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Stress in der Grundschule: Lehrerin verrät, was hilft

Jedes dritte Grundschulkind fühlt sich überfordert. Wie Eltern Stress bei ihren Kindern wahrnehmen und sie unterstützen können.

Das Phänomen „Stress“ ist zum ständigen Begleiter für viele Grundschulkinder geworden. Der tägliche Spagat zwischen Terminen, Schulpflichten und äußeren Bedingungen löste laut einer Studie des Deutschen Kinderschutzbundes 2012 bei jedem dritten Grundschulkind ein Gefühl der Überforderung aus. Aktuelle Studien bestätigen, dass diese Thematik immer noch eine zentrale Rolle im Alltag von Grundschulkindern spielt.

Von Schulstress bei Grundschulkindern sprechen wir, wenn der schulische Alltag in Kindern ein Gefühl der Überforderung auslöst. Gestresste Kinder zeigen oft auch Symptome von körperlicher oder psychischer Belastung. „Die Kinder haben beispielsweise Ängste wie etwa Versagens- oder Leistungsängste“, erklärt Dr. Anja Ozik-Scharf, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin. „Sie leiden unter Schlafstörungen, Rückzugstendenzen oder auch depressiven Verstimmungen, zeigen kompensatorisches Verhalten – indem sie sich beispielsweise über andere lustig machen, sich wegträumen – oder auch Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten. Manche Kinder klagen, sind überfordert oder unterfordert, können Probleme nicht eigenständig lösen und können sich selbst nicht ermutigen.“

Die Ursachen für Schulstress sind vielfältig: Laut dem Präventionsradar der Krankenkasse DAK liegt der größte Anteil der Stressfaktoren im Leistungsdruck etwa beim Schreiben von Tests oder Klassenarbeiten. Aber auch Probleme mit Lehrkräften oder Mitschülerinnen und Mitschülern wirken sich auf das Wohlbefinden von Grundschulkindern aus. Rund 54 Prozent der Kinder fühlen sich durch Hausaufgaben gestresst, 22 Prozent empfinden Druck durch die Eltern.

„Ich werde gesehen“

Eltern, die bei ihrem Kind ein verändertes Verhalten oder körperliche Beschwerden beobachten, sollten ihre Wahrnehmung ernst nehmen. Sie können zunächst das Gespräch mit dem Kind suchen und es nach seinen möglichen Sorgen fragen. Auch ist es sinnvoll, den Kontakt zur Klassenlehrkraft des Kindes aufzunehmen, um nach deren Eindrücken zu fragen.

Anja Ozik-Scharf sieht Eltern als „Expertinnen und Experten für ihr Kind“. Deshalb rät sie grundsätzlich dazu, „eher einmal mehr Unterstützung in Anspruch zu nehmen.“ Das kann ein Besuch beim Kinderarzt oder einer Kinderärztin sein. Diese können zu weiteren Schritten raten. Bei Unsicherheiten empfiehlt Anja Ozik-Scharf, eine psychotherapeutische Sprechzeit, also ein psychotherapeutisches Erstgespräch, wahrzunehmen. Auch der schulpsychologische Dienst, die kommunalen Erziehungs- und Familienberatungsstellen oder Coaches beziehungsweise Lerncoaches können hilfreiche Anlaufstellen sein.

Wichtig sei, dass Eltern feste Strukturen schaffen, betont Anja Ozik-Scharf: „In jeder Familie sollte es Werte geben und auch Regeln – und Beziehung. Für mich ist es besonders bedeutsam, Blickkontakt zum Kind herzustellen und zu halten. Das schafft Beziehung, und das Kind erhält das Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes gesehen zu werden.“ Eltern seien wichtige Vorbilder, wenn es darum geht, wie sie selbst mit Stress umgehen. Wenn es ihnen gelingt, reflektiert mit eigenen Belastungen umzugehen, können sie ihr Kind effektiv bei der Stressregulation stärken.

Ein Ausflug ins Schwimmbad

Bei der Co-Regulation unterstützen Eltern ihr Kind dabei, mit dem Schulstress umzugehen. Beispielsweise durch feste Regeln und Strukturen innerhalb des familiären Alltags kann vieles bewirkt werden. Die Kinderpsychotherapeutin ermutigt an dieser Stelle auch dazu, mit positiven Verstärkungen zu arbeiten. Wenn also ein Ziel geschafft ist – und sei es noch so klein –, dürfen zuvor verabredete kleine Wünsche eingelöst werden: zum Beispiel ein gemeinsames Eis essen, ein Ausflug ins Schwimmbad oder ein Spielenachmittag.

Auch sei es wichtig, den Kindern Strategien gegen den Stress zu vermitteln. Das können Entspannungsübungen sein oder das gemeinsame Beten. Kinder sollten zudem die Gelegenheit erhalten, Stress über Bewegung abbauen zu können, sei es im Verein, beim Besuch auf dem Spielplatz oder beim gemeinsamen Sport mit den Eltern. Auch kreatives Tun wie Malen, Schreiben, Musizieren oder Töpfern trägt dazu bei, den Stress hinter sich zu lassen.

Wenn Grundschulkinder unter Schulstress leiden, ist es für sie besonders wichtig, den Rückhalt ihrer Eltern zu erleben und ihr Verständnis zu erfahren. Gemeinsam können Lösungswege erarbeitet werden. Durch Beobachten und offene Kommunikation unterstützen Eltern ihr Kind zielgerichtet und nachhaltig dabei, die seelische Gesundheit zu stärken.

Alexandra von Plüskow-Kaminski war mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin tätig. Sie ist Fachjournalistin und zweifache Mutter.

3 Familien erzählen: So ist das Leben mit Austauschschüler

Elternfrage: „Da unsere älteste Tochter ausgezogen ist, haben wir nun Platz im Haus. Wir überlegen, einen Austauschschüler aus dem Ausland aufzunehmen. Welche Erfahrungen haben andere Familien damit gemacht?“

Kein „Wunschkind“ erwarten

Nachdem ich mit 17 Jahren von einem Austauschjahr zurückkam, nahm meine Familie zwei Jahre hintereinander jeweils eine Austauschschülerin auf. Für mich als Einzelkind war es eine neue und manchmal auch herausfordernde Erfahrung, plötzlich eine „Schwester“ zu haben. Als Gastfamilie muss man sich darüber im Klaren sein, dass da ein Jugendlicher mit einem eigenen Charakter aus einer anderen „Familienkultur“ kommt, kein perfektes „Wunschkind“. Aber wenn beide Seiten offen sind, Verständnis füreinander haben und miteinander klar kommunizieren, wächst sehr oft eine herzliche Beziehung zwischen Gastfamilie und Austauschschüler.

Unsere finnische Gastschülerin war eher ruhig, sprach nach wenigen Monaten aber perfekt Deutsch, schloss in der Schule gute Freundschaften und stand mir sehr schnell nahe. Die zweite Austauschschülerin kam aus der Türkei. Sie war sehr offen, wollte viel erleben und hatte eine innige Beziehung mit meinen Eltern – die sie Mama und Papa nannte. Auch für meine Eltern war es eine lebensverändernde Erfahrung und ein wertvoller Blick über den eigenen Tellerrand. Noch heute, mehr als zehn Jahre später, sind wir mit beiden eng verbunden und haben uns jeweils wiedergesehen. Beide Erfahrungen haben unsere Familie unglaublich bereichert!

Annika Ramsaier wohnt in Augsburg und war als Schülerin selbst für ein Jahr zu Gast bei einer italienischen Familie.

Nicht nur ein Schlafplatz

Meine Eltern waren immer gastfreundlich und wir hatten mehrmals Austauschschüler und -schülerinnen. Diese Erfahrung wollte ich auch mit meinen Kindern teilen. Über die Organisation AFS haben wir für 11 Monate einen japanischen Gastschüler (17) aufgenommen. Unsere Söhne (zu dem Zeitpunkt 10, 12 und 15) und er haben sich gut verstanden. Die Verständigung mit ihm war allerdings manchmal schwierig und führte auch mal zu Missverständnissen, da er anfangs kein Deutsch konnte und auch Englisch nicht immer klappte. Kurz darauf haben wir relativ spontan einen Schüler aus Johannesburg, Südafrika, aufgenommen. Er war genauso alt wie unser ältester Sohn, konnte richtig gut Deutsch sprechen und war sehr interessiert an allem. Die vier Wochen mit ihm sind wie im Flug vergangen, und wir werden ihn bestimmt wiedersehen.

Unsere aktuelle Erfahrung mit einem slowakischen Austauschschüler ist jedoch nicht so schön. Es ließ sich schon vom Steckbrief her vermuten, dass wir nicht viel gemeinsam haben. Leider ist es so, dass der Schüler wenig bis gar nicht an unserem Familien­leben (an Gesprächen, gemeinsamen Mahlzeiten …) teilnehmen möchte. Darüber sind wir enttäuscht. Bei einer Gastfamilie zu sein, sollte mehr bedeuten, als einen Platz zum ­Schlafen und einen Wäscheservice zu haben – zum Glück durften wir das bei den beiden anderen Gastschülern erleben.

Sabine T. wohnt in Bochum und ist Mutter von drei Söhnen.

Das Haus mit Leben füllen

Unsere 15-jährige Tochter ging im letzten Jahr für ein Highschool-Jahr in die USA. Meine jüngere Tochter und ich spürten die Lücke schmerzhaft. In mir reifte die Idee, eine Gastschülerin aufzunehmen. Ich überlegte lange. Was, wenn wir mit der Schülerin nicht klarkamen? Diese und andere Fragen konnte ich nur beantworten, indem ich das Risiko einging. Einige Monate später stand eine 16-jährige Schülerin aus Australien vor unserer Haustür. Jede von uns bemühte sich um eine gelingende Eingewöhnungsphase. Wir hatten eine lokale Betreuerin als Ansprechpartnerin für Fragen und Notfälle. Die Schule empfing sie mit offenen Armen, und obwohl das Mädchen vor Nervosität fast das Atmen vergaß, dauerte es keinen halben Tag und sie hatte die ersten Freundschaften geknüpft.

Mit manchen Dingen fremdelten wir und sie. So musste sie sich erst an unsere vegetarische Küche gewöhnen und dass Handys am Tisch tabu waren. Aber mit einem guten Maß Toleranz auf beiden Seiten ruckelten sich die Unterschiedlichkeiten schnell zurecht. Meine Tochter und das Mädchen aus Australien wuchsen in diesen drei Monaten über sich hinaus: im Sprachlichen und in der persönlichen Entwicklung. Aber das Schönste: Die beiden fanden zusammen, sodass das Haus bald wieder mit Lachen und Toben, Dis­kussionen und Geplapper gefüllt war.

Veronika Smoor ist Autorin und lebt in der Nähe von Heilbronn.

Schulstart ohne Druck – Expertin verrät, wie das gelingt

Der Schulstart verändert alles und ist ein Meilenstein für die ganze Familie. Wie Eltern ihre Kinder darauf vorbereiten und mit Leistungsdruck umgehen können, erklärt Erziehungsexpertin Inke Hummel.

Das Magengrummeln beim Gedanken an den Schulstart ist nicht unberechtigt, weil Schule einiges im Gepäck hat, was Kinder vorher noch nicht kannten: mehr Fremdbestimmung, weniger Begleitung, wechselnde Bezugspersonen, mehr geforderte Selbstständigkeit und ja, definitiv auch mehr Bewertungen. Um ein Kind darauf vorzubereiten, sollte man aber gar nicht so sehr von den Leistungsthemen selbst ausgehen. Es benötigt kein Rechen- oder Lesetraining und keine Disziplinierungen, wenn Ordnung nicht klappt. Ein Kind wird am besten schul-, lern- und damit auch lebensfit, wenn der Fokus auf Beziehungsstärke und Bewältigungskraft liegt.

Beziehungsstärke

Bis zur Einschulung haben viele Eltern die Frage im Kopf: „Geht es meinem Kind gut?“ Das darf auch nach der Einschulung so bleiben. Ein Wechsel auf den Blick „Passt mein Kind sich an? Oder fällt es nicht auf?“ ist fehl am Platz. Denn diese Perspektive erzeugt zum einen unguten Druck, der die Beziehung gefährden kann. Zum anderen übersieht sie, dass unter schulischen Kompetenzen ein Gerüst aus emotionalen Kompetenzen liegen sollte, um den Schulalltag und andere Herausforderungen meistern zu können.

Das heißt, bei jeder Problematik, die nach dem Schulstart ansteht, sollte die erste Frage immer sein: „Wie geht es uns miteinander, und sind wir gut in Beziehung?“ Dann könnt ihr weiterschauen, was jeder von euch braucht und wie ein Problem zu lösen ist. Das Kind ist auf diese Weise verlässlich eingebettet und kann mit Urvertrauen ins Leben gehen. Es weiß, dass ihr hinter ihm steht, egal, was es leistet, egal, wie es bewertet wird. Starke Beziehungen geben Kraft. Und sehr wahrscheinlich wird es sich mit allen Sorgen an euch wenden.

Bewältigungskraft

Spürt ein Kind in einer solchen starken Eltern-Kind-Beziehung Zutrauen, Rückhalt und bekommt außerdem zu Hause Hilfe zur Selbsthilfe, sodass es selbst Probleme lösen kann und darf, ist es super vorbereitet für die Schule. Es wird sich äußern, wenn es ihm nicht gutgeht oder es etwas nicht kann. Es wird bei Herausforderungen nicht sofort in Panik verfallen, sondern sich Lösungen ausdenken können oder wissen, mit wem es gemeinsam nach einer Lösung suchen kann. So benötigt ein Kind keine Patentlösungen und kein Superheldentum von Anfang an: Stifthaltung kann sich entwickeln, statt Schnürsenkel dürfen es auch Klettverschlüsse sein. Der erste Misserfolg in Mathe oder Deutsch darf betrauert werden, aber regt auch zum Weiterlernen an.

Ein weiterer wichtiger Impuls für den Alltag mit Leistungsbewertungen: dem Kind beizubringen, sich immer mit sich selbst über die Zeit zu vergleichen, nicht mit anderen: „Wo hast du Fortschritte gemacht? Was ist anders als vor drei Wochen oder drei Monaten?“ Auch das trägt zur Bewältigungskraft rund um Schule bei.

Inke Hummel, Pädagogin M.A., bietet Eltern als Familienbegleiterin, Erziehungsberaterin und pädagogischer Coach Beratung an.

11 bis 15 – So findet ihr die passende Nachhilfe

Elternfrage: „Unsere Tochter (14) braucht Unterstützung in zwei Schulfächern. Wir finden es schwer zu entscheiden, welche Nachhilfe am besten ist. Wie können wir eine gute Entscheidung treffen?“

Fragen zur Schule haben etwas gemeinsam mit Fragen an den Arzt: Es geht immer um einen speziellen Fall. Allgemeine Antworten helfen oft zu wenig weiter, erst recht aus der Ferne. In Japan ist es zum Beispiel beinahe selbstverständlich, dass Jugendliche nach der Schule in privaten Lerninstituten am Lernstoff arbeiten; hierzulande gilt Nachhilfe vielen indes als etwas Lästiges, gar Diskriminierendes. Zwischen diesen Extremen gilt es, einen Mittelweg zu finden.

Privatlehrer oder Institut?

Beide Varianten der Nachhilfe, privater Coach wie Lerninstitut, haben ihre Vor- und Nachteile. Ein Privatlehrer kann auf die Probleme Ihrer Tochter genauer eingehen, erklärt aber vielleicht auch zu viel – wenn es eigentlich darum ginge, dass sie zu mehr Aktivität verlockt werden müsste. Auch ältere Schüler mit ihrem Peer-Bonus könnten durchaus geeignete Helfer sein. Lerninstitute gehen eher schematisch vor, sind dafür in der Regel finanziell günstiger; dort ist man mit seinen Schwächen auch nicht allein und kann mit anderen Schülern zusammenarbeiten – sich aber auch in der Gruppe verstecken. Bei beiden Wegen stellt sich immer die Frage der Qualität. „Auf dem Markt“ kann man sich umhören, welche Erfahrungen andere Eltern bereits gemacht haben. Letztlich steht im Mittelpunkt die Frage: Wie geht es denn Ihrer Tochter mit dem Lernen, wo liegen ihre Probleme, welche Unterstützung braucht sie genau?

Ein Ziel für die Mühen abstecken

Mit 14 stecken Jugendliche in der Pubertät. Es ist eine Zeit voller innerer wie äußerer Turbulenzen, da kann vieles eine Rolle spielen: Ist sie insgesamt lernmotiviert, hat aber in zwei Fächern Probleme mitzuhalten, trotz eigenen Bemühens? Ist das schon länger der Fall oder erst nach eigener Krankheit oder einem Lehrerwechsel – und um welche Fächer handelt es sich? Oder hat sie aktuell – vielleicht schon seit Längerem – insgesamt einfach „keinen Bock“ auf Schule und ist deshalb ins Minus geraten? Welche Schulform besucht sie eigentlich – und falls es sich um ein Gymnasium handelt: Ist sie dort möglicherweise anhaltend überfordert, würde sich auf einer anderen Schulform der Sekundarstufe wohler fühlen und besser entwickeln? Wo sieht sie sich in 10 und in 25 Jahren? An welcher Stelle der Gesellschaft möchte sie als Erwachsene ihre Frau stehen, welche berufliche Vision hat sie? Denn ein Ziel zu haben, das macht die Mühen des Weges dorthin um vieles erträglicher.

Vielleicht gibt es auch noch einen dritten Weg: Manche Jugendliche haben mit ihren Eltern derart wenig Kontakt, dass sie es als eine wichtige Zuwendung und Unterstützung erleben, wenn diese selbst sich ihrer fachlichen Defizite annehmen. Solches Home-Coaching funktioniert natürlich nur mit Eltern, die bei Fehlern der Kinder nicht nervös werden, die sich echt interessieren und die subtil ermutigen können. Wo das gelingt, hat man einiges gespart – und kann sich ab und zu gemeinsam etwas leisten.

Michael Felten ist Lehrer im Ruhestand, Autor und Referent.

6 bis 10 – So gelingt der Schulstart ohne Druck

Elternfrage: „Im Sommer ist der Schulstart unseres Sohnes. Wie können wir ihn darauf vorbereiten, dass es bald viel mehr um Leistung und Bewertungen geht, als er es aus der Kindergartenzeit gewohnt ist?“

Das Magengrummeln beim Gedanken an den Schulstart ist nicht unberechtigt, weil Schule einiges im Gepäck hat, was Kinder vorher noch nicht kannten: mehr Fremdbestimmung, weniger Begleitung, wechselnde Bezugspersonen, mehr geforderte Selbstständigkeit und ja, definitiv auch mehr Bewertungen. Um ein Kind darauf vorzubereiten, sollte man aber gar nicht so sehr von den Leistungsthemen selbst ausgehen. Es benötigt kein Rechen- oder Lesetraining und keine Disziplinierungen, wenn Ordnung nicht klappt. Ein Kind wird am besten schul-, lern- und damit auch lebensfit, wenn der Fokus auf Beziehungsstärke und Bewältigungskraft liegt.

Beziehungsstärke

Bis zur Einschulung haben viele Eltern die Frage im Kopf: „Geht es meinem Kind gut?“ Das darf auch nach der Einschulung so bleiben. Ein Wechsel auf den Blick „Passt mein Kind sich an? Oder fällt es nicht auf?“ ist fehl am Platz. Denn diese Perspektive erzeugt zum einen unguten Druck, der die Beziehung gefährden kann. Zum anderen übersieht sie, dass unter schulischen Kompetenzen ein Gerüst aus emotionalen Kompetenzen liegen sollte, um den Schulalltag und andere Herausforderungen meistern zu können.

Das heißt, bei jeder Problematik, die nach dem Schulstart ansteht, sollte die erste Frage immer sein: „Wie geht es uns miteinander, und sind wir gut in Beziehung?“ Dann könnt ihr weiterschauen, was jeder von euch braucht und wie ein Problem zu lösen ist. Das Kind ist auf diese Weise verlässlich eingebettet und kann mit Urvertrauen ins Leben gehen. Es weiß, dass ihr hinter ihm steht, egal, was es leistet, egal, wie es bewertet wird. Starke Beziehungen geben Kraft. Und sehr wahrscheinlich wird es sich mit allen Sorgen an euch wenden.

Bewältigungskraft

Spürt ein Kind in einer solchen starken Eltern-Kind-Beziehung Zutrauen, Rückhalt und bekommt außerdem zu Hause Hilfe zur Selbsthilfe, sodass es selbst Probleme lösen kann und darf, ist es super vorbereitet für die Schule. Es wird sich äußern, wenn es ihm nicht gutgeht oder es etwas nicht kann. Es wird bei Herausforderungen nicht sofort in Panik verfallen, sondern sich Lösungen ausdenken können oder wissen, mit wem es gemeinsam nach einer Lösung suchen kann. So benötigt ein Kind keine Patentlösungen und kein Superheldentum von Anfang an: Stifthaltung kann sich entwickeln, statt Schnürsenkel dürfen es auch Klettverschlüsse sein. Der erste Misserfolg in Mathe oder Deutsch darf betrauert werden, aber regt auch zum Weiterlernen an.

Ein weiterer wichtiger Impuls für den Alltag mit Leistungsbewertungen: dem Kind beizubringen, sich immer mit sich selbst über die Zeit zu vergleichen, nicht mit anderen: „Wo hast du Fortschritte gemacht? Was ist anders als vor drei Wochen oder drei Monaten?“ Auch das trägt zur Bewältigungskraft rund um Schule bei.

Inke Hummel, Pädagogin M.A., bietet Eltern als Familienbegleiterin, Erziehungsberaterin und pädagogischer Coach Beratung an.

Keine Angst vor Mathe: Was tun, wenn mein Kind nicht rechnen kann?

Selbst einfache Matheaufgaben bereiten ihrem Kind Probleme? Womöglich liegt eine Rechenstörung vor. Eine Expertin gibt Tipps, um nachhaltig zu helfen.

Es gibt Kinder, die bereits im Vorschulalter auffallen, weil sie Probleme mit Zahlen und Mengen haben. In den meisten Fällen werden die Schwierigkeiten beim Rechnen aber erst in der Grundschule deutlich sichtbar. Die betroffenen Kinder rechnen zählend und können Rechenaufgaben nicht erfassen. Wenn es dann über den Zehnerzahlenraum hinausgeht und die Finger nicht mehr ausreichen, um zählend zu rechnen, können sie die Aufgaben meist nicht lösen. Sie haben auch keine Vorstellung davon, ob Acht größer als Fünf ist, denn sie beherrschen den Zahlenstrahl noch nicht.

Diagnose Dyskalkulie

Wenn man bei einem Kind diese massiven Schwierigkeiten mit Zahlen und Mengen beobachtet, sollte man mit dem Kinder- und Jugendarzt darüber sprechen, ob eventuell eine Sehschwäche oder eine Aufmerksamkeitsstörung ursächlich sein können. Ist das auszuschließen, wird der Kinder- und Jugendarzt empfehlen, eine Diagnostik zur Feststellung einer Dyskalkulie (Rechenstörung) bei einem Kinder- und Jugendpsychiater oder einer Psychologischen Psychotherapeutin durchführen zu lassen.

Die Eltern sollten die Lehrkraft für Mathematik über die Diagnose Dyskalkulie informieren und besprechen, wie eine individuelle Förderung des Kindes in der Schule erfolgen kann. Lehrkräfte sollten für eine individuelle Dyskalkulie-Förderung weitergebildet sein, denn es hilft Kindern mit einer Dyskalkulie wenig, wenn sie bei der Förderung nur den Schulstoff wiederholen. Ihnen fehlt ja noch das grundlegende Verständnis für Zahlen und Mengen. Erst wenn die Kinder über eine individuelle Förderung verstanden haben, was sich hinter einer Menge und einer Zahl verbirgt, und sie den Zahlenstrahl beherrschen, ist es möglich, in erste Rechenoperationen einzusteigen. Dazu gibt es gut evaluierte Förderansätze, die zum Einsatz kommen sollten, wie sie in der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung aufgeführt sind.

Keine Matheangst

Wir empfehlen Eltern, möglichst frühzeitig die medizinische Diagnose stellen zu lassen und beim Vorliegen einer Dyskalkulie schnellstmöglich eine Förderung einzuleiten. So bleibt dem Kind unnötiges seelisches Leid erspart und es entwickelt keine „Matheangst“. Wenn das Kind in der Schule keine ausreichende Förderung erhält, sollten Eltern eine außerschulische Förderung einleiten. Auch hier ist eine gute Qualifizierung der Therapeuten entscheidend, um den Kindern nachhaltig zu helfen.

Annette Höinghaus ist Pressesprecherin des BVL – Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie.

Weltentdecker haben’s leichter

Wie werden Kinder fit für die Schule? Johannes Köster hat aus seinen Erfahrungen mit Grundschulkindern vier Empfehlungen zusammengestellt.

Sascha sitzt missmutig am Tisch und fummelt mit seinen Händen im Gesicht herum. Er reagiert nur langsam auf meine Versuche, das Schulaufnahmegespräch im Frühjahr vor der Einschulung irgendwie in Gang zu bringen. Auch auf die Frage, ob er denn gern zur Schule wolle, reagiert er nur einsilbig. Er ist sich unsicher und starrt auf die Tischplatte.

Zehn Minuten später – Sascha hat mein Schulleiterbüro bereits wieder verlassen und seine Mutter Richtung Auto gezogen – springt die Tür auf und Maya betritt die Bühne. Die Mama soll draußen warten. Maya aber gibt mir die Hand und schaut mich an. Alles an dem Kind strahlt aus, dass das Mädchen es kaum erwarten kann, diese neue Herausforderung zu meistern: Schulaufnahme. Begierig ist sie darauf, zu zeigen, was sie kann. Gekonnt greift sie zu Stift und Papier, kann ihren Namen schreiben und ein Lied vorsingen. Sie weiß, dass Krokodile Eier legen und kann ausführlich beschreiben, was ihr Vater beruflich macht. Sie freut sich „wie Hulle“ auf die Schulzeit.

Immer wieder frage ich mich, wie es sein kann, dass gesunde und normal entwickelte Kinder so unterschiedlich gut auf den Schuleintritt vorbereitet sind. Was haben die Eltern von Maya richtig gemacht? Was ist bei Sascha schon verloren gegangen? Diese Fragen sind wichtig.

Oft steht schon bei Fünfjährigen auf schrecklich klare Weise fest, ob sie die ersten Schuljahre mühelos meistern werden oder ob die Grundschulzeit des Kindes ein anstrengendes Riesenprojekt für die ganze Familie wird. Was also ist zu tun, um seine Kinder bestens auf die Schule vorzubereiten?

Diese Frage lässt sich beantworten, wenn man schaut, welche Gemeinsamkeiten Kinder haben, die den Bildungserwartungen mühelos entsprechen können. Dabei lenkt sich der Blick auf die ersten Lebensjahre. Ich denke mittlerweile, es sind vier Dinge, die erfolgversprechende „i-Männchen“ kennzeichnen:

  1. Neugier und selbstbewusstes Weltentdeckertum
  2. eine wortgewandte und empathische Kommunikationsfreude
  3. Beweglichkeit und Ausdauer
  4. eine gewisse Unabhängigkeit und Selbstständigkeit

1 Die große weite Welt

Ich bin zutiefst überzeugt, dass Kinder von Beginn an sehr neugierig sind und alles wissen und ausprobieren wollen. Am allerliebsten gehen sie mit. Mit auf die Dienststelle der Eltern. Mit zur Tankstelle, zum Gottesdienst, zur Forstarbeit, zur Hausbesichtigung, zur Beerdigung oder zum Einkauf. Und es entstehen besondere Momente, wenn kleine Kinder mitgenommen werden in die Welt der Großen. Es erwachsen Fragen, tausende davon, und auch der Wunsch, selbst aktiv zu werden. Wichtig ist es, die Entdeckerfreude der Kleinen zu fördern und alle Fragen stets redlich zu beantworten. Kinder wollen eben nicht nur Lernspiele bearbeiten. Sie wollen auch Papier zusammentackern, Werkzeuge erproben, mit Buchstaben experimentieren, an Instrumenten herumspielen, die Waschmaschine anstellen, Suppe kochen und Salat pflanzen. Und sie wollen wissen, warum die Mutter weint, der Opa im Krankenhaus ist und die Katze hinkt.

Wenn Sie Ihre Sprösslinge mit in die echte Welt hineinnehmen und ihnen keine Frage verbieten, erreichen Sie etwas, das unglaublich wertvoll ist: Sie erhalten jene natürliche Neugierde, die man auch in der Schule braucht.

Weltläufigkeit gewinnen aus Vorschulsicht hieße dann, hier gute und umfangreiche Erfahrungen zu machen: Naturphänomene beobachten und erklären, Geld gebrauchen, Bilder gestalten, mit Tieren umgehen, sinnvoll im Haushalt helfen, die Uhr lesen oder sich selbst passend anziehen.

2 Der Zauber der Sprache

Sprechen lernen heißt verstehen lernen. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein brachte es auf den Punkt, als er schrieb: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Unsere Schulärztin Heike Ahrens ergänzte auf einem Vortrag: „Die Sprachentwicklung der Kinder beginnt auf dem Wickeltisch.“ Babys und Kleinkinder betrachten am liebsten das singende und schwatzende Gesicht der Mutter oder des Vaters. Dafür sind Wickeltisch und Kinderwagen die besten Orte. Hier können die ersten Gespräche und Sprachspiele beginnen! Und dann gibt es später noch so viele andere Gelegenheiten, um miteinander zu reden, zu reimen, zu spielen, vorzulesen oder zu singen: Bei Wartezeiten am Flughafen, auf der Wanderung, auf Autofahrten oder während früher Morgenstunden im Elternschlafzimmer.

Sprechen lernen aus Vorschulsicht hieße dann, hier gute und umfangreiche Erfahrungen zu machen: Lieder und Gedichte erlernen, Gefühle und Bedürfnisse erkennen und artikulieren, einen Witz machen, gute Fragen formulieren, höflich und respektvoll auftreten.

3 Schau mal, was ich kann!

Entwicklungsverzögerte oder beeinträchtigte Kinder sind oft nicht besonders sportlich. Kluge Grundschüler sind dagegen fast immer auch sportlich. Sie haben besondere Bewegungserfahrungen im Sportverein, beim Reiten oder beim Tanzunterricht machen dürfen. Es reicht nicht, einfach viel draußen zu sein oder den Waldkindergarten zu besuchen. Es ist für Vorschulkinder und ihr Selbstbewusstsein sehr bedeutsam, auch zielgerichtet die Grenzen des körperlich Machbaren zu erkunden.

Beweglichkeit gewinnen aus Vorschulsicht hieße dann, hier gute und umfangreiche Erfahrungen zu machen: schwimmen und tauchen, lange wandern, klettern und rennen, tanzen und Seil springen, turnen und springen.

4 Lass mich mal!

Ein Letztes: Kinder brauchen auch Zeiten, in denen sie auf sich gestellt bleiben und Probleme selbst lösen müssen. Sie müssen fallen und wieder aufstehen lernen. Sie brauchen Zeiten ohne elterliche Präsenz. Sie brauchen Ruhe und zweckfreie Muße, vielleicht sogar etwas Langeweile. So können intellektuelle Ressourcen reifen und weiterwachsen.

Selbstständigkeit gewinnen aus Vorschulsicht hieße dann, hier gute und umfangreiche Erfahrungen zu machen: vorhandenes Spielzeug kreativ einsetzen, Schmerzen richtig einschätzen, sich selbst beruhigen, Langeweile selbst überwinden, Grenzen des Erlaubten erkunden, aus Fehlern lernen.

Johannes Köster ist Leiter der Primarstufe der Freien Christlichen Schule Ostfriesland. Er lebt mit seiner Frau im Landkreis Leer und hat zwei erwachsene Kinder.

Schulfähig? Pädagoge erklärt, warum Kinder die Welt entdecken müssen

Was brauchen Kinder, um für die Schule fit zu werden? Pädagoge Johannes Köster erklärt, welche Erfahrungen Kinder in den ersten Lebenjahren brauchen und warum sie öfter mal mit zur Tankstelle gehen sollten.

Sascha sitzt missmutig am Tisch und fummelt mit seinen Händen im Gesicht herum. Er reagiert nur langsam auf meine Versuche, das Schulaufnahmegespräch im Frühjahr vor der Einschulung irgendwie in Gang zu bringen. Auch auf die Frage, ob er denn gern zur Schule wolle, reagiert er nur einsilbig. Er ist sich unsicher und starrt auf die Tischplatte.

Zehn Minuten später – Sascha hat mein Schulleiterbüro bereits wieder verlassen und seine Mutter Richtung Auto gezogen – springt die Tür auf und Maya betritt die Bühne. Die Mama soll draußen warten. Maya aber gibt mir die Hand und schaut mich an. Alles an dem Kind strahlt aus, dass das Mädchen es kaum erwarten kann, diese neue Herausforderung zu meistern: Schulaufnahme. Begierig ist sie darauf, zu zeigen, was sie kann. Gekonnt greift sie zu Stift und Papier, kann ihren Namen schreiben und ein Lied vorsingen. Sie weiß, dass Krokodile Eier legen und kann ausführlich beschreiben, was ihr Vater beruflich macht. Sie freut sich „wie Hulle“ auf die Schulzeit.

Unterschiedliche Erfahrungen

Immer wieder frage ich mich, wie es sein kann, dass gesunde und normal entwickelte Kinder so unterschiedlich gut auf den Schuleintritt vorbereitet sind. Was haben die Eltern von Maya richtig gemacht? Was ist bei Sascha schon verloren gegangen? Diese Fragen sind wichtig.

Oft steht schon bei Fünfjährigen auf schrecklich klare Weise fest, ob sie die ersten Schuljahre mühelos meistern werden oder ob die Grundschulzeit des Kindes ein anstrengendes Riesenprojekt für die ganze Familie wird. Was also ist zu tun, um seine Kinder bestens auf die Schule vorzubereiten?

Diese Frage lässt sich beantworten, wenn man schaut, welche Gemeinsamkeiten Kinder haben, die den Bildungserwartungen mühelos entsprechen können. Dabei lenkt sich der Blick auf die ersten Lebensjahre. Ich denke mittlerweile, es sind vier Dinge, die erfolgversprechende „i-Männchen“ kennzeichnen:

  1. Neugier und selbstbewusstes Weltentdeckertum
  2. eine wortgewandte und empathische Kommunikationsfreude
  3. Beweglichkeit und Ausdauer
  4. eine gewisse Unabhängigkeit und Selbstständigkeit

1 Die große weite Welt

Ich bin zutiefst überzeugt, dass Kinder von Beginn an sehr neugierig sind und alles wissen und ausprobieren wollen. Am allerliebsten gehen sie mit. Mit auf die Dienststelle der Eltern. Mit zur Tankstelle, zum Gottesdienst, zur Forstarbeit, zur Hausbesichtigung, zur Beerdigung oder zum Einkauf. Und es entstehen besondere Momente, wenn kleine Kinder mitgenommen werden in die Welt der Großen. Es erwachsen Fragen, tausende davon, und auch der Wunsch, selbst aktiv zu werden. Wichtig ist es, die Entdeckerfreude der Kleinen zu fördern und alle Fragen stets redlich zu beantworten. Kinder wollen eben nicht nur Lernspiele bearbeiten. Sie wollen auch Papier zusammentackern, Werkzeuge erproben, mit Buchstaben experimentieren, an Instrumenten herumspielen, die Waschmaschine anstellen, Suppe kochen und Salat pflanzen. Und sie wollen wissen, warum die Mutter weint, der Opa im Krankenhaus ist und die Katze hinkt.

Wenn Sie Ihre Sprösslinge mit in die echte Welt hineinnehmen und ihnen keine Frage verbieten, erreichen Sie etwas, das unglaublich wertvoll ist: Sie erhalten jene natürliche Neugierde, die man auch in der Schule braucht.

Weltläufigkeit gewinnen aus Vorschulsicht hieße dann, hier gute und umfangreiche Erfahrungen zu machen: Naturphänomene beobachten und erklären, Geld gebrauchen, Bilder gestalten, mit Tieren umgehen, sinnvoll im Haushalt helfen, die Uhr lesen oder sich selbst passend anziehen.

2 Der Zauber der Sprache

Sprechen lernen heißt verstehen lernen. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein brachte es auf den Punkt, als er schrieb: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Unsere Schulärztin Heike Ahrens ergänzte auf einem Vortrag: „Die Sprachentwicklung der Kinder beginnt auf dem Wickeltisch.“ Babys und Kleinkinder betrachten am liebsten das singende und schwatzende Gesicht der Mutter oder des Vaters. Dafür sind Wickeltisch und Kinderwagen die besten Orte. Hier können die ersten Gespräche und Sprachspiele beginnen! Und dann gibt es später noch so viele andere Gelegenheiten, um miteinander zu reden, zu reimen, zu spielen, vorzulesen oder zu singen: Bei Wartezeiten am Flughafen, auf der Wanderung, auf Autofahrten oder während früher Morgenstunden im Elternschlafzimmer.

Sprechen lernen aus Vorschulsicht hieße dann, hier gute und umfangreiche Erfahrungen zu machen: Lieder und Gedichte erlernen, Gefühle und Bedürfnisse erkennen und artikulieren, einen Witz machen, gute Fragen formulieren, höflich und respektvoll auftreten.

3 Schau mal, was ich kann!

Entwicklungsverzögerte oder beeinträchtigte Kinder sind oft nicht besonders sportlich. Kluge Grundschüler sind dagegen fast immer auch sportlich. Sie haben besondere Bewegungserfahrungen im Sportverein, beim Reiten oder beim Tanzunterricht machen dürfen. Es reicht nicht, einfach viel draußen zu sein oder den Waldkindergarten zu besuchen. Es ist für Vorschulkinder und ihr Selbstbewusstsein sehr bedeutsam, auch zielgerichtet die Grenzen des körperlich Machbaren zu erkunden.

Beweglichkeit gewinnen aus Vorschulsicht hieße dann, hier gute und umfangreiche Erfahrungen zu machen: schwimmen und tauchen, lange wandern, klettern und rennen, tanzen und Seil springen, turnen und springen.

4 Lass mich mal!

Ein Letztes: Kinder brauchen auch Zeiten, in denen sie auf sich gestellt bleiben und Probleme selbst lösen müssen. Sie müssen fallen und wieder aufstehen lernen. Sie brauchen Zeiten ohne elterliche Präsenz. Sie brauchen Ruhe und zweckfreie Muße, vielleicht sogar etwas Langeweile. So können intellektuelle Ressourcen reifen und weiterwachsen.

Selbstständigkeit gewinnen aus Vorschulsicht hieße dann, hier gute und umfangreiche Erfahrungen zu machen: vorhandenes Spielzeug kreativ einsetzen, Schmerzen richtig einschätzen, sich selbst beruhigen, Langeweile selbst überwinden, Grenzen des Erlaubten erkunden, aus Fehlern lernen.

Johannes Köster ist Leiter der Primarstufe der Freien Christlichen Schule Ostfriesland. Er lebt mit seiner Frau im Landkreis Leer und hat zwei erwachsene Kinder.

Mobbing: Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können

Ein häufiges Problem in Schulen ist Mobbing. Doch es ist auch ein Tabuthema. Psychotherapeutin Melanie Schüer erklärt, wie Eltern Mobbing erkennen und was sie dagegen tun können.

Etwa acht Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen erleben Mobbing – das stellte der Verein „Zeichen gegen Mobbing“ in seiner Präventionsarbeit fest.

Erschreckend ist nicht nur diese Zahl, sondern sind auch die Folgen, die Mobbing haben kann: Diese reichen von Depressionen über Angst- und Panikstörungen bis hin zur Selbstmordgefährdung. Hinzu kommen die langfristigen, oft lebenslangen Folgen: Viele Mobbing-Opfer gewöhnen sich aus Angst vor erneuter Ablehnung ungesunde Denk- und Verhaltensmuster an, die auch Jahrzehnte später noch ihre sozialen Beziehungen erschweren.

Mobbing ist keine Lappalie

Eltern sollten sich immer der Tatsache bewusst sein, dass Mobbing ihr Kind ernsthaft bedroht. Daher sollten sie regelmäßige verbale oder körperliche Gewalt gegen ihr Kind daher niemals auf die leichte Schulter nehmen. Damit ist auch schon angesprochen, was unter Mobbing zu verstehen ist: Wenn zwei Kinder sich hin und wieder streiten, handelt es sich nicht um Mobbing. Mobbing liegt vor, wenn über einen längeren Zeitraum (mindestens etwa einen Monat lang) regelmäßig (etwa einmal pro Woche oder häufiger) Einzelne beleidigt, ausgegrenzt, körperlich oder emotional verletzt werden und dabei ein Kräfteungleichgewicht besteht. Das Kräfteungleichgewicht kann dadurch entstehen, dass mehrere Kinder sich gegen deutlich weniger Kinder stellen oder aber, dass die einzelne Täterperson höhere Macht in der Gruppe besitzt als das Opfer. Natürlich sollten aber auch Vorfälle, die diese Kriterien nicht erfüllen, ernst genommen werden.

Mobbing erkennen

Viele Kinder und Jugendliche zögern lange damit, ihren Eltern von dem Mobbing zu berichten. Das kann unterschiedliche Gründe haben:

  • die Eltern nicht belasten wollen („Die machen sich dann nur Sorgen und können ja eh nichts tun“)
  • Befürchtung weiterer Eskalationen („Wenn ich etwas sage, werden die mich als Petze beschimpfen und noch schlimmer behandeln“)
  • Vermeidung, die Situation als echtes Problem anzuerkennen („Wenn ich einfach so tue, als wenn nichts wäre, löst sich vielleicht bald alles von selbst“)

Eltern sollten daher sensibel auf mögliche Anzeichen achten, die darauf hinweisen können, dass das Kind unter Mobbing leidet. Alarmzeichen sind zum Beispiel:

  • Schweigen über alles, was in der Schule geschieht
  • körperliche Beschwerden ohne erkennbare Ursache wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, ausgeprägte Müdigkeit, Schlafprobleme
  • körperliche Blessuren wie blaue Flecken oder beschädigte Kleidung, Schultaschen o.Ä.
  • zunehmender Widerwille, zur Schule zu gehen
  • Rückzug, Mangel an Verabredungen und an Einladungen zu Geburtstagen
  • schulische Leistungsprobleme
  • Traurigkeit, Bedrücktheit oder auch Reizbarkeit, schlechte Laune
  • Lustlosigkeit
  • Selbstverletzung und/oder Selbstmordgedanken

All das sind natürlich nur Beispiele. Wann immer Eltern auffällt, dass ihr Kind sich ungewöhnlich verhält und auf Nachfrage nach dem Grund keine schlüssige Antwort bekommen, sollte Mobbing eine Option sein, an die sie denken sollten.

Verdacht ansprechen – aber wie?

Ernstnehmen ist also wichtig. Gleichzeitig gilt es jedoch, das Kind ruhig und gefasst auf den Verdacht anzusprechen. Denn wenn die Eltern hektisch agieren, zieht sich das Kind, dem es ohnehin schwerfällt, sich anzuvertrauen, womöglich noch mehr zurück. Suchen Sie also eine ruhige Situation, in der Sie allein mit ihrem Kind reden können. Hilfreich sind bei sehr schweigsamen Kindern Gelegenheiten, bei denen kein direkter Augenkontakt nötig ist. Das kann zum Beispiel bei einem Spaziergang in einer wenig belebten Gegend der Fall sein. Formulieren Sie ihre Frage vorsichtig, aber dennoch klar, zum Beispiel:

„Mir ist aufgefallen, dass du dich verändert hast in den letzten Wochen. Ich habe das Gefühl, dass es dir nicht gut geht. Und ich möchte nicht, dass du mit dem Stress allein bist. Kann es sein, dass du dich in deiner Klasse nicht wohl fühlst oder sogar gemobbt wirst?“

Geduldig bleiben

Manche Kinder reagieren abweisend oder ausweichen. Bleiben Sie dann geduldig: „Ich kann verstehen, dass es dir schwerfällt, darüber zu sprechen. Vielleicht ist es ja nicht so, wie ich denke. Vielleicht ist aber doch was dran. Ich will dir keinen Druck machen. Ich mache mir Sorgen um dich. Ich möchte nichts unternehmen, ohne es gut mit dir abzusprechen. Denk’ mal drüber nach und vielleicht können wir in den nächsten Tagen nochmal sprechen.“ Sie können Ihrem Kind auch fachliche Beratungsangebote nennen wie den Verein „Zeichen gegen Mobbing“ oder die Nummer gegen Kummer. Manchmal ist an anonymes Gespräch als erster Schritt einfacher.

Bleiben Sie dran und reden Sie gegebenenfalls auch mit dem Lehrpersonal und bitten Sie darum, genauer hinzuschauen. Auch kann es hilfreich sein, eine Familienberatungsstelle einzubeziehen.

Nehmen Sie mögliche Bedenken Ihres Kindes, dass es noch schlimmer werden könnte, wenn es sich wehrt, ernst. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit, dass Sie alle Schritte miteinander besprechen. Bleiben Sie aber auch klar in der Devise: Wir müssen etwas tun, denn wenn man nichts gegen Mobbing tut, wird es noch schlimmer.

Was können Eltern tun, wenn das Kind von Mobbing betroffen ist?

Unbedingt zu vermeiden sind folgende No-Gos für Eltern im Umgang mit Mobbing:

  • Eltern sollten niemals selbst die Täterperson kontaktieren. Das wird dem Opfer als Schwäche ausgelegt und verschärft das Kräfteungleichgewicht nur weiter.
  • In nahezu allen Fällen (außer bei einer sehr guten Beziehung zwischen den Eltern des Täters und des Opfers) schadet es auch eher, wenn die Eltern die Täter-Eltern selbst kontaktieren. Es bestehen hier zwei wesentliche Gefahren: Entweder die Täter-Eltern reagieren mit harter Bestrafung ihres Kindes, wodurch dieses noch mehr Wut gegen das Opfer richten wird. Oder – deutlich häufiger – die Täter-Eltern nehmen ihr Kind in Schutz und die Fronten verhärten sich weiter.
  • Ebenfalls sollten Eltern nicht direkt mit eigenen Forderungen und Plänen auf die Schule zugehen. Sie sollten sich vielmehr auf Augenhöhe mit dem Schulpersonal austauschen, erst um deren Vorschläge bitten und höflich fragen, was sie zur Besserung der Situation beitragen können.

Sinnvoll ist es immer, im ersten Schritt mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer oder auch der Schulsozialarbeit zu sprechen. Fragen Sie vorher das Kind, welche Ansprechpersonen es sich selbst als hilfreich vorstellen könnte. Meist ist es gut, wenn in so einem ersten Gespräch das Kind nicht dabei ist, weil manchmal Lehrpersonal Gründe für das Mobbing beim Kind sieht oder Aussagen trifft, die zumindest so verstanden werden könnten.

Niemals gerechtfertigt

Fakt ist aber: Niemand hat Mobbing verdient! Mobbing ist durch nichts zu rechtfertigen. Übrigens ist statistisch nur Übergewicht ein klar erkennbarer Anlass, weshalb Kinder gemobbt werden. Ansonsten sind die Ursachen, warum ausgerechnet dieses Kind Opfer wurde, oft nicht leicht zu erkennen. Klar ist nur, dass bestimmte Auffälligkeiten (Aussehen, Sprache, Verhalten), in denen es sich von anderen unterscheidet, eine gewisse Angriffsfläche bieten. Auch ängstliche Tendenzen können eine Opferposition begünstigen.

Eltern sollten ihrem Kind immer klar machen: All das sind höchstens Gründe, die die Täterpersonen sich „suchen“. Genauso gut hätten sie irgendwelche anderen Gründe auswählen können, denn das Problem liegt bei ihnen – nicht beim Opfer! Weil sie sich selbst innerlich schwach fühlen, machen sie andere klein, um sich kurzzeitig stärker fühlen. Das Opfer trägt keinerlei Schuld. Selbst dann nicht, wenn es unfreundlich, anstrengend oder schwierig ist. Mobbing ist niemals gerechtfertigt!

Kooperieren und notfalls kämpfen

Eltern sollten beharrlich im Gespräch mit der Schule bleiben. Sie sollten erst einmal schulische Vorschläge erfragen, aber auch höflich Stellung beziehen. So ist es meist nicht sinnvoll, dass das Lehrpersonal sofort die jeweiligen Täter und Opfer öffentlich benennt und dies mit der gesamten Klasse bespricht. Meist ist es besser, wenn

  • die Täterin oder der Täter gemeinsam mit den Eltern einzeln vom Schulpersonal zum Gespräch gebeten und klare Grenzen aufgezeigt werden
  • Schulsozialarbeit und/oder Lehrpersonal mit dem Opfer sprechen, es ermutigen und bitten, alle Vorfälle zu dokumentieren
  • Mit der Klasse allgemein zum Thema Mobbing, Gewalt und Prävention gearbeitet wird

Hilfreich sind auch Vereine wie „Zeichen gegen Mobbing“, die Betroffene, Eltern, aber auch Schulen konkret beraten und begleiten.

Eltern sollten wachsam bleiben, wenn scheinbar „Ruhe einkehrt“ – manchmal ist der Frieden nur vorübergehend.

Wenn die Klassenleitung nicht ausreichend reagiert, empfiehlt sich im nächsten Schritt die Kontaktaufnahme zur Schulleitung. Sollte auch hier keine angemessene Unterstützung erfolgen, ist die Schulaufsichtsbehörde die nächste Instanz. Wenn in seltenen Fällen auch dort verharmlost und gemauert wird, bleibt Eltern das sogenannte Petitionsrecht: Dabei können sie eine Eingabe an den Landtag machen. Auch rechtliche Unterstützung oder Begleitung durch eine Familienberatungsstelle, deren Personal mit der Schule sprechen kann, sind sinnvolle Optionen.

Klassen- oder Schulwechsel ist oft nicht zielführend

Ein solcher Schritt kann das Oper in der Wahrnehmung bestätigen, sich nicht wehren zu können und nachgeben zu müssen. Zudem muss es sich nach einer sehr schwächenden Erfahrung in eine völlig neue Gruppe integrieren, Das gelingt jedoch nur selten. Besser ist es, in hartnäckigen Fällen auf die Versetzung der Täterperson hinzuwirken.

Wenn aber die Schule zu keiner Veränderung bereit ist oder keine Besserung zu erreichen ist, kann ein Schulwechsel der letzte Ausweg sein. In dem Fall sollte möglichst vermieden werden, die neue Schule vorab über die Probleme zu informieren, um einen unvoreingenommenen Neuanfang zu ermöglichen.

Ablenkung und Stärkung ermöglichen

Es gilt, neben allen Schritten zur Verbesserung der äußeren Situation, auch die Stärkung und Entlastung des Kindes selbst im Blick zu haben. Das bedeutet u.A.:

  • Zuhause nicht ständig über das Mobbing reden. Gesprächsbereitschaft signalisieren, nachfragen – aber auch bewusst andere, positiv besetzte Themen und (gemeinsame) Aktivitäten fördern, zum Beispiel Spielen, Shoppen, Kino, Ausflüge … Gut sind auch Aktivitäten mit Erfolgserlebnissen, um die Selbstwirksamkeit zu stärken. Vielleicht gehen Sie mal in einen Kletterwald oder Niedrigseilgarten oder fragen Ihr Kind, was es gerne mal erleben oder Neues lernen würde. Besondere Erfahrungen stärken das Selbstbewusstsein und die Hoffnung auf bessere Zeiten.
  • Suchen Sie mit Ihrem Kind Möglichkeiten zu positiven sozialen Erfahrungen, z.B. Kinder-/Jugendgruppen in Kirchengemeinden oder Sportvereinen. Es geht darum, Räume zu finden, bei denen es die Täterpersonen nicht trifft und erleben kann: „Ich werde gemocht! Ich komme mit Gleichaltrigen zurecht!“
  • Betonen Sie immer wieder die Stärken Ihres Kindes. Zollen Sie ihm Anerkennung für das, was es gut kann, wo es sich bemüht und Einsatz zeigt. Zeigen Sie besonders viel Interesse an allem, wofür Ihr Kind sich begeistert.
  • Sagen Sie Ihrem Kind, wie wertvoll es ist. Ein tolles Buch ist „Du bist einmalig“ von Max Lucado, wo die Einzigartigkeit eines jeden Menschen in den Augen Gottes in einer berührenden Geschichte verdeutlicht wird.
  • Auch Bücher, die zeigen, dass andere Ähnliches erleben und altersgerecht Strategien aufzeigen, können ermutigend sein, zum Beispiel „Raus bist du noch lange nicht“ von Elfriede Wimmer oder „Du doof!?“ von Tom Lehel.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind auch Gesprächsmöglichkeiten ohne Eltern, z.B. in einer Psychotherapie oder Beratungsstelle.

Mobbing ist eine Herausforderung für die ganze Familie! Doch bewahren Sie die Zuversicht. Wenn Ihr Kind erfährt, dass es eine solche Situation gut begleitet, positiv bewältigen kann, kann das auch für ähnliche Erfahrungen im Erwachsenenleben stärkend sein!

Melanie Schüer ist Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Autorin.

 

Hilfsangebote bei Mobbing

  • Verein „Zeichen gegen Mobbing“: Zweichen-gegen-mobbing.de
  • Telefonnummer für Mobbingopfer: nummergegenkummer.de
  • Familienberatungsstelle: dajeb.de

Stillsitzen statt Bewegung: Wie Eltern die ersten Schulwochen unterstützen können

Ab dem ersten Schultag müssen Kinder plötzlich viel stillsitzen anstatt rumzulaufen und zu spielen. Anika Schunke gibt Tipps, wie Eltern diesen harten Übergang abmildern und Bewegung in den Tag integrieren können.

Mein Kind kommt in die Schule! Damit einher gehen viele Gefühle: Stolz, Wehmut, Erleichterung, aber auch Angst. Ist es wirklich bereit? Kann es die Schulstunden und das Stillsitzen meistern? Kann es die Aufmerksamkeitsspanne aufrecht erhalten? Kann es sich lange genug konzentrieren, oder wird es schnell zappelig? Meist schließt sich hier auch die Frage an, was wir als Eltern tun können, um unsere Kinder bei diesem besonderen Übergang zu unterstützen? Zumal sich zeitgleich die dunkle und kalte Jahreszeit anschließt, in der man ohnehin weniger draußen unterwegs ist, wenig Bewegung hat und mehr sitzt. Es gibt aber einige praktische Tipps, die man als Eltern beachten kann und die dem Kind helfen.

Bewegter Schulweg

Um die ersten Stunden ausgeglichen arbeiten zu können, hilft es Kindern, wenn sie sich schon vor der ersten Stunde etwas bewegen. Das bedeutet, dass sie möglichst mittels eigener Bewegung zur Schule kommen. Das heißt: Wenn möglich sollte das Auto zu Hause stehen bleiben und die Kinder sollten laufen. Wenn das nicht geht, ist eine Möglichkeit, das Auto ein Stück von der Schule entfernt abzustellen und den restlichen Weg zu Fuß zurücklegen. So hat das Kind die Möglichkeit, sich auf einem etwas kürzeren Weg zu bewegen. Ein guter Weg zu Fuß ist hier tatsächlich das Beste.

Vielleicht dürfen sich die Kinder vor der ersten Stunde auch schon auf dem Schulhof aufhalten, dann können sie sich hier auch noch ein wenig austoben. 10 bis 15 Minuten sind hier ausreichend. Auf dem gemeinsamen Schulweg kann Ihr Kind auch auf kleinen Mauern, Bordsteinen und Bodenplatten Balancierübungen und Hüpfspiele spielen. Ihr Kind kann rückwärts laufen oder Sie machen ein kurzes Wettrennen. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wenn die Eltern Ideen einbringen, lassen sich die Kinder oft gut motivieren.

Hilfreich sind auch Laufgemeinschaften. Hier laufen mehrere Kinder (mit einem Erwachsenen, später auch allein) zu Schule. Das ist eigentlich die eierlegende Wollmilchsau. Die Kinder sind in Bewegung, haben dabei sozialen Kontakt, sind eben nicht allein unterwegs und üben sich darin, selbstständig zu handeln. Ein bewegter Schulweg wirkt sich somit positiv auf das Selbstbewusstsein aus, was sich wahrscheinlich auch im Unterricht bemerkbar macht und die Teilnahme am Verkehr wird zur Normalität.

Ernährung

Wie Kinder sich ernähren, hat auch einen großen Einfluss darauf, wie gut sie stillsitzen und sich konzentrieren können. Zucker liefert zwar schnell Energie, aber diese Energie ist leider auch genauso schnell wieder aufgebraucht. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Energie vom Frühstück, wie sie z.B. von Kornflakes oder Frühstücksflocken kommen, verbrannt sind, bevor die Kinder im Klassenzimmer ankommen. Hiervon ausgenommen sind Haferflocken und Müslimischungen mit wenig Zuckerzusätzen. Herzhafte Gerichte halten den Blutzuckerspiegel meist länger konstant, sodass die Kinder länger satt sind und die Inhaltsstoffe gemächlich im Körper verarbeitet werden. Dadurch können die Kinder sich länger oder besser konzentrieren und auch das Stillsitzen fällt einfacher.

Es gibt verschiedenen Frühstückstypen, auch bei Kindern: Typ 1 isst süß, Typ 2 isst herzhaft und Typ 3 isst gar nichts. Hier sind die Eltern gefordert, zu beobachten, Kompromisse zu verhandeln oder vielleicht auch mehrere Optionen anzubieten. Was beim Frühstück liegenbleibt, können Sie in die Brotbox packen. Dann ist es nicht verschwendet. Aufwändige Snacks, wie sie im Internet vorgestellt werden, können auch schon am Vorabend vorbereitet werden und schmeckt am nächsten Morgen trotzdem noch. In den Wochen vor dem Schulstart können Sie das schon ausprobieren, was schmeckt und was in den morgendlichen Ablauf passt.

Bewegte Hausaufgaben

Kinder müssen nicht nur im Unterricht länger und öfter stillsitzen, auch zu Hause muss das dann oft nochmal sein, um die Hausaufgaben zu erledigen. Hier gibt es einige Tipps, wie Sie die Hausaufgaben mit Bewegung gestalten können. Aber auch da gilt es herauszufinden: Was passt zu uns und unserem Kind?

Das Prinzip des klassischen Laufdiktats, beispielsweise, lässt sich auch auf andere Aufgaben anwenden. Je nach Aufgabe, können Sie diese auf verschiedene Tische oder sogar in verschiedene Räume verteilen. Muss zum Beispiel etwas ausgeschnitten und aufgeklebt werden, gibt es einen Tisch zum Schneiden und einen anderen zum Kleben. Die Kinder können diese oder andere Hausaufgaben auch gerne im Stehen erledigen.

Vielleicht haben Sie einen höhenverstellbaren Schreibtisch, an dem das Kind gut im Stehen arbeiten kann. Auch das Auswendiglernen von Gedichten oder Leseübungen können im Stehen, auf dem Bauch liegend oder auch laufend gemeistert werden. Es erhöht teilweise sogar die Gedächtnisleistung. Da unterschiedliche Sinne in den Prozess einbezogen werden, werden mehrere Verknüpfungen gebildet, die dem Kind ermöglichen, Lerninhalte besser und schneller zu verarbeiten.

Bewegung und Mathematik

Eine andere Möglichkeit der bewegten Hausaufgaben sind Bewegungskarten oder -würfel. Nach jeder gelösten Matheaufgabe zieht das Kind eine Karte, würfelt oder macht einen eigenen Vorschlag für eine Bewegung z.B. Hüpfen, Kniebeugen, Hampelmänner etc. Hier können Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe, für die Entscheidung benutzen, wie oft eine Übung ausgeführt werden soll. Lautet die Aufgaben z.B. „3+4=“ schreibt das Kind die „7“ dahinter und macht dann 7 Hampelmänner.

Um den Kindern ein besseres mathematisches Verständnis zu ermöglichen, ist es ratsam, besonders im ersten halben Jahr, so oft es möglich ist, Materialien zu den Mathehausaufgaben dazu nehmen. Hier ein Beispiel: Wir nehmen die gleiche Aufgabe wie oben, 3+4=7. Lassen Sie Ihr Kind 3 Gegenstände aus der Küche holen und 4 Gegenstände aus seinem Zimmer. Wir haben dann z.B. 3 Löffel und 4 Autos, ergibt 7 Gegenstände aus unserem Zuhause. Somit hat das Kind Bewegung, schult seine Merkfähigkeit und bekommt ein klareres Bild von Zahlen und Mengen.

Diese Art, Hausaufgaben zu machen, ist natürlich recht aufwendig und kann bestimmt nicht jeden Tag praktiziert werden. Sie können sich das für das Wochenende aufheben, wenn freitags z.B. hausaufgabenfrei ist. Oder in einer besonders regnerischen Woche, oder wenn das Kind krank zu Hause ist. Auch hier gilt, machen Sie es für sich passend.

Ein Wort zum Schluss

Eine Weile still am Tisch sitzen und sich über einen gewissen Zeitraum konzentrieren können, ist natürlich trotzdem wichtig und sollte vor dem Schuleintritt bereits klappen. Das kann man auch vor dem Schulstart trainieren. Es erleichtert den Einstieg in die Schule, weil die Kinder das nicht noch zusätzlich lernen müssen. Es schadet den Kindern auch nicht, wenn sie eine Aufgabe, oder auch zwei (Rätselhefte etc.) am Tisch sitzend erledigen müssen.

Es ist ratsam, solche „Arbeitszeiten“ ebenfalls in die Ferienzeiten zu integrieren – besonders in den sechs Wochen Sommerferien. Dann gewöhnen sich die Kinder wieder schneller an die Schule.

Der Schulanfang ist für alle Beteiligten eine aufregende Zeit. Damit es eine schöne und aufregende Zeit wird, hoffe ich, die Tipps werden dabei helfen, die Freude am Lernen so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.

Anika Schunke hat zwei Kinder und arbeitet als Erzieherin. Sie bietet Eltern-Kind-Turnen sowie Kinderturnen and und ist als Referentin und Autorin tätig.