„Ich spiel, womit ich will!“

Für Babys und Kleinkinder ist teures Spielzeug überflüssig.

Spielzeug für die Kleinsten – das ist ein interessanter Markt für die Industrie, die mit Batteriebetrieb Baby-Handys zum Leuchten oder Fellbüschel zum Bellen bringt. Mit diesem Artikel will ich den Absatz dieser Produkte etwas dämpfen: Denn Kinder spielen gerne mit Dingen aus ihrer Umgebung – und das sollen sie für eine entspannte Entwicklung auch. Babys unterscheiden nicht zwischen Lernen und Spielen. Jede Entdeckung des Alltags wird spielerisch wiederholt. Wenn Eltern dafür einen Rahmen bieten, ermöglichen sie ihrem Kind Erfahrungen über die Beschaffenheit der Welt. Denn durch Ausprobieren und Nachahmung werden die grundlegenden Fähigkeiten des Lebens „erspielt“.

Papa-Socke und Packpapier

Babys untersuchen und befühlen Gegenstände mit dem Mund. Deshalb sollten Spielzeuge so groß sein, dass Säuglinge sie nicht vollständig in den Mund nehmen können. Sie sollten keine scharfen Kanten und Spitzen haben, unzerbrechlich und ungiftig sein.

Gut zum Spielen eignen sich Kochlöffel, Plastikdosen, Mützen oder „Bälle“ aus Geschirrtüchern, Papier, Mülltüten und Klebeband. Hier sollten Eltern aber dabeibleiben – Kleinkinder sind stark und der Ball aus Papier und Tüten muss ganz bleiben. Manche Babys lieben den Plastik-Rührbesen, andere ein Stück Holz oder Stoffstreifen, die von einem Band herunterhängen.

Eine gute Investition ist eine schiefe Ebene aus Schaumstoff oder kleine Matratzen, auf denen getobt und gerollt werden darf (erhältlich zum Beispiel bei jako-o oder Wehrfritz). Später ist hier Platz zum Lesen und Klettern. Die täglichen Erfahrungen können vielfältig sein. Besonders gerne erforschen kleine Entdecker verschiedene Materialien: ein Holzbrettchen, eine Plastikdose, eine Papa-Socke (gewaschen!) und Packpapier.

Nudelsortierer

Wichtig ist es, die Spielgeräte anzubieten und nicht dem Kind in die Hand zu drücken. Wie soll ein Kind spielen lernen, wenn ihm vorgegeben wird, womit es spielen soll? An Babys Gesichtsausdruck kann man ablesen, ob es ein Spielzeug anregend findet oder nicht. In der Regel finden Kleinkinder lärmendes Spielzeug kurzzeitig anregend und „lustig“ – untersuchen es aber weniger. Der Spiel- und Lerneffekt ist somit geringer.

Wenn die Kinder laufen können und weniger Gegenstände in den Mund stecken, kann das Sortieren von verschiedenen Nudeln in leere Joghurtbecher oder das Fädeln von großen Knöpfen oder „ Düsis“ von Seitenbacher eine gute Übung sein. Unsere Tochter hatte einen großen Vorrat an Knöpfen und hat sie mit zwei Jahren während des Kochens gern zu meinen Füssen entleert, sortiert und eingeräumt, entleert, sortiert und … Mit Schnüren und Bändern können Kleinkinder den wichtigen Pinzettengriff von Zeigefinger und Daumen üben. Hier müssen Sie ebenfalls dabeibleiben, denn eine Schnur kann schnell um den kleinen Hals wandern. Das Schütten von Wäscheklammern von einem Eimerchen in den nächsten trainiert das räumliche Sehen und macht auch Papas ruhig – Eigenversuche haben das ergeben.

Ab 18 Monaten kann auch ein (Tennis-) Ballparcours aufgebaut werden: eine leere breite Posterversandrolle zum Durchrollen, leere Behälter zum Hinein werfen, eine Sofakante zum Hochklettern (mit Elternhilfe) und Ball-Hinabwerfen … Viele Ideen kommen noch zusätzlich beim Kullern, Verstecken und Suchen.

Viel Spaß beim Entdecken der Möglichkeiten, die das Spielen mit Alltagsgegenständen bietet!

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und arbeitet im Gemeindejugendwerk Südwest, um Mitarbeiter für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auszubilden. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

Illustration: Thees Carstens

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