Hund als Haustier: Das solltet ihr vorher bedenken

Elternfrage: „Unsere Kinder wünschen sich sehnlichst einen Hund. Welche Gedanken sollten wir uns vor der Anschaffung machen? Wie kann ich die Kinder in die Verantwortung für den Hund einbeziehen?“

Viele Kinder träumen von einem eigenen Hund. Er soll ein treuer Freund, Spielkamerad und Kuschelpartner sein. Wenn in der neuen Wohnung das Halten von Haustieren nun erlaubt ist, rückt dieser Traum in greifbare Nähe. Doch die Entscheidung für ein Haustier sollte gut überlegt sein, denn sie bedeutet Verantwortung über viele Jahre hinweg.

Welcher Hund passt zu uns?

Bevor ein Fellfreund einzieht, lohnt sich ein realistischer Blick auf den Familienalltag. Ein Hund braucht täglich Bewegung, Beschäftigung, Pflege und Zuwendung. Bei jedem Wetter und unabhängig von Schul- oder Arbeitsterminen. Zudem sollten Tierarztkosten, Futter, Versicherung und mögliche Urlaubsbetreuung einkalkuliert werden. Familien sollten ehrlich prüfen, ob Zeit, Platz und finanzielle Mittel langfristig vorhanden sind.

Dann stellt sich die entscheidende Frage: Welcher Hund passt zu uns? Was für ein Familientyp sind wir? Alter, Größe, Temperament und Aktivitätsniveau müssen zur Familie passen. Ein junger, energiegeladener Hund stellt ganz andere Ansprüche als ein älterer, ruhiger Begleiter. Eine fachkundige Beratung in einer seriösen Hundeschule, beim Tierheim oder bei einem verantwortungsvollen Züchter oder einer Züchterin hilft, den richtigen Hund zu finden.

Kinder haben keine Hauptverantwortung

Kinder können und sollen in die Vorbereitung und den späteren Alltag mit dem Haustier einbezogen werden. Mitverantwortung ja, Hauptverantwortung nein. Ein zehn- oder zwölfjähriges Kind kann einfache Aufgaben übernehmen, zum Beispiel beim Füttern helfen, mit spazieren gehen oder bei der Fellpflege unterstützen. Trotzdem bleiben Themen wie Erziehung und Versorgung stets in der Hand der Erwachsenen.

Bevor der Hund einzieht, ist es für den Familienalltag wichtig, klare Regeln, Strukturen und Routinen zu besprechen. Dazu gehören Ruhezeiten, feste Futterzeiten und Absprachen für Spaziergänge. Ebenso wichtig: Kinder müssen lernen, Hunde als fühlende Lebewesen zu respektieren. Hunde brauchen Rückzugsorte, dürfen nicht bedrängt werden und haben individuelle Bedürfnisse.

Gelingendes Hundeglück

Ein Hund kann das Familienleben auf wundervolle Weise bereichern, Geborgenheit schenken und soziale Fähigkeiten stärken. Er vermittelt Rücksicht, Geduld und Empathie. Werte, die Kindern ein Leben lang bleiben. Echtes Hundeglück entsteht jedoch erst, wenn Herz, Zeit und Alltag wirklich bereit sind. Dann wird aus dem Wunsch nach dem eigenen Hund ein gemeinsames, tragfähiges Familienabenteuer über viele Jahre hinweg. Wer sich als Familie gut vorbereitet, ehrlich die eigenen Möglichkeiten prüft und bereit ist, Zeit und Energie in das neue Familienmitglied zu investieren, schafft die besten Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben.

Claudia Peter-Plum ist Gründerin von DOGS & KIDS und hat sich auf das Thema Kind-und-Hund-Sicherheit spezialisiert. In ihrem Kinderpodcast Wuff & Wow vermittelt sie kindgerechtes Wissen über die Fellfreunde.

Geschwister als Babysitter: Ist das sinnvoll?

Elternfrage: „Können wir unsere Tochter (14) als Babysitter für unseren Jüngsten (5) einspannen? Mein Mann und ich sind uns uneinig.“

Klare Absprachen

Wir haben als Familie sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die jeweils älteren Geschwister bei den Jüngeren babysitten zu lassen. Warum? Ältere Brüder oder Schwestern sind wohlvertraut. Es gibt keine seltsamen Beklommenheitsgefühle oder Ängste, wie sie einem außenstehenden Babysitter manchmal entgegengebracht werden. Umgekehrt ist die Übernahme von Verantwortung in und für die eigene Familie ein großer Zugewinn. Die älteren Geschwister dürfen erfahren, was ihnen von ihren Eltern zugetraut wird. Nicht zuletzt stärkt es die Gemeinschaft unter den Geschwistern. Einen Abend allein zu verbringen, ist ein kleines Abenteuer und schreibt die gemeinsame Geschichte fort, ganz ohne elterliche Argusaugen.

Allerdings müssen für diese Benefits einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss das ältere Geschwisterkind diesen Job auch tatsächlich übernehmen wollen. Niemandem ist gedient, wenn die Kleinen den Großen aufs Auge gedrückt werden und diese auf die Rolle überhaupt keine Lust haben. Es muss klar und anerkannt sein, wer in diesen Stunden die Ansagen macht, und dass diese Ansagen ohne Diskussionen gelten. Die Rahmenbedingungen sollten klar gesteckt sein. Was werdet ihr essen, welchen Film werdet ihr schauen, wann ist Zubettgehzeit? Stellt alles bereit, damit es etwas Besonderes wird: leckeres Essen natürlich und ein paar Snacks zum Film. Und abschließend hat ein ordentlicher Babysitter, verwandt oder nicht, einen ordentlichen Lohn und Anerkennung verdient.

Sandra Geissler ist katholische Diplomtheologin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Nierstein am Rhein.

Klein anfangen

Als Mama von zwei erwachsenen Kindern und einer lebhaften, fast fünfjährigen Tochter erlebe ich das Betreuen der Kleinen von den Großen als Bereicherung. Voraussetzung für den Babysitter-Job war: Ich muss mich verlassen können, dass der Fokus der Älteren auf der Jüngsten liegt. Ich wünsche mir nicht eine „Nebenbei auf die Kleine schauen“-Mentalität, sondern eine „Ich bin gerade allein verantwortlich“-Einstellung. Ich habe erlebt, dass aus meinem Zutrauen den älteren Geschwistern gegenüber Vertrauen entsteht und das zu mehr Verantwortungsbewusstsein führt. Das ist eine Fähigkeit, die ihnen im Leben immer wieder zugutekommt.

Natürlich braucht es klare Absprachen und ein Gespür dafür, was jedes Kind leisten kann. Aber unsere Großen können mehr, als man denkt! Am besten fängst du nicht mit einem ganzen Babysitter-Tag an, sondern mit einem kurzen Zeitfenster, in dem du telefonisch erreichbar bist („Mama, mach aber dein Handy mal auf laut!“ Upsi). Nach einer solchen ersten Erfahrung würde ich kurz gemeinsam reflektieren: Wie hast du dich gefühlt? Hättest du irgendetwas mehr gebraucht? Und egal, wie es gelaufen ist, für mich gehört immer ein dickes „Danke, ich bin stolz auf dich“ dazu.

Jenni Terlitzki ist Mutter, Singer und Songwriter als Teil der Band Eli Worship.

„Nicht meine Mama“

Ich war elf Jahre alt und hatte drei jüngere Geschwister, als meine Babysitter-Karriere startete. Ich verbinde gemischte Gefühle damit. Auf der einen Seite habe ich mich geehrt gefühlt, dass ich das in den Augen meiner Eltern schaffen kann. Der Gedanke „die trauen mir das zu“ hat mich groß werden lassen. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dem nicht gewachsen zu sein. Von meinen jüngeren Geschwistern habe ich oft den Satz „Du bist nicht meine Mama“ gehört. Das stimmte zwar, aber dennoch hatte ich ja die Verantwortung in dem Moment für sie – dieser Spagat war schwer.

Zudem hatte ich Ängste. Was ist, wenn jemand einbricht? Wenn es brennt? Wen werde ich zuerst retten? Ich bin viele Worstcase-Szenarien durchgegangen und konnte deshalb nicht schlafen. Wenn meine Eltern dann vom Hauskreis heimkamen, habe ich mich schnell schlafend gestellt. Meine Eltern haben es gut gemeint, ich habe sehr früh sehr viel Selbstbewusstsein ausgestrahlt, aber ich habe das nicht immer so gefühlt. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Ich lasse deshalb meine Teenagertochter nicht auf ihren jüngeren Bruder aufpassen. Sie darf in meinen Augen einfach erst einmal Teenagerin sein und sich selbst entdecken. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber eine regelmäßige Übernahme der Verantwortung für das jüngere Geschwisterkind möchte ich meinem Kind nicht übertragen.

Die Autorin möchte anonym bleiben.

5 Tipps: So könnt ihr eure Teenager zum Lesen motivieren

Elternfrage: „Meine Kinder (13 + 15) waren früher Bücherwürmer, lesen heute aber kaum noch. Wie kann ich Teenager wieder zum Lesen motivieren?“

Das Phänomen, das Sie beobachten, wird häufig als so genannter „Leseknick“ bezeichnet. Kinder, die zu Grundschulzeiten gern gelesen haben, zeigen im Teenageralter auf einmal wenig Interesse an Büchern und an deren Lektüre. Oft geschieht dies im Alter zwischen 11 und 15 Jahren. Der Leseknick kann aber auch länger andauern. Und gleichzeitig bedeutet er nicht, dass das Interesse an Büchern und Lektüre auf Dauer verloren ist.

Was Eltern tun können? Zunächst einmal ist es hilfreich, den Druck herauszunehmen. Lesen ist etwas, das Spaß machen sollte. Es muss keine Pflicht sein, kein weiteres „To Do“ auf der ohnehin schon langen Liste unserer Teenies. Hier sind sechs weitere Anregungen, um Teenager vom Lesen zu begeistern:

1. Reflexion über das Lesen

Ein kurzer Rückblick auf vergangene Lesesituationen hilft manchmal, geliebte Traditionen wiederaufleben zu lassen. Manche Teenager finden es schön, wenn in Familien wieder eine Vorlesestunde etabliert wird. Hierbei können es sich alle gemütlich machen – bei Kerzenschein und einer schönen Tasse Tee etwa – und reihum aus einem gemeinsam ausgesuchten Buch vorlesen.

2. Nach Interessen fragen

Tauschen Sie sich mit Ihren Teenagern über momentane Interessen aus. Dies kann dazu beitragen, passende Lektüre zu finden. Hierbei können Sachthemen interessant sein. Oder auch die Lektüre von Mangas, Comics, Zeitschriften oder Zeitungen. Wichtig ist, nichts von vorneherein auszuklammern.

3. Gern auch digital

Auch digitale Angebote können zum Lesen motivieren. Zum Beispiel ein Zeitschriften-Abonnement auf dem Tablet, die Teilnahme an einer Lese-Challenge oder Communities wie @young_bookstagram. Auf Instagram und auf ihrem Blog „Lass mal lesen!“ teilt Mirai Mens Leseerfahrungen und Buchtipps, die sich vor allen Dingen an junge Leserinnen und Leser wenden.

4. Hörend lesen

Manche Teenies hören lieber Geschichten, anstatt sie selbst zu lesen. Deshalb sind Hörbücher eine gute Alternative. Auch das Hören von Hörbüchern schult die Fähigkeiten, die beim Lesen angesprochen werden. So beispielsweise das Sprachgefühl, die Konzentration, die Fantasie und Vorstellungskraft und auch die Empathie. Aus diesem Grund bieten Hörbücher durchaus eine Alternative zum gedruckten Buch. Und auch das gemeinsame Hören kann als Familienritual gestaltet werden.

5. Vorbild sein

Seien Sie selbst weiterhin ein lesendes Vorbild für Ihre Kinder. So zeigen Sie, wie wertvoll und spannend Lesen sein kann. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Ihre Leseerfahrungen aus der Jugend oder auch über Ihre aktuelle Lektüre. Ihre eigene Begeisterung für Lesestoff reißt durchaus mit.

Bonus-Tipp: Geduld haben

Wenn Ihre beiden Kinder sich mit 13 und 15 Jahren zurzeit in einem „Leseknick“ befinden, ist das ein Phänomen, das häufig vorkommt. Die Basis für die Lesemotivation ist in ihrer Kindheit schon gelegt. Mit ein wenig Geduld und vielfältigen Angeboten im Teenageralter können Sie das Lesen ohne Druck als Bereicherung für den Alltag attraktiv gestalten. Und: In vielen Fällen entwickelt sich aus viel lesenden Kindern nach dem Leseknick wieder eine motivierte Leserin oder ein motivierter Leser.

Alexandra von Plüskow-Kaminski war mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin mit dem Fach Religion tätig. Sie ist Fachjournalistin und zweifache Mutter.

Experte klärt auf: Wie viel Hautpflege brauchen Teenager?

Elternfrage: „Meine Töchter (13,14) schauen sich auf Social Media Videos an, in denen andere Teens teure Pflegeprodukte für die Haut bewerben. Das brauchen Kinder doch gar nicht – oder?“

Immer häufiger fragen mich besorgte Eltern, ob ihre Töchter wirklich schon Anti-Aging-Produkte brauchen. Der Grund: Auf TikTok, Instagram und YouTube präsentieren sogenannte Skinfluencer eine tägliche Hautpflegeroutine – oft mit Produkten, die für deutlich ältere Haut entwickelt wurden. Das wirkt professionell, modern und ist für junge Menschen faszinierend. Aber ist es auch sinnvoll?

Pflegewahn mit 13

Die Antwort ist klar: Nein. Kinder- oder Teenagerhaut kann sich in der Regel selbst versorgen, es sei denn, es liegen Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis, Schuppenflechte oder schwere Akne vor. Aber auch dann sind Ratschläge durch Skinfluencer weniger sinnvoll als der Gang zum Hautarzt. Abgesehen von einem zuverlässigen Sonnenschutz ist in diesem Alter keine aufwendige Pflegeroutine nötig

Im Gegenteil: Viele Anti-Aging-Produkte enthalten Wirkstoffe wie Retinol, Fruchtsäuren oder hochkonzentrierte Hyaluronsäure, die die empfindliche Haut von Jugendlichen reizen oder sogar schädigen können. Unreine Haut, Irritationen oder langfristige Störungen der Hautbarriere sind als Folge möglich – ganz ohne medizinische Notwendigkeit.

DIY-Trends mit Hyaluronsäure

Ich sehe Skinfluencer grundsätzlich nicht als Gefahr, sondern als einen zeitgemäßen Kanal für Aufklärung. Sie können helfen, das Bewusstsein für Hautgesundheit zu ­schärfen – vorausgesetzt, die Inhalte sind wissenschaftlich fundiert, altersgerecht und sorgfältig geprüft. Was problematisch ist: Wenn komplexe Produkte ohne fachliche Einordnung empfohlen werden oder sogar riskante Behandlungen verharmlost dargestellt werden.

Besonders alarmierend sind DIY-Trends, bei denen sich junge Menschen Hyaluronsäure online bestellen und selbst anwenden – manchmal sogar injizieren. Dabei wird suggeriert, das sei harmlos. Tatsächlich aber kann eine unsachgemäße Anwendung ernste gesundheitliche Schäden mit sich bringen, etwa Gefäßverschlüsse, was zu abgestorbenem Gewebe führen kann. Das ist kein Hautpflege-Hack, sondern grob fahrlässig.

Hautpflege beginnt mit Wissen, nicht mit Influencern

Eltern sollten sich deshalb mit dem Content ihrer Kinder auseinandersetzen. Welche Quellen nutzen sie? Was wird empfohlen und für wen ist es überhaupt gedacht? Es geht nicht darum, jede neue Pflegeroutine zu verbieten, sondern um einen bewussten Umgang mit der eigenen Haut. Meine Empfehlung: Bei Unsicherheiten lieber gemeinsam zum Hautarzt gehen, als sich von Social-Media-Trends leiten zu lassen. Denn Hautpflege ist keine Frage des Hypes, sondern der Gesundheit – und die beginnt mit Wissen, nicht mit Werbung.

Dr. Afschin Fatemi ist Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetischer Medizin sowie Gründer der S-thetic Gruppe.

„Unsere Kinder könnten sich doch mal verabreden“ – Kann man Freundschaft erzwingen?

Elternfrage: „Wiederholt hat mich eine Freundin gefragt, ob sich unsere Töchter (11) nicht mal verabreden möchten. Aber meine Tochter verabredet sich nicht so gern mit ihrer Tochter. Mir fällt es schwer, ihnen abzusagen. Soll ich meine Tochter überreden oder meiner Freundin die Wahrheit sagen?“

Ihre Tochter steht an der Schwelle zum Jugendalter und braucht in ihren sozialen Beziehungen ein immer größer werdendes Mitbestimmungsrecht. Aus diesem Grund sollten Sie das Nein Ihrer Tochter unbedingt ernst nehmen und die Grenze Ihrer Tochter schützen.

Solange Kinder noch jünger sind, stehen sie häufig in Kontakt miteinander, weil sich ihre Eltern treffen. Kleinere Kinder spielen miteinander, ohne dass sie untereinander immer die besten Freunde sein müssen. Das ändert sich jedoch mit dem Alter. Kinder lösen sich von den Eltern und ändern ihre Bedürfnisse. Dann sind Gleichaltrige nicht mehr vorrangig zum Spielen da, sondern um sich über ihre Lebenswelt, Interessen und Träume auszutauschen. So können tiefere Freundschaften entstehen, die ein Vertrauensverhältnis und eine Freiwilligkeit voraussetzen. Dies sollte unbedingt geachtet werden.

Selbstbestimmung des Kindes

Wenn die Wellenlänge zwischen Ihrer Tochter und der Tochter Ihrer Freundin nicht stimmt, ist das schade, aber kein Grund, aus Gefälligkeit der Mutter gegenüber Druck auf die eigene Tochter auszuüben. Denn Verabredungen oder gar Freundschaften können nicht erzwungen werden. Auf der einen Seite ist Ihr Wunsch, Ihre Freundin nicht vor den Kopf zu stoßen, berechtigt und nachvollziehbar. Auf der anderen Seite ist es aber Ihre Aufgabe als Mutter, Ihrer Tochter in ihren Beziehungen möglichst viel Gestaltungsfreiheit zu geben. In dieser Abwägung ist es ratsam, dass Sie die Selbstbestimmung Ihrer Tochter über das eigene Harmoniebedürfnis stellen.

Als Mütter befreundet bleiben

Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie mit Ihrer Freundin in einen offenen und ehrlichen Austausch gehen. Hier könnten Sie das Gespräch mit der Frage beginnen, warum es ihr so wichtig ist, dass sich die Mädchen treffen. Vielleicht steckt hinter diesem Wunsch die Sorge, dass sich die Tochter zu sehr isoliert oder ihre Freizeit nicht sinnvoll gestalten kann. Vielleicht sind es falsche Freunde, mit denen sich das Mädchen trifft, weshalb Ihre Freundin einen Handlungsbedarf sieht. Auch die Frage, was denn die Tochter selbst möchte, könnte helfen, die Situation etwas klarer werden zu lassen.

Durch solche Fragen schaffen Sie eine Vertrauensbasis, und Ihre Freundin fühlt sich mit ihren Anliegen gesehen. Möglicherweise können Sie auf diesem Weg gemeinsam Ideen entwickeln, wie Ihre Freundin gut für ihre eigene Tochter sorgen kann.

Wenn Sie an dieser Stelle klar benennen, dass Sie die Grenze Ihrer Tochter bewahren wollen, kostet das sicherlich etwas Überwindung, aber ohne Ehrlichkeit wird das Thema langfristig nicht zur Ruhe kommen. Erklären Sie Ihrer Freundin, dass Sie persönlich einen Kontakt zwischen den beiden Mädchen befürworten würden, aber die Entscheidung Ihrer Tochter respektieren möchten. Ich bin sicher, dass Ihre Tochter Ihnen das danken wird. Und eine Freundschaft unter Erwachsenen sollte es aushalten, dass eine Bitte abgelehnt wird, wenn das in Wertschätzung und Respekt geschieht.

Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid und leitet bei team-f den Fachbereich Familie und Erziehung.

11 bis 15 – So findet ihr die passende Nachhilfe

Elternfrage: „Unsere Tochter (14) braucht Unterstützung in zwei Schulfächern. Wir finden es schwer zu entscheiden, welche Nachhilfe am besten ist. Wie können wir eine gute Entscheidung treffen?“

Fragen zur Schule haben etwas gemeinsam mit Fragen an den Arzt: Es geht immer um einen speziellen Fall. Allgemeine Antworten helfen oft zu wenig weiter, erst recht aus der Ferne. In Japan ist es zum Beispiel beinahe selbstverständlich, dass Jugendliche nach der Schule in privaten Lerninstituten am Lernstoff arbeiten; hierzulande gilt Nachhilfe vielen indes als etwas Lästiges, gar Diskriminierendes. Zwischen diesen Extremen gilt es, einen Mittelweg zu finden.

Privatlehrer oder Institut?

Beide Varianten der Nachhilfe, privater Coach wie Lerninstitut, haben ihre Vor- und Nachteile. Ein Privatlehrer kann auf die Probleme Ihrer Tochter genauer eingehen, erklärt aber vielleicht auch zu viel – wenn es eigentlich darum ginge, dass sie zu mehr Aktivität verlockt werden müsste. Auch ältere Schüler mit ihrem Peer-Bonus könnten durchaus geeignete Helfer sein. Lerninstitute gehen eher schematisch vor, sind dafür in der Regel finanziell günstiger; dort ist man mit seinen Schwächen auch nicht allein und kann mit anderen Schülern zusammenarbeiten – sich aber auch in der Gruppe verstecken. Bei beiden Wegen stellt sich immer die Frage der Qualität. „Auf dem Markt“ kann man sich umhören, welche Erfahrungen andere Eltern bereits gemacht haben. Letztlich steht im Mittelpunkt die Frage: Wie geht es denn Ihrer Tochter mit dem Lernen, wo liegen ihre Probleme, welche Unterstützung braucht sie genau?

Ein Ziel für die Mühen abstecken

Mit 14 stecken Jugendliche in der Pubertät. Es ist eine Zeit voller innerer wie äußerer Turbulenzen, da kann vieles eine Rolle spielen: Ist sie insgesamt lernmotiviert, hat aber in zwei Fächern Probleme mitzuhalten, trotz eigenen Bemühens? Ist das schon länger der Fall oder erst nach eigener Krankheit oder einem Lehrerwechsel – und um welche Fächer handelt es sich? Oder hat sie aktuell – vielleicht schon seit Längerem – insgesamt einfach „keinen Bock“ auf Schule und ist deshalb ins Minus geraten? Welche Schulform besucht sie eigentlich – und falls es sich um ein Gymnasium handelt: Ist sie dort möglicherweise anhaltend überfordert, würde sich auf einer anderen Schulform der Sekundarstufe wohler fühlen und besser entwickeln? Wo sieht sie sich in 10 und in 25 Jahren? An welcher Stelle der Gesellschaft möchte sie als Erwachsene ihre Frau stehen, welche berufliche Vision hat sie? Denn ein Ziel zu haben, das macht die Mühen des Weges dorthin um vieles erträglicher.

Vielleicht gibt es auch noch einen dritten Weg: Manche Jugendliche haben mit ihren Eltern derart wenig Kontakt, dass sie es als eine wichtige Zuwendung und Unterstützung erleben, wenn diese selbst sich ihrer fachlichen Defizite annehmen. Solches Home-Coaching funktioniert natürlich nur mit Eltern, die bei Fehlern der Kinder nicht nervös werden, die sich echt interessieren und die subtil ermutigen können. Wo das gelingt, hat man einiges gespart – und kann sich ab und zu gemeinsam etwas leisten.

Michael Felten ist Lehrer im Ruhestand, Autor und Referent.

11 bis 15 – Kinder vor Mobbing schützen

Elternfrage: „In der Schule meiner Kinder (12+14) gab es einen schweren Mobbingfall. Mich hat das sehr nachdenklich gemacht. Was kann ich tun, um meine Kinder vor Mobbing zu schützen?“

Meine klare Überzeugung: Eltern können viel tun, um ihre Kinder vor Mobbing zu schützen! Aber vorweg noch ein paar Informationen: Schätzungsweise jeder dritte Schüler in Deutschland hat Mobbingerfahrung, jeder zweite ist bereits Opfer von Cybermobbing geworden. Alarmierende Zahlen! Betroffen sein kann jeder, egal wie alt, egal ob Junge oder Mädchen. Bisherige Untersuchungen haben aber gezeigt, dass bestimmte Persönlichkeitseigenschaften das Risiko erhöhen, ein Mobbingopfer zu werden. Häufig trifft es Menschen, die durch Glamour, Intelligenz oder genau das Gegenteil auffallen. Sie stechen aus der Menge hervor, sehen zu gut oder zu schlecht aus, zu reich, zu arm, haben eine andere Hautfarbe, eine Brille, eine körperliche Beeinträchtigung, eine besondere Begabung. Sogar der Siegertyp kann Opfer sein. Im Klartext: Wer anders ist, fällt auf und reizt die Mobber.

Rundum-Powerdrink: Wertschätzung

Soll man jetzt nicht mehr anders sein? Keineswegs, nur stark genug, sich trotz Anderssein zu widersetzen. Damit Kinder und Jugendliche nicht zum Opfer werden, kann besonders in der Familie präventiv gearbeitet werden. Es gibt zum Glück wirksame Strategien, die Kinder stark machen und deshalb schützen.

Was kann man als Eltern also konkret tun? Das Zauberwort heißt Wertschätzung, der Rundum-Powerdrink für ein starkes Selbstbewusstsein. „Ich lobe mein Kind so oft“, sagen mir Eltern häufig und das ist auch gut so. Aber Eltern können das Ganze noch toppen. Wertschätzung ist umfassender, denn bei der Vermittlung von Wertschätzung versteht das Kind, dass sein Verhalten ein positives Gefühl im Adressaten hervorruft. Das fördert die Motivation, weiterzumachen, verstärkt die Bindung, verbessert letztlich das Selbstbewusstsein. Das Kind kann jubeln, sich freuen, stolz sein. „Ich werde gesehen, wahrgenommen, habe einen Wert, kann etwas geben.“

Und wie macht man das als Elternteil richtig gut? Ganz einfach: Man beschreibt die positive Handlung und das Gefühl, das in einem entstanden ist und schildert, warum man so angetan und erfreut ist. Ich liefere ein Beispiel, wie eine Reaktion aussehen könnte: „Wir haben heute geübt, wie du künftig allein mit dem Fahrrad zum Sport fährst. Du hast alle Verkehrsregeln perfekt beachtet. Damit hast du mir eine große Sorge genommen und ich bin richtig erleichtert. Es ist wunderbar, dass du die Regeln so gut behalten und umgesetzt hast.“

Gesundes Selbstwertgefühl

Wertschätzung ist für Kinder und Jugendliche die Basis, um Vertrauen und eine sichere Bindung aufzubauen, sich stark und zugehörig zu fühlen. Deshalb mein Rat: Machen Sie Ihr Kind in der Familie stark, für die Schule und alle Situationen, die danach kommen.

Nicht vergessen: Selbstbewusstsein schützt lebenslang, in der Schule, am Ausbildungsplatz oder an der Universität und auch im späteren Arbeitsleben. Die Folge ist klar: Ein junger Mensch, der seinen Wert sieht, gibt sich stark und selbstbewusst, und das strahlt er auch aus. „Warum soll ich mich kleinmachen lassen von einem Mobber? Weder in der Schule noch am Arbeitsplatz! Mobbing? Nee, wagt es erst gar nicht, nicht mit mir!“

Andrea Micus ist Autorin zahlreicher Ratgeber. Ihr Buch „Schnell heraus aus der Mobbingfalle“ gibt wertvolle Tipps. www.andreamicus.de

11 bis 15 – Teens und Alkohol

Elternfrage: „Meine Tochter wird bald 16 Jahre alt. Ich merke, dass Alkohol immer interessanter für sie wird. Ich würde sie gern vor unüberlegten Erfahrungen schützen. Habt ihr Anregungen, wie man gut mit Alkohol bei Teenagern umgehen kann?“

Nicht gleich verteufeln

Ich habe meine beiden Jungs (15 und 18) gefragt, welche Gesprächsmomente zum Thema Alkohol am besten bei ihnen angekommen sind. Ihre Tipps:

1. Nicht gleich verteufeln: Alkohol ist eine Sache des Maßes und kommt sogar in positiver Weise in der Bibel vor. Wir Eltern glauben häufig, dass es mehr bewirkt, wenn wir etwas extrem darstellen. Aber das stimmt nicht. Es entsteht eher ein größeres Interesse für die Sache, wenn wir übertreiben.

2. Verständnis zeigen: Es hat seine Gründe, warum sich Teenager für Alkohol interessieren. Vielleicht geht es um die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, das Ansehen oder es steckt Neugier dahinter. Diese Gründe sind nachvollziehbar, nicht per se schlecht und eine Aufforderung an uns Eltern, den Rücken unserer Kinder zu stärken.

3. Eigene Erfahrungen ehrlich teilen: Damit meine ich gute wie auch schlechte Erlebnisse. Es verbindet, wenn Kinder erfahren, dass die Entscheidungen ihrer Eltern auch nicht alle gut waren. Außerdem kann es für sie hilfreich sein zu hören, dass wir als Jugendliche vielleicht auch nicht alles mitgemacht haben, obwohl es uns etwas gekostet hat.

4. Fakten sachlich darstellen: Es stimmt, dass Alkohol gefährlich sein kann. Da sprechen Geschichten, Zahlen über Unfälle, Süchte und ihre Folgen für sich – diese muss man gar nicht besonders ausführlich ausschmücken, um die Nachteile klarzustellen.

5. Ratschläge als Frage formulieren: „Überleg dir vor dem Alkoholkonsum: Was würdest du hinterher bereuen oder wofür würdest du dich schämen? Das mach dann nicht!“ Diesen Rat hat mein 15-jähriger Sohn formuliert, und ich finde ihn sehr weise.

Judith Böttcher ist Ärztin und Mama von zwei Jungs. Sie backt gerne Rotweinmuffins und bloggt unter juiis.wordpress.com.

Einen Klopfer probieren?

Kürzlich war unsere 15-jährige Tochter auf einer Party und rief mich von dort an, um zu fragen, ob sie „so einen Klopfer“ trinken dürfe. Ich sagte, sie dürfe das gern probieren. Sie müsse aber wissen, dass man bei süßen alkoholischen Getränken oft nicht sofort merkt, dass man Alkohol zu sich nimmt und sie es bei dem einen Fläschchen belassen solle. Zehn Minuten später rief die Tochter wieder an und teilte mit, dass ihr das nicht geschmeckt habe und sie das nie mehr trinken wolle. Das führte zu großer Freude bei uns Eltern, denn dieser Anruf zeigte, dass unsere Tochter uns vertraut und in ihre Lebensfragen mit einbezieht.

Ob das immer so bleiben wird, kann ich nicht sagen. Aber in diesem Punkt hat unser offenes Reden über Alltagsfragen, Sorgen und Nöte, ohne pauschale Verbote sowie Gebote zu verhängen, funktioniert. Wir können ehrlich miteinander reden. Ich trinke keinen Alkohol, weil er mir nicht schmeckt und ich die Wirkung nicht mag. Mein Mann dagegen liebt guten Wein und Bier. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder einen guten Umgang mit Alkohol lernen und sie das Standing haben, ihre persönlichen Werte und Normen auch dann zu leben, wenn es ihr Umfeld vielleicht anders leben wird.

Kathrin Lederer ist Sozialpädagogin und lebt mit ihren sieben angenommenen Kindern und Ehemann Frank in Delmenhorst.

11 bis 15 – Bewegungsmuffel ade!

Elternfrage: „Ich beobachte, dass sich unsere Kinder (11 und 14) im Alltag zwischen Schule, Hausaufgaben und Smartphone kaum bewegen. Wie kann ich sie zu mehr sportlicher Aktivität motivieren?“

Bewegung ist der Motor des Lebens. Wortwörtlich! Bereits im Mutterleib sind Babys aus eigenem Antrieb aktiv, bei der Geburt sowieso und danach gibt es kein Halten mehr. Bewegung ist also ohne jeden Zweifel ein Grundbedürfnis von Kindern. Bei Jugendlichen dient Sport vor allem als Ausgleich sowie zum Abbau von Stress und Aggressionen, die es in der Pubertät oft reichlich gibt. Darüber hinaus fördert viel körperliche Aktivität ein positives Selbstwertgefühl und hilft beim Kennenlernen, Akzeptieren und Lieben des eigenen Körpers.

Bewegte Hausaufgaben

Sie können mehr Bewegung in den Alltag Ihrer Kinder bringen, indem Sie die Zeit mit den Hausaufgaben kreativ gestalten – das birgt auf vielen Ebenen Vorteile für Ihre Teenager. Schulaufgaben müssen nicht im Sitzen erledigt werden. Vielleicht haben Sie einen höhenverstellbaren Schreibtisch, an dem das Kind gut im Stehen arbeiten kann? Auch das Auswendiglernen von Gedichten, Vokabeln oder sonstigen Texten kann man im Stehen, auf dem Bauch liegend oder laufend machen. Die Bewegung erhöht die Gedächtnisleistung und hilft dabei, dass sich Gelesenes besser gemerkt wird. Auf diese Weise werden verschiedene Sinne einbezogen, es bilden sich außerdem mehrere Verknüpfungen, die dem Kind ermöglichen, Inhalte besser und schneller zu verarbeiten.

Schwung reinbringen

Eine andere Möglichkeit, um körperliche Aktivitäten mit den Hausaufgaben zu kombinieren, sind Bewegungskarten oder -würfel. Dabei zieht das Kind zum Beispiel nach jeder gelösten Matheaufgabe eine Karte, würfelt oder macht einen eigenen Vorschlag für eine Bewegung wie Hüpfen, Kniebeugen oder Hampelmänner. Hierbei können Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe für die Entscheidung benutzen, wie oft oder wie lange eine körperliche Aktivität ausgeführt werden soll. Außerdem helfen Sie Ihrem Kind, wenn Sie so oft wie möglich Materialien zu den Hausaufgaben dazunehmen. Lassen Sie Ihr Kind zum Beispiel unterschiedliche Materialien aus der Wohnung holen, um anhand dieser eine Rechenaufgabe zu lösen oder Vokabeln zu lernen.

Inliner statt Auto

Mir ist bewusst, dass diese Art, Hausaufgaben zu machen, aufwendig ist und sich bestimmt nicht jeden Tag umsetzen lässt. Sie können sich solche Ideen aber zum Beispiel für das Wochenende aufheben und für besonders regnerische Wochen oder wenn das Kind „krank“ zu Hause ist. Hier gilt: Machen Sie es für sich passend!
Es gibt im Alltag außerdem ausreichend andere Gelegenheiten, die Kinder in Bewegung zu bringen: Einkäufe lassen sich mit dem Rad oder den Inlinern tätigen. Der Weg zur Schule beziehungsweise zur Haltestelle kann zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Das Einführen von bewegten Ritualen kann ein weiterer Weg sein, Bewegung in den Alltag Ihrer Kinder zu integrieren. Auch wenn es ein wenig Überzeugungsarbeit braucht, es lohnt sich!

Anika Schunke ist Mutter, Erzieherin, Übungsleiterin für Kinderturnen sowie Referentin für den Badischen Turnerbund und die Kinderturnstiftung.

11 bis 15 – Gefährliche TikTok-Challenges

Elternfrage: „Ich habe gelesen, dass ein 15-Jähriger nach einer Challenge gestorben ist, die er auf TikTok gesehen und nachgemacht hat. Auch meine Kinder nutzen diese Plattform. Wie kann ich sie schützen?“

TikTok-Challenges kann man als moderne Mutproben bezeichnen. Es geht darum, sich etwas zu trauen oder etwas Außergewöhnliches zu machen und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Bei TikTok finden wir ein ganzes Spektrum an Challenges – von kreativen bis gefährlichen. Es gibt Activity-Challenges, also sportliche Herausforderungen, oder Spaß-Challenges, wo man sich zum Beispiel Witze erzählt. Sehr bekannt sind auch Beauty-Challenges. Da wird es schon schwierig, wenn junge Frauen sich beispielsweise die Oberlippe mit Sekundenkleber ein Stück nach oben kleben, um breitere Lippen zu haben. Richtig gefährlich wird es, wenn in Waschmittelpods gebissen, aus einem springenden Fahrzeug gesprungen oder sich gegenseitig gewürgt wird.

Was finden Teenager daran nachahmenswert?

Im Kindheits- und Jugendalter ist die Frage „Was traue ich mich?“ und „Was trauen sich die anderen?“ sehr zentral. Es geht auch um die Fragen: „Wie weit soll ich gehen? Was schaffe ich?“, also darum, Grenzen zu testen. Das ist zunächst einmal nichts Schlechtes, sondern auch richtig und wichtig in dieser Entwicklungsphase. Aber wenn es gefährlich wird aufgrund dessen, was man tut und wo dann der Content verbreitet wird, sind Grenzen zu setzen.

Gespräche und Aufklärung über TikTok

Wie sollten Eltern mit ihren Kindern über die Gefahren sprechen?

Es ist wichtig zu wissen, was das Kind beschäftigt und begeistert, sich das auch mal gemeinsam anzuschauen und zusammen zu überlegen: Springt da gerade wirklich jemand aus einem fahrenden Auto oder aus dem zehnten Stock in einen Pool? Schauen Sie hinter die Kulissen und reflektieren Sie gemeinsam. Wir reden hier ja häufig von Kindern, die unter 13 Jahre alt sind, also eigentlich noch gar nicht auf TikTok sein sollten. In diesem Alter sind sie schon rein kognitiv noch gar nicht so weit, diese Videos zu durchschauen und zu reflektieren, ob das wahr ist, was sie da sehen und ob sie da mitmachen sollten.

Neben der Aufklärung geht es auch um Sicherheit. Man kann inzwischen bei TikTok allerhand eingeschränkte Modi nutzen, sodass die Gefahren erst gar nicht auf das Kind zukommen.

Als dritten Punkt finde ich wichtig, dem Kind Selbstbewusstsein zu vermitteln: „Auch, wenn alle deine Kumpels das cool finden, kannst du trotzdem sagen, dass du da nicht mitmachst. Damit zeigst du keine Schwäche, sondern Stärke.“

Ein vierter Punkt ist: Vorbild sein. Wenn wir als Erwachsene uferlos auf Social Media unterwegs sind, uns dort beeinflussen lassen und möglicherweise auch bei Challenges mitmachen, fällt es den Kindern, die sich an uns orientieren, schwerer, sich zu distanzieren.

Möglichkeiten zur Reflexion

Sollten Eltern ihren Kindern Strafverbote fürs Handy erteilen?

Wenn das Kind immer wieder vorher besprochene Regeln bricht, kann es sinnvoll sein, einen klaren Schnitt zu machen. Dann kann das Kind Abstand gewinnen und hat Zeit zu reflektieren und sich neu zu sammeln, um dann wieder neu zu starten. Aber ich würde davon abraten, es als grundsätzliches Erziehungsmittel einzusetzen. „Räum dein Zimmer auf! Mach die Hausaufgaben! Putz die Zähne – sonst ist dein Handy weg“, macht es sehr beliebig und steigert auch die Begeisterung, die das Digitale bei Kindern eh schon hat.

Iren Schulz ist Kommunikationswissenschaftlerin, Medienpädagogin und Mediencoach bei der Initiative SCHAU HIN! (irenschulz.de).

Interview: Ruth Korte