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Artikel aus den Heften

Tochter (8) ist von Zeugnis enttäuscht: So schlägt der Lernfrust nicht aufs Selbstbewusstsein

Schule ist nicht alles! Erziehungswissenschaftlerin Daniela Albert rät Eltern, den Fokus nicht auf Noten zu setzen.

„Meine Tochter (8) ist frustriert, weil ihr das Lernen schwerfällt. Wie kann ich ihr trotzdem vermitteln, dass sie wertvoll und wunderbar gemacht ist?“

Es ist wunderbar, dass Sie im Blick haben, dass Ihre Tochter aufgrund von Lernschwierigkeiten auch sich selbst als Person infrage stellen kann. Und dass die Gefahr besteht, dass die eigene Wertigkeit an Lernerfolge geknüpft wird. Denn leider geht das oft in unserem auf Leistung ausgelegten Schulsystem unter. Zu Hause einen Gegenpol zum Leistungsdruck zu bieten, ist eine gute und wichtige Sache. Ich behaupte einmal ganz vermessen: Allein Ihr Gespür dafür wird dafür sorgen, dass in Ihrer Familie eine Atmosphäre der Wertschätzung über Leistungen hinaus herrscht.

Dennoch möchte ich infrage stellen, ob Ihrer Tochter wirklich „das Lernen“ schwerfällt. Tatsächlich ist es ja so, dass Ihr Kind in den ersten Jahren seines Lebens mit Sicherheit schon sehr viel gelernt hat und auch jetzt täglich Neues dazulernt, neue Fähigkeiten entwickelt und Vorhandenes ausbaut. Vieles geht unbemerkt vonstatten oder wird nicht gesehen, weil es sich dabei vielleicht nicht um die Fähigkeiten und Fertigkeiten handelt, die gerade gesellschaftlich als wichtig erachtet werden.

Nicht über Schulnoten sprechen, sondern über Themen

Ich gehe aber davon aus, dass es sich bei Ihrer Frage um das schulische Lernen und den damit verbundenen Schulerfolg – also um Noten – handelt. Tatsächlich ist es so, dass nicht jedes Kind für dieses System, so wie es in den deutschsprachigen Ländern meistens umgesetzt wird, gemacht ist. Das schulische Lernen fällt manchen Kindern besonders schwer, und sichtbare Erfolge wollen sich nicht einstellen. Da finde ich es wichtig, dass Sie als Eltern das stark machen, was sonst schnell unsichtbar bleibt.

Wenn am Ende eines Schulhalbjahres ein Zeugnis kommt, würde ich weniger über die Noten sprechen als über die Themen, die bearbeitet wurden. Denn bestimmt hat Ihre Tochter in den vorangegangenen Monaten etwas gelernt. Vielleicht die ersten Worte in einer neuen Sprache? Vielleicht eine neue Rechenart? Oder sie weiß nun mehr über Geografie oder Religion? Selbst wenn sich der Lernerfolg nicht in Ziffern auf einem Blatt Papier bemessen lässt, heißt das nicht, dass Ihr Kind nicht dazugelernt hat. Machen Sie dieses Dazulernen sichtbar für Ihr Kind und feiern Sie es immer dann, wenn ein Schulhalbjahr endet.

Hobbys im Blick behalten

Darüber hinaus ist es wichtig, auf die Dinge zu schauen, die Ihre Tochter besonders gut kann. Vielleicht zählen dazu nicht die in der Schule gefragten Fähigkeiten, aber andere. Malen? Basteln? Geschichten erzählen? Musik oder Sport? Gerade an Tagen, an denen in der Schule etwas nicht gut gelaufen ist, ist es wichtig, das stark zu machen, was Ihr Kind kann. Sorgen Sie an solchen Tagen dafür, dass Ihr Kind seine Stärken ausleben darf: Nehmen Sie sich gemeinsam Zeit für sein liebstes Hobby oder eine andere Aktivität, in der es gut sein darf. So lernen Kinder früh, dass die Schulnoten nicht das sind, was sie als Menschen ausmacht.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern– und Familienberaterin (familienberatung-albert.de). Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel und bloggt unter eltern-familie.de. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_lernen.jpg 1414 2119 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-03-15 11:25:002022-03-15 11:25:00Tochter (8) ist von Zeugnis enttäuscht: So schlägt der Lernfrust nicht aufs Selbstbewusstsein

Reisen in der Elternzeit: Mit diesen 7 Tipps gelingt der Trip mit Wohnmobil und Baby

Annabel Breitkreuz ist zwei Monate mit Kleinkind und Van durch Skandinavien gefahren. Diese sieben Tipps hat sie mitgebracht.

1. Zeitraum festlegen

Sucht euch für die Reise eine Zeit aus, bei der ihr am Zielort mit gutem Wetter rechnen könnt – das senkt das Stresspotenzial. Behaltet bei der Planung auch mögliche Impftermine und U-Untersuchungen des Babys im Blick. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass unser Sohn Pepe der entspannteste Reisebegleiter während unserer Elternzeit-Reise war, als er noch gestillt wurde und nicht krabbeln konnte.

2. Zielregion raussuchen

Bei der Wahl solltet ihr – so unromantisch es klingt – euer Budget nicht aus dem Auge verlieren. Denkt dabei an Mautgebühren, Parkkosten und Lebensmittelpreise (all das ist zum Beispiel in Norwegen sehr hoch). Wenn ihr Campingplatzkosten sparen wollt und gern frei steht, bietet sich ein Land an, in dem das Jedermannsrecht gilt.

3. Camper kaufen oder mieten

Wer kein eigenes Wohnmobil vor der Haustür stehen hat oder ausbauen möchte, kann es sich leihen. Auf Plattformen wie paulcamper.de oder roadsurfer.com gibt es eine breite Auswahl. Wir haben unterwegs einige Familien getroffen, für die es sich auch gelohnt hat, ein Wohnmobil gebraucht zu kaufen und im Anschluss weiterzuverkaufen.

4. Route planen

Wie viel Fahrtzeit man mit Baby erreichen kann, lässt sich nicht pauschal beantworten und auch nicht festlegen! Was ihr braucht, sind keine engen Zeitpläne, sondern Flexibilität und Gelassenheit in der Route und im besten Fall immer einen Plan B.

5. Erste Erfahrungen sammeln

Probieren geht über Studieren, das gilt auch beim Vanlife als Familie. Vor der großen Tour solltet ihr Probeausflüge einplanen. Nur so lässt sich feststellen, was zu Hause bleiben kann und was ihr noch braucht (Kleinigkeiten wie Handtuchhaken steigern deutlich die Lebensqualität im Van).

6. Packen

Informiert euch, wie teuer Windeln, Breigläschen und Co. im Ausland sind. Oftmals lohnt es sich, einen großen Vorrat aus heimischen Drogeriemärkten mitzunehmen. Orientiert euch beim Packen der Kleidung an einem typischen 14-tägigen Urlaub. Denn genau diese Menge wird euch auch für zwei Monate reichen. Waschen könnt ihr zwischendurch mit der Hand, in Waschsalons oder auf Campingplätzen.

7. Stellplätze finden

Schlafplätze lassen sich zum Beispiel mithilfe der App Park4Night raussuchen. Dort könnt ihr auch nachschauen, wo eine Entleerung möglich ist oder ihr Frischwasser nachfüllen könnt.

Annabel Breitkreuz ist Mama von Pepe und Redakteurin. Auf ihrem Blog brezelzeit.com schreibt sie über ihren Start ins Familienleben zwischen Mikroabenteuern und gewöhnlichem Alltag.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_schweden-scaled-e1646648450948.jpg 1800 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-03-09 08:19:152022-03-09 08:19:15Reisen in der Elternzeit: Mit diesen 7 Tipps gelingt der Trip mit Wohnmobil und Baby

Elternzeit im Van: Paar fährt mit vier Monate altem Baby quer durch Schweden

Zwei Monate lang war Annabel mit ihrem Mann und ihrem frischgeborenen Sohn in Skandinavien unterwegs. Im umgebauten Van hat die Familie zu sich selbst gefunden.

Das Jahr 2020 war alles andere als gewöhnlich für mich. Zum einen erfüllten mein Mann und ich uns einen Traum und bauten einen Transporter zu einem Campervan aus. Zum anderen nahm parallel zum Baufortschritt meine Babybauchkugel immer mehr Form an. Niemals hätte ich gedacht, dass die Projekte „Vanlife“ und „Familiengründung“ so perfekt zusammenpassen würden. Und niemals hätte ich geglaubt, dass unser Van „Knut“ das erste Zuhause für uns als Familie werden würde.

„Schweden war das Beste, was uns passieren konnte“

Im Februar 2021 kam unser Sohn Pepe zur Welt. Im vierten und fünften Lebensmonat von Pepe nahmen mein Mann und ich zwei Monate Elternzeit. Wir wollten mit Knut verreisen, das stand fest. Aufgrund der Corona-Situation konnten wir im Voraus nicht viel planen. Schließlich landeten wir in Schweden – und das war das Beste, was uns passieren konnte.

In Schweden gilt das „Allemansrätt“, das Jedermannsrecht. Demnach hat jeder das Recht, die Natur frei zu nutzen. Dazu zählt unter anderem auch das Campen in der Wildnis. Entlang der Küste und an den fünf größten Seen Schwedens ist es außerdem möglich, kostenlos und ohne Angelschein zu angeln. An vielen offiziellen Badestellen des Landes gibt es Feuerstellen und ein Plumpsklo – ein absoluter Luxus für uns, wenn man bedenkt, dass unsere Toilette inmitten unseres elf Quadratmeter großen Zuhauses verbaut ist. Manchmal findet man auch eine gemütlich eingerichtete Schutzhütte oder – eines unserer Highlights auf der Reise – eine Sauna: alles frei und kostenlos zugänglich. In Sachen Gastfreundschaft sind sie nicht zu übertreffen, die Schweden.

Klar ist, dass das Allemansrätt mein Camperherz höherschlagen lässt. Ich habe es geliebt, unseren Knut am See-, Meer- oder Flussufer zu parken und quasi vom Bett direkt ins kühle Nass springen zu können. Ein Traum! Und obwohl ich jedes Mal davon überzeugt war, den schönsten Stellplatz der Welt gefunden zu haben, wurde es immer noch besser.

Frühstück in Stockholm und Lagerfeuerabende

Für unsere Elternzeit-Reise hatten wir insgesamt neun Wochen Zeit. Eine feste Route gab es nicht. Ich wollte unbedingt den Polarkreis überfahren, um den Moment zu erleben, wenn die Sonne auch nachts noch hoch am Himmel steht. Wir fuhren also immer der Sonne hinterher in Richtung Norden – so lange, bis wir den Polarkreis überquerten und schließlich nach knapp vier Wochen am nördlichsten Teil Schwedens ankamen. Auf dem Weg dorthin frühstückten wir in Stockholm, jagten Schnäppchen in unzähligen Secondhand-Läden, bestaunten Rentiere auf der Straße, lernten angeln, wanderten durch beeindruckende Nationalparks und verbrachten Lagerfeuerabende mit anderen Elternzeit-Reisenden.

Im zweiten Monat der Tour ließen wir uns nach Lust und Laune wieder in Richtung Süden treiben. Auf der Höhe von Oslo überquerten wir die Grenze nach Norwegen, was uns aufgrund der Corona-Einreisebestimmungen zu einem früheren Zeitpunkt leider nicht möglich war. In den letzten zwei Wochen der Elternzeit legten wir einen intensiven Endspurt quer durch Südnorwegen hin und bekamen nicht selten den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Die Landschaft Norwegens ist kaum zu übertreffen: majestätische Fjorde, unglaubliche Wasserfälle und beeindruckende Ausblicke. Doch noch mehr berührt hat uns die Einsamkeit und Entspanntheit Schwedens.

Kein Problem mit Baby

Wer versucht, unsere Reiseroute auf der Landkarte nachzuvollziehen und dabei die Kilometer überschlägt, fragt sich vermutlich, ob Pepe das alles einfach so mitgemacht hat. Ich staune noch immer selbst darüber, aber ja: Das hat er. Viel mehr sogar: Er hat die Nähe zu uns auf dem engen Wohnraum sehr genossen. Er liebt es bis heute, wenn wir am Wochenende mit Knut unterwegs sind, dass er im Van mitten im Geschehen sein darf und uns bei allem, was wir tun, beobachten kann.

Auch die Fahrtzeiten waren problemlos möglich, da Pepe noch sehr viel schlief und keinen festen Rhythmus hatte. Im Durchschnitt saßen wir zwei Stunden täglich hinter dem Steuer und nur in wenigen Fällen verbrachten wir mehr als eine Nacht an einem Ort. Dass all das so entspannt ablaufen würde, wussten wir vorher nicht. Aber wir gaben uns die Chance, es auszuprobieren – und ehrlich gesagt machten wir uns im Vorhinein nicht viele Gedanken über Eventualitäten. Es war wahrscheinlich eine Kombination aus Optimismus und Mut, die für sehr viel Gelassenheit und Genuss auf unserem Roadtrip mit Baby gesorgt hat.

Zu viel freie Zeit

Ein Leben auf elf Quadratmetern mit einem Säugling ist kuschelig. Sehr kuschelig. Manchmal zu kuschelig. Die ständige Nähe zu meinen zwei Männern forderte mich zu Beginn der Reise oftmals heraus. Ich erinnere mich noch sehr genau an einen Abend, als ich allein in einem Kajak in der Mitte des Sees saß. Die Sonne verschwand langsam am Horizont und der Himmel färbte sich feuerrot – ein wunderschöner Anblick. Doch ich nahm den Zauber des Ortes nicht wirklich wahr. Stattdessen kam ich ins Grübeln und zweifelte sogar die Idee dieser Reise an. Ich fühlte mich eingeengt und war überfordert mit der vielen freien Zeit. Mir fehlte es, Terminen nachzugehen und To-do-Listen abzuarbeiten. In anderen Worten: Ich war nicht ausgeglichen und suchte nach dem Ziel und Sinn unserer Auszeit.

Die Unruhe im Herzen führte dazu, dass ich begann, mich darauf zu besinnen, warum wir uns auf den Weg gemacht hatten. Ich beschloss, den Fokus mehr auf uns als Familie zu legen. Damit begann eine Reise, die abenteuerlicher und intensiver war als jeder andere Campingtrip, den mein Mann und ich zuvor erlebt hatten.

Angekommen als Familie

Wir lernten, bewusster über Wünsche und Bedürfnisse zu reden. Wir lernten auch zu erkennen, was wir wollen und was wir brauchen – und vor allem, wie wenig wir brauchen. Nach und nach kam ans Licht, wie wertvoll feste Abläufe und eine klare Aufgabenverteilung für unseren Reise- und damit auch Familienalltag sind. Außerdem erlebten wir, wie wichtig ein Ort wie Knut für uns ist, der Stabilität und Sicherheit vermittelt und mit dem wir uns auch unterwegs zu Hause fühlen.

Schweden war für diese ersten Seiten unseres neuen Kapitels als Familie mit Baby das perfekte Setting. Denn hier gab es wenig Ablenkung, viel Ruhe und Einsamkeit. Hier hatten wir nicht das Gefühl, etwas zu verpassen, auch wenn wir uns nur um uns selbst drehten. Hier war genug Raum, um anzukommen. Bei uns als Eltern. Bei uns als Familie.

Am Ende hatten wir insgesamt 9.000 Kilometer mehr auf dem Tacho. Jeder einzelne hat sich gelohnt. Doch für die Qualität unserer Elternzeit-Reise spielten die Entfernung, das Tempo oder Ziel keine Rolle. Für uns war es wichtig, aufzubrechen, das Gewohnte hinter uns zu lassen, um bei uns als Familie anzukommen. Jetzt sind wir bereit für das nächste Kapitel!

Annabel Breitkreuz ist Mama von Pepe und Redakteurin. Auf ihrem Blog brezelzeit.com schreibt sie über ihren Start ins Familienleben zwischen Mikroabenteuern und gewöhnlichem Alltag.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_elterzeit.jpg 1365 2048 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-03-07 10:31:082022-03-07 10:31:08Elternzeit im Van: Paar fährt mit vier Monate altem Baby quer durch Schweden

Innere Stärke: Mit fünf Knöpfen machen Sie Ihr Kind glücklicher

Wie können Eltern dafür sorgen, dass sich ihr Kind in seiner Haut wohlfühlt? Laut Kinderbuchautorin Dela Kienle braucht es dafür nicht viel.

Endlich Sommerfest! Fröhlich schlendert meine Elfjährige in die Schule, in ihrem neuen knatschroten Kleid und mit selbstgebackenem Kuchen. Doch als sie zurückkommt, ist sie übellaunig und verbarrikadiert sich in ihrem Zimmer. Erst beim Ins-Bett-Bringen verrät sie mir, was passiert ist: Zwei Klassenkameraden, mit denen sie sich sonst gut versteht, haben sie wegen des roten Kleids ausgelacht. Sie würde aussehen wie eine Tomate. „Und das hat dir das ganze Sommerfest verdorben?“ Meine Tochter nickt mit Tränen in den Augen.

Natürlich ist das kein riesiges Drama – nur ein winziges Beispiel. Wohl allen Eltern fallen Gelegenheiten ein, in denen ihr Kind sich von Gleichaltrigen kränken oder einschüchtern ließ. In denen es „Kann ich eh nicht!“ murmelt oder an sich zweifelt, weil es nicht zu einem Geburtstagsfest eingeladen wurde. Vielleicht gibt es auch Momente, in denen es sich zu unsportlich, uncool oder sonst irgendwie nicht gut genug fühlt. Am liebsten würde man sein Kind dann gleichzeitig umarmen und schütteln, weil es wirklich begreifen soll: Du bist wunderbar, genau wie du bist! Lass dir nichts von anderen einreden! Und sei bitte nicht so streng mit dir!

Sei selbst dein bester Freund!

Es ist eine wichtige Lektion, die ein junger Mensch lernen muss, wenn er halbwegs zufrieden durchs Leben gehen will: Sei selbst dein bester Freund! Wer gut mit sich umgeht und positiv denkt, entwickelt Selbstvertrauen, quält sich seltener mit Zweifeln und kann sich schneller aufheitern, wenn etwas nicht so richtig klappt. Er kümmert sich um sich und nimmt seine Stärken und Schwächen an. Mit Egoismus hat gesunde Selbstliebe übrigens nichts zu tun. Wer in sich ruht, muss sich nicht dauernd aufs Neue beweisen, wie toll er ist. Er kann sich auch mal zurücknehmen und fragt nicht ständig, was er zurückbekommt, wenn er anderen etwas gibt.

Unser Denken formt das Gehirn

Gedanken haben eine erstaunlich große Macht. In unserem Gehirn sind Milliarden Nervenzellen miteinander verwoben. Ein Gedanke saust wie ein Elektroblitz von einer Zelle zur nächsten. Je häufiger wir eine Verbindung benutzen, desto stärker wird sie. Das Gehirn ändert sich also ständig – indem wir denken und uns mit bestimmten Dingen beschäftigen. Wir alle sind wie Bildhauer: Durch unser Denken und Tun formen wir Teile des Gehirns!

Und dann hört ein Kind Sätze wie: „Das kannst du nicht!“, oder: „Ist ja typisch für dich!“ Oder es denkt selbst voller Entmutigung: „Was stimmt bloß nicht mit mir?“ Solch ein Satz wird im Gehirn gespeichert. Und je öfter das Kind ihn gedanklich wiederholt, desto leichter kommt er ihm wieder in den Sinn, sobald etwas nicht gleich klappt. Das Negative verstärkt sich selbst. Doch zum Glück stimmt auch das Gegenteil: Das Kind kann sich angewöhnen, auf Positives zu achten, sich selbst zu bestärken und freundliche Gedanken zu denken! Je häufiger es das tut, desto leichter fällt es ihm, aus einem negativen Muffel-Modus auszubrechen.

Das Knopf-Experiment

Manche Psychologinnen und Psychologen glauben, dass es eine Formel gibt: Es geht uns richtig gut, wenn wir dreimal mehr positive Gedanken haben als negative. Nur ist das manchmal ja leider gar nicht so einfach. Nehmen wir einen typischen Montagmorgen. Beim Frühstück kippt Orangensaft um, die Geschwister streiten, alle sind hektisch. Doch wir haben es selbst in der Hand, wie der Tag danach weitergeht. Wir können unsere Sinne schärfen – und auf die vielen erfreulichen Kleinigkeiten achten, von denen ich glaube, dass Gott sie uns täglich schenkt.

Wie wäre es mit einem Experiment? Jedes Kind bekommt morgens fünf hübsche Knöpfe, steckt sie in die Hosentasche und hält nach Gutem und Erfreulichem Ausschau. Vielleicht entdeckt es auf dem Schulweg einen Marienkäfer, einen duftenden Strauch oder eine lustig geformte Wolke? Die Natur ist wundervoll, wenn man nur genau hinschaut! Wer etwas Positives bemerkt, lässt einen Knopf in die andere Tasche wandern. Auch Erfolgserlebnisse zählen – und Spaß. Vielleicht versteht das Kind plötzlich etwas Kompliziertes in Mathe, oder es lacht sich in der Pause mit seinen Freunden schlapp. Wenn alle wieder zu Hause sind, bietet sich so der Einstieg für ein wunderbares Gespräch beim Familienessen: Wie oft haben eure Knöpfe heute die Seite gewechselt? Was war an diesem Tag besonders erfreulich?

Auf die Eltern kommt es an

Auch ich versuche, mich an duftenden Sträuchern zu erfreuen, statt immer nur durch die Stadt zu hetzen. Aber es gibt eine Übung, die ich für uns Eltern sogar noch wichtiger finde: Dass wir uns immer wieder ganz bewusst unseren Kindern zuwenden! Ob sie ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, hängt nämlich auch davon ab, wie wir Erwachsene auf sie reagieren. Hören wir ihnen richtig zu, wenn sie etwas erzählen wollen? Oder geben wir ihnen häufig das Gefühl, lästig zu fallen? Lassen wir uns ständig vom Handy ablenken, selbst wenn man gerade zusammen spielt oder isst? Fehlende Aufmerksamkeit vermittelt dem Kind: „Ich bin es wohl nicht wert, dass man mich beachtet.“

Manchmal muss ich mich auch dazu ermahnen, das Positive im Blick zu behalten: all die guten Eigenschaften, Verhaltensweisen und Erfolge der Kinder. Bei einem Baby feiern wir Eltern noch täglich jeden winzigen Fortschritt. Doch bei älteren Kindern starren wir manchmal zu sehr auf Fehler und Schwächen, versuchen in bester Absicht, diese zu korrigieren. Doch dabei betonen wir viel zu selten, was bereits wunderbar läuft und was wir an unseren Kindern lieben. Warum eigentlich?

Anstrengungen loben

Für die Familienstimmung ist es so viel besser, wenn wir einen positiven Fokus beibehalten. Allerdings heißt das nicht, dass wir Kinder wahllos mit Lob überschütten sollten. Erziehungswissenschaftler warnen sogar davor, alles mit „Suuuper, ganz toll!“ zu bejubeln. Viel besser sei es, aufrichtig zu loben und ganz genau zu beschreiben, was einem gefällt. Es ist auch empfehlenswert, eher die Anstrengung zu loben, als Können oder Ergebnis. „Toll, dass du so fleißig für die Mathe-Arbeit gelernt hast!“, ist besser als „Du bist Mamas Mathe-Genie!“

Manchmal schadet es auch nichts, sich eine Bewertung ganz zu verkneifen. Wir neigen dazu, Dinge in gut und schlecht, in richtig und falsch einzuteilen. Schenkt mir mein Kind ein selbstgemaltes Bild, will es mir eine Freude machen. Doch mir rutscht fast automatisch eine Beurteilung heraus: „Wow, das sieht ja toll aus!“ Warum bedanke ich mich nicht einfach mit einem dicken Kuss? Auch in der Schule werden Kinder tagein, tagaus bewertet. So entsteht die Gefahr, dass Kinder ständig auf Bestätigung von außen warten und womöglich nur dann mit sich zufrieden sind, wenn ihre Eltern oder die Lehrerin sie loben.

Bestätigung nicht von anderen erwarten

Es gibt noch andere Quellen für Selbstwert, die problematisch sind: Manche Kinder (und Erwachsene!) fühlen sich zum Beispiel vor allem gut, wenn sie denken, dass sie anderen überlegen sind. Oder wenn sie mehr besitzen. Oder wenn sie besser aussehen und von anderen für irgendetwas bewundert werden. Auf den ersten Blick wirken solche Menschen manchmal sogar „selbstbewusster“ als schüchterne Zeitgenossen. Aber ihr Selbstwert ist brüchig, und sie befinden sich in einer unguten Abhängigkeit. Denn wie fühlen sie sich wohl, wenn Erfolg oder Bestätigungen plötzlich ausbleiben?

Nein, das wollen wir unseren Kindern nicht wünschen! Sie sollen sich selbst bestärken, anstatt auf das Lob anderer zu warten. Sie sollen positiv denken, statt über Unerfreuliches zu nörgeln. Sie sollen mit den Schultern zucken, wenn andere unfreundlich zu ihnen sind – und knatschrote Sommerkleider tragen, wenn sie ihnen gefallen. Meiner Meinung nach haben gläubige Familien zudem einen Trumpf in der Hand, wenn es darum geht, gesunden Selbstwert zu vermitteln: Sie können ihrem Kind nahebringen, dass es für Gott unendlich kostbar ist. Dass er es mit all seinen Stärken und Schwächen liebt. Der christliche Gott sagt voller Überzeugung „Ja“ zu jedem Menschen. Auch unser Kind ist eine wunderbare Original-Ausgabe, die es nur ein einziges Mal weltweit gibt. Und es ist goldrichtig, wie es ist!

Dela Kienle ist Journalistin und Kinderbuchautorin („Dein bester Freund? Bist du!“, Ravensburger Verlag GmbH). Mit ihrer Familie lebt sie in der holländischen Grachtenstadt Leiden.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_freude.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-03-04 13:24:052022-03-04 13:24:05Innere Stärke: Mit fünf Knöpfen machen Sie Ihr Kind glücklicher

„Meins!“ – Das können Sie tun, wenn Ihr Kind sein Spielzeug nicht teilen will

Kleinkinder müssen erst lernen, Schaufel und Co. auch mal abzugeben. Um ihnen dabei zu helfen, reichen oft kleine Tricks.

„Unserem Sohn (1,5) fällt es schwer, beim Spielen mit anderen Kindern Spielsachen zu teilen oder abzugeben. Er will immer alles für sich haben, egal, ob auf dem Spielplatz oder zu Hause, wenn andere Kinder zu Besuch sind. Wie können wir ihn zum Teilen motivieren? Und wie gehen wir damit um, wenn zwei Kinder sich um ein Spielzeug streiten?“

Für Anderthalbjährige ist Teilen oder Abgeben eine schwierige Sache. Denn in diesem Alter empfinden Kinder ihr Spielzeug als Teil von sich selbst. Und von sich selbst kann man schließlich nichts abgeben. Als Eltern ist Ihnen natürlich daran gelegen, dass Ihr Kind es lernt, mit anderen zu teilen und Dinge auch mal abzugeben. Aber wenn Ihr Sohn das jetzt noch nicht kann, heißt das nicht, dass da etwas falsch läuft!

Liebe hilft beim Teilen

Das Teilen-Lernen ist ein langer Prozess, den Sie aber durchaus unterstützen können. Ein Kind, das viel Liebe und Zuwendung bekommt, ist nicht so sehr von materiellen Dingen abhängig und kann sich leichter davon trennen als ein Kind, das immer wieder um Aufmerksamkeit kämpfen muss. Hilfreich ist es auch, Ihrem Sohn klarzumachen, dass es Dinge gibt, die nur ihm gehören und die er nicht verleihen muss: das Lieblingskuscheltier, den Schnuller, die Lieblingsschaufel oder das neue Geschenk von Oma.

Aber wie sollen sich Eltern verhalten, wenn zwei Kinder um ein Spielzeug streiten? Das ist pauschal nicht so leicht zu beantworten. Vor allem auf dem Spielplatz oder in der Krabbelgruppe treffen oft Eltern aufeinander, die diesbezüglich eine unterschiedliche Auffassung haben. Während die einen sofort eingreifen, wenn es zum Streit kommt, haben die anderen die Einstellung, die Kinder sollten das Ganze unter sich ausmachen. Letzteres ist grundsätzlich kein schlechter Standpunkt, wird aber dann schwierig, wenn Kinder unterschiedlichen Alters oder mit verschiedenen Temperamenten aufeinandertreffen.

Erst bei Handgreiflichkeiten eingreifen

Grundsätzlich ist es gut, wenn Kinder solche Konflikte allein miteinander ausmachen. Sie lernen dabei eine Menge. Also am besten erst mal im Hintergrund bleiben und sehen, was passiert. Eingreifen sollte man aber, wenn die Kinder sich gegenseitig wehtun. Versuchen Sie dabei, neutral zu bleiben und nicht Partei zu ergreifen. Bieten Sie den Kindern Lösungsansätze an: „Jetzt spielt Jan mit dem Bagger und nachher du. Dafür kannst du jetzt die Sandmühle haben.“

Wichtig ist auch, dass Kinder die Erfahrung machen, dass sie ihr Spielzeug zurückbekommen, wenn sie es verliehen haben. Dann fällt es ihnen beim nächsten Mal vielleicht nicht mehr ganz so schwer, etwas abzugeben. Versuchen Sie auch, sich mit den anderen Eltern bei einem Treffen oder auf dem Spielplatz darüber zu verständigen, wie sie mit solchen Situationen umgehen. Denn manchmal sind die Konflikte zwischen den Eltern größer als die zwischen den Kindern. Die spielen schon wieder ganz friedlich nebeneinander, auch wenn sie sich vor zwei Minuten noch an den Haaren gezogen haben, während die Eltern noch miteinander diskutieren …

Bettina Wendland ist Redaktionsleiterin von Family und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Bochum.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/02/family_spielzeug.jpg 1413 2123 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-02-28 14:21:242022-02-28 14:21:24„Meins!“ – Das können Sie tun, wenn Ihr Kind sein Spielzeug nicht teilen will

„KANN DAS AUCH BEI UNS PASSIEREN?“

Aus leider aktuellem Anlass posten wir hier noch einmal einen Artikel, der vor einiger Zeit in Family erschienen ist:

Katastrophen, Kriege und Terroranschläge können bei Kindern – und Erwachsenen – Ängste auslösen. Und auch die Frage, warum Gott das zulässt. Karin Vorländer gibt Anregungen, wie Eltern damit umgehen können.

Die fünfjährige Lea weigert sich, ins Bett zu gehen. Das Haus, in dem ihre Freundin Emma wohnte, ist nachts abgebrannt. „Warum hat der liebe Gott nicht aufgepasst?“, will sie wissen. Der achtjährige Lukas kann nicht einschlafen. In den Kindernachrichten hat er von Terroranschlägen gehört. „Kann das auch bei uns passieren?“, fragt er seinen Papa. Kinderfragen nach Leiden, Unglück, Krieg oder Sterben verdienen Aufmerksamkeit. In ihnen verbirgt sich neben Mitleid oft auch Angst: Kann das, was Emmas Familie getroffen hat, auch uns passieren? Könnte auch bei uns ein Terroranschlag stattfinden?

ÄNGSTE ZULASSEN

Wir können unseren Kindern kein Bild von einer heilen Welt vermitteln. Dazu tragen auch die Medien bei, die die Schrecken von Terror, Krieg und Naturkatastrophen ins Haus bringen. Der Hamburger Medienpädagoge Norbert Neuß weist allerdings darauf hin, dass längst nicht alles, was Erwachsene schreckt, Kinder im gleichen Maß beunruhigt. Betroffen sind Vor- und Grundschulkinder vor allem dann, wenn Bilder von verletzten, weinenden Menschen in Nahaufnahmen gezeigt werden. Sie können dann kaum Distanz aufbauen. Deshalb sollten Vorschulkinder nie ohne Anwesenheit Erwachsener fernsehen. Allein die Tatsache, nicht allein zu sein, vermittelt ihnen ein Gefühl von Sicherheit. In der Auseinandersetzung mit eigenem oder fremdem Leid brauchen Kinder die Möglichkeit, Körperkontakt aufzunehmen, Fragen zu stellen, ihre Ängste zu äußern oder im Spiel auszudrücken. Und sie brauchen das Gefühl, dass der eigene Alltag trotz aller Sorge „normal“ bleiben darf und von verlässlichen Beziehungen getragen ist: „Toben, spielen, spazieren gehen und kuscheln sind gute Möglichkeiten, Normalität und Gewohntes in den Alltag zurückzuholen“, rät Wolfgang Zenz vom Kinderschutzzentrum Köln. Auf keinen Fall sollten Eltern leidvolle Ereignisse, die ihren Kindern Angst machen, verharmlosen. Dazu gehört auch, dass Eltern die eigene Angst, Sorge oder Traurigkeit zugeben.

DER „LIEBE“ GOTT?

Und was ist mit Leas Frage, warum Gott nicht aufgepasst hat? Damit stellt sie die vielleicht schwierigste Frage des Glaubens. Wenn Gott „lieb“ ist, warum verhindert er das Schlimme nicht? Entweder ist er nicht allmächtig, oder er ist eben nicht „lieb“. Kinder stellen diese Frage womöglich nicht mit denselben Worten wie Erwachsene, aber darüber, dass es Schmerz und Unrecht gibt, denken sie genauso nach wie Erwachsene. „Gott ist also auch für das Kind niemals der harmlose ‚liebe‘ Gott“, schreibt Jörg Zink in seinem Buch „Wie Sonne und Mond einander rufen“. „Gott ist Liebe, das ist wahr. Aber das gilt auch, wenn Gott dunkel und rätselvoll wird. Und dass Gott die Liebe sei, wird für einen Erwachsenen immer ein Glaube auch gegen den Augenschein und gegen alle Erfahrung sein. Wenn ein Mensch leidet, hat das mit Gott zu tun, dessen Gedanken wir nicht kennen, dessen Wege wir nicht verstehen, dessen Absichten uns dunkel sind“, beschreibt Jörg Zink die Glaubensverlegenheit, in die Eltern angesichts der Fragen ihrer Kinder oder eigener Fragen geraten können. Eltern sollten die Frage, wie Gottes Liebe und das Leid denn zusammenpassen, auf keinen Fall übergehen, abwiegeln oder eine Antwort auf „später, wenn du größer bist“ verschieben. Es schafft Vertrauen in die Eltern und in Gott, wenn ein Kind spürt: „Ich darf alles fragen und sagen.“ Es ist für Kinder wichtig zu erleben, „dass auch die großen Erwachsenen nicht für alles eine Lösung haben, dass sie aber trotz aller Rätsel und Schwierigkeiten ihr Vertrauen bewahren“, erklärt Jörg Zink. Und er betont: „Was wir dem Kind sagen, muss so sein, dass es damit älter werden kann.“ Sonst besteht die Gefahr, dass Kinder sich später womöglich vom Glauben ganz verabschieden. Denn sie durchschauen die Halbwahrheiten oder Vertröstungen, mit denen Eltern womöglich die eigene Ratlosigkeit überspielen. Ein „Ich weiß es nicht“ ist hilfreicher als der Versuch, Gott in langatmigen Erklärungen zu rechtfertigen. Auch der oft durchaus berechtigte Hinweis darauf, dass etwa ein Krieg menschengemacht ist, hilft als alleinige Antwort nicht weiter. Denn Kinder fragen oft sehr scharfsichtig nach: „Warum lässt Gott das zu, dass Menschen Krieg machen?“ Ältere Grundschulkinder werden in dem für dieses Alter typischen Gerechtigkeitsempfinden womöglich sogar fragen: „Und warum bestraft Gott die Bösen nicht?“

ZUVERSICHT VERMITTELN

Wie können Eltern nun den Ängsten ihrer Kinder angesichts von Kriegen, Anschlägen oder Katastrophen begegnen? Bei Vorschulkindern ist es wichtig, altersangemessen und liebevoll über das Geschehene zu reden, ohne sie mit zu vielen Informationen und Zusammenhängen zu überfordern. Ältere Kinder sind dagegen sehr an sachlichen Hintergrundinformationen interessiert. Kindgerechte, aber sachlich möglichst genaue Informationen helfen ihnen, sich weniger hilflos und bedroht zu fühlen. Sie tragen dazu bei, dass sie sich ernst genommen und verstanden fühlen. In einem achtsamen Gebet können Eltern und Kinder gemeinsam aussprechen, was sie bedrückt. Dabei sollte aber nicht die Bitte um den eigenen Schutz ganz oben anstehen. Schon Kinder haben einen eigenen Zugang zu einer Form des Gebetes, in der vor Gott die Fragen und die Klage darüber ausgesprochen sind, dass Menschen leiden und in dem sie für die Menschen bitten, die sich nach einem Leben ohne Krieg, Krankheit und Katastrophen sehnen. Auch der Dank dafür, dass es Menschen gibt, die sich für Frieden, Versöhnung und Hilfe einsetzen, und der Dank für ein Leben, das bisher vor dem Schlimmsten bewahrt geblieben ist, haben hier Raum. Eine Garantie dafür, dass Katastrophen im eigenen Leben außen vor bleiben, gibt es nicht. Zuversicht, Vertrauen ins Leben und Hoffnung zu vermitteln, wird am besten dort gelingen, wo es tragfähige Beziehungen gibt und wo kleine und große Kinder erleben: Wir leben nicht davon, dass uns Sicherheit garantiert ist, sondern davon, dass jemand an unserer Seite steht – komme, was mag. Wo das in einer Familie vermittelt und geglaubt wird, werden Kinder auch den Mut und die Tatkraft entwickeln, in einer widrigen Welt zu leben und zu lieben.

Karin Vorländer ist Journalistin und Religionspädagogin. Sie ist verheiratet, hat vier erwachsene Söhne und lebt in Nümbrecht bei Köln.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/02/Solstock_GettyImages-481453304-scaled.jpg 2000 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2022-02-24 14:06:532022-02-24 14:06:53„KANN DAS AUCH BEI UNS PASSIEREN?“

„Ich vermisse unseren Sohn“

„Unser Sohn ist ausgezogen. Nun drehen sich meine Gedanken den ganzen Tag darum, was er gerade macht, vor welchen Schwierigkeiten er stehen könnte und ob ich ihm helfen sollte. Ich weiß, dass ich loslassen muss, aber es fällt mir schwer. Wie kann ich es lernen?“

Unsere Kinder in die Selbstständigkeit zu entlassen, ist ein wichtiger und oft auch schmerzhafter Prozess. Er vollzieht sich in vielen kleinen Schritten, die schon früh beginnen: Das erste Mal allein im Kindergarten, das erste Mal allein zu Fuß zur Schule gehen, das erste Mal allein zum Zahnarzt – all das sind wichtige Meilensteine. Wenn eines der wichtigsten Erziehungsziele ist, dass aus den Kindern selbstständige, verantwortungsvolle Menschen werden, die ihren Platz in der Welt finden, ist jeder dieser Schritte ein Grund zur Freude. Es ist eine wichtige Aufgabe von uns Eltern, unsere Kinder darin zu fördern und diese Dinge nicht für sie zu erledigen.

Vermeiden Sie zu häufige Telefonate!

Wenn dann der große Schritt des Auszugs nach Ausbildung oder Abitur kommt, sind die jungen Erwachsenen hoffentlich gut darauf vorbereitet, auch die nächsten Schritte zu gehen: eine passende WG aussuchen, sich in einer neuen Stadt orientieren, dafür sorgen, dass man genug zu essen im Kühlschrank hat, Menschenkenntnis in den vielen neuen Begegnungen anwenden … Wer seine Kinder darauf in den ersten 20 Jahren vorbereitet hat, hat gute Grundlagen gelegt.

Für die meisten Kinder ist der Auszug ein großes Abenteuer und eine aufregende Zeit, die sie genießen und zelebrieren. Das sollten wir ihnen gönnen und uns über die Erfolge freuen. Widerstehen Sie auf jeden Fall der Versuchung, mehr als einmal in der Woche anzurufen oder unablässig Nachrichten zu schicken. Telefone funktionieren in beide Richtungen. Wenn es unlösbare Fragen gibt, wird Ihr Sohn sich schon melden.

Loslassen ist ein Trauerprozess

Und trotzdem bleibt die innere Unruhe und Trauer. Ja, es ist wirklich ein Trauerprozess, den wir als Eltern durchlaufen. Vom Nicht-wahr-haben-Wollen („Mein Sohn kommt ja noch ganz oft nach Hause, das Kinderzimmer lassen wir so, wie es ist“) über eine gewisse Wut („Anderes ist ihm jetzt viel wichtiger als ich, obwohl ich alles für ihn getan habe“) bis zum Einrichten in die neue Situation, die ja auch Angenehmes hat. Aber zunächst muss ich loslassen. Ich konnte meine Kinder viele Jahre umsorgen und mich für sie einsetzen, aber jetzt weiß ich nicht mehr, wo sie sich Tag für Tag genau aufhalten und wie es ihnen geht.

Die Beziehung zum Kind wird nicht mehr die gleiche sein wie vorher. Allein das anzunehmen, kostet Kraft und Zeit. Mir persönlich hat es geholfen, Sorgen und Ablösungsschmerzen bei Gott abzugeben. Ihm konnte ich sowohl die Sicherheit meiner Kinder als auch meinen eigenen Schmerz anvertrauen. Kontrolle, Klammern und ständiges Nachfragen sind dagegen keine Option. Wir werden als Eltern aber auch auf uns selbst geworfen, wenn die Kinder ausziehen: Eine neue Lebensphase beginnt, in der wir viel Freiheit haben. Wie will ich diese Lücke füllen? Was kommt jetzt für mich als Vater oder Mutter? Es dauert meistens eine ganze Weile, bis man darin etwas Positives entdecken kann.

Anke Kallauch ist Referentin für Kindergottesdienst im Bund Freier evangelischer Gemeinden und Mutter von drei erwachsenen Kindern. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/sohn_vermissen.jpg 1764 1296 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-02-23 10:40:402022-01-19 18:00:09„Ich vermisse unseren Sohn“

Was tun? Plötzlich benutzt Sohn (13) Beleidigungen seines Lieblings-YouTubers

Influencer beeinflussen Jugendliche ganz natürlich. Aber was tun, wenn sie sich auch schlechte Angewohnheiten abschauen?

„Mein Sohn (13) nutzt häufig Redewendungen, die er sich scheinbar von seinen Lieblings-YouTubern abgehört hat. Das sind zum Teil aber Formulierungen, die ich nicht okay finde, weil sie zum Beispiel abwertend sind. Wie kann ich da passend reagieren?“

Ich kann gut verstehen, dass Sie die eine oder andere kopierte Formulierung Ihres Sohnes als abwertend oder verletzend wahrnehmen. Und dass Sie sich wünschen, dass Ihr Sohn so nicht mit Ihnen oder anderen Menschen redet. Ich finde allerdings als ersten Schritt wichtig zu verstehen, dass er das vermutlich nicht macht, um jemanden bewusst abzuwerten, sondern um so zu sein wie sein Vorbild.

Kinder brauchen Vorbilder

Vorbilder sind für Teenager extrem wichtig, um eigene Positionen entwickeln zu können. Neben uns Eltern, die wir automatisch als Vorbild für unsere Kinder dienen, suchen sich Kinder spätestens mit dem Schulstart weitere Vorbilder. Das ist normal, gut und wichtig. Bei der Auswahl eines Vorbildes spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: eine wahrgenommene Ähnlichkeit, der wahrgenommene Erfolg des Vorbildes und die Überzeugung, dem Vorbild nacheifern zu können. Natürlich werden auch Sätze und Verhaltensweisen und häufig auch der Kleidungsstil und das Styling des Vorbildes kopiert.

Gleichzeitig lernen Teenager auch, sich mit ihrer eigenen Meinung gegen andere, wie auch ihre Vorbilder, abzugrenzen. Diese Fähigkeit, eine eigene Meinung zu haben, diese zu äußern und das eigene Verhalten zu reflektieren, muss sich Stück für Stück entwickeln. Dabei können Eltern ihre Kinder unterstützen, aber bitte nicht mit der Brechstange oder mit Verboten, sondern liebevoll und geduldig.

Gemeinsam Videos schauen

Eine Möglichkeit, mit Ihrem Sohn ins Gespräch zu kommen, wäre es, mit ihm gemeinsam ein Video seines Lieblings-YouTubers zu schauen. So zeigen Sie Interesse an dem, was Ihrem Sohn wichtig ist. Und Sie können herausfinden, in welchem Zusammenhang die Formulierungen im Original verwendet werden. Nach dem gemeinsamen Anschauen könnte folgende Frage ein Gespräch eröffnen: „Was fasziniert dich so an [Name vom Lieblings-YouTuber]?“ Jetzt gilt es, zuzuhören und die Meinung Ihres Kindes stehen zu lassen. Schätzen Sie wert, was Ihnen selbst imponiert hat.

Im Anschluss könnten Sie fragen: „Gibt es auch irgendwas, was du an [Name] oder an seinen Videos blöd oder komisch findest?“ Diese Frage führt dazu, dass Ihr Sohn die Videos seines Vorbildes bewusst reflektiert. Und selbst wenn er keine Antwort darauf hat oder alles gut findet, stößt es einen wichtigen Reflexionsprozess an. Anschließend können Sie selbst sagen, was Sie an dem Video irritiert hat, wie zum Beispiel die abwertenden Formulierungen.

Greifen Sie aber nicht das Vorbild Ihres Sohnes an, sondern helfen Sie Ihrem Sohn, seine eigene Meinung zu bilden und sein Verhalten zu reflektieren. Das ist sicherlich ein langsamerer Weg, als bestimmte Aussagen zu verbieten, aber gleichzeitig eine große Hilfe für Ihren Sohn, sich zu einer eigenständigen und selbstbewussten Person zu entwickeln.

Johannes Krupinski ist Referent für Teenager in einem Gemeindeverband. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/02/family_jugendlicher.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-02-22 16:01:392022-02-22 16:01:39Was tun? Plötzlich benutzt Sohn (13) Beleidigungen seines Lieblings-YouTubers

Enttäuscht von meinem Kind

Gerade, wenn sie erwachsen werden, entsprechen Jugendliche oft nicht dem Bild, das ihre Eltern von ihnen haben. Stefanie Diekmann über die schädliche Dynamik der Enttäuschung und wie wir sie durchbrechen können.

Die kleinen Dinge des Alltags geben dem Zusammenleben von Eltern und Jugendlichen immer wieder ganz neue Facetten. Bei uns jedenfalls. Neue Themen fordern neu heraus: Freundschaften verändern sich, Lieblingsessen sind plötzlich tabu und Familienrituale „laaangweilig“. Der Support beim Jeanskauf ist jetzt überlebenswichtig, wie auch die offene Tür für Wochenendbesuche. Zu vielen Themen finden Eltern Rat in Online-Artikeln oder Messenger-Gruppen. Zu einem Thema habe ich jedoch wenig gefunden: die Enttäuschung über unser Kind. In manchen Momenten ist mir mein Kind innig vertraut und herzensnah. In vielen Situationen leben wir das mit einer unaufgeregten Vertrautheit. Je älter das Kind und je deutlicher sichtbar die Persönlichkeit durch ausgedrückte Emotionen und Handlungen wird, desto mehr greift aber die Dynamik der Enttäuschung.

UNERFÜLLTE WÜNSCHE

Aber darf ich als Mutter enttäuscht von meinem eigenen Kind sein? Vorsichtig teste ich und formuliere eher: „Ich mache mir Sorgen …“ oder „Ich verstehe nicht, warum …“. Der Austausch über Enttäuschungen ist scheu wie eine Maus in unserer Abstellkammer. Ich wage es nur selten, meine Gedanken über meine innere Zerrissenheit zu teilen. Ich bin nicht gewohnt, über wirkliche Herzensthemen zu sprechen. Ja, über das unaufgeräumte Teenie-Zimmer reden – das geht. Aber tiefergehende Gedanken behalte ich lieber für mich. In der Psychologie gibt es eine Sicht auf diese Irritation zwischen mir und dem gleichzeitig fremden und so nahen Kind. Die Definition des Begriffes Enttäuschung ist da– rauf zurückzuführen, dass die Betroffenen darunter leiden, dass ihre Wünsche oder Hoffnungen nicht in Erfüllung gegangen sind. Wenn die Wünsche der Eltern nicht erfüllt wurden, entsteht bei ihnen Kummer.

INNERE BILDER

Das kenne ich von kleinen Alltagsmomenten: Lange schon fordert mich heraus, dass ich einen unsicheren jungen Mann am Tisch habe. Menschen irritieren ihn, fordern ihn, und ich habe keine Ahnung, ob er eine Meinung zu bestimmten Themen hat. Alle Tipps aus Internetforen und von Freunden greifen nicht. Wenn ich ehrlich bin, eskaliert es schon in mir, wenn ich spüre, dass unser Kind sich im Raum näher zu mir orientiert. Immer wieder bekomme ich Rückmeldungen, wie wichtig es sei, dass ich meinen Heranwachsenden zu Mut ermutige. Ich möchte meinen Part gut erfüllen und habe das Gefühl, mein schweigender, kopfschüttelnder, abwehrender und farbloser Sohn tut das nicht. Harte Worte? Er soll bald im Beruf stehen, gehört werden, eine Beziehung gestalten. Wie? So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Nach überstandenen Stresssituationen sammelt sich in mir eine Mischung von Erschöpfung und Ratlosigkeit, die mich in meinem mütterlichen Handeln lähmt. Das innere Bild von meinem Jugendlichen nehme ich mit zur nächsten Großfamilienfeier, wo jede und jeder meinen Sohn ausfragt und kaum Antworten bekommt. Das Bild wird verstärkt beim Besuch im Museum, wo mein Sohn murrt und keine Ruhe zum Verweilen hat. Ich schlucke den Frust des Tages herunter und will mein verspanntes Herz ausschütteln, nur um festzustellen: Das Gefühl der Verunsicherung und des inneren Abwehrens klebt an mir.

GEDANKENSPIRALE

Die Dynamik der Enttäuschung kann vor allem zerstörerisch sein, wenn ich nicht hinsehe. Die inneren Enttäuschungsmomente führen mehr und mehr in eine Gedankenspirale der Distanz. Und diese Distanz spürt mein Kind als Verunsicherung. Sogar vor Gott, dem ich doch vertraue, fällt es mir schwer, ehrlich zu sein. Ich bin enttäuscht. Es läuft nicht. Das kann vieles sein: Mein Kind ist nörgelig oder unmusikalisch oder ängstlich oder unfreundlich oder unsportlich … Dabei ist es wichtig, meine Enttäuschung anzusehen und auszusprechen. Wenn ich wegsehe, machen mich die gesammelten Enttäuschungsmomente immer weniger liebesfähig. Enttäuschungen haben so viel mit meinen Hoffnungen, Wunschvorstellungen und Erwartungen zu tun. Bei Enttäuschungen handelt es sich um eine subjektive Wahrnehmung. Das bemerke ich allein dadurch, dass mein Mann ganz anders mit bestimmten Situationen umgeht. Es ist wichtig, meine Emotionen, Erwartungen und Handlungen zu verstehen, um letztendlich meinen Frieden mit der ungewohnten Enttäuschung zu schließen. Ich wäre so gern verständnisvoll. Ich verstehe gerade mein Kind nicht. Ich hatte es mir anders vorgestellt. Je mehr ich meinen Kummer vor Gott ausbreite, desto mehr fällt mir mein „Ich“ auf. Ja, mein Kind ist vom Charakter und vom Handeln her anders, als ich es mir ausgemalt habe. Es geht aber tatsächlich um mich in dieser schmerzhaften Herzensverkalkung.

 

Die Entwicklung einer Persönlichkeit ist keine Gleichung: Liebe rein – Charakter raus.

Stefanie Diekmann

 

EIGENE ERWARTUNGEN

Die Dynamik der Enttäuschung hat etwas mit meinem Bild von meinem Kind und besonders mit meinem Bild von mir als Mutter zu tun. Die Enttäuschung fühlt sich so an, als würde ich meinen eigenen Erwartungen nicht gerecht. Hinter jeder Enttäuschung steckt meine persönliche Hoffnung oder ein Versprechen, das nicht in Erfüllung gegangen ist. Die ursprüngliche Erwartung war demnach höher als das tatsächliche Ergebnis. Und spätestens hier werde ich wach: Die Beziehung zu meinem Kind ist für mich keine abrufbare Investition. Sie ist ein offener Prozess voller Nähe- und Distanzübungen. Wenn nun diese Dynamik der Enttäuschung erneut loslegen will, möchte ich mich hinterfragen: Die Entwicklung einer Persönlichkeit ist keine Gleichung: Liebe rein – Charakter raus. Eine Idee oder ein Plan können sich ändern, Misserfolge können passieren. Das sind die natürlichen Aufs und Abs des Lebens. Situationen, die nicht meinen Erwartungen gerecht wurden, sollten nicht immer als eine komplett negative Situation gewertet werden. Ich darf in jeder Zeit versuchen, der Situation etwas Positives abzugewinnen und es als Chance für Eltern und Kind zu betrachten. Ich möchte versuchen, den irritierenden Charakterzug oder die Situation objektiv zu beurteilen und zu hinterfragen: Schadet das Verhalten meinem Kind? Was erzählt mir mein Kind mit seinem Agieren? Als Mutter kann ich Vorbild sein und einen Platz zum Austausch unserer Gefühle finden, um diese zu verarbeiten. Zusammen mit dem Jugendlichen oder bewusst ohne ihn, nur für mich.

SCHRITTE AUS DEM SCHWEIGEN

Um einen Schutzraum der Entwicklung zu gestalten, verzichte ich auf negativ festlegende Gedanken und Aussagen über mich. Mich als Mutter an den Pranger zu stellen und mir Vorwürfe zu machen, belastet nicht nur mich, sondern auch die Nähe zum Kind. Wenn Erwachsene zu ihren Eltern befragt werden, wird oft ein Gefühl benannt, das aus der Dynamik der Enttäuschung entstanden ist: „Ich konnte meinen Eltern nichts recht machen.“ „Meine Eltern hatten sich ihren Sohn wohl anders vorgestellt!“ Das will ich nicht. Um Annahme und Begleitung zu verbinden, gebe ich meine Vorstellungen, Hoffnungen und Wünsche ganz bewusst an Gott zurück. Ich ringe um ein Miteinander im Heute, das meinem tastenden Jugendlichen ermöglicht, sich angenommen und geliebt zu wissen und dennoch Hinweise von mir zu prüfen oder eine Rückmeldung gewinnbringend zu verarbeiten. Diese Tatsache zwingt mich zu manchmal schmerzhaften Übungen im Alltag: Ich lächle meinen Jugendlichen an, wenn er den Raum betritt.mIch kommentiere das Agieren meines Sohnes nicht, es sei denn, er fragt mich. Ich frage: Wie ging es dir? Was schlägst du vor? Vielleicht finden wir zusammen so eine Idee für mutige Schritte aus dem Schweigen. Solange bleibe ich in der Übung, das Gute zu sehen und zu benennen. Solange, bis es meinen Sohn über Unsicherheiten hinwegträgt. PS: Unser Sohn ist charakterlich nicht wie der skizzierte Sohn. Wir haben andere Themen miteinander, die aber nicht öffentlich zu lesen sein werden.

Stefanie Diekmann ist Gemeindereferentin in Göttingen, verheiratet und Mutter von drei (fast) erwachsenen Kindern.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/fizkes_GettyImages-1270843155-scaled.jpg 2000 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-02-20 11:00:492022-01-19 17:59:52Enttäuscht von meinem Kind

„Ist er neidisch?“

„Mein Sohn (17) und meine Tochter (15) sind total unterschiedlich: Während er der zurückhaltende Typ ist, kaum Hobbys hat und mittelmäßige Schulnoten, ist sie aufgeschlossen, sehr beliebt und in der Schule ein Ass. Er verhält sich ihr gegenüber oft beleidigend und ausgrenzend. Meine Tochter fühlt sich deshalb oft verletzt. Wir haben das Gefühl, dass er neidisch ist. Wie können wir den beiden helfen, miteinander klarzukommen?“

Geschwister sind neben den eigenen Eltern die ersten Menschen, mit denen wir es alltäglich zu tun haben. Vom ersten Tag an rivalisieren wir mit den Geschwistern um die Gunst der Eltern.

Die Frage, ob das jüngere Geschwisterchen den älteren Bruder, die ältere Schwester vom Gunst-Thron bei den Eltern stößt, verführt ältere Geschwister oft genug dazu, die eigene Macht hinterrücks zu demonstrieren. Da wird geschlagen und gemobbt – häufig, wenn die Eltern gerade nicht hinschauen. Gleichzeitig wissen nachgeborene Kinder meist sehr genau, was sie tun müssen, um den Beschützerinstinkt bei den Eltern zu wecken. Deshalb flüchten sie sich gern in eine Opferrolle, in der sie zeigen, wie gemein der ältere Bruder, die ältere Schwester ist. Sie verstehen es auch, sich in Szene zu setzen als kleiner Prinz oder kleine Prinzessin.

INTERESSE ZEIGEN

Ihre Kinder sind jedoch alt genug, um zu wissen, wie sie miteinander umgehen sollten. Vielleicht ist der große Bruder gar nicht neidisch auf die Erfolge seiner kleinen Schwester, sondern darauf, wie diese Erfolge bei den Eltern, also Ihnen, ankommen. Natürlich sind Sie stolz auf Ihre Tochter, weil sie viele Freunde hat und ein schulisches Ass ist. Das würde alle Eltern glücklich machen. Aber da ist auch Ihr Sohn. Auch er hat Hobbys. Vielleicht nicht so weltbewegende. Möglicherweise sind es Interessen, mit denen Sie nichts anfangen können? Versuchen Sie es trotzdem. Interessieren Sie sich für das, was ihn bewegt. Nehmen Sie an der Welt Ihres Sohnes teil. Wenn er merkt, dass er genauso viel wert ist wie Ihre Tochter, ist es für ihn nicht mehr so wichtig, die Schwester herabzusetzen. Ja, vielleicht ist er im Augenblick tatsächlich neidisch. Wenn er allerdings keinen Grund mehr dafür hat, fällt es ihm leichter, diesen Neid zu überwinden.

STÄRKEN AUFZEIGEN

Sicherlich lieben Sie Ihre Kinder in gleicher Weise – zumindest sind Sie dieser Ansicht. Trotzdem reagieren Sie vielleicht unterschiedlich auf die sportlichen Erfolge und die Noten Ihrer Kinder. Wenn Ihre Tochter eine Eins nach Hause bringt – sind Sie da nicht enthusiastischer, als wenn Ihnen der Sohn eine Vier unter die Nase hält? Doch denken Sie daran, dass Ihr Sohn für die Vier trotzdem hart gearbeitet hat! Zeigen Sie Ihrem Sohn seine Stärken auf (auch Zurückhaltung ist eine Stärke), dann hat er keinen Grund mehr, Ihre Tochter auszugrenzen. Es ist harte Realität, dass die wenigsten von uns Überflieger sind. Wir sind nicht alle gleich. Aber wir sind alle gleichwertig. Das zu erkennen, darin liegt die eigentliche Größe – für jeden von uns.

Ingrid Neufeld hat als Erzieherin zuletzt mit Flüchtlingskindern und deren Eltern gearbeitet. Nun genießt sie ihren Ruhestand als Mutter von drei erwachsenen Töchtern und zwei Enkeln. Sie lebt bei Bamberg. Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/geschwister.jpg 1764 1368 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-02-17 10:00:232022-01-19 17:47:07„Ist er neidisch?“
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