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Schlagwortarchiv für: Streit

Beiträge

Zoff mit der Schwiegertochter

„Ich rassle immer häufiger mit der Frau meines Sohnes aneinander. Unser Verhältnis – auch das zu meinem Sohn – wird dadurch immer schlechter. Ich will, dass wir uns gut verstehen. Wie kann ich dieses Problem angehen?“

Da die gestellte Frage keine Einzelheiten und Beispiele beinhaltet, versuche ich, ein paar Grundsätze aufzuzeigen, die mein Mann und ich uns im Umgang mit unseren Kindern und Schwiegerkindern angeeignet haben.

KEINE BESSERWISSERISCHEN VORSCHLÄGE!

Wir, als Eltern und Schwiegereltern, bemühen uns, uns nicht in die Angelegenheiten der Familien einzumischen. Deutlicher: Als „erste Generation“, die bereits Kinder großgezogen hat, kennen wir auf der einen Seite unsere Defizite, auf der anderen Seite sehen wir, dass wir manches gut und richtig gemacht haben und hoffen, dass unsere erwachsenen Kinder unsere Werte übernehmen. Möglicherweise tun sie das, doch die Schwiegerkinder bringen eine andere Prägung mit, und vielleicht entscheiden und leben sie grundsätzlich anders, als wir es tun würden. Sie setzen persönliche Grenzen, lassen uns nicht mitreden, haben eigene Vorstellungen. Was ist daran verwerflich? Meine Lösung: Ich belasse es dabei und mache auch keine besserwisserischen Vorschläge. Mein Motto: Lernen, die Füße stillzuhalten!

Unsere Söhne haben sich für ihre Frauen entschieden. Manche Mütter empfinden darüber tief im Herzen einen Schmerz: Da ist nun die andere, die ihn doch gar nicht kennt, die vielleicht fordernd und in unseren Augen so gar nicht liebevoll mit unserem Sohn umgeht. Weiß sie überhaupt, was ihm guttut? Was ihm schmeckt? Was ihm gefällt? Warum hackt sie dauernd auf ihm herum? Ich als Mutter sollte lernen anzunehmen, dass ich „raus bin aus der Nummer“. Ich habe für seine Erziehung mein Bestes gegeben. Und nun läuft sein Leben an der Seite einer anderen Frau weiter. Punkt. Akzeptieren sollten wir als Mütter auch, dass unser Sohn zu ihr, seiner Frau halten wird – im Ernstfall gegen uns. So ist es erstrebenswert, eine gute Beziehung zur Schwiegertochter zu pflegen, um auch die Beziehung zu unserem Sohn gesund zu erhalten. Dieser Punkt liegt ganz allein in unserer Verantwortung!

DIE KLÜGERE GIBT NACH!

Hilfreich kann es sein, einmal zu analysieren, welches die schwierigen Themen sind, in denen wir aneinanderrasseln. Vielleicht berühren sie meine eigene Komfortzone, aus der ich nicht heraus möchte. Damit könnte es Momente in der Beziehung geben, in denen ich als die Ältere einfach still sein sollte. So ärgerlich es sich manchmal anfühlt: Der Klügere gibt immer nach! Ich muss nicht alles gutheißen, aber auch nicht alles in Frage stellen, sondern kann der nachwachsenden Generation zutrauen, dass sie ihr Leben regeln kann. Auch ohne mich.

Erst die nötige Zurückhaltung in Bezug auf unsere erwachsenen Kinder und Schwiegerkinder macht ein entspanntes Miteinander möglich – das ist meine/unsere Erfahrung!

Sabine Vetter ist seit 41 Jahren mit Ekkehart verheiratet. Gemeinsam haben sie sechs erwachsene Kinder und 15 Enkelkinder.
Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/01/family_schwiegertochter_2.jpg 1648 2472 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2020-02-07 13:14:272020-01-23 13:32:01Zoff mit der Schwiegertochter

Machtkämpfe mit dem Sohn

„Mein Sohn (7) und ich rasseln in Alltagssituationen immer wieder so heftig aneinander, dass sofort Streit und eine übermäßig aggressive Reaktion meines Sohnes folgen. Was kann ich tun, um Stellung zu beziehen, ohne in einen Machtkampf zu schlittern?“

Ich finde es prima, dass Sie aus dieser Streitspirale herauswollen und sich fragen, was Sie tun können. Dadurch zeigen Sie sich in Ihrer Rolle als Eltern handlungsfähig.

KURZE VERSCHNAUFPAUSE

Reagieren Sie ruhig, besonnen und klar. Bleiben Sie sich Ihrer Rolle als Mutter oder Vater bewusst. Suchen Sie erst nach einer kurzen Verschnaufpause das Gespräch mit Ihrem Sohn über seine Reaktion auf die erlebte Situation. Das ist effektiver als eine Klärung während des Streites. Erklären Sie Ihrem Kind, wo Ihre Grenzen sind und was es tun kann, um besser zu reagieren. Fragen Sie ihn auch, was ihn so aufgeregt hat, und nach hilfreichen Ideen für die nächste Situation.

Es könnte auch hilfreich sein, die Situation mit Abstand zu betrachten und sich zu fragen: Wie würde ich in Ruhe und Gelassenheit reagieren? Auf welche Lösungsideen würde ich kommen? Spannend könnte auch sein, ein Verhaltenstagebuch zu führen. Notieren Sie für einige Zeit nach den Konfliktsituationen: Wann traten sie auf und wie liefen sie ab? Was war vorher? Gibt es ein sich wiederholendes Muster? Was könnte das Ursprungsproblem sein? Wie habe ich reagiert? Mit Hilfe dieser Beobachtung sind häufig konstruktive Lösungen des Problems in Sichtweite.

FREIRAUM ZUGESTEHEN

Kinder müssen im Laufe ihrer Entwicklung folgende Grundfertigkeiten erlernen, die sie auf ein eigenständiges Leben vorbereiten:

– Miteinander reden: So lernen Kinder, eigene Bedürfnisse, Meinungen oder Ideen mit Sprache und Gestik zum Ausdruck zu bringen. Ebenso lernen sie, auf Anweisungen von Erwachsenen zu hören und diese zu befolgen. Hierzu gehört auch, dass sie erlernen, durch ihr Handeln Situationen zu beeinflussen und somit Selbstwirksamkeit zu erfahren.

– Selbstständigkeit erwerben: Mit zunehmendem Alter wollen Kinder ihren Lebensraum erweitern, selbstständiger und unabhängiger von den Eltern werden. Es fordert uns heraus, unseren Kindern den Freiraum zur Eigenständigkeit auch in wachsendem Maße zuzugestehen.

– Aufgaben und Probleme selbst lösen: Kinder brauchen den Freiraum, Fragen zu stellen, eigene Ideen und Lösungen zu entwickeln und diese auch auszuprobieren. Auch wenn wir Eltern manches für unmöglich halten, ist es dennoch wichtig, auch die Teillösungen zu feiern oder Scheitern zu akzeptieren.

– Den Umgang mit Gefühlen lernen: Eigene Gefühle wahrzunehmen und sie angemessen zum Ausdruck zu bringen, ist für Kinder nicht immer leicht – insbesondere, wenn die Gefühle intensiv erlebt werden. Diese Lernfelder fordern uns Eltern manchmal ganz schön heraus. Auftretende Schwierigkeiten mit dieser Brille zu sehen, kann uns aber dabei helfen, die Frustration unserer Kinder zu verstehen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Unsere Kinder brauchen Zeit und Raum, um sich zu entwickeln.

Sandra Schreiber ist Beraterin und Systemischer Elterncoach im „LebensRaum Gießen“.
Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/11/family_machtkampf_2.jpg 1505 2258 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-11-28 14:40:352020-01-16 16:07:27Machtkämpfe mit dem Sohn

„Mein Kind will nicht in die Kita“ – Diese Fragen sollten Sie unbedingt stellen

„Meine Tochter (5) ist immer gern in den Kindergarten gegangen. Aber nun weigert sie sich, sich morgens fertig zu machen. Was kann ich tun?“

Erst einmal ist es erfreulich, dass Ihre Tochter bisher immer gern in den Kindergarten gegangen ist. Das spricht dafür, dass sie sich dort grundsätzlich wohlfühlt. Nun gilt es herauszufinden, ob es Veränderungen gab, die ihre plötzliche Verweigerung erklären könnten. Gab es eventuell einen Personalwechsel? Treten Konflikte zwischen Ihrer Tochter und anderen Kindern auf? Gibt es Veränderungen im Tagesablauf oder in der Gruppenzusammensetzung? Am besten sprechen Sie darüber offen mit den Erzieherinnen und mit Ihrer Tochter.

FRAGEN SIE UNAUFFÄLLIG NACH

Suchen Sie einen ruhigen Zeitpunkt, an dem Sie es sich mit Ihrer Tochter gemütlich machen und sie behutsam fragen, warum sie auf einmal nicht mehr gern in den Kindergarten gehen mag. Wenn Ihre Tochter nicht antworten möchte oder den Grund selbst nicht benennen kann, kann es helfen, Beispiele zu nennen, etwa: „Manchmal kommt es vor, dass Kinder nicht mehr gern zum Kindergarten gehen, weil jemand sie ärgert oder weil sich etwas verändert hat, zum Beispiel bei den Erzieherinnen. Kennst du so etwas?“ Sie können auch immer mal wieder unauffällig Fragen stellen wie „Mit wem hast du denn heute gespielt?“ oder „Welche Erzieherinnen waren heute da?“ oder „War alles gut oder gab es heute Streit oder war jemand gemein?“.

BEARBEITEN SIE TRENNUNGSÄNGSTE

Nicht selten entstehen phasenweise Trennungsängste, die den Abschied erschweren. Überlegen Sie, wenn sich kein anderer Grund finden lässt, gemeinsam mit Ihrer Tochter, was ihr helfen könnte – vielleicht ein Kuscheltier-Begleiter oder etwas, das sie an Mama erinnert (zum Beispiel ein Tuch oder ein Mut-Stein)? Tolle Tipps dazu gibt es auch in dem Buch „Fremdeln-Klammern-Trennungsangst“ von Elizabeth Pantley.

SPRECHEN SIE OFFEN ÜBER SEXUALITÄT UND GEWALT

Obwohl es ein schwieriges Thema ist, sollte man immer wachsam sein in Bezug auf mögliche sexuelle oder aggressive Übergriffe, die auch Grund dafür sein können, dass ein Kind plötzlich nicht mehr in den Kindergarten gehen möchte. Achten Sie sehr genau auf mögliche Verletzungen und fragen Sie vorsichtig: „Manchmal möchten Kinder auch nicht mehr zum Kindergarten, weil dort jemand etwas machen will, das sie nicht wollen. Zum Beispiel irgendwo anfassen, weh tun oder Fotos machen. Hast du das schon mal erlebt?“ Auch Kinderbücher helfen, über dieses Thema ins Gespräch zu kommen und Kinder grundsätzlich zu stärken (Mein Tipp: „Mein Körper gehört mir“ von Dagmar Geisler). Bei Unsicherheiten berät auch unverbindlich und kostenlos der Kinderschutzbund.

HOSPITIEREN SIE IN IHREM KINDERGARTEN

Sollten Sie auf diesem Weg nicht weiterkommen, wäre eine weitere Option, mal einen Tag im Kindergarten zu hospitieren. Sprechen Sie das vorher mit dem Kindergarten ab, mit der Begründung, herausfinden zu wollen, wie Sie Ihrer Tochter helfen können, sich wieder wohler zu fühlen. Erklären Sie Ihrer Tochter, dass Sie heute mal ausnahmsweise zu Besuch kommen dürfen, damit Sie nicht erwartet, dass das nun immer so läuft.

Melanie Schüer ist Erziehungswissenschaftlerin, Mutter von zwei Kindern und als freie Autorin und Elternberaterin auf elternleben.de und neuewege.me unterwegs. Illustration: Sabrina Müller

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/07/family_kindergarten_1.jpg 1276 1914 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-07-30 14:26:182019-07-30 14:26:18„Mein Kind will nicht in die Kita“ – Diese Fragen sollten Sie unbedingt stellen

Wenn Eltern aus der Haut fahren

„Mein Sohn (5) bringt mich ständig auf die Palme. Neulich hat er beim Anziehen für den Kindergarten so lange getrödelt und gemeckert, bis ich ihn am Arm gepackt und angeschrien habe. Wie kann ich meine Gefühle im Zaum halten und meinem Kind auch in Stresssituationen beherrscht begegnen?“

Diese Situation kennt jede Mutter. Wir fühlen uns total hilflos, gestresst und überfordert. Wir kommen an unsere Grenzen und schauen dabei in emotionale Abgründe, die wir bei uns nie für möglich gehalten hätten. Das erschreckt uns und wir fühlen uns furchtbar. Verurteilen Sie sich nicht. Überlegen Sie stattdessen, wie Sie es in Zukunft besser machen können.

Beobachten Sie, in welchen Situationen Sie aus der Haut fahren. Auf immer gleiche, wiederkehrende Stresssituationen kann man sich vorbereiten! Einige Fragen, die in der beschriebenen Situation helfen könnten, sind: Warum trödelt Ihr Sohn? Möchte er überhaupt in den Kindergarten? Möchte er in dem Moment lieber noch etwas spielen? Haben Sie durch Termine Zeitlimits? Gefällt ihm die Kleidung, die für ihn bereitliegt?

DIE SITUATION ENTSTRESSEN

Sie können ihn zum Beispiel selbst Kleidung aus einer begrenzten Auswahl aussuchen lassen oder ihn auch mal im Schlafanzug in den Kindergarten schicken (dies sollten Sie natürlich vorher mit den Erzieherinnen absprechen). „Ich hab’s geschafft“-Listen können die Situation spielerisch entstressen. Ein weiterer Tipp, den Stress aus der Situation zu nehmen, ist, dass Sie sich und Ihrem Kind mehr Zeit vor dem Kindergarten lassen oder aber die Zeit vorher so begrenzen, dass Ihr Kind vor dem Gehen nicht noch ins Spielen gerät. Umso schwerer fällt es ihm dann natürlich, sich davon zu lösen.

Sie können auch mit Ihrem Kind in einem ruhigen Moment darüber sprechen, dass sein Verhalten Ihnen Stress bereitet und es fragen, wie es besser laufen kann. Manchmal muss man sich auch mal die Frage stellen: Ist an dieser Stelle ein Kampf wirklich sinnvoll und nötig?

INNERLICH BIS ZEHN ZÄHLEN

Fragen Sie auch andere Eltern, wie sie in solchen Momenten reagieren, und überlegen Sie vor solchen Eskalationen, wie Sie reagieren möchten. Vielleicht gibt es auch etwas, was Ihr Stresslevel senkt – zum Beispiel ein wenig Entschleunigung im Alltagsstress, eine Haushaltshilfe oder mehr Hilfe aus dem sozialen Umfeld? Ist die Situation da, versuchen Sie, innerlich einen Schritt zurückzutreten und bis zehn zu zählen. Und – was immer gut ist – schicken Sie ein Stoßgebet zu Gott. Sie können überhaupt (auch mit anderen) für gute Ideen beten und dafür, ruhig und liebevoll zu bleiben. Ist die Situation eskaliert, sein Sie nicht zu hart zu sich selbst. Wir alle machen Fehler. Haben Sie Geduld: Elternsein ist eine große Herausforderung, aber mit der Zeit verändert sich viel: Ihre Reaktionen und auch Ihr Kind.

Genau so, wie Sie Ihr Kind um Entschuldigung bitten können, dürfen Sie auch Gott um Vergebung bitten. Er erwartet nicht, dass Sie perfekt sind. Die gute Nachricht ist, dass Gott uns trotzdem liebt und uns genau das Kind anvertraut hat, das wir erziehen können! Wenn Gott uns das zutraut, dann hilft er auch.

Antje Voß ist verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern und arbeitet als Hebamme in Gießen. Illustration: Sabrina Müller

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/04/family_haut.jpg 1400 2100 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-05-07 14:13:462019-05-23 16:10:37Wenn Eltern aus der Haut fahren

Streiten

ZOFF MIT DEM OBERLEHRER

Dass Paare ihre Konflikte austragen sollten, ist Katharina Hullen durchaus bewusst. Mit ihrem Mann geht das aber leider nicht.

Katharina: Schon Johann Wolfgang von Goethe wusste: „Im Ehestand muss man sich manchmal streiten, denn dadurch erfährt man was voneinander.“ Streiten gehört einfach zu einer guten Beziehung dazu und darum ist es auch so wichtig, gemeinsam an einer guten Streitkultur zu arbeiten.

Aber ganz ehrlich: Ich finde Streiten mit meinem Mann einfach nur ärgerlich. Es beginnt schon mit seiner Grundannahme, er habe von Berufs wegen immer recht. Egal, um welche Sachfrage es geht, er hat schon mal was darüber gelesen, und es war auf jeden Fall anders, als ich es nun behaupte. Nicht selten muss Herr Google als Streitschlichter herhalten, um die eine oder andere Position zu belegen. Aber selbst wenn meine Version Recht bekommt, findet mein Oberlehrer noch den einen Halbsatz im Text, der seine Sicht ebenfalls stützt. „Aaah!“, tönt es zufrieden. „Siehst du, ich hatte recht!“ – „Nein, ich hatte recht!“, bemerke ich sachlich. – „Aber ich hatte auch recht!“ Und mehr braucht Mann nicht. Thema beendet.

Wenn es beim Streiten um ein Fehlverhalten (selbstverständlich meines Mannes) geht, ist es äußerst ärgerlich, dass mich beim Streiten immer die Leidenschaft packt – sprich: Ich werde laut. Lautstärke prallt aber an meinem stoischen, friesischen Ehemann völlig ab. Aber nur scheinbar, denn vor meinen Augen verwandelt sich mein gestandener Zweimetermann in ein schmollendes Kind, welches „pah!“ nun eben gar nichts mehr macht. Und dann wird es schwierig. Entweder ich nehme einige Stunden nach dem Streit noch mal Anlauf, entschuldige mich für meinen Ton und erkläre mich noch mal. Oder ich warte, bis er selbst aus der Schmollecke herauskommt. Damit wäre das Thema allerdings vorerst ausgesessen. Denn der stoische Mann würde sich lieber die Zunge abbeißen, als ein Streitthema noch mal anzusprechen und es in Ruhe zu klären.

Und selbst wenn mein Liebster sich nicht zurückzieht, weicht er dennoch auf eine ärgerliche Art aus: Er überhäuft mich mit sarkastischen Wortspielereien und Witzchen. Der Kabarettist und Sprachfetischist in ihm schafft es einfach nicht, auch nur eine Pointe liegen zu lassen! Es nutzt Ihnen gar nichts, wenn Sie alle Argumente auf Ihrer Seite haben, Ihr Gegenüber jedoch nur mit lustigen, aber ausweichenden Sprüchen kontert.

Ich danke Gott, dass er mir so viel Humor geschenkt hat – er ist der Rettungsanker unserer Ehe. Denn schön ist es, wenn wir beide plötzlich das Lustige an der Situation sehen, die Banalität oder die übertriebene Theatralik, die der Streit bekommen hat. Und dann können wir, obwohl wir gerade eben noch sehr wütend aufeinander waren, miteinander lachen und finden einen Rahmen, wo wir uns besser zuhören können.

 

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache in Elternzeit. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

 

NICHTS ALS DIE WAHRHEIT

Hauke Hullen bewundert das strategische Geschick seiner Frau, auch wenn sie eigentlich nie recht hat.

Hauke: Ich streite gerne mit meiner Frau. Das ist immer eine sehr erquickliche Angelegenheit. Zuerst stellt Katharina ihren Standpunkt dar, oft verbunden mit einer Forderung. Dann lachen wir beide herzlich darüber. Anschließend löse ich das Missverständnis auf. Am Ende ist meine Frau etwas klüger und ich wie immer im Recht. Eine klassische Win-win-Situation!

Aber Ernst beiseite. Die Realität sieht natürlich anders aus: Ich habe zwar immer noch recht, aber die beste Ehefrau von allen will das nicht einsehen! Das bringt mich stets in eine schwierige Situation: Soll ich um des lieben Friedens willen nachgeben? Oder als aufrechter Kämpfer für das Wahre und Gute ungeachtet meiner persönlichen Nachteile weiterhin für das Richtige einstehen? Ein Dilemma, in dem ich nur zwischen falschen Entscheidungen wählen kann!

Um das Schlimmste zu verhindern, taste ich mich langsam vorwärts und versuche zunächst, konstruktive Lösungen aufzuzeigen. Denn fast immer gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, nicht nur Plan B, sondern auch Plan C und D. Eigentlich ein Grund zur Beruhigung der Gemüter – wenn nicht die beste Ehefrau von allen unbeirrbar weiterhin auf Plan A bestehen würde. Doch der Zug für Plan A ist nunmal schon längst abgefahren, weil, ja, weil halt der Göttergatte irgendeine Kleinigkeit übersehen hat.

Schwieriger sind allgemeine Konflikte, wo es ums Grundsätzliche geht, um unsere Ehe, ums Lebensglück oder um die Frage, wer morgens zuerst aufsteht und die Kinder weckt. Die sich anbahnende Eruption lässt sich für Laien im Vorfeld fast nicht erkennen. Doch nach nun immerhin 18-jähriger Erfahrung als Ehemann habe ich inzwischen herausgefunden, dass sich solche Konflikte ganz einfach gar nicht vorhersehen lassen! Ich meine sogar, dass sich diese Naturgewalt besonders dann entlädt, wenn man am wenigsten damit rechnet. Da liegt man, um im Bild zu bleiben, nach einem pflichtbewussten Tag endlich in der Sonne am Strand und freut sich des Lebens, da rollt plötzlich ein Tsunami über einen hinweg, weil sich irgendwo in den tief verborgenen Erdschichten der Ehe eine Spannung aufgebaut hat.

Beliebte Zeiten für solche Erdbeben sind übrigens entweder der Moment, wenn man morgens die Klinke in der Hand hat und schnell noch die Bahn erwischen muss oder wenn man nachts gerade eingeschlafen ist und in 5 Stunden der Wecker klingeln wird. Ich weiß noch nicht genau, ob das daran liegt, dass es Frauen am Gespür für den richtigen Zeitpunkt oder Ort fehlt – oder ob sie im Gegenteil genau merken, wann wir Männer total wehrlos sind.

So oder so sind Streitereien zwischen Kathi und mir meist wahre Kunstwerke der verbalen Kampfkunst und querschießenden Pointen. Wenn wir in der Öffentlichkeit debattieren, fragen uns Bekannte regelmäßig, ob dies eine Probe für ein neues Kabarettstück wäre. Und je länger ich über den Unterhaltungswert unserer Auseinandersetzungen nachdenke, umso mehr beschleicht mich der Gedanke, dass meine Frau den Streit vielleicht nur anfängt, um uns beiden eine Freude zu machen. Ja, so muss es sein!

 

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/01/family_streit_4.jpg 950 1425 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-01-11 13:46:512019-01-14 09:34:04Streiten

Weihnachten feiern mit erwachsenen Kindern

Vorbei sind die Zeiten, als sich aufgeregte Kinder auf die Geschenke stürzten und mit großen Augen den Weihnachtsbaum bestaunten. Wie feiern Familien mit großen Kindern Weihnachten? Einige Einblicke:

SPAGHETTI MIT GRÜNEM KETCHUP

Weihnachten in unserer Familie – was bedeutet das für uns? Wir, das sind Vater (49), Mutter (50), Sohn (22) und Tochter (21). Seit wir Familie sind, feiern wir den Heiligen Abend in unserem Zuhause. Einige Male hatten wir Gäste. Meistens sind wir für uns. Wir gehen in den Gottesdienst, essen zusammen und öffnen unsere Geschenke. In früheren Jahren sind wir gemeinsam zu den Großeltern gefahren. Zweimal haben wir Weihnachten in den Bergen verbracht. So weit, so gut. Was also macht das Fest für uns zu einem besonderen Ereignis?

Beide Kinder sind bereits ausgezogen und kommen Weihnachten „nach Hause“. Wir entscheiden uns in jedem Jahr neu, wie wir das Fest gestalten wollen. Deshalb gab es auch schon als Festessen Spaghetti mit grünem Ketchup, damit mehr Zeit zum Feiern bleibt. Seit einigen Jahren legen wir alle Wert auf ein ausgedehntes Mahl, das wir zusammen vorbereiten. Der Christbaum wird bereits am dritten Advent geschmückt, und nach und nach finden sich dort Geschenke ein, die mit dem Namen des Empfängers versehen sind. Man darf sie anschauen, aber auf keinen Fall anfassen. Das Spekulieren und die Vorfreude bereiten uns sehr viel Spaß (früher erzeugte das natürlich auch eine enorme Spannung). Zu wissen, dass man beschenkt werden wird, ist ein sehr schönes Gefühl und gibt uns einen Blick auf den Glanz der Heiligen Nacht mit dem Geschenk aller Geschenke.

Weihnachten ist bei uns keine Zeit der Streitereien. Wir müssen uns auch nicht beherrschen, um schwelende Konflikte zu unterdrücken. Unsere Familie ist bunt, und wir erleben Positives und auch viele Spannungen, nicht immer ist alles gut. Wir sind exorbitant häufig umgezogen, da schien es uns wichtig, einen festen Ort zu haben, an dem man zu Hause ist. Und das ist unsere Familie. Hier bin ich einfach, weil ich bin. Das ist wohl für uns alle das größte Geschenk, wir nennen das Liebe.

Was macht es da schon, wenn wir nicht alle die gleiche Auffassung von Kirche und Lebensgestaltung haben? Weihnachten hat uns Frieden gebracht, jedes Jahr aufs Neue und über das ganze Jahr. Und wenn es in Zukunft doch einmal Streit geben sollte? Ja, dann ist das eben so. Und in Zukunft? Die Kinder haben Partner gefunden, sie sind uns willkommen. In diesem Jahr haben beide entschieden, allein mit Vater und Mutter Weihnachten zu verbringen. Vielleicht werden sie einen Feiertag in der Familie ihres Freundes/ihrer Freundin sein. Das können wir Eltern gelassen sehen.

Christiane Lötter

 

 

 

NICHT MIT ERWARTUNGEN ÜBERFRACHTEN

Bisher haben wir mit unseren erwachsenen Kindern immer noch Weihnachten mit unseren Familientraditionen gefeiert. Aber es tut sich was. In diesem Jahr kam von zweien der Wunsch, Heiligabend in den Gemeinden an den Studienorten zu verbringen. Dort sind sie in der Musikarbeit und im Kindergottesdienst engagiert und wollen ihre Teams nicht allein lassen. Das ist für mich ein weiterer Schritt des Erwachsenwerdens, und ich freue mich darüber. Auch im letzten Jahr kamen sie schon kurz vor knapp nach Hause, und wir mussten wahrnehmen, wie erschöpft sie waren, und dass es keine gute Idee war, eine Flüchtlingsfamilie zum Essen einzuladen. Was im Jahr zuvor noch für alle schön war (jedes von den Kindern lud ausländische Studenten, die sonst allein gewesen wären, zu einem Weihnachtsessen bei uns ein), passte auf einmal nicht mehr. Unsere Leben entwickeln sich, trotz unseres guten Familienzusammenhalts, auch auseinander. Und dann muss bei unserem verheirateten Sohn noch koordiniert werden, wann die andere Familie besucht wird. Wir wollen gelassen bleiben und das Weihnachtsfest nicht mit Erwartungen überfrachten.

Anke Kallauch

 

 

Weitere Beitrage zum Thema gibt es in der FamilyNEXT 01/2019.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/12/jde_weihnachten-1-1024x684.jpg 684 1024 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2018-12-13 15:53:052019-01-14 09:37:11Weihnachten feiern mit erwachsenen Kindern

„Zeigt euren Kindern, wie ihr euch versöhnt!“

Ein Gastbeitrag von Artur Wiebe:

„Wer von euch hat seine Eltern schon einmal streiten gesehen?“ Die meisten Schülerhände heben sich an einem Freitag in meinem Ethikunterricht zum Thema „Rache & Vergebung“. Dann frage ich weiter: „Und wer hat schon einmal gesehen, wie die Eltern sich wieder versöhnt haben?“ Ergebnis: Fast keiner hebt die Hand. Auf die Nachfrage, warum das so ist, bekomme ich von den Jugendlichen mit meist muslimischem Hintergrund nur eine vage Antwort: „Irgendwann war bei denen halt alles wieder okay.“

Streit in der Familie, der Gesellschaft und der christlichen Gemeinde geschieht „automatisch“: ein falsches Wort, eine ungünstige Situation oder einfach ein schlechter Tag. Versöhnung dagegen ist kein Selbstläufer. Eine Auseinandersetzung plant man eher selten. Aber im Unterschied dazu muss man bei Versöhnung bewusst Schritte aufeinander zugehen.

Menschen sehen und lernen am Vorbild. Kann es sein, dass es unseren Kindern an konkreten Beispielen fehlt, wie man sich nach einem Streit wieder versöhnt? Wenn sie unsere Auseinandersetzungen mitbekommen, lernen sie, dass und wie man sich streitet. Aber wenn sie unsere Schritte, wie man sich wieder versöhnt, nicht mitbekommen, lernen sie genau das nicht. Die Haltung „Schwamm drüber …“ oder „War doch gar nicht so schlimm …“ führt selten zu Frieden und Versöhnung. Wer seinen Streit unter den Teppich kehrt, versteckt dort gleichzeitig auch die Versöhnung. Nicht die Auseinandersetzung ist das Problem, sondern wie wir damit umgehen. Ich meine daher: Kinder, die ihre Eltern streiten sehen, haben auch ein Recht darauf, mitzubekommen, wie sie sich wieder vertragen. Denn dann sehen und lernen sie Versöhnung.

Artur Wiebe ist Redaktionsleiter der Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/01/Wickelbär_photocase238573421571.jpg 1232 1840 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2018-01-31 11:44:472018-06-05 14:19:52„Zeigt euren Kindern, wie ihr euch versöhnt!“

Zeterzank

„Meine Kinder (5 und 3) streiten sehr oft. Mehrmals am Tag gehe ich dazwischen, damit sie sich nicht gegenseitig verletzen. Aber sollte ich eigentlich eingreifen?“

Kinder erleben das Streiten und Rangeln als Teil ihres Alltags und lernen dabei sehr viel. Sie lernen, wie es ist, mit einer Idee nicht durchzukommen. Im Kräftemessen werden sie erfinderisch und entwickeln Strategien, mit Erfolgen und Niederlagen umzugehen. Greifen Eltern zu oft ein, werden Kinder der Möglichkeit beraubt, eine Idee zur Lösung zu finden. Mischen Eltern sich häufig ein, kann beim Kind sogar das Gefühl entstehen, Streitereien nicht selbst regeln zu können und immer einen Fürsprecher zu benötigen. Das Eingreifen der Eltern hat aber auch noch eine andere Dimension: Der Streit besteht nicht erst ab Heulen und Schreien, sondern entwickelt sich aus Missverständnissen, Egoismus, Wut, der persönlichen Tagesform oder kleinen Gesten und Situationen. Tritt ein Elternteil in dieses Geschehen ein, ist es schwierig zu erfassen, wer Trost und wer eine Ermahnung braucht – ein ungerechtes Urteil kann die Folge sein.

BEOBACHTEN
Eltern sind gut damit beraten, sich ihre Kinder im Streit bewusst anzusehen und wahrzunehmen, ob wiederkehrende Muster auftreten. Ist zum Beispiel ein Kind wütend und empört, weil ein anderes mitspielen wollte und verleiht seiner Empörung lautstark Ausdruck, könnte es gut sein, den Mitspieler zur Seite zu nehmen und zu erklären: „Er wollte so gern allein spielen!“ Sollte dies zur Regel werden, ist es notwendig, sich mit dem Einzelspieler auseinanderzusetzen, um ihm zu helfen, sich auf andere einzustellen. Sind in einer Geschwister- oder Freundeskonstellation beide Kinder mal die Nachgebenden und die Durchsetzungsstarken, dürfen Eltern sich aus den ungemütlichen Situationen heraushalten – egal, wie lautstark es wird.

EINGREIFEN?
Eingreifen wird dann nötig, wenn ein Kind in Gefahr steht, verletzt zu werden. Eine Rangelei um ein Haargummi oben auf einer hohen Rutsche ist keine entwicklungsfördernde, sondern eine gefährliche Situation. Kneifen, kratzen, schubsen kann nach einem Konflikt als unpassend erklärt werden, wenn Kinder beißen oder würgen, müssen Eltern deutliche Zeichen setzen. Je jünger die Kinder sind, umso mehr dürfen die Streitereien mit Ritualen eingeübt werden: das Auto, um das man sich „kloppt“, kommt auf den Schrank. Beide suchen sich etwas Neues. Wichtig – auch für spätere Zusammenstöße aller Art: Es ist nicht immer der Gleiche „schuld“ und damit auch auf keinen Fall der Mensch „doof“. Eltern dürfen Vorbild sein, indem sie bei beiden Kindern nachfragen: „Alles ok?“ „Habe ich dich richtig verstanden? Du möchtest, so gern mit dem Bagger spielen?“ Dabei ist es erlaubt, zornig und ärgerlich zu werden und sich zu streiten. Eingreifen bei Streit: so wenig wie möglich. Bei jüngeren ganz konkret, um Verletzungen zu vermeiden. Bei älteren Kindern besonders, um Streit mit allen wiederstreitenden Gefühlen zu verstehen.

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/10/zeter.jpg 694 644 Julia Kallauch https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Julia Kallauch2017-10-28 10:00:572018-06-05 14:19:59Zeterzank

Diese bösen Eltern …

Letzte Woche gab es in vielen Zeitungen und Online-Portalen mal wieder Berichte über die ach so bösen Eltern. Spiegel online titelt: „Eltern meckern trotz Einsen und Zweien. In vielen (!) Familien sorgen schlechtere Schulnoten für Streit – selbst wenn die Kinder insgesamt leistungsstark sind.“

Hintergrund ist eine Umfrage des Nachhilfe-Instituts Studienkreis, die auch Family erhalten hat. Diese Umfrage hat ergeben, dass es in zehn Prozent der Familien zu Streit aufgrund von schlechteren Noten kommt. – Aus diesen zehn Prozent macht Spiegel online „viele“. Nun gut, immerhin 41 Prozent aller Eltern, deren Kinder in der Schule Noten bekommen, haben angegeben, dass schlechtere Noten den Familienfrieden stören. Aber dass ein Kind traurig ist oder schlechte Laune hat, weil die Noten nicht so sind wie erhofft, gehört hier ja auch dazu. Und hat erst mal nichts mit Streit oder dem Verhalten der Eltern zu tun. Aber Eltern-Bashing ist ja zu schön. Das kommt immer gut an bei den Lesern …

Ähnlich falsch interpretiert ist der Verweis auf die Einser- und Zweierschüler. Ist es tatsächlich so, dass Eltern auch meckern, wenn ihre Kinder Einsen und Zweien auf dem Zeugnis haben? Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Denn in der Studie wurde danach gefragt, wie die Reaktion auf schlechtere Noten sei. Und da gibt es eben auch mal Ärger, wenn ein Kind, dass im letzten Zeugnis nur Einsen und Zweien hatte, auf einmal mit schlechteren Noten nach Hause kommt. Keine wirkliche Überraschung, oder? Und es sind gerade mal fünf Prozent der Befragten, auf die das zutrifft. „Viele“ Eltern sind das nicht.

Ich bin kein Freund von Leistungsdruck und Notenstress. Und es gibt sicher Eltern, die es hier übertreiben. Aber für mich zeigt diese Studie vor allem das: In 90 Prozent der Familien gibt es keinen Streit, wenn die Noten schlechter werden, in 59 Prozent leidet nicht mal das Familienklima. Das wird übrigens auch in der Presseinformation zur Studie erwähnt. Da wird Max Kade, pädagogischer Leiter des Studienkreises, zititert: „Die gute Nachricht ist, dass mehr als die Hälfte der Eltern bei schlechten Noten die Ruhe bewahren.“ Und er sagt weiter: „Streit um Noten muss nicht schlecht sein, wenn er dazu führt, dass sich die Eltern mit ihren Kindern über schulische Anforderungen und Ziele austauschen und zu einer gemeinsamen Position kommen.“

Diese Ergebnisse der Studie werden bestenfalls am Rande erwähnt. Für eine reißerische Überschrift sind sie eben nicht geeignet. Dass viele Eltern ihren Job ziemlich gut machen, passt manchen Journalisten anscheinend nicht ins Konzept …

Bettina Wendland

Redakteurin Family/FamilyNEXT

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/01/inkje_photocasei20s7cvp8hqr.jpg 1500 2249 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-01-30 11:43:232017-01-30 11:43:23Diese bösen Eltern …

Kritik ist wie Salz

Eine Dosierungsanleitung für eine Zutat der Liebe. Von Jörg Berger

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