Im Haushalt helfen? So könnt ihr eure Kinder motivieren

Elternfrage: „Meine Jungs (7 und 10) helfen nicht gern im Haushalt. Ich möchte sie aber kindgerecht einbinden. Habt ihr Tipps, wie ich das schaffen kann?“

Spontan, nach Lust und Laune, mit einem festen Aufgabenplan, mit oder ohne Belohnung – Kinder können auf verschiedene Arten in den Haushalt einbezogen werden. Wir haben Eltern gefragt, wie sie das angehen.

Nicht perfekt

Unsere Einstellung ist bei diesem Thema wichtig. Wenn wir Kinder in den Haushalt einbinden, bereiten wir sie auf das Leben vor. Das Zimmer ordentlich zu halten, Kartoffeln zu schälen oder eine einfache Mahlzeit vorzubereiten, sind genauso wichtig wie das Einmaleins in der Schule. Und wir können unser Umfeld gestalten, um ihnen dabei zu helfen: Wir haben zum Beispiel einen Küchenbuffetschrank direkt am Esstisch. Da können die Kinder das Geschirr selbst entnehmen und den Tisch decken. Doch wenn die Kinder das erste Mal Aufgaben übernehmen, ist es nicht perfekt. Da kocht mal die Milch über, oder der Boden ist nicht so sauber, wie wir es gern hätten. Trotzdem haben sie ein Lob verdient.

Esther

Gleichberechtigt

Wir beziehen unsere Kinder ein- bis zweimal im Monat bei der Haushaltsplanung mit ein. Wir listen alle Aufgaben auf, die zu erledigen sind. Jeder muss sich für mindestens eine Sache entscheiden, der Rest wird untereinander aufgeteilt. Kinder haben das gleiche Mitbestimmungsrecht.

Robert

Freiwillig

Mein Sohn ist jetzt sechs Jahre alt, geht in die erste Klasse und ist Einzelkind. Im Haushalt setze ich auf Hilfe auf freiwilliger Basis. Das heißt, mein Sohn hilft mit, wenn er Interesse hat. Manchmal frage ich ihn, kann aber auch ein Nein akzeptieren. Schon von Anfang an wollte er mithelfen und hat gefragt, was er tun kann. Beim Kochen kommt er jetzt noch von allein. Seine anderen Lieblingsaufgaben sind Wischen – mit seinem eigenen Kinderputzset –, Kleidung gemeinsam zusammenlegen oder mir beim Badputzen helfen – dazu habe ich ihm Kindereinmalhandschuhe besorgt. Nur das Aufräumen seines Zimmers funktioniert leider nicht. Deshalb begleiten wir ihn dabei und machen es gemeinsam. Beim Putzen hören wir gern ein Hörspiel an. Nach getaner Arbeit genießen wir dann unsere Familienzeit und spielen etwas.

Judith

Belohnungen

Wir haben einen rotierenden Aufgabenplan für unsere Kinder (9 und 7), damit jeder sowohl Lieblingsaufgaben erfüllen kann als auch mal weniger beliebte Dinge übernehmen muss. Für erledigte Aufgaben gibt es Sternenaufkleber. Haben sie eine bestimmte Anzahl von Sternen gesammelt, dürfen sie sich eine Belohnung dafür aussuchen. So bleibt die Motivation erhalten. Dabei probieren wir Verschiedenes aus: Ausflüge, kleine Geschenke oder Süßigkeiten.

Ruben

Kleinkind weint? Warum digitale Medien keine gute Lösung sind

Elternfrage: „Wenn mein Sohn (3) weint, lässt er sich manchmal nur mit dem Tablet beruhigen. Ich habe Angst, dass ihm das schadet. Welche Folgen kann es haben?“

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Kinder bis circa dem Schulalter noch nicht über die Fähigkeit verfügen, ihre Gefühle selbstständig zu regulieren. Das Gehirn entwickelt sich in Etappen. Der Bereich, der für Impulskontrolle und Beruhigung zuständig ist, reift erst über viele Jahre hinweg. Wenn Kinder weinen, wütend oder verzweifelt sind, brauchen sie daher in erster Linie Co-Regulation, also die Unterstützung eines (ruhigen) Erwachsenen.

Schnelle Beruhigungsmittel

Digitale Medien wirken sehr verlockend und können kurzfristig beruhigend wirken, da sie das Gehirn stark ablenken. Bilder, Geräusche und schnelle Reize überdecken unangenehme Gefühle wie Wut, Traurigkeit oder Frustration. Das Problem dabei ist nicht das Tablet an sich, sondern die Funktion, die es übernimmt! Wird es regelmäßiger genutzt, um Gefühle „abzustellen“, bekommt das Kind keine Möglichkeit, diese Gefühle wahrzunehmen, auszuhalten und zu verarbeiten. Langfristig kann das dazu führen, dass Kinder weniger Zugang zu ihren eigenen Emotionen entwickeln oder schneller nach äußerer Ablenkung suchen, statt innere Strategien aufzubauen.

Bewusster Medieneinsatz

Gefühle verschwinden so nicht. Sie werden lediglich verschoben. Oft zeigen sie sich später in anderen Situationen umso intensiver. Das bedeutet jedoch nicht, dass Eltern sofort alles falsch machen, wenn sie in akuten Momenten zum Tablet oder Handy greifen.

Entscheidend sind die Regelmäßigkeit und die Haltung dahinter. Wird das Tablet zur dauerhaften Beruhigungsstrategie, ersetzt es wichtige Entwicklungsschritte. Wird es hingegen bewusst und begrenzt eingesetzt, ergänzt durch Nähe, Worte und Begleitung, kann ein Tablet im Alltag auch mal zum Einsatz kommen. Medien können Teil des Familienalltags sein. Sie sollten jedoch nicht die Aufgabe übernehmen, Gefühle zu regulieren. Diese Fähigkeit entsteht vor allem dort, wo Kinder erleben: Meine Emotionen werden gesehen, gehalten und begleitet.

Marie von der Kuhlen ist Psychologin und systemische Beraterin. Sie ist zweifache Mutter und begleitet Eltern in den frühen Entwicklungsjahren ihrer Kindern.

Zungenband stört den Schlaf? Ein Experte klärt auf

Elternfrage: „Mein Kind (1) schläft schlecht. Der Kinderarzt sagt, schuld sei ein zu kurzes Zungenband. Was hat die Zunge meines Sohnes mit seinem Schlaf zu tun?“

Auf den ersten Blick scheint es ungewöhnlich, dass ein kleines Stück Gewebe unter der Zunge den Schlaf beeinflussen kann. Doch die Zunge hat weit mehr Aufgaben als nur das Essen und spätere Sprechen – sie spielt eine wichtige Rolle für Atmung, Muskelspannung und die Stabilität im Mund- und Rachenraum.

Unruhiger Schlaf

In der Praxis erleben wir oft, dass Kinder mit einem funktionell eingeschränkten Zungenband einen sehr leichten Schlaf haben. Sie schlafen unruhig, wachen häufig auf oder kommen nur mit offenem Mund zur Ruhe. Das kann damit zusammenhängen, dass die Zunge nachts nicht dort liegt, wo sie physiologisch häufig am günstigsten liegt: oben am Gaumen. Diese Position unterstützt die Entwicklung des Oberkiefers, stabilisiert die oberen Atemwege und fördert eine ruhige Nasenatmung. Wenn ein Zungenband zu kurz oder straff ist, kann die Zunge diese Haltung nicht gut einnehmen. Sie rutscht nach unten, und die Kinder atmen häufiger durch den Mund.

Mundatmung kann zu trockeneren Schleimhäuten, leichterem Aufwachen und einer insgesamt höheren Unruhe beziehungsweise Grundanspannung beitragen. Durch die veränderte Atmung kann es zu kleinen, kaum wahrnehmbaren Weckreaktionen kommen, die den Schlaf immer wieder unterbrechen und die Schlafqualität mindern. Das kann teilweise erklären, warum manche Kinder am Tag müde wirken oder schneller erschöpft sind. Kann sich die Zunge dagegen frei bewegen, entsteht nachts häufig ein ruhigerer Atemrhythmus – und das Kind schläft tiefer und erholsamer.

Ungewöhnliches Essverhalten

Ein weiteres Anzeichen kann sein, dass Ihr Kind tagsüber beim Essen unruhig ist, sich leicht verschluckt, viel speichelt oder „schmatzend“ schluckt. Auch nächtliches Schnarchen, ständige Positionswechsel oder ungewöhnliche Schlafhaltungen können Hinweise darauf sein, dass die Zunge nicht frei arbeiten kann. Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes kurze Zungenband behandelt werden muss. Entscheidend ist, ob die Funktion eingeschränkt ist – und ob Symptome auftreten, die sich dadurch erklären lassen.

Wenn der Verdacht auf eine funktionelle Einschränkung besteht, lohnt sich eine genauere Abklärung – idealerweise bei Fachleuten, die Erfahrung mit Zungenbewegung, Atmung und früher Mundentwicklung haben. Dazu gehören zum Beispiel Osteopathen, Logopädinnen sowie spezialisierte (Kinder-) Zahnärzte. Gerade Themen wie eingeschränkte Zungenbeweglichkeit (orale Restriktionen) werden in den üblichen Vorsorgeuntersuchungen nicht immer umfassend betrachtet. Eine interdisziplinäre Sicht hilft, alle Aspekte gut einzuordnen – und gibt Eltern Sicherheit.

Ralf Vogt MSc ist Physiotherapeut, Heilpraktiker und Osteopath mit Schwerpunkt auf der Behandlung von Babys & Kindern sowie der funktionellen Diagnostik oraler Restriktionen (u. a. Zungenband).

Hund als Haustier: Das solltet ihr vorher bedenken

Elternfrage: „Unsere Kinder wünschen sich sehnlichst einen Hund. Welche Gedanken sollten wir uns vor der Anschaffung machen? Wie kann ich die Kinder in die Verantwortung für den Hund einbeziehen?“

Viele Kinder träumen von einem eigenen Hund. Er soll ein treuer Freund, Spielkamerad und Kuschelpartner sein. Wenn in der neuen Wohnung das Halten von Haustieren nun erlaubt ist, rückt dieser Traum in greifbare Nähe. Doch die Entscheidung für ein Haustier sollte gut überlegt sein, denn sie bedeutet Verantwortung über viele Jahre hinweg.

Welcher Hund passt zu uns?

Bevor ein Fellfreund einzieht, lohnt sich ein realistischer Blick auf den Familienalltag. Ein Hund braucht täglich Bewegung, Beschäftigung, Pflege und Zuwendung. Bei jedem Wetter und unabhängig von Schul- oder Arbeitsterminen. Zudem sollten Tierarztkosten, Futter, Versicherung und mögliche Urlaubsbetreuung einkalkuliert werden. Familien sollten ehrlich prüfen, ob Zeit, Platz und finanzielle Mittel langfristig vorhanden sind.

Dann stellt sich die entscheidende Frage: Welcher Hund passt zu uns? Was für ein Familientyp sind wir? Alter, Größe, Temperament und Aktivitätsniveau müssen zur Familie passen. Ein junger, energiegeladener Hund stellt ganz andere Ansprüche als ein älterer, ruhiger Begleiter. Eine fachkundige Beratung in einer seriösen Hundeschule, beim Tierheim oder bei einem verantwortungsvollen Züchter oder einer Züchterin hilft, den richtigen Hund zu finden.

Kinder haben keine Hauptverantwortung

Kinder können und sollen in die Vorbereitung und den späteren Alltag mit dem Haustier einbezogen werden. Mitverantwortung ja, Hauptverantwortung nein. Ein zehn- oder zwölfjähriges Kind kann einfache Aufgaben übernehmen, zum Beispiel beim Füttern helfen, mit spazieren gehen oder bei der Fellpflege unterstützen. Trotzdem bleiben Themen wie Erziehung und Versorgung stets in der Hand der Erwachsenen.

Bevor der Hund einzieht, ist es für den Familienalltag wichtig, klare Regeln, Strukturen und Routinen zu besprechen. Dazu gehören Ruhezeiten, feste Futterzeiten und Absprachen für Spaziergänge. Ebenso wichtig: Kinder müssen lernen, Hunde als fühlende Lebewesen zu respektieren. Hunde brauchen Rückzugsorte, dürfen nicht bedrängt werden und haben individuelle Bedürfnisse.

Gelingendes Hundeglück

Ein Hund kann das Familienleben auf wundervolle Weise bereichern, Geborgenheit schenken und soziale Fähigkeiten stärken. Er vermittelt Rücksicht, Geduld und Empathie. Werte, die Kindern ein Leben lang bleiben. Echtes Hundeglück entsteht jedoch erst, wenn Herz, Zeit und Alltag wirklich bereit sind. Dann wird aus dem Wunsch nach dem eigenen Hund ein gemeinsames, tragfähiges Familienabenteuer über viele Jahre hinweg. Wer sich als Familie gut vorbereitet, ehrlich die eigenen Möglichkeiten prüft und bereit ist, Zeit und Energie in das neue Familienmitglied zu investieren, schafft die besten Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben.

Claudia Peter-Plum ist Gründerin von DOGS & KIDS und hat sich auf das Thema Kind-und-Hund-Sicherheit spezialisiert. In ihrem Kinderpodcast Wuff & Wow vermittelt sie kindgerechtes Wissen über die Fellfreunde.

Grundschule beendet? So gelingt der Wechsel auf die weiterführende Schule

Elternfrage: „Unsere älteste Tochter (10) wechselt dieses Jahr von der Grund- auf die weiterführende Schule. Habt ihr Anregungen, wie der Übergang gut gelingen kann?“

Es ist immer das Gleiche: Noch im Winter kann ich mir nicht vorstellen, dass ich als langjähriger Klassenlehrer meiner vierten Klasse überhaupt jemals wieder ohne diese schnuckeligen und süßen Kinder Freude am Schulalltag empfinden werde. Doch irgendwann nach den Osterferien stellt sich bei vielen Viertklässlern immer mehr eine Erkenntnis ein, die dieses Gefühl verändert. Sie begreifen, dass die Würfel gefallen sind. Die Anmeldung an den weiterführenden Schulen ist vollzogen. Ein wichtiger Meilenstein in ihrer Entwicklung ist gesetzt und erreicht.

Sie beginnen, sich sehr vehement vom Grundschuldasein und auch von ihrem einst so bewunderten Klassenlehrer zu lösen. Einige von ihnen werden nachlässig und respektlos. Ich als Lehrer plane emotionale Abschiedsmomente. Bei den Kindern jedoch nehme ich wahr, dass die Grundschule ihnen bereits zu eng ist. Sie wollen weiterziehen. Wie aber kann der Start in die fünfte Klasse vorbereitet werden? Ich teile aus schulischer Sicht zwei Anregungen:

Die letzte „Übungszeit“ nutzen

In den letzten Wochen und Monaten vor dem Schulwechsel ist es wichtig, die Übungsmomente, die in der Grundschulzeit noch verbleiben, bis zuletzt zu nutzen. Sind die Hausaufgaben gemacht? Müssen noch Klassenarbeiten daheim vorbereitet werden? Sind die Mappen in Ordnung? Auch Eltern, die nun, am Ende der Grundschulzeit, von der Entwicklung ihrer Kinder enttäuscht sind, sollten am Ball bleiben.

Die Bedeutung der einzelnen Schulfächer verschiebt sich in den weiterführenden Schulen. Da, wo in den ersten vier Jahren noch Mathematik und Deutsch die entscheidenden Hauptfächer waren, sind es ab der fünften Klasse bald auch Englisch, Biologie, Erdkunde und Geschichte. Ein wichtiger Schlüssel für den schulischen Erfolg liegt darin, dass Texte verstanden werden und schriftlich darauf eingegangen werden kann. In Bezug auf Englisch hilft es, schon in der Grundschulzeit Methoden und Rituale für das häusliche Vokabeltraining einzuüben. Hier wird eiserne Disziplin nötig sein. Überhaupt gilt in den ersten Wochen im fünften Schuljahr: Starke Lerner müssen das Lernen neu lernen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Schwache Lerner sollten bei den ersten Klassenarbeiten Erfolge feiern können. Hier werden die Eltern noch einmal gebraucht.

Den Handykonsum vorbereiten

Noch ein anderer Aspekt, der den Übergang von der Grund- auf eine weiterführende Schule betrifft, liegt mir am Herzen: Wenn die Kleinen ab dem fünften Schuljahr ein Handy bekommen und Beziehungen zu ihren neuen Mitschülern aufbauen, bekommen sie intensiven Kontakt zu einer Parallelwelt im Internet. Sie werden geistlose Spiele spielen, die Grenzen des Erlaubten suchen und zahllose Kurzfilme anschauen.

Damit Ihre Kinder in dieser Parallelwelt nicht versinken und Schaden nehmen, müssen Eltern und Großeltern begreifen, dass insbesondere die „sozialen Medien“ gefährlich für die Entwicklung und die schulischen Erfolge von Kindern und Jugendlichen sind. Hier wird mit mühsamer Bestimmtheit das Durchsetzen von klaren Regeln notwendig sein. Außerdem sollte das Leben in der „echten Welt“ der Kinder gepflegt und mit positiven Erlebnissen verknüpft werden. Es hilft sicherlich sehr, wenn Hobbys, Klavierunterricht, Fußballtraining, Ballett oder Reitunterricht auch durch Phasen von Unlust und Ermüdung hindurch beibehalten werden. Solche Aktivitäten spenden Rhythmus und Stabilität, Gemeinschaft und Erfolge.

Johannes Köster ist Leiter der Primarstufe an der Freien Christlichen Schule Ostfriesland. Er hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau im Landkreis Leer.

Einschlafprobleme: Warum Melatonin für Kinder nicht sinnvoll ist

Elternfrage: „Ich bin neulich auf Einschlafmittel in Form von Fruchtgummis für Kinder gestoßen. Sind solche Mittel bei Kleinkindern – meine Tochter ist vier Jahre alt – wirklich unbedenklich?“

Gut, dass Sie fragen – denn bei Einschlaf­medikamenten für Kinder ist immer Vorsicht geboten. Gerade frei verkäufliche Mittel, die von der Apothekenpflicht ausgenommen und deshalb scheinbar harmlos sind, unterliegen keinen strengen Laborkontrollen. Hinzu kommt, dass viele Präparate, auch pflanzliche, vom kindlichen Körper anders verstoffwechselt werden als vom Erwachsenen. Häufig liegen hierzu keine Studien zur Verträglichkeit von Kindern vor.

Vorsicht bei Melatonin-Produkten

Manche Einschlafmittel gelten nicht als Medikamente, sondern als Nahrungsergänzungsmittel. Nahrungs­ergänzungsmittel dürfen ohne ärztliche Verschreibung gekauft werden, können dennoch erheblichen Schaden anrichten, weil die Nebenwirkungen nicht bekannt sind oder nicht überprüft wurden. Vermutlich handelt es sich bei den Fruchtgummis, auf die Sie aufmerksam geworden sind, um ein Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin.

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Ein Einschlafmittel mit Melatonin soll ein schnelles Einschlafen begünstigen. Doch die Zugabe des Hormons führt dazu, dass es in wichtige Körpervorgänge eingreift – über die konkreten Auswirkungen bei Kindern ist wenig bekannt. Allerdings weisen Kinderärzte und Kinderärztinnen darauf hin, dass der Melatonin-Abbau bei Kindern deutlich langsamer verläuft als bei Erwachsenen. Experten warnen deshalb vor der Einnahme der Melatonin-Gummibärchen. Hinzu kommt, dass Melatonin nur dann wirkt, wenn tatsächlich ein Mangel davon für die Schlafprobleme verantwortlich ist – das ist meist erst bei Menschen ab 55 Jahren der Fall.

Natürliche Hilfsmittel

Es gibt durchaus einige milde, für Kinder zugelassene medikamentöse Schlafhilfen, die Eltern sich nach individueller Beratung in der Apotheke rezeptfrei besorgen können. Viel sinnvoller ist es aber, bei Einschlafproblemen zunächst nach pädagogischen und psychologischen Hilfen Ausschau zu halten. So hilft zum Beispiel ein möglichst dunkles Zimmer, gegebenenfalls mit rötlichem Nachtlicht, die Melatonin-Produktion natürlich zu fördern. Lavendelsäckchen versprühen einen beruhigenden Duft, und spezielle Einschlafmusik für Kinder fördert die Schlafbereitschaft. Auch Sternenlicht-Projektoren können Kindern helfen, zur Ruhe zu kommen, ebenso wie Kuscheleinheiten mit Gute-Nacht-Liedern oder Gebeten.

Manchmal hilft es dem Kleinkind, wenn eine Matratze neben dem Kinderbett liegt, auf die sich ein Elternteil zeitweise legt. Das vermittelt Sicherheit und unterstützt gleichzeitig die Gewöhnung an das Einschlafen im eigenen Bett. Wichtig ist es auch, dass Kinder mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen nicht mehr auf Bildschirme schauen, um Überreizung zu verhindern. Wenn Ihr Kind Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hat, empfehle ich, eine professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine kostenlose Schlafberatung finden Eltern beispielsweise auf www.elternleben.de.

Und, nicht vergessen: Es ist alles eine Phase! Schon bald reiben Sie sich verwundert die Augen, wenn Ihr Kind ein Teenager ist, den man kaum noch aus dem Bett bekommt.

Melanie Schüer ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Zudem ist sie freie Autorin von Kinderbüchern und Elternratgebern.

DIY-Ostergarten: So wird’s gemacht

Zwischen Hasen und Eiern gerät die eigentliche Bedeutung von Ostern schnell in den Hintergrund. Ein Ostergarten hilft, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen.

Als Familie haben wir gute Erfahrungen mit einem kleinen, selbst angelegten Ostergarten in unserer Wohnung gemacht. Einige Wochen vor Ostern haben wir darin Ostergras ausgesät. Während der Karwoche nahmen wir uns an den Feiertagen immer wieder kurz Zeit, um die passende Geschichte in einer kindgerechten Fassung vorzulesen. Dann gestalteten wir den Garten mit verschiedenen Figuren und Symbolen.

Für uns als Familie waren das immer schöne Momente, um zusammenzukommen, kurz innezuhalten und sich den Sinn dieses Festes in Erinnerung zu rufen. Die Kinder hatten viel Freude beim Aufbau und (Um-)Gestalten des Gartens. Zwischendurch ergaben sich immer wieder Fragen und Gespräche zu den Geschichten. Die Materialien sammle ich in einem Schuhkarton, sodass wir den Ostergarten jedes Jahr aufs Neue hervorholen können. Dieses Jahr wird er schon zum vierten Mal aufgebaut – er ist für uns zu einer schönen Ostertradition geworden.

So könnt ihr den Ostergarten ganz einfach selbst machen:

Ihr benötigt:

 

  • Blumenerde
  • Moos und Ostergras-Samen
  • Naturmaterialien (Steine, Zweige, etc.)
  • Stoffreste
  • Schnur
  • kleiner Blumentopf
  • Brot und Weintrauben
  • Figuren und Symbole zum Erzählen der Geschichte (Jesus, Esel, Brot & Wein, Soldaten, Engel, Kerze)

So wird’s gemacht:

 

  1. Den Ostergarten könnt ihr in einer Plastikwanne, einer Holzkiste oder einem (mit Plastik ausgelegtem) Pappkarton anlegen.
  2. Füllt euer Gefäß mit Blumenerde. Formt einen Hügel an dem Ort, an dem später die Kreuzigung dargestellt wird.
  3. Nun könnt ihr die Landschaft gestalten: Legt in der Mitte einen Weg aus Steinen, sät ringsherum Ostergras aus und legt Moos oder Holzstückchen aus.
  4. Legt die Figuren und Symbole zum Erzählen der Geschichte bereit. Ihr braucht sie für die einzelnen Stationen.

Stationen

Im Folgenden findet ihr zu jedem Ereignis eine kurze Geschichte. Lest diese Geschichte oder den passenden Abschnitt aus eurer Kinderbibel vor. Im Anschluss könnt ihr die einzelnen Figuren und Symbole am Ort des Geschehens platzieren.

Palmsonntag

Material: Figuren „Jesus“ und „Esel“, grüne Zweige, Stoffreste

Was für ein Gewimmel! Die ganze Stadt Jerusalem ist auf den Beinen. Viele Gäste aus nah und fern sind gekommen, um gemeinsam das Passahfest zu feiern. In den Straßen drängen sich viele Menschen. Da ruft jemand: „Schaut mal, da kommt Jesus!“ Tatsächlich: Auch Jesus möchte mit seinen Freundinnen und Freunden das große Fest der Befreiung feiern. Er reitet auf einem Esel in die Stadt. Die Leute sind ganz aufgeregt. Sie haben schon viel von diesem Mann gehört: Jesus hat vielen Menschen geholfen, er hat sie gesund und froh gemacht. Und er hat spannende Geschichten von Gott und seiner neuen Welt erzählt. Die Menschen sind begeistert. Sie begrüßen ihn wie einen König. Einige winken ihm mit grünen Palmzweigen, andere legen ihre Kleider auf die Straße. Viele jubeln ihm zu und rufen „Hosianna!“ Jesus ist in aller Munde. Viele fragen sich: Wer ist dieser Mensch?

Aktion: Stellt die Figuren von Jesus und dem Esel auf den Weg. Legt die grünen Zweige und kleine Stoffreste daneben.

Eine Jesus-Figur reitet auf einem Esel durch einen Ostergarten

Foto: privat

Gründonnerstag

Material: Figuren „Jesus“, „Brot & Wein“ und „Soldaten“, Brot, Weintrauben

Der Abend des Passahfestes ist gekommen. Jesus feiert mit seinen Freunden. Sie essen und trinken gemeinsam. Aber Jesus ist nicht fröhlich, er wirkt eher traurig und nachdenklich. Er sagt zu den anderen: „Einer von euch ist enttäuscht von mir und wird mich verraten.“ „Was? Doch nicht etwa ich?“ – Die Freundinnen und Freunde sind erschrocken, als sie das hören. Dann nimmt Jesus das Brot und den Wein, dankt Gott dafür und sagt: „Esst und trinkt alle davon! Dieses Brot und dieser Wein sind ein Zeichen dafür, dass ich mein Leben für euch gebe.“ Die Freunde wundern sich. Sie verstehen Jesus nicht. Aber sie essen und trinken alle davon – Freunde und Feinde.

Aktion: Stellt die Figuren von Jesus sowie Brot und Wein auf. Erinnert euch an das letzte gemeinsame Essen von Jesus und seinen Freunden, indem ihr gemeinsam Brot und Weintrauben teilt.

Nach dem Essen geht Jesus in einen Garten außerhalb der Stadt. Einige Freunde kommen mit. Sie warten am Eingang. Jesus weiß, dass es Menschen gibt, die ihn töten wollen. Er betet zu Gott: „Lieber Vater, ich habe große Angst! Bitte, lass mich nicht allein!“ Als er zu seinen Freunden zurückkommt, sieht er, dass alle eingeschlafen sind. Da kommen Soldaten mit Waffen. Einer der Freunde von Jesus ist bei ihnen. Er gibt Jesus einen Kuss und sagt: „Das ist der, den ihr fangen sollt!“ Jesus wird gefangen genommen. Seine Gegner sagen: „Jesus lügt! Er ist nicht Gottes Sohn und kein König! Er muss sterben!“

Aktion: Stellt die Figuren der Soldaten auf.

Soldaten-Playmobilfiguren stehen in einem Ostergarten

Foto: privat

Karfreitag

Material: Stöcke und Schnur

Heute ist ein stiller und trauriger Tag. Auf dem Berg hinter der Stadt steht ein Kreuz aus Holz. Jesus wurde verurteilt und stirbt. Seine Freundinnen und Freunde sind unendlich traurig und verzweifelt. Viele laufen davon und verstecken sich. Sie können es kaum aushalten. Alles ist vorbei. Alles ist aus. Sie weinen. Ihr Herz fühlt sich an wie ein schwerer Stein.

Aktion: Bastelt aus zwei Stöcken und der Schnur ein Kreuz und stellt es auf den vorbereiteten Hügel.

Karsamstag

Material: Stein, kleiner Blumentopf als Grab

Jesus ist tot. Er liegt in einem Grab in einer Felsenhöhle, davor ein schwerer Stein. Jetzt ist wirklich alles aus. Wie soll es nun weitergehen?

Aktion: Legt den kleinen Blumentopf neben das Kreuz in die Erde. Verschließt die Öffnung des Grabes mit einem Stein.

Ein Ostergarten mit Kreuz, Grab und einem Weg aus Steinen

Foto: privat

Ostersonntag

Material: Engelfigur, Kerze

Der schwere Stein ist weg! Drei Freundinnen von Jesus kommen am Morgen zum Grab. Sie wollen noch einmal Jesus nahe sein und sich von ihm verabschieden. Aber was ist das? Der Stein ist weg! Das Grab ist leer! Wo ist Jesus? Sie sehen ein helles Licht und einen Engel. Er sagt: „Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus. Er ist nicht hier! Er ist nicht mehr tot. Jesus lebt! Er ist auferstanden!“ Die Frauen können es erst selbst kaum glauben, aber dann sind sie überglücklich. Sie erzählen allen von dem, was sie gesehen und erlebt haben. Jesus lebt, Halleluja! Darum feiern wir bis heute das Osterfest!

Aktion: Nehmt den Stein vom Grab. Stellt die Engelfigur auf. Zündet die Kerze an und stellt sie in oder neben den Ostergarten. Wenn ihr mögt, singt gemeinsam ein Osterlied oder sprecht ein Gebet.

Eine Jesus-Figur steht neben einem leeren Grab im Ostergarten. Daneben brennt eine Kerze

Foto: privat

Lea Morgenstern liebt es, Neues zu lernen und andere dabei zu begleiten. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Chemnitz und unterstützt verschiedene Kirchengemeinden als Predigerin und Referentin. Eine ihrer Aufgaben ist die wöchentliche Leitung eines Eltern-Kind-Kreises mit Liedern, Spielen und Geschichten von Gott und seiner bunten Welt.

Neurodermitis: Ärztin erklärt, worauf Eltern achten sollten

Elternfrage: „Mein Kind (2) hat Neurodermitis, mal stärker, mal schwächer. Worauf kann ich achten, um die Ursache herauszufinden und es zu behandeln?“

Neurodermitis ist mehr als „nur“ eine Haut­erkrankung. Sie ist oft Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels aus Haut­barriere-Störung, Immunsystem, Darmgesundheit, Ernährung und Umweltfaktoren. Dass du genauer hinschauen willst, ist absolut richtig, denn es gibt viele Stellschrauben, an denen du ansetzen kannst.

Was uns die Haut spiegelt

Aus schulmedizinischer Sicht gehört die konsequente Basispflege der Haut zu den wichtigsten Grundlagen: rückfettende Cremes, Badezusätze mit Öl und entzündungshemmende Akutbehandlung bei Schüben. Mein persönlicher Geheimtipp hier statt Kortison: Ectoin. Damit habe ich in der Praxis gute Erfahrungen bei meinen Patienten gemacht. Je nach Schweregrad braucht es manchmal aber auch eine richtig eingesetzte kortisonhaltige Salbe. Wichtig ist, die Haut zwischen den Schüben zu stärken, um möglichst neue Ausbrüche zu verhindern.

Darüber hinaus lohnt es sich, ganzheitlich auf dein Kind zu schauen. Denn oft ist die Haut nur der „Spiegel“ dessen, was innerlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ein zentrales Thema ist der Darm. Studien zeigen, dass Kinder mit Neurodermitis häufiger eine veränderte Darmflora haben – mit weniger Vielfalt und weniger „guten“ Bakterien. Auch das Immunsystem im Darm (über 70 Prozent unserer Immunzellen sitzen dort) spielt bei allergischen und entzündlichen Reaktionen eine Schlüsselrolle. Eine gezielte mikrobiologische Therapie mit bestimmten Probiotika, manchmal auch kombiniert mit Präbiotika, kann helfen, die Immunregulation zu verbessern. Du kannst eine solche Therapie mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin besprechen.

Ernährung und Stress

Auch die Ernährung ist ein möglicher Hebel: Nicht jedes Kind mit Neurodermitis hat eine Unverträglichkeit, aber es lohnt sich, mögliche Trigger wie Kuhmilch, Ei oder Weizen im Blick zu haben. Ebenso wichtig ist eine nährstoffreiche, entzündungshemmende Ernährung mit viel Gemüse, gesunden Fetten und wenig Zucker. Nährstoffe wie Zink, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren oder B-Vitamine sollten ausreichend vorhanden sein – gerade bei Haut- und Immunproblemen.

Ebenso kann die Psyche mit hineinspielen. Stress – ja, auch bei kleinen Kindern – kann die Haut verschlechtern. Reizüberflutung, unruhige Schlafphasen oder große Veränderungen im Alltag wirken auf das vegetative Nervensystem. Das wiederum beeinflusst Entzündungen, Haut und Verdauung. Achtsame Tagesstrukturen, Nähe, guter Schlaf und auch kindgerechte Entspannungsmethoden können hier unterstützend wirken. Nicht zuletzt lohnt sich ein Blick auf äußere Umweltfaktoren: Waschmittel ohne Duftstoffe, Kleidung aus Naturmaterialien, eine gute Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer – all das kann helfen, die Haut deines Kindes zu entlasten.

Drei weitere bewährte Tipps

 

  • Ballaststoffreich frühstücken: Eine warme Hirse- oder Hafermahlzeit mit Beeren, Leinöl und einem Teelöffel Flohsamenschalen unterstützt gezielt das Mikrobiom. Viele Familien berichten, dass die Haut nach einigen Wochen stabiler wird.
  • Probiotika nicht zu spät einsetzen: Gerade bei Kindern mit häufigen Infekten kann eine kurzzeitige Gabe geeigneter Probiotika sinnvoll sein – am besten individuell abgestimmt und nicht auf eigene Faust.
  • Ruhe für Haut und Nervensystem: Streichelmassagen, zum Beispiel mit Mandel- oder Nachtkerzenöl, stärken die Hautbarriere und Eltern-Kind-Bindung.

Dr. med. Celine Schlager ist Ärztin für ganzheitliche Familienmedizin, Medfluencerin, Podcasterin, Speakerin, Buchautorin und Mutter. In ihrem Buch „Wenn’s im Bauch zwickt, drückt und grummelt“ (Riva Verlag) erklärt sie Zusammenhänge zwischen Darm, Ernährung, Unverträglichkeiten & Co.

Geschwister als Babysitter: Ist das sinnvoll?

Elternfrage: „Können wir unsere Tochter (14) als Babysitter für unseren Jüngsten (5) einspannen? Mein Mann und ich sind uns uneinig.“

Klare Absprachen

Wir haben als Familie sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die jeweils älteren Geschwister bei den Jüngeren babysitten zu lassen. Warum? Ältere Brüder oder Schwestern sind wohlvertraut. Es gibt keine seltsamen Beklommenheitsgefühle oder Ängste, wie sie einem außenstehenden Babysitter manchmal entgegengebracht werden. Umgekehrt ist die Übernahme von Verantwortung in und für die eigene Familie ein großer Zugewinn. Die älteren Geschwister dürfen erfahren, was ihnen von ihren Eltern zugetraut wird. Nicht zuletzt stärkt es die Gemeinschaft unter den Geschwistern. Einen Abend allein zu verbringen, ist ein kleines Abenteuer und schreibt die gemeinsame Geschichte fort, ganz ohne elterliche Argusaugen.

Allerdings müssen für diese Benefits einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss das ältere Geschwisterkind diesen Job auch tatsächlich übernehmen wollen. Niemandem ist gedient, wenn die Kleinen den Großen aufs Auge gedrückt werden und diese auf die Rolle überhaupt keine Lust haben. Es muss klar und anerkannt sein, wer in diesen Stunden die Ansagen macht, und dass diese Ansagen ohne Diskussionen gelten. Die Rahmenbedingungen sollten klar gesteckt sein. Was werdet ihr essen, welchen Film werdet ihr schauen, wann ist Zubettgehzeit? Stellt alles bereit, damit es etwas Besonderes wird: leckeres Essen natürlich und ein paar Snacks zum Film. Und abschließend hat ein ordentlicher Babysitter, verwandt oder nicht, einen ordentlichen Lohn und Anerkennung verdient.

Sandra Geissler ist katholische Diplomtheologin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Nierstein am Rhein.

Klein anfangen

Als Mama von zwei erwachsenen Kindern und einer lebhaften, fast fünfjährigen Tochter erlebe ich das Betreuen der Kleinen von den Großen als Bereicherung. Voraussetzung für den Babysitter-Job war: Ich muss mich verlassen können, dass der Fokus der Älteren auf der Jüngsten liegt. Ich wünsche mir nicht eine „Nebenbei auf die Kleine schauen“-Mentalität, sondern eine „Ich bin gerade allein verantwortlich“-Einstellung. Ich habe erlebt, dass aus meinem Zutrauen den älteren Geschwistern gegenüber Vertrauen entsteht und das zu mehr Verantwortungsbewusstsein führt. Das ist eine Fähigkeit, die ihnen im Leben immer wieder zugutekommt.

Natürlich braucht es klare Absprachen und ein Gespür dafür, was jedes Kind leisten kann. Aber unsere Großen können mehr, als man denkt! Am besten fängst du nicht mit einem ganzen Babysitter-Tag an, sondern mit einem kurzen Zeitfenster, in dem du telefonisch erreichbar bist („Mama, mach aber dein Handy mal auf laut!“ Upsi). Nach einer solchen ersten Erfahrung würde ich kurz gemeinsam reflektieren: Wie hast du dich gefühlt? Hättest du irgendetwas mehr gebraucht? Und egal, wie es gelaufen ist, für mich gehört immer ein dickes „Danke, ich bin stolz auf dich“ dazu.

Jenni Terlitzki ist Mutter, Singer und Songwriter als Teil der Band Eli Worship.

„Nicht meine Mama“

Ich war elf Jahre alt und hatte drei jüngere Geschwister, als meine Babysitter-Karriere startete. Ich verbinde gemischte Gefühle damit. Auf der einen Seite habe ich mich geehrt gefühlt, dass ich das in den Augen meiner Eltern schaffen kann. Der Gedanke „die trauen mir das zu“ hat mich groß werden lassen. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dem nicht gewachsen zu sein. Von meinen jüngeren Geschwistern habe ich oft den Satz „Du bist nicht meine Mama“ gehört. Das stimmte zwar, aber dennoch hatte ich ja die Verantwortung in dem Moment für sie – dieser Spagat war schwer.

Zudem hatte ich Ängste. Was ist, wenn jemand einbricht? Wenn es brennt? Wen werde ich zuerst retten? Ich bin viele Worstcase-Szenarien durchgegangen und konnte deshalb nicht schlafen. Wenn meine Eltern dann vom Hauskreis heimkamen, habe ich mich schnell schlafend gestellt. Meine Eltern haben es gut gemeint, ich habe sehr früh sehr viel Selbstbewusstsein ausgestrahlt, aber ich habe das nicht immer so gefühlt. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Ich lasse deshalb meine Teenagertochter nicht auf ihren jüngeren Bruder aufpassen. Sie darf in meinen Augen einfach erst einmal Teenagerin sein und sich selbst entdecken. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber eine regelmäßige Übernahme der Verantwortung für das jüngere Geschwisterkind möchte ich meinem Kind nicht übertragen.

Die Autorin möchte anonym bleiben.

5 Tipps: So könnt ihr eure Teenager zum Lesen motivieren

Elternfrage: „Meine Kinder (13 + 15) waren früher Bücherwürmer, lesen heute aber kaum noch. Wie kann ich Teenager wieder zum Lesen motivieren?“

Das Phänomen, das Sie beobachten, wird häufig als so genannter „Leseknick“ bezeichnet. Kinder, die zu Grundschulzeiten gern gelesen haben, zeigen im Teenageralter auf einmal wenig Interesse an Büchern und an deren Lektüre. Oft geschieht dies im Alter zwischen 11 und 15 Jahren. Der Leseknick kann aber auch länger andauern. Und gleichzeitig bedeutet er nicht, dass das Interesse an Büchern und Lektüre auf Dauer verloren ist.

Was Eltern tun können? Zunächst einmal ist es hilfreich, den Druck herauszunehmen. Lesen ist etwas, das Spaß machen sollte. Es muss keine Pflicht sein, kein weiteres „To Do“ auf der ohnehin schon langen Liste unserer Teenies. Hier sind sechs weitere Anregungen, um Teenager vom Lesen zu begeistern:

1. Reflexion über das Lesen

Ein kurzer Rückblick auf vergangene Lesesituationen hilft manchmal, geliebte Traditionen wiederaufleben zu lassen. Manche Teenager finden es schön, wenn in Familien wieder eine Vorlesestunde etabliert wird. Hierbei können es sich alle gemütlich machen – bei Kerzenschein und einer schönen Tasse Tee etwa – und reihum aus einem gemeinsam ausgesuchten Buch vorlesen.

2. Nach Interessen fragen

Tauschen Sie sich mit Ihren Teenagern über momentane Interessen aus. Dies kann dazu beitragen, passende Lektüre zu finden. Hierbei können Sachthemen interessant sein. Oder auch die Lektüre von Mangas, Comics, Zeitschriften oder Zeitungen. Wichtig ist, nichts von vorneherein auszuklammern.

3. Gern auch digital

Auch digitale Angebote können zum Lesen motivieren. Zum Beispiel ein Zeitschriften-Abonnement auf dem Tablet, die Teilnahme an einer Lese-Challenge oder Communities wie @young_bookstagram. Auf Instagram und auf ihrem Blog „Lass mal lesen!“ teilt Mirai Mens Leseerfahrungen und Buchtipps, die sich vor allen Dingen an junge Leserinnen und Leser wenden.

4. Hörend lesen

Manche Teenies hören lieber Geschichten, anstatt sie selbst zu lesen. Deshalb sind Hörbücher eine gute Alternative. Auch das Hören von Hörbüchern schult die Fähigkeiten, die beim Lesen angesprochen werden. So beispielsweise das Sprachgefühl, die Konzentration, die Fantasie und Vorstellungskraft und auch die Empathie. Aus diesem Grund bieten Hörbücher durchaus eine Alternative zum gedruckten Buch. Und auch das gemeinsame Hören kann als Familienritual gestaltet werden.

5. Vorbild sein

Seien Sie selbst weiterhin ein lesendes Vorbild für Ihre Kinder. So zeigen Sie, wie wertvoll und spannend Lesen sein kann. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Ihre Leseerfahrungen aus der Jugend oder auch über Ihre aktuelle Lektüre. Ihre eigene Begeisterung für Lesestoff reißt durchaus mit.

Bonus-Tipp: Geduld haben

Wenn Ihre beiden Kinder sich mit 13 und 15 Jahren zurzeit in einem „Leseknick“ befinden, ist das ein Phänomen, das häufig vorkommt. Die Basis für die Lesemotivation ist in ihrer Kindheit schon gelegt. Mit ein wenig Geduld und vielfältigen Angeboten im Teenageralter können Sie das Lesen ohne Druck als Bereicherung für den Alltag attraktiv gestalten. Und: In vielen Fällen entwickelt sich aus viel lesenden Kindern nach dem Leseknick wieder eine motivierte Leserin oder ein motivierter Leser.

Alexandra von Plüskow-Kaminski war mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin mit dem Fach Religion tätig. Sie ist Fachjournalistin und zweifache Mutter.