Wer darf schlafen?

„Meine Tochter hat im ersten Jahr ziemlich problemlos geschlafen. Aber jetzt wird sie nachts immer wieder wach und brüllt wie verrückt, bis ich sie zu uns ins Schlafzimmer hole. Sie ist dann sofort still, zappelt aber so viel herum, dass unsere Nacht zu Ende ist. Was können wir tun?“

Jedes Kind durchläuft Phasen, in denen es weniger, schlechter oder unruhiger schläft. Die Ursache dafür zu suchen, wird wahrscheinlich schwierig sein. Vielmehr muss eine konkrete Lösung gefunden werden, denn eines ist ganz klar: Alle müssen schlafen dürfen. Auch die Eltern. Und zwar beide. Die erste Frage, die Sie sich gemeinsam stellen sollten, ist die: Gelten bei uns klare Regeln und jeder schläft in seinem Bett, oder sind wir bereit, uns für einige Zeit auf eine pragmatische Lösung einzulassen? Oft gehen hier die Meinungen schon sehr auseinander. Und da folgt auch schon die nächste Frage: Lassen wir unser Kind schreien oder nicht?

SCHREIEN LASSEN?

Aus Mangel an Alternativen und aufgrund absoluter Erschöpfung haben wir unseren älteren Sohn einmal so lange schreien lassen, bis er sich übergeben hat. Und das, obwohl wir alle zwei Minuten zu ihm ans Bettchen gegangen sind. Mit unserem Kommen und Gehen haben wir seinen damaligen Stress nur verstärkt. Er war zu klein, um erfassen zu können, dass alles gut ist und er ruhig schlafen kann, auch wenn wir immer wieder weggehen. Folgende Versuche haben unsere Nächte und Nerven dagegen deutlich entspannt und kommen vollkommen ohne schlechtes Gewissen aus: Das Kinderbettchen für einige Zeit zurück ins Schlafzimmer holen. Oft löst sich dadurch schon sehr viel. Kinder spüren die Nähe der Eltern. Wenn der eigene Schlaf durch die Geräusche des Kindes trotzdem gestört wird, kann es helfen, wenn man selbst auf der anderen Bettseite liegt. Eine zusätzliche Matratze im Kinderzimmer hat uns auch schon viele Nächte gerettet. Statt minutenlang frierend und streichelnd am Bettchen zu sitzen, zieht einer um. Ein paar gemurmelte Worte und die Anwesenheit haben genügt, damit die Kinder ruhig wurden. Wer nachts wann aufsteht, kann vielleicht nicht ganz fair aufgeteilt werden, aber keiner sollte sich hier auf Dauer raushalten. Wer schneller leicht wieder einschläft, kann bei nächtlichem Gebrüll ins Kinderzimmer umziehen. Wer sich weniger von den Geräuschen des Kindes gestört fühlt, könnte dem anderen ein paar Nächte im Gästezimmer gönnen. Aber was macht man mit den Vorstellungen, wie es eigentlich laufen müsste? Getrost vergessen! Es ist kein Zeichen von erzieherischem Versagen, wenn man nachts sein Bett tauscht oder dem Bedürfnis nach Nähe nachgibt. Wenn am nächsten Morgen alle erholt und fröhlich sind, dann haben Sie als Team gewonnen.

SCHLECHTE GEWOHNHEITEN?

Rückblickend freue ich mich über jede pragmatische Lösung, die wir gefunden haben, um unsere Kinder so einfach und unangestrengt wie möglich zum Schlafen zu bringen. Die Angst, dass sich schlechte Gewohnheiten einschleichen, die man später nicht mehr abgewöhnen kann, habe ich abgelegt. Kinder werden älter, verstehen mehr und man kann ihnen viel eher Veränderungen und neue Regeln zumuten, wenn sie nicht mehr mit Rotznase und tränennassem Gesicht verzweifelt an den Gitterstäben rütteln.

 

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