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Ohne Helm?

In vielen Erziehungsfragen können Eltern unterschiedlicher Meinung sein. Und diese auch sehr laut vertreten. Wie können wir einen guten, eigenen Weg finden? Anregungen von Sandra Geissler

Vor einigen Monaten, an einem dieser wunderbar warmen Spätsommerabende, gingen der Gatte und ich aus. Die Winzer in unserem kleinen Städtchen hatten ihre Höfe geöffnet, Musik spielte und Fröhlichkeit lag in der Luft. Wir kamen um 19 Uhr, saßen in geselliger Runde mit alten Freunden zusammen, genossen den Wein, die Gespräche und das quirlige Leben um uns herum. Pünktlich um 22.15 Uhr klingelte mein Handy, und ich wusste sofort, wer dran sein würde.

Fünf Kinder waren allein zu Hause geblieben, hatten sich selbst mit Pizzabrötchen versorgt, die Chips gerecht verteilt und gemeinsam einen Film geschaut. Sie hatten es sich nett gemacht, und nun hatte einer genug. Der Gatte und ich verstanden das Signal zum Aufbruch und machten uns umgehend an das Verabschieden. Am Tisch blickten wir in entgeisterte Gesichter. „Wieso geht ihr denn jetzt schon?“

„Warum bringen sich die Kinder nicht einfach allein ins Bett, die sind doch alt genug?“ „Es ist doch gerade mal kurz nach zehn. Nur weil einer will, dass ihr zurückkommt, rennt ihr gleich los?“ „Schade, wirklich sehr schade.“

Ich bin mir sehr sicher, dass ich nur zwei Tische weiter auf ähnliches Unverständnis gestoßen wäre – nur in die andere Richtung. „Wie, ihr lasst die Kinder allein? Sind die Jüngsten nicht erst sieben? Und dann geht ihr gleich für mehrere Stunden? Das ist leichtsinnig, selbstbezogen und fahrlässig, vor allem, wenn ein Backofen dabei genutzt wird!“ Das ist das ewige Dilemma von Eltern. Welcher Weg unter tausend möglichen ist der richtige? Der, den die meisten gehen, der, der am lautesten angepriesen wird, oder doch der Trampelpfad, den kaum einer nutzt?

Blutrauschmodus deaktiviert

Mit der Geburt eines Kindes beginnt ein nicht enden wollendes Quiz an Rätselfragen, verwirrender und verworrener als das Wegenetz im deutschen Wald. Sie drehen sich um richtige Ernährung, richtige Kleidung, um Schlafgewohnheiten und Mediennutzung, um inhäusige und aushäusige Betreuung, um das richtige Maß an Zuwendung und die Art, wie wir miteinander sprechen, essen, lieben und streiten. Was den einen zu viel ist, ist den anderen zu wenig. Während die einen fröhlich Fruchtquetschies und Kekse unters Kindervolk bringen, halten die anderen einen Muffin in der Brotbox für potenzielle Kindesmisshandlung.

In manchen Familien gilt Peppa Wutz als ausgezeichnete Babysitterin, die immer willig einspringt, wenn Not an Mann oder Frau ist. Zwei Häuser weiter wird ihr der Zutritt strengstens verwehrt, denn das Parken vor Fernseher oder Tablet grenzt an Verwahrlosung und schädigt nachhaltig Kinderseelen und -gehirne. Ich kenne Kinder, die nur mit Helm auf dem Kopf im eigenen Wohnzimmer Bobby-Car fahren und andere, die sich notdürftig geschützt mit Laufrädern steile Rampen herunterstürzen. Während die einen klare Ansagen bevorzugen, halten andere strenge Worte für einen Akt von verbaler Gewalt. Schneller, als man gucken kann, wird in Erziehungs- und Familienfragen mit aller Schärfe ausgefochten, was eigentlich nicht auszufechten geht, weil es eben immer mehrere Wege gibt.

Vor einigen Jahren schenkten wir unserem Sohn ein Computerspiel zu Weihnachten, das er sich sehnlichst gewünscht hatte. Zwei Tage später las ich, dass genau dieses Spiel ein absolutes No-Go für Teenager sei, und natürlich fuhr mir der Schreck in alle Glieder. Wer will schon einen potenziellen Axtmörder großziehen? Dabei hatten wir schon längst selbst überlegt, abgewogen und gute Lösungen gefunden. Das Spiel durfte nur am Wochenende gespielt werden, zeitlich begrenzt und mit väterlicher Unterstützung. Der Blutrauschmodus war direkt deaktiviert worden. Was blieb, war ein Historienspektakel für den Geschichtsfreak. Und doch geriet ich für einen Moment schwer ins Wanken. War unser Weg denn der richtige? Was, wenn wir irrten und irreparable Schäden an der Kinderseele anrichteten?

Lösungen finden – ohne Unterlass

Die allermeisten Eltern geben sich unwahrscheinlich Mühe, auf die unzähligen Fragen des Familienlebens eine gute Antwort zu finden. Sie informieren sich auf allen gängigen Wegen, sie gleichen mit ihren persönlichen Werten ab, manche Antworten bringen sie aus ihrer eigenen Kinder- und Jugendzeit mit. Jeder Familienmensch weiß, wie mühselig dieses Geschäft mitunter sein kann und wie viel es zu berücksichtigen gilt. Nicht nur, dass wir als Eltern ohne Unterlass Antworten und Lösungen finden müssen, wir hören auch beständig die Antworten und Lösungen unserer Mitmenschen: aus berufenen Großelternmündern, in Ratgebern und auf dem Spielplatz, von Kitaerzieherinnen und dem ganzen Internet. Teilweise widersprechen sie sich, teilweise widersprechen sie unserem eigenen Wesen oder dem Wesen unseres Kindes.

Manche Zeitgenossen vertreten ihre Antworten und Lösungen mit einer Vehemenz und einem Wahrheitsanspruch, dass es einem ganz schwindelig werden kann. Schwindelig, weil man für das eigene Kind und die eigene Familie selbstredend das Beste möchte, den richtigen Weg und die einzig richtige Lösung. Schwindelig aber auch, weil bei aller Mühe die angepriesenen Wege manchmal nicht gangbar scheinen und man nur noch stolpert und klettert. Es muss doch irgendwie zu schaffen sein, was für alle anderen scheinbar mühelos machbar ist.

Und gerade weil man nichts verkehrt machen will und heilfroh ist, endlich die richtige Antwort gefunden zu haben, gerät man manches Mal selbst in Versuchung. Dann sollen es die anderen bitte schön ganz genauso machen, denn unser Weg ist der richtige. Sonst würden wir ihn doch wohl gar nicht gehen! Ehe man sich versieht, beharrt, verurteilt und überrumpelt man fröhlich drauflos, ohne zu bemerken, wie übergriffig das für andere Mütter und Väter sein kann.

Verhärtung der Fronten

Ganz egal, um welche Frage des Lebens es sich handelt, ob um Smartphone-Nutzung, Kinderbetreuung, Schlafgewohnheiten oder Fragen der Ernährung und des guten Umgangs, alle gefundenen Antworten müssen sich zuallererst an ihrer Umsetzbarkeit im eigenen Familienleben messen lassen. Keine Familie gibt es zweimal, jede für sich ist ein bunter Haufen von Individuen. Was also für die eine Sippe hervorragend funktioniert, kann die andere an den Rand der Verzweiflung bringen. Keiner kennt Sie, Ihre Werte, Ihre Eigenheiten und Besonderheiten so gut wie Sie selbst. Auf diese unschlagbaren Kenntnisse kann man durchaus vertrauen. Meiner Erfahrung nach empfiehlt sich dennoch ein großes Maß an Flexibilität, denn eine einmal gefundene Antwort kann unter Umständen ein sehr kurzes Haltbarkeitsdatum haben.

Sie halten vielleicht flammende Plädoyers gegen Smartphones für Kinder unter vierzehn, genau so lange, bis Sie Ihrem Fünftklässler beim Einsamsein zuschauen, weil keiner eingeladen wird, der nicht in der Klassen-Whats-App-Gruppe auftaucht. Sie schwören heilige Eide, dass Plastikspielzeug niemals ins Haus kommt, und dann ist der einzige Wunsch Ihres Kindes eine Plastikbabypuppe oder ein blinkendes Lichtschwert. Da können Sie weiter auf Ihrer Wahrheit beharren, oder es müssen neue Lösungen her, die für alle tragbar sind. Manche Wahrheit hat eine sehr kurze Halbwertszeit. Es ist wertvoll, von anderen Familien, anderen Werten, anderen Herangehensweisen zu hören, sich auszutauschen und neue Perspektiven einzunehmen. Vielleicht ist etwas dabei, was auch für Sie eine großartige Lösung wäre.

Wenn nicht, lassen Sie sich nicht verunsichern, verbuchen Sie es unter „interessante Information“ und verwerfen Sie getrost, was für Sie nicht passt. Beharrt Ihr Gegenüber vehement auf seiner Lösung, dann können Sie ihn freundlich darauf hinweisen, wie wunderbar es ist, dass sie diesen Weg für sich gefunden haben, und dass Sie sich auf Ihrem wohler fühlt. Damit leisten Sie einen wertvollen Beitrag für Ihren eigenen Seelenfrieden und gegen die Verhärtung der Fronten im Elterngefecht der Meinungen.

Nicht die Wahrheit für alle

Das gilt im Übrigen auch im umgekehrten Falle. Stell Sie sich vor, Sie haben recht. Sie sind von Ihrer Antwort und Ihrem Weg zutiefst überzeugt, und Ihr Gegenüber will es einfach nicht einsehen. Das kann einen schon fuchsig machen, nicht wahr? Gerade wenn es um Kinder, Familie und alle damit zusammenhängenden Weltanschauungsfragen geht. Ehe Sie sich versehen, liegt auch in Ihrer Stimme ein fieser Ton von Vehemenz und Schärfe. Schlucken Sie es runter, ich weiß, wie schwer das manchmal fällt. Ich finde es in solchen Situationen ausgesprochen hilfreich, mir für einen kurzen Moment diese Frage zu stellen: „Was ist, wenn der andere recht hat?“ Damit ziehe ich für einen Augenblick die Notbremse und mir fällt wieder ein, dass meine Wahrheit nicht die Wahrheit aller sein muss und ich nicht die leiseste Ahnung habe, wie eine andere Familie tatsächlich funktioniert und was für sie gut ist.

An jenem warmen Sommerabend überhörten der Gatte und ich die vorwurfsvollen Abschiedsworte unserer Freunde mit einem freundlichen Lächeln, denn wir hatten nicht die leiseste Lust auf ein Gefecht über Erziehungsfragen. Wir zogen zufrieden in die Nacht hinaus, denn wir hatten ein paar schöne Stunden erlebt. Jetzt freuten wir uns darauf, nach Hause zu kommen, wo fünf Kinder es nett gehabt hatten und nun gern ins Bett gebracht werden wollten. Für diesen Abend war unsere Familie hochzufrieden mit dem Weg, den wir für uns gefunden hatten. Und das ist schließlich das Einzige, was wirklich zählt.

Sandra Geissler ist katholische Diplomtheologin und zurzeit Familienfrau. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Nierstein am Rhein und bloggt unter 7geisslein.com.

Buchtipp
Gerade ist Sandra Geisslers Buch „Dieses kleine Stück Himmel. Mit allen Sinnen Familie leben“ bei SCM Hänssler erschienen. Anhand der fünf klassischen Sinne und des sechsten, des Herzenssinns, gibt sie Eltern Ideen und Anregungen an die Hand, das Familienleben zu gestalten und zu genießen.

Mutter unsicher: „Ist es okay, wenn wir uns vor den Kindern streiten?“ – Das sagt die Expertin

Schadet es den Kindern, wenn sie den Streit der Eltern mitbekommen? Nicht unbedingt, sagt Erziehungswissenschaftlerin Daniela Albert.

„Mein Mann und ich streiten uns ab und zu, mal mehr, mal weniger. Neulich hat es am Familientisch so richtig zwischen uns gekracht, und ich frage mich: Ist es okay, wenn man sich vor den Kindern streitet, oder sollte man das besser tun, wenn die Kinder nicht mit dabei sind?“

Es ist ein guter Grundgedanke, nicht vor den Kindern zu streiten. Streit zwischen den Eltern kann bei Kindern zu Verunsicherung führen. Wenn ihre beiden wichtigsten Menschen sich vor ihnen in die Haare bekommen, kommen sie selbst oft in einen Loyalitätskonflikt. Sie haben beide Elternteile lieb und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen, wenn diese gerade sauer aufeinander sind oder heftig diskutieren.

Dazu kommt, dass Elternstreit bei Kindern auch zu Ängsten führen kann. Gerade wenn diese schon alt genug sind und vielleicht schon einmal mitbekommen haben, dass Erwachsene sich getrennt haben, können sie fürchten, dass das ihren Eltern nun auch passiert. Es gibt also auf den ersten Blick gute Gründe, Streit vor den Kindern zu vermeiden.

Streiten – aber mit Regeln

Tatsächlich gehen hier jedoch in den meisten Familien Wunsch und Realität weit auseinander. Und das ist auch gar nicht so schlimm, wenn man ein paar Regeln beachtet. Wichtig ist, eine Streitkultur zu pflegen, in der kein Elternteil das andere abwertet, wissentlich kränkt oder beleidigt. Wir Menschen sind unterschiedlich impulsiv und folglich streiten manche Paare lautstärker und gefühlsgeladener als andere.

Bis zu einem gewissen Maß darf das so sein, denn unsere Kinder dürfen auch unsere Temperamente kennenlernen. Doch gerade wenn man von sich weiß, dass man zu sehr starken Gefühlsausbrüchen neigt, ist es wichtig, im Beisein der Kinder rechtzeitig die Reißleine zu ziehen und beispielsweise zum Durchatmen den Raum zu verlassen. Wenn Fragen zu tief gehen, für Sie als Eltern zu emotional besetzt sind oder schwere Themen betreffen, sollte eine Diskussion tatsächlich vertagt werden und nicht vor den Kindern stattfinden.

Streit kann lehrreich sein

Wenn wir so vor unseren Kindern streiten, können diese am Ende sogar etwas dabei lernen. Sie bekommen von Anfang an mit, dass Menschen verschiedener Meinung sein können, ja sogar einmal richtig in Konflikt miteinander geraten und sich trotzdem noch liebhaben. Sie können sehen, dass Meinungsverschiedenheiten keinen Beziehungsabbruch bedeuten müssen und nichts Bedrohliches sind. Sie können so selbst lernen, für sich einzustehen und keine Konflikte zu scheuen.

Doch das Wichtigste, was sie von uns lernen können, ist, sich nach dem Streit wieder zu vertragen. Generell halte ich viel davon, sich Dinge nicht lange nachzutragen und sie schnellstmöglich zu klären. Wie wäre es mit einer für die Kinder sichtbaren Versöhnung, sobald der Essenstisch abgeräumt und das Streitthema geklärt ist? Falls es einmal nicht so schnell gehen kann, finde ich es wichtig, den Kindern hinterher zumindest zu erzählen, dass der Streit geklärt ist und man sich wieder vertragen hat.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern– und Familienberaterin (familienberatung-albert.de). Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel und bloggt unter eltern-familie.de. 

Streit mit der Teenie-Tochter: Expertin verrät, wie Sie die Situation entschärfen

Die Pubertät ist eine Zerreißprobe für Eltern. Pädagogin Stefanie Diekmann gibt Tipps, was sie tun können, wenn das Kind sie zur Weißglut bringt.

„Meine Teenie-Tochter (15) und ich rasseln immer häufiger aneinander, ja, sie bringt mich richtig zur Weißglut! Neulich habe ich sie angeschrien und mich danach total schrecklich gefühlt – sie sich natürlich auch. Wie kriege ich es hin, meine Wut unter Kontrolle zu halten, ihr aber auch zu vermitteln, wo sie meine Grenzen überschreitet?”

Diese Zeiten fordern viel – von Eltern und den Teens. Gerade war man als Familie noch ein eingespieltes Team, nun trifft die Pubertät mit irritierenden Pfeilen in die vertrauten Beziehungen. Die Heranwachsenden suchen Halt in ihrer sich so stark verändernden Welt. Halt, den sie sich tatsächlich besonders in der Familie suchen. Paradoxerweise geschieht dies gerade bei Vertrauten durch Pöbeln, Motzen, Provozieren und Boykottieren. Paradoxerweise, denn das Abgrenzen durch Bemerkungen und Sticheleien fühlt sich nicht an, als würde der oder die Jugendliche Halt suchen.

Ja, Teenager sind gute Beobachter und haben über ihre Eltern durch die gemeinsame Lebenszeit ausreichend „belastendes“ Material angesammelt. Mit wenigen Bemerkungen werden Treffer gelandet, die gerade Eltern schmerzhaft aus dem Gleichgewicht bringen. Nicht selten sind Schnappatmung, plötzlicher Zorn und Empörung nach einem gut gesetzten Teenie-Blick oder Kommentar die Begleiterscheinungen für Eltern von Pubertierenden auf der Suche nach Halt.

Grenzen klar machen

Gerade weil der junge Mensch Halt sucht, ist es notwendig, dass Eltern bewusst ihr Stoppschild sichtbar machen. Geben Sie Ihrer Tochter Halt durch eine klare Haltung. Bedenken Sie: Ihre Tochter bringt zwar persönlich verletzende Argumente vor, es geht ihr aber nicht um die Beziehung.

Sie testet unbewusst: Halten meine Eltern das aus? Sie als Eltern dürfen die angespannte Situation verlassen, sich gegebenenfalls sogar gegenseitig an das Verlassen erinnern. Einige Familien einigen sich auf Codewörter, die beide Seiten nennen dürfen. Andere verabreden zusammen, dass sie nicht das Haus verlassen, aber im Schlafzimmer ungestört sein können.

Ins Gespräch kommen

Das Verlassen der akuten Situation erscheint Eltern paradox, weil sie ihren aufgeplusterten Giftschützen unbedingt im Vollzug das „So nicht!“ verdeutlichen und ihre Macht demonstrieren wollen. Das fördert aber eher den Willen nach Unabhängigkeit des Jugendlichen und eine weitere Stufe der Emotionen wird freigeschaltet. Die gewünschte Einsicht ist allein von der Gehirnbeschaffenheit im Streit nicht möglich und führt eher zu Eskalationen, die die Beziehung sehr belasten.

Nehmen Sie in einem ruhigeren Moment das Gespräch mit der Tochter wieder auf. Rutschen Sie dabei nicht auf ihre Stufe und reagieren Sie nicht nachtragend. Die Frage: „Wie ging es dir im letzten Streit mit mir?“ hilft, sich gegenseitig neu kennenzulernen und den wirklichen emotionalen Druck des Haltsuchenden als Eltern zu verstehen. Dabei kann auch zur Sprache kommen, welche verletzenden Kommentare Sie von Ihrem austickenden Teen nicht mehr hören möchten. Im Gespräch zu bleiben, ist die Grundvoraussetzung für das Überleben der Beziehungen. Dann kann es auch nach Turbulenzen später wieder Humor und Respekt geben.

Stefanie Diekmann ist Pädagogin, Trainerin für Eltern und Autorin. Sie gestaltet mit ihrem Mann die Kirchengemeinde EFG Göttingen und genießt ihre Familie. 

„Unser dreijähriger Sohn hört nicht auf ‚Nein!'“ – Das rät die Expertin

Was tun, wenn das Kind nicht gehorcht? Erziehungswissenschaftlerin Daniela Albert erklärt, wie Eltern reagieren sollten und was sie unbedingt vermeiden müssen.

„Unser Sohn (fast 4) hört nicht auf uns. Trotz mehrmaligem Nein-Sagen und dem Androhen von Konsequenzen zieht er sein Verhalten durch und bereitet uns damit nicht nur Stress, sondern bringt sich auch selbst in Gefahr! Auch anderen fällt dieses Verhalten auf. Manche raten uns zu mehr Härte. Müssen wir unser Kind denn strafen, damit es gelingt?“

Ihr Sohn ist mit drei Jahren noch sehr klein. Oft erwarten wir von Kindern in diesem Alter zu viel Kooperation. Besonders das „Hören“ auf Zuruf funktioniert in dieser Phase oft noch nicht. Wenn Kinder sich ein Ziel gesetzt haben (zum Beispiel auf das höchste Klettergerüst auf dem Spielplatz zu kommen), dann ist der kindliche Fokus genau dort und nicht bei dem, was Sie sagen. Auch die Gründe für Ihre Verbote kann Ihr Sohn selbst noch nicht abschätzen, sodass es ihm noch schwerer fällt, seine Aktivität zu stoppen. Das, was er tut, ist in diesem Moment sehr wichtig für ihn, und es fällt ihm schwer, umzudenken.

Reagieren Sie ruhig!

Was Ihr Sohn in solchen Momenten wirklich braucht, ist Ihre Begleitung. Wenn Sie beobachten, dass er etwas tut, was er nicht soll, dann gehen Sie zu ihm. Erklären Sie ihm in ruhigen und wenigen Worten, dass das nicht geht. Und wenn er es trotzdem tun möchte, nehmen Sie ihn sanft aus der Situation. Es ist völlig in Ordnung, ein kleines Kind wegzutragen oder festzuhalten, wenn es dabei ist, sich in Gefahr zu bringen oder andere Dinge zu tun, die nicht gewollt sind.

Es kann sein, dass Ihr Kind dann mit Wut oder Trauer reagiert. Hier ist es wichtig, dass Sie diese Gefühle begleiten und sie ihm nicht übelnehmen. Wenn er jetzt schreit, weint, sich auf den Boden wirft, sie beschimpft oder vielleicht sogar hauen will, dann liegt das daran, dass er in diesem Moment sehr frustriert und sein kleines Nervensystem überfordert ist.

Härte bringt nichts

Genau deshalb würde auch „mehr Härte“ nichts bringen. Ihr Sohn würde den Zusammenhang zwischen einer Strafe und seinem Verhalten gar nicht verstehen, sondern nur mitnehmen, dass Sie etwas für ihn Unangenehmes tun. Zudem schaden Strafen Ihrer Beziehung zueinander, und Konfliktsituationen verschärfen sie mittelfristig eher, als dass sie sich dadurch lösen lassen.

Ein Gedanke zum Schluss: Die Entwicklungsphase, in der Ihr Sohn sich befindet, ist sowohl schön als auch herausfordernd. Gerade wenn er sehr unternehmungsfreudig und willensstark ist, kann es in dieser Zeit auch anstrengend werden. Das Letzte, was Sie in schwierigen Situationen brauchen, sind Menschen, die Ihnen durch „Ratschläge“ noch mehr Druck aufbürden. Ich möchte Sie ermutigen, solche Sätze zukünftig zu ignorieren und mit Ihrer Aufmerksamkeit ganz bei sich und Ihrem Kind zu bleiben.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern– und Familienberaterin (familienberatung-albert.de). Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel und bloggt unter eltern-familie.de. 

„Traut euch was zu“ – Familien-Redakteurin macht Ansage an die Papas

Väter sollten sich viel mehr in die Erziehung ihrer Kinder einbringen, findet Family-Redakteurin Bettina Wendland. Aber auch die Mütter sieht sie in der Pflicht.

„Mein Mann lässt mir zum Glück freie Hand.“ Dieser Satz einer Mutter in Bezug auf die Erziehung ihrer Kinder hat mich ziemlich geschockt. Da freut sich eine Mutter darüber, dass sie ihre Ideen unbehelligt von ihrem Mann umsetzen kann. Nur ein Einzelfall?

Eine andere Mutter schreibt in ihrem Blog darüber, dass sie ihre Tochter schon in der Kita angemeldet hatte, aber hin- und hergerissen war, ob das das Richtige sei. Sie schildert ihr Abwägen, Gespräche mit Freundinnen, schlaflose Nächte – ihr Mann (den sie offensichtlich hat) kommt bei diesen Überlegungen nicht vor. Kann natürlich sein, dass er im Blog nicht erwähnt werden möchte. Aber im Mama-Blog-Universum scheint auch nicht so wichtig zu sein, was der Papa meint …

Oft ist Papa nur die Nr. 2

Kürzlich haben wir auf Facebook einen Artikel geteilt, in dem sich ein Vater darüber beklagt, dass seine Tochter lieber von Mama im Kindergarten abgeholt wird. Daraufhin kam es zu einer Diskussion: Ist Mama deshalb bei Kindern die Nummer 1, weil Papa sich aus Unsicherheit oder Bequemlichkeit zurückhält? Oder liegt es an den Müttern, die den Vätern zu wenig zutrauen und meckern, wenn sie etwas anders machen?

Natürlich sind nicht alle Väter, Mütter und Kinder gleich. Aber ich habe den Eindruck, dass oft beides stimmt: Väter lassen sich schnell verunsichern, wenn das Baby oder Kind auf sie nicht genau so begeistert reagiert wie auf die Mama. Aber es ist nun mal so, dass Mama oft Bezugsperson Nr. 1 ist, Papa „nur“ Nr. 2. Sich dann aber zurückzuziehen und Mama machen zu lassen, ist genau die falsche Reaktion. „Jetzt erst recht!“ – das würde ich mir von Vätern wünschen: Jetzt erst recht kuscheln! Jetzt erst recht die Windel wechseln! Jetzt erst recht trösten! Jetzt erst recht vom Kindergarten abholen!

Mütter: Lasst die Väter machen!

Und die Mütter? Die sollten den Vätern auch mal das Feld überlassen. Nicht erst, wenn sie nicht mehr können. Nicht nur dann, wenn Papa es genau so macht wie Mama. Vielleicht muss dann manches intensiver diskutiert werden. Aber auch Papas haben das Recht und die Pflicht, bei Erziehungsfragen mitzuentscheiden! Der Mama freie Hand zu lassen, klingt erst mal gut, ist meines Erachtens aber der falsche Weg!

Bettina Wendland ist Redakteurin bei Family und FamilyNEXT und lebt mit ihrer Familie in Bochum.

„Bei Papa darf ich das“ – In diese Erziehungsfalle sollten Eltern nicht tappen

Papa erlaubt alles, was Mama verbietet? Das kann zum echten Problem werden, sagt Erziehungswissenschaftlerin Melanie Schüer.

„Mein Mann reagiert nachgiebiger als ich. Wenn ich etwas verbiete, erlaubt er es. Schadet das den Kindern? Was können wir tun?“

Dass Eltern nicht in allen Erziehungsfragen gleicher Meinung sind, ist völlig normal. Dennoch ist es wichtig, dass Sie sich über wesentliche Fragen austauschen und eine gemeinsame Linie finden. Denn wenn Sie als Mutter etwas verbieten und Ihr Mann genau das erlaubt, werden Sie als Eltern für Ihr Kind unglaubwürdig. Das Kind wird dadurch geradezu provoziert, die Eltern gegeneinander auszuspielen – nicht aus böser Absicht, sondern weil es so Dinge erreichen kann, die es sich wünscht. Das schwächt aber die Verlässlichkeit der Eltern und den Zusammenhalt untereinander – und der ist eine unverzichtbare Grundlage für ein gutes Familienleben.

Kleine Ausnahmen sind nicht schlimm

Bei Großeltern ist das etwas anderes – Kinder können schon recht früh verstehen, dass bei Oma und Opa andere Regeln gelten. Wenn aber zu Hause die Regeln ständig wechseln, dann bekommen Kinder den Eindruck, dass die Regeln nicht ganz so wichtig sein können. Natürlich müssen auch Eltern nicht in allen Angelegenheiten gleich handeln. Wenn der Papa mal etwas erlaubt, was Sie eher verboten hätten, was aber keine große Bedeutung hat oder im Alltag kaum vorkommt, ist das kein Drama. Zum Beispiel: Der Papa ist mit den Kindern unterwegs und kauft ihnen ein Eis, obwohl es bald schon Abendessen gibt. Oder: Es ist Wochenende und der Papa bringt die Kinder etwas später ins Bett als sonst. Solange das Ausnahmen bleiben – halb so wild. Wenn aber bestimmte Konflikte häufiger auftreten oder es um konkrete Regeln im Familienalltag geht (zum Beispiel Medienzeiten), dann wird es schwierig, wenn die Eltern nicht an einem Strang ziehen.

Reden hilft

Wichtig ist, unterschiedliche Haltungen dann nicht als persönliche Kränkung zu verstehen. Ihr Mann wird seine Gründe haben. Das können zum Beispiel eigene Erfahrungen sein oder eine andere Prägung. Dennoch sollten Sie ihn bitten, mit Ihnen über diese unterschiedlichen Ansichten zu sprechen. Das sollte nicht vor den Kindern und unter Zeitdruck geschehen, sondern zu zweit und in Ruhe. Fragen Sie Ihren Mann, warum er anderer Meinung ist als Sie – hören Sie aufmerksam zu und respektieren Sie seine Ansichten. Erklären dann auch Sie, weshalb Sie bestimmte Grenzen wichtig finden und versuchen Sie, einen Kompromiss zu finden – eine Vereinbarung, hinter der Sie beide stehen und die Sie dann auch geschlossen durchsetzen können.

Beratungen vermitteln neutral

Sollte Ihr Mann trotzdem immer wieder besprochene Grenzen nicht durchsetzen, gilt es herauszufinden, woran das liegt: Fehlt ihm die Energie dafür? Wenn ja, was könnte er ändern? Früher schlafen gehen, mehr Bewegung, frische Luft, ein Gesundheits-Check-Up? Ist er der Meinung, die Grenzen, die Sie setzen möchten, seien eigentlich unwichtig? Oder gibt es Probleme in der Beziehung zu seinen Kindern? Wenn Sie zu zweit nicht weiterkommen, scheuen Sie sich nicht, ein Gespräch in einer Erziehungsberatungsstelle zu vereinbaren. Tatsächlich ist es oft sehr hilfreich, wenn eine neutrale Person zuhört und vermittelt. Denn diese hat eine ganze andere Perspektive und kann dadurch wertvolle Impulse geben. Sollte Ihr Mann sich weigern, können Sie auch erst einmal für sich allein einen Termin vereinbaren. Adressen finden Sie unter dajeb.de.

Melanie Schüer ist Erziehungswissenschaftlerin und Gesundheitsberaterin. Sie bietet Beratungen für Eltern von Babys und Kleinkindern mit Schrei- und Schlafproblemen sowie für Schwangere an (neuewege.me).

Frust beim Spielen: Das rät die Erzieherin, wenn das Kind nicht verlieren kann

Verlieren können Kinder lernen. Eltern sollten dabei vor allem darauf achten, was hinter der Aggression steckt, sagt Expertin Margrit Dietze.

„Mein Sohn (7) kann es nicht gut haben, wenn er beim Spielen verliert. Er wird richtig sauer und hat vor Wut und Enttäuschung auch schon ein paar Mal das Spielbrett vom Tisch geworfen. Wie können wir als Eltern angemessen darauf reagieren?“

Gemeinsames Spielen in der Familie ist wichtig. Es stärkt das Gemeinschaftsgefühl und ist ein wichtiges Lernfeld für das Leben. Im Spiel lernen Kinder, mit Frustration und Enttäuschung umzugehen. Es gibt jedoch Kinder, die mit der Frustration des Verlierens nicht gut umgehen können, und so wird aus dem schönen gemeinsamen Spiel nicht selten eine unschöne Situation für alle Teilnehmer.

Was steckt hinter den Gefühlsausbrüchen?

Wenn Ihr Sohn grundsätzlich ein Problem damit hat zu verlieren, können bestimmte Gefühle dahinterstecken, die sich im Spiel äußern. Wenn Kinder das Verlieren persönlich nehmen, sehen sie im Verlieren vielleicht eine Herabsetzung ihrer Person und reagieren dementsprechend. Vielleicht hat Ihr Sohn das Gefühl, nicht genug Anerkennung zu bekommen? Vielleicht sieht er in den anderen Spielteilnehmern eine Konkurrenz und fühlt sich unterlegen? Oder er ist Niederlagen nicht gewöhnt, da ihm Hindernisse zu schnell aus dem Weg geräumt werden?

Ruhig bleiben!

Wenn das Spielbrett vom Tisch gefegt wird, ist es für Eltern schwer, ruhig zu bleiben. Aber in dieser Situation ist genau das besonders wichtig! Vorwürfe helfen in dem Moment nicht, da der Frust über die Niederlage ein sehr schwer zu kontrollierendes Gefühl ist. Besser ist es, erst einmal abzuwarten, bis Ihr Sohn sich beruhigt hat. Besprechen Sie die Situation dann mit ihm, nehmen Sie seine Gefühle ernst und geben Sie ihnen Worte wie zum Beispiel: „Du warst gerade richtig sauer, weil du lieber gewinnen wolltest, richtig?“
Sprechen Sie aber auch darüber, welche Gefühle es in Ihnen auslöst, wenn Ihr Sohn sich so verhält – am besten in „Ich-Botschaften“. Vermeiden Sie unbedingt ironische Bemerkungen über das Verhalten Ihres Kindes.

Nicht gewinnen lassen!

Lassen Sie Ihr Kind beim nächsten Mal auf keinen Fall absichtlich gewinnen, um Wutanfälle zu vermeiden. Das merken Kinder und sind darüber noch frustrierter. Suchen Sie stattdessen gemeinsam mit Ihrem Sohn nach Alternativen, wie er sich bei Spielfrust verhalten kann, zum Beispiel: gegen einen Gegenstand boxen, aus dem Zimmer gehen, einen spielerischen Kampf mit Papa eingehen – je nachdem, welche Ideen Ihr Kind dafür hat.

Verstärken Sie das positive Verhalten Ihres Kindes im normalen Alltag durch lobende Anerkennung. Räumen Sie ihm Probleme nicht zu schnell aus dem Weg, sondern lassen Sie ihn selbst Lösungen finden. Nicht zuletzt: Seien Sie Ihrem Sohn ein Vorbild. Kinder beobachten genau, wie wir mit Frustration umgehen und wenden dieses Verhalten selbst an.

Margrit Dietze ist Erzieherin und Autorin für pädagogische Bücher und Kinderlieder und Pflegemutter.

Unser Sohn guckt Pornos

„Ich habe gesehen, dass mein Sohn (11) sich auf dem Familienlaptop pornografische Fotos und Videos angeschaut hat. Wie gehe ich jetzt damit um?“

Junge Menschen durchleben in ihrer Entwicklung zum Teenager und Jugendlichen eine sehr verletzliche Zeit. Schon kleine Verunsicherungen in Gruppensettings können sie so stark beunruhigen, dass sie sie fortan meiden. Dabei muss es nicht bleiben. Gerade introvertierte Menschen dürfen üben, sich in Gruppen hineinzuleben.

Vertrauen schaffen

Um einen Zugang zu wertvollen Inhalten zu schaffen, ist es zunächst notwendig, bei introvertierten Teens ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen herzustellen. Familien können sich dazu zum Beispiel öfter nach dem Gottesdienst zum Kochen (zum Beispiel in der Kirche) treffen, um ihren Teens zu ermöglichen, miteinander vertraut zu werden. Am Anfang werden noch alle bei ihren Eltern sitzen, doch schnell wird ein Kartenspiel oder eine Runde Fußball die Familien durchmischen. Auch die Mitarbeitenden des Teenkreises können dazukommen. Dieses Kennenlernen bedeutet für die Eltern zwar vielleicht Verzicht auf den sonntäglichen Mittagsschlaf, aber ein Investieren in diese Gemeinschaft als Vorbild für ihre Kinder. Wenn Glaube entdecken und teilen wichtig ist, darf es im Alltag auch etwas kosten.

Sicherheit kann auch ein vorhersehbarer Rahmen einer ersten Mitarbeit bieten. Introvertierte Menschen sind Juwelen für stille, oft übersehene Kinder in der Kindergottesdienstarbeit, mit Senioren oder bei Bastelstationen an quirligen Kirchenfesten – wichtig ist, die Aufgabe klar zu umreißen. In kleineren Gruppen wie einem Minihauskreis kann ein Teenager wie Ihrer seine Fragen ohne Druck durchdenken. Hier lohnt es sich, eine Seniorin zu fragen oder eine Frau aus dem Umfeld der Familie, der Ihre Tochter vertraut.

Zugänge zu Gott

Es gibt verschiedene Zugänge zu Gott: durch Musik, Malen, Naturzeiten, Tagebuchschreiben. Versuchen Sie, Ihrer Tochter zu helfen, ihren ganz persönlichen Weg zu entdecken. Das persönliche Entdecken des Glaubens braucht in der Jugendzeit noch Beispiele wie durch moderne Musik, ein gutes christliches Jugendmagazin oder Bücher etwa von Nick Vujicic, Michael Stahl oder Verena Keil. Darüber bieten Sie ihr ohne Druck eine Infoquelle über Gott im Alltag an.

Das Allerwichtigste für Ihre Tochter sind jedoch Sie und dass Sie als Familie über Gott reden, Fragen stellen, laut grübeln und sich über Gott freuen. So nimmt sie am meisten mit.

Stefanie Diekmann ist Pädagogin, Trainerin für Eltern und Autorin. Sie gestaltet mit ihrem Mann die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Göttingen und genießt ihre eigene Familie.

Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

 

Verlieren können muss man lernen

„Mein Sohn (7) kann es nicht gut haben, wenn er beim Spielen verliert. Er wird richtig sauer und hat vor Wut und Enttäuschung auch schon ein paar Mal das Spielbrett vom Tisch geworfen. Wie können wir als Eltern angemessen darauf reagieren?“

Gemeinsames Spielen in der Familie ist wichtig. Es stärkt das Gemeinschaftsgefühl und ist ein wichtiges Lernfeld für das Leben. Im Spiel lernen Kinder, mit Frustration und Enttäuschung umzugehen. Es gibt jedoch Kinder, die mit der Frustration des Verlierens nicht gut umgehen können, und so wird aus dem schönen gemeinsamen Spiel nicht selten eine unschöne Situation für alle Teilnehmer.

Ruhig bleiben!

Wenn Ihr Sohn grundsätzlich ein Problem damit hat zu verlieren, können bestimmte Gefühle dahinterstecken, die sich im Spiel äußern. Wenn Kinder das Verlieren persönlich nehmen, sehen sie im Verlieren vielleicht eine Herabsetzung ihrer Person und reagieren dementsprechend. Vielleicht hat Ihr Sohn das Gefühl, nicht genug Anerkennung zu bekommen? Vielleicht sieht er in den anderen Spielteilnehmern eine Konkurrenz und fühlt sich unterlegen? Oder er ist Niederlagen nicht gewöhnt, da ihm Hindernisse zu schnell aus dem Weg geräumt werden?

Wenn das Spielbrett vom Tisch gefegt wird, ist es für Eltern schwer, ruhig zu bleiben. Aber in dieser Situation ist genau das besonders wichtig! Vorwürfe helfen in dem Moment nicht, da der Frust über die Niederlage ein sehr schwer zu kontrollierendes Gefühl ist. Besser ist es, erst einmal abzuwarten, bis Ihr Sohn sich beruhigt hat. Besprechen Sie die Situation dann mit ihm, nehmen Sie seine Gefühle ernst und geben Sie ihnen Worte wie zum Beispiel: „Du warst gerade richtig sauer, weil du lieber gewinnen wolltest, richtig?“
Sprechen Sie aber auch darüber, welche Gefühle es in Ihnen auslöst, wenn Ihr Sohn sich so verhält – am besten in „Ich-Botschaften“. Vermeiden Sie unbedingt ironische Bemerkungen über das Verhalten Ihres Kindes.

Nicht gewinnen lassen!

Lassen Sie Ihr Kind beim nächsten Mal auf keinen Fall absichtlich gewinnen, um Wutanfälle zu vermeiden. Das merken Kinder und sind darüber noch frustrierter. Suchen Sie stattdessen gemeinsam mit Ihrem Sohn nach Alternativen, wie er sich bei Spielfrust verhalten kann, zum Beispiel: gegen einen Gegenstand boxen, aus dem Zimmer gehen, einen spielerischen Kampf mit Papa eingehen – je nachdem, welche Ideen Ihr Kind dafür hat.

Verstärken Sie das positive Verhalten Ihres Kindes im normalen Alltag durch lobende Anerkennung. Räumen Sie ihm Probleme nicht zu schnell aus dem Weg, sondern lassen Sie ihn selbst Lösungen finden. Nicht zuletzt: Seien Sie Ihrem Sohn ein Vorbild. Kinder beobachten genau, wie wir mit Frustration umgehen und wenden dieses Verhalten selbst an.

Margrit Dietze ist Erzieherin und Autorin für pädagogische Bücher und Kinderlieder und Pflegemutter.

Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

 

Vom Kind beim Sex entdeckt – Wie Sie jetzt reagieren sollten

Das kann immer mal passieren: Mitten im Schäferstündchen platzt das Kind ins Schlafzimmer. So finden Mama und Papa die richtigen Worte.

„Unser Sohn (7) hat uns beim Sex erwischt. Wir sind uns unsicher, wie wir nun damit umgehen sollen. Wie kann man das in diesem Alter besprechen?“

In solchen Situationen sind nicht selten die Erwachsenen schockierter als die Kinder. Sprechen Sie Ihren Sohn in einer ruhigen, entspannten Atmosphäre vorsichtig an und fragen Sie, wie er das Erlebnis wahrgenommen hat.

Das kann zum Beispiel so aussehen: „Als du vorhin hereingekommen bist, hast du ja gesehen, wie dein Papa und ich nah beieinander lagen. Hast du dich da gewundert oder hast du Fragen dazu?“ Warten Sie erst einmal ab, wie Ihr Kind die Situation überhaupt erlebt hat und was es gern wissen möchte. Wenn es sich zurückhaltend zeigt, kann man noch etwas konkreter werden: „Wir haben da miteinander gekuschelt auf eine Weise, wie das nur Erwachsene machen. Das ist eine Art, wie zwei Erwachsene sich zeigen, wie lieb sie sich haben und dass sie zusammengehören. Hast du dazu noch Fragen oder kam dir etwas seltsam vor?“

Was soll ich ihm sagen? 

Das Prinzip dabei ist, möglichst locker und gelassen mit dem Thema umzugehen und zu signalisieren: Das ist etwas Normales und du darfst dazu fragen, was du möchtest. Gleichzeitig sollte man das Kind nicht mit Informationen überhäufen, mit denen es womöglich noch gar nichts anfangen kann. Man gibt also erst einmal ein kleines Häppchen Information und erkundigt sich, ob das Kind noch mehr darüber wissen möchte und welche Fragen es noch hat.

In diesem Alter ist das Interesse der Kinder an diesem Thema recht unterschiedlich ausgeprägt – manchen wird eine Erklärung wie die oben beschriebene völlig ausreichen, andere werden genauer wissen wollen, was denn bei diesem „besonderen Kuscheln“ passiert. In der Regel gilt: Wenn ein Kind konkret fragt, kommt es mit der Antwort (kindgerecht ausgedrückt, aber wahrheitsgemäß) auch zurecht. Wenn es zu viele Informationen sind oder es einfach noch nicht so relevant für das Kind ist, kommt es auch häufig vor, dass das Kind die Erklärung wieder vergisst und irgendwann erneut nachfragt und scheinbar nichts mehr von dem Gespräch weiß.

Wie kann ich es formulieren?

Hier eine mögliche Formulierung: „Männer haben ja einen Penis und Frauen eine Vagina. Wenn jetzt ein Mann und eine Frau, die sich sehr liebhaben, miteinander kuscheln, dann können auch der Penis und die Vagina miteinander kuscheln. Dazu kommt der Penis in die Vagina hinein und der Mann und die Frau können sich dabei auch küssen oder streicheln. Manchmal machen die Erwachsenen dabei auch Geräusche, weil ihnen das Kuscheln so gut gefällt. Das ist das, was du bei uns gerade mitbekommen hast. Möchtest du dazu noch etwas wissen?“

Wenn das Kind interessiert wirkt, kann man natürlich noch erklären, dass auf diese Weise auch Babys entstehen können, weil aus dem Penis Samenzellen kommen, die ein Ei im Bauch der Frau befruchten können, woraus dann ein Baby entstehen kann. Wenn das Kind aber eher den Eindruck vermittelt: „Danke, mir reicht’s!“, dann ist es ratsam, es erst einmal bei dieser Auskunft zu belassen und das Gespräch mit einem Satz wie: „Okay, wenn du dazu irgendwann noch einmal etwas wissen willst, kannst du uns gern fragen“ zu beenden.

Melanie Schüer ist verheiratet, zweifache Mutter, Erziehungswissenschaftlerin und als freie Autorin und Elternberaterin tätig.