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Artikel aus den Heften

So wird die Weihnachtszeit entspannt

Weihnachten kommt immer so plötzlich … Und leider wird es in der Weihnachtszeit oft hektisch und stressig. Die Pädagogin Sarah Maria Röckel gibt Tipps, wie die Adventszeit und die Feiertage entspannt gefeiert werden können. 

Wenn wir zu viel Zeit damit verbringen, unsere weihnachtlichen To-Do Listen abzuarbeiten, ist plötzlich Heiligabend und die magische Vorweihnachtszeit nur so an einem vorbei gerauscht, während man hektisch Geschenke besorgt, Deko gebastelt und Weihnachtskarten geschrieben hat. Besonders Eltern sollten daher immer wieder daran denken, ihre Batterien aufzuladen. Denn auch Kinder haben nichts von genervten Eltern! Es lohnt sich, sich bewusst zu machen: Dein Kind kennt nicht das perfekte Deko Pinterest Board und es wird sich in zehn Jahren auch nicht daran erinnern, ob der Adventskalender gebastelt und die Plätzchen selbst gebacken wurden oder beides gekauft war. Woran es sich erinnern wird, sind Kuschelnachmittage mit Kakao auf dem Sofa und der gemeinsam geschmückte Baum!

Höchste Zeit also, Traditionen neu zu überdenken! Welche Weihnachtsrituale möchte man übernehmen und welche dürfen getrost über Bord geworfen werden?

Für ein „Mindful Christmas 2021“ gibt es drei Geheimzutaten:

– eine gute, vorausschauende Planung

– den Perfektionsanspruch runterschrauben

– nach Hilfe fragen (und diese auch annehmen)

  1. Gute Planung ist die halbe Miete!
  • Anfang November wird es Zeit für den „Familienstammtisch“! Dann kann gemeinsam besprochen werden, wer welche Wünsche für die Weihnachtszeit hat. Jedes Kind darf 1-2 Wünsche für Aktivitäten äußern. Außerdem ausreichend Platz für Spontanität und Pausen einplanen.
  • Geschenkideen für Familie und Freunde sollte man sich spätestens im November überlegen. Wenn möglich, können Geschenke schon Anfang Dezember besorgt werden, sodass auf den letzten Metern kein Stress ausbricht.
  • Statt Unmengen handgeschriebener Karten für die ganze Verwandtschaft könnte man auch einen sogenannten Familienbrief schreiben. Jedes Familienmitglied schreibt oder malt etwas, was mit dem vergangen Jahr zu tun hat. Am Ende wird alles mehrfach kopiert und in bunte Umschläge gesteckt – oder digital verschickt.
  1. Weniger Perfektion, mehr Spaß!
  • Dir macht es Spaß, einen Adventskalender zu basteln? Super, dann mach das! Aber sei dir gewiss: Der Adventskalender von der Stange tut es genauso. Mach dir also nicht zu viel Druck!
  • Kekse backen mit der ganzen Familie kann viel Spaß machen – aber gerade mit kleinen Kindern ist danach oft ein Großputz nötig. Es ist überhaupt nicht schlimm, Kekse im Supermarkt zu kaufen. Das gemeinsame Naschen und dabei Weihnachtsliedern lauschen ist viel wichtiger!
  • Weniger ist mehr – das gilt bei Geschenken, bei Deko, bei Treffen mit Freunden – bei fast allem! Setze deine Prioritäten und schau, was wirklich nötig ist und was dir Spaß macht.
  1. Mit einer Portion Hilfe geht vieles wie von Zauberhand!
  • Wenn möglich, nutze den Geschenke-Einpack-Service, den viele Geschäfte und Onlineshops während der Vorweihnachtszeit anbieten.
  • Ob an Heiligabend, zum Nikolaus Kaffee oder für den Wichtelabend: Gastgeber/in sein macht Spaß, aber eben auch viel Arbeit. Daher sollte das Motto lauten: klar, kommt gerne zu mir – aber jeder bringt etwas mit und hilft am Ende kurz beim Aufräumen.
  • Niemand trägt die Verantwortung für eine gelungene Weihnachtszeit ganz alleine. Daher gilt: Partner/in und Kinder dürfen gerne mit eingespannt werden. Das gilt für konkrete Aufgaben wie Besorgungen erledigen, aber auch für die klassischen „mental load“-Themen, also sich zu überlegen, wer welches Geschenk bekommt und was Weihnachten auf dem Tisch stehen soll.

Quelle: Kindsgut

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/10/myriam-zilles-ew3sTx9Y3IA-unsplash-scaled.jpg 2000 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2021-10-12 10:23:092021-10-12 10:23:09So wird die Weihnachtszeit entspannt

Erektionsstörung: So überstanden Cathrin und Daniel gemeinsam die Krankheit

Als Daniels Prostata entfernt wird, stürzen seine Frau Cathrin und er in ein Tief. Dr. Ute Buth erzählt, wie die beiden ihre Sexualität dadurch neu entdeckten.

Cathrin und Daniel empfanden ihre Sexualität anfangs als aufregend und zugleich auch als herausfordernd. Nicht alles lief, wie sie es sich vorgestellt hatten. Manch eine Prägung aus ihren sexuellen Lerngeschichten* fuhr ihnen in die Parade, musste eingeordnet und verstanden werden. Trotz mancher Irrfahrten blieben sie auf Kurs: Gemeinsam entwickelten sie ihre Sexualität in Höhen und Tiefen, manchmal auch mit Unterstützung in einer Fachberatung.

Mit der Zeit genossen und schätzten sie ihr intimes Miteinander immer mehr. Daniel beschreibt es so: „Diese besondere intime Nähe, diese Vertrautheit, die teilten nur wir zwei. Wir haben erst lernen müssen, über Sex zu reden, das war in unseren Familien so gar nicht selbstverständlich.“ Doch von der Sprachfähigkeit profitierte die Zweisamkeit, denn sie begannen, „uns immer mehr unsere gegenseitigen Vorlieben anzuvertrauen. Und das hat Früchte getragen.“ So konnten sie ihre Sexualität miteinander genießen und feiern.

Wolke 7 trifft auf Alltag

Doch selbst eine gelingende, aufregende partnerschaftliche Sexualität ist kein permanentes Schweben auf Wolke 7. Sie findet live statt und will auf dem Boden alltäglicher Rahmenbedingungen gelebt werden. Sexualität lebt davon, dass beide Partner sich kennen, sich vertrauen und dass sie Wege finden, mit den alltäglichen ungeschminkten Herausforderungen des Lebens weise umzugehen.

„In den unterschiedlichen Lebensphasen“, so Cathrin, „haben wir gelernt, in den zahlreichen Wetterlagen des Alltags unsere sexuelle Nische lebendig zu halten. Das war besonders in der Kleinkindphase unserer beiden Kinder nicht immer einfach.“ Beide schmunzeln. Cathrin ergänzt: „Manchmal haben wir uns einen Babysitter geholt und sind für einen langen Abend ins Hotel gefahren. Anfangs fuhr dann einer wieder nach Hause, um den Babysitter abzulösen. Der andere konnte im Hotel in Ruhe ausschlafen. Unsere Flexibilität und Kreativität hat uns später in der Krise sehr geholfen.“

Daniel kämpft mit Erektionsstörungen

Auslöser dieser Krise war eine Krebserkrankung. Mit Anfang 40 ging Daniel zum Urologen, „weil ich Probleme beim Wasserlassen hatte. Der Urologe entdeckte eine auffällige Prostatavergrößerung. Meine Prostata musste radikal entfernt werden.“ Die Operation verlief gut, der Tumor hatte nicht gestreut. Doch auf die Erleichterung folgte auch eine gewisse Ernüchterung, denn „sexuell lief danach gar nichts mehr“. Daniel hatte nach dem Eingriff mit Erektionsproblemen zu kämpfen. „Damit konnte ich als Mann nicht umgehen. Anfangs zog ich mich deshalb zurück.“

Auch Cathrin war mit der Situation überfordert. Sie wünschte sich ihre gemeinsame Sexualität zurück. Und zugleich war ihr klar, dass das so nicht möglich war. Vor allem aber vermisste sie die intime Nähe, die sie geteilt und genossen hatten. Sie wäre glücklich gewesen, mit Daniel zu kuscheln, sich an ihn zu schmiegen und ihm so ihre Liebe zu zeigen. Doch sie wollte ihn nicht bedrängen, stand hilflos vor der Situation und schwieg.

Daniel machte sich Sorgen. Was, wenn sich die Problematik nicht zurückbilden würde? Er sehnte sich nach Intimität mit Cathrin. Dass sie das Gespräch nicht suchte, verstand er als Enttäuschung und Rückzug. War er nun für sie nicht mehr „gut genug“?

Was hilft bei sexuellen Problemen?

Es ist normal, dass ein solcher Einschnitt beide Partner gewaltig erdet und zutiefst verunsichert. Sie verlieren einen Schatz, den sie sicher zu haben wähnten. An bewährte Strategien können sie nicht mehr anknüpfen, und zur Tagesordnung können sie auch nicht übergehen. In einer solchen Situation ist vor allem Mitgefühl gefragt. Mit sich selbst und mit seinem Gegenüber. Und möglichst auch der baldige Austausch darüber, wie es beiden geht. Denn nonverbal stellen sich, wie auch im Fall von Cathrin und Daniel, rasch Missverständnisse und Fehldeutungen ein.

Beim Urologen erfuhr Daniel, dass das Problem mit der Gliedsteife bis zu neun Monate andauern könne. In manchen Fällen würde es auch danach nicht besser. Daniels Verunsicherung war dadurch nicht weg. Die Tabletten, die ihm der Arzt verordnete, verbannte Daniel zunächst in eine Schublade.

Eines Abends ergab sich ein erstes zaghaftes Gespräch mit Cathrin über die aktuelle Situation, zuerst ganz allgemein, wie es beiden geht, aber auch, was all das mit ihnen als Paar gemacht hatte. Beide merkten, dass sie auf dem Weg Federn gelassen hatten, und wie sehr Missverständnisse ihr Verhalten beeinflussten. Doch sie erinnerten sich auch daran, dass sie sich früher in Herausforderungen ihrer Ehe und sexuellen Fragen in der Beratung Hilfe gesucht hatten. So entschieden sie, sich auch in diesem Fall Rat zu holen.

Eine Paarberatung kann helfen

In der Beratung sprachen sie erstmals ohne Bewertung vom anderen darüber, wie es ihnen tatsächlich geht und welche Fragen und Sorgen, aber auch welche Bedürfnisse und Ideen da sind. Überrascht stellten sie fest, dass sie beide weiter ein starkes Nähe-Bedürfnis hatten, dieses aber durch ihren jeweiligen Rückzug nicht geäußert hatten.

Nach und nach stellten sie sich dem akuten Schmerz des Verlustes und auch der Möglichkeit, dass dieser endgültig sein könnte. Sie trauerten über das, was sie eingebüßt hatten, und übten sich dann darin, ihren Blick auf das zu richten, was ihnen an Ressourcen und Möglichkeiten geblieben war.

Intimität jenseits von Geschlechtsverkehr

Überraschend war für Daniel, dass Cathrin zunächst vor allem seine intime Nähe spüren wollte. Ohne Anspruch auf Sex. „Ich war perplex, traurig und freudig überrascht zugleich. Genau das hatte ich mir ja auch gewünscht und mich doch nicht getraut, danach zu fragen. Weil ich meinte, meinen Mann nicht stehen/ nicht liefern zu können.“ Gemeinsam entschieden sie, die Tabletten für später aufzuheben und sich erst einmal langsam wieder anzunähern. Sie belebten anfangs zaghaft, dann immer mutiger längst verschollene Möglichkeiten aus den Anfängen ihrer Partnerschaft: Kuscheln, Streicheln, Küssen, Petting, eine erotische Massage und auch die Stimulation mit der Hand. Vor allem aber genossen sie ihre Zeit zu zweit. Cathrin beschreibt es so: „Endlich war die Eiszeit zwischen uns vorbei. Unsere ganze Beziehung, vor allem aber die Vertrautheit und Nähe tauten auf.“

Viele Paare unterschätzen die Möglichkeiten, Intimität jenseits von Geschlechtsverkehr zu erleben, oder haben sie schlichtweg nie eingeübt. Dabei lässt sich hier viel Land einnehmen und kreativ gestalten. Oftmals kommt erst in der Beratung zur Sprache, wie sehr sich ein Partner Intimität über den Penis-Scheide-Verkehr hinaus wünscht. Fehlt beiden die Sprachebene, ist es sehr herausfordernd, diesen Wunsch einzubringen. Das kann dazu führen, dass man Körperkontakt meidet. Nach dem Motto: Besser nicht kuscheln, sonst versteht das der andere direkt als Einladung zum Sex. Hier helfen klare Absprachen. Wann gehen wir auf Sex zu, wann genießen wir uns bewusst anders und loten unsere Möglichkeiten aus?

Die Erektion: Ein willkommener Gast

Mit den Tipps aus der Beratung entdeckten Cathrin und Daniel ihre gegenseitigen „Körperlandkarten“ und erotischen Zonen neu. Es waren wenige orientierende Sitzungen, bis sie ihren Weg gemeinsam gehen und stärken konnten. Sie tasteten sich langsam vorwärts, lernten Sexualität mit den neuen Randbedingungen zu gestalten und waren überrascht, wie sie nach und nach ganz neu aufregende sexuelle Begegnungen miteinander erleben konnten. Wenn es dabei zu einer Erektion kam, hießen sie diese als Gast willkommen, doch sie suchten bewusst auch Wege, ihre Intimität und Sexualität auch ohne diesen Gast zu genießen und zu feiern.

Was bleibt

Als sich die Erektion Monate später wieder mehr oder weniger regelmäßig einstellte, feierten Daniel und Cathrin auch das. Doch bis dahin hatte sich ihre Sexualität schon deutlich verändert. Ihre neue sexuelle Wirklichkeit wollten sie nicht mehr missen. Ihr Fazit: „Diese Höhen und Tiefen haben uns noch mehr zusammengeschweißt. Wir hätten anfangs nie gedacht, dass gerade diese krasse Erfahrung unsere Sexualität am Ende bereichern würde.“

Daniel und Cathrin haben sich vorgenommen, in Zukunft frühzeitiger Hilfe zu holen und immer nach Auswegen zu suchen. Sie wollen den Einschränkungen nicht den Sieg überlassen und bereit sein, notfalls verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Dr. med. Ute Buth ist Fachärztin für Frauenheilkunde, Weißes Kreuz Fachberaterin und zertifizierte Sexualberaterin und leitet die Beratungsstelle „herzenskunst“ (herzenskunst-beratung.de) in Bochum.

*Zum Begriff „Sexuelle Lerngeschichte“: Unabhängig davon, ob Sex aktiv gelebt wird, hat jeder Mensch seine sexuelle Lerngeschichte. Im Laufe unseres Lebens erhalten wir zahlreiche Informationen zum Thema Sexualität: Erlebnisse, Sachinformationen, Emotionen, Positives und auch Negatives. All diese Informationen verknüpft unser Gehirn wie in einem aufwendigen Orientteppich mit ganz individuellen Mustern. Unliebsame Bereiche kann man nicht wie beim Computer einfach markieren und löschen. Wir müssen umlernen, oder um im Bild des Teppichs zu bleiben: neue Fäden einweben und schauen, ob wir alte Fäden auslaufen lassen können.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/10/family_intimitaet.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2021-10-07 09:02:202021-10-07 09:02:20Erektionsstörung: So überstanden Cathrin und Daniel gemeinsam die Krankheit

Kinderwunsch: Nach drei Fehlgeburten kämpft sich Julia zurück ins Leben

Julia Strobels Traum vom Familienglück zerschlägt sich immer wieder. Heute sagt sie: „Wir leben unser bestes Leben.“

Wir haben ein Kissen zu Hause, ein Spontankauf vor vielen Jahren. Mein Mann und ich waren frisch verheiratet, der Wunsch nach einem Kind wurde zunehmend stärker. Als ich das Kissen im Schaufenster erblickte, hat dessen Aufdruck der diffusen Sehnsucht in mir einen Namen gegeben: „Nestwärme.“ Es hat meine Vorstellung vom Kinderkriegen auf den Punkt gebracht als Ausdruck von Glück, Geborgenheit und Nähe, von Heimat und Zuhause.

Voller Zuversicht sind wir schon kurze Zeit später unser „Projekt Nestwärme“ angegangen. Doch statt des ersehnten Familienglücks durchlebten wir Monat für Monat bittere Enttäuschung. Anfangs waren wir noch voller Zuversicht. Wir beteten und glaubten fest daran, dass sich schon bald ein kleines Wunder auf den Weg zu uns machen würde. Zunehmend wurden wir allerdings von Gefühlen wie Wut, Angst und Ratlosigkeit geflutet. Da, wo vorher Vorfreude und Hoffnung waren, schlich sich immer mehr ein Gefühl von innerer Distanz und Verzweiflung ein.

Drei Fehlgeburten innerhalb von drei Jahren

Drei Jahre und drei Fehlgeburten später hatte ich spürbar die Kehrseite meiner Vorstellung von „Nestwärme“ kennengelernt: Ich hatte Verlust und Schmerz, Loslassen und Leere dort erfahren, wo eigentlich Geborgenheit und Liebe gelebt werden sollten. Das Ringen um einen kleinen Menschen in unserer Mitte hat meinen Mann und mich schleichend einsam werden lassen in unserer Zweisamkeit. Wir mussten uns immer wieder bewusst entscheiden, Nähe zu suchen, um uns als Paar nicht zu verlieren. Schöne Momente zu erschaffen und miteinander zu teilen, gemeinsam zu lachen, neue Pläne zu entwickeln, nach anderen Perspektiven Ausschau zu halten – das hat uns geholfen, am anderen dranzubleiben und zu erkennen: Ein Gefühl von Nestwärme entsteht nicht nur dann, wenn aus einem Paar eine Familie wird. Aber diese Erkenntnis war hart.

Als wir am absoluten Tiefpunkt waren, hat Gott uns unser erstes Wunder geschenkt. Da war die Entscheidung, weiter zu vertrauen, fast schon schmerzhafter als das einsame Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Als die Ärztin uns verkündete: „Sie sind dieses Mal auf einem guten Weg, es könnte besser nicht sein“, hat es mich innerlich fast zerrissen, die Verbundenheit zu diesem kleinen Wesen zuzulassen. Wenn man so lange wie wir an einem Ort war, an dem Nähe und Hoffnung Synonyme für Verletzlichkeit und Verlust waren, dann muss man Bindungsbereitschaft und Vertrauen neu lernen.

Die Tochter ist da

Unsere Tochter wurde geboren und wir waren im Glücksrausch: gelebte Nestwärme in aller Intensität. Plötzlich waren die neuen Synonyme für Nähe: Dankbarkeit, Verliebtheit und Körperkontakt. Jeden Tag wuchs unsere Bindung zueinander ein kleines Stück mehr. Bis zur totalen Erschöpfung und darüber hinaus.

Dies waren zwei weitere Mosaiksteine von Nähe für mich: Auf der einen Seite wollte ich meinem Kind ein Gefühl von Geborgenheit schenken, eine sichere Bindung als Motor erschaffen, der die gesunde Entwicklung am Laufen hält. Auf der anderen Seite war die Erschöpfung manchmal so groß, dass ich am Rande der Verzweiflung war. Und erkennen durfte: Familie ist mehr als ein reiner „Nähe-Spender“. Familie zu sein bedeutet auch, eine Balance zu finden zwischen Gemeinschaft und eigenen Freiräumen. Die Grenzen auszuloten zwischen dem Wir und dem Ich. Nähe zu leben, heißt, Veränderungen anzunehmen und zu gestalten. Zu empfangen und loszulassen. Manchmal in kleinen Schritten und manchmal in überwältigend großen.

Eine neue Familie für die Pflegetochter

Unsere Familie ist in den folgenden Jahren auf unterschiedliche Weise gewachsen. Nach unserer Tochter wurden wir mit zwei weiteren leiblichen Kindern gesegnet. Wir haben aber auch weitere Verluste durchlebt. Einer davon war besonders hart: Wir mussten unser erstes Pflegekind aus unserer Familie verabschieden: unser Babymädchen, mit dem wir innige Momente der Nähe leben durften. Die Bindung und das Vertrauen, das zwischen uns und unserer Pflegetochter gewachsen war, wurden jäh durchtrennt. Wir hatten sie aus einer Notsituation heraus bei uns aufgenommen. Das Jugendamt hat nach einigen Monaten entschieden, dass der Altersabstand zwischen unserem Jüngsten und der Kleinen mit 15 Monaten auf Dauer zu gering war. Sie wurde innerhalb von zwei Wochen in eine andere Pflegefamilie vermittelt. Sie gehen zu lassen, hat uns zutiefst erschüttert. Danach waren wir monatelang haltlos, haben mitten im Leben erneut mit diesem ohnmächtigen Gefühl der Leere zu kämpfen gehabt.

Unsere Erkenntnis war: Wer Nähe zulässt, macht sich verwundbar. Es hat eine Weile gedauert, bis wir sagen konnten: Das war es wert. Unsere Verzweiflung über den Abschied sollte uns nicht daran hindern, dankbar zu sein für das, was wir erleben durften. Es war ein Prozess, den wir mit vielen Tränen und Gebeten durchgestanden haben. Zweieinhalb Jahre später ist unser zweites Pflegekind, wieder ein Babymädchen, bei uns eingezogen. Sehr eng begleitet, mit vielen Worten der Zuversicht vonseiten unseres neuen Jugendamts und von Familie und Freunden.

Voller Vertrauen und Verletzlichkeit

Unsere Erfahrungen mit den zwei Seiten der Nähe haben bei jedem von uns Spuren hinterlassen. Und doch können wir voller Überzeugung sagen: Wir leben gerade unser bestes Leben. Es hat uns vier wunderbare Kinder auf unterschiedlichen Wegen geschenkt. Den Balanceakt von Nähe und Distanz, Festhalten und Loslassen, Vertrauen und Verletzlichkeit, von erfüllten, übertroffenen und zerbrochenen Erwartungen inklusive.

Der Stoff der Kissenhülle ist nach fünfzehn Jahren rissig geworden, die Farben sind verblasst. Auch mein inneres Bild von „Nestwärme“ hat über die Jahre Blessuren davongetragen und sich so manchem Wandel unterzogen. Vor Kurzem habe ich in einem kleinen Laden ein Kissen mit der Aufschrift „Herzensangelegenheit“ erblickt. Unnötig zu erwähnen, dass ich es mitgenommen habe.

Julia Strobel ist Diplom-Pädagogin und lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in der Nähe von Mainz.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/10/family_strobel-e1633415662275.jpeg 626 852 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2021-10-05 09:45:412021-10-05 09:45:41Kinderwunsch: Nach drei Fehlgeburten kämpft sich Julia zurück ins Leben

Wann zur Frauenärztin?

„Meine Tochter ist jetzt 14. Manche ihrer Freundinnen waren schon bei der Frauenärztin, andere (wie sie) noch nicht. Ich bin mir unsicher: Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Und wie bereite ich meine Tochter darauf vor?“

Für viele Mädchen sind Frauenärztinnen zunächst die große Unbekannte. Früher gab es nur den Kinderarzt oder die Kinderärztin. Den meisten Kids ist klar, im Erwachsenenalter gibt es stattdessen Hausärzte. Wozu braucht es zusätzlich eine Frauenärztin?

WARUM ZUR FRAUENÄRZTIN?

Eine Frauenärztin ist für die inneren und äußeren Geschlechtsorgane der Frau im Intimbereich sowie für die Brüste zuständig, bei der Vorsorge und der Behandlung von gut- und bösartigen Erkrankungen. Sie begleitet ergänzend zu Hebammen Frauen in der Schwangerschaft und rund um die Geburt. Sie ist Ansprechpartnerin bei Störungen der Monatsblutung, Entzündungen, einem Ungleichgewicht weiblicher Hormone, in Fragen der Empfängnisregelung und bei vielen sexuellen Problemen. Der Besuch bei der Frauenärztin wird ab dem 20. Lebensjahr ein- bis zweimal pro Jahr zur Vorsorge empfohlen. Wenn ein Mädchen keinerlei Beschwerden hat, genügt es, den ersten Besuch zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr zu planen. Ausnahmen, die Praxis früher aufzusuchen, sind Beschwerden im Genitalbereich, starke Schmerzen und/oder Störungen der Monatsblutung, das Ausbleiben der ersten Blutung bei Mädchen älter als etwa 16 Jahre oder wenn kein Tampon eingeführt werden kann. Außerdem ist die Frauenärztin ansprechbar, wenn ein Mädchen schon sexuell aktiv ist oder unsicher, ob alles okay ist, zum Beispiel bei unklaren Tastbefunden der Brust.

GUTE VORBEREITUNG

Vielen Mädchen hilft ein orientierender erster Termin ohne Untersuchung, um die Ärztin und die Praxis kennenzulernen. Respektieren Sie unbedingt, ob sie zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen möchte. Drängen Sie Ihre Tochter nicht zu Ihrem Gynäkologen. Überrumpeln Sie sie nicht, indem Sie mit Terminen Tatsachen schaffen. Klären Sie mit ihr, wann sie dazu bereit ist. Sie sollte wissen: Vor der Untersuchung entkleidet sie sich in einer Umkleidekabine im Untersuchungsraum untenherum – nie ganz! Ein langes Shirt ist ein guter Sichtschutz auf dem Weg zum Untersuchungsstuhl.

Steht eine Untersuchung an, bereiten Sie sie darauf vor, dass die Frauenärztin dafür einen speziellen Untersuchungsstuhl benötigt, auf dem man zurückgelehnt sitzt, während die Beine seitlich auf Beinschalen oder Bögen gelagert sind. Nur so kann die Ärztin durch die Scheide bis zum Eingang der Gebärmutter schauen. Dazu schiebt sie vorsichtig mit Untersuchungsinstrumenten die Scheidenwände beiseite. Zusätzlich kann sie die inneren Geschlechtsorgane durch die Scheide abtasten und sie mit einem schmalen Ultraschallgerät betrachten. Falls es wehtun sollte, bitte Bescheid sagen. Die Frauenärztin ist immer ansprechbar.

Dr. med. Ute Buth ist Frauenärztin, Sexual- und Weißes Kreuz-Fachberaterin. Sie leitet die Beratungsstelle „herzenskunst“ in Bochum, ist verheiratet, Mutter zweier Töchter und Autorin des Teenie-Aufklärungsbuches „Mädelskram“. Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/09/frauenarzt.jpg 986 1437 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2021-09-30 18:00:182021-09-30 12:04:47Wann zur Frauenärztin?

Sie fürchtet sich vor dem Zahnarzt

„Unsere Tochter (5) hat große Angst vorm Zahnarzt. Sie war schon mehrmals mit mir dort und hat trotz geduldigen Zuredens den Mund nicht aufgemacht. Wir wollen sie nicht traumatisieren oder drohen, aber irgendwann sollte doch der Fachmann eine Kontrolle vornehmen können, oder? Sie putzt zweimal täglich sehr gut die Zähne. Was raten Sie uns?“

Wenn Ihre Tochter sich zweimal am Tag die Zähne gut putzt, ist die wichtigste Basis für die Zahngesundheit schon gelegt. Sicherlich wäre es gut, wenn der Zahnarzt die Zähne dennoch kontrollieren könnte.

Zwingen Sie das Kind nicht

Mit Blick auf die Gesamtentwicklung Ihrer Tochter sollte man aber definitiv gut abwägen zwischen dem Risiko einer Traumatisierung und den Vorteilen einer Kontrolle – das tun Sie offenbar auch sehr gewissenhaft! Daher würde ich Ihnen empfehlen, weiter sehr geduldig und behutsam vorzugehen und nicht mit Druck oder Zwang zu arbeiten. Folgende Schritte könnten helfen:

1. Spielen Sie zu Hause in einem Rollenspiel „Zahnarzt“. Besorgen Sie dazu einen kleinen Mundspiegel, um das Spiel realistischer gestalten zu können, gern auch eine Maske und vielleicht eine OP-Haube. Lassen Sie Ihre Tochter zuerst selbst Arzt spielen, Sie sind die Patientin. Versuchen Sie dann beim nächsten Mal, einen Rollentausch vorzuschlagen. Natürlich sollte bei diesen Spielen alles gut und schmerzfrei ablaufen.

2. Lesen Sie Kinderbücher zum Thema vor (z. B. „Conni geht zum Zahnarzt“) und zeigen Sie diese Geschichte als Video (online zu finden).

3. Eine langsame Gewöhnung durch ein bis zwei Besuche, bei denen keine Kontrolle bei Ihrem Kind geplant ist, sondern es nur die Räume kennenlernt und beobachtet, kann helfen – vielleicht auch bei einem Termin von Ihnen oder eines anderen Kindes, das es kennt. Manchmal wirkt Ablenkung Wunder, etwa wenn das Kind während des Zahnarztbesuchs auf dem Handy einen Clip ansehen darf.

Überlegen Sie sich eine Belohnung

4. Kindern fällt es noch schwer, langfristig zu denken und dafür kurzfristig Unangenehmes in Kauf zu nehmen. Da ist es hilfreich, ihnen kleine Motivationsanreize zu schaffen. Besprechen Sie mit Ihrer Tochter, warum der Zahnarztbesuch so wichtig ist, und überlegen Sie mit ihr, welche kleine Belohnung ihr helfen würde, ihren Mut zusammenzunehmen.

5. Vielleicht kann die Oma, der Onkel oder eine andere vertraute Person, die Ihre Tochter noch nie zum Zahnarzt begleitet hat, viel unbefangener mit der Situation umgehen und dadurch mehr Gelassenheit ausstrahlen, weil sie noch nicht selbst erlebt hat, wie schwierig die letzten Besuche waren. Auch Kinder reagieren oft, je nach Bezugsperson, unterschiedlich. Besprechen Sie aber vorher, wie viel „Ermutigen“ okay ist und wann der Versuch abgebrochen werden soll.

6. Sollte das alles nicht helfen, könnte auch ein Wechsel des Zahnarztes helfen – vielleicht zu einer Praxis, die auf Angstpatienten spezialisiert ist? Auch hier können die veränderten Bedingungen dem Kind helfen, festgefahrene Muster loszulassen.

Melanie Schüer ist Erziehungswissenschaftlerin, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und als freie Autorin und Elternberaterin tätig (elternleben.de). 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/09/family_zahnarzt.jpg 1414 2120 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2021-09-30 10:52:252021-09-30 10:51:09Sie fürchtet sich vor dem Zahnarzt

„Hilfe, meine Tochter hat ihren ersten Freund!“ – So sprechen Sie über Sex und Verhütung

Die erste Beziehung ist für Jugendliche ein wichtiger Schritt. Therapeutin Melanie Schüer erzählt, welche Fettnäpfchen Eltern jetzt vermeiden sollten.

„Meine Tochter hat ihren ersten Freund. Wie verhalte ich mich als Mutter jetzt am besten?“

Es gibt so manche ersten Male im Leben von heranwachsenden Kindern – und der erste Freund gehört definitiv dazu. Wenn Ihre Tochter Ihnen selbst von der Beziehung erzählt, können Sie schon einmal stolz sein: Offenbar hat sie Vertrauen zu ihnen und sieht sie als wichtiges Gegenüber. Doch auch wenn Ihr Kind die Neuigkeit zunächst geheim hält, sollten Sie das nicht persönlich nehmen. Es hängt sehr vom Charakter ab, wie leicht oder schwer es einem Jugendlichen fällt, seinen Eltern eine solche Nachricht zu übermitteln. Und es gibt weitere Faktoren wie zum Beispiel:

  • Wie offen sprechen die Gleichaltrigen über dieses Thema?
  • Was haben die Jugendlichen darüber schon gehört, zum Beispiel von Freunden und Freundinnen?
  • Ist Ihr Kind das älteste Kind oder hat es schon Geschwister, die diese Erfahrung bereits gemacht haben?

Wenn sie davon erfahren, liegt es an Ihnen, möglichst souverän und vertrauenswürdig zu reagieren. Denn je besser Sie mit der Neuigkeit umgehen, desto höher ist die Chance, dass Sie Ihre Tochter in einer positiven Gestaltung der neuen Lebenssituation begleiten können und Ihr Kind Ihre Unterstützung annimmt.

Gelassen und respektvoll reden

Unterlassen Sie unbedingt herablassende Kommentare, aber auch mit lustig gemeinten Scherzen sollten Sie vorsichtig sein. Denken Sie daran: Ihre Tochter erlebt das alles zum ersten Mal und wird eine gehörige Portion Unsicherheit und vermutlich auch Verlegenheit Ihnen gegenüber verspüren. Ihr Job als Elternteil ist es daher, Gelassenheit und Normalität auszustrahlen. Reden Sie möglichst entspannt und weder besonders aufgeregt noch übertrieben locker oder humorvoll über das Thema. Versuchen Sie, eine ruhige, respektvolle und unaufgeregte Gesprächsstimmung herzustellen. Zeigen Sie Interesse, ohne zu neugierig zu wirken, beispielsweise so: „Super, ich freue mich für dich. Das ist ja eine ziemliche Veränderung, was? Wie heißt er denn und wo habt ihr euch kennengelernt?“

Kennenlernen ohne Einmischen

Natürlich wollen Sie sich als Elternteil ein Bild von dem Auserwählten Ihres Kindes machen und das ist auch gut so! Wichtig ist aber auch hier eine gewisse Zurückhaltung. Geben Sie Ihrer Tochter etwas Zeit. Wenn sie dann selbst kein Kennenlernen vorschlägt, können Sie behutsam nachfragen: „Ich würde Tobias ja gerne mal kennenlernen. Muss nicht lang sein. Vielleicht morgen Nachmittag kurz zum Tee, wenn er dich abholt?“

Beim Treffen selbst stellen Sie ein paar interessierte, aber nicht zu persönliche Fragen zum Beispiel über Hobbys, eventuelle Geschwister, Lieblingsfächer oder berufliche Pläne. Und erzählen Sie ruhig etwas von sich, aber nur kurz und knapp („Ach ja, Mathe hab ich früher auch nicht gemocht. Ich hatte damals die Idee, Polizistin zu werden, aber daraus wurde nichts.“).

Auch wenn Sie keinen guten Eindruck von Ihrem Gegenüber haben, bleiben Sie höflich und respektvoll. Sonst bringen Sie Ihr Kind nur gegen sich auf. Denn die rosarote Brille ist gerade in der Verliebtheitsphase ziemlich machtvoll! Sollte etwas an dem Freund Ihres Kindes oder dem Umgang miteinander Ihnen wirklich Sorgen machen, dann sprechen Sie in einem ruhigen Moment vorsichtig mit Ihrer Tochter. Formulieren Sie Ihre Sorge als Ich-Botschaft und eher als Frage: „Ich merke, dass du gern mit Jonas zusammen bist und das freut mich. Ich fand es auch super, dass ich ihn kennenlernen konnte. Nur irgendwie gibt es da etwas, das mich beschäftigt. Vielleicht übertreibe ich oder verstehe es falsch, aber mein Eindruck ist, dass …“

Verhütung ansprechen

Natürlich ist auch Intimität ein wichtiger Aspekt, wenn Ihre Tochter (oder auch Ihr Sohn) zum ersten Mal in einer Beziehung ist. Auch hier gilt es, mit Bedacht und möglichst gelassen und wertschätzend vorzugehen. Auf keinen Fall sollten Sie hier allzu scherzhaft oder von oben herab auftreten, als hätten Sie die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ebenso sollten Sie es vermeiden, diesen Aspekt wie ein Tabu-Thema zu behandeln. Bemühen Sie sich auch hier um einen möglichst normalen, unaufgeregten Tonfall. Suchen Sie das Gespräch unter vier Augen zu einem Zeitpunkt, zu dem Ihr Kind entspannt und zugänglich scheint (Das ist in der Pubertät durch das Hormonchaos häufiger mal nicht der Fall … dann lieber etwas abwarten!). Warten Sie aber nicht zu lange, denn im Rausch der Verliebtheit können auch die scheinbar vernünftigsten Jugendlichen manchmal viel schneller im Bett landen, als man das für möglich gehalten hätte.

Eine mögliche, beispielhafte Einstiegsformulierung wäre: „Hast du gerade etwas Zeit? Ich wollte gerne noch mit dir über etwas sprechen. Du bist ja jetzt ein paar Wochen mit Marcel zusammen. Ich weiß nicht genau, ob ihr beide schon über Verhütung gesprochen habt. Wir hatten das Thema ja noch nicht so ausführlich. Ich wollte dich mal fragen, wie gut du dich da informiert fühlst oder ob du Fragen hast?“ Warten Sie dann erst einmal ab, was Ihr Kind schon weiß, und beschränken Sie sich auf die wichtigsten Informationen, zum Beispiel:

  • Nur Kondome schützen vor Geschlechtskrankheiten;
  • Es gibt weitere Möglichkeiten wie die Pille;
  • Manchmal wirkt die Pille nicht (Durchfall, Erbrechen, verschiedene Medikamente wie Antibiotika).

Bedeutung der Intimität hervorheben

Sie können Ihrer Tochter auch einen gemeinsamen Besuch bei der Gynäkologin vorschlagen. Weiten Sie das Thema nicht zu sehr aus, aber versuchen Sie, zumindest kurz auf die Bedeutung von Intimität einzugehen: „Du allein entscheidest, wie weit du mit Marius gehen willst. Ich traue dir zu, gute Entscheidungen zu treffen. Wichtig ist, dass du immer nur das tust, womit du dich wirklich wohlfühlst. Überlege einfach gut, was wann dran ist und lass dir Zeit. Manchmal lässt man sich zu Dingen hinreißen, die man später bereut. Gerade am Anfang einer Beziehung, da hat man quasi eine rosarote Brille auf. Oft sieht man erst nach einem halben bis einem Jahr klarer und kennt auch die Schwächen des anderen und sieht, ob es wirklich passt.“

Und, was manchmal vergessen wird: „Kein Verhütungsmittel ist 100 Prozent sicher. Etwa 5 von 100 Frauen, die mit Kondom verhüten, werden innerhalb eines Jahres schwanger. Deshalb ist es immer sinnvoll, sich genau zu überlegen: Würde dieser Junge im Ernstfall, wenn was schiefgeht, zu dir stehen? Willst du das gewisse Risiko eingehen, kannst du ihm vertrauen? Ich denke, dass man keine Nacktfotos verschicken sollte, ist dir sicher klar. Da sind echt schon schlimme Dinge passiert …“

Überlegen Sie sich vorher, welche Botschaften Sie vermitteln wollen und finden Sie dann Ihre eigenen Worte. Die obigen sind nur als Inspiration gedacht.

Melanie Schüer ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Autorin. Sie bietet (Online-)Beratung für Eltern von Babys und Kleinkindern mit Schrei- und Schlafproblemen an (neuewege.me).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/08/family_beziehung.jpg 1412 2122 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2021-09-30 10:09:492021-09-30 10:09:49„Hilfe, meine Tochter hat ihren ersten Freund!“ – So sprechen Sie über Sex und Verhütung

Raus aus dem Teufelskreis: So beenden Sie die Machtkämpfe mit Ihrem Kind

Schwierige Phasen kennen wohl alle Mütter und Väter. Aber manche Kinder fordern ihre Eltern dauerhaft heraus. Pädagogin Sonja Brocksieper kennt diese Situation.

In deinem Buch „Mit Liebe bewaffnet“ geht es um herausfordernde Kinder – so heißt es im Untertitel. Was verstehst du darunter?
Das ist eine Umschreibung für das klassische „schwierige Kind“. Wir reden ja im Alltag schnell davon, dass unsere Kinder schwierig sind. Dann bekommen Kinder einen Stempel, dass sie nicht okay oder falsch sind. Mit dem Begriff„herausfordernde Kinder“ versuche ich, diesen Umstand etwas anders zu beschreiben. Es geht um Kinder, die nicht der Norm entsprechen, die ein bisschen anders ticken als andere und dabei aber nicht schlechter oder besser, sondern einfach anders sind. Sie bringen ihre Eltern an ihre Grenzen und fordern sie heraus, weil sie nicht in ein Schema passen.

Welche Art von Herausforderungen würdest du darunter fassen?
Das kann ganz vielschichtig sein. Es fängt an bei kleineren Dingen, zum Beispiel, dass die Persönlichkeit des Kindes anders ist als meine. Das ist ja herausfordernd, wenn mein Kind zum Beispiel sehr extravertiert ist, und ich selbst eher introvertiert bin. Die Kommunikation fällt schwerer, ich kann mich nicht so gut in mein Kind hineinversetzen und verstehe nicht so gut, wie es die Welt wahrnimmt. Es geht aber auch um Kinder, die eine Diagnose, Beeinträchtigung oder Behinderung haben oder die vielleicht eine Vorgeschichte mitbringen, weil sie Pflegekinder sind.

„Wenn der Liebestank der Kinder leer ist, rebellieren sie“

Man hört immer wieder Stimmen, die Kinder heute seien so schwierig, weil die Eltern sie zu sehr verwöhnen und keine Grenzen setzen. Siehst du das auch so?
Das trifft vielleicht auf manche Eltern zu. Wenn Eltern ihre Kinder zu sehr in Watte packen, ihnen alle Herausforderungen aus dem Weg räumen und Kinder völlig grenzenlos aufwachsen, kann das zu unreifen Verhaltensweisen der Kinder führen. Diese Eltern meinen es gut, wenn sie den Kindern alles ermöglichen. Aber das Bedürfnis des Kindes ist ja auch, selbstwirksam zu sein und herausgefordert zu werden. Einen verwöhnenden Erziehungsstil halte ich durchaus für problematisch, wenn sich das Kind in der Folge als das Zentrum der Welt empfindet. Aber ich würde es nicht darauf reduzieren, dass Kinder nur aus diesem Grund auffällige Reaktionen zeigen.

Ich glaube vielmehr, dass ein großer Teil der Schwierigkeiten in der Eltern-Kind-Beziehung darin liegt, dass die Liebe der Eltern nicht ankommt. Die meisten Eltern würden sagen: Ich liebe mein Kind. Aber aus unterschiedlichen Gründen fühlt ein Kind diese Liebe nicht. Und wenn der Liebestank der Kinder leer ist, rebellieren sie. In der Folge gibt es immer mehr Machtkämpfe und Reglementierungen der Eltern. Und dann sind nicht fehlende, sondern zu viele Grenzen das Problem. Es gibt also beide Seiten.

Viele Eltern kennen ja Zeiten, in denen sie ihr Kind als sehr anstrengend und herausfordernd erleben. Aber wie lang kann so eine Phase sein? Und wie merke ich, dass es ein eher grundsätzliches Problem ist?
Es ist völlig normal, dass es mal hakt oder man hier und da keinen Zugang zum Kind bekommt. Problematisch wird es, wenn das über mehrere Wochen geht und sich überhaupt nichts verändert. Wenn die Familienatmosphäre nur noch von Kampf und Streit belastet ist und man keine schönen Momente mehr haben kann. Wenn der Alltag davon dominiert wird, dass man von einem Machtkampf in den nächsten rutscht und nicht in der Lage ist, eine schöne Kuschelzeit zu haben oder einen schönen Tagesausflug zu genießen, weil es immer in Konflikte ausartet – dann gibt es einen dringenden Handlungsbedarf.

Machtkämpfe sind ein Teufelskreis

Du schreibst im Buch von einem Teufelskreis. Was meinst du damit?
Das ist eine Spirale, die sich immer mehr abwärts dreht. Da ist das Kind, das ein bisschen anders reagiert, als man sich das wünscht. Darauf reagiert man als Eltern und setzt eine Grenze. Meistens sind damit auch unangenehme Gefühle verbunden, die wir als Eltern haben. Dann reagiert das Kind darauf und protestiert, denn kein Kind bekommt gern Grenzen gesetzt. Auf diese Reaktion des Kindes reagiere ich wieder als Mutter oder Vater und bin genervt. Daraus entwickelt sich ein Machtkampf. Wenn das immer weiter läuft und wir keinen Ausstieg finden, werden die Emotionen auf beiden Seiten immer stärker. Und das Kind hat das Gefühl: Ich kann es meinen Eltern nie recht machen.

So habe ich das mit meinem Sohn auch erlebt. Wenn ich schwierige Momente mit ihm hatte, dachte ich: Wenn ich jetzt eine klare Grenze setze und ihm sage, wo es langgeht, dann wird er das schon verstehen. Aber es hat dazu geführt, dass er sich noch unverstandener gefühlt hat. Denn wenn die Grenzen zu eng werden, bekommt man keine Luft mehr. Und dann signalisieren die Kinder: Ich bin unzufrieden, ich fühle mich nicht gesehen, ich fühle mich nicht angenommen, ich darf nicht so sein, wie ich bin. Und dann reagieren sie mit Rückzug oder Rebellion.

Konflikte und Liebe schließen sich nicht aus

Welche Schritte sind nötig, um aus dieser Spirale rauszukommen?
Der entscheidende Punkt ist, dass Eltern die Verantwortung übernehmen und ihr Kind so annehmen, wie es ist. Mein Kind darf so sein mit seinen Besonderheiten und Charaktereigenschaften, die herausfordern. Ich selbst konnte diese Spirale durchbrechen, indem ich die bewusste Entscheidung getroffen habe, dass meine Liebe nicht von dem Verhalten meines Sohnes abhängig sein sollte. Wenn es Konflikte gegeben hat, habe ich trotzdem auch Grenzen gesetzt, wenn es nötig war, aber weniger in diesem Machtkampf-Modus.

Und es gab einige Momente, wo ich nach Konflikten zu ihm gesagt habe: „Auch wenn wir jetzt verschiedene Meinungen hatten, bist du trotzdem mein Kind. Ich hab dich trotzdem lieb und stehe zu dir. Und wir finden einen Weg.“ Mir war wichtig, dass er sicher sein kann, dass ich ihn lieb habe, auch wenn wir gerade Ärger haben. Das hat langfristig etwas verändert. Wir haben es dadurch geschafft, wieder auf eine warmherzige Beziehungsebene zu kommen.

Liebe ist eine Entscheidung

Aber wenn es mir schwerfällt, mein Kind zu lieben, weil es mich nervt oder wütend macht – was kann ich dann tun? Gefühle kann ich ja nicht „machen“.
Es ist richtig, dass man Gefühle nicht „machen“ kann, aber Liebe ist zunächst eine Entscheidung. Und wenn das am Anfang schwerfällt, würde ich empfehlen, dass man mit jemandem darüber redet, der einen unterstützt und vielleicht auch seelsorgerlich begleitet. Ich bin überzeugt, die Gefühle werden hinterherkommen. Das ist ein Prozess. Und wenn sich dann etwas verändert, kommen auch die Momente, in denen man wieder Liebe empfinden kann. Wenn das nicht funktioniert, muss man ein bisschen tiefer hingucken. Ich habe in meinem Buch ein paar Blockaden oder Hindernisse beschrieben.

Wenn man gar keinen Zugang zu seinen Gefühlen bekommt, kann das vielleicht an Erfahrungen aus der eigenen Kindheit liegen. Wenn man selbst als Kind eine unsichere Bindung hatte, dann wird es schwer, eine sichere Bindung zum eigenen Kind aufzubauen. Genauso können negative Glaubenssätze eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung verhindern. Wenn man trotz der Entscheidung, sein Kind anzunehmen, überhaupt nicht weiterkommt, ist es wichtig, mithilfe von Seelsorge oder Beratung den Ursachen auf die Spur zu kommen.

Du hast gerade beschrieben, dass du deinem Sohn einerseits Grenzen gesetzt, ihm aber auch vermittelt hast, dass du ihn liebst. Ich glaube, das ist für viele Eltern ein schwieriger Spagat zwischen schimpfen und kuscheln.
Ich finde, man kann auch mal schimpfen. Man kann auch mal sauer sein. Die Kinder können durchaus mitkriegen, dass man sich ärgert. Aber es muss aufgelöst werden, man darf in diesem Ärger nicht drinbleiben. Das hat etwas mit Vertrauen zu tun und dass ich dem Kind vermittele: Ich meine es gut mit dir, vertrau mir. Du wirst nicht immer alles verstehen, was ich mache, aber du bist mir wichtig.

Was hat dir geholfen?

Gab es in der Beziehung zu deinem Sohn eine Sache, die dir so richtig geholfen hat?
Ja, es gab einen Schlüsselmoment bei einem Seminar der Beratungsorganisation Team.F, wo ich vor vielen Jahren als Teilnehmerin war. Da erzählte eine Mitarbeiterin von ihrer angespannten Mutter-Tochter-Beziehung. Diese Mitarbeiterin hat beschrieben, wie sie in eine gute Beziehung kommen konnte. Das hat mein Herz tief berührt und ich habe die wichtige Entscheidung getroffen: Ich nehme mein Kind so an, wie es ist. Als Christin hat mir in den Jahren danach außerdem ein Bild immer wieder geholfen: Nämlich, dass mich Gott bedingungslos liebt, obwohl ich Fehler mache und manchmal Wege wähle, die ihm vielleicht nicht gefallen. Ich glaube, dass Gottes Herz trotzdem für mich immer offensteht und auch seine Arme weit offen sind. Dieses Bild hat mich immer wieder motiviert. So wie Gott uns Menschen liebt, möchte ich auch als Mama meinem Kind begegnen. Das ist für mich das perfekte Vorbild für Elternschaft.

Das Interview führte Bettina Wendland, Redakteurin bei Family und FamilyNEXT.

Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid, bietet Vorträge und Seminare zu Erziehung und Familie an und ist Mitarbeiterin bei Team.F sowie Dozentin an der TEAM.F-Akademie. Gerade ist ihr Buch erschienen: „Mit Liebe bewaffnet. Wie wir unsere herausfordernden Kinder annehmen“ (SCM Hänssler). sonja-brocksieper.de

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/09/family_streit.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2021-09-24 09:50:132021-09-24 09:50:13Raus aus dem Teufelskreis: So beenden Sie die Machtkämpfe mit Ihrem Kind

Kinder brauchen Bewegung

Bewegung ist für Kinder und Jugendliche enorm wichtig: Sie hält körperlich fit, stärkt das Selbstvertrauen, gleicht Stress aus und macht Spaß. Drei Fragen an Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):

Warum ist Bewegung so wichtig?

Regelmäßige Bewegung, sei es die körperliche Aktivität im Alltag oder beim Sport, fördert eine gesunde Entwicklung. Das gilt für den physischen, psychischen und auch den sozialen Bereich: Bewegung macht Spaß und hält fit, verbraucht Energie und beeinflusst das Gewicht positiv. Darüber hinaus gleicht Bewegung Stress aus. Beim Gemeinschaftssport lernen Kinder und Jugendliche, sich in eine Gruppe einzufinden, gemeinsam ein Ziel zu verfolgen und mit Erfolgen und Niederlagen umzugehen. Darüber hinaus wird schon frühzeitig der Grundstein für ein bewegtes Leben gelegt. Denn Kinder und Jugendliche, die sich viel bewegen, sind auch als Erwachsene häufiger aktiv.

Wie viel Bewegung sollte es mindestens sein?

Je nach Alter gibt es unterschiedliche Empfehlungen: Säuglinge und Kleinkinder bis drei Jahre sollten sich so viel wie möglich bewegen. Eltern sollten dem Bewegungsdrang ihres Kindes freien Lauf lassen. Für Kindergartenkinder lautet die Empfehlung drei Stunden und mehr am Tag und für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren sind es 1,5 Stunden. Davon kann eine Stunde eine einfache Bewegung im Alltag sein, wie das Gehen. Die Devise lautet: Hauptsache, täglich bewegen! An zwei bis drei Tagen darf es noch etwas anstrengender werden, wie beim Fußballspielen, Radfahren oder Schwimmen.

Welche Rolle spielt die Familie dabei?

Kinder lernen vor allem am Vorbild: Wenn sich Eltern viel bewegen und körperlich aktiv sind, wird dies auch für ihren Nachwuchs selbstverständlich. So kann der Weg zur Schule, in die Kita oder zum Einkaufen oft auch zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden.  Auch Rituale wie ein gemeinsamer Nachmittag zum Toben sind sinnvoll. Eltern können ihr Kind dabei unterstützen, verschiedene Sportarten auszuprobieren, um die passende Sportart zu finden. Dabei kommt es auf den Spaß und nicht die Höchstleistung an. Sportvereine und für die Älteren auch Fitnessstudios bieten ein vielfältiges Angebot – einfach ausprobieren.

 

Wie lange man höchstens sitzen sollte:

Immer mehr Kinder und Jugendliche sitzen viel, oft auch in der Freizeit, und bewegen sich wenig. Zu langes Sitzen ist jedoch ungesund: Es belastet den Bewegungs- und Halteapparat, begünstigt die Entstehung von Übergewicht und erhöht das Risiko für Spätfolgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Mellitus Typ 2, Depressionen oder Burnout. Wenn möglich, sollten Eltern daher lange Sitzzeiten ihres Kindes alle 20 Minuten mit einer kleinen Bewegungsaktivität unterbrechen. Hilfreich ist, wenn sie selbst als Vorbild sitzende Tätigkeiten, wie telefonieren oder Kartoffeln schälen, auch mal im Stehen erledigen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, dass Eltern darauf achten, dass ihre Kinder nicht zu lange vor PC, Tablet und Co sitzen: Für Drei- bis Sechsjährige sollten es pro Tag idealerweise maximal 30 Minuten sein, für Sechs- bis Elfjährige höchstens eine Stunde und ab 12 Jahren nicht mehr als zwei Stunden täglich.

 

Tipps für mehr Bewegung:

Die BZgA hat speziell für die Zeit der Pandemie ein Mitmach-Programm für Kinder ab dem vierten Lebensjahr entwickelt, das auch zu Hause nachgeturnt werden kann. Die Videoreihe umfasst insgesamt 15 Folgen. Diese dauern jeweils zwischen 14 und 18 Minuten, der Ablauf ist immer gleich: Begrüßungsritual mit Klatschrhythmus, Warm-Up, Jonglierstunde, Spielekiste und „Kinder stark machen mit Antje“, wo es um verschiedene Spiele wie Wortsalat oder Begriffe raten geht:

www.kinderstarkmachen.de/suchtvorbeugung/eltern/zuhause-in-bewegung-bleiben/

 

Weitere Tipps:
  • Fangen, Federball, Frisbee, Seilspringen, Klettern, im Kinderzimmer Höhlen bauen oder im Wohnzimmer eine kleine Tanzparty veranstalten – es braucht nicht viel, um in Bewegung zu kommen.
  • Planen Sie gemeinsame Aktivitäten: Gehen Sie schwimmen, in den Park, auf den Spielplatz oder in die Kletterhalle. Verabreden Sie sich mit anderen Familien zum Ballspielen, zum Spazierengehen oder zu einer Fahrradtour. Oder wie wäre es mit Bouldern und Hula-Hoop?
  • Schlechtes Wetter gibt es nicht – draußen sind Sport und Spiele am schönsten. Es braucht nur die richtige Kleidung.
  • Begleiten Sie Ihr Kind zum Sport, zeigen Sie Interesse und Loben Sie Erfolge. Loben ist gut, aber zeigen Sie Ihrem Kind auch, dass es nicht schlimm ist, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt. Neue Versuche und üben gehören dazu! Auch größere Kinder und Jugendliche freuen sich über Anerkennung und Unterstützung.
  • Eine Fitness- oder Bewegungsapp kann motivieren. Sie soll den Spaß an der Bewegung fördern und nicht den Wettbewerb. Am besten wählen Sie die App zusammen mit Ihrem Kind aus.

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/09/FluxFactory_GettyImages-1279856650.jpg 1414 2121 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2021-09-23 08:15:192021-09-23 08:15:19Kinder brauchen Bewegung

Jahrelang hat Lisa Schmerzen beim Sex. Dann gibt ihr die Frauenärztin einen Tipp

Immer, wenn Lisa* mit ihrem Mann schläft, hat sie Schmerzen. Dann wendet sie sich an ihre Ärztin. Und erlebt bald ihren ersten vaginalen Orgasmus.

Als wir in den Flitterwochen unsere Hochzeitsnacht nachholten, hatte ich etwas Angst, dass es beim ersten Mal wehtun könnte, doch mein Mann war so zärtlich, dass es mir nicht schwerfiel, mich fallen zu lassen. Aber wir stießen auf Hindernisse. Miteinander zu verschmelzen war nicht so leicht, wie wir erwartet hatten, und es tat weh. Wir probierten in dieser Woche auf den Kanaren so manches, doch im Nachhinein hatten wir es uns wohl beide anders vorgestellt. Ich erlebte zwar viele schöne Höhepunkte – aber nicht, wenn er in mir war, sondern nur durch äußere Stimulation mit den Händen. Als wir wieder zu Hause waren, holte uns schnell der Alltag ein. Die Probleme beim Sex hielten an und ich stellte fest, dass wir längst nicht so oft miteinander schliefen, wie ich es erwartet hatte.

Es geht nur noch um den Kinderwunsch

Nachdem wir zwei Jahre verheiratet waren, fühlten wir uns bereit für Kinder. So setzte ich die Pille ab und hoffte, dass der gemeinsame Kinderwunsch neuen Schwung in unser Sexleben bringen würde. Nach wie vor tat es oft weh. Doch meine Erwartungen in Sachen Häufigkeit wurden enttäuscht und schwanger wurde ich auch nicht. Auch eine Behandlung im Kinderwunschzentrum brachte keinen Erfolg. Im Gegenteil. In unserem Sexualleben fühlten wir uns in diesen Monaten sehr unter Druck gesetzt. Besonders mein Mann litt darunter, dass es scheinbar nur noch um den Kinderwunsch ging.

Erst als wir diesen ein Stück weit loslassen konnten, ließ der Druck nach und es entstand wieder mehr Raum in unserer Beziehung – auch in sexueller Hinsicht. Fünf Monate nach unserer letzten Behandlung im Kinderwunschzentrum wurde ich dann tatsächlich schwanger. Im darauffolgenden Sommer kam unser Sohn zur Welt.

Immer noch Schmerzen

Während der Schwangerschaft schlief unser Sexleben leider wieder ein. Es dauerte schließlich über eineinhalb Jahre, bis wir nach der Geburt unser Sexleben wiederbelebten. Es war schön, doch unsere Probleme hatten sich nicht geändert. Intimität konnten wir genießen, aber sobald wir „richtig“ miteinander schliefen, bereitete es mir Schmerzen.

Ich fasste schließlich den Mut, mit meiner Frauenärztin darüber zu sprechen. Sie empfahl mir zunächst eine Behandlung durch Elektrostimulation. Für manche Frauen ist das wohl eine hilfreiche Therapie, bei mir änderte sich leider nichts.

Hilfe suchen ist keine Schande

Daraufhin empfahl mir meine Frauenärztin ein Gerät namens Epi-No. Es hilft, die Beckenboden- und Vaginalmuskulatur zu dehnen. Nach einigen Wochen Training schliefen wir miteinander und ich erlebte eine Überraschung: Es tat überhaupt nicht weh! Kurze Zeit danach erlebte ich tatsächlich meinen ersten Orgasmus, während mein Mann in mir war, indem ich dabei bewusst die Beckenbodenmuskulatur anspannte.

Inzwischen wünsche ich mir, ich hätte viel eher den Mut gefasst, mir Hilfe zu suchen. Ich habe gelernt, dass das keine Schande ist. Als Christin glaube ich, dass Gott gerade im Bereich der Sexualität so viel Schönes für uns bereithält, von dem uns falsche Scham oder prüdes Denken abhalten können.

*Name von der Redaktion geändert. Die Autorin möchte anonym bleiben.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/09/family_sexualitaet-e1632219831421.jpg 1182 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2021-09-21 12:23:562021-09-21 14:19:26Jahrelang hat Lisa Schmerzen beim Sex. Dann gibt ihr die Frauenärztin einen Tipp

Nervige Gewohnheiten

Kleine Schwächen können große Konflikte auslösen. Doch erstreiten lässt sich Veränderung nicht. Jörg Berger hat einen ungewöhnlichen Tipp: Erst mal entspannen!

Meine Frau schaut, wie sie wohl manchmal ihre Schüler ansieht: etwas amüsiert, mitfühlend, aber mit einer Strenge, die kein Verhandeln duldet. Sie hat mich ertappt. „Moment“, denke ich, „ich bin hier zu Hause. Warum soll ich nicht in der Nase bohren, wenn es niemand sieht? Wo, wenn nicht zu Hause, darf ich mich mal gehen lassen? Was hat das außerdem mit dir zu tun? Ich sitze hier doch nur und lese. Schau einfach weg.“ Was eben noch gedankenlos war, kommt mir nun wie der tiefste Ausdruck meiner Freiheit vor: Dem mäandernden Jucken folgen, wohin es mich führt. Mich einer Stimulation hingeben, die das Lesen konzentrierter macht und mich in den geistigen Flow hebt. „Das willst du mir nehmen? Mit welchem Recht?“

Nervige Gewohnheiten lassen keinen Bereich des gemeinsamen Lebens aus: Warum hängt Matthias an seinen ärmellosen Strickjacken, die jede Anziehung ersticken? Warum erledigt Lisa immer noch schnell etwas, obwohl sie wissen müsste, dass sie dann zu spät kommt? Weshalb nur kaut Markus mit offenem Mund? Und aus welchem Grund shoppt und surft Katrin, statt ins Bett zu gehen, auch wenn sie am nächsten Tag so unausgeglichen ist? Manche Gewohnheiten nerven. Andere enttäuschen oder sie stoßen sogar ab. In aller Regel wissen wir, was den anderen stört. Doch trotz Liebe halten wir an unseren Gewohnheiten fest. Woran liegt das? Zunächst daran, dass Gewohnheiten zu Beginn der Beziehung anders wirken.

Was anfangs anzieht, stört später besonders

Im Verliebtsein erscheinen Gewohnheiten in einem anderen Licht. Lisa zum Beispiel war nie pünktlich. Doch Niklas hat gerne auf sie gewartet. Er kommt aus einem Elternhaus, in dem Regeln und Prinzipien alles waren. Lisas Lebensgefühl war Freiheit. Fast immer hat sie etwas Spontanes erlebt, was sie aufgehalten hat. Sie erzählte dann lachend darüber. „Verhängnisvolle Anziehung“, nennt die Paarpsychologie dieses Phänomen: Was anfangs anzieht, stört später besonders.

Außerdem lernt man den Partner in der Öffentlichkeit kennen oder empfängt ihn als Gast bei sich zu Hause. Gehen lässt man sich, wenn man wieder allein ist. Das ändert sich mit dem gemeinsamen Haushalt. Angelika war enttäuscht, als sie mit Markus auf seiner Betriebsweihnachtsfeier war – er zeigte tadellose Tischmanieren. „Warum muss er dann zu Hause mit offenem Mund kauen?“, hat sich Angelika gefragt. „Bin ich ihm weniger wichtig als die Kollegen?“

Manches zeigt sich erst mit der Zeit

Es gibt noch einen dritten Grund, warum Gewohnheiten irgendwann anders wirken. Ihre Folgen werden oft erst im Lauf der Jahre sichtbar. Justus zum Beispiel ist ein Gerechtigkeitsfanatiker. Sonja war schon immer etwas unbehaglich, wenn er Freunde entlarvt oder mit ihren Schwächen konfrontiert hat. Gleichzeitig hat sie seine Geradlinigkeit bewundert. Sonja und Justus haben sich im Studium kennengelernt. Ihr Freundeskreis war groß. Das ist heute anders, Freunde haben sich zurückgezogen. Richtig gute Freunde gewinnen Sonja und Justus immer seltener hinzu. Sonja erschrickt heute, wenn Justus mit seinem Gerechtigkeitsfimmel eine Freundschaft aufs Spiel setzt. Auch bei anderen Gewohnheiten gilt das Gesetz von Saat und Ernte: Mit der Zeit ziehen sie Folgen nach sich. Doch spätestens, wenn sie Folgen hat, müsste man eine Gewohnheit doch ändern?

Bei unseren eigenen Gewohnheiten ist uns bewusst, wie viel Aufmerksamkeit und Kraft uns eine Veränderung kosten würde. Bei den Gewohnheiten unseres Partners dagegen erscheint uns die Veränderung nur als Frage des guten Willens. Die Sozialpsychologie nennt das Akteur-Beobachter-Effekt (actor-observer-bias): Der Handelnde führt sein Verhalten eher auf die Umstände zurück. Er spürt die Einflüsse, die auf ihn wirken. Ein Beobachter jedoch sieht dessen Verhalten als Ausdruck seiner Absichten und seines Charakters.

Alte Wunden werden aufgerissen

Wenn wir uns also von unserer Partnerin oder unserem Partner eine Veränderung wünschen, heißt das zugleich, dass wir ein Stück der begrenzten Aufmerksamkeit und Willenskraft des anderen beanspruchen. Wir schicken unser Gegenüber in einen Kampf gegen den inneren Schweinehund, der viel lieber träge am Gewohnten festhält. Wir aktivieren außerdem emotionale Schemata, die mit der Gewohnheit verknüpft sind. Emotionale Schemata sind wunde Punkte, an denen wir empfindlich reagieren. Der eingangs erwähnte Widerstand meiner Frau hat bei mir sofort ein Kopfkino erzeugt: „Da kommt wieder jemand, dem jede Einfühlung und jedes Wohlwollen für mich fehlt.“ Dieser Film passt zwar nicht zu meiner Frau, er hat sich aber in meiner Kindheit so abgespielt. Mir reicht schon die Anmutung einer Rücksichtslosigkeit, um mein Kopfkino zu starten. Entsprechend abwehrend sind dann meine Reaktionen.

Der Wunsch nach Veränderung kann auch andere emotionale Schemata aktivieren: einen emotionalen Mangel (der vielleicht sogar von der Gewohnheit gelindert wird), Selbstwertverletzungen, die Erfahrung von Überforderung und viele mehr. Als Therapeut freue ich mich, wenn kleine Verhaltensänderungen ein emotionales Schema aktivieren: „Super, dann schlagen wir jetzt zwei Fliegen mit einer Klappe! Sie verbessern an diesem Punkt Ihr Leben und gleichzeitig lindern wir eine Wunde von früher.“ Aber in einer Therapie kommt der Wunsch nach Veränderung nicht von außen und man ist nicht allein in der Herausforderung.

Gewohnheiten aus Liebe annehmen

Was kann man der Person raten, die sich vom anderen eine Veränderung wünscht? Zuallererst: Einen Streit um eine Veränderung, der lange vergeblich war, kann man sich sparen – einfach, weil er nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Das klingt nicht nach einer Weisheit, die große Lebenserfahrung erfordert. Doch die Entscheidung, vergebliche Kämpfe aufzugeben, hat schon Ehen gerettet. Auch in weniger kritischen Situationen würde ich raten: „Versuche erst mal, innerlich dahin zu kommen, dass du die nervige Gewohnheit aus Liebe annehmen kannst.“ Wer glaubt, kann das auch zu einer Übung seines Glaubens machen – beten, bis sich die partnerschaftliche Liebe für eine göttliche Liebe öffnet, die alles verzeiht und alles trägt, die einlädt, die aber niemanden zwingt.

Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen Partnern, die aus Liebe ihren Wunsch nach Veränderung opfern, und Partnern, die sich zum Opfer machen. Vor den Folgen einer schlechten Gewohnheit darf und sollte man sich schützen. Dann finden die Dinge, die ein Partner im Wohnzimmer verstreut, ihren Platz in einer Box in dessen Arbeitszimmer. Dort entdeckt er, was er im nun ordentlichen Wohnzimmer nicht mehr findet. Dann muss eine Partnerin ertragen, wenn ihr Mann ein offenes Wort an Freunde richtet: „Ich liebe Sybille und ihr Herz für Tiere. Aber wenn sie so ausufernd über Tierschutz spricht, dürft ihr sie ruhig mal stoppen. Das mache ich zu Hause auch. Das soll unsere Freundschaft nicht belasten.“

Mit etwas Positivem beginnen

Wer entspannt ist und eine annehmende innere Haltung gewonnen hat, kann kaum etwas falsch machen, wenn er oder sie den Wunsch nach Veränderung ausspricht. Wenn es überhaupt einen Tipp braucht, dann: Beginnen Sie mit einem positiven Satz. Rechnen Sie mit einer Stressreaktion Ihres Partners und lassen Sie sich von dieser nicht ablenken. Bleiben Sie bei dem, was die Gewohnheit Ihres Partners für Sie bedeutet, und bei Ihrem Wunsch nach Veränderung. Lassen Sie den anderen frei darin, ob er Ihrem Wunsch folgt oder nicht.

Das könnte dann so klingen: Ihr Wunsch: „Markus, ich mag es sehr, dass du so locker und entspannt bist. Es gibt gerade nur eine Ausnahme, wo das nicht so ist: Wenn du den Mund beim Kauen offen hast. Irgendwie ist das eklig für mich.“ Die Stressreaktion: „So esse ich doch immer. Warum stört dich das plötzlich? Es hat sich noch niemand darüber beschwert.“ Ihre gelassene Fortsetzung: „Ist auch kein Drama. Vielleicht habe ich meine Gefühle da selbst nicht ernst genommen. Vielleicht wollte ich dir auch keine Vorschriften machen. Ich möchte nur, dass du weißt, dass ich so einen Ekelschauer bekomme, wenn ich dich ansehe und dir dabei in den Mund gucke …“

Selbst etwas ändern

Warum nicht eine Schwäche abstellen? Unser „Ich liebe dich!“ und „Du bist mir wichtig!“ behalten nur dann ihre Kraft, wenn wir gelegentlich einen Liebesbeweis bringen. Vielleicht ist unsere nervige Gewohnheit eine gute Gelegenheit dazu. Am besten beginnt die Veränderung dann mit Selbstannahme: „Auch mit meiner Gewohnheit bin ich okay. Ich muss nicht perfekt sein. Ich lebe – wie jedes Menschenkind – davon, dass meine Eigenarten ertragen und meine Fehler vergeben werden. Meine Motivation für meine Veränderung ist einfach: mehr zu lieben.“

Am herausforderndsten bei der Veränderung ist vielleicht die Erfahrung des Kontrollverlustes: „Ich will zwar, aber ich kann manchmal nicht. Ich versuche es, aber ich schaffe es nicht immer. “ Das kann verunsichern, entmutigen, enttäuschen oder beschämen. Aber warum sollten wir dieser grundlegenden Erfahrung des Menschseins ausweichen? Dann heißt es: dranbleiben. Billiger als durch diese Erfahrung hindurch ist Veränderung oft nicht zu bekommen. Aber es lohnt sich – als Liebesbeweis und als Charakterschule.

Jörg Berger ist Psychotherapeut und Paartherapeut in eigener Praxis.

Zur Vertiefung
Unter psychotherapie-berger.de/gewohnheiten findet sich ein Onlinekurs zum Thema.

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