Pilgern ist seit Jahrhunderten Tradition und dennoch topaktuell. Melanie Schmitt, Leiterin der Pilgerstelle im Bistum Limburg, gibt Einblicke in eine faszinierende Wanderleidenschaft.
Tage des Laufens liegen hinter uns, rauf und runter, über einen alpinen Pilgerweg in Österreich, von Kirchlein zu Kapelle, vom alten Wallfahrtsort im Tal zum Gipfelkreuz hoch oben. Am letzten Tag kostet mich jeder Schritt Kraft, die ich nicht mehr habe. Ich frage mich ernsthaft, wie ich heute die restlichen Höhenmeter nach oben schaffen soll, um dann auf der anderen Seite wieder abzusteigen. Warum mache ich das hier eigentlich? Tageund wochenlang durch die Gegend laufen, jeden Tag dasselbe. Pilgern – was soll das?
Gebahnte Wege
Seit Menschengedenken machen sich Männer und Frauen auf Reisen, bei denen es nicht allein darum geht, einen äußeren Weg zurückzulegen, sondern auch darum, sich auf einen inneren Weg zu begeben, in inneren Angelegenheiten unterwegs zu sein, auf ganzheitlicher Bewegungstour für Körper und Seele. Nicht bei jedem religiös motiviert, aber doch auf der Suche: nach sich selbst, nach anderen oder nach Gott.
Pilgern ist eine jahrhundertealte Tradition, ein Teil der spirituellen Praxis aller großen Religionen. Ob Jerusalem, Assisi, Rom, Mekka oder Santiago de Compostela – der äußere und der innere Weg verbindet alle Pilgerinnen und Pilger und ist doch gleichzeitig sehr individuell. So unterschiedlich die Anliegen und Gründe für eine Pilgerreise sein mögen – ob Abenteuerlust, Trauerbewältigung, bewusste Umkehr oder ein neuer Lebensabschnitt –, das Unterwegssein ist beim Pilgern wichtiger als das Ankommen. Und die Erlebnisse, Ereignisse und Begegnungen unterwegs machen das Besondere des Pilgerns aus.
Es ist faszinierend, auf uralten Wegen unterwegs zu sein, auf Pfaden, die Pilger schon Jahrhunderte zuvor gebahnt haben, in gesprochenen, gedachten, geatmeten und gelebten Gedanken und Gebeten, im steten Gehen und Gehen und Gehen.
Die pure Freiheit
Reduzieren, minimalisieren, daheim lassen, loslassen: Beim Pilgern geht es auch darum, die Komfortzone zu verlassen und sich nur mit leichtem Gepäck auf den Weg zu machen. Schließlich muss alles Hab und Gut getragen werden, jeden Tag, jede Minute des Weges. Ich erlebe diese Reduktion des Materiellen bei jeder Pilgertour als große Freiheit: Alles, was ich brauche, trage ich bei mir. Und das, so stelle ich jedes Mal fest, ist wirklich sehr wenig. Zumal es zum Pilgeralltag gehört, bei Ankunft in der Unterkunft die verschwitzten Klamotten mit der Hand durchzuwaschen. Drei Unterhosen und zwei Shirts reichen wochenlang.
Am Morgen ist alles schnell wieder im Rucksack verstaut. Ich brauche nicht lange zu überlegen: Das Wirrwarr auf dem Bett aus Wechselklamotten, Ladekabel, Pilgerpass, Haargummi, Tagebuch und Flip-Flops kommt einfach komplett in den Rucksack und weiter geht‘s. Alles, was ich brauche, trage ich auf dem Rücken. Ich kann gehen, wohin ich will, und habe alles Nötige bei mir. Welch unglaubliches Gefühl von Freiheit! Sich noch unterwegs von Ballast zu trennen und Teile der Ausrüstung wegzugeben, ist eine gängige Pilgererfahrung und für manchen sogar ein Ritual, verringert es doch im konkreten wie im übertragenen Sinn die Last auf den Schultern. So nehmen manche Pilgerinnen und Pilger von zu Hause einen Stein mit, der symbolisch für eine Last steht, für eine überstandene Krankheit oder eine schmerzhafte Trennung, und legen diesen Stein unterwegs ab.
Nicht nur in Sachen Gepäck ist Pilgern eine Reduzierung auf das Wesentliche: gehen – essen – schlafen. Der Pilgeralltag folgt einer erwartbaren Regelmäßigkeit.
Die reine Abhängigkeit
Wenn ich zu Fuß unterwegs bin, nur mit dem Rucksack auf meinem Rücken, habe ich auf meiner Reise ausschließlich diese Dinge zur Verfügung. Keinen Fön, keine größere Lektüre, keine Spielesammlung. Zu Fuß bin ich außerdem nur in einem kleinen Radius mobil. Sollte ich am angepeilten Tagesziel keine Unterkunft finden, kann ich nicht mal eben weitere zehn Kilometer suchen gehen.
Hier beginnt nach meinem Empfinden der „Spirit“ des Pilgerns. Eben weil ich mich so bedürftig und abhängig mache, kann Gott seine Wunder-barkeiten deutlich auspacken und spielen lassen. Die Welt der Pilgernden ist voll von diesen Wundergeschichten, die Mut machen und Vertrauen schenken: Der Schuh meines Mannes ist zu eng. So kann er unmöglich weitergehen. Am Wegesrand im kleinen Dorf ist unversehens ein orthopädischer Schuhmacher, der den Schuh richtet. Oder: Beschwingten Schrittes sind wir ein ziemliches Stück dem falschen Pfad gefolgt. Nachdem wir unseren Irrtum bemerkt und ein Stück querfeldein gelaufen sind, finden wir uns plötzlich und überraschend auf unserem eigentlichen Weg wieder.
Wir erleben Geschichten des Versorgtseins und Getragenseins, aber auch Geschichten der persönlichen Herausforderungen. „Der Weg gibt dir nicht das, was du willst, sondern das, was du brauchst“, sagt man. Diese eindrücklichen Erfahrungen machen Pilgernde immer wieder. Ihr Weg ist ihnen ein Spiegel des Inneren. Der Weg schenkt uns die Kraft, ihn zu gehen, er leitet uns, sorgt für uns, führt uns über Umwege, bergauf und bergab, querfeldein und auch mal außerhalb der Karte, durch Sonne und Regen, über Asphaltwüsten und an blühenden Blumenwiesen vorbei. Vor mir sonnt sich ein Schmetterling. Er fliegt nicht davon. Ich darf ihm nahe sein, dem Schmetterling und dem Leben. So wird es beim Pilgern immer wieder vor allem um eines gehen: Bei sich zu bleiben und doch verbunden zu sein mit der Mitwelt – mit der menschlichen Mitwelt und mit der mehr-als-menschlichen Mitwelt.
Jeden Morgen neu aufmachen zum Pligern
Und so ist letztlich auch weniger die Frage der optimalen Outdoor-Ausrüstung entscheidend als vielmehr die Frage der inneren Ausrüstung: Pilgern schenkt uns viele hoch-heilige Momente. Und Pilgern verlangt Kondition und Ausdauer eher mental, denn körperlich sind viele Pilgerwege moderat im Anspruch. Doch die Herausforderung, sich jeden Morgen wieder neu aufzumachen ins Unbekannte und sich dem zu stellen, was innerlich in Bewegung gerät, verlangt Bereitschaft zur Hingabe ins Vertrauen.
Das merke ich besonders am letzten Tag in Österreich, als mich ernsthafte Zweifel überkommen, ob ich diese letzte Etappe schaffen werde. Mir fehlt die Kraft. Intensive Wandertage stecken mir in den Beinen. Wenn es mir gutgeht, fällt es mir leicht, dem Urgrund allen Seins dafür dankbar zu sein. Umgekehrt habe ich oft Mühe, um Hilfe zu bitten, wenn ich nicht allein weiterkomme, ob bei Menschen oder beim Ewigen. Hier oben in den Bergen kann mir kein Mensch beim Weitergehen helfen. Aber ich brauche Hilfe, ich brauche die Kraft zum Weiterkommen. Und ich bitte himmelhoch darum.
Nie zuvor habe ich diese Hilfe so körperlich erlebt. Es fühlt sich an, als schiebe mich eine unsichtbare Hand sanft bergauf – ich gehe und gehe und gehe. Klingt irre. Ich weiß. Fühlte sich auch irre an. Oben nehme ich mir einen kleinen glitzernden Stein mit. Er soll mich zu Hause an die unbeschreibliche Ruhe erinnern, die mit der Erkenntnis kommt, wie viel Kraft sich entfaltet, wenn ich in Verbundenheit immer weiter meinen Weg gehe.
Geht das auch etwas kürzer?
Der eigentliche Effekt des Pilgerns wird erst bei einem längeren Unterwegssein von mehreren Tagen spürbar. Und dennoch kann ich diese einmal gewonnene Erfahrung auch abrufen, wenn ich mich zu Hause einen halben Tag ausklinke und bewusst rausgehe, um zu pilgern. Mir hilft das, Anliegen zu klären. Ich erfahre die Natur als Spiegel, das Gehen als Meditation. Nicht umsonst heißt es, Pilgern sei Beten mit den Füßen. Am frühen Abend nähern wir uns unserem letzten Etappenziel, der Wallfahrtskirche von Heiligenblut. Wir können sie von weitem sehen und ich denke: Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Regenbogen. Kurz darauf fängt es an zu nieseln und in dem Moment, als wir die Kirche erreichen, erscheint ein Regenbogen am Himmel und bleibt aufgespannt über dem Tal stehen. Wir sind angekommen. Und ich weiß, warum ich pilgern gehe, immer wieder.
Melanie Schmitt ist begeisterte Pilgerin und hat als Leiterin der Pilgerstelle im Bistum Limburg auch beruflich sehr viel mit einer Spiritualität des Unterwegsseins zu tun.
WISSENSWERTES ZUM PILGERN
Nachgefragt bei Melanie Schmitt, Leiterin der Pilgerstelle im Bistum Limburg
Wie fange ich an, wenn ich Pilgern ausprobieren möchte?
Es müssen nicht gleich 800 Kilometer Jakobsweg sein. Es gibt auch in Deutschland und der Schweiz viele gut markierte Wege, wie zum Beispiel den Hildegard-von-Bingen-Weg oder den Lahn-Camino, die beide in etwa zehn Tagen gut zu bewältigen sind. Und viele regionale Pilgerwege, die zum Pilgern für einen Tag einladen. Manche Outdoor-App bietet die Vorauswahl „Pilgerweg“. Wenn man sich umschaut, entdeckt man vielleicht in der Nähe des Wohnortes Jakobsmuscheln oder andere Pilgerwegmarkierungen.
Was ist besser: allein pilgern oder in der Gruppe?
Das hängt davon ab, welches Erlebnis man sucht. Vom organisierten Kulturpilgern mit Rucksacktransport bis zur individuell gestalteten Tour ist alles möglich. Allgemein gilt: Man trifft in der Regel sehr schnell andere Pilgerinnen und Pilger und das immer wieder, weil die Wegstrecke und die Etappen oft ähnlich sind. Das ist auch so schön am Pilgern: die Gemeinschaft, die unterwegs entsteht, das gemeinsame Essen, Wäschewaschen, Blasenpflegen…
Welche Ausrüstung ist notwendig?
Ein Rucksack und gut eingelaufene Schuhe verstehen sich wahrscheinlich von selbst. Wer in Pilgerherbergen übernachten möchte, braucht einen einfachen, dünnen Schlafsack. Nicht zu vergessen: einen Pilgerpass. Auf den meisten Wegen berechtigt er zur günstigen Übernachtung in Pilgerherbergen und Klöstern und dient am Ziel als Nachweis des zurückgelegten Weges für den Erhalt einer Pilgerurkunde. Die bunte Stempelsammlung ist außerdem eine schöne Erinnerung.
Wo bekomme ich Infos?
Es gibt zahlreiche Pilgerweg-Vereine, wie die Jakobusgesellschaften, den Ökumenischen-Pilgerweg-Verein oder eben die Pilgerstellen der Bistümer. Daneben viele Regalmeter an Pilgerführern, die sehr zuverlässig sind, und natürlich die weiten Wege des Internets. Qualifizierte Pilgerbegleiterinnen und -begleiter bieten oft auch Touren zu Themen an, wie Trauerpilgern oder Fastenpilgern.
Beziehungs-Check für Gestresste: Mit dieser kleinen Frage halten Sie Ihre Liebe frisch
Verbundenheit in Beziehungen will gepflegt werden – gerade in stressigen Zeiten. Das muss nicht immer ein aufwändiger Date-Abend sein. Oft reicht schon eine kleine Frage.
Mitten in der Hektik des Alltags kann sich eine Woche sich schnell anfühlen wie zwei kurze Tage. Das Leben rast dahin wie eine Achterbahn. Da bleibt oft kaum Zeit für die Beziehung. Solche Phasen sind normal und jedes Paar kennt sie. Kritisch wird es allerdings dann, wenn aus zeitlich begrenzten Phasen dauerhafte Zustände werden. Das kann einen hohen Preis fordern. Um gut vorzusorgen und Prävention zu betreiben, hat sich eine simple Frage für Paare bewährt.
Kurz und bündig
Eine Frage nimmt Paare behutsam an die Hand und ermöglicht ihnen, sich für einen kurzen und ruhigen Moment einander zuzuwenden. Diese Frage braucht nicht viel Zeit und passt auch in einen randvollen Tag.
Diese Frage lautet: „Auf einer Skala von 1 bis 10 – wo steht diese Woche dein Liebesbarometer?“
10 bedeutet, dass das Bedürfnis nach Liebe überfließend erfüllt ist. 1 meldet zurück, dass das Gefühl, geliebt zu sein, völlig ausbleibt und dass das Miteinander sich zunehmend beziehungslos anfühlt.
Hinter diesem Liebestankbarometer verstecken sich gleichzeitig mehrere Fragen: Wie geliebt fühlst du dich? Wie sehr wahrgenommen fühlst du dich? Diese Frage entschleunigt. Sie regt zum Nachdenken an. Sie führt dazu, dass wir selbst wahrnehmen, wie geborgen oder wie gehemmt wir uns innerhalb unserer Paarbeziehungen fühlen. Diese Frage lädt Paare dazu ein, Bedürfnisse zu benennen und schafft dafür einen sicheren Raum.
Es braucht Mut
Für den Liebestankbarometer braucht es eine Portion Mut. Die Antwort zu der Frage kann alles andere als schmeichelhaft ausfallen. Wir müssen bereit sein, auszuhalten, dass unser Gegenüber womöglich seit ein paar Tagen ausgehungert ist. Vielleicht signalisiert unser Gegenüber eine Dürre oder eine Wüstenzeit. Eine solche Statusmeldung kann unangenehm. Wer möchte das schon zurückgemeldet bekommen? Das kann den Wunsch nach Verteidigung auslösen. „Ja, Schatz, ich hatte leider so viel zu tun…“ oder „Ich habe gerade starken Druck auf der Arbeit“ oder „Du hast ja auch nie Zeit!“ sind normale Abwehrreaktionen, die aber nicht helfen. Hier ist Zuhören und Annehmen angesagt.
Sich Zurückzuhalten und nach den Wünschen des anderen zu fragen, fordert viel Reife. Ein Paar kann lernen, eine solche Entwicklungsaufgaben miteinander zu bewältigen, um Erlebensmuster und Bewältigungsimpulse im Alltag zu verändern.
Klar und konkret
Es ist natürlich komplizierter, diese Frage mitten in einer stressigen Phase zum ersten Mal zu stellen. Das kann irritierend wirken oder gar größeren Streit auslösen. Sinnvoller ist es, in ruhigen bzw. normalen Zeiten damit zu beginnen. Paare, die sich das Kommunizieren von Bedürfnissen und Wünschen langfristig zur Gewohnheit machen, beugen für holprige Zeiten gut vor. Dabei gilt es, die Frage aufrichtig zu beantworten. Wenn grundsätzlich eine Zufriedenheit mit der Beziehung da ist, kann eine positive Rückmeldung als Zufriedenheitsverstärker dienen und Wertschätzung entgegenbringen. Gleichzeitig kann der Liebestankbarometer helfen, Wünsche besser in Worte zu fassen. Dabei ist es wichtig, klar und konkret zu sein: Ich würde mich mal wieder über ein ernsthaftes Kompliment freuen. Ich würde mich mal wieder mich über eine kleine Schultermassage freuen.
Den Liebesbarometer auszuprobieren, dauert weder lang noch fordert es ein besonderes Setting. Wenn man gut vorgesorgt hat, kann man sich diese Frage auch in hektischen Zeiten Zwischendurch einfach mal stellen und neugierig sein, was passiert.
Ira Schneider ist Paartherapeutin und Autorin. Mehr bei Instagram unter @ira.schneider_.
Einschulung im Regen? So fällt die Party garantiert nicht ins Wasser
Endlich ist die Einschulung da! Für Kinder und Eltern ist das ein großer Meilenstein, der gebührend gefeiert wird. Doch wie verbringt man den Tag, wenn das Wetter nicht mitspielt? Wir haben einige kreative Ideen, die auch bei Regen der ganzen Familie Spaß machen.
Obwohl die meisten Feiern zur Einschulung eher sommerlich ausgerichtet sind, ist es immer gut noch ein paar Ideen für einen regnerischen Tag in der Tasche zu haben. Mit Deko, Essen und Spielen ist da einiges möglich.
Deko
Wimpelketten – Diese kann man ganz einfach selbst machen und wunderschön mit dem A,B,C verzieren. Oder man klebt Bilder des Schulkindes von der Geburt bis zur Einschulung auf die Wimpel.
Fotoaufgaben – Man kann kleine Aufgabenkarten auf die Tische legen, auf denen Fotoaufgaben stehen. Die Gäste müssen dann Selfies machen: Mit jemandem, der das gleiche Lieblingsfach hat, mit jemandem, der den gleichen Anfangsbuchstaben hat, mit jemandem, der schon länger in der Schule ist, mit jemandem, der gern früh aufsteht … Die Fotos ergeben später ein schönes Erinnerungsalbum.
Essen
Das einfachste und passendste Essen ist natürlich die Buchstabensuppe, die man ganz einfach als Vorspeise anbieten kann. Beim Hauptgang sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Bei den meisten Kindern kommen natürlich Pommes Frites und Würstchen gut an. Das hängt aber vom individuellen Geschmack ab.
Für das Kaffeetrinken kann man Schultütenkuchen anbieten. Dazu einfach aus einem Blechkuchen zwei lange Dreiecke ausschneiden und mit Zuckerguss und Süßigkeiten verzieren. Fertig.
Spiele für drinnen
A,B,C …
Die Gäste bilden kleine Teams von etwa vier Personen. Jede Gruppe bekommt eine Handvoll Buchstabennudeln oder Buchstabenkekse. Das Schulkind darf ein einfaches Wort sagen und die Gruppe versucht, das Wort möglichst schnell mit den Buchstaben zu legen. Alternativ kann jeder Gast versuchen, den eigenen Namen mit den Buchstaben zusammenzulegen.
Erzähl mal …
Wie haben die Großeltern damals ihre Einschulung erlebt? Hatten sie auch eine Schultüte? Waren sie aufgeregt? Was hatten sie an? Und haben sie auch mit dem Ipad gearbeitet? Sicher haben Oma und Opa viel zu erzählen …
Buchstaben-Suche
Es gibt Buchstaben, die in vielen Vornamen vorkommen. Zum Beispiel ein L, ein A oder ein N. Die Gäste bilden Gruppen: Wer hat alles ein L im Namen? Wer ein A … und so weiter.
Pssst!
In der Schule muss man leise sein. Das ist gar nicht immer leicht. Wie gut schafft es die Gästeschar, für eine Weile mucksmäuschenstill zu sein? Und welche Geräusche sind dabei zu hören?
Gut sortiert
Ein bisschen Bewegung kommt in die Gruppe, wenn sich die Gäste alphabetisch sortieren – oder nach dem Alter.
Schultüten-Zielwurf
Ist die Schultüte schon ausgepackt? Dann könnte sie als Ziel für ein Wurfspiel dienen. Die Gäste versuchen reihum, einen leichten Gegenstand (geknüllte Servierten, Tischtennisbälle oder Kleingeld für das Schulkind) in die Schultüte zu werfen. Das Schulkind hält die Tüte und darf beim Zielen ein bisschen nachhelfen, in dem es die Wurfobjekte mit der Tüte auffängt.
Ab nach draußen!
Regen sammeln
Die Freunde und Geschwister gehen nach draußen sammelt um die Wette Regen. Dazu bekommt jedes Kind einen Eimer, einen Schwamm und einen flachen Plastikteller. Auf die Pfütze, fertig los! Wer hat nach einer festgelegten Zeit das meiste Wasser in seinem Eimer?
Pfützen-Parcours
Gebraucht wird eine möglichst große Pfütze. Mit einem Brett oder ein paar Steinen wird durch die Mitte der Pfütze ein Steg gebaut. Kannst du über den Steg bis zur anderen Seite balancieren, ohne ins Wasser zu treten? Mehrere Kinder könnne auch von unterschiedlichen Seiten auf den Steg gehen. In der Mitte wird es dann ein wenig knifflig.
Deckel-Versenken
In die Mitte einer Pfütze wird der Plastikdeckel einer PET-Flasche gelegt. Jeder Mitspieler sucht sich abwechselnd ein kleines Steinchen und legt es in den Deckel. Bei wem geht der Deckel unter?
Katrin Leppert ist Redakteurin des Kindermagazins KLÄX.
Schulstart: 5 Tipps, wie die Umstellung im Familienalltag leichter gelingt
Mit der Einschulung ändert sich das Leben für Kinder und Eltern. Worauf gilt es zu achten, um die Umstellung leichter zu meistern? Sarah Kröger weiß, was hilft.
Meine Tochter kommt im Sommer schon in die dritte Klasse. Ich weiß noch genau, wie aufregend der Schulstart damals für uns war. So viel war neu und veränderte sich. Wir alle mussten früher aufstehen, meine Tochter den ganzen Vormittag stillsitzen. Außerdem gab es von da an rund 12 Wochen Schulferien im Jahr, für die wir uns eine Betreuungslösung ausdenken mussten. Doch wie ist uns die Umstellung eigentlich gelungen? Ich muss gestehen: Vieles habe ich wieder verdrängt. Das Gehirn leistet Erstaunliches, wenn es darum geht, schwierige Dinge zu vergessen. Deswegen frage ich einfach mal bei meiner Tochter nach.
1. Der frühe Start in den Morgen
Wirklich schwer fiel ihr das frühe Aufstehen zum Schulbeginn, erzählt meine Tochter und findet: „Die Schule soll um neun beginnen, dann kann ich wenigstens bis acht Uhr ausschlafen.“ Das finde ich auch. Es gibt viele Studien, die belegen, dass ein zu früher Schulanfang zu weniger Schlaf, geringerer Konzentration und schlussendlich auch zu schlechterer Leistung führt – vor allem bei älteren Kindern. Zu dem frühen Beginn kam noch die Pünktlichkeit dazu. Unsere Tochter musste nun jeden Morgen um Punkt acht Uhr auf ihrem Platz sitzen. Es gab keine Gleitzeit mehr, wie früher zu Kitazeiten, als wir sie manchmal erst gegen halb zehn durch die Kita-Tür schoben, wenn es beruflich passte.
Wie haben wir das hinbekommen? Nachdem die Klassenlehrerin meine Tochter im ersten Schulhalbjahr ein paar Mal gerügt hatte, weil sie fünf Minuten zu spät erschienen war, entwickelte sie eine hohe Eigenmotivation, pünktlich zu kommen. Denn das war ihr sehr unangenehm. Wir hatten also etwas Glück. Ansonsten hilft – damals wie heute – das noch frühere Aufstehen. Stehen wir rechtzeitig auf, dann ist der Beginn morgens entspannt. Kommen wir nicht rechtzeitig aus dem Bett, wird das Frühstück und auch der restliche Start in den Tag hektisch. Als Faustregel gilt: Immer eine halbe Stunde extra einplanen. Mit der Zeit pendelt sich dann die beste Aufstehzeit für alle ein.
Auch ein möglichst gleicher Ablauf am Morgen erleichtert es dem Kind, sich schneller ans frühe Aufstehen zu gewöhnen. Wer mag, kann die Brotdose und die Schultasche auch schon abends vorbereiten, das spart morgens etwas Zeit. Hilfreich ist auch, wenn das Kind lernt, die Uhr zu lesen und so ein Gefühl für die Zeit bekommt, die es morgens noch übrig hat. Wird ein Kind morgens überhaupt nicht wach, kann der Schulweg helfen, der möglichst zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt wird. Das Sonnenlicht kann in den hellen Monaten beim Wachwerden helfen und die Bewegung regt zusätzlich den Kreislauf an. So kommt Ihr Kind richtig wach in der Schule an.
2. Vormittags: Bewegung ermöglichen
Anstrengend war auch, erzählt meine Tochter, dass sie in der Schule stillsitzen musste und nicht mehr so viel herumtoben konnte. Eine der größten Umstellungen von Kindergarten zu Schule ist sicherlich die eingeschränkte Freiheit. Wer wollte, konnte früher den ganzen Tag im Sand buddeln oder an Kletterstangen hangeln. In den meisten Grundschulen sitzen die Kinder ab der ersten Klasse den größten Teil der Zeit auf einem Stuhl. Dabei ist auch hier längst erforscht, dass Bewegung sehr wichtig beim Lernen ist. Wer sich bewegt, aktiviert das Gehirn und merkt sich Dinge besser. Grundschulkinder können sich in der Regel nicht länger als 20 Minuten am Stück konzentrieren. Viele Lehrerinnen und Lehrer wissen das und versuchen, regelmäßige Bewegungspausen in den Unterricht einzubauen. Auch im Unterricht selbst ist Bewegung möglich: Geometrische Figuren können mit einem Seil körperlich erfahrbar gemacht werden, Präpositionen wie „auf“ oder „unter“ können im Klassenraum in die Tat umgesetzt werden, indem die Kinder auf oder unter ihren Stuhl klettern. Falls Ihr Kind mehr Bewegung braucht, als es im Unterricht bekommt, können Sie auch mit der Lehrkraft sprechen und sie um eine individuelle Lösung bitten.
3. Tobe- und Ausruhzeit am Nachmittag
Spätestens nach der Schule sollten Kinder sich ordentlich austoben. Gehen Sie mit Ihnen auf den Spielplatz, Fahrrad fahren, Fußball spielen – was immer sie mögen. Doch auch Ruhe kann für manche Kinder nach einem lauten und aufregenden Schultag besonders nötig sein. Meine Tochter brauchte in den ersten Wochen viel Zeit zu Hause: Es war ihr zu laut im Klassenraum und sie war froh über die Stille.
In vielen Familien ist es mittlerweile üblich, dass schon Erstklässler ihren Nachmittag mit Freizeitaktivitäten verplant haben: Musikunterricht, Turnen, Fußball, Tanzen … Diese grundsätzlich schönen Hobbys, die auch oft die benötigte Bewegung ermöglichen, sind aber trotzdem feste Termine. Sie führen dazu, dass der Tag der Kinder von morgens bis abends verplant ist. Nach der Schule müssen erstmal Hausaufgaben gemacht werden, wenn die nicht schon in der Schule erledigt werden konnten. Steht dann gleich der nächste Programmpunkt an, kann das schnell zusätzlichen Stress bedeuten. Außerdem fehlt so die Zeit für Verabredungen mit neuen Freundinnen und Freunden aus der Klasse. Dies ist im ersten Schuljahr besonders wichtig, um Kontakte zu knüpfen. Mit einigen Kindern aus der Klasse kann sich meine Tochter zum Beispiel kaum treffen, obwohl sie sich mögen: Sie sind an drei von fünf Nachmittagen in der Woche schon freizeitmäßig verplant. Deswegen: Warten Sie doch noch ein bisschen mit dem festen Nachmittagsprogramm, bis Ihr Kind gut in der Schule angekommen ist und selbst den Wunsch nach neuen Aktivitäten äußert.
4. Rechtzeitig am Abend zu Bett gehen
Um sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen, helfen abends feste Zubettgehrituale. Meine Tochter macht sich abends meistens schon mal bettfertig und hört dann noch eine Hörgeschichte oder schaut sich ein Buch an. So kommt sie langsam zur Ruhe. Etwa drei Stunden vor dem Schlafen sollten Kinder keine elektronischen Medien mehr nutzen. So kann der blaue Lichtanteil des Displays nicht die Freisetzung des schlaffördernden Hormons Melatonin im Gehirn hemmen. Es lohnt sich, vor dem Schulstart das Kind langsam auf die neuen Aufsteh- und Zubettgehzeiten vorzubereiten. Das gelingt laut Schlafforschern am besten, indem das Kind jede Woche 15 bis 30 Minuten eher ins Bett gebracht wird, so lange, bis die passende Zubettgehzeit erreicht ist. Die neuen Zeiten sollten auch ungefähr am Wochenende eingehalten werden – auch wenn hier eine Stunde länger schlafen durchaus okay ist.
5. Kreative Lösungen für den Urlaub
Auch die Urlaubsplanung ändert sich, wenn die Schule beginnt. Denn dann können Familien mit Schulkind nur noch während der offiziellen Schulferien in den Urlaub fahren. Das bedeutet für alle Arbeitnehmenden, dass sie rechtzeitig Urlaubsanträge stellen müssen und für alle Selbstständigen, dass sie ihre Aufträge gut im Voraus planen sollten. Auch für die Hochsaisonpreise während des Urlaubs müssen Familien sich wappnen, denn der wird plötzlich um einiges teurer. Eine Möglichkeit ist, sich Orte auszusuchen, die keine typische Reisezeit haben, zum Beispiel weil dort gerade Winter ist. Auch kann es sich lohnen, in anliegende Bundesländer, die noch keine Ferien haben, zu fahren, hier könnten die Preise etwas niedriger sein. Je nach Geschmack sind vielleicht auch kostengünstige Camping-Urlaube, All-Inclusive-Angebote oder Besuche von Bekannten an schönen Urlaubsorten eine Option.
Die wenigsten Familien werden wohl sechs Wochen Sommerurlaub am Stück machen. Sie müssen sich deswegen überlegen, wohin sie ihr Kind geben, während sie arbeiten. Das war auch für uns nicht leicht zu organisieren. Wir entschieden uns erstmal dazu, lange in den Urlaub zu fahren. Danach schickten wir die Kinder ein paar Tage zu Oma und Opa. In den letzten Wochen haben wir dann in Teilzeit gearbeitet und uns währenddessen mit der Kinderbetreuung abgewechselt. Dieses Jahr haben wir auch zum ersten Mal das Hort-Angebot der Schule genutzt, von dem meine Tochter aber nur mittelmäßig begeistert war. Geholfen hat uns auch, dass es befreundete Kinder aus der Nachbarschaft gab, mit denen sich sie sich ab und zu zum Spielen verabreden konnte.
Alles in allem ist der Schulstart zwar eine große Herausforderung für die ganze Familie, aber eine tolle Sache. Als ich meine Tochter frage, was ihr damals gut gefallen hat, antwortet sie: „Die Einschulung war richtig cool. Und ich habe fünf neue Freunde gefunden. Außerdem kann ich nun selbst Bücher lesen, wenn ihr keine Zeit habt, mir welche vorzulesen.“ Mittlerweile haben wir uns ganz gut an den Schulalltag gewöhnt. Es dauert bestimmt nicht mehr lange und mein Gehirn wird auch komplett verdrängt haben, dass es mal eine Zeit gab, in der ich nicht morgens um halb sieben aufgestanden bin.
Sarah Kröger ist Journalistin und Host des lösungsorientierten Podcasts „Und jetzt? Der Perspektiven-Podcast“. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Kunstmuffel? – So begeistern Sie Teenager für Kunst
Kunst ist etwas wunderbares. Doch wie kann man als Eltern Jugendlichen die Kunst nahebringen? Duch Vorleben und Inspiration, meint Zeichner und Kunstpädagoge Thees Carstens.
Begeisterung für Kunst zu vermitteln, ist am einfachsten, wenn man sich auch als Eltern für Kunst begeistern lassen kann. Es ist wie mit dem Lesen von Büchern: Je selbstverständlicher Kunst am Rande im Alltag vorkommt, desto leichter fällt der Zugang. Den Zugang zu Kunst kann man passiv und aktiv finden. Passiv erleben Kinder früh die Bilder in Büchern, die man zusammen mit den Eltern ansieht und bespricht.
Selbst Kunst zu mögen, ist in jedem Fall ein guter Tipp. Auch wenn man für den eigenen Geschmack belächelt wird. „Man darf Kunst gut finden“, wird hängen bleiben. Je älter Kinder sind, desto mehr gilt: Erziehung zur Kunst kann immer nur nebenbei, durch Vorbild, durch Beobachtung und beiläufige Gespräche gelingen. Ausflüge an Orte, an denen Kunst stattfindet, können dokumentiert werden, indem man zum Beispiel ein gemeinsames Foto vor einem Bild macht und an den Kühlschrank hängt oder den Katalog kauft und im Wohnzimmer griffbereit „herumliegen“ lässt. Stifte und einen Skizzenblock kann man mit ins Kunstmuseum nehmen und etwas abzeichnen. Oder jeder fotografiert das Bild, das ihm oder ihr am besten gefallen hat, mit dem Handy, und man zeigt sich später die Bilder.
Je aktiver, desto besser
Je aktiver man sich mit Kunst vertraut machen kann, desto besser. Jugendliche lassen sich von Kunstwerken in den sozialen Medien gern zu einer eigenen Kunstproduktion inspirieren, zum Beispiel bei Pinterest und Instagram. Hier zu stöbern und sich in der Kunst zu verlieren, kann viel Zeit in Anspruch nehmen. Die sollte man gewähren. Tutorials findet man auf YouTube in großen Mengen.
Die Werke der Kinder wertzuschätzen, ist in jedem Fall wichtig. Dabei ist gar nicht mal das bedingungslose Lob gefragt, sondern eher das Nachfragen: „Wie bist du auf das Motiv gekommen? Bist du zufrieden? Gibt es etwas anderes Künstlerisches, das du gern mal ausprobieren möchtest?“ Als Eltern selbst einen Stift in die Hand zu nehmen, ist sicher auch nicht verkehrt. Wir haben mal vier Leinwände für uns Eltern und unsere beiden Kinder gekauft und festgelegt, dass alle etwas mit der Farbe Grün malen. Als kleines farblich abgestimmtes Vierer-Ensemble hingen die Bilder lange an der Wand und haben uns an die schöne Familienaktion erinnert und daran, dass wir eine Familie sind, zu der Kunst gehört.
Thees Carstens hat als Comiczeichner, Autor und Illustrator gearbeitet. Seit einigen Jahren unterrichtet er Kunst und Philosophie an einem Gymnasium in Hamburg, wo er mit seiner Familie lebt.
Ferien zu Hause – So klappt das Urlaubsfeeling ohne Verreisen
Der eigentliche Urlaub ist schon rum, es regnet oder eine Reise hat in diesem Jahr nicht geklappt? Dann helfen diese Tipps für entspannte Tage mit Urlaubsfeeling in den eigenen vier Wänden.
Ferien ohne Wegfahren kann für Kinder und Eltern sehr anstrengend sein. Damit das nicht passiert, gibt es viele Möglichkeiten, die Ferne nach hause zu holen.
Länder- oder Mottotage veranstalten
Macht euch zum Beispiel einen Nordseetag mit Fisch, einen Mexikotag mit typischer Musik, Käsenachos und Tacos, einen Lieblingstiertag oder einen Märchentag mit Verkleidung. Zu dem jeweiligen Thema könnt ihr euch optimal mit einer Doku einstimmen, wissenswerte Facts recherchieren (zum Beispiel typische Tiere, Geografie, Demografie, Kultur, Besonderheiten, Entstehung, Entwicklung) und der restlichen Familie vortragen, das Haus oder einzelne Zimmer dekorieren oder themenbezogene Bastelideen auspacken.
Freizeit einfacher planen mit Kindaling
Kindaling ist eine Inspirations- und Buchungsplattform für Familienaktivitäten in Deutschland. Darauf könnt ihr Kurse für euer Kind, Ausflugsideen fürs Wochenende oder diverse Ferienangebote in eurer Nähe suchen (kindaling.de). Mit der neuen Kindaling-App lässt sich die Freizeit noch einfacher planen. Außerdem könnt ihr in der App mit wenigen Klicks personalisierte Angebote in eurer Nähe finden.
Online-Stationen-Parcours „Wir sind Familie! spielend unterwegs“
Auf spielerische Weise werden auf sechs Stationen klassische Familienthemen wie Kommunikationskultur, Teamfähigkeit, Konfliktlösung, Selbstwirksamkeit, Diversität etc. aufgegriffen – unter anderem mit Spielen wie Luftballon-Wettrennen, Schimpfwort-Generator, Geschicklichkeitsübungen, Segensgebeten und Bastelaktionen. Die Stationen stehen unter den Überschriften „Das sind wir!“, „Stell dich in die Mitte!“, „Streit gehört dazu!“, „Lachen tut gut!“, „Worauf du dich verlassen kannst“ und „Auf dich kommt’s an“. Die kostenlose Aktion auf familienweg.de ist einfach mit einem Handy umsetzbar. Das Projekt eignet sich für jegliche Familienform, besonders mit Kindern im Alter von 4-12 Jahren.
Weitere Ideen
Helena Berger ist Voluntärin bei Family.
Schweigen ist Silber, Reden ist Gold
Mit Nicht-Gläubigen über Gott und den Glauben zu sprechen, ist nicht einfach. Das gilt umso mehr in der Familie. Wie es aber trotzdem gelingen kann und uns nebenbei noch selbst weiterbringt, berichtet Matthias Kleiböhmer.
Wir sitzen vor dem Kamin und sprechen darüber, wie die letzten Jahre gelaufen sind. Meine Frau sagt: „Wir können doch ganz zufrieden sein: Job okay, Kinder gesund und wir wohnen in einer guten Gegend.“ Ich denke: „Ja, Gott hat uns gesegnet.“ Aber ich sage es nicht. Meine Frau glaubt nicht an Gott. Und ich möchte den Augenblick nicht kaputt machen. Denn davon zu sprechen, was Gott in unserem Leben tut, führt eigentlich immer zu Diskussionen. In diesem Fall wäre das Thema: „Wieso segnet er dich und andere nicht?“ Aber wir werden noch darüber sprechen. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.
Außerhalb der Kirchenmauern
Es braucht Mut, über den Glauben zu sprechen. Nicht in der Gemeinde – da geht es einfach. Aber fast überall sonst. Meine letzte Blitzumfrage nach dem Gottesdienst hat gezeigt: Es geht vielen so. Was Businesstrainer für den Smalltalk empfehlen, haben wir schon längst verinnerlicht. Geld, Politik und Glaube lässt man besser außen vor, sonst wird es zu persönlich, übergriffig oder einfach zu emotional – und es kann eskalieren. Deswegen bleiben wir mit unserem Glauben unter uns in der Gemeinde oder in der Anonymität unserer Social Media-Bubble. Alle anderen lassen wir besser außen vor.
Wenn man – wie ich – „die anderen“ direkt in der Familie hat, geht das nicht. Für den Moment kann man Gott schon mal aus einem Gespräch ausklammern. Aber auf Dauer gelingt es nicht. Man kommt sich sonst vor, als müsste man öffentlich erklären, dass die Erde eine Scheibe ist. Wir können unser Christsein nicht an der Haustür neben dem Schlüsselbrett ablegen. Wir bringen den Glauben mit. Er begleitet uns durch eine Gesellschaft, in der der Unterschied zwischen denen, die glauben, und „den anderen“ immer größer wird. Immer mehr haben Gott nicht nur vergessen; sie vergessen, dass sie ihn vergessen haben. Schon allein deshalb glaube ich, dass es in Zukunft mehr Beziehungen wie unsere geben wird. Zu Hause kann man sich aber nicht dauerhaft verbiegen. Deswegen können wir nicht permanent auf den Gottesdienst verzichten. Und wir können Gott – wie alles andere Wichtige im Leben auch – nicht für immer aus allen Gesprächen verbannen.
Also braucht es Mut. Denn wir wissen ja selbst, wie brüchig, unvollständig und schwach unser Glaube manchmal ist. Und das kann ein solches Gespräch offenbaren. Wie peinlich! Dabei ist das nicht einmal das Schlimmste. Viel schlimmer ist es, dass es uns oft schwerfällt, unsere Liebe zu Gott in Liebe zu den Menschen zu übersetzen. Schließlich erleben uns unsere Angehörigen immer und überall in der Nahaufnahme. Sie kennen unsere Stärken und Schwächen sehr genau. Der Mut besteht nicht nur darin, von Gott zu erzählen und die verständnislosen Blicke, das Desinteresse oder die anschließende Diskussion auszuhalten. Er besteht vor allem darin, sich selbst mit dem Maßstab des Glaubens messen zu lassen.
Der Anspruch ist gewaltig
Viele Menschen haben zwar Gott vergessen, aber trotzdem gewaltige Ansprüche an Christinnen und Christen, was Geduld, Barmherzigkeit und Nächstenliebe angeht. Drei Disziplinen, in denen ich ständig versage. Als Bibelleser denke ich dabei oft an Paulus, und das macht es nicht leichter. Er ist nämlich der Meinung, dass in Beziehungen wie meiner nicht-gläubige Partnerinnen und Partner gewonnen werden können durch die vorbildliche Lebensweise der Christinnen und Christen. Das ist die wichtigste Art, wie wir über unseren Glauben sprechen, und es ist die schwierigste.
Man kann das alles maximal groß und kompliziert denken oder man kann die Freiheit des Glaubens ernst nehmen. Was ich meine: In meiner Situation spürt man den Erwartungsdruck der anderen, man liest Paulus und hört vielleicht sogar Jesu Aufforderung, „alle Welt“ mit dem Evangelium in Kontakt zu bringen. Das überfordert nicht nur mich, sondern auch Menschen, die im Glauben fester sind als ich. Tatsächlich hat Gott aber die Neigung, Menschen mit großen Schwächen zu Zeugen seiner Liebe zu machen. Petrus war ein Verräter, Paulus ging keinem Streit aus dem Weg und ein Berufssoldat der verhassten Römer erkennt als Erster: „Dieser Mann ist Gottes Sohn gewesen!“ Willkommen in der Gemeinschaft der Unvollkommenen!
Nicht-Gläubige, die wissen, dass wir Christen sind, werden sich sicher immer mal wieder fragen, wie glaubwürdig wir leben. Aber sie verstehen darunter meist etwas anderes, als Gott darunter versteht. Sie meinen meist eine moralische Christlichkeit mit selbstlosem Einsatz für den Nächsten. Dabei sind sie so ungnädig, wie wir Menschen eben sind. Gott kann da liebevoller drüber hinwegschauen und das sollte unser Maßstab sein. Wir müssen es trotzdem mit aller Kraft versuchen. Wir sind dran, weil es eben niemand anderen gibt, der es tun kann. In der Familie kann man sich nicht vertreten lassen.
Aber wie macht man das?
Wie findet man Worte für den Glauben und wie spricht man ihn aus? Ich meine, der einfachste Weg ist, mit einem eigenen Erlebnis zu beginnen. Da braucht man keine große Theologie und keine Argumente. Man darf einfach erzählen, wie man etwas erlebt hat. Zum Beispiel, dass man Gott erlebt hat, wo andere nur einen glücklichen Zufall sehen. Beispielsweise so, dass Gott in mein Leben positiv eingreift.
So habe ich es gemacht, als ich mich bei einem Beinahe-Unfall auf der Autobahn „bewahrt“ gefühlt habe. Das ist so ein typisches „Christenwort“, aber so habe ich es erlebt: Ein BMW fuhr viel zu schnell an meinem und einigen anderen Fahrzeugen vorbei und prallte in die Leitplanke. Dabei drehte er sich nur wenige Meter vor mir um die eigene Achse. Beim Aussteigen war ich geschockt – und fühlte mich bewahrt. Ich habe das bewusst auch denen genau so erzählt, die meinen Glauben nicht teilen. Was ich erlebe, darf ich auch so erleben. Wenn dann daraus eine theologische Fragestunde entsteht, in der ich nicht alle Antworten habe – sei es drum. Da bin ich trotz Studium und Predigtdienst manchmal nicht so gescheit, wie ich gern wäre. Aber was macht das schon? Ein anderer Christ oder eine andere Christin ist eben nicht da.
Bestätigung statt Zweifel
Was wir erleben, ist das eine. Das andere sind die Worte dafür. Und die kann man sehr gut mit Menschen üben, die den Glauben teilen. Nicht, weil es ein Formulierungstraining braucht, sondern weil man sich am Anfang etwas dazu überwinden muss. Und das geht leichter in einem Umfeld, das ein solches Erlebnis nachempfinden kann. Der Partner oder die Partnerin ahnt ja vielleicht nicht, dass die Situation auch für uns eine Herausforderung ist. Wir wissen es aber und wir brauchen gerade am Anfang Bestätigung und nicht Zweifel. Deswegen kann man solche Erlebnisse (ich meine solche mit Gott, sie müssen nicht unbedingt so spektakulär sein wie in meinem Fall) gut zunächst in der Gemeinde oder im Hauskreis erzählen. Später dann in der Familie.
Als dritte Möglichkeit, neben einem authentischen christlichen Lebensstil und dem Reden über den Glauben, bleibt noch die subtilere Sprache der Symbole. Wer keine Worte findet, kann die Kunst in Bild oder Ton sprechen lassen. Dabei geht es weniger darum, die Wohnung sakral zu möblieren. Aber wenn der Glaube zu deinem Leben dazugehört, findet er auch einen Platz im Wohnraum, in der Spotify-Playlist oder beim Streaming. Ich selbst schaue die Streaming-Version der Jesusgeschichte („The Chosen“) zwar meist allein, aber ich erzähle davon, was ich daran gelungen finde und was nicht. Solange es nicht zu nerdig wird, ist es in Ordnung. Solange es kein dogmatischer Vortrag ist, sondern persönlich, darf es einen Platz im Familienleben haben. Deswegen gibt es im Wohnzimmer auch ein Kreuz, obwohl es nicht allen Familienmitgliedern etwas bedeutet. Es berührt mich, also darf es bleiben.
Aushalten
Trotzdem ist meine Erfahrung, dass man im Gespräch mit Nicht-Gläubigen einiges aushalten muss. Und das empfinden die Gesprächspartner umgekehrt auch manchmal so. Die gegenseitige Zumutung besteht darin, sich zu lieben und dennoch wichtige, grundlegende Sichtweisen auf das Leben nicht zu teilen. Das lässt sich aushalten, wenn man sich der Beziehung grundsätzlich sicher ist und die Tagesform passt. Bei beiden. Denn auch der Partner oder die Partnerin erlebt dann im Gespräch einen „Die-Erde-isteine-Scheibe“-Moment. Deswegen kommt es auf den richtigen Moment für das Gespräch an.
Ich weiß, dass solche Gespräche trotz guter Vorbereitung, entspannter Stimmung und tiefer, inniger Liebe scheitern können. Niemand möchte das und doch passiert es. Ich kann nur für mich selbst sprechen. Aber ich muss sagen, dass mich solche Gespräche letztlich immer weitergebracht haben. Denn sie führen dazu, dass ich meine Gedanken neu ordne und meine Antworten neu durchdenke. Und das stärkt auch meinen eigenen Glauben. Mein Christsein wird tiefer, wenn es regelmäßig durchgeschüttelt wird. Denn manchmal lernt man aus gescheiterter Kommunikation mehr als aus gelungener.
Matthias Kleiböhmer ist mit einer atheistischen Naturwissenschaftlerin verheiratet. Der Theologe leitet den YouTube-Kanal der Stiftung Creative Kirche.
BUCHTIPP
Matthias Kleiböhmer „Sonntagmorgensingle – Wie es ist, der einzige Christ in der Familie zu sein“ (Gütersloher Verlagshaus)
Anonyme Geburt: Wie die Babyklappe einem Jungen das Leben rettete
Die Babyklappe eines Berliner Krankenhauses rettete Johannes das Leben. Zu verdanken hat er das Gabriele Stangl. Sie hat dafür gekämpft, dass verzweifelte Mütter eine Möglichkeit haben, ihr Kind in gute Hände zu geben.
Johannes (Name geändert) ist regelrecht ins Leben gestürzt. Seine Mutter war alleinerziehend mit zwei Kindern, als sie ungeplant schwanger wurde. Erst verdrängte sie die Schwangerschaft, dann – als sie der Wahrheit ins Auge sehen musste – beschloss sie, ihr Kind anonym zur Welt zu bringen. Sie hatte gelesen, dass es diese Möglichkeit im Krankenhaus Waldfriede in Berlin gab. Doch lange vor dem Geburtstermin setzten die Wehen ein. „Es ist doch noch viel zu früh“, dachte die werdende Mutter panisch. Schnell schickte sie ihre Kinder zu den Nachbarn. Sie wollte die Treppe zum Schlafzimmer hochgehen, brach aber auf der Treppe zusammen. Und dort stürzte Johannes ins Leben. Er fiel einige Treppenstufen herab, dabei brach er sich – wie man später feststellte – das Becken und einen Unterschenkel.
Seine Mutter war wie in Trance. Sie suchte für das viel zu kleine Frühchen ein Puppenkleidchen, wickelte es in eine Decke und versteckte es. Erst nachdem sie etwas geschlafen und ihre beiden älteren Kinder versorgt hatte, fiel ihr wieder ein, dass da ja dieses Baby war. Ihr Baby. Der kleine Junge war kalt und still, aber er lebte. Als die Kinder schliefen, fuhr Johannes‘ Mutter mit ihm nach Berlin. Im Krankenhaus Waldfriede gab es nicht nur die Möglichkeit der anonymen Geburt, sondern auch eine Babyklappe. Sie legte das kleine Bündel dort hinein und fuhr wieder nach Hause.
Das Leben gerettet
Nur zwei Minuten lag Johannes in der Babyklappe. Dann ging der Alarm los. Da das Frühchen in einem schlechten Zustand war, wurde es sofort in die Kinderklinik gebracht. „Wir hatten große Sorge, dass er es nicht schaffen könnte“, schilderte Krankenschwester Bärbel die Situation. „Seine Temperatur war nicht mehr messbar, so kalt war er. Er wog gerade mal 2.000 Gramm.“
Gabriele Stangl, zu der Zeit Krankenhaus-Seelsorgerin in Waldfriede, war sofort in die Klinik geeilt, als sie über den Neuzugang informiert worden war. Die Babyklappe war ihre Idee gewesen. Gegen viel Widerstand hatte sie im Jahr 2000 erreicht, dass im Waldfriede die weltweit erste Babyklappe – hier „Babywiege“ genannt – in einer Klinik eingerichtet wurde. Diese Einrichtung rettete Johannes das Leben.
Schon einen Tag nach seiner Geburt war er über den Berg und stabilisierte sich zusehends. Gabriele Stangl schloss ihn in ihr Herz und besuchte ihn regelmäßig. Kurz darauf bekam sie einen Anruf von einem Polizisten. Einer Frau sei aufgefallen, dass ihre Nachbarin schwanger gewesen sei, nun sei sie wieder schlank, habe aber kein Baby. Schnell wurde klar, dass es sich hier um Johannes‘ Mutter handelte. Sie erzählte den Polizisten, dass sie ihren Sohn in die Babyklappe gelegt habe, um ihn in Sicherheit zu bringen und dass sie ihn zur Adoption freigeben wolle.
Und so kam Johannes zu Katherina und Rolf (Namen geändert), die schon lange auf ein Adoptivkind warteten. Sie waren überglücklich, als sie ihren Sohn in die Arme nehmen konnten. Sie hatten sehr viel Liebe für ihn. Drei Jahre später adoptierten sie noch ein Mädchen, das im Krankenhaus Waldfriede anonym geboren worden war.
„Mir fehlt nichts“
Johannes ist inzwischen 16 Jahre alt und spricht offen über seine Geschichte. „Seit ich denken kann, weiß ich, dass ich adoptiert bin und dass ich in die Babyklappe gegeben wurde“, erzählt er im Interview. „Ich hatte dabei nie schlechte Gefühle. Und ich habe meine leibliche Mutter auch nicht vermisst. Ich bin ja von Anfang an bei meinen Adoptiveltern aufgewachsen und hatte nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt.“ Der Gedanke, dass seine Mutter ihn nicht behalten konnte oder wollte, belastet ihn nicht: „Ich kenne ja inzwischen die Geschichte, die dahintersteckt. Und deswegen weiß ich, dass es für mich das Beste war, in dieser Familie aufgewachsen zu sein.“
Anders als die meisten Kinder aus der Babyklappe hätte Johannes sogar die Möglichkeit, Kontakt zu seiner leiblichen Mutter aufzunehmen. Aber das möchte er nicht. „Ich habe das bis jetzt noch nicht gemacht und würde das auch in näherer Zeit nicht in Betracht ziehen“, erklärt er. „Ich kann mich nicht an sie erinnern und finde gerade keinen Grund, zu ihr Kontakt aufzubauen.In meiner Familie hier lebe ich einen normalen Alltag, als wäre meine Adoptivmutter meine leibliche Mutter.“
Engere Freunde kennen seine Geschichte, ein großes Thema ist es aber nicht. Johannes wirkt vollständig versöhnt damit. Sein Ziel ist es, das Abitur zu machen und danach zu studieren. Einen Ingenieurs-Studiengang kann er sich vorstellen. Die Babyklappe hält er für eine „super Sache“: „In meinem Fall hätte es ja viel schlimmer ausgehen können, wenn meine Mutter nicht einen Ort gehabt hätte, wo sie wusste: Hier gebe ich mein Baby in gute Hände.“
Entscheidung für das Kind
So positiv wie Johannes sehen aber nicht alle das Angebot einer Babyklappe oder der anonymen Geburt. Immer wieder gibt es die Kritik, diese Angebote würden Frauen ermutigen, ihr Kind abzugeben. Doch die Frauen, die diese Möglichkeiten in Anspruch nehmen, haben meist einen langen und verzweifelten Prozess hinter sich. „Die Frauen machen sich das nicht leicht“, erklärt Gabriele Stangl. Sie hat über viele Jahre werdende Mütter begleitet, die zu einer anonymen Geburt in die Klinik kamen. Und ist sehr froh darüber, dass 30 Prozent der Frauen, die ihr Kind anonym gebären und zur Adoption freigeben wollten, sich schließlich doch dafür entschieden haben, ihr Kind zu behalten.
Damit es dazu kommt, ist viel Beratungsarbeit notwendig. Die Gespräche mit den Frauen gingen oft über Wochen, bis sie endlich eine Perspektive für sich gesehen haben. „Manchmal konnten wir sie in einem Mutter-Kind-Haus unterbringen. Manche haben schließlich doch mit ihren eigenen Eltern geredet und von ihnen Unterstützung erhalten.“
Seit 2000 gab es im Krankenhaus Waldfriede etwa 250 Frauen, die eine anonyme Geburt wünschten. Zehn Prozent der abgegebenen Babys wurden in die Babyklappe gelegt. In Deutschland sind diese Angebote allerdings eine rechtliche Grauzone. Deshalb wurde 2014 die sogenannte vertrauliche Geburt als rechtssichere Variante eingeführt. Hierbei hinterlässt die Mutter ihren Namen bei einer Beratungsstelle. Das Kind hat dann ab dem Alter von 16 Jahren die Möglichkeit, den Namen der Mutter zu erfahren und gegebenenfalls Kontakt aufzunehmen. Dadurch soll das Recht des Kindes gestärkt werden, Informationen über seine Herkunft zu erhalten.
Wahrheit und Liebe
Doch wie der Fall von Johannes zeigt, ist es nicht allen Jugendlichen wichtig, das zu tun. Zudem: „Wenn Johannes nicht bei uns abgegeben worden wäre, hätte er keine Chance gehabt“, macht Gabriele Stangl deutlich. „Es war fünf vor zwölf für ihn, als er in die Babyklappe gelegt wurde.“ Deshalb findet sie es nach wie vor wichtig, dass das Angebot der Babyklappe und der anonymen Geburt erhalten bleibt. „Und wenn nur ein einziges Kind durch die Babyklappe gerettet worden wäre, hätte sich der ganze Aufwand gelohnt“, betont sie. „Denn jedes Leben ist unbezahlbar.“ Für die betroffenen Kinder ist es wichtig, dass sie von Anfang an Klarheit über ihre Geschichte haben. Spätestens im Alter von drei oder vier Jahren, wenn Fragen aufkommen wie „Bin ich auch in deinem Bauch gewachsen?“, sollten Adoptiveltern den Kindern erklären, dass es zwei Mamas hat.
Ein selbstverständlicher Umgang mit der Thematik hilft den Kindern, das als „normal“ für sich zu akzeptieren – wie es bei Johannes der Fall war. „Wahrheit und Liebe machen einen Menschen stark“, erklärt Gabriele Stangl. Und lächelnd fügt sie hinzu: „Ich habe den Krankenschwestern immer gesagt: Seid lieb zu ‚meinen‘ Kindern! Ihr wisst ja nicht, ob ihr nicht vielleicht den zukünftigen Bürgermeister von Berlin im Arm haltet.“
Bettina Wendland ist Redaktionsleiterin von Family und FamilyNEXT.
Die Wünsche des Anderen: Gemeinsam Neues wagen
Manchmal haben Partner unterschiedliche Träume. Ira wünscht sich ein Frühstück im Bett, David findet das total blöd. Als sie es doch gemeinsam wagen, machen sie eine erstaunliche Entdeckung.
Flackernde Holzdochtkerzen, glitzernde Lichterketten, heißer Tee und gemütliches Essen. All das bitte einmal abends und morgens im Bett. Der Wunsch nach solchen romantischen Speisezeiten machte sich über Jahre hinweg in mir breit. Wenn es nach mir ginge, könnte jeder Tag so laufen. Ach, und wenn ich es aussuchen könnte, natürlich noch serviert. Aber vor allem dieses verheißungsvolle Frühstücken im Bett als Paar hatte sich besonders tief in meiner Fantasiewelt eingenistet.
Freundliche Grüße aus Hollywood
Zugegebenermaßen habe ich wohl zu viele Filme als Teenie geschaut, in denen das höchst romantisch inszeniert wurde. Lichtdurchflutete Schlafzimmer, Milchschaum und intime Momente zauberten diese Bilder in meinem Kopf. Für mich stand fest: Wenn ich mal verheiratet sein sollte, will ich mich unbedingt auch an diesem fantastischen Frühstück im Bett laben. Als ich David dann heiratete, goss er mit seinen Vorstellungen eines Gaumenschmauses am frühen Morgen einen großen Krug Wasser in meinen Wein.
Er fand den Gedanken, im Bett zu frühstücken, total ungemütlich und vor allem äußerst umständlich. Er hat nämlich keinen Bock auf nervige und kratzige Brötchenkrümel, Teebecher, die umkippen, und auf das Hin- und Hergeräume von Geschirr. Meine engagierten und nicht uncharmanten Überredungskünste konnten ihn nicht umstimmen. Auch konnte ich ihn nicht auf halbe Sachen runterhandeln, wie nuuuur der Tee oder nuuuur ein Obstsalat. Also machte ich einen großen Haken hinter die Gedankenwolke aus Croissants, Chai Latte mit Zimt, Frühstückseiern und Obstspießen im Bett. Das Thema war vom Tisch. Oder besser gesagt: vom Bett.
Der Jahrestag
Völlig unverhofft überraschte mein Mann mich einige Monate später an unserem Zusammenkommenstag mit – ja genau, jetzt kommt’s – dem lang ersehnten Frühstück im Bett. Alle Köstlichkeiten, die man sich vorstellen kann, waren dabei und sie waren prachtvoll angerichtet. Aber es gab eine Besonderheit: ein kleines aufklappbares Tischlein. So konnten unerwünschte Krümellawinen verhindert werden. Ich war sprachlos. Da war er: mein kleiner Teenietraum, serviert auf dem Holztischlein. Ich sah, mit wie viel Arbeit das Frühstück verbunden war. Aber das, was für mich viel bedeutsamer war und viel tiefer mein Herz berührte, war die Überwindung, der David sich innerlich gestellt hatte. Die Überwindung und die Entscheidung. An diesem Morgen begegnete mir eine aufrichtige und liebevolle Willensbekundung. Gegen seine Neigung hat er sich auf das Experiment eingelassen. Aus dem Nichts! Nein, ich hatte das Frühstücksthema nicht mehr angesprochen. Das lag auch daran, dass ich selbst ein freiheitsliebender Mensch bin und von Mitmenschen nicht zu etwas gedrängt werden möchte. Mir ist wichtig, die Grenzen anderer zu wahren, so wie ich möchte, dass meine Grenzen respektiert werden.
Das Frühstück war ein feiner Genuss. Nur das Gemütlichkeitslevel blieb irgendwie auf der Strecke. Daher habe ich mich inzwischen zu meinem Mann ins selbe Boot gesetzt. Frühstück im Bett finde ich, seitdem wir es ausprobiert haben, gar nicht mehr so gemütlich. Es entpuppte sich als kompliziert, gleichzeitig unter der warmen Decke zu bleiben und aufzupassen, dass das Buffet nicht umstürzt.
Traum versus Realität
Manchmal entlarvt sich so ein Gedankenspiel in der Realität leider als Ernüchterung. Genau das ist, wie ich finde, ein besonderer Teil in der gemeinsamen Paarwelt. Ausprobieren und stolpern. Wünsche aussprechen, Experimente wagen, aufeinander zugehen, sich aus der Deckung wagen. Manchmal führt der Schritt aus dem Traum zu einer harten Landung in der Realität und wir müssen manche Grenzen annehmen. Wir gehen auf Sehnsüchte ein, andere lassen wir wiederum los.
Frühstück im Bett wurde also zumindest bei uns für umständlich erklärt. Dafür haben wir seit inzwischen vier Jahren ein anderes, viel besseres Ritual: Einmal im Monat machen wir etwas Besonderes: Einer von uns kauft unser Lieblingseis und das verspeisen wir dann gemeinsam abends im Bett. Also können wir schlussendlich doch ein wenig kulinarisches Vergnügen auch zwischen kuscheligen Kissen genießen.
Gemeinsam Neues wagen
Sicherlich sind wir nicht das erste Paar, das etwas gewagt hat, um dann festzustellen, dass es nicht klappt – der Traum war schön, aber die Realität dann doch nicht so. Aber das ist nicht schlimm. Wir haben uns trotzdem etwas getraut. Schade wäre, wenn man nie Neues ausprobiert. Oder wenn man sich gar nicht erst traut, Wünsche und Träume auszusprechen, weil die Angst zu groß ist, dass es nichts wird. In meinem Fall hat tatsächlich ein Traum den Realitäts-Check nicht bestanden. Aber ich habe nichts verloren, sondern zwei Dinge gewonnen: die an sich simple und nüchterne Erkenntnis, dass Frühstück im Bett für uns nicht klappt. Und darüber hinaus haben wir eine neue Tradition entdeckt, die besser zu uns passt. Also nichts verloren – dafür gemeinsam Neues entdeckt.
Ira Schneider arbeitet als psychologische Beraterin in einer Ehe-, Familienund Lebensberatungsstelle. Gemeinsam mit ihrem Mann bietet sie Paarberatungen an.
Pilgern – Eine Auszeit zum Auftanken
Pilgern ist seit Jahrhunderten Tradition und dennoch topaktuell. Melanie Schmitt, Leiterin der Pilgerstelle im Bistum Limburg, gibt Einblicke in eine faszinierende Wanderleidenschaft.
Tage des Laufens liegen hinter uns, rauf und runter, über einen alpinen Pilgerweg in Österreich, von Kirchlein zu Kapelle, vom alten Wallfahrtsort im Tal zum Gipfelkreuz hoch oben. Am letzten Tag kostet mich jeder Schritt Kraft, die ich nicht mehr habe. Ich frage mich ernsthaft, wie ich heute die restlichen Höhenmeter nach oben schaffen soll, um dann auf der anderen Seite wieder abzusteigen. Warum mache ich das hier eigentlich? Tageund wochenlang durch die Gegend laufen, jeden Tag dasselbe. Pilgern – was soll das?
Gebahnte Wege
Seit Menschengedenken machen sich Männer und Frauen auf Reisen, bei denen es nicht allein darum geht, einen äußeren Weg zurückzulegen, sondern auch darum, sich auf einen inneren Weg zu begeben, in inneren Angelegenheiten unterwegs zu sein, auf ganzheitlicher Bewegungstour für Körper und Seele. Nicht bei jedem religiös motiviert, aber doch auf der Suche: nach sich selbst, nach anderen oder nach Gott.
Pilgern ist eine jahrhundertealte Tradition, ein Teil der spirituellen Praxis aller großen Religionen. Ob Jerusalem, Assisi, Rom, Mekka oder Santiago de Compostela – der äußere und der innere Weg verbindet alle Pilgerinnen und Pilger und ist doch gleichzeitig sehr individuell. So unterschiedlich die Anliegen und Gründe für eine Pilgerreise sein mögen – ob Abenteuerlust, Trauerbewältigung, bewusste Umkehr oder ein neuer Lebensabschnitt –, das Unterwegssein ist beim Pilgern wichtiger als das Ankommen. Und die Erlebnisse, Ereignisse und Begegnungen unterwegs machen das Besondere des Pilgerns aus.
Es ist faszinierend, auf uralten Wegen unterwegs zu sein, auf Pfaden, die Pilger schon Jahrhunderte zuvor gebahnt haben, in gesprochenen, gedachten, geatmeten und gelebten Gedanken und Gebeten, im steten Gehen und Gehen und Gehen.
Die pure Freiheit
Reduzieren, minimalisieren, daheim lassen, loslassen: Beim Pilgern geht es auch darum, die Komfortzone zu verlassen und sich nur mit leichtem Gepäck auf den Weg zu machen. Schließlich muss alles Hab und Gut getragen werden, jeden Tag, jede Minute des Weges. Ich erlebe diese Reduktion des Materiellen bei jeder Pilgertour als große Freiheit: Alles, was ich brauche, trage ich bei mir. Und das, so stelle ich jedes Mal fest, ist wirklich sehr wenig. Zumal es zum Pilgeralltag gehört, bei Ankunft in der Unterkunft die verschwitzten Klamotten mit der Hand durchzuwaschen. Drei Unterhosen und zwei Shirts reichen wochenlang.
Am Morgen ist alles schnell wieder im Rucksack verstaut. Ich brauche nicht lange zu überlegen: Das Wirrwarr auf dem Bett aus Wechselklamotten, Ladekabel, Pilgerpass, Haargummi, Tagebuch und Flip-Flops kommt einfach komplett in den Rucksack und weiter geht‘s. Alles, was ich brauche, trage ich auf dem Rücken. Ich kann gehen, wohin ich will, und habe alles Nötige bei mir. Welch unglaubliches Gefühl von Freiheit! Sich noch unterwegs von Ballast zu trennen und Teile der Ausrüstung wegzugeben, ist eine gängige Pilgererfahrung und für manchen sogar ein Ritual, verringert es doch im konkreten wie im übertragenen Sinn die Last auf den Schultern. So nehmen manche Pilgerinnen und Pilger von zu Hause einen Stein mit, der symbolisch für eine Last steht, für eine überstandene Krankheit oder eine schmerzhafte Trennung, und legen diesen Stein unterwegs ab.
Nicht nur in Sachen Gepäck ist Pilgern eine Reduzierung auf das Wesentliche: gehen – essen – schlafen. Der Pilgeralltag folgt einer erwartbaren Regelmäßigkeit.
Die reine Abhängigkeit
Wenn ich zu Fuß unterwegs bin, nur mit dem Rucksack auf meinem Rücken, habe ich auf meiner Reise ausschließlich diese Dinge zur Verfügung. Keinen Fön, keine größere Lektüre, keine Spielesammlung. Zu Fuß bin ich außerdem nur in einem kleinen Radius mobil. Sollte ich am angepeilten Tagesziel keine Unterkunft finden, kann ich nicht mal eben weitere zehn Kilometer suchen gehen.
Hier beginnt nach meinem Empfinden der „Spirit“ des Pilgerns. Eben weil ich mich so bedürftig und abhängig mache, kann Gott seine Wunder-barkeiten deutlich auspacken und spielen lassen. Die Welt der Pilgernden ist voll von diesen Wundergeschichten, die Mut machen und Vertrauen schenken: Der Schuh meines Mannes ist zu eng. So kann er unmöglich weitergehen. Am Wegesrand im kleinen Dorf ist unversehens ein orthopädischer Schuhmacher, der den Schuh richtet. Oder: Beschwingten Schrittes sind wir ein ziemliches Stück dem falschen Pfad gefolgt. Nachdem wir unseren Irrtum bemerkt und ein Stück querfeldein gelaufen sind, finden wir uns plötzlich und überraschend auf unserem eigentlichen Weg wieder.
Wir erleben Geschichten des Versorgtseins und Getragenseins, aber auch Geschichten der persönlichen Herausforderungen. „Der Weg gibt dir nicht das, was du willst, sondern das, was du brauchst“, sagt man. Diese eindrücklichen Erfahrungen machen Pilgernde immer wieder. Ihr Weg ist ihnen ein Spiegel des Inneren. Der Weg schenkt uns die Kraft, ihn zu gehen, er leitet uns, sorgt für uns, führt uns über Umwege, bergauf und bergab, querfeldein und auch mal außerhalb der Karte, durch Sonne und Regen, über Asphaltwüsten und an blühenden Blumenwiesen vorbei. Vor mir sonnt sich ein Schmetterling. Er fliegt nicht davon. Ich darf ihm nahe sein, dem Schmetterling und dem Leben. So wird es beim Pilgern immer wieder vor allem um eines gehen: Bei sich zu bleiben und doch verbunden zu sein mit der Mitwelt – mit der menschlichen Mitwelt und mit der mehr-als-menschlichen Mitwelt.
Jeden Morgen neu aufmachen zum Pligern
Und so ist letztlich auch weniger die Frage der optimalen Outdoor-Ausrüstung entscheidend als vielmehr die Frage der inneren Ausrüstung: Pilgern schenkt uns viele hoch-heilige Momente. Und Pilgern verlangt Kondition und Ausdauer eher mental, denn körperlich sind viele Pilgerwege moderat im Anspruch. Doch die Herausforderung, sich jeden Morgen wieder neu aufzumachen ins Unbekannte und sich dem zu stellen, was innerlich in Bewegung gerät, verlangt Bereitschaft zur Hingabe ins Vertrauen.
Das merke ich besonders am letzten Tag in Österreich, als mich ernsthafte Zweifel überkommen, ob ich diese letzte Etappe schaffen werde. Mir fehlt die Kraft. Intensive Wandertage stecken mir in den Beinen. Wenn es mir gutgeht, fällt es mir leicht, dem Urgrund allen Seins dafür dankbar zu sein. Umgekehrt habe ich oft Mühe, um Hilfe zu bitten, wenn ich nicht allein weiterkomme, ob bei Menschen oder beim Ewigen. Hier oben in den Bergen kann mir kein Mensch beim Weitergehen helfen. Aber ich brauche Hilfe, ich brauche die Kraft zum Weiterkommen. Und ich bitte himmelhoch darum.
Nie zuvor habe ich diese Hilfe so körperlich erlebt. Es fühlt sich an, als schiebe mich eine unsichtbare Hand sanft bergauf – ich gehe und gehe und gehe. Klingt irre. Ich weiß. Fühlte sich auch irre an. Oben nehme ich mir einen kleinen glitzernden Stein mit. Er soll mich zu Hause an die unbeschreibliche Ruhe erinnern, die mit der Erkenntnis kommt, wie viel Kraft sich entfaltet, wenn ich in Verbundenheit immer weiter meinen Weg gehe.
Geht das auch etwas kürzer?
Der eigentliche Effekt des Pilgerns wird erst bei einem längeren Unterwegssein von mehreren Tagen spürbar. Und dennoch kann ich diese einmal gewonnene Erfahrung auch abrufen, wenn ich mich zu Hause einen halben Tag ausklinke und bewusst rausgehe, um zu pilgern. Mir hilft das, Anliegen zu klären. Ich erfahre die Natur als Spiegel, das Gehen als Meditation. Nicht umsonst heißt es, Pilgern sei Beten mit den Füßen. Am frühen Abend nähern wir uns unserem letzten Etappenziel, der Wallfahrtskirche von Heiligenblut. Wir können sie von weitem sehen und ich denke: Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Regenbogen. Kurz darauf fängt es an zu nieseln und in dem Moment, als wir die Kirche erreichen, erscheint ein Regenbogen am Himmel und bleibt aufgespannt über dem Tal stehen. Wir sind angekommen. Und ich weiß, warum ich pilgern gehe, immer wieder.
Melanie Schmitt ist begeisterte Pilgerin und hat als Leiterin der Pilgerstelle im Bistum Limburg auch beruflich sehr viel mit einer Spiritualität des Unterwegsseins zu tun.
WISSENSWERTES ZUM PILGERN
Nachgefragt bei Melanie Schmitt, Leiterin der Pilgerstelle im Bistum Limburg
Wie fange ich an, wenn ich Pilgern ausprobieren möchte?
Es müssen nicht gleich 800 Kilometer Jakobsweg sein. Es gibt auch in Deutschland und der Schweiz viele gut markierte Wege, wie zum Beispiel den Hildegard-von-Bingen-Weg oder den Lahn-Camino, die beide in etwa zehn Tagen gut zu bewältigen sind. Und viele regionale Pilgerwege, die zum Pilgern für einen Tag einladen. Manche Outdoor-App bietet die Vorauswahl „Pilgerweg“. Wenn man sich umschaut, entdeckt man vielleicht in der Nähe des Wohnortes Jakobsmuscheln oder andere Pilgerwegmarkierungen.
Was ist besser: allein pilgern oder in der Gruppe?
Das hängt davon ab, welches Erlebnis man sucht. Vom organisierten Kulturpilgern mit Rucksacktransport bis zur individuell gestalteten Tour ist alles möglich. Allgemein gilt: Man trifft in der Regel sehr schnell andere Pilgerinnen und Pilger und das immer wieder, weil die Wegstrecke und die Etappen oft ähnlich sind. Das ist auch so schön am Pilgern: die Gemeinschaft, die unterwegs entsteht, das gemeinsame Essen, Wäschewaschen, Blasenpflegen…
Welche Ausrüstung ist notwendig?
Ein Rucksack und gut eingelaufene Schuhe verstehen sich wahrscheinlich von selbst. Wer in Pilgerherbergen übernachten möchte, braucht einen einfachen, dünnen Schlafsack. Nicht zu vergessen: einen Pilgerpass. Auf den meisten Wegen berechtigt er zur günstigen Übernachtung in Pilgerherbergen und Klöstern und dient am Ziel als Nachweis des zurückgelegten Weges für den Erhalt einer Pilgerurkunde. Die bunte Stempelsammlung ist außerdem eine schöne Erinnerung.
Wo bekomme ich Infos?
Es gibt zahlreiche Pilgerweg-Vereine, wie die Jakobusgesellschaften, den Ökumenischen-Pilgerweg-Verein oder eben die Pilgerstellen der Bistümer. Daneben viele Regalmeter an Pilgerführern, die sehr zuverlässig sind, und natürlich die weiten Wege des Internets. Qualifizierte Pilgerbegleiterinnen und -begleiter bieten oft auch Touren zu Themen an, wie Trauerpilgern oder Fastenpilgern.
Mehr als im Haushalt helfen – Warum Mental Load das eigentliche Problem ist
Bei der Aufgabenteilung in der Beziehung geht es nicht nur darum, wer was macht, sondern wer woran denken muss. Hier liegt der Kern vieler Konflikte, aber auch eine Chance für ein ausgeglichenes Miteinander.
„Aber ich habe dir doch gesagt, dass du mir Bescheid geben kannst, wenn ich dir helfen soll“, sagt Sebastian frustriert. „Das ist es ja genau“, erwidert Katharina nach kurzem Zögern. „Was meinst du denn damit? Was ist das Problem an meiner Hilfsbereitschaft?“ Sebastian und Katharina sind einer der großen Fallen des Paaralltags auf der Spur – dem Mental Load. Beide haben ziemlich volle Kalender. Sie balancieren die Kinderbetreuung, den Haushalt, das Ehrenamt und ihren anspruchsvollen Teilzeitjob. Das alles wächst Katharina langsam über den Kopf, während sich Sebastian trotz langer Tage recht gut hält.
Frage der Verantwortung
Katharina wird das Gefühl nicht los, dass sie bei vielen gemeinsamen Aufgaben die Hauptlast trägt. Tatsächlich investiert ihr Mann aber gleich viel Zeit wie sie in die Kinder und den Haushalt. Sie haben in letzter Zeit mehrmals darüber diskutiert und sind dabei dem eigentlichen Problem immer nähergekommen. Beim Thema Abendessen ist der Groschen dann gefallen.
Abends kocht meistens Sebastian, während Katharina mit den Kindern Hausaufgaben macht. Sebastian fragt seine Frau, was er kochen soll, weil sie den Wochenplan im Kopf hat. Diese Aufteilung ist typisch für sie als Paar: Beide investieren Zeit, Katharina investiert aber zusätzlich mentale Kapazität, indem sie vorausdenkt und sich einen Plan zurechtlegt. Sie übernimmt die Verantwortung für die meisten Familienangelegenheiten. Dann delegiert sie gewisse Aufgaben an Sebastian, die er pflichtbewusst erledigt.
Sie denkt an Geburtstage und überlegt, was sie schenken könnten. Geschenke kauft er dann auf dem Nachhauseweg. Sie macht mit der Lehrerin einen Termin fürs Elterngespräch ab und organisiert einen Babysitter, er ist natürlich beim Elterngespräch dabei.
Meistens trägt Katharina den Mental Load; sie muss an alles denken. Das ist nicht per se schlecht. Aber es erklärt, weshalb Katharina an ihre Grenzen kommt. Wenn sie das ändern wollen, reicht es nicht, dass Sebastian Katharina seine Hilfe beim Erledigen der Aufgaben anbietet. Damit die Last tatsächlich anders verteilt wird, muss Sebastian die Verantwortung für einen bestimmten Bereich ganz übernehmen.
Eine faire Aufteilung
Katharina und Sebastian wagen einen Versuch. Sebastian will probeweise für ein Jahr die Verantwortung für alles übernehmen, was mit der Schule der Kinder zu tun hat. Damit verbinden sich zwei Herausforderungen: Sebastian muss sich diese Verantwortung zutrauen und sich reinknien, auch wenn seine Frau bis jetzt mehr Erfahrung damit hat und sich besser auskennt. Und Katharina muss Sebastian auf seine Art machen lassen, auch wenn sie es anders angehen würde. Sie muss loslassen und sich raushalten.
Beim Thema Mental Load geht es nicht darum, eine genaue Abrechnung zu machen. Wer seinen Einsatz ständig gegen den Einsatz des Gegenübers aufrechnet, ist auf dem Holzweg. Ein exakter Ausgleich ist weder möglich noch nötig. Eine gemeinsam abgesprochene, den individuellen Stärken entsprechende Aufteilung der Aufgaben und des Mental Load hingegen schon.
Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter familylife.ch/five