad! Das hätte heute bei Weitem nicht gereicht. Wir sehnen uns nach dem einen Menschen, der uns so sehr in seinen Bann zieht, dass uns alle anderen völlig egal sind. Wir träumen von einer Zukunft, in der wir alles teilen, beste Freunde, anregende Gesprächspartner und leidenschaftliche Liebhaber sind. Und wir wollen, dass eine einzige Person all unsere oft widersprüchlichen Bedürfnisse erfüllt – sei es Nähe, Freiheit, Verbundenheit und Erotik. Die Psychologin Esther Perel bringt es auf den Punkt: „Heute erwarten wir von einem Partner fürs Leben, was früher ein ganzes Dorf geleistet hat – und wir leben doppelt so lang wie damals.“ Kein Wunder, dass Enttäuschungen kommen, wenn wir uns diese Erwartungen nicht bewusst machen.

Den one and only kann es trotzdem geben, davon bin ich überzeugt und mit mir alle, die heutzutage noch heiraten wollen. Dabei hat das gar nicht so viel mit diesem Jemand zu tun, sondern damit, wie wir ihn oder sie wahrnehmen und behandeln. Der one and only bekommt von uns den Stellenwert, wichtiger zu sein als alles andere in unserem Leben. Diese Person ist die einzige Familie, die wir uns aussuchen können. Wir lieben sie und behandeln sie dementsprechend wie etwas ganz Wertvolles. In den ersten zwei Jahren ist das auch easy, denn da sind wir vollgepumpt mit Liebeshormonen, wie auf Drogen. Wir vergeben kleine Macken, finden sie vielleicht sogar süß. Pendeln sich die Hormone nach geraumer Zeit wieder im Normalbereich ein, stören uns Eigenheiten immer mehr. Zudem haben wir uns an die Gegenwart des Partners oder der Partnerin gewöhnt und nehmen sie oder ihn für selbstverständlich.

Was eine glückliche Ehe ausmacht

Wenn wir das Agieren unseres Partners zudem als persönliche Angriffe empfinden – was selten wirklich der Fall ist –, schleichen sich nach und nach negative Gefühle ein, und die Beziehung gerät in einen Abwärtsstrudel. Wir gehen in Gegenangriff, der Rosenkrieg beginnt: Einer kritisiert, der andere verteidigt sich, findet für jedes Fehlverhalten einen Grund. Wenn der Kritisierende auf seinem Standpunkt beharrt und mit verächtlichen, sarkastischen Bemerkungen reagiert, zieht sich der andere meist stillschweigend zurück. Gar nicht mal böswillig, sondern aus Selbstschutz vor der Flut an negativen Gefühlen, die eine leichte, humorvolle Wendung der Situation unmöglich machen.

Kritik, Verachtung, Rechtfertigung, Rückzug: Das sind laut dem Psychotherapeuten John Gottman die vier apokalyptischen Reiter, die das Ende einer Ehe ankündigen. Seit einem halben Jahrhundert erforscht er mit seinem Team im „Liebeslabor“ in Seattle Ehen und liefert beeindruckende Ergebnisse. Nicht nur können sie nach einer kurzen Beobachtungsphase mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % vorhersagen, ob sich ein Paar im Laufe seines Lebens scheiden lassen wird, viel wichtiger: Sie fanden auch heraus, was glückliche Ehen ausmacht. Denn auch glückliche Paare streiten – aber sie haben Strategien, die verhindern, dass Konflikte eskalieren. Kleine Rettungsversuche wie ein humorvoller Kommentar oder eine Entschuldigung wirken wahre Wunder. So kann das Stresslevel im Streit sinken und eskaliert nicht. Aus all seinen physiologischen Messungen und Beobachtungen siebte Gottman sieben Geheimnisse heraus, die glückliche Paare gemeinsam haben. Ich habe mir erlaubt, diese ein bisschen zu würzen.

7 Tipps für glückliche Paare

1. Gefährten

Glückliche Paare sind beste Freunde. Sie wissen, was den anderen gerade beschäftigt, wovon er träumt oder was ihn belastet.

Konkret: Geh nicht schlafen, bevor du weißt, wie es deinem Partner heute erging und was er oder sie erlebt hat. Erwarte stets, dass er/sie dir etwas erzählt, was du so nicht erwartet hast. Falls das nicht der Fall ist, stell kreativere Fragen.

2. Verehrer

Selbst nach vielen Ehejahren bewundern und respektieren glückliche Paare einander und erzählen ihre gemeinsame Liebesgeschichte positiv und detailliert.

Konkret: Behandle deinen Partner so respektvoll wie einen Kunden und gib ihm am Ende des Tages nicht nur deine müden „Reste“. Würdest du mit ihr oder ihm genauso umgehen, wenn dein Chef oder Jesus selbst zu Gast wäre? Merkt der andere, dass er oder sie dir kostbar ist?

3. Cheerleader – oder Anästhesisten

Glücklich Liebende wenden sich einander zu, kommen in der Gegenwart des anderen zur Ruhe und bauen im Gespräch den Stress des Tages ab. Egal, was passiert ist, sie stärken einander den Rücken.

Konkret: Kommt dein Partner bei dir zur Ruhe und kann entspannen? Falls nicht, hilft: Handy weglegen, aktiv mit Augenkontakt zuhören und Verständnis äußern. Dazu eine ordentliche, nicht zu sanfte Massage und der Stress fühlt sich definitiv unwohl.

4. Influencer

Glückliche Paare lassen sich vom anderen beeinflussen und schätzen ihre oder seine Sichtweise und Expertise.

Konkret: Werde selbst zum Traumpartner und zeige dich von deiner besten Seite. Dabei hilft folgende Frage: Bin ich jemand – gesund, produktiv, sauber, großzügig, ehrlich und geduldig –, mit dem man unbedingt zusammenbleiben möchte? Dann ist der andere nämlich mit Sicherheit auch offen für deine Ideen.

5. Harte Weicheikocher

Die nicht lösbaren Konflikte – das sind übrigens zwei Drittel –, die es in jeder Beziehung gibt, lassen glückliche Paare stehen und akzeptieren, dass sie Teil ihres gemeinsamen Lebens sind. Die lösbaren Konflikte lösen sie.

Konkret: Unterstelle deinem Partner NIE eine böse Absicht, höchstens Unachtsamkeit oder Unwissenheit. Dazu gehört auch, nicht aufzurechnen. 50:50 ist eine nette, aber unrealistische Idee von Beziehung, manchmal sind es 100:100, manchmal 80:20, manchmal 30:30 … Das Energielevel schwankt und das ist okay.

6. Diplomaten

Auch bei Konflikten, die zu Patt-Situationen führen, bleiben sie im Gespräch. Sie versuchen, die Grundmotivation des anderen hinter dem Standpunkt zu verstehen, bauen im Gespräch durch Rettungsversuche Stress ab und halten die nicht verhandelbaren Aspekte so gering wie möglich.

Konkret: Oft steckt irgendeine Angst hinter nicht verhandelbaren Standpunkten. Wenn du dazu neigst, ängstlich zu sein, versuche mutiger zu werden und dir häufiger die bestmöglichen Szenarien vorzustellen. Neurotizismus ist einer der wenigen Charakterzüge, die mit einer unglücklichen Ehe einhergehen.

7. Sinnfluencer

Durch Zukunftsträume, Finanzpläne oder Gottmomente im Alltag haben sich glückliche Paare einen gemeinsamen Sinn geschaffen. Wiederkehrende Familienrituale wie das gemeinsame Planen von Kindergeburtstagen oder ein ganz besonderer Ablauf an Heiligabend verbinden und definieren ein Wir-Gefühl.

Konkret: Nehmt euch Zeit und schreibt auf, was ihr in 1/3/10 Jahren besitzen sowie gelernt und erlebt haben möchtet. Dann fangt an, eure gemeinsamen Nenner probezuleben.

Lass dich von dieser Masse nicht erschlagen. Sie soll lediglich als Inspiration dienen, ganz nach dem Motto: „Das Gute behaltet.“ Vieles liegt in deiner Hand und du musst nicht warten, bis sich dein Partner oder deine Partnerin verändert.

Tabea Müller ist Psychologin und lebt mit ihrer Familie bei Karlsruhe. tabeasarah.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/02/Glueckliches-Paar-Eheapaar-Ehe-Partnerschaft.jpg 1170 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-03-12 15:18:112025-03-12 15:18:11Partner fürs Leben: Paar-Expertin verrät, wie die Beziehung glücklich bleibt

Expertin warnt: Tradwives sind keine Beziehungsratgeber

Ein Trend aus den USA, die sogenannten Tradwives, suggeriert ein neues altes Bild von Frauen und Familie. Doch hinter dem Vorhang lauern bedenkliche Ideale. Paarexpertin Ira Schneider nimmt deren Beziehungstipps unter die Lupe.

„Oh, ein leckerer Kuchen“, denke ich und betrachte das vor mir aufpoppende Video genauer. Eine Frau in blumiger Schürze, strenger Körperhaltung und adrett gelocktem Haar steht am Küchentresen voller Backutensilien. Die Szene füllt das Bild auf meinem Handy. Ich bin neugierig und schaue etwas genauer hin. Der Algorithmus von Instagram hat inzwischen registriert, dass ich dem Video einen Moment zu viel Aufmerksamkeit gewidmet habe. Schon füllen ähnliche Videos von Tradwives meinen Feed.

Damals und heute

Die Videos erinnern mich an True Womanhood und Culture of Domesticity. Das waren Schlagworte aus der amerikanischen Literaturgeschichte im 19. Jahrhundert, die kennzeichneten, wie eine wahre Frau zu sein hatte. Sie sei häuslich und der öffentliche Raum wurde ihr verwehrt. Geschichtsnarrative wiederholen sich. Die Gemeinsamkeit der Frauenbilder damals und heute: Ihre Hauptwirkungsstätte scheint ausschließlich häuslich zu sein. Doch eins ist heute anders: Obwohl die Frauen in den Videos sich im häuslichen Raum bewegen, bedienen sich einem riesigen öffentlichen und schnell zugänglichen Raum – dem medialen – um ihr Narrativ der wahren Frau zu verbreiten. Das zugrundeliegende Bild ist allerdings zutiefst patriarchalisch. Es geht um eine immer willige, stets schöne und nie erschöpfte Frau. Eine, die zuhause bleibt und dessen einziges Lebensglück das Wohl der anderen ist und die dabei die eigenen vier Wände in eine wohlige Heimat verwandelt.

Die Videos der Tradwives spielen mit Gegenüberstellung dualistischer Prinzipien einer schwarz-weißen Welt. Die Tradwife sei liebevoll, bescheiden und sogar schlank, weil sie zuhause gesund kochen könne. Eine Frau, die erwerbstätig ist, sei übergewichtig, da sie keine Zeit habe, sich gesund zu ernähren und habe einen schlechten Selbstwert. Diese selbsternannten fürsorglichen Frauen sind jedoch gar nicht so herzerwärmend wie ihre frisch aus dem Ofen gezauberten Cookies, sondern ziemlich hart – nämlich allen Frauen gegenüber, die eigene Wünsche und Bedürfnisse außer der Fürsorgearbeit ihrer Familie verspüren.

Mehr als Limonadenrezepte

Was ich als Paartherapeutin als sehr besorgniserregend empfinde, sind aber vor allem die Beziehungstipps der Tradwives. Es gibt nämlich nicht nur Cup Cake-, Limonaden- und Sauerteigrezepte im Angebot, sondern auch kostenfreie Beziehungstipps von diesen Frauen in ihren fluffigen Kleidern. Es sind Tipps für ein harmoniegeschwängertes Ehe- und Familienleben. Damit das gelinge, müsse Frau sich ihrer ureigenen Bestimmung als Hausfrau und Mutter zurückbesinnen. So zumindest das Postulat dieser Videos.

Das Ganze wird dann über Schuld- und Schammechanismen verstärkt, indem raffiniert moralisiert wird. Hierfür wird noch das Christentum hinzugezogen und Zitate aus biblischen Texten werden wie eine Collage zusammen geclustert. Dabei wird der ursprüngliche historisch-kulturelle Hintergrund ignoriert. Diese Textstellen werden so instrumentalisiert, dass vor allem Frauen ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie nicht diesem einen bestimmten Bild entsprechen.

Dieser Trend aus den USA, der auch nach Deutschland herübergeschwappt ist, arbeitet mit Stilmitteln der Übergeneralisierung. Dabei entbehren diese Gedanken und jeglicher therapeutischen Basis. Stattdessen werden hoch emotionalisiert die Beziehungstipps aus dem Ärmel beziehungsweise aus der Schürze geschüttelt. Sie tauchen plakativ als Texttitel in Videos auf, während kitschige Musik im Hintergrund läuft und um die Rührschüssel herumgetänzelt wird. Die Allgemeingültigkeit dieser Tipps wird dabei mit keiner Silbe hinterfragt. Perspektivvielfalt? Fehlanzeige!

Beziehungstipps der Tradwives im Faktencheck

Diese Frauen wissen angeblich, wie man Ehemänner glücklich macht. Dabei schreiben sich die Tradwives Ratschläge auf ihren Accounts jeweils ab. Drei Tipps tauchen interessanterweise immer wieder auf. Diese möchte ich mir genauer anschauen:

  • Die Tradwife empfiehlt, dass sich Frauen ihrem Mann immer frisch geschminkt, frisiert und fein angezogen präsentieren.

Sich für das Gegenüber frisch zu machen, ein Parfüm anzulegen, vielleicht auch mal das Oberteil zu tragen, von dem man weiß, dass der oder die andere es besonders schätzt, finde ich für Paarbeziehungen sehr achtsam, wärme-schenkend und entzückend. Aber dass hier Frauen im Grunde Frauen zu Objekten machen, finde ich empörend. Was für ein Druck, immer besonders herausgeputzt sein zu müssen und das mitten im Familienalltag, der doch oft mit kleinen Kindern unkontrollierbar und unvorhersehbar ist. Was auf Paarebene besonders problematisch ist, ist der Gedanke, sich nicht wahrhaftig zeigen zu können. Da wird etwas versteckt, nämlich die wuscheligen Haare und die verschwitzte Jogginghose. Solche Tipps nehmen einer intimen und vertrauten Beziehung die Natürlichkeit. Aber nicht nur das: Sie rauben auch das Gefühl tiefer Annahme. Denn ein wichtigstes Kriterium von Nähe ist, sich unbekümmert und frei so zu zeigen, wie man gerade ist.

  • Die Tradwife empfiehlt, sexuell großzügig zu sein.

Sexuelle Bedürfnisse im Blick zu haben, einander zu fragen, was der oder die gerade braucht, eine gemeinsame Sprache über das Sexualleben zu entfalten, sind wichtige Entwicklungsaufgaben eines Paares. Jede Frau befindet sich in unterschiedlichen Lebensphasen. Vielleicht ist gerade Wochenbettruhe angesagt oder womöglich ist das innere Nähekontingent durch Kinder, die gerade viel kuscheln wollen, bis zum letzten Tropfen ausgeschöpft. Möglicherweise ist der Alltag auch so stressig, dass für romantisch-lustvollen Sex gerade keine Kraft mehr da ist. Vielleicht liegt aber auch eine hormonelle Störung vor oder es gibt schwerwiegende traumatische Erfahrungen in Zusammenhang mit Sexualität. Einfach großzügig sein impliziert, dass fehlende Sexualität im Gegenzug emotionaler Geiz wäre. Diese Form der Unterstellung ist für keine Paarbeziehung konstruktiv. Ein hilfreicherer Tipp wäre, beide Teile des Paares zu ermuntern, sich über Wünsche und Fantasien auszutauschen.

  • Die Tradwife empfiehlt, morgens dem Ehemann Mittagessen für die Arbeit mitzugeben.

In vielen Videos sieht man Frauen, die noch vor Sonnenaufgang Fleisch anbraten und große Brotboxen richten. Gegenseitige Fürsorge, kulinarische Gelüste erfüllen, für den anderen, die andere mitdenken, einander überraschen und sich gegenseitig versorgen bringt viel Halt und Geborgenheit in Paarbeziehungen. Was diese Videos allerdings empfehlen, ist eine sehr einseitige Form der leiblichen Versorgung. Eine, bei der der Mann nicht mehr auf Augenhöhe bleibt, sondern eher auf die Kinderebene rutscht. Ich frage mich, wo hier das Elternpaar als Team ist, das die Kinder gemeinsam versorgt. Davon sehe ich in den Videos wenig. Für eine langfristig gesunde Beziehung ist es wichtig, dass Eltern miteinander kooperieren und nicht ein Teil das Gefühl hat, ein weiteres Kind versorgen zu müssen. Da braucht es Erwachsene, die selbstfürsorglich sind, was nicht bedeutet, dass auch gegenseitige Versorgung und Entlastung stattfinden kann.

Einen individuellen Weg finden

Was ich festhalten möchte: Als Paartherapeutin werte ich nicht die Verteilung von Care- und Erwerbsarbeit. Das ist nicht mein Auftrag. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass Kinder gute Bindungspersonen haben, die zuverlässig sind, und dass sie einen sicheren Lebensraum erfahren. Für mich ist entscheidend, dass beide Teile einer Partnerschaft sich in dem gesehen fühlen, was sie zum Familienleben beitragen. Für jedes Paar und jede Familie funktioniert etwas anderes. In meiner Arbeit und in meinem privaten Umfeld habe ich sehr viele unterschiedliche Paare kennengelernt. Alle geben ihr Bestes. Paritätische Partnerschaft kann man nicht pedantisch in stündlichen Tabellen ausmessen. Tabellen und Listen finden manche Paare hilfreich. Aber schlussendlich geht es darum, ob emotionale Prinzipien im Gleichgewicht sind. Beispielsweise, dass eine achtungsvolle Wertschätzung da ist oder dass das Gefühl der Gleichwertigkeit im Gleichgewicht ist.

Es ist hilfreich, wenn beide Teile des Paares sich mit Altersvorsorge beschäftigen und ein für sich gutes Modell ausarbeiten. Wenn ein Paar sich Rollen traditionell aufteilt, kann das für das Paar wunderbar funktionieren. Oft beobachte ich auch, dass Paare sich in Lebensphasen abwechseln. Mal ist der eine Teil mehr, mal der andere Partner erwerbstätig. Paarbeziehungen sind ein vertrauensvolles gegenseitiges Wechselspiel an Unterstützung. Das entscheiden Paare für sich. Hingegen ein rigides Bild zu malen, in dem Ehe und Familie nur nach einem Modell funktioniert, wie es die Tradwives in flatternden Röcken behaupten, streut rechtspopulistische Werte. Es ist ein Nährboden derer, die Frauen in ihrer Freiheit beschneiden wollen und stärkt die strukturelle Benachteiligung, die Frauen ohnehin schon erleben.

Ira Schneider arbeitet als Paartherapeutin. Ihr Ratgeber ,,Jeden Tag ein neues Ja“ ist im Juni erschienen. @ira.schneider_

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/02/TradWife_GettyImages_Tijana87.jpg 1415 2120 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-03-04 14:48:512025-03-04 14:48:51Expertin warnt: Tradwives sind keine Beziehungsratgeber

Partnerschaft eintönig? Vielleicht ist es eine „Bierdeckelallianz“

Gleiche Hobbies, gleicher Freundeskreis, alles gemeinsam machen. Eine solche Partnerschaft wird irgendwann eintönig. Paarexperte Marc Bareth nennt das eine „Bierdeckelallianz“ und erklärt, wie neuer Schwung in die Partnerschaft kommt.

Herr und Frau Flückiger verbindet eine innige Beziehung. Sie haben jung geheiratet und sind nicht nur Ehepartner, sondern auch beste Freunde. Sie verbringen gerne ihre Freizeit zusammen und haben einen großen gemeinsamen Freundeskreis. Doch schleichend wurde die Partnerschaft eintönig.

Wie ein gedrosselter Sportwagen

Dennoch hat sich bei den Flückigers in den letzten Jahren eine gewisse Unzufriedenheit mit ihrer Partnerschaft breitgemacht. Frau Flückiger beklagt immer öfter, dass ihr Ehealltag eintönig sei. Sie vermisst das Neue, das Überraschende in ihrer Beziehung. Und Herr Flückiger empfindet seine Ehe zunehmend als anstrengend. Sie entzieht ihm Energie. Kürzlich hat er einem Freund anvertraut, dass er sich zu Hause wie ein Sportwagen fühlt, dessen Motor auf 80 km/h gedrosselt ist.

Eine solche Partnerschaft nenne ich eine Bierdeckelallianz. Sie sind wie zwei Bierdeckel, die sich aneinanderlehnen. Sie stützen sich gegenseitig und können dank dem anderen stehen. Sie brauchen einander, denn gemeinsam schaffen sie, was jeder für sich nicht schafft. Zwei aneinandergelehnte Bierdeckel sind aber auch voneinander abhängig. Keiner darf sich zu fest bewegen, verändern oder gar wachsen, sonst könnte das Ganze einstürzen.

Das erlebt das Ehepaar Flückiger. Weil beide nicht allein durchs Leben gehen können, klammern sie sich aneinander und suchen die Verschmelzung. Das führt dazu, dass sich ihr Leben zunehmend auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner abspielt. In der Freizeit machen sie nur noch das, worauf beide Lust haben. Lebensbereiche und Themen, zu denen sie unterschiedliche Ansichten haben, verdrängen sie.

Nähe und Freiheit

Der Preis dafür, ein Herz und eine Seele zu sein, ist, dass beide alle Eigenschaften und Interessen gekappt haben, die nicht mit denen des Partners übereinstimmen. Eine solche Beziehung ist eine falsch verstandene Art von Einssein. Sie führt zu den Symptomen, unter denen die Flückigers heute leiden: Langeweile, Stagnation, Leblosigkeit und Verkümmerung.

Ein gesundes Einssein ist keine Bierdeckelallianz, sondern lässt sich mit dem Bild zweier starker Bäume beschreiben, deren Kronen sich zu einem gemeinsamen Blätterdach verbinden. Es ist die volle Nähe zweier Menschen, die beide auch unabhängig voneinander im Leben stehen könnten. Es ist eine Nähe, die dem anderen Freiheit, Entwicklung und Veränderung zugesteht, weil dies für den fest verwurzelten und selbst stehenden Baum nicht bedrohlich ist. Der Weg zu mehr Lebendigkeit in der Partnerschaft besteht darin, in enger Verbindung mit dem Partner und trotzdem ganz bei sich selbst zu bleiben.

Wenn die Flückigers wieder mehr Lebendigkeit in ihre Beziehung bringen wollen, führt kein Weg daran vorbei, sich die eigene Individualität in kleinen Schritten zurückzuerobern. Dazu gehören zwei Seiten. Zum einen, sich zu trauen, den Partner nicht ständig zu schonen, sondern zu seinen Bedürfnissen zu stehen und sich selbst in seiner Andersartigkeit dem Partner zuzumuten. Und andererseits dem anderen eine eigene Meinung, andere Bedürfnisse und eine Entwicklung zuzugestehen, auch wenn sich das bedrohlich anfühlt.

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/02/eintoenige-Partnerschaft_GettyImages_skynesher.jpg 1414 2120 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-02-26 14:24:292025-02-26 14:24:29Partnerschaft eintönig? Vielleicht ist es eine „Bierdeckelallianz“

Liebesbeweis: So signalisieren Sie echtes Interesse

Wenn wir einen Gesprächsfaden wieder aufnehmen, zeigen wir unserem Gegenüber echte Wertschätzung. Beziehungsexperte Marc Bareth verrät, wie dieser Liebesbeweis gelingt.

„Ich habe mir noch einmal Gedanken darüber gemacht, was dich an meiner Unordnung stört.“ Dieser Satz ist ein Liebesbeweis. Er ist wertvoller als die teure Halskette zum letzten Valentinstag. Mit diesem Satz nimmt jemand den Faden wieder auf, der liegen geblieben ist.

Interesse oder Vermeidung

Wer den Faden wieder aufnimmt, zeigt damit, dass ihm das Anliegen seiner Partnerin wichtig ist. Und damit immer auch, dass sie ihm wichtig ist.Wenn ich also frage, wie denn heute das klärende Gespräch mit dem Arbeitskollegen gelaufen ist, das dir gestern Abend noch Kopfzerbrechen bereitet hat, dann ist das mehr als nur eine Frage. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass ich mich für dich und deine Welt interessiere. Das ist ein starker Liebesbeweis. Leider gilt auch das Umgekehrte. Wenn du die Bedenken nicht nochmals aufnimmst, die deine Partnerin zum Beispiel bezüglich eures Sexlebens geäußert hat, wird sie dir das vielleicht noch als Vergesslichkeit auslegen. Oder als Vermeidung unangenehmer Themen. Aber wenn wir den Faden Mal für Mal nicht wieder aufnehmen, ändert sich die Interpretation des Gegenübers ziemlich schnell. Es wird uns dann als Desinteresse nicht nur an der Sache, sondern auch an der Person selbst ausgelegt.

Erinnerungshilfen schaffen

Ohne es zu wollen, senden wir damit die Botschaft, dass uns der andere nicht wichtig ist. Und weil diese Botschaft elementar bedrohlich ist, aktiviert sie bei unserem Gegenüber einen Teil des Gehirns, der für den Umgang mit massiven Bedrohungen zuständig ist. Dieses Hirnareal ist zu keiner differenzierten Reaktion fähig, es kennt nur Kampf, Flucht und Erstarrung. Das mag hilfreich sein, wenn die Bedrohung ein wilder Säbelzahntiger ist, aber nicht, wenn der Partner den Faden schon wieder nicht aufgenommen hat. Deshalb ist es so wichtig, den Faden immer wieder aufzunehmen und Themen, die noch nicht zu Ende besprochen wurden oder sich weiterentwickelt haben, proaktiv wieder aufzugreifen. Zum Beispiel so: „Vor ein paar Wochen hast du gesagt, dass du dich von mir oft kritisiert fühlst und dir mehr Wertschätzung wünschst. Hat sich das in der Zwischenzeit verbessert oder fühlt es sich für dich immer noch so an?“

Wer sich damit schwertut, sollte sich nicht scheuen, Erinnerungshilfen einzusetzen. Wenn ich einen Arzttermin habe oder bei einem Mitarbeiter nachfragen möchte, wie ein für das Projekt wichtiges Meeting gelaufen ist, trage ich das auch in meinen Kalender ein und setze mir eine Erinnerung. Gerade weil es mir wichtig ist, benutze ich Tools, damit es nicht untergeht. Warum also nicht auch, um den Faden in meiner Partnerschaft wieder aufzunehmen?

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/01/Vertrautes-Gespraech_GettyImages_littlehenrabi.jpg 1299 2309 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-01-24 16:21:302025-01-24 16:25:05Liebesbeweis: So signalisieren Sie echtes Interesse

Beziehungs-Zoff vermeiden, auf Augenhöhe leben

Wenn es in der Partnerschaft kracht, liegt es oft daran, dass unterschiedliche Persönlichkeitsanteile aufeinandertreffen. Paartherapeutin Ira Schneider erklärt, wie Partner auf Augenhöhe zusammenfinden.

Als Paar seid ihr eine Dyade, also ein System aus zwei Personen. Wenn Kinder dazukommen, entstehen mehrere Dyaden. Die Mutter-Kind-Dyade, die Vater-Kind-Dyade und auch eine neue Triade entsteht, denn ihr seid dann zu dritt. Je mehr Kinder dazukommen, desto komplexer wird es. Aber schon in der Dyade als Paar steckt genug Zündstoff, den es anzuschauen gilt. Das geschieht, wenn sich die Parter nicht auf Augenhöhe begegnen.

Innere Anteile verstehen

Zunächst einmal: Eine Paarbeziehung bewegt sich immer zwischen Fortschritt (Progression) und kindlichen Anteilen (Regression). Denn auch als Erwachsene tragen wir unsere kindlichen Anteile weiterhin in uns. Die Progression steht für unsere selbstständigen Anteile, wie „Identität, Stabilität, Autonomie, Reife, Tatkraft und Kompetenzen“ (Heidrun Ferguson, Partnerschaftsprobleme und chronischer Stress). Die Regression steht für „Einssein, Pflege, Umsorgung, Schutz, Geborgenheit und Abhängigkeit“ (Ferguson). Diese bedürftigen Anteile in uns werden innerhalb unserer Ehe aktiviert, und es geht darum, beweglich und flexibel mit ihnen umgehen zu können. Das können Paare miteinander lernen. Diese inneren Anteile begegnen jedem Paar in verschiedensten Abschnitten und Momentaufnahmen immer wieder. In der Paartherapie und zur Reflexion hat sich die Transaktionsanalyse als hilfreich erwiesen. Die Transaktionsanalyse ist eine „sozialpsychologische Theorie und Methode, welche Austausch und die Begegnungen von Menschen in den Vordergrund stellt und dabei unterschiedliche Kontexte sowie Persönlichkeitsanteile und Lebensgeschichten der Menschen berücksichtigt“ (Jürg Bolliger, Grundlagen der Transaktionsanalyse). Dabei reagieren Paare in der Interaktion meist auf drei verschiedenen Ebenen (vgl. Bolliger):

  • Eltern-Ich: Ein Teil des Paares kann aus dem Eltern-Ich reagieren. Dieses Eltern-Ich kann fürsorglich oder kritisch sein.
  • Kind-Ich: Ein Teil des Paares kann aber auch aus einem Kind-Ich reagieren. Dieses Kind-Ich kann angepasst, rebellisch oder frei sein.
  • Erwachsenen-Ich: Ein Teil des Paares kann aus dem Erwachsenen-Ich reagieren. Dieses kann realitätsbezogen, problemlösend und sachbezogen sein.

Im ungünstigen Zustand

Das Ziel einer Paarbeziehung ist, dass sich beide auf Augenhöhe im Erwachsenen-Ich begegnen. Nehmen wir folgende Paarsituation an: Greta und Ben sind mit Freunden im Kino verabredet. Sie machen sich im Flur fertig. Draußen regnet es in Strömen. Ben nimmt noch schnell einen Regenschirm zur Hand. Greta nimmt eine dünne Übergangsjacke und wirft sie sich über. Die beiden sind ohnehin spät dran. Ben verspürt einen Fürsorgedrang und will nicht, dass Greta sich erkältet.

Gleichzeitig erlebt er innerlich einen Kontrollverlust: Wenn Greta krank wird, liegt sie mehrere Tage flach und fällt bei der Kinderbetreuung aus. Ben verwandelt sich in ein kritisches und fürsorgliches Eltern-Ich zugleich. Aus ihm schießt es heraus: „Du nimmst doch nicht etwa bei dem Regen eine Übergangsjacke. Zieh dir doch was Richtiges an. Hier, deine Regenjacke.“ Greta fühlt sich augenblicklich angegriffen. Ihr wurde suggestiv eine umgekehrte Rolle zugewiesen. Statt bei sich zu bleiben, springt sie in die Dynamik mit rein und reagiert aus einem trotzigen Kind-Ich heraus. Sie zischt: „Das ist ja wohl meine Sache. Ich brauche eigentlich gar keine Jacke.“ Sie lässt sowohl die Übergangsjacke als auch die Regenjacke drinnen liegen und stapft raus. Schon ist die Stimmung im Eimer. Greta könnte einen weichen Blick auf Ben einnehmen und nachhorchen, wovor er sich schützt, weshalb er so vehement auf die Jacke pocht.

Wenn Paare sich wie Kinder oder Eltern verhalten, passiert das in der Regel unbewusst. Die Begleitaffekte können jedoch oft Wut oder eine diffuse und nicht greifbare Stimmung sein. Eine Möglichkeit wäre hier, dass Greta Ben erklärt, dass sie gern für sich selbst sorgen und dementsprechend auch gern allein entscheiden möchte, wie sie sich kleidet. Ben muss lernen, Gretas Grenzen und Autonomie zu wahren. Auch würde es ihm in dieser Situation helfen, seine eigentliche Angst, nämlich die Fantasie einer kranken Greta, die nicht mehr ihren Fürsorgeanteil bezüglich der Kinder übernehmen kann, zu kommunizieren.

Gemeinsame Augenhöhe finden

Es kann sehr kräftezehrend und wohltuend zugleich sein, sich mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen. Keine Herkunftsfamilie, kein Paar ist perfekt. Doch allein die Tatsache, dass ihr euch mit diesen Fragen auseinandergesetzt habt, ist ein enormer Schritt. Sicher, eure kindlichen Anteile werden immer ein Stück weit bleiben und es ist wichtig, sie liebevoll zu umsorgen und anzunehmen. Ihr könnt mit eurer Ehe aber auch vieles, wenn nicht sogar alles überschreiben und wiedergutmachen und Ja zu einer Partnerschaft auf Augenhöhe sagen.

Hilfreiche Fragen für eure Beziehung

  • Rutscht ihr manchmal in verdrehte Rollen? Wenn ja, welche Situationen kommen euch hier in den Sinn?
  • Wenn ihr gerade nicht im Erwachsenen-Ich reagiert, zu was neigt ihr eher: zum Eltern-Ich oder zum Kind-Ich?
  • Welches kleine Signalwort könntet ihr verabreden, um euch daran zu erinnern, wieder aus dem Erwachsenen-Ich zu reagieren?

Ira Schneider arbeitet als Paartherapeutin und Autorin. Der Artikel stammt leicht verändert aus ihrem frisch erschienenen Buch „Jeden Tag ein neues Ja“ (SCM Hänssler).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/12/F_Schneider-JA_BN_GettyImagesjavi_indy-1948087665-scaled-e1734438680918.jpg 1615 2695 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-12-18 12:29:312024-12-18 12:29:31Beziehungs-Zoff vermeiden, auf Augenhöhe leben

Commitment: Dieser Satz hält Ihre Beziehung lebendig

Was der Beziehung wirklich dient, geht tiefer als Kommunikation oder Sexualität. Es ist Commitment. Paarexperte Marc Bareth weiß, was wir einander immer wieder sagen müssen, um eine stabile Partnerschaft zu leben.

Eine große Studie hat kürzlich untersucht, was für das Gelingen einer Partnerschaft entscheidend ist. Ist es die Kompatibilität der beiden Partner? Eine überdurchschnittlich gute Kommunikation? Oder etwa eine befriedigende Paarsexualität? Nein, es ist ein Commitment.

Eine feste Zusage

Die Forschenden rund um Samantha Joel haben 43 bestehende Paarstudien kombiniert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen Faktor gibt, der wichtiger ist als Kompatibilität, Kommunikation und Sex: Es ist das Wissen, dass die andere Person voll und ganz hinter einem steht und einen nicht im Stich lässt. Oder kurz: Commitment. Dies ist das Fundament unseres Beziehungshauses. Auf dem uneingeschränkten Ja zueinander bauen alle anderen Beziehungsbereiche wie Kommunikation, Konfliktlösung und Freizeitgestaltung auf.

Wenn das Fundament Risse bekommt, hat das unmittelbare Auswirkungen auf alle Beziehungsräume, vom Umgang mit den Schwiegereltern über die Sexualität bis zum Umgang mit Geld. Ich will das am Beispiel der Kommunikation verdeutlichen. Sarah ist eine hervorragende Kommunikatorin. Sie beherrscht die Gewaltfreie Kommunikation und andere Konzepte im Schlaf. Doch all das nützt ihr nichts, wenn sie spürt, dass das Commitment ihres Partners bröckelt. Denn wenn sie sich nicht mehr sicher ist, ob er zu ihr steht und sie unterstützt, werden bei ihr Ängste aktiviert.

Standhaft gegen die Ur-Angst

Der Verlust des Partners gehört zu den bedrohlichsten Szenarien unseres Lebens. Wir reagieren darauf ähnlich wie Menschen vor 3.000 Jahren, wenn sie einer wütenden Bärenmutter gegenüberstanden: Unser Körper schüttet Adrenalin und Cortisol aus und es kommt zu einer Fight-Flight-Freeze-Reaktion. Während es bei der Begegnung mit der Bärenmutter noch überlebenswichtig war, alle mentalen und körperlichen Ressourcen für eine Kampf-, Flucht- oder Erstarrungsreaktion zu bündeln, ist dies in einer heutigen Partnerschaft eher nicht hilfreich. Denn diese Reaktion führt dazu, dass wir nicht mehr auf unsere erlernten Kommunikationsstrategien zurückgreifen können. Dazu bräuchten wir unser Großhirn.

Die Bedrohung – das schwindende Commitment unseres Partners – führt dazu, dass das Stammhirn übernimmt und das Großhirn abschaltet.So kann Sarah ihre kommunikativen Fähigkeiten nicht mehr abrufen. Stattdessen wird sie aggressiv, flieht oder erstarrt. Natürlich reagiert ihr Partner nicht gut darauf und die Paarkommunikation, eigentlich immer eine Stärke dieses Paares, bricht zusammen.Weil das Commitment so zentral für jede Partnerschaft ist, sind Paare im Vorteil, die die Ehe als lebenslange und grundsätzlich unauflösliche Gemeinschaft verstehen. Wer weiß, dass die Partnerin auch in schweren Konflikten nicht von seiner Seite weicht, ist weniger gefährdet, dass das Stammhirn das Ruder übernimmt, weil zu wenig Commitment des Gegenübers wahrgenommen wird.

Um dem Gegenüber zu zeigen, dass man durch dick und dünn zusammenhält, sind Worte wichtig. Noch bedeutender als sich „Ich liebe dich“ zu sagen, ist es, sich gegenseitig sein Commitment zu bestätigen. Deshalb lautet der wichtigste Satz in einer Beziehung: „Ich bin da für dich und stehe immer hinter dir.“ Wenn wir einander diesen Satz wirklich glauben können, dann gibt uns das die Sicherheit, die wir als Grundlage für alle Beziehungsbereiche brauchen.

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/12/F_53_momcilog_GettyImages-982603732-scaled.jpg 2000 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-12-04 16:45:062024-12-05 08:49:59Commitment: Dieser Satz hält Ihre Beziehung lebendig

Kommunikation ohne Eskalation: Expertin gibt Tipps

Unbedachte Worte in der Partnerschaft können tief verletzen. Beziehungs- und Kommunikationsexpertin Piroska Gavallér-Rothe erklärt, wie achtsame Kommunikation einfach gelingen kann.

Gerade war noch alles gut, doch plötzlich kippt die Kommunikation und ein Satz schießt um die Ecke und bohrt sich wie ein spitzer Pfeil in Thomas’ Herz. Thomas’ Kopf weiß: „Das ist nicht böse gemeint!“ – dennoch kann er nicht anders und zieht sich verletzt zurück. Den Rest des Abends muss Lea allein verbringen.

Auch bei Hannah und Jonas nimmt der Abend eine abrupte Wendung: Jonas macht einen unbedachten Kommentar – schon wird Hannah laut. Schneller als sie gucken können, haben sie sich wieder in einen Streit verstrickt.

In der Tat sind es oft Kleinigkeiten, an denen sich in Partnerschaften Streitigkeiten entzünden. Viele Paare stehen dann hilf- und ratlos da und fragen sich, woran es liegt. Es gibt verschiedene Gründe, die zu solchen Situationen führen. In diesem Artikel möchte ich vier Aspekte herausgreifen, die mir in meiner Arbeit mit Paaren regelmäßig begegnen:

1. Formulierungen mit Eskalationspotenzial

Auch wenn wir es selten böse meinen – aus kommunikationspsychologischer Sicht verwenden Menschen erschreckend viele dysfunktionale Sprachmuster. Mit ihnen bringen wir direkt oder indirekt zum Ausdruck, unser Gegenüber habe etwas falsch gemacht oder sei nicht okay.

Zu den dysfunktionalen Sprachmustern zählen insbesondere Urteile und Bewertungen wie zum Beispiel:

  • Du bist einfach viel zu empfindlich!
  • Das war mal wieder eine deiner vorschnellen Aktionen.
  • Vielleicht solltest du erst mal den Kopf einschalten und erst dann sprechen.

Aber auch Vergleiche bergen ungute Botschaften über unser Gegenüber in sich und können daher schnell zu einer Eskalation der Situation führen:

  • Du bist schon so wie deine Mutter!
  • Warum bloß hat niemand außer dir ein Problem mit dem, was ich sage?
  • Früher hast du nicht alles gleich auf die Goldwaage gelegt!

Eine subtile Form dysfunktionaler Sprachmuster ist das Leugnen von Verantwortung. In diesem Fall klingt das Gesagte so, als sei unser Gegenüber für die angesprochene Misere verantwortlich – während man selbst bequem aus dem Schneider ist:

  • Du könntest mittlerweile wirklich wissen, wo meine wunden Punkte liegen …
  • Wenn du nicht immer so empfindlich wärst, hätten wir weitaus weniger Probleme!
  • Wieso soll ich jetzt freundlich bleiben, wenn du mich gerade so angefahren hast?

Frühe Prägung

Die meisten von uns wurden schon seit frühester Kindheit von solchen Formulierungen geprägt. Wir haben sie so oft und selbstverständlich gehört, dass wir sie unbewusst übernommen haben. Heute verwenden wir sie selbst – meistens ohne es überhaupt zu merken! Genau deshalb ist es oft schwer nachvollziehbar, wenn das Gegenüber unleidig reagiert oder sich verletzt zurückzieht.

Dysfunktionale Sprachmuster wirken wie Tretminen in der Kommunikation. Besonders gilt das für Beziehungen, in denen Menschen in einem Näheverhältnis zueinander stehen – also in der Partnerschaft, aber auch in der Eltern-Kind-Beziehung oder der Beziehung zwischen Geschwistern. Das hohe Maß an Intimität macht die beteiligten Menschen verletzlich, denn nirgendwo tut Ablehnung so weh, als in Beziehungen, in denen wir uns nach Liebe sehnen.

2. Empfindliche Ohren in der Kommunikation

Auch empfindliche Ohren können dazu führen, dass Gespräche aus dem Ruder laufen. Oft sind sie das Ergebnis dysfunktionaler Erziehungsbotschaften. Kritische Urteile wie zum Beispiel „Du bist zu neugierig!“, und negative Vergleiche wie beispielsweise „Nimm dir mal ein Beispiel an deinem Bruder!“, können das Selbstvertrauen von Kindern ebenso erschüttern wie der Vorwurf, für unerwünschte Gefühle anderer Menschen die Verantwortung zu tragen: „Mama ist jetzt ganz traurig, weil du immer noch nicht schlafen willst.“ Schnell entsteht so die kindliche Überzeugung, „schuldig“ oder „nicht richtig“ zu sein.

Ohne positive Gegenimpulse gräbt sich dieses negative Selbstbild tief ins eigene Erleben ein und beeinflusst auch im Erwachsenenalter unsere Wahrnehmung und unsere Reaktionen. Auch positiv gemeinte Äußerungen wie zum Beispiel: „Ich bin wirklich froh, dass du heute Abend so entspannt bist!“, können dann leicht als persönlicher Vorwurf gehört werden und zu gekränkten Reaktionen führen: „Sag doch gleich, dass es dich nervt, dass ich in letzter Zeit so gestresst bin!“

Ungute Paarung

Treffen dysfunktionale Sprachmuster auf empfindliche Ohren, ist das Unglück vorprogrammiert. Meistens fehlen nämlich auf beiden Seiten Fertigkeiten, um das Gespräch zurück in konstruktive Bahnen zu lenken: Die sprechende Person vermag es nicht, über ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen. Selbst wenn sie Ich-Botschaften zu verwenden versucht, verbirgt sich oft noch eine vorwurfsvolle Du-Botschaft in ihren Worten („Ich bin traurig, weil du mich mal wieder nicht ernst nimmst.“).

Der empfangenden Person fehlen wiederum die Fähigkeiten, in vorwurfsvollen Aussagen die Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers zu erkennen, ohne sich dadurch selbst angegriffen oder schuldig zu fühlen („Bist du traurig, weil es dir wichtig ist, ernst genommen zu werden?“).

3. Störungen der Beziehungsebene

Dass es in Beziehungen zu Unstimmigkeiten kommt, ist normal und im Grunde auch nicht schlimm. Schlimm wird es nur, wenn sie nicht aufgelöst werden – weil man zum Beispiel keine Zeit darauf verwenden mag oder es nicht vonnöten erscheint. Dann kommt es zu Verwerfungen auf der Beziehungsebene. Wie bei tektonischen Platten führt das zu Spannungen. Kommen weitere unaufgelöste Unstimmigkeiten hinzu, verstärken sich die Spannungen. Schließlich kann die Spannung so stark werden, dass sie sich selbst bei kleinen Dingen in heftigen Erschütterungen entlädt.

Verbindungslücke

Die herkömmliche Form unserer Kommunikation ist nicht geeignet, Unstimmigkeiten in verbindender Weise auflösenzu können. Stattdessen fördert sie zermürbende Diskussionen, in denen man sich im Kreis dreht und am Ende doch nichts klärt.

4. Biografische Verletzungen

Es gibt immer wieder Situationen, in denen so starke Emotionen zu wirken beginnen, dass wir sie nicht richtig zu steuern vermögen. Dann übernimmt ein Autopilot das Ruder und wir tun oder sagen Dinge, die wir später bereuen.

Ein aktivierter Autopilot zeigt mit hoher Wahrscheinlichkeit an, dass gerade tiefgreifende und noch immer schmerzende Verletzungen in uns berührt werden. Die Heftigkeit der emotionalen Reaktion weist darauf hin, wie groß der stimulierte Schmerz in Wirklichkeit ist.

Verdrängt und abgespalten

Besonders schmerzhaft oder gar traumatisch erlebte Erlebnisse – insbesondere aus der Kindheit – werden sehr häufig aus dem Bereich des bewusst Zugänglichen in den Bereich des Unbewussten verschoben. Die emotionale Reaktivität bleibt jedoch erhalten. So schlittern wir immer wieder in reaktive Verhaltensweisen, können aber nicht wirklich nachvollziehen, weshalb.

Lichtblick

Eskalierender Streit in der Kommunikation als Paar – das muss kein Schicksal bleiben! Als Paar kann man sehr wohl einiges tun, um entspannter miteinander auszukommen:

Kommunikation

Hierbei geht es weder um Rhetorik noch um kommunikative Tipps und Tricks, sondern um die Fähigkeit, anders zu sprechen und anders zu hören.

Anders sprechen bedeutet: Sich aus dysfunktionalen Sprachmustern zu befreien und stattdessen Worte wählen zu können, mit denen wir wertschätzend und klar zum Ausdruck bringen, was wir fühlen und was wir brauchen.

Anders hören bedeutet: Einfühlsam und bedürfnisorientiert unserem Gegenüber zuhören zu können – sogar dann, wenn es gerade dysfunktionale Sprachmuster nutzt.

Dialog

Der Dialog ist der Gegenentwurf zur Diskussion. Kommunikatives Kräftemessen und die Durchsetzung der eigenen Meinung wird ersetzt durch einen verbindenden Austausch auf Augenhöhe. Die dialogische Gesprächsführung folgt klaren Abläufen und verbindet die neue Form des Sprechens und des Hörens zu einem lebendigen Ganzen.

Heilung

Möchten wir auch in Situationen mit einer hohen emotionalen Last angemessen agieren können, kommen wir nicht umhin, uns um unsere tiefliegenden Verletzungen zu kümmern. Kümmern bedeutet nicht, die Situation psychologisch analysieren oder kognitiv erklären zu können. Vielmehr geht es darum, sich der eigenen Verletzung liebevoll anzunehmen und sie damit zu versorgen, was sie braucht, damit es weniger schmerzt – auch und insbesondere dann, wenn sie einen schmerzvollen Impuls durch das Außen erfährt. Erst durch unsere fürsorgliche Zuwendung wird der Anteil nach und nach entspannen und durchatmen können, anstatt sich durch reaktive Automatismen zu schützen zu versuchen.

Am besten gelingt eine solche Heilungsarbeit in einem professionell begleiteten Kontext. Sich einfühlsam den eigenen Verletzungen zu widmen, stärkt nicht nur die persönliche Resilienz, sondern ermöglicht auch die Versöhnung mit der eigenen Biografie. Und wer versöhnt ist mit sich selbst, kann auch versöhnlich mit dem Partner sein.

Piroska Gavallér-Rothe ist Trainerin für Konflikt- und Kommunikationskompetenz und Paartherapeutin. Weitere Informationen unter: gavaller-rothe.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/10/F_60-61_BN_Getty-Images_Svitlana-Hulko_1367230842-scaled-e1728379639144.jpg 1425 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-10-08 12:04:102024-10-08 12:04:10Kommunikation ohne Eskalation: Expertin gibt Tipps

Partnerschaft: Was erwarten wir von der Liebe?

Von einer Partnerschaft erwarten wir, dass sie uns erfüllt. Aber ist unser Partner wirklich für unser Glück verantwortlich? Paarexperte Marc Bareth sieht das kritisch.

Warum hast du dich damals eigentlich für eine Beziehung mit deinem Partner entschieden? Als ich kürzlich über diese Frage nachgedacht habe, war ich überrascht und ehrlich gesagt auch ein bisschen ernüchtert, was da alles zusammengekommen ist. Ein wichtiger Grund für die Partnerschaft war natürlich, dass ich verliebt war. Aber auch, dass ich der Meinung war, dass die Charaktereigenschaften meiner Partnerin eine gute Ergänzung zu meinen waren. Und schließlich, dass ich mir gut vorstellen konnte, mit dieser Person an meiner Seite durchs Leben zu gehen. Dass sie mein Leben bereichern und ich mit ihr glücklich sein würde.

Sehnsüchte erfüllen

Allediese Gründe haben eines gemeinsam: Es geht nur um mich. „Was bringt es mir?“ als Leitfrage unserer Beziehung schien mir schon eine bedenkliche Basis für eine lebenslange Partnerschaft zu sein. Ein wenig beruhigt hat mich dann die Erkenntnis, dass es wohl allen so geht. Wir sind alle mit überwiegend eigennützigen Motiven in unsere Beziehungen gestartet.

Wir wünschen uns, dass unser Leben durch unsere Partnerschaft besser wird. Oder etwas dramatischer ausgedrückt: Wir erwarten von unserer Partnerschaft, dass sie unsere Defizite, Löcher und Sehnsüchte stopft. Wir brauchen unsere Beziehung als Krücke, um uns glücklicher oder weniger einsam zu fühlen. Und weil es unserer Partnerin oder unserem Partner wahrscheinlich ähnlich geht, stützen wir uns nun also zu zweit auf diese Krücke und hoffen, dass sie hält.

Eine Partnerschaft leidet darunter, wenn es bei diesen Motiven bleibt. Wahre Liebe kann dort entstehen, wo wir die Liebe nicht brauchen, sondern uns aus freien Stücken dafür entscheiden. Nur wenn wir nicht vom Partner abhängig sind, können wir ihn wirklich auf diese Art lieben.

Eine Quelle der Erfüllung finden

In einem der bekanntesten Trauverse aus der Bibel heißt es, dass die Liebe nicht den eigenen Vorteil sucht (1. Korinther 13,5). Oder anders übersetzt: „Die Liebe sucht nicht das Ihre.“ Das ist die Art von Liebe, von der von der Bibel die Rede ist, einer Liebe, die Gott zu uns Menschen hat. Er liebt uns nicht, weil ihm irgendetwas fehlt, was er in der Beziehung zu uns zu bekommen hofft. Und diese reife Art der Liebe soll auch das Ziel unserer Liebe sein.

Eine solche Liebe hat nichts mit falscher Demut, vorgetäuschter Selbstlosigkeit oder Verdrängung eigener Bedürfnisse zu tun. Im Gegenteil: Der Abt Bernhard von Clairvaux kam schon vor rund 900 Jahren zu dem Schluss, dass die Liebe nicht das Ihre sucht, weil sie es eben schon hat.

Ich wünsche mir, dass wir uns alle auf den Weg zu einer weniger egoistischen Liebe machen. Gelingen kann uns das, wenn wir eine Quelle finden, aus der unsere Defizite, Löcher und Sehnsüchte auf eine gesunde und nachhaltige Weise gestillt werden und dafür nicht ausschließlich unsere Partnerschaft herhalten muss.

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/09/Glueckliches-Paar_BN_GettyImages_Oleh_Slobodeniuk-e1727160839979.jpg 1172 2126 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-09-24 09:25:432024-09-24 09:25:43Partnerschaft: Was erwarten wir von der Liebe?
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