So lernen Kinder, gut mit Geld umzugehen

Elternfrage: „Unser Sohn kommt bald in die Grundschule, und wir möchten nun das Taschengeld einführen. Habt ihr Tipps, um Kindern einen guten Umgang mit Geld beizubringen, sodass sie auch verstehen, was Sparen oder Spenden bedeutet?“

Wie schön, dass Sie sich mit dem Thema Taschengeld beschäftigen und das so bewusst angehen. Die Einführung des Taschengeldes ist eine ideale Gelegenheit, um Kindern praktisch zu zeigen, wie Geld im Alltag funktioniert und wie wir damit gut umgehen können. Mit meinem jüngsten Sohn (inzwischen sieben Jahre alt) leben wir seit zwei Jahren ein Taschengeldsystem, das sich aus vier unterschiedlichen Bausteinen zusammensetzt. Er wendet es inzwischen selbstverständlich an, und ich möchte als Anregung erklären, wie das funktioniert.

Münzen auf vier Zwecke aufteilen

Beim Taschengeldsystem darf das Kind sein wöchentliches Geld auf vier Bereiche verteilen:

  • Portemonnaie: für alles, was es direkt ausgeben möchte
  • Sparen: für größere Wünsche
  • Investieren: für langfristiges Sparen, bei dem es „Zinsen von Mama“ gibt
  • Spenden: als Zeichen dafür, wie gut es uns geht und dass wir etwas davon abgeben können

Warum diese vier Bereiche? Weil Geld im Leben nicht nur für das Ausgeben da ist. Kinder lernen auf diese Weise spielerisch, dass man sich Wünsche erfüllen kann – aber eben nicht alle sofort. Sie verstehen dadurch auch, dass Geld (durch Zinsen) arbeiten kann und dass durch Teilen ein gutes Gefühl entsteht.

Bei uns besteht die Regel, dass das Taschengeld jedes Mal auf alle vier Bereiche aufgeteilt werden muss. Keiner der Zwecke darf ausgelassen werde. Wie viel wohin kommt, entscheidet das Kind jedoch selbst. Bei unserem Sohn hat sich das mit der Zeit stark verändert. In der Anfangszeit floss fast alles in das Portemonnaie. Der Reiz, sich sofort etwas zu kaufen, war am größten. Inzwischen ist das Investieren sein Favorit. Er hat schnell verstanden: Wenn das Geld dort bleibt, wächst es durch die Zinsen, die ich alle drei Monate auszahle. Diese kleinen Zinszahlungen sind nicht nur ein Anreiz, sondern auch ein kindgerechter Einstieg in ein späteres Finanzverständnis: Geld kann arbeiten, sei es später auf dem Tagesgeldkonto oder an der Börse.

Marmeladengläser gestalten

Mein Tipp für den Einstieg ist, dass Sie zunächst mit zwei bis drei Euro pro Woche starten. Damit lässt es sich gut aufteilen und ausprobieren. Kinder lieben es, Geld sichtbar aufzuteilen – aus diesem Grund nutzen wir dafür Gläser. Das funktioniert zum Beispiel mit Marmeladengläsern gut. Verwenden Sie außerdem auch ein Portemonnaie, in welches nur das Geld kommt, welches das Kind nach Lust und Laune ausgeben darf, ohne dass wir Eltern dazwischenfunken. Sie können die Gläser auch gemeinsam gestalten. Das ist kreativ und bringt Gespräche ins Rollen: Wofür sparen wir? Wem könnten wir mit dem Geld helfen? Was bedeutet langfristig? Was sind denn überhaupt Zinsen?

Ja, anfangs wird das meiste Geld vermutlich in Produkte aus dem Süßigkeitenregal investiert werden. Aber genau da steckt das Lernpotenzial. Fehler? Gibt es nicht! Es gibt nur Erfahrungen. Bleiben Sie geduldig mit Ihrem Kind. Das Taschengeld ist ein tolles Übungsfeld für das echte Leben. Wenn Kinder erleben, dass Geld viele verschiedene Aufgaben hat – ausgeben, sparen, vorsorgen, teilen – entwickeln bereits die Jüngsten Stück für Stück einen gesunden und selbstverständlichen Umgang damit. Und das ist in meinen Augen eines der schönsten Geschenke, das wir ihnen fürs Leben mitgeben können.

Deborah Scarpino-Helle ist Mutter von zwei Kindern und Gründerin von „Die Finanzkomplizin“.

Enttäuscht vom Geschlecht? So können Eltern damit umgehen

Elternfrage: „Ich bin Mutter von zwei Söhnen und erwarte wieder einen Jungen. Ich bin enttäuscht, weil ich mir ein Mädchen gewünscht habe. Geht das wieder weg?“

Was du gerade erlebst, wird als Gender Disappointment bezeichnet – eine Enttäuschung über das Geschlecht des eigenen Kindes. Du bist damit keineswegs allein. Viele Eltern empfinden in einer vergleichbaren Situation ähnlich, und das ist absolut menschlich. Diese Enttäuschung bedeutet nicht, dass du dein Kind ablehnst oder nicht lieben wirst. Sie ist vielmehr Ausdruck eines inneren Abschieds: der Abschied von einer lang gehegten Vorstellung, wie deine Familie einmal aussehen sollte oder was du dir – bewusst oder unbewusst – erhofft hast.

Was steckt hinter der Enttäuschung?

Hinter der Enttäuschung über das Geschlecht des Kindes liegen oft tiefere, emotionale Themen. Sie kann verborgene Wünsche oder frühere Erfahrungen berühren – etwa die eigene Kindheit, die Beziehung zu Geschwistern und Eltern, gesellschaftliche Erwartungen oder persönliche Träume. Vielleicht wünschst du dir, Mutter einer Tochter zu sein. Die innere Sehnsucht danach hat jedoch mehr mit deiner eigenen Geschichte zu tun hat als mit dem Kind selbst.

Eine Schwangerschaft und die Auseinandersetzung mit dem Geschlecht des Kindes können unbewusst Türen zu solchen biografischen und persönlichen Themen öffnen. Die damit zusammenhängenden Gefühle sind nicht falsch. Im Gegenteil: Sie sind wichtig und verdienen es, gesehen zu werden. Denn nur, wenn wir uns erlauben, diese innere Enttäuschung zu spüren, können wir sie auch loslassen. Der Prozess, den du durchlebst, ähnelt in gewisser Weise einem Trauerprozess – der Trauer um eine Vorstellung, die sich nicht erfüllt hat.

Über Gefühle sprechen

Auch wenn es paradox klingt: Der erste Schritt zur Vorfreude besteht darin, die eigenen unangenehmen Gefühle zuzulassen. Du darfst traurig, enttäuscht, verwirrt oder sogar wütend sein – all das ist erlaubt. Gefühle, die unterdrückt werden, wirken oft im Hintergrund weiter und blockieren das Erleben positiver Emotionen wie Freude, Nähe oder Vorfreude. Viele Eltern berichten, dass sich diese Enttäuschung über das Geschlecht des Kindes im Lauf der Schwangerschaft auflöst. Spätestens dann, wenn sie ihr Kind zum ersten Mal im Arm halten. Häufig entsteht schon vorher eine tiefe Verbindung, wenn man beginnt, das Baby als eigenständige kleine Persönlichkeit wahrzunehmen – jenseits des Geschlechts.

Es ist jedoch auch wichtig zu wissen, dass Gefühle der Enttäuschung nach der Geburt oder in einer anderen Lebensphase noch einmal auftauchen können. Das ist kein Rückschritt, sondern oft ein Zeichen dafür, dass du nun bereit bist, einen weiteren Aspekt anzuschauen, der bisher verborgen war.

Es ist hilfreich, mit vertrauten Menschen wie deinem Partner, engen Freunden oder auch mit Fachpersonen wie Hebammen oder Therapeuten über deine Gefühle zu sprechen. Allein darüber zu reden, kann schon entlastend wirken. Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Es ist okay, Unterstützung zu brauchen und sich Zeit zu lassen.

Liebe bleibt

Die Enttäuschung wird vergehen. Die Liebe wird bleiben und wachsen. Wenn du deine Gefühle annehmen und verstehen kannst, wird sich die Freude auf dein Baby mit der Zeit wieder einstellen. Dein drittes Kind wird einzigartig sein, mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit. Und du wirst es lieben, genauso tief und bedingungslos wie deine beiden anderen Kinder. Du bist eine gute Mutter – auch mit widersprüchlichen Gefühlen. Gerade deine Ehrlichkeit zeigt, wie sehr du dir wünschst, emotional präsent für dein Kind zu sein. Das ist ein wunderschöner Anfang.

Kristin Peukert ist Mutter von vier Jungs und Autorin von „Ein Kleeblatt voll Jungs: Gender Disappointment. Wenn das Wunschgeschlecht nicht kommt“.

So wird die Weihnachtszeit entspannt: 3 Tipps für Familien

Endlich mehr Zeit für das Wesentliche: Mit drei einfachen Ideen wird die Weihnachtszeit für Familien entspannt und besinnlich.

Wer kennt das nicht: Im Dezember rast die Zeit. Mit einem unglaublichen Tempo geht es auf Weihnachten zu. Nachdem der Adventskranz gebunden oder gekauft wurde, die Adventskalender der Kinder gepackt und die Füllungen für die Nikolausstiefel besorgt wurden, findet pro Kind noch mindestens eine Weihnachtsfeier statt. Außerdem muss für das Krippenspiel an Heiligabend geprobt werden, fehlende Weihnachtsgeschenke werden besorgt, und der Weihnachtsbaum wird gekauft und geschmückt. Schließlich stehen der Besuch wenigstens eines Weihnachtsmarkts, das traditionelle Plätzchenbacken und gern noch eine tägliche Adventsandacht mit den Kindern auf dem Programm.

Jahrelang war ich diesem Stress ausgeliefert und an Heiligabend völlig fertig und erschöpft. Im Lauf der Jahre habe ich mir verschiedene Techniken angeeignet, die die Adventszeit deutlich entstressen und mit denen wir als Familie sogar mehr Advents- und Weihnachtsbräuche ausleben können als zuvor. In diesem Artikel stelle ich euch drei davon vor.

Tipp 1: Die 12 heiligen Nächte nutzen

Vor einigen Jahren las ich einen Artikel über die 12 heiligen Nächte – ursprünglich als Rauhnächte mit heidnischem Kontext bekannt, die aber auch einen christlichen Bezug zur katholischen Kirche haben. Da kam mir die Idee, diese Zeit zu nutzen! Warum sollten alle Advents- und Weihnachtsbräuche denn unbedingt noch vor den Heiligabend gequetscht werden, in eine Zeit, in der zusätzlich zu Schule und Kindergarten noch viele extra Termine stattfinden?

Die 12 heiligen Nächte enden am 6. Januar mit der Ankunft der heiligen drei Könige. Die gehören schließlich auch zu Weihnachten und stehen in fast jeder Weihnachtskrippe. Zudem sind in diesem Zeitraum Ferien für die Kinder, und auch die Erwachsenen haben oftmals durch die vielen Feier- und Brückentage frei. Diese 13 Tage (es sind 12 heilige Nächte und somit 13 Tage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar) nutzen wir nun, um die Weihnachtszeit bewusst als Familie erleben zu können. Hierfür haben wir einen „12 heilige Nächte“-Kalender, welcher in der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag aufgehängt wird. Er besteht aus 13 Briefumschlägen, versehen mit 12 Zahlen und einem Stern am Dreikönigstag.

Abwechselnd darf jedes Kind beim gemeinsamen Frühstück einen Umschlag öffnen und erzählen oder vorlesen, was darauf steht. Es ist immer ein kurzer Text und ein dazugehöriges Bild abgebildet. Jeden Tag findet nun ein besonderes Event statt wie Plätzchen backen, den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt besuchen, Schlittschuh laufen, in den Weihnachtszirkus gehen, Schneekugeln basteln oder einen Weihnachtsfilm gucken. Die Kinder lieben diesen Kalender, denn wir verbringen jeden Tag eine besondere intensive Familienzeit miteinander, erleben die Weihnachtszeit sehr bewusst und haben auch Zeit für all die Dinge, welche vor Heiligabend nicht stressfrei in den Kalender gepasst hätten.

Die Kärtchen bereite ich schon im Vorfeld vor, wir benutzen die meisten jedes Jahr wieder. Ich bestücke den Kalender zu Beginn mit den Kärtchen der fest gebuchten Aktivitäten wie Weihnachtszirkus, Kino oder Mittelaltermarkt. Bei Events, die wetterabhängig sind – Schlitten fahren oder Iglu bauen – werden die Kärtchen erst am Vorabend in die Umschläge gesteckt oder entsprechend ausgetauscht, wenn das Wetter nicht mitspielen sollte.

Da ich an Silvester immer Zeit zum Vorbereiten brauche, wird an diesem Tag traditionell das Kärtchen mit dem „Playmobil Arktis Spieltag“ geöffnet. Die Kinder bekommen eine große Kiste mit der Playmobil Arktis-Welt und dem passenden Hörspiel dazu und dürfen damit einen ganzen Tag bauen, hören und spielen. Diese Kiste gibt es ausschließlich an Silvester, und sie wird auch am nächsten Tag wieder weggeräumt. So beschäftigen sich die Kinder ausgiebig damit, und ich kann in aller Ruhe den Silvesterabend vorbereiten und habe meistens auch noch Zeit für einen persönlichen Jahresabschluss.

Tipp 2: Weihnachtsvorbereitungen entzerren

Der nächste Tipp betrifft den Stress, welcher durch die Weihnachtsvorbereitungen entsteht: Da muss die Dekoration aufgehängt, die Weihnachtskrippe aufgebaut, der Tannenbaum gekauft, aufgestellt und geschmückt und das Weihnachtsessen vorbereitet und gekocht werden – und all dies am besten an einem einzigen Tag.

Aber wer sagt denn, dass der Weihnachtsbaum erst an Heiligabend aufgestellt und geschmückt werden darf? Und warum die Weihnachtskrippe nicht schon früher aufbauen? Vielleicht kann man mit den Gewohnheiten der Herkunftsfamilie brechen und eigene Rituale passend für die eigene Familie einführen? Vor wenigen Jahren habe ich diesen Schritt gewagt. Seitdem hat meine Familie viel mehr von der Weihnachtszeit, und ich habe deutlich weniger Stress im Vorfeld und kann entspannt Heiligabend genießen.

Hierzu habe ich alle diese Vorbereitungen auf die verschiedenen Adventswochenenden beziehungsweise Sonntage verteilt. Dekorieren am Sonntag als ganze Familie kann ein tolles und abwechslungsreiches Event und eine schöne Familienzeit sein: So wird die Weihnachtsdekoration am ersten Adventswochenende aufgehängt. Hierbei helfen vor allem die kleineren Kinder fleißig mit. Innerhalb einer Stunde sieht es richtig schön weihnachtlich aus, und wir feiern im Anschluss unsere erste Adventsandacht mit Weihnachtsliedern und Blockflöte, dem ersten Teil eines Weihnachtsgeschichten-Adventskalenders sowie natürlich Punsch und Keksen. Am zweiten Adventswochenende wird die Weihnachtskrippe aufgebaut, und am vierten Advent steht bereits der Weihnachtsbaum, welcher gemeinsam mit den Kindern und passender Weihnachtsmusik geschmückt wird.

Auch richte ich im Vorfeld schicke Kleidung für jedes Kind – für alle drei Feiertage – sodass diese nur noch hineinschlüpfen können und nichts mehr in Eile gewaschen und gebügelt werden muss, bevor der Besuch bei Oma und Opa ansteht. An Heiligabend gibt es bei uns immer Raclette, da dieses auch gut vorbereitet werden kann. So können wir uns, wenn wir vom Gottesdienst kommen, direkt an den gedeckten Tisch setzen und mit dem Weihnachtsessen anfangen.

Tipp 3: Geschützter Familientag

Gerade an Weihnachten geht es um weit mehr als Geschenke, volle Terminkalender und festliche Dekoration – es geht um die Geburt Jesu, um Besinnung und um Gemeinschaft. Mitten im Trubel der Feiertage tut es gut, bewusst innezuhalten und sich daran zu erinnern. Warum also nicht den ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag ganz bewusst als geschützten Familientag einplanen?

Nach den oft aufregenden Tagen mit Vorbereitungen, Besuchen, Gottesdiensten und Programmpunkten darf dieser Tag frei sein von Terminen, Erwartungen und Perfektionismus. Keine Einladungen, keine Gäste, keine Verpflichtungen – stattdessen Zeit nur für die Familie. Vielleicht beginnt der Tag mit einem gemütlichen Frühstück im Schlafanzug, einem gemeinsamen Gebet oder einer kleinen Andacht, um die Weihnachtsbotschaft noch einmal ins Herz sinken zu lassen. Danach bleibt Raum zum Spielen, Spazierengehen oder zum Nichtstun.

Gerade wenn wir bewusst einen Schritt zurücktreten und die Stille zulassen, entsteht Platz für das, was Weihnachten ausmacht: die Freude darüber, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, und die Dankbarkeit für seine Nähe in unserem Alltag. Ein Spaziergang in der Natur kann helfen, diesen Blick zu schärfen – für Gottes Spuren um uns herum und sein Wirken mitten in unserem Leben. So wird Weihnachten nicht nur gefeiert, sondern auch erlebt: als Zeit der Ruhe, des Friedens und der Begegnung mit Gott und miteinander.

Dorothee Tappe ist Diplom-Sozialpädagogin und Bildungsforscherin und Mutter von sechs Kindern. Auf ihrem YouTube-Kanal „Familie(n)leben“ veröffentlicht sie Tipps und Themen zu Familienalltag und Erziehung.

Experte klärt auf: Wie viel Hautpflege brauchen Teenager?

Elternfrage: „Meine Töchter (13,14) schauen sich auf Social Media Videos an, in denen andere Teens teure Pflegeprodukte für die Haut bewerben. Das brauchen Kinder doch gar nicht – oder?“

Immer häufiger fragen mich besorgte Eltern, ob ihre Töchter wirklich schon Anti-Aging-Produkte brauchen. Der Grund: Auf TikTok, Instagram und YouTube präsentieren sogenannte Skinfluencer eine tägliche Hautpflegeroutine – oft mit Produkten, die für deutlich ältere Haut entwickelt wurden. Das wirkt professionell, modern und ist für junge Menschen faszinierend. Aber ist es auch sinnvoll?

Pflegewahn mit 13

Die Antwort ist klar: Nein. Kinder- oder Teenagerhaut kann sich in der Regel selbst versorgen, es sei denn, es liegen Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis, Schuppenflechte oder schwere Akne vor. Aber auch dann sind Ratschläge durch Skinfluencer weniger sinnvoll als der Gang zum Hautarzt. Abgesehen von einem zuverlässigen Sonnenschutz ist in diesem Alter keine aufwendige Pflegeroutine nötig

Im Gegenteil: Viele Anti-Aging-Produkte enthalten Wirkstoffe wie Retinol, Fruchtsäuren oder hochkonzentrierte Hyaluronsäure, die die empfindliche Haut von Jugendlichen reizen oder sogar schädigen können. Unreine Haut, Irritationen oder langfristige Störungen der Hautbarriere sind als Folge möglich – ganz ohne medizinische Notwendigkeit.

DIY-Trends mit Hyaluronsäure

Ich sehe Skinfluencer grundsätzlich nicht als Gefahr, sondern als einen zeitgemäßen Kanal für Aufklärung. Sie können helfen, das Bewusstsein für Hautgesundheit zu ­schärfen – vorausgesetzt, die Inhalte sind wissenschaftlich fundiert, altersgerecht und sorgfältig geprüft. Was problematisch ist: Wenn komplexe Produkte ohne fachliche Einordnung empfohlen werden oder sogar riskante Behandlungen verharmlost dargestellt werden.

Besonders alarmierend sind DIY-Trends, bei denen sich junge Menschen Hyaluronsäure online bestellen und selbst anwenden – manchmal sogar injizieren. Dabei wird suggeriert, das sei harmlos. Tatsächlich aber kann eine unsachgemäße Anwendung ernste gesundheitliche Schäden mit sich bringen, etwa Gefäßverschlüsse, was zu abgestorbenem Gewebe führen kann. Das ist kein Hautpflege-Hack, sondern grob fahrlässig.

Hautpflege beginnt mit Wissen, nicht mit Influencern

Eltern sollten sich deshalb mit dem Content ihrer Kinder auseinandersetzen. Welche Quellen nutzen sie? Was wird empfohlen und für wen ist es überhaupt gedacht? Es geht nicht darum, jede neue Pflegeroutine zu verbieten, sondern um einen bewussten Umgang mit der eigenen Haut. Meine Empfehlung: Bei Unsicherheiten lieber gemeinsam zum Hautarzt gehen, als sich von Social-Media-Trends leiten zu lassen. Denn Hautpflege ist keine Frage des Hypes, sondern der Gesundheit – und die beginnt mit Wissen, nicht mit Werbung.

Dr. Afschin Fatemi ist Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetischer Medizin sowie Gründer der S-thetic Gruppe.

Das erste Handy: Digitaltrainer erklärt, wann es sinnvoll ist

Elternfrage: „In der Klasse unseres Kindes (8) bekommen Smartphones immer mehr Bedeutung. Wir fragen uns, ab wann ein Kind überhaupt eines haben sollte und ab wann es einem Klassenchat beitreten darf. Woran können wir uns bei diesen Entscheidungen orientieren?“

Diese Fragen beschäftigen viele Eltern. Allgemeingültige Antworten, die für jede Familie und jedes Kind passen, gibt es zwar nicht, doch einige Orientierungshilfen kann ich euch mitgeben.

Ohne Angst vor Bestrafung

Ein Smartphone ist kein Spielzeug, sondern ein komplexes Kommunikationsmittel, das viele Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Deshalb empfehle ich, dass euer Kind schrittweise und begleitet Erfahrungen mit digitalen Medien sammelt. Verwendet dafür anfangs beispielsweise eure eigenen Geräte in gemeinsam genutzten Räumen wie dem Wohnzimmer. So seid ihr nah genug, um bei Fragen rasch zu helfen, ohne ständig direkt daneben sitzen zu müssen. Wichtig ist vor allem der Aufbau eines stabilen Vertrauensverhältnisses. Euer Kind sollte immer wissen, dass es sich jederzeit mit Fragen oder Problemen an euch wenden kann, ohne Angst vor Strafen zu haben – auch dann nicht, wenn etwas am Handy schiefläuft. Vertrauen entsteht nicht plötzlich, sondern durch viele kleine Gespräche, echtes Interesse und gemeinsam vereinbarte Regeln.

Mediennutzungsvertrag

Grundsätzlich benötigen Kinder in der Grundschule noch kein eigenes digitales Endgerät (wie Smartphone oder Tablet). Fachleute empfehlen oft ein Mindestalter von etwa elf bis zwölf Jahren. Doch die individuelle Reife eures Kindes sowie das soziale Umfeld sind ebenso entscheidend. Der soziale Druck in der Klasse sollte nicht unterschätzt werden, denn völlige Ausgrenzung ist auch nicht sinnvoll. Ein Leihgerät, an dem sich euer Kind für einen gewissen Zeitraum (sechs bis zwölf Monate) ausprobieren darf, kann ein guter Kompromiss sein, um zu testen, ob es schon verantwortungsvoll genug ist. Es dient als eine Art Zwischenlösung, um Kinder selbstständig machen zu lassen, in dem Wissen, dass sie mit den Geräten nicht machen können, was sie wollen. Ein gemeinsamer Mediennutzungsvertrag, den ihr beispielsweise auf www.mediennutzungsvertrag.de erstellen könnt, hilft, klare Regeln zu definieren. Lasst euer Kind unbedingt mitbestimmen, um Verständnis und Akzeptanz für die vereinbarten Regeln zu fördern.

Handyfreies Kinderzimmer

Besonders wichtig ist es, Smartphones oder andere digitale Geräte konsequent aus dem Kinderzimmer und speziell aus dem Bett fernzuhalten. Gerade nachts passieren oft problematische Dinge wie verletzende Nachrichten oder heimliches Scrollen, von denen Eltern wenig mitbekommen. Eine einfache Regel wie „Alle Handys nachts in die Küche“ schafft Klarheit und Sicherheit. Zum Thema Klassenchat: Wenn euer Kind in einer Chatgruppe aktiv ist, schaut regelmäßig gemeinsam hinein und besprecht offen und ohne Vorwurf, was ihr dort findet – immer mit dem Ziel, euer Kind zu schützen. Hilfreich ist es, wenn ihr euch dabei mit anderen Eltern abstimmt, um die Gefahr zu minimieren, dass einzelne Kinder als „Petze“ gelten.

Medienerziehung beginnt nicht erst mit dem ersten Smartphone, sondern viel früher – durch Gespräche über Werbung, gemeinsam genutzte Tablets oder handyfreie Zeiten. Kinder lernen am meisten durch Vorbilder. Wenn ihr euer eigenes Medienverhalten reflektiert und bewusst vorlebt, fällt es eurem Kind leichter, gesunde Mediengewohnheiten zu entwickeln. Ich wünsche euch viel Erfolg und Freude bei der Medienerziehung!

Daniel Dell‘Aquia ist Digitaltrainer und bietet Vorträge, Fortbildungen und Seminare an Schulen zur Medienerziehung an.

Kind lispelt: Logopädin erklärt, wann Eltern aktiv werden müssen

Elternfrage: „Mein Kind (5) lispelt beim Sprechen. Muss es zur Logopädie? Können wir daheim etwas tun? Oder wächst es sich sowieso mit der Zeit aus?“

Die kleine Lia rennt aufgeregt zu ihrer Mutter und erzählt, dass der drollige Hund Simson gerade an ihrem Eis geschleckt habe. Dabei sieht die Mutter, dass bei jedem S-Laut Lias Zunge entweder an oder sogar durch die Zähne drückt. Die Mutter lächelt und drückt ihrer Kleinen einen Kuss auf die Wange.

Wenn die Kids klein sind, finden wir es oft niedlich, wenn ihre Zunge zwischen den Zähnen durchguckt und sie lispeln. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir es nicht mehr passend finden und uns Sorgen machen, weil gleichaltrige Kinder nicht mehr lispeln. Die Frage steht im Raum, ob das Kind eine logopädische Therapie braucht.

Es entwickelt sich noch

Erst mal möchte ich Sie beruhigen. Wenn ein Kind mit fünf Jahren noch lispelt, ist es in guter Gesellschaft. Etwa 25 bis 35 Prozent der gleichaltrigen Kinder tun das. Ihr Kind hat noch Zeit, um seine motorische Entwicklung weiter reifen zu lassen. Insofern das Kind tatsächlich nur lispelt, hat es die Laute bereits richtig erfasst. Es kann „sch“ und „ch“ von den S-Lauten unterscheiden und wirft die Laute beim Sprechen nicht durcheinander. Dann können Sie durchatmen: Es ist zu erwarten, dass sich Ihr Kind so weiterentwickeln wird, dass es die S-Laute richtig aussprechen kann.

Wenn jedoch nach dem Zahnwechsel der Frontzähne immer noch ein Lispeln vorliegt, ergibt es Sinn, mit einer Therapie zu starten. Es ist außerdem wichtig, darauf zu achten, wie das Kind selbst mit der Situation umgeht. Was meine ich damit? Es gibt Kinder, die sich schon mit vier oder fünf Jahren daran stören, wenn sie lispeln. Vielleicht wurden sie im Kindergarten damit aufgezogen und es hat sie in ihren Sprechfähigkeiten verunsichert. Spätestens dann, wenn ein Kind sehr dadurch entmutigt ist und nicht mehr gern sprechen mag, sollten die Eltern reagieren und logopädische Hilfe in Anspruch nehmen.

„Is will auch Sokolade haben.“

Es kann auch sein, dass Ihr Kind mit fünf Jahren ein gelispeltes „S“ spricht, obwohl in diesem Wort ein „Sch“ oder ein „Ch“ nötig gewesen wäre. Zum Beispiel: „Is will auch Sokolade haben.“ Das Thema Lispeln darf hier noch getrost außer Acht gelassen werden.

Jedoch wäre es wegen der fehlenden „sch“- und „ch“-Bildung wichtig, eine logopädische Therapie zu beginnen. Das Kind hat dann noch nicht die Unterscheidung der Laute „s“ und „sch“ beziehungsweise „s“ und „ch“ erfasst. Das sollte in diesem Alter schon erlernt worden sein. Der Grund hängt wahrscheinlich mit einer mangelnden Hörverarbeitung zusammen. Was bedeutet das? Das eigentliche Hören ist kein Problem, die Ohren funktionieren. Aber die zentrale Verarbeitung der Laute klappt noch nicht so recht. Logopädie kann in diesem Fall weiterhelfen.

Sollte Ihr Kind lispeln, können Sie es daheim unterstützend beeinflussen. Gerne gebe ich Ihnen einen beliebten Tipp weiter: Nehmen Sie dickflüssigen Joghurt und lassen Sie das Kind diesen mit einem Trinkhalm trinken. So wird die Rückzugsmuskulatur der Zunge aktiviert und die gesamte Mundmuskulatur gestärkt. Intensivieren kann man diese Übung, wenn man nach und nach dünnere Trinkhalme verwendet. Mmh, lecker! Ich schätze, Sie werden keine Schwierigkeiten haben, Ihr Kind dafür zu begeistern.

Ina Finis ist Logopädin und Individual­psychologische Beraterin sowie Therapeutische Seelsorgerin in eigener Praxis. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei jugendlichen Kindern in Paderborn.

„Unsere Kinder könnten sich doch mal verabreden“ – Kann man Freundschaft erzwingen?

Elternfrage: „Wiederholt hat mich eine Freundin gefragt, ob sich unsere Töchter (11) nicht mal verabreden möchten. Aber meine Tochter verabredet sich nicht so gern mit ihrer Tochter. Mir fällt es schwer, ihnen abzusagen. Soll ich meine Tochter überreden oder meiner Freundin die Wahrheit sagen?“

Ihre Tochter steht an der Schwelle zum Jugendalter und braucht in ihren sozialen Beziehungen ein immer größer werdendes Mitbestimmungsrecht. Aus diesem Grund sollten Sie das Nein Ihrer Tochter unbedingt ernst nehmen und die Grenze Ihrer Tochter schützen.

Solange Kinder noch jünger sind, stehen sie häufig in Kontakt miteinander, weil sich ihre Eltern treffen. Kleinere Kinder spielen miteinander, ohne dass sie untereinander immer die besten Freunde sein müssen. Das ändert sich jedoch mit dem Alter. Kinder lösen sich von den Eltern und ändern ihre Bedürfnisse. Dann sind Gleichaltrige nicht mehr vorrangig zum Spielen da, sondern um sich über ihre Lebenswelt, Interessen und Träume auszutauschen. So können tiefere Freundschaften entstehen, die ein Vertrauensverhältnis und eine Freiwilligkeit voraussetzen. Dies sollte unbedingt geachtet werden.

Selbstbestimmung des Kindes

Wenn die Wellenlänge zwischen Ihrer Tochter und der Tochter Ihrer Freundin nicht stimmt, ist das schade, aber kein Grund, aus Gefälligkeit der Mutter gegenüber Druck auf die eigene Tochter auszuüben. Denn Verabredungen oder gar Freundschaften können nicht erzwungen werden. Auf der einen Seite ist Ihr Wunsch, Ihre Freundin nicht vor den Kopf zu stoßen, berechtigt und nachvollziehbar. Auf der anderen Seite ist es aber Ihre Aufgabe als Mutter, Ihrer Tochter in ihren Beziehungen möglichst viel Gestaltungsfreiheit zu geben. In dieser Abwägung ist es ratsam, dass Sie die Selbstbestimmung Ihrer Tochter über das eigene Harmoniebedürfnis stellen.

Als Mütter befreundet bleiben

Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie mit Ihrer Freundin in einen offenen und ehrlichen Austausch gehen. Hier könnten Sie das Gespräch mit der Frage beginnen, warum es ihr so wichtig ist, dass sich die Mädchen treffen. Vielleicht steckt hinter diesem Wunsch die Sorge, dass sich die Tochter zu sehr isoliert oder ihre Freizeit nicht sinnvoll gestalten kann. Vielleicht sind es falsche Freunde, mit denen sich das Mädchen trifft, weshalb Ihre Freundin einen Handlungsbedarf sieht. Auch die Frage, was denn die Tochter selbst möchte, könnte helfen, die Situation etwas klarer werden zu lassen.

Durch solche Fragen schaffen Sie eine Vertrauensbasis, und Ihre Freundin fühlt sich mit ihren Anliegen gesehen. Möglicherweise können Sie auf diesem Weg gemeinsam Ideen entwickeln, wie Ihre Freundin gut für ihre eigene Tochter sorgen kann.

Wenn Sie an dieser Stelle klar benennen, dass Sie die Grenze Ihrer Tochter bewahren wollen, kostet das sicherlich etwas Überwindung, aber ohne Ehrlichkeit wird das Thema langfristig nicht zur Ruhe kommen. Erklären Sie Ihrer Freundin, dass Sie persönlich einen Kontakt zwischen den beiden Mädchen befürworten würden, aber die Entscheidung Ihrer Tochter respektieren möchten. Ich bin sicher, dass Ihre Tochter Ihnen das danken wird. Und eine Freundschaft unter Erwachsenen sollte es aushalten, dass eine Bitte abgelehnt wird, wenn das in Wertschätzung und Respekt geschieht.

Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid und leitet bei team-f den Fachbereich Familie und Erziehung.

„Mein Kind ist eine Naschkatze“ – Wie viele Süßigkeiten sind okay?

Elternfrage: „Unsere Tochter (10) ist eine Naschkatze und liebt Süßigkeiten. Ich mache mir Sorgen, dass sie sich eine ungesunde Ernährungsweise angewöhnt und ertappe mich dabei, dass ich ständig an ihr herumkritisiere. Woher weiß ich, wie viel Zucker oder Fett okay ist?“

Kinder lieben Süßes. Das ist völlig normal. Entwicklungsgeschichtlich sind wir Menschen auf süß gepolt. Die Muttermilch schmeckt bereits durch den enthaltenen Milchzucker leicht süß. Sogar das Fruchtwasser im Mutterleib hat einen süßlichen Geschmack und wird gern von den Babys getrunken. Dennoch ist Ihre Sorge nicht unbegründet. Leider haben Süßigkeiten und der darin enthaltene Zucker ein „Suchtpotenzial“. Wir gewöhnen uns schnell an den Geschmack und brauchen immer mehr davon, um es als angenehm zu empfinden.

Alles in Maßen

Zucker und Fett sind in vielen Lebensmitteln enthalten. In Süßigkeiten werden Zucker und Fett kombiniert: Kalorienbomben pur! Wer zu viel Zucker isst, ist häufiger von Zahnkaries, Übergewicht und daraus entstehenden Zivilisationskrankheiten (wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ II) betroffen. Sich über die Ernährung der Kinder Gedanken zu machen, ist also absolut wichtig. Die wünschenswerte Menge der einzelnen Lebensmittel pro Tag ist gut durch die Pyramide des Bundeszentrums für Ernährung wiedergegeben und lässt sich dort nachlesen. Dabei entspricht die Menge eines Bausteins in etwa einer Handgröße (kleine Hand = kleine Portion). Doch wie lassen sich diese Angaben und Maßstäbe umsetzen?

Zwischen „sollen“ und „wollen“

Kinderernährung kann und muss nicht zuckerfrei sein. Aber der Umgang mit Snacks will gelernt sein. Eltern sind dabei ein wichtiges Vorbild. Denn Kinder tun bekanntlich nicht unbedingt das, was wir sagen, sondern was wir tun. Erwachsene sollten – unter Mitbestimmung der Kinder – zum Essen einladen: Sie entscheiden, wann, was und wie gegessen wird. Aber es ist die Entscheidung der Kinder, ob und wie viel sie essen. Dabei wird die Herausforderung beim Thema Essen deutlich: Wir möchten unsere Kinder besonders gesund und nachhaltig ernähren. Aber Kinder haben eben auch ihre eigenen Bedürfnisse.

Folglich sitzen sich am Esstisch das „Sollen“ und „Wollen“ häufig gegenüber. Wie es trotzdem gelingen kann, auf einen Nenner zu kommen als Eltern mit Naschkatzen im Haus, habe ich in den nachstehenden Tipps zusammengetragen. Bleiben Sie entspannt: Mithilfe von Regeln legen Sie einen Rahmen für die Ernährung Ihrer Tochter fest; innerhalb dieses Rahmens kann sie dann aber – ohne Ihre Anmerkungen – frei entscheiden.

8 Tipps für eine gesunde Kinderernährung

 

  • Erklären Sie Ihren Kindern, warum sie Süßes und Fettiges in Maßen essen sollten. In Bezug auf Fett fährt man am besten, wenn man bei fetthaltigem Brotbelag komplett auf Streichfett verzichtet.
  • Vermeiden Sie generelle Verbote im Umgang mit Süßigkeiten. Legen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern zum Beispiel eine „süße Wochenration“ oder eine geplante Naschzeit fest.
  • Süßigkeiten sollten zu den Mahlzeiten gegessen werden, sie eignen sich sehr gut als Abschluss (anschließend Zähneputzen nicht vergessen).
  • Achten Sie auf ein bewusstes Genießen und essen Sie mit Ihren Kindern nur im Sitzen. Das trägt nicht nur zum Genuss bei, sondern sorgt ganz nebenbei für eine bessere Kontrolle.
  • Regelmäßige Mahlzeiten beugen dem Heißhunger auf Ungesundes vor.
  • Bieten Sie süße Getränke gar nicht oder nur zu besonderen Anlässen an.
  • Sagen Sie Verwandten und Freunden, dass Sie keine Süßigkeiten als Geschenke oder Mitbringsel für Ihre Kinder möchten.
  • Bieten Sie attraktive Alternativen an, wie zum Beispiel Studentenfutter, Reiswaffeln, selbstgemachtes Popcorn, Salzstangen, Vollkorndinkelstangen, Obstspieße oder Rohkoststicks.

Elke Decher ist Diplom-Oecotrophologin und unterrichtet Ernährung, Hauswirtschaft, Gesundheits- und Naturwissenschaften an einem Berufskolleg.

Mediennutzung: Welche Videos dürfen Kleinkinder schauen?

Elternfrage: „Woran kann ich mich bei der Auswahl von Videos bei einem dreijährigen Kind orientieren? Kann ich das Geschwisterkind (2) mitschauen lassen?“

Wenn Dreijährige Medieninhalte entdecken, ist es sehr wichtig, sich über das Was und Wie Gedanken zu machen. Das Format muss den Bedürfnissen und der Auffassungsgabe der Kleinen angepasst sein. Dabei ist eine kurze Laufzeit der Videos wesentlich. Die Länge von fünf bis maximal 20 Minuten sollte nicht überschritten werden. Außerdem empfiehlt es sich, darauf zu achten, dass die Videos eine langsame Schnittfolge und ein insgesamt behutsames, ruhiges Erzähltempo haben.

Aber nicht nur die richtige Videoauswahl ist wichtig, auch auf das Wie kommt es an. Am meisten profitieren kleine Kinder davon, wenn sie die bewegten Bilder gemeinsam mit Bezugspersonen anschauen. Eltern können Dinge benennen, erklären oder beruhigen, wenn etwas zu aufregend wird. Ist das gemeinsame Schauen mal nicht möglich, sollten die Eltern zumindest in Hörweite sein.

Wenn das Ausschalten schwerfällt

Manchmal reagieren Kinder mit Wut oder Frust, wenn das Video zu Ende ist und das Gerät ausgeschaltet wird. Das ist verständlich, die Kleinen müssen erst lernen, mit überwältigenden Gefühlen umzugehen. Weil sie das Gesehene so gefesselt hat, braucht es eine Phase, um wieder zurückzukommen.

Manchen Kindern hilft es, im Anschluss zu kuscheln oder durch gemeinsames Malen, Spielen oder Toben auf andere Gedanken zu kommen. In anderen Fällen ist Geduld gefragt, bis sich der Ärger gelegt hat. Auf keinen Fall sollten dem Kind Vorwürfe gemacht werden oder aus dem Affekt heraus Verbote ausgesprochen werden. Wichtig ist es, selbst ruhig zu bleiben und zu erklären, warum nicht weitergeschaut werden darf.

Kurze Clips ab 2?

Generell gilt, dass Kinder erst ab etwa drei Jahren in der Lage sind, Geschichten auf dem Bildschirm zu folgen und sie zu verstehen. Jüngere Kinder können von den bewegten Bildern überfordert werden. Aus diesem Grund wird empfohlen, dass Kinder unter drei Jahren noch möglichst wenig Zeit vor dem Bildschirm verbringen sollten.

Wenn zweijährige Geschwister in Ausnahmefällen mitschauen, gibt es einiges zu beachten: Geeignet sind dann nur kurze Clips mit maximal fünf Minuten Länge. Statt der ganzen Folge einer Serie können in sich abgeschlossene Teile daraus gezeigt werden. Zum Beispiel die Clips mit Maus und Elefant aus „Die Sendung mit der Maus“ oder kurze Puppentrickgeschichten aus „Unser Sandmännchen“. Der Einstieg fällt leichter, wenn die bewegten Bilder von Stil und Optik an Bücher erinnern, die das Kind schon kennt; zum Beispiel „Die Raupe Nimmersatt“ oder „Bobo Siebenschläfer“. Eine ruhige Erzählstimme, die in sehr einfachen Sätzen das Gesehene kommentiert, ist für die Kleinsten besonders geeignet. Auch Geschichten, die ganz ohne Sprache auskommen, haben ihren Reiz.

Übrigens: Kinder brauchen nicht viel Auswahl, sie lieben Wiederholungen. So können sie Bekanntes und Vertrautes (wieder-)entdecken, das Gesehene besser nachvollziehen und verarbeiten. Eine Sammlung empfehlenswerter Inhalte und weitere Tipps zum Medienstart finden Eltern auf der Website von FLIMMO.

Michael Gurt ist verantwortlicher Redakteur und Projektleiter von FLIMMO, dem Elternratgeber zu TV, Streaming, Social Media und Kino. FLIMMO ist ein Projekt des Vereins Programmberatung für Eltern e. V., mit der Durchführung ist das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis betraut.

Nachhaltig wickeln: Sind Stoffwindeln besser?

Elternfrage: „Wir möchten für unser Baby Stoffwindeln statt Einwegwindeln nutzen. Nun habe ich gehört, dass es davon abhängt, wie Stoffwindeln gewaschen werden, ob sie wirklich nachhaltiger sind. Worauf muss ich achten, um eine Windelwahl zu treffen, die für Baby und Umwelt gut ist?“

Ein Kind benötigt, bis es mit durchschnittlich zweieinhalb Jahren trocken ist, etwa 5.000 Windeln. Das entspricht bei Einwegwindeln ungefähr 1.000 Kilogramm Müll. Das ist eine ganze Menge! Allein aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Familien dafür, ihre Kinder mit Stoffwindeln statt Einmalwindeln zu wickeln. Stoffwindeln sind waschbar und können bei entsprechender Pflege für mehrere Kinder genutzt werden. Doch sorgt genau das auch für Diskussion: Sind sie wirklich nachhaltiger, wenn so viel Wasser beim Waschen und unter Umständen auch Strom für den Trockner verbraucht wird?

Wirklich umweltschonender?

Frühere Studien haben die Stoffwindel bei der Energiebilanz teilweise auf die gleiche Stufe mit der Einwegwindel gesetzt oder sogar schlechter dargestellt. Dies lag allerdings an den für die Studien erhobenen Daten, die nach meinem Empfinden nicht der Wickelrealität entsprechen. Es wurde zum Beispiel vorausgesetzt, dass nur ein Kind die Windel nutzt und die Waschmaschine nur halb befüllt läuft. Bis heute gibt es keine genauen Studien und Angaben darüber, ab wann Stoffwindeln nachhaltiger sind.

Eine niederländische Studie aus dem Jahr 2023 zeigt aber, dass mit der richtigen Waschroutine der ökologische Fußabdruck beeinflusst werden kann. Dazu gehört, dass die Waschmaschine voll beladen wird, indem die Windeln mit anderer Wäsche gewaschen werden, und der Trockner nur in Ausnahmen genutzt wird. Entscheidend dafür, ob Stoffwindeln nachhaltiger als Einwegwindeln sind, ist auch, welche Energieeffizienz-Klasse die Waschmaschine hat. Wird sie sogar mit erneuerbaren Energien betrieben?

All das zeigt: Die Frage, ab wann Stoffwindeln mit Blick auf das viele Waschen tatsächlich nachhaltiger sind, lässt sich pauschal nicht beantworten. Bei anderen Faktoren erweisen sich Stoffwindeln hingegen als deutlich besser für die Umwelt.

Deutlich weniger Müll

Bei der Herstellung und Entsorgung können Stoffwindeln durchaus ökologischer als Wegwerfwindeln sein. Während Einwegwindeln aus Kunststoffen, Klebern und Vliesstoffen bestehen, sind die Hauptbestandteile von Stoffwindeln nachwachsende Rohstoffe wie Baumwolle, Bambus, Hanf und Wolle. Landet die Einwegwindel im Müll, braucht sie ungefähr 500 Jahre, bis sie sich zu Mikroplastik zersetzt hat. Stoffwindeln hingegen sind, bei richtiger Entsorgung, nach jahrelanger Nutzung fast komplett biologisch abbaubar. Das natürliche Material schont darüber hinaus die empfindliche Haut der Kinder. Eine hohe Atmungsaktivität und temperaturregulierende Eigenschaften sorgen für ein gutes Klima im Windelbereich.

Zudem werden Stoffwindeln in der Regel nicht nur von einem Kind genutzt. Das gleicht auch die hohen Anschaffungskosten zu Beginn aus. Was viele nicht wissen: Auf die gesamte Wickelzeit gesehen, lässt sich mit der Stoffwindel tatsächlich Geld sparen. Sie kann Kindern helfen, schneller trocken zu werden – um bis zu acht Monate früher als bei der Nutzung von Einwegwindeln. Vermutlich rettet die Nutzung von Stoffwindeln nicht unseren Planeten, aber sie ist ein Gamechanger im bewussteren Umgang mit unseren Ressourcen. Und für die Gesundheit unserer Kinder ist sie allemal gut.

Marie Isabel Schäle ist Mutter und macht sich gerade als Stoffwindelberaterin selbstständig. Sie ist aktives Mitglied im Stoffwindelverein Deutschland.