Beiträge

Beruflicher Neustart: So gelingt der Bewerbungsprozess

Mit der Einladung zu einem Gespräch geht der Bewerbungsprozess erst richtig los. Carmen Gladhofer erklärt, wie man sich vorbereitet.

Was dich bei einem Bewerbungsgespräch erwartet, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Für Stellen, auf die es eine Vielzahl an Bewerbern gibt oder wenn mehrere Stellen vergeben werden, findet zu Beginn häufig ein Assessment Center (AC) statt. In einem größeren Unternehmen kann ein solches AC wie folgt ablaufen:

Es werden zeitgleich mehrere Bewerberinnen und Bewerber eingeladen, die auf mehrere Bewerter aus dem Unternehmen treffen. Vorgeschaltet erfolgt oft ein erstes Interview – gern auch online. Im AC sind unterschiedliche Bewerbungselemente zusammengefasst: In der Regel besteht die Möglichkeit zur kurzen Selbstpräsentation. Zudem muss man sich Einzel- und/oder Gruppenaufgaben stellen, die inhaltlich auf den ersten Blick nichts mit der eigentlichen Aufgabe zu tun haben müssen, sondern auf andere Kompetenzen abzielen, zum Beispiel die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, die Problemlösungskompetenz, Umgang mit Stresssituationen … Abschließend erfolgt häufig ein individuelles Gespräch oder Interview zur Reflexion des Tages oder zur Klärung von offenen Fragen.

Vorgeschaltet, ergänzend oder integriert in das AC oder sonstige Bewerbungsrunden sind mitunter kognitive Leistungstests. Diese Tests werden, je nach Stelle und geforderten Kompetenzen, individuell zusammengestellt. Normalerweise kannst du diese online durchführen. Suche dir dafür einen ruhigen Ort und einen Zeitpunkt aus, an dem du dich gut konzentrieren kannst, denn sie enthalten oft zeitliche Restriktionen. Es gibt eine Vielzahl an kognitiven Kompetenzen, die getestet werden können: beispielsweise die Analyse deiner Wahrnehmung, logisches Schlussfolgern, Gedächtnisleistung, Bearbeitungsgeschwindigkeit …

Diese Leistungsdiagnostik findet Eingang in Bewerbungsprozesse, um die einstellenden Personen mit objektiven Daten im weiteren Auswahlprozess zu unterstützen. Das soll Einstellungen aufgrund des „Nasenfaktors“ verhindern. Idealerweise werden die Ergebnisse für eine Reflexion im gemeinsamen Bewerbungsprozess genutzt, und du erhältst die Resultate im Anschluss an die Bewerbungsrunde. Das Internet bietet eine Vielzahl von Beispielen dazu.

Gut vorbereitet ins Interview

In den meisten Fällen besteht allerdings die erste Runde im Bewerbungsprozess aus einem Interview – entweder online oder persönlich vor Ort. Für Online-Interviews setze dich vorab mit der Technik auseinander, sodass das Gespräch mit einer guten Bild- und Tonqualität sowie in einer ruhigen Atmosphäre stattfinden kann. Dies gibt dir, im Falle von technischen Schwierigkeiten, ein souveränes Gefühl. Ansonsten darfst du dich, so wie in einem Präsenzinterview auch, im Hinblick auf deine Getränke, Kleidung und Schreibmaterialien entsprechend vorbereiten. Wenn du sprichst, versuche, in die Kamera zu schauen und weniger stark auf deinen Gesprächspartner auf dem Bildschirm. Je nachdem, wo deine Kamera positioniert ist, kann der Interviewer dich so besser sehen.

Mit wem du es im Interview zu tun hast? Je kleiner das Unternehmen und je flacher die Hierarchien, desto eher wirst du schon in der ersten Runde direkt mit deinem potenziellen Vorgesetzten in Kontakt kommen. Es kann aber auch sein, dass du in der ersten Runde auf den Personaler des Unternehmens triffst. Oder auf ein Team aus Personal- und Fachabteilung. Welches Setting es auch ist: Lass dich davon nicht irritieren!

So kann ein Interview ablaufen

Auch wenn sich der Aufbau von Bewerbungsrunden bei Arbeitgebern unterscheidet, kann man anhand gewisser Aspekte erkennen, ob es sich um ein professionell vorbereitetes Interview handelt: Deine Gesprächspartner sind auf dich vorbereitet. Sie haben deine Unterlagen gelesen, sich mit dir auseinandergesetzt, und sie folgen einem strukturierten Ablauf. Das heißt, sie lassen dich nicht nur standardmäßig deinen Lebenslauf rezitieren, deine größten Stärken und Schwächen benennen, abschließend ein paar Fragen stellen und flankieren das Gespräch ansonsten mit eigenen Geschichten. Sondern sie stellen sich kurz selbst, das Unternehmen sowie die zu besetzende Stelle vor und verwenden anschließend den größten Teil der Zeit auf dich.

Sie führen dafür, nach einer kurzen (!) Selbstvorstellung deinerseits, ein zielgerichtetes Interview durch. Dabei prüfen sie fokussiert diejenigen Kompetenzen ab, die sie in der Ausschreibung für die Durchführung der beschriebenen Aufgaben gefordert haben. Beispielsweise durch:

  • Reflexionsfragen zu Kompetenzen: „Bei welcher Aufgabe konnten Sie Ihr Organisationstalent besonders gut unter Beweis stellen? Warum?“
  • Analogiefragen zu deinem Privatleben: „Sie werden bei uns kreative Lösungen finden müssen und attestieren sich dies im Anschreiben. Auf welche kreative Lösung aus der Vergangenheit sind Sie besonders stolz?“
  • Selbsteinschätzungen: „Auf einer Skala von 1-10 (10 = höchste Ausprägung): Wie schnell lassen Sie sich aus der Ruhe bringen? Wovon?“
  • Durchspielen von Fallbeispielen und möglichen Reaktionen: „Ein Kunde wird persönlich ausfallend, weil er mit der erbrachten Leistung des Unternehmens nicht zufrieden ist. Wie reagieren Sie? Wie fühlen Sie sich in solch einer Situation?“
  • Provokative Rückfragen zu Äußerungen deinerseits

Zudem kommen abschließend vermutlich Fragen zum Arbeitgeber: Beispielsweise:

  • „Warum möchten Sie gerade bei uns arbeiten?“
  • „Wie möchten Sie als Mitarbeiter/Mitarbeiterin geführt werden?“
  • „Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit einem Team wichtig?

Dabei gilt: Lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Frag nach, wenn du eine Frage nicht richtig verstanden hast. Sei ehrlich, wenn du keine wirkliche Antwort auf eine Frage findest. Und sei auch selbstkritisch, sofern es angebracht ist. Abschließend gibt es in der Regel die Möglichkeit für Fragen deinerseits. Diese können sich beispielsweise auf das Unternehmen, das Team oder die konkrete Aufgabe beziehen. Das Gespräch endet meist mit einem zeitlichen Ausblick auf mögliche Entscheidungen sowie eventuellen Inhalten von Folgerunden.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass du im Rahmen eines ersten Gespräches noch kein finales Jobangebot erhältst. Mittlerweile ist es eher üblich, eine Folgerunde stattfinden zu lassen. Dies können neben den zuvor beschriebenen Verfahren auch eine Präsentation, Probearbeiten oder Ähnliches sein. All dies ist stark abhängig vom Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle.

Mindset und Vorbereitung

Solltest du das Gefühl haben, dass es an einer Stelle nicht gut gelaufen ist: Mach dich deswegen nicht verrückt! Ein Unternehmen entscheidet sich immer aufgrund einer Vielzahl an Eindrücken. Sollte eine Absage dennoch mit spezifischen Situationen begründet werden, halte dir vor Augen: Es sind immer nur Momentaufnahmen in einem speziellen Setting, in dem es diesmal nicht so gut gelaufen ist. Es ist aber niemals eine Wertung über dich und deine Persönlichkeit!

Wenn du bemerkst, dass du vor oder nach einer Bewerbung mit den immer gleichen Gedanken konfrontiert wirst, kann es sein, dass dich ein negativer Glaubenssatz belastet. So etwas wie: „Die anderen sind alle viel besser als ich.“ Oder: „Ich werde nie einen neuen Job finden.“ Dies sind Aussagen, die du irgendwann als vermeintliche Wahrheit über dich verinnerlicht hast. Das Problem dabei: Sie sind nicht die Realität, und sie wirken sich auf dich, dein Selbstbewusstsein und möglicherweise auf dein Verhalten im Bewerbungsprozess aus.

Die Bearbeitung von negativen Glaubenssätzen ist ein wichtiger Aspekt. Ansonsten heißt es in der Vorbereitung, sich mit dem Arbeitgeber und der möglichen Aufgabe zu beschäftigen, eine aussagekräftige Selbstpräsentation zu üben, zu überlegen, welche Kompetenzen man wie gut und auf welche Art und Weise einbringen kann und angemessene Fragen vorzubereiten. Für den Fall, dass es sich um ein international tätiges Unternehmen handelt: Eigne dir das wichtigste Fachvokabular sowie deinen Lebenslauf in der englischen Sprache an.

Einen Moment innehalten

Irgendwann geht ein Bewerbungsprozess zu Ende, und du hast bestenfalls eine Zusage erhalten. Herzlichen Glückwunsch! Deine Aufregung ist sicherlich groß – du solltest dir dennoch einen kurzen Moment des Innehaltens gönnen. Gehe zurück zu den Inhalten aus Teil 1 und 2 dieser Serie. Reflektiere die Gefühle, die du während des gesamten Bewerbungsprozesses mit dem potenziellen Arbeitgeber hattest. Und nimm diese – trotz aller Euphorie – ernst.

Frag dich, ob du mit dem angebotenen Job eine berufliche Mission formulieren kannst, die auf die Vision von deinem Leben einzahlt. Die gut zu denjenigen Kompetenzen passt, die dir besondere Freude bereiten. Die deinen Werten für eine produktive Zusammenarbeit entspricht. Und die stimmig ist mit den wichtigsten Bedürfnissen in eurer Familienkonstellation.

Triff erst dann eine Entscheidung, ob du dich auf den Weg machen möchtest. Falls ja: Viel Erfolg bei deinem neuen Abenteuer! Falls nein: Hab den Mut, auch diese Entscheidung zu treffen, um dann deine wirklich passende berufliche Mission zu finden! Du schaffst das – ganz sicher!

Hier geht es zu Teil 1 der Serie von Carmen Gladhofer: Wie du entscheidest, ob eine berufliche Veränderung ansteht

Hier geht es zu Teil 2: Wie du eine gute berufliche Entscheidung triffst

Hier geht es zu Teil 3: Tipps für deine Bewerbung

Carmen Gladhofer ist Ökonomin, Trainerin und arbeitet in Dortmund als Systemischer (Online-)Coach. Sie bietet Businesscoachings mit dem Schwerpunkt „berufliche Zufriedenheit“ an.

 

Beruflicher Neustart: Praktische Tipps für deine Bewerbung

Wer sich für einen beruflichen Neustart entschieden hat, steht vor praktischen Herausforderungen. Wie du eine Stelle findest und wie die Bewerbung funktioniert, erklärt Businesscoach Carmen Gladhofer.

Auf der Suche nach der passenden Arbeitsstelle kann man erst einmal die einschlägigen großen Online-Jobportale sichten. Hier sind aufgrund der Anzeigenkosten tendenziell eher mittelständische und größere Unternehmen zu finden. Die Portale bieten viele Filtermöglichkeiten wie Umkreissuche, Pendelzeit, Arbeitszeitmodell, Berufsfelder, (Sprach-)Fähigkeiten, gewünschte Anstellungsart, bevorzugte Bewerbungsart …

Wenn es eher um eine Stelle bei kleineren und lokalen Arbeitgebern geht: Bitte andere, die Augen und Ohren offen zu halten. Frage auch selbst bei interessanten Firmen nach. Dies gilt insbesondere, wenn das Unternehmen keine eigene Website hat. Oft vernachlässigt, aber dennoch bei der lokalen Suche hilfreich: Die Angebote bei der Bundesagentur für Arbeit. Diese sind ebenfalls online verfügbar und mit etlichen Filtermöglichkeiten ausgestattet. Auch Anzeigen in der lokalen Presse, in Fachzeitschriften oder spezifische Kongresse bieten die Möglichkeit, themen- oder branchenspezifisch von möglichen offenen Stellen zu erfahren.

Was für große und kleine Arbeitgeber gilt: Hast du ein bestimmtes Unternehmen im Auge, bei dem du dich bewerben willst, dann schau zunächst (sofern vorhanden) einmal auf der Website vorbei. Du hast dich bisher gegen einen Social-Media-Account entschieden? Überlege dir dennoch, dir zeitweise einen Account anzulegen. Das heißt nicht, dass du dort aktiv posten oder kommentieren musst. Zu den Social-Media-Portalen gehören längst nicht nur Instagram, Facebook oder TikTok. Über spezifische Portale mit einem starken Fokus auf Business-Themen wie LinkedIn und (in gewissen Teilen) XING kann man zukünftige Arbeitgeber finden oder zumindest weitere Informationen generieren.

Die richtige Stelle?

Gerade in der Lebensmitte sind viele unsicher, wie denn ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt aussehen. Überspitzt gesagt: Es sollte sich von selbst verstehen, dass man sich als Einsteiger ohne Berufserfahrung eher nicht auf eine Stelle als Geschäftsführer mit entsprechender Berufserfahrung bewerben sollte. Gleichzeitig ist mangelnde Erfahrung für eine Aufgabe auf der nächsten Hierarchiestufe nicht gleich ein No-Go.

Denn aktuell gibt es im Vergleich zu früheren Krisen einen Vorteil für Bewerberinnen und Bewerber: die schrumpfende Gesamtmenge an Arbeitnehmern. So müssen die Unternehmen im Hinblick auf erwartete Qualifikationen und Erfahrungen zwangsweise durchlässiger werden.
Mit der Analyse deiner Situation, die ich dir in Teil 1 und Teil 2 dieser Serie vorgestellt habe, sollte eine Entscheidung, ob du dich auf eine Stelle bewerben willst, deutlich einfacher für dich sein. Beim Lesen der Ausschreibung kannst du folgendes identifizieren:

  1. Welcher Ausbildungsgrad durch eine Ausbildung/Studium/Weiterbildung oder erste/mehrjährige Berufserfahrung ist gefordert?
  2. Was erwartet dich inhaltlich?
  3. Nach welcher Persönlichkeit wird gesucht?
  4. Welche Kompetenzen werden benötigt? Achte dabei besonders auf die Formulierung derjenigen Aufgaben, die mit deiner Persönlichkeit einhergehen. Zum Beispiel:
    „Mit Ihrer offenen Art gewinnen Sie schnell das Vertrauen der Kunden.“
    „Das Finden von pragmatischen Lösungen motiviert Sie.“
    „Die sorgfältige Erstellung der täglich anfallenden Dokumentation.“
    „Erste Führungserfahrung ist wünschenswert.“

Sollte die Stellenbeschreibung sehr kurz gehalten sein, wie zum Beispiel: „Sie erstellen die täglich anfallende Dokumentation“, dann überlege, welche (deiner) Kompetenzen für diese Anforderung hilfreich sind.

Die Bewerbung

Wie das Bewerben genau funktioniert, hängt vom Unternehmen ab. Inzwischen bevorzugen nur noch wenige und eher kleinere Unternehmen die Unterlagen schriftlich als Mappe oder per Mail. Der Grund: Es gibt dort keinen Personaler oder gar ein webbasiertes Bewerbermanagementsystem. Gibt es ein solches aber, sollte dir das keine Sorgen bereiten. Diese Systeme sind recht benutzerfreundlich.

Zum Teil findest du dort Quick-Bewerbungsformulare mit extrem wenigen Fragen. Manchmal sind zu Beginn noch stellenspezifische Fragen vorgeschaltet. Am Ende erhältst du aber in den allermeisten Fällen die Möglichkeit, entweder ein Anschreiben und die individuellen Dokumente wie Lebenslauf (CV) und passende Zeugnisse hochzuladen oder die Informationen in entsprechende Masken einzutragen. Bei allen technischen Möglichkeiten: Arbeite sorgfältig und mache es dem Leser möglichst leicht durch verständliche Dateinamen, Seitensortierung etc.

Du fragst dich vielleicht: Kann ich die Künstliche Intelligenz (KI) nutzen, um ein passendes Anschreiben für meine Bewerbung zu erstellen? KI kann hilfreich sein, die wesentlichen Aspekte einer Stelle herauszufiltern und mit dir und deiner Vita zu verknüpfen. Das Ergebnis „einfach abzusenden“ empfehle ich aber nicht. Denn der im Hintergrund arbeitende Algorithmus nimmt darauf maßgeblich Einfluss und kann wichtige Aspekte anders werten.

Die Vorteile, wenn du selbst schreibst:

  • Du bereitest dich gleichzeitig auf ein potenzielles Bewerbungsgespräch vor.
  • Du lieferst eine passgenaue Bewerbung, mit der du auffällst. Denn ein Personaler merkt, ob jemand sich mit einer konkret formulierten Stellenanzeige auseinandergesetzt hat.

Deshalb:

  1. Pick dir die aus deiner Sicht wesentlichen Aspekte einer Aufgabe heraus und begründe über deine Ausbildung/Studium/Weiterbildung, deine (ggf. auch fachfremden) Erfahrungen, deine Persönlichkeit und damit einhergehenden Kompetenzen, warum genau du mit viel Freude zum (nicht nur monetären) Erfolg des Unternehmens beitragen kannst.
  2. Benenne, warum du genau bei diesem Arbeitgeber arbeiten möchtest (und nicht bei der Konkurrenz). Hier hilft ein Blick auf die Website, um etwas über das Selbstverständnis, die Vision und Werte eines Unternehmens zu erfahren. Mit der in Teil 1 und 2 beschriebenen Analyse deiner Werte kannst du einen Bezug zwischen dir und dem Unternehmen herstellen. Du findest dazu nichts? Überlege, was mögliche Werte eines Arbeitgebers in dieser Branche sein könnten.
  3. Der Lebenslauf ist noch immer ein wichtiger Bestandteil einer Bewerbung. Er sollte die von dir im Anschreiben gemachten Angaben (auch Ehrenamt oder Hobbys) aufgreifen und sich selbstverständlich mit den Angaben aus den Zeugnissen decken. Vorherige Stationen mit Aufgaben oder Kompetenzen, die auch für den zukünftigen Job nützlich sind, können dabei ein wenig umfangreicher dargestellt werden.

Die Zeit des Abwartens

Ist die Bewerbung abgeschickt, heißt es Abwarten. Dies kann leider dauern. Wie die Auswertung von Bewerbungen abläuft, unterscheidet sich zum Teil auch innerhalb eines Unternehmens erheblich. Eine häufige Frage lautet: „Soll ich den Personaler anrufen und den Stand der Dinge erfragen?“ Die Antwort heißt: „Es kommt darauf an – auf die einstellende Person, die aktuelle Situation im Unternehmen und die konkrete Frage.“ Anders ausgedrückt: In der Regel sind die Personaler mit ihrer täglichen Arbeit gut ausgelastet. Wichtige Fragen werden aber, auch im Sinne der Arbeitgeberattraktivität, immer gern beantwortet. Was sind nun wichtige Fragen?

  • Rückfragen, um herauszufinden, ob die zu erfüllenden Aufgaben oder erwarteten Anforderungen zueinander passen könnten
    Organisatorische Details abklären (zum Beispiel zur Vakanz einer Stelle)
  • Rückfragen zum Stand der Bewerbung mehrere Wochen nach dem Ende der Bewerbungsfrist

Von Anrufen, um sich „ins Gespräch zu bringen“ oder Überzeugungsreden in eigener Sache würde ich absehen. Sie sind meist leicht zu enttarnen und hinterlassen schlimmstenfalls einen schalen Beigeschmack.

Die Zeit des Wartens ist anstrengend und nervenaufreibend – gerade, wenn du auf deine vermeintliche Traumstelle gestoßen bist. Ich rate dennoch davon ab, den Bewerbungsprozess jetzt einzustellen. Denn: Bis es zu einer Einstellung kommt, sind noch einige Hürden zu nehmen. Schlimmstenfalls ist viel Zeit verloren, wenn du abwartest, ob diese eine Bewerbung wirklich zum Erfolg führt. Also nutze die Zeit! Du kannst nur gewinnen.

Hier geht es zum nächsten Teil der Serie von Carmen Gladhofer: Wie der Bewerbungsprozess gelingt

Hier geht es zu Teil 1: Wie du entscheidest, ob eine berufliche Veränderung ansteht

Hier geht es zu Teil 2: Wie du eine gute berufliche Entscheidung triffst

Carmen Gladhofer ist Ökonomin, Trainerin und arbeitet in Dortmund als Systemischer (Online-)Coach. Sie bietet Businesscoachings mit dem Schwerpunkt „berufliche Zufriedenheit“ an.

Beruflicher Neustart: So triffst du eine gute Entscheidung

Die Lebensmitte bietet die Chance, sich beruflich neu zu orientieren. Businesscoach Carmen Gladhofer erklärt, worauf es in der Entscheidungsphase ankommt.

Im ersten Teil meiner Artikelserie ging es um das Nachdenken über den Status quo. Er endete mit der Aufforderung, zunächst eine eigene Vorstellung im Hinblick auf das weitere berufliche Leben zu entwickeln, bevor es um die gemeinsame Entscheidungsfindung als Paar geht. Die Grundlage dafür bildet die jeweilige Vision des Lebens und die berufliche Mission.

Die Vision deines Lebens

Deine Vision entspricht einem Bild davon, wie du dir die Welt, in der du lebst, im Idealfall vorstellst. Eine Vision hat Zugkraft für dich. Oft bezieht sich die Vision auf einen bestimmten Teilaspekt der großen Themen dieser Welt. Beispiel: Klima, Gerechtigkeit, Hunger, Konflikte, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Bildung, technologischer Fortschritt … Es ist ein Thema, das dich in deinem Leben immer wieder bewegt, begeistert oder aufrüttelt.

Beispiel Klimaschutz: Dieses Thema ist dir in der Gestaltung deines Alltags sehr wichtig – bei möglichen Anschaffungen, deiner Einrichtung oder der Wahl des Arbeitgebers. Dir fällt es nicht schwer, dich diesem Thema zu stellen. Es bereitet dir sogar Freude – sehr im Unterschied zu anderen Personen. Wenn es nach dir ginge, würden sich alle Menschen ähnlich verhalten. Daher ist eine Vision auch die Beschreibung des Idealzustandes. Denn fairerweise solltest du anderen zugestehen, dass sie ein eigenes Thema haben, für das sie brennen. Warum hilft dir eine Vision dennoch?

Irgendwann reicht es nicht mehr, nur punktuelle Veränderungen bei beruflicher Unzufriedenheit vorzunehmen. Zumindest dann nicht, wenn du nachhaltige Ruhe und Zufriedenheit anstrebst. Dann ist es wichtig zu verstehen, was dich tief in deinem Inneren antreibt, welche Vision deine ist und wofür du brennst, damit du dies auch bei deiner Jobwahl berücksichtigen kannst. Ein Beispiel für eine Vision bezogen auf das Thema Bildung könnte sein: Du trägst die Vision von einer Welt in dir, in der es allen Menschen möglich ist, zu lernen.

Deine berufliche Mission

Deine berufliche Mission ist eine Konkretisierung deiner Vision zum aktuellen Zeitpunkt. Sie zahlt auf deine Vision vom Leben ein – unter Berücksichtigung deiner Kompetenzen, freudespendenden Aufgaben sowie deiner Bedürfnisse und Werte. Das Spannende an der beruflichen Mission ist: Sie kann sich im Zeitablauf verändern. Für das Thema Bildung könnte das wie folgt aussehen:

A) Du arbeitest auch heute noch als Lehrer oder Lehrerin an einer Schule.
Veränderung im Zeitablauf: Zu Beginn der Arbeit hast du dich über die Verantwortung als Klassenleitung sowie weitere Fortbildungen gefreut. Mittlerweile freust du dich, wenn du dich mit weniger Stunden ausschließlich dem Unterricht widmen kannst.

B) Du hast damals ein Start-up gegründet, dessen wesentliches Produkt eine selbst programmierte App mit Sprachkursen für Senioren ist.
Veränderung im Zeitablauf: Bei Gründung des Unternehmens hast du noch selbst programmiert. Mittlerweile kümmerst du dich um das Management sowie die strategische Entwicklung des erfolgreichen Unternehmens und eine zielgerichtete Vernetzung.

Das sind unterschiedliche berufliche Missionen, die jeweils beide darauf einzahlen, Menschen Zugang zu Bildung zu verschaffen. Welche Mission schließlich gewählt wird, hängt einerseits von den persönlichen Kompetenzen, andererseits von den Aufgaben ab, die die meiste Freude bereiten. Hinzu kommen bei der Arbeitgeber- und/oder Teamauswahl deine individuellen Werte.

Ein weiterer wesentlicher Teil der beruflichen Mission sind schließlich die individuell zu erfüllenden Bedürfnisse in der jeweiligen Lebensphase. Mögliche Bedürfnisse für die zwei Beispiele könnten diese sein:

  • Zu Jobbeginn: Entwicklung, Erfolg
  • Mit Familiengründung: Sicherheit, Ruhe
  • Nachdem die Kinder aus dem Haus sind: Sinnhaftigkeit, Qualität, Nachhaltigkeit

So können deine Bedürfnisse dich auch in scheinbar unterschiedliche Richtungen führen.

Eine Entscheidung treffen

Ist dir deine Vision klar und das Puzzle deiner beruflichen Mission zusammengesetzt, dann kannst du vielleicht bereits eine belastbare Entscheidung treffen, weil du diese spürst.

Nein – kannst du nicht? Was sind die Gründe dafür? Damit eine Entscheidung mit einem guten Gefühl getroffen werden kann, müssen sich dein Verstand und dein Bauch weitestgehend einig sein. Denn bei Entscheidungen spielt nie nur das Bewusstsein („dein Verstand“), sondern auch das Unterbewusstsein („dein Bauch“) eine Rolle. Daher kann es gut sein, dass du dir trotz umfangreicher Reflexion noch unsicher bist.

Denn dein Bauch verarbeitet und bewertet über deine Gefühle unbewusst und zudem sehr schnell einen Großteil der eingehenden Informationen. Dabei kann es zu voreiligen Schlüssen kommen, denn das Unterbewusstsein hat ein gutes Gedächtnis und mag es sicher und bequem. Dein Kopf ist zwar vergleichsweise langsamer in der Bewertung von Entscheidungen, verschafft sich aber über das bewusste Nachdenken, Impulskontrolle und Reflexion mehr Überblick. Auf diese Weise entstehen mehr Freiräume in der Planung, und die Verarbeitung in Entscheidungssituationen erfolgt flexibler. Diese unterschiedliche Vorgehensweise von Bewusstsein und Unterbewusstsein führt dazu, dass sich manche Entscheidung noch nicht stimmig für dich anfühlt.

Hilfreich kann sein, auf die Empfindungen deines Körpers zu achten. Dies kann dabei helfen, eine Einigkeit zwischen Verstand und Bauch herbeizuführen, sodass sich Empfindungen deines Körpers, wie beispielsweise Bauchschmerzen bezogen auf die Entscheidung, nicht mehr zeigen.

Mögliche Konflikte

Wenn ihr ein Paar seid und jeder von euch für sich Klarheit gewonnen hat, wird es Zeit, gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Es lohnt sich, dafür Zeit einzuplanen und ein paar lockere „Spielregeln“ zu vereinbaren, zum Beispiel:

  • Lasst einander ausreden.
  • Hört das Gesagte, bewertet es aber nicht sofort.
  • Die Selbsteinschätzung (insbesondere Vision, Bedürfnisse und Werte) des anderen sollte nicht korrigiert, sondern höchstens kritisch hinterfragt werden.

Gerade der letzte Punkt ist wichtig. Es kann sein, dass es im Zuge der gegenseitigen Vorstellung eurer Ergebnisse zu Konflikten kommt – selbst wenn euch eine ähnliche Vision eint. So kann es beispielsweise Unterschiede in dem Bedürfnis nach Sicherheit und einem Maximum an Freiheit geben. Ist dies der Fall, ist es wichtig, nicht in typische oder alte Entscheidungsmuster zurückzufallen, zum Beispiel: „Wer mehr verdient, entscheidet.“ Denn eine einseitige Fokussierung auf die Bedürfnisse führt nicht zu einer dauerhaft tragfähigen Lösung in eurem Paaralltag, deren Ziel es ist, größere berufliche Zufriedenheit auf beiden Seiten zu erreichen. Versucht stattdessen, über ein vertiefendes Gespräch ein Verständnis für das eigene Bedürfnis beim anderen zu erzeugen.

  • Bewertet die Bedürfnisse nicht, sondern hört einander aufmerksam zu.
  • Achtet auf eure Gefühle, die beim Erzählen des anderen hochkommen.
  • Wenn gewünscht: Teilt diese Gefühle. Aber: Die Verantwortung für das bei dir entstandene Gefühl trägt nicht dein Partner. Verantwortlich dafür ist dein ungestilltes Bedürfnis. Das Erzählen des Partners ist nur der Auslöser dafür, dass sich dein Bedürfnis meldet.
  • Versucht abschließend, die Konsens-Lösung zu finden, bei der euer beider Bedürfnisse bestmöglich erfüllt sind. Dies ermöglicht langfristige Zufriedenheit. Auch ein Kompromiss, bei dem von jedem ein Teil der Bedürfnisse erfüllt, beziehungsweise nicht erfüllt ist, ist denkbar.

Sehnsuchtsziele loslassen

Was auch immer deine berufliche Sehnsucht ausmacht: Spätestens jetzt ist die Gelegenheit, dich damit zu beschäftigen und eine finale Entscheidung zu treffen, ob es an der Zeit ist, diese Sehnsucht aufzugeben, damit sie für die Zukunft keine Belastung darstellt. Das bedeutet, eine Entscheidung zu treffen, die zugesteht, über das Aufgeben dieser Sehnsucht zu trauern, die aber auch dabei hilft, den Blick nach vorn zu richten. Welche Gründe gibt es, berufliche Sehnsüchte loszulassen? Einige Beispiele:

  • Veränderte Rahmenbedingungen: Das Startkapital für die erträumte Selbstständigkeit fehlt.
  • Deine Kompetenzen in Form deiner Ausbildung/deines Studium passen nicht zu dem beruflichen Ziel, das du dir erträumt hast.
  • Dein Wunsch, beruflich einen längeren Auslandsaufenthalt zu erleben, ist noch nicht in Erfüllung gegangen und passt nicht mehr in die Lebensplanung.

Gerade das Aufgeben von lang gehegten Sehnsuchtszielen ist nicht leicht und darf nicht nur mit Kummer, sondern auch einer gewissen Skepsis gegenüber neuen Alternativen einhergehen. Mit der Suche nach neuen Alternativen kannst du aber versuchen, einen Teil der Sehnsüchte auf andere Art und Weise zu erfüllen.

Das wichtigste Ziel aber ist – nicht nur beim Loslassen der Sehnsuchtsziele, sondern überhaupt bei der Diskussion über eine mögliche Neugestaltung des beruflichen Weges –, zu spüren, dass du selbstwirksam bist und deinen oder euren Weg beeinflussen kannst! Hab Mut, diesen Weg zu beschreiten!

Wenn du nicht weißt, wie du selbstwirksam werden kannst: Gerade bezogen auf die Lösung von (inneren) Konflikten, bei der Entscheidungsfindung oder dem Loslassen von Sehnsuchtszielen gibt es Methoden und Lösungsansätze des Systemischen Coachings, die dir zielgerichtet bei der Neugestaltung des beruflichen Weges helfen können.

Hier geht es zum nächsten Artikel der Serie von Carmen Gladhofer: Wie du eine passende Stelle findest und dich darauf bewirbst

Hier geht es zu Teil 1: Wie du entscheidest, ob eine berufliche Veränderung ansteht

Hier geht es zu Teil 4: Wie der Bewerbungsprozess gelingt 

Carmen Gladhofer ist Ökonomin, Trainerin und arbeitet in Dortmund als Systemischer (Online-)Coach. Sie bietet Businesscoachings mit dem Schwerpunkt „berufliche Zufriedenheit“ an.

Midlife: Wann steht eine berufliche Veränderung an?

In der Lebensmitte bietet sich die Chance für eine berufliche Veränderung. Businesscoach Carmen Gladhofer gibt Tipps für den Entscheidungsprozess.

Rums! Der Kofferraum unseres Autos ist zu. Wir steigen ein und machen uns auf den Rückweg nach Hause. Gerade haben wir nun auch das jüngste Kind ausgezogen – in ein WG-Zimmer am neuen Studienort. In mir dreht ein Karussell seine Runden: Freude, Angst, Traurigkeit und Wut wechseln sich munter bei der Steuerung meiner Gefühle ab. Wir wissen beide, dass jetzt auch für uns ein neues Leben beginnt – und damit auch die unausweichliche Frage im Raum steht: Was kommt nun?

So könnte ein Roman beginnen. Oder euer echtes Leben aussehen. Denn so oder ähnlich ergeht es allen, die Kinder haben und diese irgendwann in das eigene Leben entlassen: Die Kinder werden flügge, auch wenn die Zimmer vielleicht noch nicht komplett leer sind. Die Freude über die wiedergewonnene Freiheit hat sich gegenüber der Traurigkeit über das Ende der intensiven Familienphase vielleicht noch nicht durchgesetzt. Und dennoch gilt es, sich in diesem irgendwie neuen Leben wieder einzufinden. Als Mutter, Vater, als Paar – im Alltag und im Berufsleben. Oft stellen sich die Fragen: Soll sich beruflich noch einmal etwas ändern? Wollen wir noch einmal neu durchstarten? Oder soll alles bleiben, wie es ist?

Vielleicht liegt die Wahrheit dazwischen: Bei einem Paar will einer endlich die berufliche Veränderung, der oder die andere möchte die berufliche Komfortzone auf keinen Fall verlassen. Das Leben bietet schließlich mehr als Arbeit. So oder so geht es nun darum, die Ist-Situation darzustellen, neue Möglichkeiten durchzuspielen, Entscheidungen zu treffen und mögliche (finanzielle) Auswirkungen auf die Familie abzuwägen.

Berufliche Veränderung – was bedeutet das?

Wichtig ist, sich die Frage zu stellen, was berufliche Veränderung für dich oder euch konkret heißt. Bedeutet Veränderung …

  • dass der erlösende Ausstieg aus dem Hamsterrad des täglichen Jobfrustes möglich wird?
  • eine Anpassung des groben Rahmens der Arbeit: den inhaltlichen Schwerpunkt oder den Grad der Verantwortung leicht anzupassen?
  • einen Neustart zu wagen: den Wechsel in eine andere Abteilung, ein (neuer) Job an einem anderen Ort, das Absolvieren einer Weiterbildung?
  • endlich Gerechtigkeit zu erfahren im Hinblick auf den Anteil von Familienorganisation und eigener beruflicher Entwicklung oder bezogen auf das Erwirtschaften des Familieneinkommens?
  • die Möglichkeit, ein lange erträumtes Projekt gemeinsam Realität werden zu lassen?
  • die Arbeitszeitmodelle anzupassen?

Sicherlich schwingt in den meisten Fällen die Frage mit, ob man sich die gewünschte Veränderung überhaupt leisten kann.

Reflexion hilft

Ein gewisses Gedankenkarussell ist normal, wenn es darum geht, ob und welche Art von beruflicher Veränderung ansteht. Das ist schon bei Alleinstehenden so. Bei Paaren verdoppeln sich die Fragen, zudem werden die Antwortkombinationen um ein Vielfaches komplexer. Umso wichtiger ist es, die bisherigen Muster in eurer Entscheidungsfindung (zum Beispiel einer gibt die Richtung vor, oder ihr hört vor allem auf das Bauchgefühl) aufzubrechen und euch eine Struktur in der Bestandsaufnahme sowie der Entscheidungsfindung zu geben.

Denn um die Frage beantworten zu können, wie eure gemeinsame berufliche Zukunft aussieht, solltet ihr einige grundlegende Fragen zunächst individuell beantworten. Dafür braucht es Zeit – sowohl sehr fokussiert, aber auch mit einer inneren Gelassenheit. Also gebt euch mehr als ein paar Abende oder Tage dafür. Solltet ihr zu den Paaren gehören, bei denen die Fragen (bald) anstehen, hier einige Gedanken für eure individuelle Reflexion:

1. Steht eine Veränderung an?

Wirf für die Beantwortung dieser Frage einen Blick auf deine Bedürfnisse. Jeder Mensch trägt in gewissem Maße zum Beispiel ein Bedürfnis nach Erholung, Sicherheit, Miteinander, Wertschätzung und Erfolg sowie einer gewissen Form von Weiterentwicklung in sich. Die vermeintlich pragmatische Antwort: „In Summe passt es schon“ hilft bei der Beantwortung aber nicht wirklich weiter – sie vermeidet eine echte Antwort. Was solltest du also tun?

  • Frag dich: Welche Bedürfnisse habe ich konkret?
  • Priorisiere deine Bedürfnisse!
  • Frag dich: Wie gut sind diese erfüllt?

Wichtig: Bedürfnisse gehören zu dir. Sie sind stabil, das heißt: Ein Bedürfnis begegnet dir nicht nur im Job, sondern auch im Privaten und kann damit in beiden Bereichen erfüllt werden. Wenn du zum Beispiel das Bedürfnis der Zielerreichung hast, kann das beruflich deine zentrale Motivation sein und privat der Antrieb, um für einen Halbmarathon zu trainieren. Liegt dein Bedürfnis eher in der Sinnhaftigkeit, willst du deine Zeit weder privat noch beruflich verschwenden.

Deine Gefühle liefern den entscheidenden Hinweis, ob deine Bedürfnisse ausreichend erfüllt sind – auch wenn die Kollegen ganz anders empfinden. Neben den Bedürfnissen spielen weitere Faktoren bei der Frage nach einer Veränderung eine wichtige Rolle. Denn auch wenn dir beispielsweise Qualität sehr wichtig ist, heißt dies nicht zwangsläufig, dass du in der Qualitätssicherung am besten aufgehoben bist.

2. Was sind deine Kompetenzen?

Es ist wichtig, zu wissen, welche Kompetenzen du hast. Dabei sind folgende Kompetenzen voneinander zu unterscheiden:

  • Welche fachlichen Kompetenzen hast du erworben (aufgrund einer Ausbildung/Studium oder der praktischen Erfahrung)?
  • Welche Kompetenzen hast du in der Zusammenarbeit?
  • Wie steht es um deine Führungskompetenzen – bezogen auf deine Selbstführung und die Führung von Mitarbeitenden?

Verlass dich bei der Einschätzung deiner Kompetenzen nicht nur auf deine Führungskraft. Führe auch eine Selbsteinschätzung durch. Und bitte nahestehende Personen ebenfalls um eine Rückmeldung. Hab dabei im Hinterkopf: Selbst wenn einige Kompetenzen als sehr stark ausgeprägt beurteilt werden, musst du dennoch nicht die ultimative Erfüllung darin finden.

Vielleicht kommt nun auch die Frage auf, die dir während der intensiven Familienjahre immer wieder in den Sinn gekommen ist: Soll ich endlich eine andere Ausbildung oder ein weiteres Studium wagen? Woher kommt dieser Gedanke eigentlich?

3. Was bereitet dir wirkliche Freude?

Weißt du, welche (kleinteiligen) Tätigkeiten dir wirkliche Freude bereiten? Dieses Wissen bietet Hinweise auf ein mögliches Betätigungsfeld – eventuell auch ohne neue Ausbildung oder Studium. Verbiete dir Totschlagargumente wie „Das ist brotlose Kunst“. Denn damit beraubst du dich spannender Gedankenexperimente. Wie kannst du also vorgehen?

  • Beobachte dich und deine bisherigen Aufgaben zwei Wochen lang – beruflich und privat. Notiere dir: Welche Aufgaben – auch sehr kleine – hast du erledigt?
  • Frage dich: Welche Aufgaben bringen dir Spaß (Skaliere dafür: 1 = sehr wenig bis 10 = besser geht es nicht)?
  • Überlege: Was tust du nur aus Pflichtbewusstsein? Welche Aufgaben fehlen dir?
  • Informiere dich: Welche Jobs beinhalten die Dinge, die dir besondere Freude bereiten? Auch wenn sie zunächst nichts mit deinem erlernten Beruf zu tun haben. Auch wenn du glaubst, dass sich das finanziell alles nicht darstellen lässt. Lass die Themen auf dem Zettel stehen und eine Zeit ergebnisoffen auf dich wirken.
  • Sprich mit einer Vertrauensperson über deine Ideen und Gedanken – ohne direkt zu bewerten oder zu entscheiden.

4. Der Einfluss deiner Werte

Einfach nur den Arbeitgeber zu wechseln, ist in der Regel keine Lösung. Gerade dann, wenn du dir sicher bist, dass es nicht dein eigentlicher Job ist, der dich frustriert. Wirf dazu einen Blick auf deine Werte, um anschließend zu klären, inwieweit dein aktueller oder ein potenzieller Arbeitgeber diese Werte teilt. Denn auch hier kann Frustrationspotenzial liegen. Deine Werte werden damit zu einer Art Richtschnur, um ein mögliches neues Umfeld auf Passgenauigkeit hin zu testen. Frag dich also beispielsweise:

  • Welche Kultur des Miteinanders, was für ein Umfeld benötigst du?
  • Wie wichtig sind dir eine klare Hierarchie im Vergleich zu dem individuellen Freiheitsgrad?
  • Wie wichtig ist dir (und was daran genau) das Miteinander im Team und mit deinen Vorgesetzten?
  • Wie wichtig ist dir nachhaltiges Denken und Handeln eines Arbeitgebers?

Setz dich mit dir und deinen Werten auseinander und prüfe anhand der Unternehmensphilosophie, der proklamierten Werte oder (eingeschränkt) auch der Erfahrungsberichte in den sozialen Medien, inwieweit dein (möglicher neuer) Arbeitgeber gut zu dir passt.

5. Wie wird entschieden?

Die kompetenteste Person, um einen Entschluss für deine weitere berufliche Zukunft zu treffen, bist du! Deshalb solltest du auch, bevor ihr als Paar wieder miteinander in das Gespräch einsteigt, eine eigene Entscheidung treffen, welche Präferenz du für dich hast.

Die Vision deines Lebens und die darauf einzahlende berufliche Mission (die all die zuvor genannten Aspekte umfasst) bieten eine abschließende Entscheidungshilfe und bereiten den Weg in das gemeinsame Gespräch und die anstehende Entscheidungsfindung. Wie darauf basierend die Entscheidungsfindung gelingen kann? Die Antwort darauf gibt es in Teil 2 dieser Serie.

Hier geht es zum nächsten Artikel der Serie von Carmen Gladhofer: Wie du eine gute berufliche Entscheidung triffst

Hier geht es zu Teil 3: Wie du eine passende Stelle findest und dich darauf bewirbst

Hier geht es zu Teil 4: Wie der Bewerbungsprozess gelingt

Carmen Gladhofer ist Ökonomin, Trainerin und arbeitet in Dortmund als Systemischer (Online-)Coach. Sie bietet Businesscoachings mit dem Schwerpunkt „berufliche Zufriedenheit“ an.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Mit diesen 5 Tipps meistern sie die Work-Life-Balance

Kann es gelingen, Familie und Beruf so zu planen, dass alle zufrieden sind? Coach Christine Jaschek gibt fünf Tipps, wie Paare den passenden Weg für sich finden können.

Überall wird sie diskutiert, gefordert und propagiert: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch in der Realität stoßen Familien an diesem Wunsch immer wieder an wie an einer Glastür. Diese „Glastür“ können äußere Rahmenbedingungen wie der Wohnort, die Kinderbetreuungszeiten, der Arbeitgeber, aber auch innerfamiliäre Einflüsse sein. Oder eine weltweite Pandemie. Am Ende steht die resignierte Schlussfolgerung: Es funktioniert nicht und ist ein Wunschdenken.

Klar ist, dass sich bei den Unternehmen, in der Gesellschaft und in der Politik noch viel bewegen muss, damit sich eine Vereinbarkeit für alle umsetzen lässt. Dennoch beginnt Veränderung im Kleinen. Daher sollte jede Familie für sich an der Umsetzung des Wunschtraums der Vereinbarkeit von Familie und Beruf arbeiten. Besonders in der letzten Zeit waren Familien und Arbeitgeber gezwungen, in kurzer Zeit viel in Sachen Vereinbarkeit dazuzulernen und auszuprobieren: Was ist machbar? Wo sind Grenzen? Welche Modelle sind erfolgreich und welche nicht?

Ganz zu Beginn möchte ich klarstellen, dass für jede Familie die Vereinbarkeit anders aussieht, egal, ob mit Eltern in einer Paarbeziehung, in einer Patchworkfamilie oder als Alleinerziehende. Das ist auch gut so. Die perfekte Anleitung oder Empfehlung gibt es nicht. Aber es gibt ein paar Tipps, die helfen, die Vereinbarkeit so umzusetzen, dass alle in der Familie glücklich sind. Wir arbeiten in unserer Familie immer wieder daran, und auch in meinen Coachings sind es oft dieselben Themen, über die wir sprechen.

1. Vereinbarkeit beginnt mit der Kinderplanung

Bereits vor der Kinderplanung sollte man sich als Paar darüber einigen, wie das Familienleben aussehen kann, wenn Kinder da sind. Keiner sollte sich scheuen, seine Vorstellung darüber zu äußern. Es gibt keine Tabus – jeder Wunsch oder jede Vorstellung hat seine Berechtigung. So gelangt man zu einer gemeinsamen Vorstellung, weil jeder vom anderen weiß, was er oder sie sich wünscht. In dieser Zeit wird die Basis für ein gemeinsames Familienleben gelegt.

Eine wichtige Frage ist, wie sich die Familie finanziert. Hierfür gibt es viele individuelle Antworten: Für Familien mit beiden Eltern können die Modelle des Alleinverdieners oder das eines Voll- und eines Teilzeitverdieners interessant sein, aber auch, dass beide Vollzeit arbeiten oder beide Teilzeit oder jedes andere Modell. Wichtig dabei ist, dass jeder das Recht hat, dass seine Vorstellung ernst genommen und gemeinsam an einer Basis gearbeitet wird. Denn jeder kann nur glücklich sein, wenn er seine Bedürfnisse erfüllt sieht. Alleinerziehende haben in dieser Frage weniger Auswahl: Bei ihnen ist der finanzielle Druck höher, weil er auf den Alleinerziehenden allein liegt – vom Unterhalt abgesehen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Zwei Berufstätige

Meinem Mann und mir war von Anfang an klar, dass ich in jedem Fall arbeiten will. Ich selbst war vor meiner Selbstständigkeit wie er in verschiedenen Leitungspositionen tätig. Gleichzeitig hatten wir uns bewusst für unsere Kinder entschieden. Uns war klar, dass wir das Doppelverdiener-Modell wählen würden. Ich arbeite nicht Vollzeit, aber einen hohen Stundensatz, und er in Vollzeit. Da er in seinen Leitungspositionen sehr flexibel war und ist, können wir viel gemeinsame Zeit mit unseren Kindern genießen.

Bis heute ist es uns wichtig, dass wir beide so arbeiten, dass genügend Zeit für unsere Kinder und unsere Familie bleibt und unsere Kinder nicht von morgens bis abends in der Kindertageseinrichtung sind. Bei uns heißt das, dass mein Mann sie morgens hinbringt und ich früh zu arbeiten beginne. Ich hole sie am frühen Nachmittag ab und spätestens zum gemeinsamen Abendessen treffen wir uns alle wieder zu Hause. Natürlich wird im Lauf der Jahre dieses Modell immer wieder in Frage gestellt, angepasst oder verändert. Leben ist Veränderung, genauso wie die Art und Weise, wie wir Familie gestalten.

2. Investiert in eine starke Paarbeziehung!

Eltern sein ist schön, aber nicht alles! Um gemeinsam die Anforderungen des Alltags zu meistern, ist eine feste Paarbeziehung wichtig. Diese kann im Alltagstrubel schnell verloren gehen, weil man sich gegenseitig aus den Augen verliert und nicht mehr aufeinander achtet. Der Fokus liegt auf der Bewältigung des Alltags und auf den Kindern. Deshalb sind gemeinsame Auszeiten ohne Kinder wichtig. Es braucht anfangs Mut, loszulassen, aber mit zunehmender Routine geht es besser. Zu Beginn hält man sich lieber in kurzer Reichweite auf, sodass man schnell bei den Kindern sein kann. Wenn sich alle daran gewöhnt haben, kann man den Radius erweitern. In Zeiten digitaler Kommunikation ist man schnell informiert und kann jederzeit reagieren. Übrigens genießen es die Kinder auch, einmal ohne Eltern zu sein.

Mein Mann und ich versuchen, einen Abend im Monat für uns zu planen, an dem wir beide ohne Kinder Zeit miteinander verbringen. Das kann ein Kinobesuch, ein gemeinsames Essen oder eine gemeinsame Aktivität sein. Einmal im Jahr fahren wir zusammen ohne Kinder für ein Wochenende weg. Da wir generell viel verreisen, haben wir daneben noch viele Zeiten, in denen wir zusammen mit den Kindern unterwegs sind. Für die Abende ohne Kinder haben wir einen Babysitter oder fragen die Großeltern. Natürlich hat dieses Vorhaben in den zurückliegenden Monaten wegen der Corona-Pandemie gelitten, aber wir haben darauf geachtet, dass wir es wieder in die Tat umsetzen können, sobald es die Situation zulässt.

Wichtig ist uns, dass wir gemeinsame Erlebnisse schaffen, die uns als Paar stärken. Wir besprechen unsere Alltagssorgen, Gedanken um die Kinder, Vorstellungen für die Zukunft, unsere Wünsche und vieles mehr. Es geht darum, an der gemeinsamen (Werte-)Basis zu arbeiten für einen respektvollen und achtsamen Umgang miteinander. Gegenseitige Vorwürfe bringen keinen weiter. Schließlich haben wir uns versprochen, in guten wie in schlechten Zeiten zusammenzuhalten.

Auszeit alleine nicht vergessen!

Ich kann nur jedem empfehlen, sich zu trauen und die Kinder einen Abend oder ein Wochenende anderweitig gut betreuen zu lassen. Diese Zeit ist wertvoll und hilft, als Paar bestehen zu bleiben. Nur wenn man versteht, warum sich der andere gerade so verhält, kann man gemeinsam daran arbeiten und Änderungen umsetzen. Daneben sollten Auszeiten allein ebenfalls möglich sein, um sich beispielsweise mit Freunden zu treffen. Denn wir alle sind für uns selbst verantwortlich, müssen für uns selbst sorgen und bleiben trotz Familie auch eigenständige Personen. Und deshalb darf es ruhig auch einmal der Abend ganz ohne Mann und Kinder sein, um in Ruhe und in aller Ausführlichkeit mit der Freundin zu reden. Pausen gelten auch für Alleinerziehende! Und sie sollten sich diese auch nehmen. Entweder kann man mit dem anderen Elternteil eine entsprechende Aufteilung besprechen oder man hat Eltern, gute Freunde oder einen Babysitter, die einem die benötigten Pausen verschaffen können.

3. Gemeinsam ist man stark

Die Rolle des Vaters hat sich in den letzten Jahren gesellschaftlich extrem gewandelt. Väter wollen heute mehr denn je ihren Teil zum Familienleben und der Erziehung beitragen. Sie wollen nicht nur zusehen, sondern Bestandteil sein. Vereinbarkeit lässt sich besser realisieren, wenn jeder seinen Beitrag leistet. Sei es im Familienleben, weil die Aufgaben im Haushalt geteilt werden, sei es in der Kinderbetreuung, weil auch der Vater Zeiten in der Betreuung übernimmt, und sei es im Berufsleben, weil jeder finanziell seinen Beitrag leistet und somit das Einkommen gesichert ist. Zeiten, die Kinder allein mit dem Vater verbringen, sind ebenso wertvoll wie Zeiten, in denen sich die Mutter allein um die Kinder kümmert. Jedes Elternteil erzieht anders, davon profitieren die Kinder ungemein.

Damit schließt sich auch der Kreis zu Tipp 2. Je besser die gemeinsame Basis als Paar ist, desto stärker ist man zusammen! Dies gilt auch für getrennt lebende Eltern, denn auch wenn man kein Paar mehr ist – Eltern bleibt man ein Leben lang. Und damit auch in dieser Verantwortung. Klar gibt es Arbeitsplätze, die dies besser oder schlechter bewerkstelligen lassen. Aber in Zeiten des Fachkräftemangels und der beständigen Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben auch Arbeitgeber erkannt, dass sie sich an dieser Stelle bewegen müssen. Die Umsetzung von Home-Office in den letzten Monaten ist nur ein Beispiel für eine Maßnahme, die vorher bei vielen Tätigkeiten als undenkbar gegolten hat oder nur sehr ausgewählt gewährt wurde. Daher kann ich nur raten, dem Arbeitgeber gegenüber mutig seine Wünsche zu äußern. In den meisten Fällen lässt sich eine Lösung finden, die beiden Seiten gerecht wird.

4. Achtet auf die Kinder!

Bisher haben wir den Blick auf die Eltern gelegt, denen die Vereinbarkeit gelingen muss. Aber in diesem System gibt es einen wichtigen Faktor, um den sich alles dreht: die Kinder. Sie sind ein guter Gradmesser, ob das aktuelle Familienleben gut ist und für alle passt. Sind die Kinder ausgeglichen und entspannt, kann man davon ausgehen, dass auch sie sich in dem System wohlfühlen. Kann man Änderungen in den Verhaltensweisen erkennen, wie plötzliche Aggressivität, schlechte Laune, keine Lust auf bisherige Aktivitäten, Anhänglichkeit, Weinerlichkeit oder Ähnliches, dann sollte man genauer und kritisch hinsehen. Kinder können ihre Gefühle erst mit zunehmendem Alter in Worte fassen. Anfangs drücken sie ihre Gefühle über ihr Verhalten aus. Deshalb muss man sie genau im Auge behalten und bei eindeutigen Anzeichen kritisch überlegen, was der Auslöser sein kann.

5. Reduziert den Druck!

Stress und Druck sind bekannte Phänomene im Familienleben. Sie entstehen auf mehreren Ebenen. Besonders, wenn beide Elternteile arbeiten oder nur der alleinerziehende Elternteil, ist das oft mit Stress verbunden. Jeder steht zeitlich unter Druck: pünktlich auf der Arbeit sein, die Kinder pünktlich abholen und daneben noch Arztbesuche, Einkaufen, Hobbys und vieles mehr. Es gibt genug zu tun, deshalb kann es hilfreich sein, die Kinderbetreuungszeiten großzügiger zu buchen. Das bedeutet, dass ein zeitlicher Puffer morgens und/oder abends entsteht. Dies kann beispielsweise zwischen Arbeitsende und dem Abholen der Kinder sein, sodass man nicht unter Druck nach Hause fahren muss oder noch Zeit hat für ein paar Erledigungen oder einfach zum Durchatmen nach einem stressigen Arbeitstag.

Stress wirkt sich auch auf die Kinder aus! Deshalb empfiehlt es sich umso mehr, für ein gutes Zeitmanagement zu sorgen. Auch im Hinblick auf sich selbst: Wer gestresst ist, macht Fehler. Ein anderer Druck, unter dem Eltern oft leiden, ist der Druck, perfekt zu sein. Macht euch frei davon! Es ist egal, ob Krümel auf dem Boden liegen, wenn das Kind spielen will. Die Krümel können warten. Die Kinder aber wollen die freie Zeit mit den Eltern genießen. Und wenn die Eltern oder der Vater oder die Mutter sich die Zeit nehmen und alles andere hinten anstellen, wird das die Erinnerungen schaffen, von denen Kinder als Erwachsene zehren.

Ungewöhnliche oder als ungewöhnlich wahrgenommene Lebenskonzepte können oftmals Skepsis bei anderen auslösen. Auch davon muss man sich freimachen. Wichtig ist, dass ihr euch – Eltern und Kinder – wohlfühlt, ob mit oder ohne Krümel auf dem Boden, in einem traditionellen Familienbild oder einem modernen. Damit schließt sich der Kreis: Jede Familie benötigt ihr individuelles Vereinbarkeits- und Lebenskonzept, in dem alle zufrieden sind!

Habt Spaß!

Natürlich braucht es Mut, sich zu lösen und neue Wege in der Gestaltung des Familienlebens zu gehen. Je mehr Einigkeit im Elternpaar herrscht, umso besser kann man mit Fragen oder gutgemeinten Ratschlägen umgehen, die deutlich machen, dass andere die Entscheidung nicht nachvollziehen können. Wer sich Vereinbarkeit wünscht und dem Familienleben oberste Priorität einräumt, folgt einer neuen gesellschaftlichen Sichtweise. Diese unterscheidet sich bereits von der Sichtweise unserer Eltern. Denn für diese war es noch deutlich klarer, dass sich das Familienleben dem Beruf unterordnen muss. Heute hat sich das gewandelt, viele ordnen das Familienleben als gleich wichtig zum Beruf ein. Am wichtigsten ist: Das Leben mit Kindern soll Spaß machen! Nur mit Humor können wir auch einmal die schlechten Launen unserer Kinder oder unsere eigenen schlechten Phasen kompensieren. Je glücklicher die Familienmitglieder sind, desto glücklicher ist das Familienleben!

Christine Jaschek ist verheiratet und hat zwei Kinder. Viele Jahre war sie in Leitungspositionen tätig, heute arbeitet sie selbstständig als Unternehmensberaterin sowie als Coach: christine-jaschek.de

Keine Angst vorm Tod: Schon als Kind schiebt Bestattungsfahrer Benjamin Särge durch die Gegend

Wie ist es, als Kind neben Toten zu spielen? Benjamin Rosenthal weiß es, denn seine Familie fährt seit Generationen die Toten zu ihrer Ruhestätte.

Böhmisch-Rixdorf. Wer in diesem Teil von Berlin-Neukölln ankommt, hat das Gefühl, in eine andere Zeit zurückversetzt worden zu sein. Die Betlehemskirche aus dem 15. Jahrhundert mit ihrem hölzernen Glockenturm. Berlins älteste Schmiede, in der heute immer noch Schmuckstücke oder Messer in der heißen Glut geschmiedet werden. Die historischen, blumenberankten Häuser und die alte Dieselzapfsäule aus den 50ern. Das Kopfsteinpflaster führt direkt in den Hof des Familienunternehmens Gustav Schöne. „1894“ prangt groß auf einem der Gebäude – das Gründungsjahr. Geschäftsführer Benjamin Rosenthal empfängt mich dort in kurzer Lederhose und blauem T-Shirt. Aufschrift: SUPERDAY. Viele, die auf diesem Hof eintreffen, haben allerdings keinen super Tag, sondern ihren letzten bereits erlebt. Das Bestattungsfuhrunternehmen befördert seit vielen Jahren die Toten Berlins: Abholung aus der Wohnung oder dem Krankenhaus, Zwischenlagerung in einem der 100 Kühlfächer, Fahrt zum Friedhof oder Krematorium.

Hochzeitsfahrten lohnen sich nicht mehr

Benjamin Rosenthal öffnet die schwere, hölzerne Tür und führt mich in den Kutschenstall. Zwei weiße Hochzeitskutschen stehen hier, ein schwarzer, eindrucksvoll düsterer Bestattungswagen aus handgeschnitzter Eiche, eine gelbe Postkutsche. An der Wand hängt altes Pferdegeschirr. Im 19. Jahrhundert startete der Firmengründer Gustav Schöne seinen Fuhrbetrieb mit zwei Pferden und fuhr Ärzte zu Patienten. Nach und nach kamen Fahrten für die Müllabfuhr und die Post hinzu, später auch Hochzeitsfahrten. 1927 wurde das erste Auto angeschafft. Heute werden die Kutschen nur noch als Filmrequisiten ausgeliehen, selbst die Hochzeitsfahrten lohnen sich nicht mehr. So hat sich das Unternehmen mittlerweile auf Bestattungsfahrten spezialisiert. Benjamin Rosenthal leitet das Geschäft in fünfter Generation, gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Mutter.

Die letzte Fahrt in Würde

Um sechs Uhr morgens war er heute schon auf dem Hof, um aufzuschließen. „Dann kommen die ersten, liefern Särge oder es kommt jemand vom Krematorium und holt eine Verstorbene ab“, erklärt er. Der Großteil seiner Arbeit besteht aus logistischen Tätigkeiten. Wer fährt mit welchem Wagen wann wohin? Um die Übersicht zu behalten, hat der Betrieb im Büro einen Bildschirm, der den Standort der Transporter anzeigt. Diese Woche ist es ruhig, es sind nur 6 von seinen 20 „Jungs“, so wie er sie nennt, im Einsatz. Manchmal ist auch mehr los, dann befördern sie zwischen 20 und 40 Tote jeden Tag.

Auch heute fährt Benjamin Rosenthal manchmal noch mit und holt Verstorbene mit einem der Bestattungswagen ab. Gerade steht die neue, cremeweiße E-Klasse auf dem Hof. Rosenthal öffnet den Kofferraum. Der Sargraum ist hell und schlicht ausgestattet. Zwei Panoramafenster mit Vorhängen geben den Hinterbliebenen die Möglichkeit, einen letzten Blick auf den Sarg werfen zu können. An der Decke leuchten kleine LED-Sterne, wie am schwarzen Nachthimmel.

Fußballspiel zwischen Särgen

Benjamin Rosenthal ist auf dem Hof groß geworden, spielte als Kind hier oft Fußball oder sauste mit dem Fahrrad herum. Wenn die Türen zum Kühlraum mal aufstanden und ein Sarg zum Abschiednahme-Raum geschoben wurde, dann fassten er und sein Bruder mit an. „Für mich war das was ganz Normales“, erzählt er. Tod und Sterben waren für ihn schon als Kind so selbstverständlich, dass er sich nicht mehr daran erinnern kann, wann er das erste Mal verstand, wer in den Särgen liegt. Oft wird der Familienunternehmer gefragt, wie er als Kind damit umgegangen sei. Dann antwortet er, dass der Tod für ihn schon immer mit zum Leben gehörte.

Mit 16 Jahren fuhr er zum ersten Mal im Bestattungswagen mit und holte einen Verstorbenen ab – so wie auch andere Kinder aus familiengeführten Unternehmen irgendwann mitarbeiten. An seinen ersten Toten erinnert er sich nicht mehr, er hatte auch nie Berührungsängste. „Aber den ersten Verstorbenen, der nicht mehr so schön war, den vergisst man nicht. Schon allein wegen des Geruchs“, sagt er. „Wenn jemand zum Beispiel schon sehr lange in der Wohnung lag und dann sind da schon überall die Fliegen.“

Kinder gehen ganz offen mit dem Tod um

Die vierjährige Tochter von Benjamin Rosenthal wächst, wie er damals, auf dem Hof auf. Ist sie gerade da und er schiebt einen Sarg aus der Kühlung, dann bittet er sie manchmal, mit anzupacken. Einmal hat sie ihn gefragt, wer da im Sarg liegen würde. „Und dann sagt man ganz normal: Das ist jemand, der verstorben ist und nicht mehr lebt“, berichtet er. „Alles klar“, war dann die schlichte Antwort seiner Tochter. Mehr Fragen hatte sie bisher nicht. Auch die Kitakinder, die regelmäßig den Hof besuchten, als dort noch Pferde standen, waren mit einer simplen Antwort zufrieden, erzählt Benjamin Rosenthal. „Kinder gehen oft viel offener mit dem Tod um, als wir. Deswegen ist es schade, wenn versucht wird, sie davon fernzuhalten.“

Es wäre sogar viel einfacher für sie zu verstehen, dass Oma oder Opa nicht mehr da sind, wenn sie noch etwas zum Anfassen oder Sehen hätten. Deswegen würden einige Bestatter mittlerweile auch spezielle Angebote für Kinder machen: Sie können beispielsweise den Sarg bemalen oder beschreiben. Manche arbeiten auch mit „Sorgenfressern“, kleinen Puppen, die einen Reißverschluss als Mund haben und denen die Kinder ihren Kummer in Form eines Bildes oder Textes anvertrauen können. „Es gibt auch wunderbare, schön illustrierte Bücher zum Thema. Die kann man als Eltern mit dem Kind lesen“, sagt er.

 „Über das, was nach dem Tod kommt, habe ich mir noch nicht so Gedanken gemacht.“

Benjamin Rosenthal ist kein Philosoph. Obwohl er jeden Tag Särge mit Verstorbenen über den Hof schiebt, hat er sich bisher wenig Gedanken gemacht, was danach passiert. Er hofft aber, dass sein eigenes Ende möglichst wenig schmerzhaft ist. Am liebsten würde er einfach zu Hause alt werden und eines Tages nicht mehr aufwachen. Ich frage ihn, was er Menschen antwortet, die Angst vor dem Sterben haben. Längere Gesprächspause. „Das hat mich noch keiner gefragt“, sagt er dann etwas ratlos. Vielleicht ist er zu nah dran, um noch Angst haben zu können.

Er geht das Thema vor allem pragmatisch an und rät, möglichst früh mit Freunden oder Familie über den Ablauf der eigenen Beerdigung zu sprechen. Ist eine Erd- oder eine Feuerbestattung gewünscht? Welche Musik soll gespielt werden? „Viele, denen ich erzähle, dass sie sich vorher über einen groben Ablauf Gedanken machen sollen, haben sich danach bedankt.“ Der Tod lässt sich nicht kontrollieren. Doch wer seine Beerdigung plant, hat das Gefühl, wenigstens einen kleinen Teil davon steuern zu können. Das kann vielleicht ein bisschen die Angst nehmen.

Humor hilft

Am Eingang des Kutschenstalls lehnen ein blaues Kinderfahrrad und ein Motorrad. Wenn Benjamin Rosenthal abschalten möchte, dann setzt er sich auf das Motorrad und fährt los, um eine Weile nichts zu hören und zu sehen. Auch Treffen mit seinen Freunden und Unternehmungen mit seiner Tochter helfen ihm, nicht mehr darüber nachzudenken, was mit den Toten genau passiert ist oder wie eine Familie jetzt gerade leidet. Zudem gäbe es auch noch den Gemeindeseelsorger aus der evangelischen Brüdergemeine, die seine Familie besucht.

Wenn es darum geht, die Verstorbenen zu versorgen, sei sehr viel Mitgefühl gefragt. „Aber wenn wir dann wieder mit den Kollegen im Auto sitzen, unterhalten wir uns ganz normal und machen oft auch Witze. Das ist wie eine Schutzfunktion“, erklärt der Unternehmer. Tagtäglich bekomme er mit, wie schnell das Leben zu Ende gehen kann. Deswegen sei es umso wichtiger, es zu genießen und Spaß zu haben. Wir verlassen den Kutschenstall wieder und gehen dabei an einem Stapel Särge vorbei. Benjamin Rosenthal öffnet einen: „Mal sehen, ob der leer ist“. Kurze Schrecksekunde meinerseits. Natürlich ist er leer. „Kleiner Scherz“, meint er grinsend. „Bestatterhumor“.

Sarah Kröger ist freie Journalistin und Projektmanagerin und bloggt unter neugierigauf.de zu Themen wie Familie, Digitales, Arbeit, Soziales und Nachhaltigkeit.

„Ist ein Studium besser?“

„Unsere Tochter (17) macht im nächsten Jahr das Abitur. Eigentlich würde sie gern eine Ausbildung machen, aber alle raten ihr zum Studium, weil das langfristig bessere Möglichkeiten bietet. Stimmt das?“

So pauschal kann man das nicht sagen. Zwar sind statistisch gesehen Akademiker weniger von Arbeitslosigkeit betroffen und verdienen tendenziell mehr, aber im Einzelfall kann das ganz anders aussehen. Statt Berufs- und Einkommensaussichten sollte Ihre Tochter lieber ihre Interessen und Fähigkeiten in den Blick nehmen.

VIELE MÖGLICHKEITEN
Wer sich gern theoretisch mit Themen beschäftigt, ist bei einem Studium gut aufgehoben. Wer Dinge lieber praktisch angeht, sollte eher nach einer Ausbildung schauen. Sinnvoll kann auch eine Kombination aus beidem sein: zum Beispiel erst eine Ausbildung zur Medienkauffrau, anschließend ein Studium der Betriebs- oder Medienwissenschaft. Oder Ihre Tochter informiert sich über die Möglichkeiten eines dualen Studiums: Hierbei wechseln sich Studierphasen an der Hochschule mit praktischen Phasen im Ausbildungsbetrieb ab. Wie bei einer betrieblichen Ausbildung wird der Studierende bezahlt. Allerdings sind duale Studiengänge oft sehr arbeitsintensiv. In der Schweiz steckt das duale Studium noch in der Pilotphase. Hier gibt es neben der betriebsinternen Ausbildung und dem Hochschulstudium in manchen Berufsfeldern auch die Möglichkeit einer schulischen Ausbildung an einer Höheren Fachschule. Bei einem Studium müsste sich Ihre Tochter selbst finanzieren, es sei denn, sie kann ein Stipendium oder BAföG (in der Schweiz Bildungs-Darlehen) in Anspruch nehmen. In der Ausbildung sind die Gehälter zwar nicht üppig, aber viele Jugendliche genießen es, von den Eltern mehr oder weniger unabhängig zu sein.

DIE QUAL DER WAHL
Aber wie findet man nun den passenden Ausbildungsberuf oder das geeignete Studienfach? Hier bietet sich die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit als erste Anlaufstelle an, in der Schweiz ein Berufsinformationszentrum. Erfahrene Berufsberater können mit Ihrer Tochter zusammen herausfinden, wo ihre Stärken und Interessen liegen und welche Berufe oder Studienfächer diesen entsprechen. Universitäten bieten für bestimmte Studienfächer auch sogenannte Self-Assessment-Tests an, die zeigen können, ob man für diesen Studiengang geeignet ist. Auch Studien- und Berufswahlmessen können Ihrer Tochter bei ihrer Entscheidung helfen. Die sollte sie aber nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen treffen.

 

Bettina Wendland ist Redakteurin bei Family und FamilyNEXT. Sie hat Literaturwissenschaft studiert, obwohl viele meinten, dass das brotlos sei …

Berufliche Sackgasse

„Unser Sohn (22) wird nach der Ausbildung nicht übernommen. In seinem Bereich sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eher schlecht, er ist nun am Boden zerstört. Wie können wir ihm helfen?“

Das Begleiten der erwachsenen Kinder ist für uns Eltern gerade in einer Krise eine Herausforderung. Die Spannung zwischen Einmischung, Bevormundung und Alleinlassen schwebt wie zäher Nebel in den unausgesprochenen Gedanken nach solch einer schlechten Nachricht über die berufliche Zukunft des jungen Erwachsenen. Dass ein Kind kein „Projekt“ ist, das man als Eltern „am besten“ bewältigt, sollte schon in den ersten Lebensjahren klar werden, wenn Eltern üben, sich zurückzunehmen. Nicht die Eltern haben ein Projekt, sondern das Kind und später der Jugendliche hat sein Leben zu gestalten. Deshalb sollten Sie das Recherchieren über berufliche Alternativen unbedingt Ihrem Sohn überlassen. Auch Geschichten von anderen, denen Ähnliches passiert ist, sind nicht unbedingt hilfreich … Wenn Sie als Eltern das Heraussuchen von Stellen übernehmen oder ihm das Komplettpaket „Zuhause“ wieder anbieten, kann es im Selbstwert Ihres Sohnes deutliche Risse geben. Sie als Mutter und Vater sind aber Heimatgeber für die Seele und dürfen fragen: „Was kann ich für dich tun?“. Dabei dürfen Sie sich aber auch abgrenzen und deutlich machen, wenn Sie eine Bitte um Unterstützung als unpassend empfinden.

DEN U-TURN VERSUCHEN
Sie müssen aber nicht untätig bleiben. Nach der schlechten Nachricht vom Arbeitgeber ist es Ihre Aufgabe, den Blick zu weiten und Fragen zu stellen. Das Stopp-Schild zu fokussieren lähmt sowohl Sie als auch Ihren Sohn. Besser ist es, eine Art U-Turn zu versuchen: Wenn dieser Weg nicht gelingt, welcher ganz andere Weg kann denkbar sein? Sie könnten Ihrem Sohn folgende Fragen stellen: Ist die Ausbildung vielleicht eine Grundlage, um einen weiteren Beruf zu erlernen? Ist vielleicht eine Art Pause denkbar, wie sie zum Beispiel der Bundesfreiwilligendienst ermöglicht? Das würde den Freiraum geben, sich in Ruhe beraten zu lassen und Bewerbungen zu schreiben oder sich komplett neu zu orientieren.

GELASSENHEIT AUSSTRAHLEN
Wichtig ist dabei, dass Sie Ihren Sohn bewusst neu freigeben. Eine Veränderung der Planung kann auch bedeuten, dass er zum Beispiel nicht in einem Betrieb in Ihrer Nähe bleibt, sondern weiter weg zieht. Planungen freizugeben und offen zu sein, klingt ganz leicht, ist aber kraftaufwändig. Versuchen Sie, Gelassenheit auszustrahlen. Wenn Sie selbst die Bereitschaft zeigen, sich immer wieder neu auszurichten und Veränderungen als Chance sehen, wird Ihr Sohn sich daran orientieren können. Mit diesen Erfahrungen wird das nächste Stopp-Schild mit noch mehr Eigenverantwortung bearbeitet werden – zur Freude der Eltern.

 

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

Ganz im Beruf, ganz im Familienalltag

Jan-Martin Klinge und seine Frau Angela teilen sich Erwerbs- und Familienarbeit. Und haben gelernt, wie sie sich trotzdem nicht als Paar verlieren.

Trinken, Papa!“, forderte meine Tochter mich mit ihren zwei Jahren damals unmissverständlich auf. „Wie sagen Erwachsene?“, entgegnete ich. Und man konnte den genervten Unterton in ihrer Stimme nicht überhören, als sie ein enttäuschtes Gesicht machte und mir erwiderte: „Später …“

Heute, viele Jahre später, werden wir von unseren Kindern immer noch und immer wieder in unserem Verhalten gespiegelt. „Wir“, das sind meine Frau Angela (38), Pastorin mit einer 70-Prozent-Stelle und ich, Jan-Martin (35), Lehrer an einer Ganztagsschule, zusammen mit unseren Töchtern Carolina (10) und Amélie (2). Unsere Berufe ermöglichen uns eine wunderbare Aufteilung der Familienarbeit: Ich bin vor allem vormittags unterwegs, kann mir aber die Nachmittage und Abende frei einteilen, während Angela eher in der zweiten Tageshälfte außer Haus ist. Diese Konstellation funktioniert weitgehend reibungslos, und jeder von uns liebt sowohl den beruflichen als auch den familiären Part.

GEMEINSAME ZEIT ERKÄMPFEN
Aber: So großartig die zeitliche Aufteilung der Kinderbetreuung funktioniert, so herausfordernd ist es, sich nicht als Ehepaar zu verlieren. Es gab Zeiten, da haben Angela und ich uns immer nur die Schlüssel in die Hand gedrückt. „Die Kinder sind versorgt, das Essen steht im Ofen – kümmere dich bitte um die Wäsche, und im Wohnzimmer muss dringend staubgesaugt werden!“ Natürlich gibt es so Phasen im Leben, aber wir mussten immer wieder aufpassen, dass sie unsere Ehe nicht zerstörten. Wenn man sich wochen-, manchmal monatelang nicht wirklich sieht, kann aus Familienleben schnell Zweckgemeinschaft werden und man verliert die gemeinsamen Hoffnungen, Träume und Ziele aus den Augen. Job und Kinderbetreuung, Predigtschreiben und Unterrichtsvorbereitung – kann das alles sein? Und während ich als Lehrer zumindest die Wochenenden frei gestalten darf, ist der Sonntag für eine Pastorin ein voller Arbeitstag. So praktisch die Verteilung von Haushalt und Kinderbetreuung ist – gemeinsame Zeit bleibt kaum noch.

Bereit für ein Kind?

Lisa wünscht sich ein Kind, Dennis sagt, er fühle sich der Verantwortung als Vater noch nicht gewachsen. Soll sie es darauf ankommen lassen und hoffen, dass er schon in die Rolle als Papa reinwächst, wenn erst mal das Kind da ist? Weiterlesen