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Wochenbettengel

Nach der Geburt ist vor dem Alltag. Denn im Wochenbett steht die Zeit still und wird am besten mit allem, was guttut, gefüllt. Damit das entspannt gelingt, dürfen Eltern und Baby Hilfe annehmen. Von Teresa A. K. Kaya

In einem Forum las ich vor einiger Zeit die Frage einer Userin, was sie ihrer Schwester zur Geburt schenken könnte. Sie schrieb explizit davon, dass sie nach Inspiration für ein Geschenk für ihre Schwester und nicht für das Baby suchte. Die Resonanz war überwältigend. Die Antworten reichten von witzig über rührend bis hin zu herzig, fürsorglich und originell. Sie haben mich richtiggehend dankbar gemacht. Dankbar für die Hilfsbereitschaft der Frauen untereinander und das Verständnis füreinander. Denn auch wenn sich nicht alle mit denselben Geschenkideen anfreunden konnten, gab es vor allem eins: Wohlwollen. Alle waren sich einig: Das eine beste Geschenk zur Geburt gibt es nicht. Denn es ist individuell sehr unterschiedlich, wem was gefällt und guttut.

Meine Quintessenz aus der Beschäftigung mit dem Thema: Redet miteinander! Denn es ist wunderbar, wenn man nicht nur vermutet und erwartet, sondern weiß und wünscht. So lassen sich Missverständnisse und Enttäuschungen vermeiden und die Hilfe kann für beide Seiten ein positives Erlebnis sein.

Zehn Minuten am Tag reichen

Bleibt die Frage: Was tut Wöchnerinnen gut? Während eine Mama alles dafür geben würde, in Ruhe duschen zu können oder allein einen Spaziergang zu unternehmen, wünscht sich eine andere ruhige Kuschelzeit mit ihrem Baby und ihrem Partner in entspannter Gewissheit, dass die Wäsche sich nicht weiter auftürmt, weil dafür jemand sorgt. Die Bezeichnung „Wochenbettengel“ gefällt mir gut. Ein Wochenbettengel ist jemand, der oder die sich in den Wochen nach der Geburt tatkräftig dafür einsetzt, dass es den Eltern mit dem Baby und eventuell weiteren Geschwistern gut geht. Ein Wochenbettengel kann ein Familienmitglied sein oder ein Freund oder eine Freundin, die sich in dieser besonderen Phase Zeit nimmt. Manchmal reichen schon zehn Minuten am Tag, um einen Einkauf vorbeizubringen oder etwas von der Apotheke abzuholen.

Haushalt bleibt während des Wochenbetts liegen

Ich habe einige Anregungen gesammelt, was ein Wochenbettengel anbieten könnte. Die Ideen sind als Gesprächsstoff zu verstehen, frei nach dem Motto: „Erst reden, dann machen. Dann wieder reden und wieder machen.“ Denn auch das ist nicht selten der Fall: Während man an einem Tag nichts sehnlicher wünscht als eine heiße Suppe, die jemand vorbeibringt, tut einem am nächsten Tag gut, selbst eine Packung Spaghetti in den Topf zu werfen.

Im Haushalt helfen: Das steht für viele ganz oben auf der Liste. Aufgaben für Wochenbettengel könnten sein: fegen, Staub saugen, wischen, Wäsche waschen, putzen, Spülmaschine befüllen, Post wegbringen, Betten beziehen etc.

Das Baby umsorgen: Manche Babys lassen sich seelenruhig „ablegen“, andere beginnen schon zu weinen, wenn man sich nur einen Schritt von ihnen wegbewegt. Daher ist es für manche Eltern ein brennender Wunsch, einmal in Ruhe ins Bad zu verschwinden oder mal ein Nickerchen zu halten. Für die Wochenbettengel kann das bedeuten, dass sie starke Nerven brauchen.

Pflichten abnehmen: Das Auto zur Werkstatt bringen, Schnee schippen, ein Geschenk besorgen, den Fototermin organisieren – es gibt viele Möglichkeiten, junge Eltern zu entlasten.

Kochen steht oben auf der Agenda

Für das leibliche Wohl sorgen: Für junge Eltern ist es wichtig, sich gesund und regelmäßig zu ernähren. Da sich der Kühlschrank aber nicht von allein füllt und die Tiefkühlkost schnell aufgebraucht ist, freuen sich viele Familien über frisch gekochtes Essen oder einen Einkauf. Stillkugeln sind bei stillenden Mamas sehr beliebt und eine immer aufgefüllte Trinkflasche – oder besser gleich mehrere an verschiedenen Orten.

Massieren: Wenn Sie talentiert sind und Ihre Beziehung zueinander es zulässt, kann eine Massage Wunder wirken. Und wenn Sie es sich nicht selbst zutrauen, warum nicht jemanden beauftragen und währenddessen das Baby hüten?

Fotos machen: Der Schlafmangel und die Hormone führen häufig dazu, dass junge Eltern wie in Watte leben. Plötzlich ist das Baby schon vier Wochen alt, und man weiß gar nicht mehr so recht, wie das Leben in den ersten Tagen nach der Geburt war. Das könnte ein Wochenbettengel verhindern, indem er oder sie Fotos aus dem Alltag macht – natürlich auch das nur nach genauer Absprache, welche Situationen lieber ungestört bleiben dürfen.

Begleitung bei Amtsgängen

Begleiten: Auch wenn sich viele die Wochenbett-Zeit sehr ruhig und kuschelig vorstellen – die Realität sieht häufig anders aus. Es stehen vielfältige Termine an: Arztbesuche, Amtsgänge, Rückbildung … Nicht alle erleben diese Zeit als Elternpaar. Da kann es schön sein, wenn man von einem Wochenbettengel begleitet wird.

Kleidung schenken: Ich gebe zu, der Bereich ist ein bisschen tricky. Aber wenn ihr den Punkt Kommunikation beachtet, kann auch hier nichts schiefgehen. Viele Frauen freuen sich über ein paar kuschelige Socken, die auch gern selbst gestrickt sein dürfen. Und wenn Sie eine besonders enge Beziehung haben, kann auch gern mal eine neue, große Jogginghose her oder ein Bauchband, das den sich rückbildenden Bauch stützt. Auch ein Tragetuch kommt häufig gut an.

Bodyguard spielen: Die Verwandtschaft, Freunde, Nachbarn, Bekannte – alle wollen das neue Baby sehen. Das kann schnell mal zu viel werden und zu Streit führen. Und das ist Gift für die frischgebackene Familie. Aber wenn ein Wochenbettengel ruhig darauf hinweist, dass nun ein bisschen Ruhe nötig ist, kann das Wunder wirken.

Teresa A. K. Kaya begleitet als Trainerin für Biografiearbeit schwerpunktmäßig Familien. Sie ist dreifache Mama und lebt mit ihrer Familie in Heidelberg. takkaya.de