Meine Eltern dürfen das nicht wissen

Warum junge Erwachsene ihren Glauben verlieren und wie Familien damit umgehen können. Von Tobias Faix

Fast jeder kennt jemanden aus seiner Familie oder dem Freundeskreis, der früher leidenschaftlich glaubte und heute nicht mehr glauben will oder kann. Woran liegt das? Dieser Frage gingen wir in unserer Studie „Warum ich nicht mehr glaube“ am Institut empirica nach. Wir, das sind die beiden Soziologen Tobias Künkler und Martin Hofmann, und ich als Theologe. Wir führten Interviews durch und ließen die jungen Erwachsenen selbst zu Wort kommen und ihre Lebens- und Glaubensgeschichte erzählen. Schon bald bemerkten wir, dass wir ein für Familien brisantes Thema aufgegriffen hatten, denn schon bei den ersten Interviews stand die Familie im Mittelpunkt.

Widersprüche

Da war beispielsweise Nicolo, der in einer christlichen Familie aufwuchs und schon früh mit Bibel, Gebet und Gemeinde vertraut war. Er fühlte sich wohl und liebte Gott und arbeitete in der Jugendgruppe mit. Als er wegen des Studiums wegzog, fand er in der neuen Stadt schnell eine Gemeinde und eine Freundin, die ebenfalls glaubte. Sie heirateten, alles lief wunderbar. Über Arbeitskollegen kam Nicolo mit dem neuen Atheismus in Berührung. Er las sich ein, um gute Argumente dagegen zu finden, merkte aber, wie sich manche Fragen fest in seine Gedanken bohrten. Er konnte und wollte mit niemandem darüber sprechen, denn in der Gemeinde war das kein Thema. Irgendwann kam er zu dem Entschluss, dass sein Glaube keinen Sinn mehr mache, zu groß waren die Widersprüche in der Bibel und in seinem Glauben, und so entkehrte er sich.

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