springe zu:
  • Online-Magazin
    • Artikel aus den Heften
    • Erziehungs-Tipps
  • Family-Produkte
    • Alle Family Produkte
    • Abonnement
  • Familien-Foren
  • ServiceKontakt & Anzeigen
    • Spenden
    • Christliche Jobbörse edenjobs.de
    • Kontakt
      • zur Redaktion
      • zum Kunden-Service
    • Werben in Family (Mediadaten)
    • Vertrag kündigen
  • Family bestellenAbo & Geschenke
    • kostenlos testen
    • verschenken
  • FamilyNEXT bestellen
    • kostenlos testen
    • verschenken
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü

Archiv für die Kategorie: Artikel aus Family

6 bis 10 – Wackelzahnpubertät?

Elternfrage: „Unsere Tochter (6) flippt immer öfter aus – scheinbar wegen Kleinigkeiten. Eine andere Mutter sagte beiläufig, dass sie wohl in der Wackelzahnpubertät angekommen sei. Was hat es damit auf sich?“

Ich nenne die Wackelzahnpubertät immer mit einem Augenzwinkern meinen persönlichen Endgegner, denn keine Entwicklungsphase hat mich als Mutter so gefordert wie die Zeit rund um den Schuleintritt, wenn die Kinder kognitiv riesige Sprünge machen und sich körperlich vom Kleinkind zum Großkind entwickeln. Bestimmt merken Sie das schon: Arme und Beine werden länger und das ganze Kind scheint plötzlich überall „drüberzuhängen“, wenn man es, wie früher, zum Trösten oder Kuscheln auf den Schoß nehmen will.

Wechselspiel zwischen Nähe und Ablösung

Apropos Trösten und Kuscheln: Vielleicht ist es damit gerade auch gar nicht so einfach? Während es noch vor Kurzem normal war, dass Ihr Kind in emotionalen Nöten zu Ihnen kam und Sie es berühren durften, kann es sein, dass es jetzt erst mal ein bisschen Abstand braucht, wenn die Gefühle überkochen. Die Wackelzahnphase ist ein ständiges Wechselspiel zwischen Nähe und Ablösung.

Kinder durchlaufen in dieser Zeit einen wichtigen Autonomieprozess. Schon länger sind neben den Eltern andere Menschen in ihrem Leben wichtig geworden: Betreuungspersonen, Gleichaltrige und auch mediale Idole dienen nun ebenfalls als Orientierungspunkte und prägen das kindliche Universum mit. Der Wunsch nach mehr Selbstständigkeit und eigenen Wegen wird größer.

Ganz und gar angenommen

Gleichzeitig sind Kinder in dieser Phase noch klein und bedürftig. So kann es sein, dass sie nachmittags selbstbewusst mit anderen Kindern um die Häuser ziehen und nicht nach uns fragen und nachts in unser Bett gekrochen kommen. Vermutlich sucht Ihre Tochter nach ihren Wutanfällen selbst wieder die Nähe zu Ihnen und möchte eigentlich nur wissen und spüren, dass sie bei Ihnen geborgen und geliebt ist. Diese innerliche Ablösung kann nur gut funktionieren, wenn unsere Kinder sich bei uns ganz und gar angenommen fühlen und immer einen Ort haben, an dem sie sich sicher wissen.

Wenn Ihre Tochter also in emotionalen Nöten ist, machen Sie sich bewusst, dass sich bei ihr gerade viel verändert. Schauen Sie, wann sie Nähe braucht und sich mit Ihnen zusammen wieder beruhigen möchte und wann es gut ist, sie erst einmal bei sich und ihren Gefühlen zu lassen. Besprechen Sie solche Situationen hinterher mit ihr, nicht, um sie für ihren Wutanfall zu tadeln, sondern um zu verstehen, was da eigentlich in ihr vorgegangen ist und um ihr zu helfen, sich selbst besser zu begreifen.

Die Wackelzahnpubertät ist übrigens nicht nur mein persönlicher Endgegner, sondern auch meine Lieblingsphase in der kindlichen Entwicklung, denn nie wieder darf man so nah dabei sein, wenn sich eine junge Persönlichkeit entwickelt und entfaltet.

Daniela Albert ist Autorin, Eltern- und Familienberaterin, lebt mit ihrer Familie in Kaufungen und bloggt unter: www.eltern-familie.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/09/wackelzahnpubertaet.jpg 2024 2084 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-07-09 11:38:582023-09-01 11:40:096 bis 10 – Wackelzahnpubertät?

3 bis 5 – Die Kita wechseln?

Elternfrage: „Unsere Tochter fühlt sich in ihrem Kindergarten immer unwohler. Sie weint häufig beim Abschied und erzählt von Konflikten dort. Ich habe kein gutes Gefühl. Ist das Anlass genug, die Kita zu wechseln?“

Ein Einrichtungswechsel ist immer möglich, jedoch eine heikle Sache. Denn wer weiß, wann ein Platz frei ist und ob sich das Kind in dieser Einrichtung dann wohl fühlt. Erfahrungsgemäß gibt es Kinder, die, wenn sie die Wahl haben, immer zu Hause bleiben wollen. Wann sollte also ein Wechsel in Betracht gezogen werden?

Bevor man das Prozedere „Einrichtungswechsel“ startet, sollten folgende Lösungsansätze ausgeschöpft werden:

Gespräche

Der wichtigste Schritt ist der, auf die Fachkräfte zuzugehen. Besprechen Sie Ihre Sorgen, lassen Sie sich erzählen, was Ihr Kind macht, wenn es in der Einrichtung ist. Besprechen Sie, was getan werden kann, um dem Kind das Ankommen zu erleichtern. Hierbei helfen Kuscheltiere und feste Abschiedsrituale meist am besten. Zum Beispiel können Sie selbst mit Ihrem Kind ein Puzzle machen, ihm das Frühstück auspacken helfen, Sie können von außen zum Abschied noch einmal winken, das Kind kann für Sie ein Bild malen, die Fachkräfte kümmern sich die erste Zeit etwas intensiver um das Kind oder Sie holen es früher ab. Es gibt viele Möglichkeiten, solche Situationen zu gestalten. Vielleicht kann Ihr Kind sagen, was hilft, was es braucht und möchte. Sprechen Sie mit anderen Eltern aus der Gruppe. Diese können Ihnen auch ein Bild davon geben, was das Kind macht und ob es sich wirklich nicht wohl fühlt.

Pausentag

Wenn es Ihnen möglich ist, lassen Sie Ihr Kind einen Tag zu Hause oder richten einen Opa/Oma-Tag ein. Manchmal sind fünf Tage einfach anstrengend und es hilft dem Kind, die anderen Tage zu meistern, da es sich auf diesen Tag freuen kann. Und die Tage vergehen schneller, es fällt dem Kind leichter, in der Einrichtung zu sein, und es findet immer mehr Dinge, die ihm gefallen.

Gruppenwechsel

Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht. Da hilft vielleicht ein Gruppenwechsel. Hier hat das Kind die Chance, in dem bekannten Umfeld neue Erfahrungen zu machen, die seine Sicht auf die Dinge ändern können. Geben Sie Ihrem Kind Zeit, sich an die neuen Lösungen zu gewöhnen, diese anzunehmen und zu verinnerlichen.

Wenn das nun alles über einen längeren Zeitraum ausprobiert wurde und keinerlei Besserung bringt, dann sollten Sie den Einrichtungswechsel beginnen. Es sind prägende Jahre und diese sollten so positiv wie möglich gestaltet werden.

Anika Schunke wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von Karlsruhe. Hauptberuflich ist sie als Erzieherin tätig. Darüber hinaus ist sie Autorin und Referentin mit dem Schwerpunkt Bewegung.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/09/kita_wechseln.jpg 1960 2228 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-07-04 11:32:402023-09-01 11:32:563 bis 5 – Die Kita wechseln?

„Der Igel schläft nur …“

Eigentlich wollen Eltern die Wahrheit sagen und trotzdem flunkern sie im Alltag immer wieder. Simone Oswald stellt fest: Auf das Motiv kommt es an.

„Darum legt die Lüge ab …“ (Epheser 4,25) – die Bibel ist eindeutig: Wir sollen nicht lügen. Und dann gibt es ja auch das schlaue Sprichwort: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht … Ich nicke mit dem Kopf und kann das nur richtig finden. Die Wahrheit ist doch die Basis für Vertrauen, und Ehrlichkeit ist eine wichtige Tugend, die ich auch meinem Kind vorleben will. Bei uns wird nicht gelogen!

Ich nicke also vor mich hin – und wenig später höre ich mich sagen: „Der platte Igel da am Straßenrand? Ähm … Dem geht’s prima, der schläft nur.“ Oh oh. Lüge ich mein Kind etwa an? Oder ist das nur ein „altersgemäßes Flunkern“ und völlig legitim?

Lügende Kinder: Schrecklich!

Wenn es hingegen um die Kinder geht, sind die meisten Erwachsenen sich einig: Lügen ist strengstens verboten, genau wie schummeln, betrügen, schwindeln und flunkern. (Platzt ein Kind am Kindergeburtstag aber lauthals damit heraus, dass Omas Geschenk ziemlich blöd ist – finden wir das schon wieder „zu ehrlich“.) Während wir bei den ganz Kleinen also noch von ihrer brutalen Ehrlichkeit überrumpelt werden, heben wir bei den etwas Größeren schon schimpfend den Zeigefinger, wenn wir sie beim Lügen erwischen.

Nur ein paar Psychologen findet man im Internet, die dem auch etwas Positives abgewinnen können: ‚Lügen lernen‘ sei ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung, lese ich. Ganz normal ab etwa vier Jahren. Ein Ausdruck für Empathie und Selbstkontrolle – also wichtig, um im Leben erfolgreich zu sein.

Ich muss zugeben: Das nimmt mir schon mal etwas den Druck und ich bin beruhigt. Wenn mein Kleiner mich mal anflunkert und mit schokoverschmiertem Mund beteuert, dass er heute noch „überhaupt keine Sokolade gegessen“ habe – dann ist das kein Hinweis darauf, dass er später mal ein notorischer Lügner wird. Ich schimpfe also nicht, sondern gehe auf Ursachen-Suche: Wieso flunkert ein Kind? Hat es sich das irgendwo abgeschaut – vielleicht sogar von den Eltern?

Flunkernde Erwachsene: Geht klar!

Genug Gelegenheit, sich das Schwindeln bei uns Erwachsenen abzuschauen und nachzumachen, hätten unsere Kinder mit Sicherheit. Haben Sie einer Freundin zum Beispiel schon mal bestätigt, dass die schrecklichfurchtbare Shopping-Ausbeute ganz wundervoll aussieht – einfach, weil sie sich so gefreut hat und Sie ihr nicht wehtun wollten? Oder haben Sie schon mal ein Treffen abgesagt, weil Sie leider, leider andere Verpflichtungen haben – und den Abend dann gemütlich auf der Couch verbracht?

Wir Großen flunkern, lügen und nutzen Fast-Wahrheiten, dass sich die Balken biegen. Warum? Weil Lügen uns das Leben in manchen Situationen einfacher macht. Wir wollen niemanden verletzen, wir wollen nicht anecken oder Ärger bekommen – also kommen wir mit kleinen, harmlosen Halb-Wahrheiten um die Ecke und freuen uns sogar noch, weil uns spontan eine tolle Ausrede eingefallen ist.

Und unsere Kinder? Die sind nicht blöd, sondern sehr sensibel – und merken alles! Wenn wir uns als Vorbilder unserer Sprösslinge sehen, sollten wir ihnen also keine widersprüchlichen Signale senden („Man“ darf nicht lügen – Mama lügt aber doch?) oder gar die Moral-Keule in Richtung Nachwuchs schwingen. Denn: Auch wir als Mamas und Papas flunkern und lügen unsere Kleinen an. Ist uns das eigentlich bewusst?

Lügen – oder „bloß“ flunkern?

Wenn ich darüber nachdenke, dass ich den toten Igel am Straßenrand gerade als „schlafend“ bezeichnet habe, nehme ich mich natürlich gleich selbst in Schutz. Ich sage mir: Das war ja keine Lüge in dem Sinne. Da habe ich ja nur geflunkert, nicht die grausame Wahrheit ausgesprochen und dem Kleinen eine Erklärung geliefert, die seinem Alter entspricht. Aber ich habe eben auch nicht die ganze Wahrheit gesagt. Also: gelogen?

Ist die Igel-Lüge eine Lüge? Ich befinde mich in einem Dilemma und sage: moralisch nein, faktisch ja. Die wichtigere Frage scheint mir aber zu sein: Für wen und mit welcher Absicht wird gelogen und geflunkert? Ich glaube, genau das macht den ganz großen Unterschied: Lügen (oder flunkern) wir Eltern für oder gegen unsere Kleinen?

Das Kind schützen

Eine Lüge, die für mich grundsätzlich in Richtung „pro Kind“ geht, ist die klassische Notlüge. Wie der Name schon sagt, nutzen wir sie in Not-Situationen, wo uns die Worte, die Kraft oder das Wissen für die tatsächliche Wahrheit fehlen. Mit einem Kind anatomisch korrekt über den Tod eines lieben Menschen zu sprechen, das würde empathischen Eltern im Traum nicht einfallen. Auch eine Antwort, die dem Alter des Kindes angepasst wurde – und dadurch nicht mehr so ganz der Erwachsenen-Version der Wahrheit entspricht – gehört für mich in diese Kategorie. In Situationen, in denen die elterliche „Lüge“ mehr Nutzen als Schaden anrichtet, wird die kleine Kinderseele geschützt. Ich finde deswegen: Manchmal gibt es Situationen, da dürfen wir lügen.

Für oder gegen das Kind?

Ein bisschen kritischer ist das schon mit der anderen Art von Flunkerei: den Bequemlichkeitslügen. Wer am Ende des Tages einfach keinen Nerv mehr hat, erzählt den Kindern überzeugend, dass die Batterie vom nervtötend lauten Feuerwehrauto leider leer ist. Meine Freundin lobt ihre Große für das zauberhaft gemalte Bild, das eigentlich eher furchteinflößend aussieht. Und ich erzähle dem Kleinen mittags lang und breit, dass jetzt alle anderen auch einen Mittagsschlaf machen.

Und obwohl das alles Momente sind, in denen wirklich keine Not-Situation vorliegt – steckt nicht auch hier manchmal eine durchaus „positive Absicht“ hinter der Lüge? Ich glaube nämlich: Es gibt Bequemlichkeitslügen, die wir gegen unsere Kinder verwenden, aber eben auch solche, die wir für unsere Kinder erzählen. Meine Alle-machen-Mittagsschlaf-Lüge zum Beispiel, die nutze ich ja immerhin, um damit ein wenig Erholung und Stressabbau beim kleinen Schläfer zu erzielen. Und auch meine Freundin, die mit Komplimenten ein Papierkorb-würdiges Kunstwerk der Tochter bestaunt und beklatscht, will mit dieser Bequemlichkeitslüge ihre kleine Künstlerin positiv bestärken und ihr eine Freude machen. Gelogen: Ja. Eher aus Bequemlichkeit als aus tatsächlicher Not: Ja. Aber mit bester Absicht und eben für das Kind.

Bequemlichkeitslügen gegen das Kind? Hier wird es für mich kritisch – denn hier steht die Bequemlichkeit der Eltern so im Mittelpunkt, dass eigentlich nur die eigenen Bedürfnisse zählen und das Wohl des Kindes in den Hintergrund tritt. Wer etwa dem Nachwuchs erzählt, dass freche Kinder von der Polizei mitgenommen werden, der hat damit wohl keine positiven Ziele für das Kind im Hinterkopf. Der einzige Grund für diese Art der Lüge: Wir Erwachsenen haben gerade keine Lust, keine Zeit oder keinen Nerv für die Wahrheit. Mit solchen Drohungen schüchtern wir unsere Kinder zudem ein, um lange Diskussionen, ein am Boden liegendes Drama-Kind oder endlose Erklärungen bequem und schnell abzukürzen. Der Preis: Wir riskieren das unerschütterliche Vertrauen, das unsere Kinder in uns haben.

Der Akku vom lauten Spielgerät ist leer, in der Schokolade ist leider Alkohol oder Kaffee drin, und: „Wenn du nicht sofort kommst, dann fahren wir ohne dich los“? Alles gelogen. Ganz ehrlich: Es ist verständlich, dass uns in manchen Situationen einfach keine Kraft mehr bleibt oder uns die Zeit im Nacken sitzt und solche Lügen mal nützen. Aber: Ich finde, diese Lügen dürfen und sollten eine seltene Ausnahme bleiben. Wir sind schon „groß“ – uns sollte etwas Besseres einfallen, als dass wir aus reiner Bequemlichkeit oder Hektik unsere ganzen Moralvorstellungen von Ehrlichkeit, Vertrauen und Vorbildfunktion über Bord werfen.

Was ist die Absicht?

Gibt es also „erlaubte“ und „verbotene“ Lügen? Ich denke vielmehr, es gibt Lügen für das Kind und Lügen gegen das Kind. Notlügen sollen schützen – wir verfolgen damit positive Ziele und wollen mit der Flunkerei unseren Kleinen etwas Gutes tun oder es vor Schlechtem bewahren. Ganz ähnlich ist es übrigens für mich auch mit der Rede über Christkind und Osterhase. Wir bringen damit Kinderaugen zum Strahlen, schenken ihnen den Glauben an Wunder. Wer würde da so streng sein und von „Lüge“ sprechen wollen? Ist die Intention hinter einer Aussage positiv, gehen wir den Flunker-Weg für unser Kind. Bequemlichkeitslügen lassen sich also manchmal tatsächlich nutzen, um etwas Gutes für ein Kind zu bewirken – manchmal haben wir aber einfach keine Lust auf oder Kraft für die „ehrliche Variante“.

Und genau dabei dürfen wir uns kritisch hinterfragen: Ist es mir das wert? Ist das für mich eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung, in der authentische Ehrlichkeit nur dann an der Tagesordnung ist, wenn Mama oder Papa gerade Lust dazu haben? Nehme ich für ein bisschen Zeitersparnis, Nervenschonung und aus Unlust in Kauf, dass ich mein Kind anlüge?

Simone Oswald arbeitet als Lehrerin und freie Texterin. Mit ihrem Mann und ihrem Sohn lebt sie im Landkreis Deggendorf.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/08/F_Oswald_Luegen_BN_Matteo86_GettyImages-scaled.jpg 2000 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-07-01 09:36:112023-09-01 11:09:34„Der Igel schläft nur …“

Unsichtbare Krise – Eheprobleme hinter der perfekten Fassade

Viele Paare geben nach außen hin ein perfektes Bild ab. Doch oft genug kriselt es hinter den Kulissen. Da kann mehr Offenheit helfen – oder eine Paarberatung. Von Marcus und Susanne Mockler

Betty und Jonas (Namen geändert) sind seit fünf Jahren verheiratet und bereits am Tiefpunkt ihrer Beziehung angelangt. So hatten sie sich das nicht vorgestellt: Betty, die seit der Geburt der beiden Kinder in Elternzeit ist, ist super gern Mama. Dennoch fürchtet sie manchmal, beruflich aufs Abstellgleis zu geraten, und es belastet sie das Gefühl, dass zu Hause so vieles an ihr hängen bleibt.

Jonas treibt die Aussicht auf einen bevorstehenden Karrieresprung an. Es scheint unvermeidlich, dass er mehr Zeit in der Firma verbringt als früher. Schließlich macht er das auch für seine Familie – Betty und die Kinder sollen es gut haben und materiell abgesichert sein. Er fühlt sich von ihr nicht gesehen in seinen guten Absichten und kann die ewige Unzufriedenheit von Betty nicht mehr ertragen.

In der wenigen Zeit, in der die beiden Gelegenheit zum Reden hätten, streiten sie sich inzwischen regelmäßig. Und so pendelt die Beziehung zwischen gegenseitigen Vorhaltungen und tiefer Frustration. Aber – und das ist das Spannende – nach außen zeigen sie sich immer noch als Bilderbuchfamilie. Wenn sie zum Beispiel sonntags zum Gottesdienst in ihre Gemeinde gehen, bemühen sich Betty und Jonas, intakt zu wirken und sich nicht hinter die Fassade schauen zu lassen.

Die beiden sind keine Ausnahme. In vielen Paarbeziehungen kriselt es und die wenigsten lassen sich dabei in die Karten schauen.

Kultur der Schwäche

Warum ist es so schwer, zu seinen Schwächen zu stehen und offen über die Schwierigkeiten, die man miteinander hat, zu reden? Niemand gibt gern zu, an bestimmten Stellen das Leben nicht auf die Reihe zu bekommen. Probleme sind in unserer Kultur meist ein Ausdruck von Schwäche. Praktisch jeder hat irgendwann im Leben die Erfahrung gemacht, für Schwächen kritisiert, ausgelacht oder gar bestraft zu werden. Das tut weh und ist erniedrigend, deshalb verbergen wir sie lieber nach außen.

Allerdings ist das fatal, denn durch die vielen Paare, die nach außen eine heile Ehe-Fassade präsentieren, wirkt es auf Krisen-Paare, als seien sie die einzigen, die den oft überhöhten Maßstäben und Erwartungen nicht gerecht werden. Dabei gilt eine ganz einfache Faustformel: „Beneide niemanden um seine perfekte Ehe – du weißt ja nicht, wie es hinter deren Fassade aussieht.“

Insbesondere Christen brauchen unbedingt eine Kultur der Offenheit, in der man nicht nur über seine Siege, sondern besonders auch über Niederlagen offen redet. In der man ehrlich zugibt, wo man noch Lernbedarf hat oder in welchen Herausforderungen man als Paar steht.

In unseren Eheseminaren legen wir Wert darauf, immer auch von eigenen Schwächen zu berichten und uns nicht als perfektes Paar zu präsentieren. Wir erzählen, wie wir Phasen durchlitten haben, in denen wir am liebsten ausgebrochen wären, wie lange es gedauert hat, bis wir das mit dem Sex für beide befriedigend hingekriegt haben oder wie wir nach Jahren immer noch in dieselben Fallen tappen. Hinterher bedanken sich die Paare nicht für die gute Präsentation oder die wertvollen Inhalte, sondern sie danken uns für die Authentizität. Das baut eine Brücke, um auch eigene Probleme ansprechen zu können. Und es macht Mut: „Wenn die das hinkriegen, dann können wir es auch schaffen.“

Vier Anzeichen einer echten Krise

Konflikte, Unzufriedenheit, Gefühle der Vernachlässigung – all das gibt es gelegentlich in jeder normalen Beziehung. Vier gravierende Anzeichen, dass bei einem Paar etwas so schiefläuft, dass sie Hilfe brauchen, beschreibt der Paarpsychologe John Gottman. Er nennt sie die „Apokalyptischen Reiter der Paarbeziehung“ und meint damit Kritik, Rechtfertigung, Verachtung und Rückzug.
Kritik: Natürlich kommt es vor, dass man sich an Dingen stört, die der oder die andere macht oder vernachlässigt. Gefährlich wird es, wenn sich eine Grundstimmung des Kritisierens und Nörgelns eingestellt hat. Wenn nämlich nicht deutlich mehr Ermutigung und Dankbarkeit ausgesprochen wird, als dass kritisiert wird, ist das Grundbedürfnis, vom anderen geliebt und akzeptiert zu sein, bedroht.
Verachtung: Das ist noch eine Nummer härter, wenn nämlich einer den anderen regelrecht herabwürdigt. Das zeigt sich in sehr abfälligen Worten dem anderen gegenüber, aber auch darin, wie man schlecht über den Partner oder die Partnerin vor Dritten redet.
Rechtfertigung: Die eigene Reaktion in Schutz nehmen, weil sie angeblich ja nur die Antwort auf das schlechte Verhalten des Partners war. Wer nie Verantwortung für einen Streit übernimmt, sondern die Schuld immer dem Gegenüber zuschiebt, ist genau in diesem Verhaltensmuster gefangen.
Rückzug: Ab und zu einander aus dem Weg zu gehen oder seine Ruhe zu brauchen, ist natürlich kein Problem. Wenn aber zwei Menschen unsichtbare Mauern zwischen sich errichten und den anderen gar nicht mehr an sich heranlassen, wenn jeder sein Leben lebt und kaum noch Berührungspunkte da sind, wenn sich vielleicht sogar einer von beiden schon in eine Konkurrenzbeziehung investiert, dann hat bereits eine innere Trennung stattgefunden.

Wenn diese vier Verhaltensweisen permanent vorhanden sind, dann ist es höchste Zeit, dass sich ein Paar Hilfe sucht. Und wie könnte diese Hilfe dann aussehen?

Der Wert von Freundschaften

In Krisen zeigt sich der Wert von guten Freundschaften ganz besonders. Paare sollten daher unbedingt nicht nur einander genügen, sondern Beziehungen mit Freunden pflegen. Dort sollten sie sich um eine Kultur der Ehrlichkeit und Offenheit bemühen. Die wird am ehesten dann entstehen, wenn sie selbst mit gutem Beispiel vorangehen und nicht nur berichten, was gut läuft, sondern auch über die Probleme sprechen. Eine Frau, die mit ihrem Mann in einer tiefen Krise steckte, wurde von ihrem Mann darum beneidet, dass sie so gute Freundinnen hatte, mit denen sie jetzt über vieles reden konnte. „Das war auch richtig harte Arbeit“, sagte sie ihm. „Es war nicht leicht, dranzubleiben, die Freundinnen regelmäßig zu treffen, sich zu öffnen und eigene Defizite vor den anderen zuzugeben.“

Bewährt haben sich auch Paar-Hauskreise, in denen man sich regelmäßig zu Fragen der Paarbeziehung austauscht, gemeinsam Beziehungsratgeber liest und sich in Schwierigkeiten gegenseitig Gebets- und praktische Unterstützung gibt.

Seelsorge- und Therapieangebote

Wer merkt, dass er oder sie allein nicht weiterkommt, sollte nicht zu spät den Weg zu Seelsorge oder Paartherapie suchen. Dazu gibt es jede Menge gute Angebote. Viele Gemeinden haben Ansprechpersonen dafür. Es gibt zudem Organisationen wie C-Stab oder Team.F, die Listen von möglichen Ansprechpartnern führen. Die Seelsorgerinnen und Berater stehen immer unter Schweigepflicht und bei einem unverbindlichen Erstgespräch kann man in der Regel feststellen, ob man die geeigneten Helfer gefunden hat.

Ein junges Paar, das in einer sexuellen Problematik feststeckte und nahe daran war, zu verzweifeln, fand den Weg in eine Paartherapie. Sie brauchten nur zwei Beratungsgespräche und die Probleme waren gelöst! Wie viele Jahre des Leidens blieben ihnen dadurch erspart, weil sie sich getraut haben, sich jemandem zu öffnen!

Oft dauert es jedoch länger. Manchmal kann die Beratung allerdings nicht mehr weiterhelfen; auch das darf nicht verschwiegen werden. Eine Erfolgsgarantie wird kein seriöser Berater geben. Das liegt allerdings manchmal auch daran, dass das Paar zu lange gewartet hat, bevor es sich Hilfe geholt hat.

Eine Kultur der Ermutigung für Paare

Ein Dach deckt man, wenn die Sonne scheint. Genauso sollten Paare an ihrer Beziehung in guten Zeiten arbeiten. Deshalb ist Prophylaxe so wichtig. Praktisch jede Paarbeziehung verliert mit der Zeit an Qualität, wenn sie nicht regelmäßig gepflegt wird und beide in das Beziehungskonto einzahlen.

Zum einen kann man als Paar selbst viel dafür tun: regelmäßige Dates, Eheabende, Gesprächszeiten, für die man sich Zeit im Kalender reserviert – egal, ob morgens beim Frühstück oder auch mal abends, wenn die meiste Arbeit erledigt ist oder die Kinder schlafen. Zeit zu zweit ist so wichtig, weil damit das Gegenüber das Gefühl bekommt: „Du bist mir wirklich wichtig.“

Ein toller Weg, an der Beziehung dranzubleiben und schwierige Situationen rechtzeitig zu beackern, ist das Mentoring. Einige Gemeinden haben sich da inzwischen Programmen angeschlossen und bieten das Paaren grundsätzlich an. Ein Paar könnte sich aber auch selbst ein geeignetes anderes, erfahrenes Paar suchen, von dem sie sich begleiten lassen und mit dem sie offene Gespräche über ihre kritischen Themen führen können.

Nicht zuletzt können Paare regelmäßige Beziehungs-Updates bekommen, indem sie Seminare (zum Beispiel von Team.F oder den Alpha-Ehe-Kurs) besuchen, Beziehungsratgeber zusammen lesen oder regelmäßig nach Vortragsangeboten (auch online) Ausschau halten. Die MarriageWeek Deutschland bietet ebenfalls eine Plattform, auf der Paare immer wieder gute Angebote finden können.

Wir träumen davon, dass in jeder Gemeinde dieses Bewusstsein erwacht, wie wichtig es ist, Paare zu ermutigen, an ihrer Beziehung zu arbeiten. Denn nur eines ist selbstverständlich: dass keine Paarbeziehung perfekt ist.

Marcus und Susanne Mockler – er Journalist, sie Paartherapeutin mit eigener Praxis und Vorsitzende der MarriageWeek Deutschland. Gemeinsam haben sie den Eheratgeber „Das Emma*-Prinzip – Sieben Schlüssel zu einer richtig guten Ehe“ geschrieben. geliebtes-leben.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/05/Mockler_unsichtbare-Krisen_BN_Getty-Images_urbazon-scaled-e1685002139853.jpg 1200 1800 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-06-20 11:48:352023-07-06 11:49:01Unsichtbare Krise – Eheprobleme hinter der perfekten Fassade

Ein Paar – zwei Perspektiven: Taschengeld

Müssen sie alles vom Taschengeld bestreiten?

Katharina Hullen möchte, dass ihre Kinder den Wert des Geldes lernen. Aber sie sollten auch Freiheiten haben.

Katharina: „Können wir noch ein Eis essen?“ Noch bevor ich zu einer Entscheidung kommen kann, tönt schon die klare Antwort aus Haukes Mund: „Ihr könnt euch gerne ein Eis von eurem Taschengeld kaufen!“ Lange Gesichter bei den Kindern: „Also kein Eis!“ Da sie aber feine Antennen für Unstimmigkeiten zwischen uns Eltern haben, nehmen sie doch noch einen kleinen Quengelanlauf bei mir. Am Ende bleibt es bei keinem Eis – aber der beste Ehemann von allen und ich sind uns nicht immer einig, was die Kinder von ihrem Taschengeld bestreiten müssen und was nicht.

Darum gab es in den letzten Monaten auch harte Tarifverhandlungen im Hause Hullen. Die Gewerkschaftsvertreter trafen auf einen eher unbeugsamen Arbeitgebervertreter, welcher die Haltung vertrat: „Die Getränke, die ihr in der Jugendstunde für kleines Geld kaufen könnt, könnt ihr gut vom Taschengeld bezahlen!“ und „Wenn du lange Schultage hast und darum dreimal die Woche mit deinen Freunden Pizza essen gehst, bezahlst du das vom Taschengeld.“

Ich kann beide Seiten sehr gut verstehen. Das Budget der Kinder ist nicht so umfangreich, als dass sie all diese Ausgaben einfach so tätigen könnten. Sie müssen sich gut überlegen, wie viele Getränke sie beim Jugendabend in der Kirchengemeinde trinken und wie oft sie mit den Freunden auswärts essen gehen können.

Aber wollen wir nicht eigentlich, dass sie die Jugendstunde genießen und vielleicht auch mal einen Freund auf ein Getränk einladen können? Sollen sie wirklich darüber nachdenken müssen, ob sie noch ein zweites Getränk nehmen? Andererseits ist das Taschengeld dafür da, den Wert des Geldes zu erkennen und den verantwortungsbewussten Umgang damit zu lernen. Wenn alles von Mama und Papa übernommen wird, entfällt dieser Effekt. Sie lernen erst später oder nie, gute Entscheidungen mit ihrem Geld zu treffen und mit Verzicht oder Mangel klarzukommen.

Am Ende der Verhandlungen kamen wir zu einem Kompromiss: Wir erhöhen das Taschengeld um ein Getränk pro Woche und geben dem Oberstufenkind etwas Verpflegungsgeld zusätzlich. Alles darüber hinaus wird vom Taschengeld bestritten.

Interessant finde ich hier wieder einmal die unterschiedlichen Prägungen. Hauke selbst hat als Jugendlicher einen guten Teil seines Taschengeldes in Pommes, Pizza und Co. investiert, da seine Eltern nicht bereit waren, dafür Geld herauszurücken. Vielleicht ist es ihm darum so wichtig, dass die Kinder selbst für ihr Eis und ihre Burger aufkommen.

Grundsätzlich fällt mir auf: Unsere Kinder fragen uns nach mehr Taschengeld, weil sie einerseits mehr ausgeben wollen, aber andererseits auch, weil sie erhalten wollen, was sie haben. Vor die Entscheidung gestellt, Eis vom eigenen Geld zu bezahlen oder zu verzichten, wählen sie stets „kein Eis“. Vielleicht haben sie ja doch schon was gelernt!

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache in Elternzeit. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

Immer schauen sie auf mein Portemonnaie!

Hauke Hullen ist genervt, wenn seine Kinder sparen wollen und gleichzeitig alle Ausgaben auf Papa abwälzen.

Hauke: „Können wir noch ein Eis essen?“ Wann immer wir als Familie einen Ausflug unternehmen, kommt irgendwann diese Frage aller Fragen. Jahreszeitlich bedingt mal abgewandelt in der Pommes- oder Crêpes-Version, aber immer verbunden mit großen hoffnungsvollen Kinderaugen, die schmachtend auf Pommes und Papas Portemonnaie schauen.

Nun stehe ich ungesunden Snacks durchaus nicht abgeneigt gegenüber – was mich aber stört, ist die Tatsache, dass ich den ganzen Spaß bezahlen soll. Natürlich ernähre ich meine Familie gerne und üppig, doch selbst wenn wir uns gerade erst von der heimischen Tafel erhoben haben, beginnen bei der nächsten Leuchtreklame die Sirenengesänge von der Rückbank, die mir die Spendierhosen andichten wollen.

„Klar kannst du dir ein Eis kaufen, dafür bekommst du ja Taschengeld“, ist meine Standard-Replik, welche ebenso standardisiert mit Augenrollen und Unverständnis quittiert wird. Als ob meine Kinder ihr Taschengeld für derlei Zeug ausgeben würden, wenn doch die elterliche Geldbörse mit ihren unendlichen Weiten in der Nähe ist!

Hier stoßen wir auf ein interessantes Phänomen: Laut Paragraph 110 des Bürgerlichen Gesetzbuches darf ein Minderjähriger den unsinnigsten Tand kaufen, „wenn der Minderjährige die vertragsmäßige Leistung mit Mitteln bewirkt, die ihm zu diesem Zweck oder zu freier Verfügung von dem Vertreter oder mit dessen Zustimmung von einem Dritten überlassen worden sind“. Also mit dem Taschengeld. Und obwohl Eltern den Kindern eigentlich nicht reinreden sollten in ihre Kaufentscheidungen, haben wir uns doch schon alle den Mund fusselig geredet, um das Kind davor zu bewahren, seine Ersparnisse in überteuerten Nepp zu investieren. Doch diese Zeiten sind bei meinen Töchtern vorbei – inzwischen bin ich derjenige, der sie zum Kauf von unnötigem Fastfood animieren muss! Aus reinem Selbstschutz!

Leider mit wenig Erfolg. Obwohl gerade erst im Teenager-Alter angekommen, sparen sie eisern für Führerschein und Eigenheim. Für die Finanzierung dekadenter Genüsse, auf die sie trotzdem nicht verzichten wollen, sollen aber die Eltern aufkommen. Problematischerweise werden sie dabei unterstützt von der besten Ehefrau von allen: Katharinas Mutterherz kann vermutlich die Vorstellung nicht ertragen, dass unsere Kinder unterzuckert vor sich hinleiden, weil sie ihr Taschengeld nicht ausgeben wollen. Um diese Not von Mutter und Meute zu lindern und um der ständigen Bettelei den Nährboden zu entziehen, gab es nun mehrfache außerplanmäßige Taschengelderhöhungen.

Die Kinder sind bislang sehr zufrieden. Sie können nun noch mehr sparen – und liegen mir weiterhin in den Ohren.

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/07/Hullen_Taschengeld_BN_Ann-Sophie-Bartholomaeus.jpeg 1668 2224 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-06-17 13:01:432023-07-06 13:02:13Ein Paar – zwei Perspektiven: Taschengeld

Sex mit angezogener Handbremse?

Wenn ein Paar miteinander intim wird, machen sich beide Partner verletzlich. Fehlende Offenheit kann guten Sex hemmen.

Florian geht beim Sex gerne auf die Wünsche seiner Frau Vanessa ein. Seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche stellt er nicht in den Vordergrund. Es kommt so gut wie nie vor, dass er sagt, was er gerne möchte. Stattdessen fragt er jeweils Vanessa, wie sie es gerne hätte. Und wenn sie ihn fragt, was ihm gefallen würde, antwortet er: „Ich kann mir alles vorstellen. Was willst du?“

Ein selbstloser Liebhaber?

Es scheint, als wäre Florian ein ausgesprochen selbstloser Liebhaber. Er stellt die Bedürfnisse seiner Frau über seine eigenen. Trotzdem sind Vanessa und Florian nicht so recht zufrieden mit ihrer Sexualität. Irgendwie ist es nicht der heiße Sex voller Leidenschaft und tiefer Verbundenheit, den sie sich wünschen.

Könnte es sein, dass das auch an Florians vermeintlicher Selbstlosigkeit liegt? Dass sein Verhalten nur ein als Selbstlosigkeit getarnter Selbstschutz ist? Dass es ihm eigentlich gar nicht darum geht, auf die Wünsche seiner Frau einzugehen, sondern viel eher darum, sich selbst nicht mit einem Vorschlag zu exponieren?

Wer offen sagt, was er oder sie im Bett will, riskiert, zurückgewiesen zu werden. Er bietet Angriffsfläche und macht sich verletzbar. Florian will das verhindern und überlässt deshalb Vanessa die Initiative. Er schützt sich, indem er nicht zu viel von sich preisgibt und sich nicht ganz zeigt.

Sag, was du dir wünschst!

Florians Verhalten gibt den Ton für den weiteren Verlauf der sexuellen Begegnung an. Auch Vanessa wird zurückhaltend sein und sich nicht exponieren. Der Sex wird sich auf dieser Ebene von viel Selbstschutz und wenig Selbstpreisgabe abspielen. Es ist Sex mit angezogener Handbremse.

Damit richtig guter Sex entstehen kann, braucht es Nähe und Intimität. Das entsteht, wenn wir etwas von uns preisgeben. Wenn wir den anderen an uns heran und unsere Schutzmauern fallen lassen. Wenn wir uns zeigen und uns dem anderen zumuten, so wie wir sind.

Florian hat erkannt, dass seine Selbstlosigkeit nur eine Tarnung ist. Er trainiert nun, seine Wünsche beim Sex einzubringen. Dabei ist sein Glaube eine wertvolle Ressource. Er glaubt an einen Gott, der ihn liebt, so wie er ist. Das gibt ihm die Sicherheit und das Rückgrat, um sich beim Liebesspiel mit Vanessa zu exponieren und verletzbar zu machen. Auf dieser Grundlage kann echte Nähe und Verbundenheit entstehen. Davon wird auch Vanessa profitieren – mehr als von einem Mann, der sich im Bett ausschließlich um ihre Bedürfnisse kümmert.

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/05/Intimitaet-vertiefen_Getty-Images_VioletaStoimenova_E-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-06-13 11:51:062023-07-06 11:51:45Sex mit angezogener Handbremse?

6 bis 10 – Mein Kind hat Legasthenie

Elternfrage: „Bei meinem Kind (8) wurde Legasthenie diagnostiziert. Wird es ihm trotz dieser Diagnose möglich sein, ein normales Leben zu führen und etwas zu erreichen? Wie kann ich es dabei unterstützen?“

Die Diagnose Legasthenie kann erst einmal beängstigend sein. Aber es ist wichtig zu bedenken, dass Legasthenie in erster Linie eine Lernstörung ist. Das bedeutet, dass das Lernen schwerer fällt, zum Beispiel dauert das Lesen deutlich länger, lautes Lesen ist stockender und es passieren deutlich mehr Fehler beim Schreiben. Das wirkt sich dann aber auch auf die Noten aus.

In Mathe ist es aufgefallen

Eine betroffene Mutter berichtet, dass ihre Tochter mit 12 Jahren durch einen Test die Diagnose erhielt. Ihr war es aufgefallen, weil sie in einer Klassenarbeit in Mathe, die nur aus Textaufgaben bestand, größere Probleme hatte, obwohl das Rechnen ihr nicht schwerfiel. In der Rechtschreibung hatte sie hauptsächlich Probleme mit kleinen Worten, wie „dann“, „wenn“ oder Bindeworten, während sie „Marathon“ richtig schrieb. „Das Hauptproblem war allerdings, dass Nicole (Name geändert) sich dumm fühlte und nicht mehr gern in die Schule ging“, sagt Nicoles Mutter. Wenn sich schon so früh ein solches Gefühl einstellt, ist das für den Rest der Schulzeit natürlich schlecht und kann psychische Probleme zur Folge haben. Daher ist es wichtig, die Situation anzugehen. Denn mit Intelligenz hat Legasthenie nichts zu tun; diese spezielle Störungist in der Regel angeboren.

Als Eltern fragt man sich, wie man sein Kind am besten unterstützen kann. „Üben, Wörter richtig zu schreiben, bringt überhaupt nichts“, berichtet Nicoles Mutter. „Sie hat am nächsten Tag wieder dieselben Fehler gemacht.“ Stattdessen gibt es verschiedene schulische und außerschulische Förderprogramme, die gezielt und professionell mit den Kindern arbeiten. „Das hat vor allem den Vorteil, dass Eltern sich ganz auf die persönliche Unterstützung konzentrieren können und zu Hause weniger Konflikte beim Üben entstehen“, berichtet Nicoles Mutter.

Förderprogramme von Schule und Jugendamt

Es gibt eine Reihe von schulischen und außerschulischen Fördermaßnahmen. Insbesondere Programme jenseits der Schule müssen zwar organisiert werden, aber es lohnt sich. Und sie werden, je nach Land, teilweise auch vom Jugendamt finanziert, sodass auf die Eltern zwar der organisatorische, aber nicht der finanzielle Aufwand zukommt. Zudem gibt es in der Schule, bei Vorlage entsprechender Tests, einen Nachteilsausgleich. Dadurch erhalten die Kinder bei Tests und Klassenarbeiten mehr Zeit und die Rechtschreibung wird weniger streng bewertet. „Auch da muss man als Eltern manchmal sehr hinterher sein, denn Lehrerinnen und Lehrer oder die Schulleitung haben das nicht immer auf dem Schirm“, sagt Nicoles Mutter. Aber letztlich gibt es die Möglichkeit bis zum Abitur und darüber hinaus. Viele Ausbildungen, Hochschulen und Universitäten gewähren mittlerweile ebenfalls einen Nachteilsausgleich.

Alle Wege stehen offen

„Nicole ist mittlerweile 19. Sie hat das Abitur geschafft und studiert an einer Fachhochschule. Ihren Alltag kann sie ohne Probleme bewältigen“, berichtet die glückliche Mutter. „Das Wichtigste war, ihr zu vermitteln, dass wir sie unterstützen und an sie glauben, und sie zu motivieren. Wir haben das Problem erkannt, es angenommen und das Beste daraus gemacht.“ Wegbegleiter haben Nicole und ihrer Mutter ebenfalls Mut gemacht, sich nicht unterkriegen zu lassen. Prinzipiell stehen einem Kind mit Legasthenie alle Wege offen. Sicher sind manche Wege etwas schwieriger, aber ein normales Leben ist ohne Einschränkungen möglich.

Marcus Beier ist Redakteur bei Family und Family NEXT.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/07/legasthenie.jpg 1808 2220 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-06-05 11:37:472023-07-06 11:38:406 bis 10 – Mein Kind hat Legasthenie

11 bis 15 – Vom Lesemuffel zum Bücherwurm

Elternfrage: „Mein Kind liest nicht gern. Wie kann ich es motivieren, ohne es unter Druck zu setzen?“

Lesen ist ein komplexer Prozess. Ein Buchstabe muss in einen Laut und der Laut in einen Sinn umgewandelt werden. Das erfordert Anstrengungsbereitschaft und ohne Freude bleibt das Lesen ein notwendiges Übel im Schulalltag. Digitale Medien wie Chatnachrichten, Anweisungen in Apps und Teasertexte sind kein Ersatz für Printmedien, denn sie fördern kaum Wortschatz, Konzentration, Kreativität und Empathie.

Leseneugier wecken

Bücherwürmer sind von Neugier getrieben, daher: Finden Sie heraus, welche Themen Ihr Kind spannend findet. Sind es Sachthemen, Anime, Gaming oder Fantasywelten? Sind es aktuelle Themen wie Umweltschutz oder Menschenrechte?

Für all diese Themen gibt es wunderbare Bücher. Vor allem Graphic Novels wagen sich an schwierige Geschichten (Maus – Die Geschichte eines Überlebenden, Biografie von Sophie Scholl oder Künstlerporträts). Diese Bücher sehen wie Comics aus, haben aber komplexe Handlungen. Selbst das „Lustige Taschenbuch“ mit Donald Duck und Micky Maus ist wertvoll. Erika Fuchs war die deutsche Übersetzerin der LTBs. Ihr ist ein Museum in Nordbayern gewidmet. Vielleicht weckt ein Besuch die Leseneugier?

In den letzten Jahren wurden Kinofilme und Serien aus dem Marvel-Universum immer beliebter. Nutzen Sie Spiderman, Avengers und Co., um in diese Welt einzutauchen. Zu den Filmen gibt es Nachschlagewerke und Biografien über die Macher (DK-Verlag). Stan Lee, Gründer von Marvel, bezog sich mit seinen Figuren auf Probleme seiner Zeit. „Black Panther“ hätte es nie ohne die Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre gegeben. Es gibt Bücher, da kann man den Verlauf der Geschichte bestimmen (1.000-Gefahren-Serie) und die Jugendlichen haben das Gefühl, Teil der Handlung zu sein. Beliebt sind Bücher im Sketchnotes-Style (Tom Gates, Lotta-Leben). Die Wörter haben etwas Lautmalerisches. Die kreative Typografie erleichtert auch Teens, die wenig lesen, den Inhalt zu erfassen.

Anknüpfungspunkte finden

Ihr Kind will aber nur vor dem PC hocken und zocken? Dann lassen Sie sich die Story des Games erzählen. Es geht meistens um Gut gegen Böse und manche Jugendthriller greifen solche Themen auf („Erebos“ von Ursula Poznanski). Ihr Kind versinkt im Fifa-Spielemodus? Wie wäre es mit Zeitschriften rund um Fußball oder eine Sportlerbiografie? Auch Musik kann ein Anknüpfungspunkt zum Lesen sein. Hinter jedem Song verbirgt sich eine Geschichte. Was hat den Künstler bewegt, darüber zu singen? Das zu entdecken, kann eine große Motivation sein. Young-Adult-Literatur bietet oft die passenden Songs zu den Büchern auf Spotify an.

Werten Sie nicht, was Ihr Kind liest. Zeigen Sie Interesse. Lieben Sie selbst Bücher? Steckt Ihre Leselust an? Ein Besuch im Antiquariat, Musical, Workshop oder eine Ausstellung sind oft Türöffner in die Welt der Geschichten.

Susanne Ospelkaus lebt mit ihrer Familie in Zorneding bei München, bloggt unter susanne-ospelkaus.com und arbeitet als Autorin, Lektorin und Therapeutin.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/07/lesemuffeL_buecherwurm.jpg 1496 1338 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-05-30 11:03:362023-07-06 11:05:2811 bis 15 – Vom Lesemuffel zum Bücherwurm

„Mein Glaube ist kein Kuschelthema in unserer Ehe“

Wenn ein Ehepaar alles miteinander teilt, außer den Glauben, ist der gläubige Partner ein Sonntagmorgensingle. Matthias Kleiböhmer berichtet, wie er damit umgeht und wie das gut klappt.

Sonntagmorgen: Die Familie sitzt fröhlich am Frühstückstisch. Wir sprechen über den Gottesdienst heute und welche Songs die Lobpreisband wohl geprobt hat. Die Kinder freuen sich auf ihre Freunde. Natürlich gehören die auch zur Gemeinde. Ein kurzer Blick auf die Uhr – jetzt aber los! Die ganze Familie ab ins Auto und dann gemeinsam zur Kirche.

Eine ganz normale Szene in einem der christlichen Filme aus den USA – aber keine Situation aus meinem Leben. Familie habe ich von Montag bis Samstag. Wenn ich in den Gottesdienst gehe, bin ich Single. Sonntagmorgensingle. Dabei bin ich oft der Prediger. Und mir fällt immer öfter auf: Ich bin nicht der Einzige, dem es so geht. Vielen geht es wie mir. Wir gehen allein, weil unsere Partner nicht an Gott glauben. Unsere Familien machen am Sonntag lieber etwas anderes.

Der Platz neben mir bleibt leer

Ohne Frage ist das eine Herausforderung. Man muss es aushalten können: Dass gefühlt alle mit Kind und Kegel in die Gemeinde kommen und der Platz neben einem leer ist. Dass das außergewöhnliche Glaubenszeugnis des jungen Mannes beim Mittagessen kein Thema sein wird. Und dass wir weder zusammen singen noch gemeinsam beten. Also nie. Ich verzichte auf vieles, was andere Paare selbstverständlich miteinander teilen.

Das hat im Alltag viele praktische Konsequenzen. Mein Glaube ist, wie alle der unterschiedlichen Interessen, Teil der familiären Verhandlungsmasse. Qualitätszeit ist in einer Familie eine knappe Ressource. Das betrifft die kostbaren Stunden am Sonntagmorgen und vor allem die Feiertage. Besonders vor Weihnachten und Ostern handeln wir immer wieder neu aus, was in anderen, rein christlichen Beziehungen selbstverständlich ist – nämlich dass neben Familie, Freunden, Geschenken und Feiern auch Zeit sein soll für Gott. Manchmal fühle ich mich deswegen, als wäre ich in einer missglückten Dreiecksbeziehung. Immer zwischen den Stühlen, nur weil die Beziehung der beiden anderen untereinander nicht funktioniert.

Dabei könnte der gemeinsame Glaube die Paarbeziehung stärken. Den Glauben als gemeinsame Leidenschaft zu teilen, würde ja bedeuten, die Beziehung durch gemeinsame Erlebnisse – etwa Veranstaltungen, Lieder, Begegnungen – zu vertiefen. Gemeinsame Gewohnheiten wie der Gottesdienstbesuch würden die Vertrautheit stärken. Damit wären zwei von drei Faktoren erfüllt, die der Psychologe Michael Stockmann in seinem Modell für eine gelingende Paarbeziehung ausgemacht hat. In Beziehungen wie meiner fällt das weitgehend aus.

Unerfüllte Sehnsucht

Soweit die Diagnose. Aber wie geht man damit um? Zuerst muss man ehrlich zu sich selbst sein. Das heißt in meinem Fall: So schlimm ist es auch wieder nicht. Ich habe die Sehnsucht nach einer gläubigen Familie in mir, aber es hat mich noch nie wirklich aus der Bahn geworfen. Meine Glaubenskrisen hatten immer andere Ursachen. Und auch wenn mein Glaube kein Kuschelthema in der Beziehung ist, haben wir uns deswegen selten wirklich weit voneinander entfernt. Das liegt vor allem daran, dass meine Frau den Glauben als Hilfe für das Leben und Hoffnung über den Tod hinaus respektiert. Ohne das ginge es wohl auch nicht für mich.

Es hat auch einen zweiten wichtigen Grund: Wir haben gemeinsame Werte. Auch wenn sie sich aus unterschiedlichen Quellen speisen. Aber wir sind nur sehr selten unterschiedlicher Meinung, wenn es um Geld, Kindererziehung, Politik oder die Art geht, wie man eine Beziehung führen sollte. Da können wir uns diese eine grundlegende Verschiedenheit leisten. Mir persönlich hilft es auch, zu wissen, dass ich damit nicht allein bin. Solche – sagen wir hybriden – Beziehungen hat es schon immer gegeben. Solange die Christen in der Minderheit waren (oder sind), gab und gibt es sie sogar recht häufig. Zumindest wenn das Umfeld die Gläubigen glauben lässt. Deswegen war es für Paulus genauso selbstverständlich wie für Augustin (354–430 n.Chr.). Der große Theologe lebte selbst lange, aber letztlich unglücklich mit einer Heidin zusammen. Das Problem dieser Beziehung war aber nicht der fehlende Glaube an Jesus, sondern der ungleiche soziale Status. Es gibt ja so vieles, was eine glückliche Ehe verhindern kann.

Wohltuend schmerzhaft

Kommen wir zu den Vorteilen. Das ist vor allem einer: Wir müssen über den Glauben sprechen. Vielleicht sogar mehr als viele rein christliche Paare. Wohlgemerkt: Ich meine Gott, den Glauben an ihn und warum er wie trägt oder nicht. Ich meine nicht die Gemeinde oder die Kirche. Das war das, was ich als Erstes in unserer Beziehung lernen musste: Kritik an der Kirche ist kein Grund, beleidigt zu sein. Und es ist auch kein Vorrecht von Christen, andere Christen an das Gebot der Nächstenliebe zu erinnern. Kirche – das ist Hobby oder Beruf, das ist Verein, Struktur oder was auch immer. Das ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist Gott. Und mit Nichtchristen über Wesentliches zu sprechen, ist gar nicht so einfach. Es ist sogar eine Herausforderung. Denn was wir Gläubigen für selbstverständlich halten, können andere sehr befremdlich finden.

Nehmen wir mal die selbstverständliche christliche Meinung, Gott würde mit seinem Segen in unserem Leben wirken und uns Gutes erleben lassen. Da muss meine Frau nur oft genug „Warum?“ fragen. Und plötzlich bin ich mir nicht mehr sicher. Und das ist gut so. Denn ein „Warum?“ sollte mein Glaube schon aushalten können, oder? Und wenn ich es nicht beantworten kann, dann ist es an der Zeit, das Thema mal wieder anzuschauen. Und ich sollte mich auch selbst einmal fragen, wie es so weit kommen konnte. Das ist unbequem. Aber dem Glauben tut es gut. Es bringt mich immer wieder zurück zu Gott, und es hilft mir, Worte dafür zu finden, wie ich ihn erlebe. Es bringt mich sogar wieder neu dazu, ihn in meinem Leben zu suchen. Damit solche Gespräche ein Gewinn sind, müssen sie in einer Atmosphäre stattfinden, in der niemand gewinnen will. Als Liebespaar über den Glauben zu sprechen, ist kein Ort für Triumphe. Es ist der Ort für ehrliches Interesse und gemeinsame Erkenntnis.

Auf dieser Grundlage können wir als Paar auch die Themen in Angriff nehmen, die nicht nur uns betreffen, sondern auch unsere Kinder: Lassen wir sie taufen? Beten wir mit ihnen? Oder bete ich, und du nicht? Und vor dem Essen, was machen wir da? Ich glaube, in vielen dieser Fragen gibt es nur eine gute Lösung, wenn beide damit leben können. So haben wir es immer erlebt. Unter dem Strich ist es sicher so, dass ich weniger Zeit im Gottesdienst verbracht habe, als ich gern gewollt hätte – und meine Frau viel mehr, als überhaupt denkbar gewesen wäre. Wir haben beide verzichtet, aber beide unendlich viel gewonnen. Kompromisse gehören einfach zur Ehe dazu. Ich komme noch einmal auf den Psychologen Stockmann zu sprechen: Der Glaube fällt als gemeinsame Leidenschaft, als stützendes Element in der Beziehung, aus. Dafür wächst durch diese Art Gespräche die Vertrautheit der Partner – das zweite Element ist also erfüllt. Denn gemeinsame Gespräche und die Einsicht in das „Warum“ des Partners stärken die Beziehung. Und es kommt zu bewussten Entscheidungen füreinander. Nach Stockmanns Ansatz der dritte Faktor. Denn Liebe ist auch eine Entscheidung. Deswegen schließen wir Ehen durch ein „Ja“ der Eheleute. Bei mir war es übrigens „Ja, mit Gottes Hilfe“. Bei meiner Frau natürlich ein einfaches „Ja“. Auch ein bewusster Kompromiss.

Ein anderer Partner muss her

Man kann nicht allein verheiratet sein und man kann nicht allein Christ sein. Was man mit Gott erlebt, was einen beschäftigt, das muss man irgendwann auch mal mit jemandem teilen, der das in der ganzen Tiefe im Herzen nachvollziehen kann. Der eben nicht nach dem „Warum“ fragt, sondern einfach verständnisvoll nickt. Der nicht „Aber“ sagt, sondern „Amen!“. Und das finden wir Sonntagmorgensingles in unserer Beziehung nicht. Das brauchen wir aber. Denn wir können für unseren Alltag Kompromisse schließen und für unseren Einsatz in Kirche und Gemeinde – für den Glauben selbst geht es nicht.

In der Praxis heißt das: Wir müssen uns jemanden suchen, mit dem wir den Glauben teilen können. Eine konkrete Person, die diesen Teil unseres Lebens nicht von außen betrachtet, sondern von innen. Schließlich schickt Jesus die Jüngerinnen und Jünger auch immer zu zweit los – ohne sie zu trauen.

So jemanden zu finden, ist nicht einfach. Denn auch in der Gemeinde gehen nicht alle Menschen verständnisvoll miteinander um. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass man so jemanden findet, indem man sich selbst als Gesprächspartner für den Glauben anbietet. Nicht im Sinne von „Sollen wir mal über Jesus reden?“, sondern indem man es einfach macht. Man merkt dann schon, wer noch auf der gleichen Wellenlänge ist oder ähnliche Erfahrungen teilt. Ein Sonntagmorgensingle bleibt man trotzdem. Aber wer weiß, vielleicht finden sie ja noch zueinander. Meine Frau und mein Gott. Bis dahin bleibe ich wachsam, dass es uns dreien gut geht. Das ist anstrengend. Und sehr schön.

Matthias Kleiböhmer ist mit einer atheistischen Naturwissenschaftlerin verheiratet. Der Theologe leitet den YouTube-Kanal der Stiftung Creative Kirche. Mehr zum Thema erfährst du in der nächsten Ausgabe von Family und in seinem Buch: „Sonntagmorgensingle – Wie es ist, der einzige Christ in der Fmailie zu sein“ (Gütersloher Verlagshaus)

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/05/F_Kleiboehmer_BN_GettyImages_NicolasMcComber-scaled-e1684999329579.jpg 1200 1800 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-05-25 09:23:192023-05-25 09:24:30„Mein Glaube ist kein Kuschelthema in unserer Ehe“

3 bis 5 – Vorzeitig einschulen?

Elternfrage: „Unser Kind ist ein ‚Kann-Kind‘, das heißt, wir könnten es vorzeitig einschulen lassen. Wie finden wir heraus, ob es schulreif ist?“

Armin Krenz: Zunächst eine kleine fachliche Anmerkung: früher sprach man von „Schulreife“, heute werden die Begriffe „Schulfähigkeit“ beziehungsweise „Schulbereitschaft“ benutzt, weil einerseits der Teilbegriff „Reife“ die Vorstellung provoziert, mit zunehmendem Alter „reife“ jedes Kind körperlich und kognitiv heran. Andererseits wird Schulfähigkeit oder Schulbereitschaft seit Jahren sehr viel umfassender betrachtet.

Kann man denn sein Kind zu früh einschulen oder aber zu lange warten?

Krenz: Eine vorhandene Schulfähigkeit oder Schulbereitschaft ergibt sich immer aus vier Kompetenzfeldern: einer emotionalen, motorischen, sozialen und kognitiven Schulfähigkeit. Zu ihr gehören vor allem seelische Stabilität, Belastbarkeit, eine größere Portion Selbstsicherheit, ein grundsätzlich vorhandenes Regelbewusstsein, Lerninteresse und Neugierde, ein Bündel an sozialen Verhaltensweisen sowie Entspannungsfähigkeiten, Ausdauer, Zuversicht und ein gewisses Maß an Konzentrationsfertigkeit. Da jedes Kind ein „Unikat“ ist, das sich von anderen Kindern – auch unabhängig vom Alter – individuell unterscheidet, ist die Stichtagregelung in Deutschland nur bedingt hilfreich. Es kann festgehalten werden:

  • Nicht das Stichtagsalter ist entscheidend, sondern das Vorhandensein bestimmter Fertigkeiten!
  • Britische, US-amerikanische und deutsche Studien weisen deutlich darauf hin, dass die Schulfähigkeit bei 6-jährigen Kindern deutlich stärker vorhanden ist als bei 5-jährigen Kindern.
  • Vorzeitig eingeschulte Kinder wiederholen häufiger eine Klasse.
  • Bei zu früh eingeschulten Kindern ziehen sich nicht selten Fertigkeitsmängel durch die folgenden Schuljahre.
  • Wenn die Kita eine spannende, kommunikationsreiche und selbstständigkeitsfördernde, situationsorientierte Pädagogik mit handlungsaktiven Projekten anbietet, kann eine spätere Einschulung keine entwicklungshinderlichen Folgen hervorbringen.

Sollte ich mein Kann-Kind, wenn es noch ein Jahr länger in den Kindergarten geht, zusätzlich intellektuell fördern, zum Beispiel mit Musik- oder Sprachunterricht?

Krenz: Es geht bei einem Aufbau der Schulfähigkeit – im Gegensatz zur landläufigen Meinung vieler Erwachsener – nicht primär um eine intellektuelle Förderung. Das ist eine immer wiederkehrende Fehlannahme und würde am vorhandenen Problem vorbeiführen. Vielmehr muss es darum gehen, mit Kindern Rollen-, Musik-, Theater-, Fantasie-, Bewegungsspiele zu erleben, alltagsorientierte Gespräche zu führen, Umfelderkundungen zu unternehmen sowie die Selbstständigkeit der Kinder auszubauen, das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken und ihre Neugierde auf Neues anzusprechen! Die Schulbereitschaft setzt sich in erster Linie aus den Fertigkeiten Lernmotivation, Lernbereitschaft und Lernfreude zusammen. Es geht also um Persönlichkeitsmerkmale und nicht um Lernergebnisse.

Wie sollen wir damit umgehen, wenn unser Kind das erste Schuljahr wiederholen muss?

Krenz: Verschiedene Untersuchungen haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass die Grundlagen der vier basalen Kulturtechniken (Sprache/ Lesen/ Schreiben/ Rechnen) von Anfang an ein sicheres Fundament besitzen müssen. Insofern ist bei starken Fertigkeitsdefiziten eine Klassenwiederholung angezeigt, damit sich fehlende Basiskompetenzen mit jedem Schuljahr nicht weiter potenzieren. Doch es sollte am besten gar nicht erst durch eine zu frühe Einschulung zu einer Wiederholungsnotwendigkeit kommen.

Prof. Dr. h.c. Armin Krenz ist Wissenschaftsdozent für Elementarpädagogik und Entwicklungspsychologie und Autor des Buches „Ist mein Kind schulfähig? Ein Orientierungsbuch“ (Kösel).

Die Fragen stellte Ruth Korte.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/05/einschulen.jpg 1644 2216 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-04-25 12:33:252023-07-06 10:46:183 bis 5 – Vorzeitig einschulen?
Seite 9 von 42«‹7891011›»

Jetzt Family bestellen:


... für mich
Die eigene Familie gestalten

... für andere
Das ideale Geschenk

... zum Testen
Aktuelle Ausgabe gratis lesen



Hurra, Baby ist da!


Unser neues Leben mit Baby

Der Start in die Kinderphase ist spannend und aufregend. Und herausfordernd.

Das neue family Special „Unser neues Leben mit Baby“ will Baby-Eltern in den ersten Monaten begleiten. Mit bewegenden Erfahrungsberichten, hilfreichen Tipps und vielen Anregungen, wie diese neue Lebensphase gestaltet werden kann.

Alle Infos & weitere Specials

Search Search
  • Vertrag kündigen
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen