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Mobbing: Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können

Ein häufiges Problem in Schulen ist Mobbing. Doch es ist auch ein Tabuthema. Psychotherapeutin Melanie Schüer erklärt, wie Eltern Mobbing erkennen und was sie dagegen tun können.

Etwa acht Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen erleben Mobbing – das stellte der Verein „Zeichen gegen Mobbing“ in seiner Präventionsarbeit fest.

Erschreckend ist nicht nur diese Zahl, sondern sind auch die Folgen, die Mobbing haben kann: Diese reichen von Depressionen über Angst- und Panikstörungen bis hin zur Selbstmordgefährdung. Hinzu kommen die langfristigen, oft lebenslangen Folgen: Viele Mobbing-Opfer gewöhnen sich aus Angst vor erneuter Ablehnung ungesunde Denk- und Verhaltensmuster an, die auch Jahrzehnte später noch ihre sozialen Beziehungen erschweren.

Mobbing ist keine Lappalie

Eltern sollten sich immer der Tatsache bewusst sein, dass Mobbing ihr Kind ernsthaft bedroht. Daher sollten sie regelmäßige verbale oder körperliche Gewalt gegen ihr Kind daher niemals auf die leichte Schulter nehmen. Damit ist auch schon angesprochen, was unter Mobbing zu verstehen ist: Wenn zwei Kinder sich hin und wieder streiten, handelt es sich nicht um Mobbing. Mobbing liegt vor, wenn über einen längeren Zeitraum (mindestens etwa einen Monat lang) regelmäßig (etwa einmal pro Woche oder häufiger) Einzelne beleidigt, ausgegrenzt, körperlich oder emotional verletzt werden und dabei ein Kräfteungleichgewicht besteht. Das Kräfteungleichgewicht kann dadurch entstehen, dass mehrere Kinder sich gegen deutlich weniger Kinder stellen oder aber, dass die einzelne Täterperson höhere Macht in der Gruppe besitzt als das Opfer. Natürlich sollten aber auch Vorfälle, die diese Kriterien nicht erfüllen, ernst genommen werden.

Mobbing erkennen

Viele Kinder und Jugendliche zögern lange damit, ihren Eltern von dem Mobbing zu berichten. Das kann unterschiedliche Gründe haben:

  • die Eltern nicht belasten wollen („Die machen sich dann nur Sorgen und können ja eh nichts tun“)
  • Befürchtung weiterer Eskalationen („Wenn ich etwas sage, werden die mich als Petze beschimpfen und noch schlimmer behandeln“)
  • Vermeidung, die Situation als echtes Problem anzuerkennen („Wenn ich einfach so tue, als wenn nichts wäre, löst sich vielleicht bald alles von selbst“)

Eltern sollten daher sensibel auf mögliche Anzeichen achten, die darauf hinweisen können, dass das Kind unter Mobbing leidet. Alarmzeichen sind zum Beispiel:

  • Schweigen über alles, was in der Schule geschieht
  • körperliche Beschwerden ohne erkennbare Ursache wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, ausgeprägte Müdigkeit, Schlafprobleme
  • körperliche Blessuren wie blaue Flecken oder beschädigte Kleidung, Schultaschen o.Ä.
  • zunehmender Widerwille, zur Schule zu gehen
  • Rückzug, Mangel an Verabredungen und an Einladungen zu Geburtstagen
  • schulische Leistungsprobleme
  • Traurigkeit, Bedrücktheit oder auch Reizbarkeit, schlechte Laune
  • Lustlosigkeit
  • Selbstverletzung und/oder Selbstmordgedanken

All das sind natürlich nur Beispiele. Wann immer Eltern auffällt, dass ihr Kind sich ungewöhnlich verhält und auf Nachfrage nach dem Grund keine schlüssige Antwort bekommen, sollte Mobbing eine Option sein, an die sie denken sollten.

Verdacht ansprechen – aber wie?

Ernstnehmen ist also wichtig. Gleichzeitig gilt es jedoch, das Kind ruhig und gefasst auf den Verdacht anzusprechen. Denn wenn die Eltern hektisch agieren, zieht sich das Kind, dem es ohnehin schwerfällt, sich anzuvertrauen, womöglich noch mehr zurück. Suchen Sie also eine ruhige Situation, in der Sie allein mit ihrem Kind reden können. Hilfreich sind bei sehr schweigsamen Kindern Gelegenheiten, bei denen kein direkter Augenkontakt nötig ist. Das kann zum Beispiel bei einem Spaziergang in einer wenig belebten Gegend der Fall sein. Formulieren Sie ihre Frage vorsichtig, aber dennoch klar, zum Beispiel:

„Mir ist aufgefallen, dass du dich verändert hast in den letzten Wochen. Ich habe das Gefühl, dass es dir nicht gut geht. Und ich möchte nicht, dass du mit dem Stress allein bist. Kann es sein, dass du dich in deiner Klasse nicht wohl fühlst oder sogar gemobbt wirst?“

Geduldig bleiben

Manche Kinder reagieren abweisend oder ausweichen. Bleiben Sie dann geduldig: „Ich kann verstehen, dass es dir schwerfällt, darüber zu sprechen. Vielleicht ist es ja nicht so, wie ich denke. Vielleicht ist aber doch was dran. Ich will dir keinen Druck machen. Ich mache mir Sorgen um dich. Ich möchte nichts unternehmen, ohne es gut mit dir abzusprechen. Denk’ mal drüber nach und vielleicht können wir in den nächsten Tagen nochmal sprechen.“ Sie können Ihrem Kind auch fachliche Beratungsangebote nennen wie den Verein „Zeichen gegen Mobbing“ oder die Nummer gegen Kummer. Manchmal ist an anonymes Gespräch als erster Schritt einfacher.

Bleiben Sie dran und reden Sie gegebenenfalls auch mit dem Lehrpersonal und bitten Sie darum, genauer hinzuschauen. Auch kann es hilfreich sein, eine Familienberatungsstelle einzubeziehen.

Nehmen Sie mögliche Bedenken Ihres Kindes, dass es noch schlimmer werden könnte, wenn es sich wehrt, ernst. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit, dass Sie alle Schritte miteinander besprechen. Bleiben Sie aber auch klar in der Devise: Wir müssen etwas tun, denn wenn man nichts gegen Mobbing tut, wird es noch schlimmer.

Was können Eltern tun, wenn das Kind von Mobbing betroffen ist?

Unbedingt zu vermeiden sind folgende No-Gos für Eltern im Umgang mit Mobbing:

  • Eltern sollten niemals selbst die Täterperson kontaktieren. Das wird dem Opfer als Schwäche ausgelegt und verschärft das Kräfteungleichgewicht nur weiter.
  • In nahezu allen Fällen (außer bei einer sehr guten Beziehung zwischen den Eltern des Täters und des Opfers) schadet es auch eher, wenn die Eltern die Täter-Eltern selbst kontaktieren. Es bestehen hier zwei wesentliche Gefahren: Entweder die Täter-Eltern reagieren mit harter Bestrafung ihres Kindes, wodurch dieses noch mehr Wut gegen das Opfer richten wird. Oder – deutlich häufiger – die Täter-Eltern nehmen ihr Kind in Schutz und die Fronten verhärten sich weiter.
  • Ebenfalls sollten Eltern nicht direkt mit eigenen Forderungen und Plänen auf die Schule zugehen. Sie sollten sich vielmehr auf Augenhöhe mit dem Schulpersonal austauschen, erst um deren Vorschläge bitten und höflich fragen, was sie zur Besserung der Situation beitragen können.

Sinnvoll ist es immer, im ersten Schritt mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer oder auch der Schulsozialarbeit zu sprechen. Fragen Sie vorher das Kind, welche Ansprechpersonen es sich selbst als hilfreich vorstellen könnte. Meist ist es gut, wenn in so einem ersten Gespräch das Kind nicht dabei ist, weil manchmal Lehrpersonal Gründe für das Mobbing beim Kind sieht oder Aussagen trifft, die zumindest so verstanden werden könnten.

Niemals gerechtfertigt

Fakt ist aber: Niemand hat Mobbing verdient! Mobbing ist durch nichts zu rechtfertigen. Übrigens ist statistisch nur Übergewicht ein klar erkennbarer Anlass, weshalb Kinder gemobbt werden. Ansonsten sind die Ursachen, warum ausgerechnet dieses Kind Opfer wurde, oft nicht leicht zu erkennen. Klar ist nur, dass bestimmte Auffälligkeiten (Aussehen, Sprache, Verhalten), in denen es sich von anderen unterscheidet, eine gewisse Angriffsfläche bieten. Auch ängstliche Tendenzen können eine Opferposition begünstigen.

Eltern sollten ihrem Kind immer klar machen: All das sind höchstens Gründe, die die Täterpersonen sich „suchen“. Genauso gut hätten sie irgendwelche anderen Gründe auswählen können, denn das Problem liegt bei ihnen – nicht beim Opfer! Weil sie sich selbst innerlich schwach fühlen, machen sie andere klein, um sich kurzzeitig stärker fühlen. Das Opfer trägt keinerlei Schuld. Selbst dann nicht, wenn es unfreundlich, anstrengend oder schwierig ist. Mobbing ist niemals gerechtfertigt!

Kooperieren und notfalls kämpfen

Eltern sollten beharrlich im Gespräch mit der Schule bleiben. Sie sollten erst einmal schulische Vorschläge erfragen, aber auch höflich Stellung beziehen. So ist es meist nicht sinnvoll, dass das Lehrpersonal sofort die jeweiligen Täter und Opfer öffentlich benennt und dies mit der gesamten Klasse bespricht. Meist ist es besser, wenn

  • die Täterin oder der Täter gemeinsam mit den Eltern einzeln vom Schulpersonal zum Gespräch gebeten und klare Grenzen aufgezeigt werden
  • Schulsozialarbeit und/oder Lehrpersonal mit dem Opfer sprechen, es ermutigen und bitten, alle Vorfälle zu dokumentieren
  • Mit der Klasse allgemein zum Thema Mobbing, Gewalt und Prävention gearbeitet wird

Hilfreich sind auch Vereine wie „Zeichen gegen Mobbing“, die Betroffene, Eltern, aber auch Schulen konkret beraten und begleiten.

Eltern sollten wachsam bleiben, wenn scheinbar „Ruhe einkehrt“ – manchmal ist der Frieden nur vorübergehend.

Wenn die Klassenleitung nicht ausreichend reagiert, empfiehlt sich im nächsten Schritt die Kontaktaufnahme zur Schulleitung. Sollte auch hier keine angemessene Unterstützung erfolgen, ist die Schulaufsichtsbehörde die nächste Instanz. Wenn in seltenen Fällen auch dort verharmlost und gemauert wird, bleibt Eltern das sogenannte Petitionsrecht: Dabei können sie eine Eingabe an den Landtag machen. Auch rechtliche Unterstützung oder Begleitung durch eine Familienberatungsstelle, deren Personal mit der Schule sprechen kann, sind sinnvolle Optionen.

Klassen- oder Schulwechsel ist oft nicht zielführend

Ein solcher Schritt kann das Oper in der Wahrnehmung bestätigen, sich nicht wehren zu können und nachgeben zu müssen. Zudem muss es sich nach einer sehr schwächenden Erfahrung in eine völlig neue Gruppe integrieren, Das gelingt jedoch nur selten. Besser ist es, in hartnäckigen Fällen auf die Versetzung der Täterperson hinzuwirken.

Wenn aber die Schule zu keiner Veränderung bereit ist oder keine Besserung zu erreichen ist, kann ein Schulwechsel der letzte Ausweg sein. In dem Fall sollte möglichst vermieden werden, die neue Schule vorab über die Probleme zu informieren, um einen unvoreingenommenen Neuanfang zu ermöglichen.

Ablenkung und Stärkung ermöglichen

Es gilt, neben allen Schritten zur Verbesserung der äußeren Situation, auch die Stärkung und Entlastung des Kindes selbst im Blick zu haben. Das bedeutet u.A.:

  • Zuhause nicht ständig über das Mobbing reden. Gesprächsbereitschaft signalisieren, nachfragen – aber auch bewusst andere, positiv besetzte Themen und (gemeinsame) Aktivitäten fördern, zum Beispiel Spielen, Shoppen, Kino, Ausflüge … Gut sind auch Aktivitäten mit Erfolgserlebnissen, um die Selbstwirksamkeit zu stärken. Vielleicht gehen Sie mal in einen Kletterwald oder Niedrigseilgarten oder fragen Ihr Kind, was es gerne mal erleben oder Neues lernen würde. Besondere Erfahrungen stärken das Selbstbewusstsein und die Hoffnung auf bessere Zeiten.
  • Suchen Sie mit Ihrem Kind Möglichkeiten zu positiven sozialen Erfahrungen, z.B. Kinder-/Jugendgruppen in Kirchengemeinden oder Sportvereinen. Es geht darum, Räume zu finden, bei denen es die Täterpersonen nicht trifft und erleben kann: „Ich werde gemocht! Ich komme mit Gleichaltrigen zurecht!“
  • Betonen Sie immer wieder die Stärken Ihres Kindes. Zollen Sie ihm Anerkennung für das, was es gut kann, wo es sich bemüht und Einsatz zeigt. Zeigen Sie besonders viel Interesse an allem, wofür Ihr Kind sich begeistert.
  • Sagen Sie Ihrem Kind, wie wertvoll es ist. Ein tolles Buch ist „Du bist einmalig“ von Max Lucado, wo die Einzigartigkeit eines jeden Menschen in den Augen Gottes in einer berührenden Geschichte verdeutlicht wird.
  • Auch Bücher, die zeigen, dass andere Ähnliches erleben und altersgerecht Strategien aufzeigen, können ermutigend sein, zum Beispiel „Raus bist du noch lange nicht“ von Elfriede Wimmer oder „Du doof!?“ von Tom Lehel.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind auch Gesprächsmöglichkeiten ohne Eltern, z.B. in einer Psychotherapie oder Beratungsstelle.

Mobbing ist eine Herausforderung für die ganze Familie! Doch bewahren Sie die Zuversicht. Wenn Ihr Kind erfährt, dass es eine solche Situation gut begleitet, positiv bewältigen kann, kann das auch für ähnliche Erfahrungen im Erwachsenenleben stärkend sein!

Melanie Schüer ist Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Autorin.

 

Hilfsangebote bei Mobbing

  • Verein „Zeichen gegen Mobbing“: Zweichen-gegen-mobbing.de
  • Telefonnummer für Mobbingopfer: nummergegenkummer.de
  • Familienberatungsstelle: dajeb.de

Stillsitzen statt Bewegung: Wie Eltern die ersten Schulwochen unterstützen können

Ab dem ersten Schultag müssen Kinder plötzlich viel stillsitzen anstatt rumzulaufen und zu spielen. Anika Schunke gibt Tipps, wie Eltern diesen harten Übergang abmildern und Bewegung in den Tag integrieren können.

Mein Kind kommt in die Schule! Damit einher gehen viele Gefühle: Stolz, Wehmut, Erleichterung, aber auch Angst. Ist es wirklich bereit? Kann es die Schulstunden und das Stillsitzen meistern? Kann es die Aufmerksamkeitsspanne aufrecht erhalten? Kann es sich lange genug konzentrieren, oder wird es schnell zappelig? Meist schließt sich hier auch die Frage an, was wir als Eltern tun können, um unsere Kinder bei diesem besonderen Übergang zu unterstützen? Zumal sich zeitgleich die dunkle und kalte Jahreszeit anschließt, in der man ohnehin weniger draußen unterwegs ist, wenig Bewegung hat und mehr sitzt. Es gibt aber einige praktische Tipps, die man als Eltern beachten kann und die dem Kind helfen.

Bewegter Schulweg

Um die ersten Stunden ausgeglichen arbeiten zu können, hilft es Kindern, wenn sie sich schon vor der ersten Stunde etwas bewegen. Das bedeutet, dass sie möglichst mittels eigener Bewegung zur Schule kommen. Das heißt: Wenn möglich sollte das Auto zu Hause stehen bleiben und die Kinder sollten laufen. Wenn das nicht geht, ist eine Möglichkeit, das Auto ein Stück von der Schule entfernt abzustellen und den restlichen Weg zu Fuß zurücklegen. So hat das Kind die Möglichkeit, sich auf einem etwas kürzeren Weg zu bewegen. Ein guter Weg zu Fuß ist hier tatsächlich das Beste.

Vielleicht dürfen sich die Kinder vor der ersten Stunde auch schon auf dem Schulhof aufhalten, dann können sie sich hier auch noch ein wenig austoben. 10 bis 15 Minuten sind hier ausreichend. Auf dem gemeinsamen Schulweg kann Ihr Kind auch auf kleinen Mauern, Bordsteinen und Bodenplatten Balancierübungen und Hüpfspiele spielen. Ihr Kind kann rückwärts laufen oder Sie machen ein kurzes Wettrennen. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wenn die Eltern Ideen einbringen, lassen sich die Kinder oft gut motivieren.

Hilfreich sind auch Laufgemeinschaften. Hier laufen mehrere Kinder (mit einem Erwachsenen, später auch allein) zu Schule. Das ist eigentlich die eierlegende Wollmilchsau. Die Kinder sind in Bewegung, haben dabei sozialen Kontakt, sind eben nicht allein unterwegs und üben sich darin, selbstständig zu handeln. Ein bewegter Schulweg wirkt sich somit positiv auf das Selbstbewusstsein aus, was sich wahrscheinlich auch im Unterricht bemerkbar macht und die Teilnahme am Verkehr wird zur Normalität.

Ernährung

Wie Kinder sich ernähren, hat auch einen großen Einfluss darauf, wie gut sie stillsitzen und sich konzentrieren können. Zucker liefert zwar schnell Energie, aber diese Energie ist leider auch genauso schnell wieder aufgebraucht. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Energie vom Frühstück, wie sie z.B. von Kornflakes oder Frühstücksflocken kommen, verbrannt sind, bevor die Kinder im Klassenzimmer ankommen. Hiervon ausgenommen sind Haferflocken und Müslimischungen mit wenig Zuckerzusätzen. Herzhafte Gerichte halten den Blutzuckerspiegel meist länger konstant, sodass die Kinder länger satt sind und die Inhaltsstoffe gemächlich im Körper verarbeitet werden. Dadurch können die Kinder sich länger oder besser konzentrieren und auch das Stillsitzen fällt einfacher.

Es gibt verschiedenen Frühstückstypen, auch bei Kindern: Typ 1 isst süß, Typ 2 isst herzhaft und Typ 3 isst gar nichts. Hier sind die Eltern gefordert, zu beobachten, Kompromisse zu verhandeln oder vielleicht auch mehrere Optionen anzubieten. Was beim Frühstück liegenbleibt, können Sie in die Brotbox packen. Dann ist es nicht verschwendet. Aufwändige Snacks, wie sie im Internet vorgestellt werden, können auch schon am Vorabend vorbereitet werden und schmeckt am nächsten Morgen trotzdem noch. In den Wochen vor dem Schulstart können Sie das schon ausprobieren, was schmeckt und was in den morgendlichen Ablauf passt.

Bewegte Hausaufgaben

Kinder müssen nicht nur im Unterricht länger und öfter stillsitzen, auch zu Hause muss das dann oft nochmal sein, um die Hausaufgaben zu erledigen. Hier gibt es einige Tipps, wie Sie die Hausaufgaben mit Bewegung gestalten können. Aber auch da gilt es herauszufinden: Was passt zu uns und unserem Kind?

Das Prinzip des klassischen Laufdiktats, beispielsweise, lässt sich auch auf andere Aufgaben anwenden. Je nach Aufgabe, können Sie diese auf verschiedene Tische oder sogar in verschiedene Räume verteilen. Muss zum Beispiel etwas ausgeschnitten und aufgeklebt werden, gibt es einen Tisch zum Schneiden und einen anderen zum Kleben. Die Kinder können diese oder andere Hausaufgaben auch gerne im Stehen erledigen.

Vielleicht haben Sie einen höhenverstellbaren Schreibtisch, an dem das Kind gut im Stehen arbeiten kann. Auch das Auswendiglernen von Gedichten oder Leseübungen können im Stehen, auf dem Bauch liegend oder auch laufend gemeistert werden. Es erhöht teilweise sogar die Gedächtnisleistung. Da unterschiedliche Sinne in den Prozess einbezogen werden, werden mehrere Verknüpfungen gebildet, die dem Kind ermöglichen, Lerninhalte besser und schneller zu verarbeiten.

Bewegung und Mathematik

Eine andere Möglichkeit der bewegten Hausaufgaben sind Bewegungskarten oder -würfel. Nach jeder gelösten Matheaufgabe zieht das Kind eine Karte, würfelt oder macht einen eigenen Vorschlag für eine Bewegung z.B. Hüpfen, Kniebeugen, Hampelmänner etc. Hier können Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe, für die Entscheidung benutzen, wie oft eine Übung ausgeführt werden soll. Lautet die Aufgaben z.B. „3+4=“ schreibt das Kind die „7“ dahinter und macht dann 7 Hampelmänner.

Um den Kindern ein besseres mathematisches Verständnis zu ermöglichen, ist es ratsam, besonders im ersten halben Jahr, so oft es möglich ist, Materialien zu den Mathehausaufgaben dazu nehmen. Hier ein Beispiel: Wir nehmen die gleiche Aufgabe wie oben, 3+4=7. Lassen Sie Ihr Kind 3 Gegenstände aus der Küche holen und 4 Gegenstände aus seinem Zimmer. Wir haben dann z.B. 3 Löffel und 4 Autos, ergibt 7 Gegenstände aus unserem Zuhause. Somit hat das Kind Bewegung, schult seine Merkfähigkeit und bekommt ein klareres Bild von Zahlen und Mengen.

Diese Art, Hausaufgaben zu machen, ist natürlich recht aufwendig und kann bestimmt nicht jeden Tag praktiziert werden. Sie können sich das für das Wochenende aufheben, wenn freitags z.B. hausaufgabenfrei ist. Oder in einer besonders regnerischen Woche, oder wenn das Kind krank zu Hause ist. Auch hier gilt, machen Sie es für sich passend.

Ein Wort zum Schluss

Eine Weile still am Tisch sitzen und sich über einen gewissen Zeitraum konzentrieren können, ist natürlich trotzdem wichtig und sollte vor dem Schuleintritt bereits klappen. Das kann man auch vor dem Schulstart trainieren. Es erleichtert den Einstieg in die Schule, weil die Kinder das nicht noch zusätzlich lernen müssen. Es schadet den Kindern auch nicht, wenn sie eine Aufgabe, oder auch zwei (Rätselhefte etc.) am Tisch sitzend erledigen müssen.

Es ist ratsam, solche „Arbeitszeiten“ ebenfalls in die Ferienzeiten zu integrieren – besonders in den sechs Wochen Sommerferien. Dann gewöhnen sich die Kinder wieder schneller an die Schule.

Der Schulanfang ist für alle Beteiligten eine aufregende Zeit. Damit es eine schöne und aufregende Zeit wird, hoffe ich, die Tipps werden dabei helfen, die Freude am Lernen so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.

Anika Schunke hat zwei Kinder und arbeitet als Erzieherin. Sie bietet Eltern-Kind-Turnen sowie Kinderturnen and und ist als Referentin und Autorin tätig.

Zoff mit der Lehrerin – was können Eltern tun?

Konflikte mit Lehrerinnen und Lehrern sind herausfordernd für Kinder und Eltern. Schwierig wird es, wenn die Teenager keine Einmischung wollen. Was können Eltern dann tun?

Wenn das Kind das Vertrauen hat und von einer solchen sehr fordernden Situation berichtet, ist das für diese Lebenspase ein Beweis für eine sehr vertrauensvolle Bindung an die Eltern. Nicht selten schlucken Jugendliche Ungerechtigkeit, Verletzungen oder Trauer herunter, da sie sich hilflos fühlen. Zu hilflos, um es zu teilen. Gerade Hilflosigkeit ist eines der kräftezehrendsten Gefühle. Daher ist es gut, mit dem Kind auch in dieser Challenge in Verbindung zu stehen!

Diese Hilflosigkeit erleben auch Sie als Eltern, wenn das Kind explizit darum bittet, keinen Einfluss auf die Lehrkraft zu nehmen. Dies ist auch für Eltern zermürbend. Dem Kind selbst können nun zwei Erfahrungen helfen: „Da sein“ und „Für mich da sein“.

Da sein

Bleiben Sie offen und am Thema interessiert. Sie können mit Ihrem Kind zum Beispiel verabreden, alle zwei Tage kurz über die Situation und mögliche Reaktionen oder Lösungsstrategien zu reden. So lernt der junge Mensch, dass ihr Thema von Ihnen wichtig genommen wird. „Da sein“ bedeutet zuhören, Fragen stellen und eine Idee anbieten, wenn Sie dazu die Erlaubnis haben. Auch die Frage: „Warum möchtest du keine Hilfe?“ kann zusammen gedacht werden. Dabei können die Äußerungen des reifenden, jungen Menschen kantig und verletzend sein, was Sie als Eltern nicht vom Angebot des gemeinsamen Denkens abbringen darf.

„Da sein“ ist eine sehr wichtige Investition. Während die Hilflosigkeit sich wie eine dunkle Sackgasse anfühlen kann, kann das wiederholende Gespräch eine Möglichkeit sein, durch verschiedene Wege kleine leuchtende Ideen anzubieten: einen Vertrauenslehrer einzubinden (der Schweigepflicht hat) oder mit einem Jugendseelsorger zu reden. Wichtig ist: Die Handlungsfähigkeit bleibt bei dem jungen Menschen.

Für mich da sein

Ihr Kind braucht in Herausforderungen Geborgenheit. Der sichere Hafen ist nicht nur in Vorschuljahren wichtig, sondern auch in den Teenagerjahren. Die Aufgabe als Eltern darf auch sein, unbeschwerte Momente zu gestalten. Sollte der Kummer zu belastend werden, dürfen und sollten Sie einschreiten – natürlich, nachdem Sie mit Ihrem Kind darüber gesprochen haben. Oft sind die Jugendlichen erstaunt, wie konstruktiv sich Gespräche führen lassen. Eltern sind für ihre minderjährigen Kinder verantwortlich und müssen daher auch eine seelische Belastung abwenden.

Nun bleiben Sie also auf den ersten Blick beim Nichtstun und können doch sehr viel auf der Beziehungsebene für Ihr Kind ermöglichen.

Stefanie Diekmann ist Gemeindereferentin in Göttingen und Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Schulstart: 5 Tipps, wie die Umstellung im Familienalltag leichter gelingt

Mit der Einschulung ändert sich das Leben für Kinder und Eltern. Worauf gilt es zu achten, um die Umstellung leichter zu meistern? Sarah Kröger weiß, was hilft.

Meine Tochter kommt im Sommer schon in die dritte Klasse. Ich weiß noch genau, wie aufregend der Schulstart damals für uns war. So viel war neu und veränderte sich. Wir alle mussten früher aufstehen, meine Tochter den ganzen Vormittag stillsitzen. Außerdem gab es von da an rund 12 Wochen Schulferien im Jahr, für die wir uns eine Betreuungslösung ausdenken mussten. Doch wie ist uns die Umstellung eigentlich gelungen? Ich muss gestehen: Vieles habe ich wieder verdrängt. Das Gehirn leistet Erstaunliches, wenn es darum geht, schwierige Dinge zu vergessen. Deswegen frage ich einfach mal bei meiner Tochter nach.

1. Der frühe Start in den Morgen

Wirklich schwer fiel ihr das frühe Aufstehen zum Schulbeginn, erzählt meine Tochter und findet: „Die Schule soll um neun beginnen, dann kann ich wenigstens bis acht Uhr ausschlafen.“ Das finde ich auch. Es gibt viele Studien, die belegen, dass ein zu früher Schulanfang zu weniger Schlaf, geringerer Konzentration und schlussendlich auch zu schlechterer Leistung führt – vor allem bei älteren Kindern. Zu dem frühen Beginn kam noch die Pünktlichkeit dazu. Unsere Tochter musste nun jeden Morgen um Punkt acht Uhr auf ihrem Platz sitzen. Es gab keine Gleitzeit mehr, wie früher zu Kitazeiten, als wir sie manchmal erst gegen halb zehn durch die Kita-Tür schoben, wenn es beruflich passte.

Wie haben wir das hinbekommen? Nachdem die Klassenlehrerin meine Tochter im ersten Schulhalbjahr ein paar Mal gerügt hatte, weil sie fünf Minuten zu spät erschienen war, entwickelte sie eine hohe Eigenmotivation, pünktlich zu kommen. Denn das war ihr sehr unangenehm. Wir hatten also etwas Glück. Ansonsten hilft – damals wie heute – das noch frühere Aufstehen. Stehen wir rechtzeitig auf, dann ist der Beginn morgens entspannt. Kommen wir nicht rechtzeitig aus dem Bett, wird das Frühstück und auch der restliche Start in den Tag hektisch. Als Faustregel gilt: Immer eine halbe Stunde extra einplanen. Mit der Zeit pendelt sich dann die beste Aufstehzeit für alle ein.

Auch ein möglichst gleicher Ablauf am Morgen erleichtert es dem Kind, sich schneller ans frühe Aufstehen zu gewöhnen. Wer mag, kann die Brotdose und die Schultasche auch schon abends vorbereiten, das spart morgens etwas Zeit. Hilfreich ist auch, wenn das Kind lernt, die Uhr zu lesen und so ein Gefühl für die Zeit bekommt, die es morgens noch übrig hat. Wird ein Kind morgens überhaupt nicht wach, kann der Schulweg helfen, der möglichst zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt wird. Das Sonnenlicht kann in den hellen Monaten beim Wachwerden helfen und die Bewegung regt zusätzlich den Kreislauf an. So kommt Ihr Kind richtig wach in der Schule an.

2. Vormittags: Bewegung ermöglichen

Anstrengend war auch, erzählt meine Tochter, dass sie in der Schule stillsitzen musste und nicht mehr so viel herumtoben konnte. Eine der größten Umstellungen von Kindergarten zu Schule ist sicherlich die eingeschränkte Freiheit. Wer wollte, konnte früher den ganzen Tag im Sand buddeln oder an Kletterstangen hangeln. In den meisten Grundschulen sitzen die Kinder ab der ersten Klasse den größten Teil der Zeit auf einem Stuhl. Dabei ist auch hier längst erforscht, dass Bewegung sehr wichtig beim Lernen ist. Wer sich bewegt, aktiviert das Gehirn und merkt sich Dinge besser. Grundschulkinder können sich in der Regel nicht länger als 20 Minuten am Stück konzentrieren. Viele Lehrerinnen und Lehrer wissen das und versuchen, regelmäßige Bewegungspausen in den Unterricht einzubauen. Auch im Unterricht selbst ist Bewegung möglich: Geometrische Figuren können mit einem Seil körperlich erfahrbar gemacht werden, Präpositionen wie „auf“ oder „unter“ können im Klassenraum in die Tat umgesetzt werden, indem die Kinder auf oder unter ihren Stuhl klettern. Falls Ihr Kind mehr Bewegung braucht, als es im Unterricht bekommt, können Sie auch mit der Lehrkraft sprechen und sie um eine individuelle Lösung bitten.

3. Tobe- und Ausruhzeit am Nachmittag

Spätestens nach der Schule sollten Kinder sich ordentlich austoben. Gehen Sie mit Ihnen auf den Spielplatz, Fahrrad fahren, Fußball spielen – was immer sie mögen. Doch auch Ruhe kann für manche Kinder nach einem lauten und aufregenden Schultag besonders nötig sein. Meine Tochter brauchte in den ersten Wochen viel Zeit zu Hause: Es war ihr zu laut im Klassenraum und sie war froh über die Stille.

In vielen Familien ist es mittlerweile üblich, dass schon Erstklässler ihren Nachmittag mit Freizeitaktivitäten verplant haben: Musikunterricht, Turnen, Fußball, Tanzen … Diese grundsätzlich schönen Hobbys, die auch oft die benötigte Bewegung ermöglichen, sind aber trotzdem feste Termine. Sie führen dazu, dass der Tag der Kinder von morgens bis abends verplant ist. Nach der Schule müssen erstmal Hausaufgaben gemacht werden, wenn die nicht schon in der Schule erledigt werden konnten. Steht dann gleich der nächste Programmpunkt an, kann das schnell zusätzlichen Stress bedeuten. Außerdem fehlt so die Zeit für Verabredungen mit neuen Freundinnen und Freunden aus der Klasse. Dies ist im ersten Schuljahr besonders wichtig, um Kontakte zu knüpfen. Mit einigen Kindern aus der Klasse kann sich meine Tochter zum Beispiel kaum treffen, obwohl sie sich mögen: Sie sind an drei von fünf Nachmittagen in der Woche schon freizeitmäßig verplant. Deswegen: Warten Sie doch noch ein bisschen mit dem festen Nachmittagsprogramm, bis Ihr Kind gut in der Schule angekommen ist und selbst den Wunsch nach neuen Aktivitäten äußert.

4. Rechtzeitig am Abend zu Bett gehen

Um sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen, helfen abends feste Zubettgehrituale. Meine Tochter macht sich abends meistens schon mal bettfertig und hört dann noch eine Hörgeschichte oder schaut sich ein Buch an. So kommt sie langsam zur Ruhe. Etwa drei Stunden vor dem Schlafen sollten Kinder keine elektronischen Medien mehr nutzen. So kann der blaue Lichtanteil des Displays nicht die Freisetzung des schlaffördernden Hormons Melatonin im Gehirn hemmen. Es lohnt sich, vor dem Schulstart das Kind langsam auf die neuen Aufsteh- und Zubettgehzeiten vorzubereiten. Das gelingt laut Schlafforschern am besten, indem das Kind jede Woche 15 bis 30 Minuten eher ins Bett gebracht wird, so lange, bis die passende Zubettgehzeit erreicht ist. Die neuen Zeiten sollten auch ungefähr am Wochenende eingehalten werden – auch wenn hier eine Stunde länger schlafen durchaus okay ist.

5. Kreative Lösungen für den Urlaub

Auch die Urlaubsplanung ändert sich, wenn die Schule beginnt. Denn dann können Familien mit Schulkind nur noch während der offiziellen Schulferien in den Urlaub fahren. Das bedeutet für alle Arbeitnehmenden, dass sie rechtzeitig Urlaubsanträge stellen müssen und für alle Selbstständigen, dass sie ihre Aufträge gut im Voraus planen sollten. Auch für die Hochsaisonpreise während des Urlaubs müssen Familien sich wappnen, denn der wird plötzlich um einiges teurer. Eine Möglichkeit ist, sich Orte auszusuchen, die keine typische Reisezeit haben, zum Beispiel weil dort gerade Winter ist. Auch kann es sich lohnen, in anliegende Bundesländer, die noch keine Ferien haben, zu fahren, hier könnten die Preise etwas niedriger sein. Je nach Geschmack sind vielleicht auch kostengünstige Camping-Urlaube, All-Inclusive-Angebote oder Besuche von Bekannten an schönen Urlaubsorten eine Option.

Die wenigsten Familien werden wohl sechs Wochen Sommerurlaub am Stück machen. Sie müssen sich deswegen überlegen, wohin sie ihr Kind geben, während sie arbeiten. Das war auch für uns nicht leicht zu organisieren. Wir entschieden uns erstmal dazu, lange in den Urlaub zu fahren. Danach schickten wir die Kinder ein paar Tage zu Oma und Opa. In den letzten Wochen haben wir dann in Teilzeit gearbeitet und uns währenddessen mit der Kinderbetreuung abgewechselt. Dieses Jahr haben wir auch zum ersten Mal das Hort-Angebot der Schule genutzt, von dem meine Tochter aber nur mittelmäßig begeistert war. Geholfen hat uns auch, dass es befreundete Kinder aus der Nachbarschaft gab, mit denen sich sie sich ab und zu zum Spielen verabreden konnte.

Alles in allem ist der Schulstart zwar eine große Herausforderung für die ganze Familie, aber eine tolle Sache. Als ich meine Tochter frage, was ihr damals gut gefallen hat, antwortet sie: „Die Einschulung war richtig cool. Und ich habe fünf neue Freunde gefunden. Außerdem kann ich nun selbst Bücher lesen, wenn ihr keine Zeit habt, mir welche vorzulesen.“ Mittlerweile haben wir uns ganz gut an den Schulalltag gewöhnt. Es dauert bestimmt nicht mehr lange und mein Gehirn wird auch komplett verdrängt haben, dass es mal eine Zeit gab, in der ich nicht morgens um halb sieben aufgestanden bin.

Sarah Kröger ist Journalistin und Host des lösungsorientierten Podcasts „Und jetzt? Der Perspektiven-Podcast“. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

6 bis 10 – Mein Kind hat Legasthenie

Elternfrage: „Bei meinem Kind (8) wurde Legasthenie diagnostiziert. Wird es ihm trotz dieser Diagnose möglich sein, ein normales Leben zu führen und etwas zu erreichen? Wie kann ich es dabei unterstützen?“

Die Diagnose Legasthenie kann erst einmal beängstigend sein. Aber es ist wichtig zu bedenken, dass Legasthenie in erster Linie eine Lernstörung ist. Das bedeutet, dass das Lernen schwerer fällt, zum Beispiel dauert das Lesen deutlich länger, lautes Lesen ist stockender und es passieren deutlich mehr Fehler beim Schreiben. Das wirkt sich dann aber auch auf die Noten aus.

In Mathe ist es aufgefallen

Eine betroffene Mutter berichtet, dass ihre Tochter mit 12 Jahren durch einen Test die Diagnose erhielt. Ihr war es aufgefallen, weil sie in einer Klassenarbeit in Mathe, die nur aus Textaufgaben bestand, größere Probleme hatte, obwohl das Rechnen ihr nicht schwerfiel. In der Rechtschreibung hatte sie hauptsächlich Probleme mit kleinen Worten, wie „dann“, „wenn“ oder Bindeworten, während sie „Marathon“ richtig schrieb. „Das Hauptproblem war allerdings, dass Nicole (Name geändert) sich dumm fühlte und nicht mehr gern in die Schule ging“, sagt Nicoles Mutter. Wenn sich schon so früh ein solches Gefühl einstellt, ist das für den Rest der Schulzeit natürlich schlecht und kann psychische Probleme zur Folge haben. Daher ist es wichtig, die Situation anzugehen. Denn mit Intelligenz hat Legasthenie nichts zu tun; diese spezielle Störungist in der Regel angeboren.

Als Eltern fragt man sich, wie man sein Kind am besten unterstützen kann. „Üben, Wörter richtig zu schreiben, bringt überhaupt nichts“, berichtet Nicoles Mutter. „Sie hat am nächsten Tag wieder dieselben Fehler gemacht.“ Stattdessen gibt es verschiedene schulische und außerschulische Förderprogramme, die gezielt und professionell mit den Kindern arbeiten. „Das hat vor allem den Vorteil, dass Eltern sich ganz auf die persönliche Unterstützung konzentrieren können und zu Hause weniger Konflikte beim Üben entstehen“, berichtet Nicoles Mutter.

Förderprogramme von Schule und Jugendamt

Es gibt eine Reihe von schulischen und außerschulischen Fördermaßnahmen. Insbesondere Programme jenseits der Schule müssen zwar organisiert werden, aber es lohnt sich. Und sie werden, je nach Land, teilweise auch vom Jugendamt finanziert, sodass auf die Eltern zwar der organisatorische, aber nicht der finanzielle Aufwand zukommt. Zudem gibt es in der Schule, bei Vorlage entsprechender Tests, einen Nachteilsausgleich. Dadurch erhalten die Kinder bei Tests und Klassenarbeiten mehr Zeit und die Rechtschreibung wird weniger streng bewertet. „Auch da muss man als Eltern manchmal sehr hinterher sein, denn Lehrerinnen und Lehrer oder die Schulleitung haben das nicht immer auf dem Schirm“, sagt Nicoles Mutter. Aber letztlich gibt es die Möglichkeit bis zum Abitur und darüber hinaus. Viele Ausbildungen, Hochschulen und Universitäten gewähren mittlerweile ebenfalls einen Nachteilsausgleich.

Alle Wege stehen offen

„Nicole ist mittlerweile 19. Sie hat das Abitur geschafft und studiert an einer Fachhochschule. Ihren Alltag kann sie ohne Probleme bewältigen“, berichtet die glückliche Mutter. „Das Wichtigste war, ihr zu vermitteln, dass wir sie unterstützen und an sie glauben, und sie zu motivieren. Wir haben das Problem erkannt, es angenommen und das Beste daraus gemacht.“ Wegbegleiter haben Nicole und ihrer Mutter ebenfalls Mut gemacht, sich nicht unterkriegen zu lassen. Prinzipiell stehen einem Kind mit Legasthenie alle Wege offen. Sicher sind manche Wege etwas schwieriger, aber ein normales Leben ist ohne Einschränkungen möglich.

Marcus Beier ist Redakteur bei Family und Family NEXT.

Kann mein Kind trotz Legasthenie normal leben?

Wenn einem Kind das Schreiben  besonders schwerfällt, kann sich dahinter Legasthenie verbergen. Viele Eltern fragen sich bei dieser Diagnose: Kann mein Kind damit ein normales Leben führen? Wie können wir es unterstützen?

Die Diagnose Legasthenie kann erst einmal beängstigend sein. Aber es ist wichtig zu bedenken, dass Legasthenie in erster Linie eine Lernstörung ist. Das bedeutet, dass das Lernen schwerer fällt, zum Beispiel dauert das Lesen deutlich länger, lautes Lesen ist stockender und es passieren deutlich mehr Fehler beim Schreiben. Das wirkt sich dann aber auch auf die Noten aus.

In Mathe ist es aufgefallen

Eine betroffene Mutter berichtet, dass ihre Tochter mit 12 Jahren durch einen Test die Diagnose erhielt. Ihr war es aufgefallen, weil sie in einer Klassenarbeit in Mathe, die nur aus Textaufgaben bestand, größere Probleme hatte, obwohl das Rechnen ihr nicht schwerfiel. In der Rechtschreibung hatte sie hauptsächlich Probleme mit kleinen Worten, wie „dann“, „wenn“ oder Bindeworten, während sie „Marathon“ richtig schrieb. „Das Hauptproblem war allerdings, dass Nicole (Name geändert) sich dumm fühlte und nicht mehr gern in die Schule ging“, sagt Nicoles Mutter. Wenn sich schon so früh ein solches Gefühl einstellt, ist das für den Rest der Schulzeit natürlich schlecht und kann psychische Probleme zur Folge haben. Daher ist es wichtig, die Situation anzugehen. Denn mit Intelligenz hat Legasthenie nichts zu tun; diese spezielle Störungist in der Regel angeboren.

Als Eltern fragt man sich, wie man sein Kind am besten unterstützen kann. „Üben, Wörter richtig zu schreiben, bringt überhaupt nichts“, berichtet Nicoles Mutter. „Sie hat am nächsten Tag wieder dieselben Fehler gemacht.“ Stattdessen gibt es verschiedene schulische und außerschulische Förderprogramme, die gezielt und professionell mit den Kindern arbeiten. „Das hat vor allem den Vorteil, dass Eltern sich ganz auf die persönliche Unterstützung konzentrieren können und zu Hause weniger Konflikte beim Üben entstehen“, berichtet Nicoles Mutter.

Förderprogramme von Schule und Jugendamt

Es gibt eine Reihe von schulischen und außerschulischen Fördermaßnahmen. Insbesondere Programme jenseits der Schule müssen zwar organisiert werden, aber es lohnt sich. Und sie werden, je nach Land, teilweise auch vom Jugendamt finanziert, sodass auf die Eltern zwar der organisatorische, aber nicht der finanzielle Aufwand zukommt. Zudem gibt es in der Schule, bei Vorlage entsprechender Tests, einen Nachteilsausgleich. Dadurch erhalten die Kinder bei Tests und Klassenarbeiten mehr Zeit und die Rechtschreibung wird weniger streng bewertet. „Auch da muss man als Eltern manchmal sehr hinterher sein, denn Lehrerinnen und Lehrer oder die Schulleitung haben das nicht immer auf dem Schirm“, sagt Nicoles Mutter. Aber letztlich gibt es die Möglichkeit bis zum Abitur und darüber hinaus. Viele Ausbildungen, Hochschulen und Universitäten gewähren mittlerweile ebenfalls einen Nachteilsausgleich.

Alle Wege stehen offen

„Nicole ist mittlerweile 19. Sie hat das Abitur geschafft und studiert an einer Fachhochschule. Ihren Alltag kann sie ohne Probleme bewältigen“, berichtet die glückliche Mutter. „Das Wichtigste war, ihr zu vermitteln, dass wir sie unterstützen und an sie glauben, und sie zu motivieren. Wir haben das Problem erkannt, es angenommen und das Beste daraus gemacht.“ Wegbegleiter haben Nicole und ihrer Mutter ebenfalls Mut gemacht, sich nicht unterkriegen zu lassen. Prinzipiell stehen einem Kind mit Legasthenie alle Wege offen. Sicher sind manche Wege etwas schwieriger, aber ein normales Leben ist ohne Einschränkungen möglich.

Marcus Beier ist Redakteur bei Family und Family NEXT.

3 bis 5 – Vorzeitig einschulen?

Elternfrage: „Unser Kind ist ein ‚Kann-Kind‘, das heißt, wir könnten es vorzeitig einschulen lassen. Wie finden wir heraus, ob es schulreif ist?“

Armin Krenz: Zunächst eine kleine fachliche Anmerkung: früher sprach man von „Schulreife“, heute werden die Begriffe „Schulfähigkeit“ beziehungsweise „Schulbereitschaft“ benutzt, weil einerseits der Teilbegriff „Reife“ die Vorstellung provoziert, mit zunehmendem Alter „reife“ jedes Kind körperlich und kognitiv heran. Andererseits wird Schulfähigkeit oder Schulbereitschaft seit Jahren sehr viel umfassender betrachtet.

Kann man denn sein Kind zu früh einschulen oder aber zu lange warten?

Krenz: Eine vorhandene Schulfähigkeit oder Schulbereitschaft ergibt sich immer aus vier Kompetenzfeldern: einer emotionalen, motorischen, sozialen und kognitiven Schulfähigkeit. Zu ihr gehören vor allem seelische Stabilität, Belastbarkeit, eine größere Portion Selbstsicherheit, ein grundsätzlich vorhandenes Regelbewusstsein, Lerninteresse und Neugierde, ein Bündel an sozialen Verhaltensweisen sowie Entspannungsfähigkeiten, Ausdauer, Zuversicht und ein gewisses Maß an Konzentrationsfertigkeit. Da jedes Kind ein „Unikat“ ist, das sich von anderen Kindern – auch unabhängig vom Alter – individuell unterscheidet, ist die Stichtagregelung in Deutschland nur bedingt hilfreich. Es kann festgehalten werden:

  • Nicht das Stichtagsalter ist entscheidend, sondern das Vorhandensein bestimmter Fertigkeiten!
  • Britische, US-amerikanische und deutsche Studien weisen deutlich darauf hin, dass die Schulfähigkeit bei 6-jährigen Kindern deutlich stärker vorhanden ist als bei 5-jährigen Kindern.
  • Vorzeitig eingeschulte Kinder wiederholen häufiger eine Klasse.
  • Bei zu früh eingeschulten Kindern ziehen sich nicht selten Fertigkeitsmängel durch die folgenden Schuljahre.
  • Wenn die Kita eine spannende, kommunikationsreiche und selbstständigkeitsfördernde, situationsorientierte Pädagogik mit handlungsaktiven Projekten anbietet, kann eine spätere Einschulung keine entwicklungshinderlichen Folgen hervorbringen.

Sollte ich mein Kann-Kind, wenn es noch ein Jahr länger in den Kindergarten geht, zusätzlich intellektuell fördern, zum Beispiel mit Musik- oder Sprachunterricht?

Krenz: Es geht bei einem Aufbau der Schulfähigkeit – im Gegensatz zur landläufigen Meinung vieler Erwachsener – nicht primär um eine intellektuelle Förderung. Das ist eine immer wiederkehrende Fehlannahme und würde am vorhandenen Problem vorbeiführen. Vielmehr muss es darum gehen, mit Kindern Rollen-, Musik-, Theater-, Fantasie-, Bewegungsspiele zu erleben, alltagsorientierte Gespräche zu führen, Umfelderkundungen zu unternehmen sowie die Selbstständigkeit der Kinder auszubauen, das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken und ihre Neugierde auf Neues anzusprechen! Die Schulbereitschaft setzt sich in erster Linie aus den Fertigkeiten Lernmotivation, Lernbereitschaft und Lernfreude zusammen. Es geht also um Persönlichkeitsmerkmale und nicht um Lernergebnisse.

Wie sollen wir damit umgehen, wenn unser Kind das erste Schuljahr wiederholen muss?

Krenz: Verschiedene Untersuchungen haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass die Grundlagen der vier basalen Kulturtechniken (Sprache/ Lesen/ Schreiben/ Rechnen) von Anfang an ein sicheres Fundament besitzen müssen. Insofern ist bei starken Fertigkeitsdefiziten eine Klassenwiederholung angezeigt, damit sich fehlende Basiskompetenzen mit jedem Schuljahr nicht weiter potenzieren. Doch es sollte am besten gar nicht erst durch eine zu frühe Einschulung zu einer Wiederholungsnotwendigkeit kommen.

Prof. Dr. h.c. Armin Krenz ist Wissenschaftsdozent für Elementarpädagogik und Entwicklungspsychologie und Autor des Buches „Ist mein Kind schulfähig? Ein Orientierungsbuch“ (Kösel).

Die Fragen stellte Ruth Korte.

Kann-Kinder: Sollen sie früher eingeschult werden? Das sagen Pädagogik-Experten

Die Einschulung steht bevor und damit die Entscheidung für Eltern von „Kann-Kindern“: Sollen wir unser Kind vorzeitig einschulen lassen? Experte rät im Interview zur Vorsicht.

Wenn ein Kind ein sogenanntes „Kann-Kind“ ist, also vorzeigit eingeschult werden kann, ist ja die Hauptfrage: Wie finde ich heraus, ob es schulreif ist?

Armin Krenz: Zunächst eine kleine fachliche Anmerkung: früher sprach man von „Schulreife“, heute werden die Begriffe „Schulfähigkeit“ beziehungsweise „Schulbereitschaft“ benutzt, weil einerseits der Teilbegriff „Reife“ die Vorstellung provoziert, mit zunehmendem Alter „reife“ jedes Kind körperlich und kognitiv heran. Andererseits wird Schulfähigkeit oder Schulbereitschaft seit Jahren sehr viel umfassender betrachtet.

Kann man denn sein Kind zu früh einschulen oder aber zu lange warten?

Krenz: Eine vorhandene Schulfähigkeit oder Schulbereitschaft ergibt sich immer aus vier Kompetenzfeldern: einer emotionalen, motorischen, sozialen und kognitiven Schulfähigkeit. Zu ihr gehören vor allem seelische Stabilität, Belastbarkeit, eine größere Portion Selbstsicherheit, ein grundsätzlich vorhandenes Regelbewusstsein, Lerninteresse und Neugierde, ein Bündel an sozialen Verhaltensweisen sowie Entspannungsfähigkeiten, Ausdauer, Zuversicht und ein gewisses Maß an Konzentrationsfertigkeit. Da jedes Kind ein „Unikat“ ist, das sich von anderen Kindern – auch unabhängig vom Alter – individuell unterscheidet, ist die Stichtagregelung in Deutschland nur bedingt hilfreich. Es kann festgehalten werden:

  • Nicht das Stichtagsalter ist entscheidend, sondern das Vorhandensein bestimmter Fertigkeiten!
  • Britische, US-amerikanische und deutsche Studien weisen deutlich darauf hin, dass die Schulfähigkeit bei 6-jährigen Kindern deutlich stärker vorhanden ist als bei 5-jährigen Kindern.
  • Vorzeitig eingeschulte Kinder wiederholen häufiger eine Klasse.
  • Bei zu früh eingeschulten Kindern ziehen sich nicht selten Fertigkeitsmängel durch die folgenden Schuljahre.
  • Wenn die Kita eine spannende, kommunikationsreiche und selbstständigkeitsfördernde, situationsorientierte Pädagogik mit handlungsaktiven Projekten anbietet, kann eine spätere Einschulung keine entwicklungshinderlichen Folgen hervorbringen.

Sollte ich mein Kann-Kind, wenn es noch ein Jahr länger in den Kindergarten geht, zusätzlich intellektuell fördern, zum Beispiel mit Musik- oder Sprachunterricht?

Krenz: Es geht bei einem Aufbau der Schulfähigkeit – im Gegensatz zur landläufigen Meinung vieler Erwachsener – nicht primär um eine intellektuelle Förderung. Das ist eine immer wiederkehrende Fehlannahme und würde am vorhandenen Problem vorbeiführen. Vielmehr muss es darum gehen, mit Kindern Rollen-, Musik-, Theater-, Fantasie-, Bewegungsspiele zu erleben, alltagsorientierte Gespräche zu führen, Umfelderkundungen zu unternehmen sowie die Selbstständigkeit der Kinder auszubauen, das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken und ihre Neugierde auf Neues anzusprechen! Die Schulbereitschaft setzt sich in erster Linie aus den Fertigkeiten Lernmotivation, Lernbereitschaft und Lernfreude zusammen. Es geht also um Persönlichkeitsmerkmale und nicht um Lernergebnisse.

Wie sollen wir damit umgehen, wenn unser Kind das erste Schuljahr wiederholen muss?

Krenz: Verschiedene Untersuchungen haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass die Grundlagen der vier basalen Kulturtechniken (Sprache/ Lesen/ Schreiben/ Rechnen) von Anfang an ein sicheres Fundament besitzen müssen. Insofern ist bei starken Fertigkeitsdefiziten eine Klassenwiederholung angezeigt, damit sich fehlende Basiskompetenzen mit jedem Schuljahr nicht weiter potenzieren. Doch es sollte am besten gar nicht erst durch eine zu frühe Einschulung zu einer Wiederholungsnotwendigkeit kommen.

Prof. Dr. h.c. Armin Krenz ist Wissenschaftsdozent für Elementarpädagogik und Entwicklungspsychologie und Autor des Buches „Ist mein Kind schulfähig? Ein Orientierungsbuch“ (Kösel).

Die Fragen stellte Ruth Korte.

Schlechte Noten? 5 Tipps für besorgte Eltern

In den meisten Bundesländern wurden bereits die Halbjahreszeugnisse vergeben. Doch nicht immer sind die Ergebnisse ein Grund zur Freude. Dabei müssen schlechte Noten nicht automatisch ein Grund zum Verzweifeln sein.

Der Andrang von Familien, die Nachhilfe benötigen, sei kurz nach der Zeugnisvergabe gerade enorm, berichtet Fredrik Harkort, Gründer des Online-Lern-Angebots Cleverly. Besonders für Mathe und Deutsch gäbe es gerade viele Anfragen. Mittlerweile würden auch immer mehr Kinder aus der Grundschule die Online-Nachhilfe buchen – eine neue Entwicklung. „Das sind noch die Nachwirkungen von Corona, hier fehlen oft Grundlagen“, erklärt Fredrik Harkort. Kinder, die Nachhilfe bei ihnen buchen, haben oft große Schwierigkeiten in einem Fach: „Da geht es in der Regel nicht darum, mal schnell für eine Prüfung zu üben, sondern ein Kind ist in einem Fach auf eine fünf abgerutscht und vielleicht versetzungsgefährdet. Das sind schon keine Nebensächlichkeiten.“ Schlechte Noten würden nicht nur die Kinder, sondern die ganze Familie unter Druck setzen.

Keine Panik

Doch was können Eltern tun, wenn ihr Kind in einem Fach eine besonders schlechte Note erhält? Elternbegleiterin und Familientherapeutin Stefanie López rät Eltern, sich erst einmal zu entspannen. „Eltern kommen oft mit dieser Angst zu mir, dass ihr Kind abgehängt wird, wenn es jetzt eine schlechte Note auf dem Zeugnis hat. Dass es später keinen guten Beruf findet und unglücklich wird.“ Doch wenn Eltern aus dieser Angst heraus Druck auf ihr Kind ausüben, würde das oft zu Abwehr und Ermüdung beim Kind führen. Im schlimmsten Fall könne es sogar zu einer Schulverweigerung kommen. Je älter ein Kind werde, desto wichtiger wäre es, dem Kind Raum zu geben, um selber herauszufinden: Was für ein Schüler, was für eine Schülerin möchte ich sein? Kann ich mit meinen jetzigen Noten später das beruflich machen, was ich machen möchte? Zu viel Druck von den Eltern kann sich auch negativ auf die Beziehung zum Kind auswirken, erklärt Stefanie López. „Das Leben findet nicht erst statt, wenn das Kind sein Studium oder seine Ausbildung beendet hat und im perfekten Job ist – es passiert jetzt. Möchte ich, dass mein Kind später einen Einser-Abschluss hat, dafür aber unglücklich ist und nicht mehr mit mir redet?“

Gemeinsames Gespräch

Auch Fredrik Harkort empfiehlt, gelassen zu bleiben und das Gespräch mit dem Kind zu suchen. „Eltern können zum Beispiel fragen: ‚Was glaubst du, woran liegt es, dass es aktuell nicht so läuft?‘ Es ist wichtig, dass es Raum für eine unbelastete Situationsaufnahme gibt.“ Dann könnten Eltern gemeinsam mit dem Kind weiter über die nächsten Schritte nachdenken: „Sind wir uns einig, dass das so nicht weitergehen kann? Sind wir uns einig, dass du dich in diesem Fach verbessern möchtest? Dann lass uns doch mal zusammen schauen, wie wir das hinbekommen.“ Das gemeinsame Sprechen über die Situation, das Formulieren von Wünschen und Gefühlen – all das sei eine gute Grundlage für weitere Schritte. Es sei übrigens auch in Ordnung, wenn ein Kind nicht in allen Fächern gut ist, meint Fredrik Harkort: „Eine Vier in Mathe ist kein Weltuntergang.“

Nachhilfe

Haben Kind und Eltern beschlossen, dass die Note in einem Fach sich deutlich verbessern soll, gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte. Ein erster Schritt kann sein, nach passenden Nachhilfe-Angeboten zu suchen. Angebote gibt es viele: Private Nachhilfe von älteren Schülern der eigenen Schule, professionelle Nachhilfe-Institute, Vermittlungsplattformen für Nachhilfe-Lehrkräfte oder Online-Tutorials, die den gesamten Lernstoff abdecken. Egal welche Form Eltern wählen, wichtig ist, dass die Verträge nicht langfristig sind. Denn guter Nachhilfeunterricht macht sich möglichst schnell wieder überflüssig. Für Familien mit knappen Einkommen, die zum Beispiel Wohngeld oder Kinderzuschlag erhalten, gibt es staatliche Unterstützung durch das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundesministeriums für Familie. Hier können Familien Lernförderung beantragen. Dazu muss die Lehrerin oder der Lehrer den Förderbedarf bescheinigen, akut versetzungsgefährdet muss das Kind aber nicht sein.

Lernen lernen

Bei Cleverly gibt es neben klassischer Nachhilfe zusätzlich auch ein Mentoring-Angebot. In den 1:1 Sitzungen, die dazugebucht oder eigenständig genutzt werden können, sprechen die Kinder mit Pädagoginnen und Pädagogen über Themen wie Selbstvertrauen, Lern-Motivation oder Prüfungsangst. Denn Erfolg in der Schule ist nicht nur vom Lernstoff abhängig, der vielleicht verpasst wurde, sagt Fredrik Harkort. „Es geht auch um das Thema Lernen lernen. Wie kann mein Kind lernen, selbst zu lernen? Wie lernt es, seinen Arbeitsplatz zu organisieren?“ Auch Lernmotivation und Prüfungsangst sind Themen der Mentorings. Bei Cleverly wird eine dreiviertel Stunde freies Spiel vor den Hausaufgaben empfohlen, damit die Kinder nicht von der Schule gleich wieder an den Schreibtisch müssen. „Dann gibt es etwas, was wir Gedankenbox nennen. Die Eltern setzen sich mit den Kindern hin und fragen: Was beschäftigt dich gerade? Das Kind schreibt seine Gedanken auf einen Zettel und steckt es in eine Box. Nach der Hausaufgabensession schauen sich Eltern und Kind dann gemeinsam den Zettel an und sprechen darüber.“ So kommen Eltern und Kinder miteinander ins Gespräch und die Kinder lernen, sich zu fokussieren. Es wird im Mentoring auch über den Platz, an dem die Hausaufgaben gemacht werden, gesprochen. Ist er übersichtlich? Oder liegen dort viele Dinge rum, die ablenken?

Es gibt nicht die eine Methode

Stefanie López betont, dass es nicht die eine Methode gibt, die für alle Kinder funktioniert. Eltern können gemeinsam mit dem Kind ausprobieren, was gut klappt, in welcher Umgebung es gut lernen kann und welche Lernmethoden ihm helfen. Immer wieder sollten Eltern gemeinsam mit dem Kind auswerten, welche Art von Unterstützung es von ihnen braucht und ob ihre Hilfe wirklich hilfreich ist. „Ich habe mal eine Mutter beraten, die sich jeden Tag mit ihrem Kind laut wegen der Hausaufgaben stritt. Da sagte ich zu ihr: ‚Guck mal, das machst du jetzt seit zwei Jahren immer auf dieselbe Weise. Hast du den Eindruck, dass sich etwas verbessert hat?‘ Sie meinte: ‘Nein, irgendwie nicht‘.“ Eltern würden manchmal an bestimmten Dingen festhalten, die einfach nicht funktionieren. Statt immer weiterzumachen, würde es helfen zu fragen: „Wie kriegen wir das besser hin? Was brauchst du, damit es besser wird?“

Sarah Kröger ist Journalistin und Projektmanagerin, bloggt unter neugierigauf.de und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Berlin.

Erstes Schuljahr: So helfen Sie Ihrem Kind beim Ankommen

Der Übergang von Kita zu Schule ist für Kinder und Eltern eine Herausforderung. Familientherapeutin Stefanie López gibt Tipps, wie Eltern ihre Kind in die Selbstständigkeit begleiten können.

Letztes Jahr kam meine große Tochter in die Schule. Das erste Halbjahr war spannend und herausfordernd für uns alle. Die anfängliche Begeisterung meiner Tochter in den ersten Wochen wich irgendwann der Ernüchterung, als sie feststellte, dass sie wirklich jeden Tag zur gleichen Zeit in die Schule gehen musste. Auch an die neuen Kinder musste sie sich gewöhnen. Vor allem aber daran, dass es nun viel weniger Zeit zum Spielen gab. Für mich als Mutter war es seltsam, die Lehrerin kaum zu Gesicht zu bekommen. Die ersten Wochen sahen wir sie immerhin mit Maske morgens kurz auf dem Schulhof. Als die Kinder dann allein in ihre Klasse gehen mussten, traf ich nachmittags nur noch die Hortbetreuung an, die meistens gerade mit hochrotem Kopf irgendeinen Streit schlichtete. Ganz anders als damals noch zu Kitazeiten. Hier war zwar auch immer viel los, aber ich konnte beim Bringen und Abholen mit den Erzieherinnen reden, nach dem Tag fragen und organisatorische Dinge besprechen. Dass ich mein Kind in die Hände von Menschen gab, die ich selten sah und fast nie sprechen konnte, verunsicherte mich lange.

Wie wir mit unserer Unsicherheit umgehen können und unsere Kinder auf dem Weg in die Selbstständigkeit am besten begleiten – das habe ich die Elternbegleiterin und Familientherapeutin Stefanie López gefragt. Sie hat mir im Gespräch fünf hilfreiche Tipps genannt.

1. In die Selbstständigkeit begleiten

Vielen Eltern fällt deswegen zu Schulbeginn das Loslassen schwer. Doch gleichzeitig ist die Schule für das Kind ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit. „Eltern sollten beim Weg in die Selbstständigkeit helfen. Zu Beginn geht es weniger um den Lernstoff, sondern um ganz andere Sachen: Wie komme ich pünktlich? Wie lerne ich am besten? Was brauche ich? Was macht mir Spaß?“ erklärt Stefanie López. Wichtig sei dabei ein grundsätzliches Vertrauen in das Kind und das Wissen: „Mein Kind schafft das.“ Beim Selbstständig werden geht es auch darum, auszuprobieren, was dem Kind am besten hilft. Manche Kinder erledigen ihre Hausaufgaben gerne direkt nach der Schule, manche brauchen erst einmal eine Pause. Einige wecken sich schon bald morgens allein mit dem Wecker, andere brauchen beim Aufstehen noch mehr Unterstützung. „Ich erlebe allerdings oft, dass den Kindern viel abgenommen wird“, sagt Stefanie López. Doch wenn Eltern zu stark die Verantwortung für ihr Kind übernähmen, gäbe es keinen Grund mehr für das Kind, Dinge selbst zu tun. Das heißt für Eltern, dass sie auch mal aushalten müssen, wenn ihr Kind zu spät zum Unterricht kommt oder die Hausaufgaben nicht macht.

2. Gefühle sind okay

Bei der Umstellung von Kita auf Schule geht es schnell emotional her. Manche Kinder können mit dem Druck, plötzlich Leistung erbringen zu müssen, nicht umgehen. Andere kommen mit der Lehrerin nicht klar, einigen fällt es schwer, lange stillzusitzen. Stefanie López, rät dazu, die Gefühle des Kindes erst einmal anzunehmen: „Ob das jetzt Aufregung, Überforderung, Angst oder Vorfreude sind, alle Gefühle des Kindes sind okay. Oft wollen wir Eltern, dass es unserem Kind immer gut geht und sagen dann vielleicht Sachen wie ‚Du musst nicht aufgeregt sein‘ oder ‚Du brauchst gar keine Angst zu haben.‘ Aber das macht es eher noch schwieriger für das Kind, denn die Gefühle sind ja trotzdem da.“ Es sei viel hilfreicher, die Emotionen des Kindes zu akzeptieren, ihm zuzuhören und mitzufühlen.

3. Keinen Druck aufbauen

Oft kommen Eltern zu ihr in die Beratung, die einen riesigen Druck verspüren, dass ihr Kind nicht schon im ersten Schuljahr „den Anschluss“ verliert, erzählt Stefanie López. Sie haben Angst, dass es abgehängt wird, keinen ausreichenden Abschluss schafft und später dann keinen guten Beruf findet. Doch viel wichtiger als den Schulstoff zu schaffen oder pünktlich zu sein, sei, dass die Kinder von Anfang an ein gutes Gefühl mit Schule verbinden. „Kinder sollten keinen Stress und Druck vermittelt bekommen, besonders nicht im ersten Schuljahr. Stattdessen brauchen sie Zeit, all die von ihnen geforderten Dinge in Ruhe zu lernen. Das ist ja ein Übergang. Sie waren eben noch in der Kita und sind immer noch sechs Jahre alt“, sagt Stefanie López. Kinder kämen mit einer riesigen Lernlust auf die Welt. Diese sollten sie so lange wie möglich behalten und nicht durch Druck von außen verlieren. So würden sie nicht nur psychisch gesünder bleiben, sondern auch besser lernen können. Wichtig sei auch, sich seiner eigenen Haltung als Eltern bewusst zu werden: Wie wichtig ist mir der Erfolg meines Kindes in der Schule? Spreche ich oft von anderen Kindern und ihren Leistungen? „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Viele Eltern möchten, dass ihre Kinder schon früh lernen, sich daran anzupassen. Dabei verlieren wir häufig die Bedürfnisse der Kinder und ihr individuelles Lebensglück aus den Augen“, meint Stefanie López. In Gesprächen mit dem Kind sollten Eltern deswegen immer wieder klar machen, dass ihr Wert und ihr Glück nicht mit schulischen Leistungen zusammenhängt.

4. Freunde finden

Zum Ankommen in der Schule gehört auch, Freundinnen und Freunde zu finden. Doch das ist nicht für jedes Kind einfach. Stefanie López eigener Tochter ging es zeitweise so: „Das war schwer für mich auszuhalten, ich wollte ihr das gerne ersparen.“ Doch sie musste üben, ihren eigenen Schmerz nicht auf ihr Kind zu übertragen, stattdessen aber für ihre Tochter da zu sein. Wir können nicht alle Probleme für unsere Kinder lösen, sagt sie. Aber die Erfahrung, dass es da einen Erwachsenen gibt, der dem Kind zuhört und es versteht, sei für das Kind sehr wichtig. Auch konkrete Tipps, wie das Kind sich selbst helfen kann, können Eltern geben. Ihrer Tochter riet Stefanie López damals, nicht nur zu warten, bis jemand auf sie zugeht, sondern sich zu überlegen, mit wem sie spielen möchte und die Person dann anzusprechen. „Am nächsten Tag kam sie superglücklich aus der Schule und hatte tatsächlich zwei Mädchen angesprochen, mit denen sie dann gespielt hatte.“

5. Bewegung ermöglichen

In der Kita konnten die Kinder noch den ganzen Tag über das Gelände rennen, im Matsch wühlen und Bälle kicken. In der Schule müssen sie nun vor allem stillsitzen. Diese Umstellung fällt so manchen Kindern schwer. Sie wissen nicht mehr, wohin mit ihrer ganzen körperlichen Energie, die sich dann oft im Unterricht entlädt – zum Missfallen der Lehrkraft. Das zeigt mal wieder, dass das Schulsystem vor allem aus Erwachsenen-Perspektive konzipiert wurde und zu wenig die Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt, meint Stefanie López. Es sei „nicht kindgerecht, stundenlang am Tisch zu sitzen und Aufgaben zu lösen. Kinder brauchen viel Bewegung.“ Bewegung wirkt sich nicht nur positiv auf Körper und Psyche aus, sondern auch auf die schulischen Leistungen. Unterschiedliche Studien zeigen, dass Kinder, die sich häufiger bewegen, auch besser in der Schule abschneiden.

Doch was können Eltern tun, wenn ihr Kind viel Bewegung braucht, es diese im Schulalltag aber nicht bekommt? „Als erstes würde ich ein Gespräch mit der Lehrerin suchen, um zu schauen, ob sich für das Bewegungsbedürfnis ein Raum schaffen lässt“, rät Stefanie López. „Eine Freundin von mir ist Lehrerin. Bei ihr dürfen die Kinder im Unterricht auch mal für eine Flitzepause raus und können eine Runde um den Schulhof rennen.“ Ansonsten wäre es immer gut, sich als Eltern zusammen zu schließen, um sich mehr Gehör zu verschaffen.

Eine befreundete Mutter von mir berichtet, dass sie mit ihrem bewegungsfreudigen Erstklässler nach der Schule oft noch für ein oder zwei Stunden nach draußen geht – auf den Spielplatz oder spazieren gehen. Wann immer möglich, lässt sie ihn mit dem Fahrrad zur Schule und zurückfahren. So würde er den Stress nach der Schule einfach „wegstrampeln.“ Vielleicht funktionieren diese Tipps ja auch für aufgeregte Eltern von Erstklässlern, wer weiß.

 

Stefanie López ist Elternbegleiterin, Familientherapeutin in Ausbildung. Ihr Eltern-Podcast „Musterkind“ ist unter familienbande-berlin.de anzuhören.

Sarah Kröger ist Journalistin und Projektmanagerin, bloggt unter neugierigauf.de und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Berlin