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Archiv für die Kategorie: Artikel aus Family

Erdbeeren im Winter

Aus Liebe zur Schöpfung: Warum uns der Klimaschutz so schwerfällt, er aber trotzdem unerlässlich ist. Von Robert Pelzer

Nach dem Abendessen machte ich mich daran, die Pfannen und Töpfe abzuwaschen. Ich suchte das Spüli, fand es aber nicht. Stattdessen stand dort diese neue schicke Flasche, die aussah wie ein Seifenspender. Ich drückte oben drauf und bekam etwas Schaum in die Hand. Als ich meine Frau fragte, was das sei, erzählte sie mir erfreut, dass sie wasserlösliche Tabletten besorgt habe. Nun bräuchten wir keine Spüliflaschen mehr zu kaufen, was ja Verpackungsmüll einsparen würde. Das fand ich gut, und ich machte mich mit dem Schaumspender an den Abwasch. Ich merkte schnell, dass ich sehr oft auf dieses Fläschchen drücken musste, um genügend Spülmittel für die fettigen Pfannen zu bekommen und dass selbst mit viel Schaum die Spülkraft nur so mittelmäßig war. Als Letztes spülte ich das Backpapier ab. Wir haben wiederverwendbares Backpapier, denn das spart Müll. Ich bekam die klebrige Schicht jedoch einfach nicht ab. Letzten Endes trennten wir uns von den Spülitabletten und entsorgten den nachhaltigen Spender wieder. Weil wir die klebrige Schicht auch mit normalem Spülmittel nicht wegbekamen, entsorgten wir auch das wiederverwendbare Backpapier, das sich als doch gar nicht so wiederverwendbar erwiesen hatte.

Ich war frustriert. Wir wollen doch unseren Beitrag leisten, Ressourcen sparen, weniger Energie und weniger Plastik konsumieren. Das ist uns allen wichtig, vor allem meiner 12-jährigen Tochter. Seit Neuestem liebt sie Unverpacktläden und gibt dort immer ihr Taschengeld aus. Wir essen kaum noch Fleisch, etwa einmal pro Woche als Familie. (Okay, ich esse auf der Arbeit manchmal heimlich einen Burger zum Mittag, meine Kinder nehmen in der Schulkantine hin und wieder das Fleischgericht, weil vegetarisch an dem Tag mit Blumenkohl ist, und vielleicht machen wir noch eine kleine Ausnahme und gehen am Wochenende Döner essen.) Alles in allem geben wir uns Mühe, finde ich. Aber ich bin frustriert, weil sich der Aufwand manchmal nicht zu lohnen scheint und zumindest durch diese Spüli- und Backpapiergeschichte mehr Müll entstanden ist, als wenn wir einfach normal weitergemacht hätten.

Es ist kompliziert

Aber warum bin ich eigentlich frustriert? Nur weil ein paar gut gemeinte, aber undurchdachte Produktlösungen nicht zielführend waren? Eigentlich ist es doch toll, dass die Industrie versucht, mit kreativen Lösungen dem Thema Nachhaltigkeit zu begegnen. Und es ist auch klar, dass dabei nicht jeder Ansatz erfolgreich sein kann. Nein, ich merke, dass die Gründe für meine Frustration andere sind.

Zuallererst ist es kompliziert und vielschichtig. Auf der Arbeit hatte letzten Januar jemand Erdbeeren mitgebracht. Ich saß in der Pause am großen Gemeinschaftstisch, nahm mir eine Erdbeere und bot meinem Kollegen auch eine an. Dieser schaute mich entgeistert an, schüttelte den Kopf und sagte: Erdbeeren im Januar? Ich verstand sofort, was er meinte. Irgendwie hatte er recht. Erdbeeren im Winter zu essen, muss ja nicht sein. Und doch wird es kompliziert: Plötzlich ist es falsch, Obst zu essen. Ständig muss man dazulernen und erfährt zum Beispiel, dass Avocados Unmengen an Wasser in Regionen verbrauchen, wo dies Mangelware ist und den Kleinbauern fehlt.

Ein anderer Freund fragte neulich, ob er denn bald nur noch Moos essen dürfe, ohne sich schlecht zu fühlen, und drückte damit das Grundgefühl aus, das viele gerade haben: So vieles, was man bisher sorglos konsumieren konnte, scheint neuerdings dem Planeten zu schaden. Zugegeben, das Dazulernen ist manchmal anstrengend. Ich kann mich doch im Alltag nicht ständig mit allen Zusammenhängen befassen, um sicherzustellen, dass ich auch wirklich nachhaltig bin, oder? Ja und nein. Vielleicht müssen es nicht alle Themen auf einmal sein, sondern Stück für Stück. Aber wir leben nun mal in und vor allem profitieren wir von einer global vernetzten Welt, in der unser Handeln Konsequenzen irgendwo anders hat. Dass wir diese Konsequenzen bedenken, hat etwas mit der Verantwortung zu tun, die erwachsene Menschen für ihr Tun übernehmen müssen.

Ohnmachtsgefühl

Doch es kann sich schnell das Gefühl einstellen, dass das ganze eigene Leben eine Belastung für den Planeten sei. Auf einer Fridays-for-Future-Demo, auf der ich mit meiner Tochter war, fielen mir Mädchen auf, die T-Shirts trugen mit Slogans wie „Parasit Menschheit“. Es stimmt ja, dass wir als Menschen der maßgebliche Grund für die Zerstörung des Planeten sind, aber andererseits sind wir ja auch Teil dieses Planeten. Die Natur und wir – das lässt sich nicht trennen. Und meines Erachtens liegt darin auch schon die Lösung des Problems. Wenn wir anfangen würden zu verstehen, dass wir nicht außerhalb der Natur existieren, sondern Teil von ihr sind und sie brauchen, dann beenden wir hoffentlich schleunigst ihre Zerstörung.

Aber dann stellt sich mir manchmal die Frage, ob alle unsere Anstrengungen überhaupt etwas bringen, und ich bekomme dieses lähmende Ohnmachtsgefühl. In Anbetracht der Situation und der Fülle an Themen und Zusammenhängen kann man schon das Gefühl bekommen, die Lage sei aussichtslos. Menschen vermeiden Plastik und lernen dann, dass Glas aus Gründen der Energiebilanz auch nicht unproblematisch ist. Ich habe aber manchmal den Eindruck, dass eine „Das bringt doch eh nichts“-Haltung nur eine Ausrede ist, passiv zu bleiben. Ich habe schon mit Menschen diskutiert, die gegenüber allen Hilfsorganisationen eine zynische Haltung hatten, nur um zu rechtfertigen, dass sie nie spenden.

Warten auf die Apokalypse

Neben Zynikern, Turbo-Kapitalisten und Klimaleugnern, die den menschengemachten Klimawandel für eine Lüge halten, gibt es noch eine andere Gruppe, die leider manchmal dadurch auffällt, dass sie dem Thema Klimaschutz nicht allzu viel Bedeutung schenkt. In manchen frommen Kreisen tut man sich immer noch schwer damit, die Klimakrise angemessen zu adressieren. Unsere Jesus-Freaks-Pullis zum Beispiel hatten damals die Aufschrift: „Alles geht in Arsch, Jesus bleibt!“ Das spiegelte unsere Sicht auf die Entwicklung der Welt wider, die eher negativ und fatalistisch geprägt war. Wir warteten ständig gespannt auf eine unabwendbare Apokalypse.

Doch wer so denkt, wird selten dazu beitragen, eine nachhaltige Verbesserung in der Welt zu erreichen, sei es im Sozialen, sei es bezogen auf die Umwelt. Und leider tragen Menschen, die so denken, oft selbst dazu bei, dass nichts besser werden kann, und erfüllen damit ihre eigene Prophezeiung selbst. Der Weltklimarat geht davon aus, dass in den nächsten 70 Jahren viele Teile der Welt unbewohnbar werden, wenn unser Verhalten ungebremst so weitergeht. Ich finde es deshalb paradox, dass einige Gemeinden, die seit Jahrzehnten das baldige Weltende proklamieren, im Hinblick auf diese von uns Menschen verursachte, reale Bedrohungslage so still sind.

Stattdessen kommt es nicht selten vor, dass Energie und Zusammenhalt für Streitthemen verpulvert werden, wie zum Beispiel die Frage, ob Frauen ebenso wie Männer in Lehr- oder Leitungspositionen agieren dürfen. Gemeinden, die sich in Anbetracht der weltweiten Lage mitsamt Hungersnöten, sozialen Ungerechtigkeiten und einer Klimakrise, die die gesamte Menschheit bedroht, mit Themen beschäftigen, die für die meisten Menschen schon vor Jahrzehnten nicht mehr relevant waren, schaffen sich zunehmend selbst ab.

Nicht zu spät

„Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.“ Dieser Satz von Dietrich Bonhoeffer spricht mir aus der Seele. Denn er drückt die Hoffnung dafür aus, dass es noch nicht zu spät ist. Er drückt aus, dass es sich lohnt, weil es besser werden kann. Und er bringt auch unsere eigene Verantwortung zum Ausdruck. Die Verantwortung für diesen Garten, für diese Erde, die uns von Gott gegeben wurde, wird uns nicht abgenommen werden. Deshalb lohnt es sich bei aller Komplexität, dieses dringende Thema trotz unseres vollen Alltags nicht aus den Augen zu verlieren. Unser Handeln hat einen Einfluss!

Weil man über das eigene Konsumverhalten die meiste Kontrolle hat, haben wir als Familie wie anfangs beschrieben beim Einkaufen begonnen. Den Fleischverzehr zu reduzieren, ist zum Beispiel nicht nur gesund und erspart Tierleid, auch der CO2-Abdruck pflanzlicher Proteine ist um ein Zigfaches niedriger. Denn der Regenwald wird in diesen Momenten weiter abgeholzt, nur um Soja für Tierfutter anzubauen, das weltweit ca. 77 Prozent des gesamten Agrarlandes beschlagnahmt. Wichtig ist, dass wir beginnen, das zu tun, was in unserem Einflussbereich liegt. Dabei kann es helfen, wenn wir uns ein relevantes Thema herausnehmen und damit fokussiert beginnen. Lieber mit wenig starten und immer mehr dazulernen, als gar nicht zu beginnen, weil es zu kompliziert und aussichtslos erscheint oder weil es unbequem ist. Vielleicht können wir das nicht immer hundertprozentig. Aber es stimmt, was die Mädels und Jungs bei den Klimademos rufen: Es gibt keinen Plan(eten) B – und die Lage ist mehr als nur ernst.

Robert Pelzer arbeitet als Forschungsingenieur in einem Berliner Start-up und macht gerade eine Coaching-Ausbildung. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt er in Pankow.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/12/vladimir-soldatov_GettyImages-1276484345-scaled.jpg 3000 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-12-02 14:51:282022-12-02 14:51:28Erdbeeren im Winter

Ein Paar, zwei Perspektiven: Fotobuch

Nicht das wahre Leben

Katharina Hullen will Erinnerungen festhalten und prägen – schöne Erinnerungen.

Katharina: „Schaut doch bitte kurz noch mal alle zu mir!“ Ich versuche, einen schönen Abschlussmoment festzuhalten, nachdem ich meine Familie mehr oder weniger unauffällig den ganzen Tag umtanzt habe, um einige der schönen Szenen unseres heutigen Ausflugs digital zu verewigen. Nicht allen ist dabei zum Lächeln zumute, aber wir wissen ja, wofür wir uns hier ins Zeug legen – das alljährliche Familien-Fotobuch muss gefüllt werden!

Alle lieben diese Bücher – die Großeltern wünschen sich zu Weihnachten nichts anderes. Und es ist auch ein großartiges Geschenk: eine Galerie der Menschen, die wir lieben, eine wunderbare Dokumentation des Familienlebens, der Entwicklungen und Meilensteine eines jeden Mitglieds unserer kleinen Einheit. Ausflüge, Geburtstage, Einschulungen, Abschiede, Aufführungen. Wir können beim Betrachten in Erinnerungen schwelgen und mithilfe der schönen Baby- und Kleinkindbilder und der zugehörigen Erzählungen sogar Erlebnisse und Empfindungen prägen, die bei den Kindern ansonsten gar nicht im aktiven Bewusstsein wären.

Diese Bücher sind naturgemäß angefüllt mit den schönen Momenten, mit lächelnden, fröhlichen, ausgelassenen, stolzen, konzentrierten und glücklichen Menschen.

Ich hatte noch nie den Drang, ein Foto zu machen, wenn ich gerade am Mittagstisch ein Donnerwetter loslasse oder wenn sich zwei Streithähne buchstäblich in den Haaren liegen. Auch das Aufwischen von Erbrochenem oder das Durchsetzen einer Auszeit für ein bockiges Kind hat es bei uns noch nicht als Fotomotiv gegeben.

Ist es daher nicht eigentlich ein unehrliches und geradezu ärgerliches Produkt einer zu ehrgeizigen Mutter, die jeden Moment nur nach seiner Fotobuch-Tauglichkeit beurteilt und eben nicht das wahre Familienleben dokumentiert? Warum nicht einfach den Moment genießen und fotolos verstreichen lassen?

Einfacher wäre das, denn es steckt sehr viel Zeit und Arbeit in diesen Büchern. Und dass unser Familienleben auch viel Streit, Frust und Versagen beinhaltet, ist selbstverständlich genauso wahr wie die vielen schönen Augenblicke.

Dennoch gefällt mir der Gedanke, dass diese Bücher vor allem das Positive festhalten: Es war richtig schön! Wir haben sehr viel Gutes und Lustiges zusammen erlebt. So haben wir uns entwickelt, das konnte der oder die damals schon richtig gut und schau, was daraus geworden ist. Solche Fotoalben können helle Landmarken im Leben setzen, wenn man irgendwann mal das Gute vergisst oder niemand mehr da ist, der einen erinnert.

Ich verbuche für mich die Kritik am Fotografieren in der gleichen Kategorie, wie es meine Familie wohl nervt, wenn ich nach gewaschenen Händen und wetterangemessener Kleidung frage. Mütter nerven dann eben. Tja.

 

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache in Elternzeit. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

Das Lächeln gefriert

Hauke Hullen möchte den Moment genießen – ohne Fotobuchgedanken.

Hauke: Familienfeier im Garten: Die ganze Verwandtschaft ist da, unsere Kinder baden in Geselligkeit und herzlicher Aufmerksamkeit, als unser 6-Jähriger stolz seiner Cousine Jule den aktuellen Wackelzahn präsentiert. „Komm, den hol ich dir raus“, verspricht die 24-Jährige. Man muss dazu wissen: Jule ist nebenberuflich Zahnfee. Wann immer sie uns besucht, verlieren unsere Kinder einen Milchzahn. Es bahnte sich also ein spektakuläres Ereignis an, da unterbricht die beste Ehefrau von allen: „Moment, die Kamera!“

Es folgt eine hektische Suche nach dem richtigen Handy, dem richtigen Winkel und dem richtigen Bildmodus: Porträt, Panorama oder doch lieber ein Video? Vielleicht in Slow Motion? Am Ende gibt es alles auf einmal, weil inzwischen die gesamte Sippe ihre Handys im Anschlag hat, um dutzendfach zu dokumentieren, wie die zupackende Cousine eine weitere Lücke in der Kauleiste unserer Kinder hinterlässt. So geht das ständig. Bei jeder sich nicht bietenden Gelegenheit ist Katharina dem Zwang erlegen, alles fotografisch festhalten zu müssen – für das legendäre Fotobuch, was stets für die Großeltern und für uns unterm Weihnachtsbaum liegt.

Am schlimmsten ist es, wenn sie ein neues Handy mit neuen Kamerafunktionen hat. Dann gleicht jeder Sonntagsspaziergang einer Hetzjagd, bei der Mann und Mäuse vor der wildgewordenen Knipserin flüchten. In diesen Zeiten entstehen besonders viele menschenleere Landschaftsaufnahmen, bei denen man mit etwas Glück dann doch ein paar Familienmitglieder entdeckt, die sich entnervt hinter den Bäumen verstecken.

Denn die Fotos rauben zwar nicht uns die Seele, aber dem Moment. Wenn Kathi das pralle Leben festhalten will, tut sie exakt das: Das Leben und alle Personen erstarren, das Gelächter hört auf, das Lächeln gefriert zur Grimasse – und all die Leichtigkeit ist weg.

Warum kann man nicht einfach den Augenblick genießen, ohne ständig an die fotogene Verwertbarkeit denken zu müssen? Und warum müssen immer wieder künstlich Aktionen gestartet werden, nur damit schöne Fotobuch-Motive entstehen? Das Fotobuch entwickelt sich zu unserem analogen Instagram-Channel, zu einer Puderzucker-Version unseres Lebens!

Besonders sinnfrei dabei: die Selfie-Seuche. Ganze Urlaubsalben, die nur aus den immer gleichen zwei Visagen bestehen. Immerhin bestraft die Kamera diese Selbstbezogenheit mit übergroßen Nasen, weshalb man diese Bilder nachher auch keinem mehr zeigen mag. Informativ sind die Fotos eh nicht: Man weiß zwar, man war da, sieht aber nicht, wo.

Klar, die Kinder schauen sich gern die Bilder von früher an. Sie glauben dann sogar, sich an diese Kindheit erinnern zu können – dabei weiß die Wissenschaft längst, dass man mit Fotos Erinnerungen in den Köpfen säen kann. Könnte sich Kathi auf diese Weise nicht viel Arbeit ersparen, indem sie einfach ein paar hübsche Motive aus dem Internet kopiert? Hier, unser Hawaii-Urlaub, und da, da warst du Fallschirmspringen! Dann könnten wir endlich in Ruhe unser Leben leben.

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/Illu-Hullen-NEU.jpeg 1668 2224 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-23 15:30:532022-11-21 15:31:19Ein Paar, zwei Perspektiven: Fotobuch

11 bis 15 – Mehr als nur traurig

Elternfrage: „Meine Tochter (12) wirkt seit mehreren Wochen total niedergeschlagen und zieht sich immer öfter in ihr Zimmer zurück. Ist sie depressiv?“

Wenn Kinder oder Teenager ständig niedergeschlagen wirken, dann besorgt das die meisten Eltern – zu Recht! Denn Kinder sind grundsätzlich eher fröhlich und entdeckungsfreudig, auch wenn es natürlich Unterschiede im Naturell gibt, so wie bei Erwachsenen auch.

Wenn Ihre Tochter Ihnen ungewöhnlich traurig erscheint, sollten Sie genauer hinschauen. Denn auch Kinder und Teenager können eine Depression entwickeln. Folgende Checkliste hilft Ihnen bei der Einschätzung des Problems:

  • Wie lange ist das schon so? Wenn die Stimmung zwei Wochen oder länger schlechter ist als sonst, dann wird es ernst.
  • Gibt es bestimmte Stressfaktoren, die kurz vor dem Stimmungstief aufgetreten sind, und lassen sich diese eventuell mildern? Werden sie sehr bald von selbst enden (zum Beispiel in der Prüfungsphase), sodass eine Besserung realistisch ist? Wenn das der Fall ist und Sie keine akute Gefährdung sehen, kann es sich lohnen, ein bis zwei Wochen abzuwarten.
  • Zeigt Ihr Kind körperliche Auffälligkeiten wie weniger oder mehr Appetit, Schlafprobleme, Müdigkeit, Schmerzen,…? Auch das können Anzeichen einer Depression sein.
  • Hat Ihr Kind das Interesse an Aktivitäten oder Themen verloren, für die es sich sonst begeistert hat?
  • Zieht sich Ihr Kind zunehmend zurück und vermeidet Kontakte?
  • Spricht es vom Wunsch zu sterben?
  • Ist Ihr Kind neben der Betrübtheit auch gereizt oder genervt?
  • Spricht Ihr Kind sehr schlecht über sich selbst, zeigt es Probleme im Selbstbewusstsein?
  • Benennt es vielleicht sogar den Wunsch, lieber tot zu sein? Wenn das der Fall ist, sollten Sie sofort handeln und sich an die nächste Kinder- und Jugendpsychiatrie wenden (notfalls auch erfragen unter der Telefonnummer 112).

Wenn ein oder mehrere Kriterien erfüllt sind, dann sollten Sie besonnen, aber entschlossen reagieren. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie sich Sorgen machen, weil Sie spüren, dass es ihm nicht gut geht. Und dass Sie wollen, dass es ihm besser geht und Sie sich deswegen um Hilfe kümmern.

Holen Sie sich professionelle Hilfe zum Beispiel bei einer Praxis für Kinderund Jugendlichenpsychotherapie. Dort gibt es meist lange Wartelisten, man kann die Wartezeit aber gut mit Terminen in einer Erziehungsberatungsstelle (Adressen finden Sie unter dajeb.de) überbrücken. Dort gibt es Angebote, sowohl für das Kind allein als auch für die Eltern oder die ganze Familie, je nachdem, was sich als passend herausstellt.

Melanie Schüer ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Autorin (neuewege.me).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/Tochter_niedergeschlagen.jpg 1620 1568 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-17 16:13:392023-05-12 11:16:4011 bis 15 – Mehr als nur traurig

Kindlich glauben …

… dass Gott sich kümmert

Carina Nill will sich ihren Sohn zum Vorbild nehmen. Der vertraut darauf, dass sein Vater ihm mit Rat und Tat zur Seite steht.

Mein Rücken ist kaputt. Glaube ich. Was ich da als Erstes mache? Ich schiebe es auf die lange Bank. Wenn es die Zeit zulässt, packe ich etwas Wärme drauf oder mache meine Übungen.

Die Beziehung zu meinem Onkel hat einen Knacks bekommen, seit es Oma nicht mehr gibt. Ich überlege und unterdrücke, ärgere mich und trauere in mich hinein und hole schließlich mutig – eine zweite lange Bank heraus, um auch das aufzuschieben.

Eine Entscheidung steht an. Ich hasse Entscheidungen. Leider sind hier lange Bänke oft nicht erlaubt. Ich hole mir Rat bei Freunden in der gleichen Situation und bleibe mit rauchendem Kopf unsicher und unzufrieden mit mir selbst zurück.

Ganz anders meine Kinder. Ein aufgeschürftes Knie, ein kaputter Bagger, ein Streit im Kindergarten … Was sie da als Erstes machen? Es wird sofort gehandelt. Schließlich geht es beinahe um Leben und Tod. Meistens wird nicht erst überlegt, wie man selbst etwas dazu beitragen könnte. Es wird sich beschwert und geärgert, und zwar nicht still in sich hinein. Nein, lautstark und triefend nass vor Elefantentränen werfen sie sich in unsere Arme. Der Schmerz ist groß und die Sehnsucht nach elterlichem Trost noch größer.

Unser kleinster Sohnemann, der mit seinen zwei Jahren noch kaum recht sprechen konnte und sich stets andere Wege suchte, um sich auszudrücken, benutzte nun schließlich für genau diese Situationen das richtige Wort. Egal, ob es der Sprung in der Müslischale oder die eingerissene Buchseite war, der platte Reifen am Laufrad oder die fehlende Batterie in der Taschenlampe – er wusste, sein starker Papa bietet Rat und Tat. Nichts anderes als logisch, dass aus unserem erwachsenen Wort „Reparieren“ ein vertrauensvolles „Paparieren“ wurde. Oh, wie groß sind doch die Ideen der Kleinsten!

Liebevolle Arme

Und ich? Anstatt mich mit meinen Rückenschmerzen zuerst an unseren Vater im Himmel, bekannterweise ein berühmter Arzt, zu wenden und um Rat zu fragen, jammere ich still herum und frage lieber Dr. Google.

Anstatt mich zuerst in die liebevollen Arme meines himmlischen Vaters zu werfen, wenn es in der irdischen Familie Auseinandersetzungen, Verletzungen oder bedrückendes Schweigen gibt, packe ich all mein therapeutisches und pädagogisches Wissen zusammen, um mir die Situation erklärbar und lösbar einzureden. Dabei sitzen der Schmerz und die Ungewissheit viel tiefer im Herzen.

Anstatt zuerst mit meinem guten Freund Jesus meine Situation bezüglich dieser Entscheidung zu besprechen und von ihm zu hören, was er über mich und mein Leben denkt, lasse ich mich verunsichern, vergleiche zu viel und vertraue zu wenig. Ich weiß nicht, wann genau es verloren geht, das kindliche Zum-Papa-Rennen. Sich von den Eltern trösten zu lassen und ihren Rat zu suchen. An das „Paparieren“ zu glauben.

Ich habe angefangen, dieses Wort zu lieben. Obwohl ich neulich die Räder vom Spielzeug-Rennflitzer „mamariert“ habe und von unserem Jüngsten dafür erstaunte bis verwirrte Blicke erntete. Natürlich kann auch Mama Dinge in Ordnung bringen – aber ich liebe diese Metapher nicht, weil ich uns Frauen kleinreden will, sondern weil ich den himmlischen Vater großmachen will.

Von unseren Kindern lernen

Der beste „Paparateur“ ever – der, der die Situation überblickt, der meine Wunden heilt, sich meiner Entscheidungsschwäche annimmt. Vielleicht bringt er nicht immer alles so in Ordnung, wie wir es gern hätten, aber er kümmert sich, tröstet mich, liebt mich.

Wie gern würde ich von unseren Kindern lernen und nachahmen, zuerst und mit allem zu unserem königlichen Vater zu rennen. Und mich daran erfreuen, dass er mit unseren reparaturbedürftigen Anliegen geduldiger ist, als wir es auf der Erde je sein könnten. Bestimmt geben alle Papas gern ihr Bestes für ihre Kinder – daher erstaunt es mich manchmal umso mehr, dass die Liebe des königlichen Vaters noch viel größer, intensiver, stärker und bedingungsloser sein muss. Welch Privileg, sein Kind sein zu dürfen, egal, wie erwachsen wir doch sind.

Carina J. Nill ist Kunst- und Lerntherapeutin und Autorin von „Count your Blessings: Mein kreatives Segen-Sammelbuch“. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Deizisau bei Esslingen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/Betendes-Kind.jpg 1411 2124 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-11 11:04:422022-11-11 11:04:42Kindlich glauben …

3 bis 5 – Ab in den Kindergarten – aber in welchen?

Elternfrage: „Mein Kind wird nächstes Jahr drei Jahre alt und war bisher bei einer Tagesmutter. Nächstes Jahr soll es in die Kita wechseln. Wie finde ich heraus, welche Kita zu uns passt? Und bis wann muss ich es anmelden?“

Generell sollte die Suche nach einem Kitaplatz so früh wie möglich beginnen“, rät Nadine Jung vom Landkreis Gießen mit Blick auf die Wartelisten, die in manchen Städten und Regionen sehr lang sein können. Einen Überblick über die jeweilige Platzsituation kann euch die Gemeinde- und Stadtverwaltung im Wohnort geben, die gleichzeitig auch Träger vieler Kitas ist.

Dort oder auf der Homepage der Kitas könnt ihr erste Informationen zu pädagogischen Ansätzen, Räumlichkeiten, Gruppengrößen und Konzeptionen finden. So könnt ihr euch einen ersten Eindruck verschaffen und entscheiden, was euch persönlich zusagt. Dies ist individuell verschieden und variiert von der örtlichen Distanz über den Betreuungsschlüssel, also wie viele Erzieherinnen im Kindergarten wie viele Kinder betreuen, bis hin zum Betreuungskonzept, das in der Einrichtung angewandt wird.

Offen, teiloffen und geschlossen?

Die Konzepte in den Kindergärten variieren zwischen offen, teiloffen und geschlossen. In einer geschlossenen Gruppenarbeit wird ein Kind einer Gruppe mit festen Erzieherinnen zugeteilt. In dieser halten sich die Kinder während des gesamten Kindergartentages auf.

Beim teiloffenen Konzept sind die Kinder nur am Tagesbeginn und -ende in ihrer Stammgruppe. Nach einem gemeinsamen Start werden die anderen Gruppen für die Kinder geöffnet. Ganz auf Gruppen verzichtet wird in Kindergärten mit offenem Konzept. Die Räume, die den Kindern zur Verfügung stehen, sind themenorientiert. Es gibt zum Beispiel einen Kreativraum, einen Bewegungsraum oder einen Rückzugs- und Ruheraum. Die Kinder können frei wählen, mit wem sie wann welchen Aktivitäten nachgehen möchten.

Menschenbilder sind verschieden

In Deutschland wird ein Drittel aller Kindergärten von den Städten und Kreisen getragen. Der größte Teil der Einrichtungen wird von freien Trägern wie Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Vereinen oder Elterninitiativen geleitet. In der Schweiz sind rund 90 Prozent aller Kitas als Verein, GmbH, Stiftung oder Betriebskita privat organisiert und werden zu durchschnittlich zwei Dritteln durch Elternbeiträge finanziert. Dadurch sind die Betreuungskosten deutlich höher als in Deutschland.

In Deutschland wie in der Schweiz prägt der jeweilige Träger das der Einrichtung zugrunde liegende Menschenbild und kann humanistischer, christlicher, anthroposophischer oder anderer Natur sein. Das christliche Menschenbild wird vor allem in Kindergärten gelebt, die in kirchlicher Trägerschaft sind. Es gibt evangelische und katholische, aber auch freie Bekenntniskindergärten. Christlichen Kindergärten gemein ist, dass die Kinder entsprechend dem christlichen Weltbild erzogen werden. Nächstenliebe und die Gebote Gottes sowie seine Liebe zu den Menschen stehen im Fokus. Wie diese Werte konkret im Kita-Alltag gelebt werden, könnt ihr im Gespräch mit der Leitung oder direkt mit den Erzieherinnen klären.

Ruth Korte, Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/kiga_02.jpg 1460 1564 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-11 09:21:262023-05-12 11:17:233 bis 5 – Ab in den Kindergarten – aber in welchen?

Startbereit für Neues

Durch einen Besuch bei Amazon hat Marcus Beier wichtige Einsichten gewonnen – und dabei geht es nicht um Bücher oder Business …

Als ich vor gut vier Jahren in den USA war, hatte ich das Glück, über Vitamin B eine kleine Führung im Amazon-Hauptgebäude in Seattle zu bekommen. Das Hochhaus, das ich mir ansehen durfte, war das sogenannte „Day-One-Building“ („Tag-Eins-Gebäude“). Es spiegelt die Mentalität von Amazon wider. Die Mitarbeiterin dort erklärte mir das so: Wenn man in einer neuen Firma eine Arbeitsstelle anfängt, ist alles neu, aufregend, man sieht alles mit einem neuen, frischen Blick. Oft erkennt man dadurch schneller Potenziale für Verbesserungen, nimmt Fehler besser wahr und entdeckt neue Chancen und Lösungen. Nichts ist wie bisher. Das eröffnet einen Blick in ungeahnte Möglichkeiten – in das Reich der Veränderung, der Potenziale und der großen Ideen.

„Alte Hasen“ sehen manchmal eher die Begrenzungen und das, was nicht geht, aber als „Neuling“ bemerkt man nicht die Hindernisse, sondern das, was geht. Das ist ein Blick in die Schatzkammer der Möglichkeiten. Für eine Firma, die sich Innovation zum Markenzeichen auserkoren hat, ist ein solches Denkmuster überaus produktiv, wenn nicht sogar unabdingbar. Aber nicht nur dort kann ein solches Denken sehr hilfreich sein. Es kann auch im „normalen“ Leben helfen, Dinge neu zu betrachten, die Uhren auf null zu stellen, um die Welt zu verstehen und auch dem Unausweichlichen besser zu begegnen: der Veränderung.

Kinder als Vorbild

Ich persönlich tue mich oft genug schwer mit Veränderung. Vieles ist doch gar nicht schlecht. Warum muss man etwas ändern, was gut funktioniert? Aber die Welt war noch nie vollkommen, und sie wird es wohl auch nicht. Daher ist Veränderung etwas, was uns immer in dem Wunsch nach Verbesserung begleiten wird. In jedem Tag liegt Potenzial dafür.

Wie das geht, lernen wir – faszinierenderweise – an kleinen Kindern. Wenn sie noch nicht zur Schule gehen und noch kein richtiges Gefühl für Zeiten und Tage haben, noch nicht planen, was morgen kommt und auch nicht zuordnen können, was gestern, vorgestern, später oder morgen genau ist, leben sie absolut im Moment. Vor Kurzem hatte ich diese Unterhaltung mit unserem Zweijährigen: Joas: „Papa, ich will das heute machen!“ Ich: „Ja, wir machen das später am Nachmittag.“ Joas: „Nein, heute!“

Das fand ich sehr lustig, und mir wurde bewusst, wie sehr er im Moment lebt. Er weiß nicht, was ich meine, wenn ich sage: „Morgen fahren wir zu …“ Er plant nicht, er schaut nicht auf die morgige Erfahrung und denkt nicht groß an gestern. Für ihn zählt: „Komm, wir gehen jetzt zum Bäcker!“ Und dann ist er glücklich.

Als mir das auffiel, wurde mir auch klar, dass Kinder wie er ständig die Welt neu entdecken. Natürlich kennen sie ihr Umfeld und sie brauchen Stabilität. Aber innerhalb dieses Rahmens entdecken sie die Welt jeden Tag neu. Jeder Tag ist besonders, jeder Tag hat Potenzial, an jedem Tag „geht was“. Man hört kaum: „Ach ne, das hab ich gestern probiert. War blöd!“ Es zählt der Moment. Und wenn es gestern nicht ging, kann es doch heute klappen. Warum auch nicht?

Nur ein Tag

Bei aller Stabilität scheint die Tatsache, jeden Tag etwas Neues zu erleben, das natürliche Lebensgefühl für Kinder zu sein. Das finde ich inspirierend! Und in gewisser Weise scheint auch hier zuzutreffen, was Jesus über den kindlichen Glauben sagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder …“ Und seien wir mal ehrlich: Manchmal tut uns ein frischer, unverbrauchter, kindlicher Blick auf die Welt einfach gut, oder? Der Chef war gestern stinkig – na und? Heute ist ein neuer Tag! Darin findet sich eben auch die Mentalität des ersten Tages wieder. Die Welt ist voller Möglichkeiten – machen wir etwas draus! An dieser Mentalität und dem kindlichen Vorbild sehe ich noch weitere Möglichkeiten zum Andocken. Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway (1899-1961) schreibt in dem Buch „Whom the Bell Tolls“ (1940): „Heute ist nur ein Tag unter all den Tagen, die es jemals geben wird. Aber was in all den Tagen, die noch kommen werden, passieren wird, kann davon abhängen, was du heute tust.“ Mich inspiriert dieser Satz – insbesondere in Verbindung mit der „Tag-Eins-Mentalität“ – zu einem bewussten und verantwortungsvollen Leben. Und zu einem Leben, das Wünsche, Chancen und Möglichkeiten auf vernünftige Weise mit der Wirklichkeit in Beziehung setzt und sowohl kurzfristige Wünsche als auch langfristige Entwicklungen ausgewogen zusammendenkt. Das ist natürlich ein Ideal – und eines, von dem ich selbst ein gutes Stück entfernt bin. Dennoch ist es mir ein Ansporn, insbesondere vor dem Hintergrund der Veränderungen, die das Leben unweigerlich mit sich bringt.

Grundlagen für das Morgen schaffen

Wie gesagt bin ich selbst nicht gerade ein Fan von Veränderungen. Ich kann sie nicht verhindern, aber es kann entscheidend sein, wie ich mich dazu verhalte. Will ich mich der Veränderung widersetzen? Unmöglich. Das geht vielleicht eine Weile gut, aber dann bleibt mir letztlich nur, mich den Veränderungen irgendwie anzupassen und mich bestmöglich damit zu arrangieren und mich durchzulavieren. Wie wäre es stattdessen mit einer Prise „Tag-Eins-Mentalität“? Und dazu das Bewusstsein, dass ich heute die Grundlagen für das Morgen schaffen kann.

Das Leben ist voller Überraschungen und immer wieder tun sich unverhofft Gelegenheiten, Chancen und auch teils schwere Herausforderungen auf. Nun fragt sich, wie wir damit umgehen. Natürlich kann man durch das Leben gehen wie Indiana Jones – ständig auf der Suche nach Schätzen, ständig auf der Jagd nach der „Goldenen Ananas“, immer dem eigenen Vorteil folgen, immer auf der Lauer, doch noch das beste Schnäppchen abzugreifen. Persönlich bin ich davon auch kein Fan. Das wäre mir auch viel zu anstrengend, weil eine dauerhafte Lauerstellung nicht unbedingt entspannend ist und nicht dazu führt, den Moment genießen zu können.

Man muss jedoch nicht auf Dauerjagd sein und kann trotzdem mit einem wachen Blick durch das Leben gehen. Jeder Tag kann das Leben verändern. Aber erkenne ich das Veränderungspotenzial überhaupt? Nehme ich eine Chance wahr, wenn sie auf einem Silbertablett vor meiner Nase liegt? Ich muss wissen, was ich langfristig möchte, was meine Ziele sind – persönlich, beruflich, für uns als Familie, als Gemeinde etc. Und dann brauche ich Offenheit, neue Wege zu gehen – auch auf die Gefahr hin, dass es nicht so klappt. Manchmal ist das Nichtstun schlimmer, als etwas zu tun. Daher glaube ich, dass es wichtig ist, langfristige Wünsche im Blick zu behalten und gleichzeitig jetzt schon zu bedenken, wo Veränderungspotenziale liegen, die vielleicht erst später wirklich greifen.

Das Leben in die Hand nehmen

Für mich persönlich ergibt sich daraus eine entscheidende Wahl: Lasse ich die Dinge geschehen, renne aber letztlich eher den Veränderungen hinterher, die „einfach passieren“? Oder gestalte ich bewusst mein Leben und habe selbst (so gut es eben geht) die Veränderungsprozesse in der Hand? Selbstverständlich geht das nicht immer. Unfälle, Katastrophen, gesellschaftliche Prozesse können jederzeit passieren und brechen über uns herein. Dann müssen wir reagieren und sind nicht immer vorbereitet. Aber in vielen anderen Dingen haben wir selbst in der Hand, wie wir das gestalten wollen. Und ich glaube, dass wir da mehr Gestaltungsspielräume haben, als uns manchmal bewusst ist.

Unsere Kinder werden größer. Wir können diesen Prozess als Eltern begleiten und diese Zeit für uns und die Kinder gestalten. Auch für uns als Paar können wir rechtzeitig Veränderungsprozesse einleiten, mit denen wir uns zum Beispiel darauf vorbereiten können, dass es eine Zeit nach dem Auszug der Kinder gibt. Wie oft hört man von Paaren, dass sie sich „auseinandergelebt“ haben, was ich immer sehr traurig finde. Mir ist das immer eine Erinnerung, gegenzusteuern und die Ehe entsprechend zu gestalten. Darin liegt eine große Chance, aber auch eine Herausforderung. Möchte man sich eingestehen, dass Dinge vielleicht nicht so gut laufen, um dann etwas zu verändern? Aber genau das sollten wir tun. Wir können immer wieder schauen, ob alles gut läuft oder ob man nachjustieren sollte – sei es im privaten Bereich oder im Job oder in der Gemeinde. Ich darf wissen, dass Gott in allen Veränderungen bei mir ist, sodass ich keine Angst davor haben muss. Ihn kann ich um Rat fragen und ihm meine Sorgen anvertrauen.

Auch, wenn ich kein Freund von Veränderung bin, motiviert mich der Gedanke, selbst zu gestalten und hin und wieder einen Blick auf das Leben zu werfen, als wäre es mein erster Tag.

 

MARCUS BEIER hatte vor Kurzem seinen ersten Tag als Redakteur bei Family und FamilyNEXT. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt er in Wiesloch.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/10/Rudi-Silva_GettyImages-1316704022-scaled.jpg 2247 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-02 12:30:072022-10-28 14:16:06Startbereit für Neues

0 bis 2 – Schlaf, Kindlein, schlaf!

Elternfrage: „Mein Baby ist inzwischen fast ein Jahr alt und schläft weder allein ein noch die Nacht durch. Ich dachte, das sei nur in den ersten Lebensmonaten so. Ist das normal?“

INTERVIEW

Es gibt kein normal oder unnormal. Das Schlafverhalten ist so unterschiedlich wie die Kinder selbst. Dass Kinder, die sonst lange geschlafen haben, plötzlich kürzer schlafen, nachts öfter wach werden, vielleicht auch mehr kuscheln möchten oder abends mehr Zeit zum Einschlafen brauchen, kann total normal sein. Grund dafür können Entwicklungsschübe sein, die sich häufig auf das Schlafverhalten auswirken. Wenn das Kind aber schon seit Langem sehr schlecht schläft und man nicht wirklich weiß, aus welchem Grund das so ist, kann man sich natürlich mal anschauen, ob man gegebenenfalls etwas ändern kann.

Können Eltern auf das Schlafverhalten ihrer Kinder einwirken?

Ja, schon im Säuglingsalter können Eltern anfangen, eine Abendroutine einzuführen, die dem Baby hilft, sich zu entspannen. Auch ein strukturierter Tagesablauf, dass also Essen, Spielen und Schlafen in etwa zu gleichen Zeiten ablaufen, dient dem Kind zur Orientierung und gibt ihm Sicherheit. Es muss aber nicht immer exakt die gleiche Uhrzeit sein, sondern die Tageszeiten sollten ungefähr gleich sein. Bei all dem ist es aber auch wichtig, sich ein gewisses Maß an Flexibilität und Spontaneität zu erhalten, vor allem dann, wenn es mal nicht nach Plan läuft.

Was raten Sie Eltern, die wegen des Schlafmangels am Limit sind?

Wenn Eltern und Kinder am Limit sind, die Mutter also gar nicht mehr in den Schlaf findet und das Kind nachts jede halbe Stunde oder Stunde an die Brust will und auch tagsüber überhaupt nicht zur Ruhe kommt und nörgelig ist, wenn Familien an dem Punkt sind, dass sie nicht mehr weiterwissen und auch nicht mehr weiter können, dann rate ich, sich Hilfe zu suchen. Zum Beispiel bei einem Schlafcoach.

Was wird bei einem Schlafcoaching vermittelt?
Erst mal alles Wissenswerte rund ums Thema Schlaf. Die Eltern legen dann fest, was sie erreichen wollen, also zum Beispiel: Wir wünschen uns, dass unser Baby in seinem eigenen Bett schläft. Oder: Wir wünschen uns, dass das Baby abends gut und vielleicht sogar allein einschläft, damit wir mal wieder einen ruhigen Abend haben können. Der Coach unterstützt die Eltern dabei, dieses Ziel zu erreichen – immer ganz langsam und liebevoll auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. Ein Schlafcoaching wird im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren empfohlen.

Aniko Siegel ist Schlafcoach und lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Nähe von Hamburg. www.nachtruhe-babycoaching.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/schlaf_02.jpg 1620 2308 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-02 09:25:592023-05-12 11:18:030 bis 2 – Schlaf, Kindlein, schlaf!

„Ich wünsche mir, dass mehr Frauen ihr Potenzial leben“

Jennifer Pepper ist Moderatorin, Mentorin und Mutter zweier Kleinkinder. Sie ist überzeugt: Berufung beginnt im Kleinen. Im Interview erlaubt sie einen Blick hinter die Kulissen ihres Online-Kongresses, der Mütter ermutigt, ihren Herzensthemen nachzugehen.

Seit wann lebst du bewusst in deiner Berufung?
Für mich ist das Thema Berufung nichts Statisches, sondern eher etwas Fließendes. Mittlerweile würde ich schon sagen, dass ich mehr darin angekommen bin. Gleichzeitig erlebe ich mich aber immer noch auf dem Weg. Es gab also nicht diesen einen Moment, in dem ich wusste: Jetzt bin ich drin. Viel eher erlebe ich: „Ok, ich fühl mich gerade wie ein Fisch im Wasser.“ Da kommt es mir zugute, dass ich unterschiedliche Rollen einnehmen durfte, als Musikerin, als Moderatorin und jetzt auch als Coach. Es gibt in meinem Leben immer Phasen, in denen ich merke: Hier bin ich gerade richtig – oder: Jetzt steht etwas Neues an.

Hast du manchmal Schwierigkeiten, einzuordnen, ob du gerade Gottes „Ruf“ folgst oder deinen eigenen Vorstellungen?
Du meinst, dass sich das gegenseitig ausspielt?

Eher dass es verschwimmt und manchmal erschwert, Gottes Wegweisungen im Alltag herauszuhören. Kennst du solche Situationen?
Ja, klar. Aber ich gehe davon aus, dass Gott uns Leidenschaften ins Herz gelegt hat. Und aus einer Verbindung dieser Leidenschaften, unserer Erfahrungen, Begabungen und Fähigkeiten, mit denen Gott uns ausgestattet hat, fließt für mich das Thema Berufung – ein Leben, durch das ich eine Segensspur hinterlassen werde. Die Bibel sagt: „Der Mensch plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seine Schritte.“ Das bedeutet für mich, dass ich gestalten, planen und vor allem in die Umsetzung kommen darf. Und als Christ kann ich darauf vertrauen, dass Gott meine Schritte lenkt. Gott beruft uns nicht dazu, alles richtig zu machen. Er beruft uns zur Freiheit. Diese Freiheit impliziert, dass wir Risiken eingehen dürfen. Es ist okay, Fehler zu machen oder Niederlagen einzustecken. Wir haben den Auftrag, in dieser dunklen Welt zu leuchten. Anstatt mit einem ewigen Fragezeichen durch die Welt zu gehen, weil wir Angst haben, an unserer Berufung vorbeizuleben und an falscher Stelle zu leuchten, lautet mein Credo: Vertrau auf Gott und bleib in der Verbindung zu ihm. Er hat dich freigesetzt, um loszugehen, und dich mit allem ausgestattet, was du brauchst, um in dieser Welt aufzuleuchten.

Glaubst du, dass es für jeden die eine Berufung gibt?
Nein, das glaube ich nicht. Es gibt sicherlich Menschen, die eine einzigartige Berufung haben, und das sind oft auch die, die auf der Bühne stehen und von diesem sehr eindrücklichen Erlebnis erzählen, als Gott sie ihnen gezeigt hat. Ich finde das manchmal herausfordernd, weil diejenigen, die das nicht so erleben, das Gefühl bekommen, irgendetwas falsch zu machen. Für manche mag Berufung das eine ganz Spektakuläre sein, aber für die meisten von uns ist es, treu zu sein in dem, was wir gerade vor unserer Nase haben.

Du richtest dich in deiner Arbeit insbesondere an Frauen. Dir ist wichtig, dass sie nicht den Eindruck gewinnen, Muttersein sei das Einzige, in dem sie berufen sein können oder gar dürfen. Wie meinst du das genau?
Grundsätzlich habe ich überhaupt kein Problem damit, Vollzeitmutter zu sein und komplett darin aufzugehen. Ich spreche die Frauen an, und ich glaube, davon gibt es einige, die spüren, dass über das Muttersein hinaus noch etwas anderes auf sie wartet – eine Aufgabe, ein Thema, ein Herzensanliegen, dem sie Raum geben möchten. Ich trete da nicht nur offene Türen ein. Gerade im christlichen Bereich sagen immer noch viele, das sei doch das Rollenbild der Frau, dass sie als Hausfrau und Mutter mit ihren Kindern zu Hause ist. Das finde ich schade. Es gibt viele Bereiche, in denen ich über meine Mutterrolle hinaus wirken möchte und kann. Dinge, die mich begeistern und von denen ich glaube, dass sie mir wiederum helfen, eine bessere Mutter zu sein – weil ich als Person anders im Leben stehe und durch diesen Ausgleich meinen Kindern mit mehr Freude begegnen kann.

Du schreibst auf der Kongress-Website aber schon: „Noch bevor ich selbst Mutter geworden bin, habe ich beobachtet, dass viele Mütter ihren Kindern insgeheim vorhalten, dass sie nicht ihren eigentlichen Träumen nachgehen können.“
Als Mutter gewöhnt man sich schnell daran, fremdbestimmt von den Wünschen und Bedürfnissen der eigenen Kinder zu sein und zu funktionieren. Das lädt dazu ein, sich selbst aus dem Blick zu verlieren. Man merkt sicher selbst am besten, wann Raum und vor allem Kapazitäten da sind, um sich auch anderen Bereichen zu widmen. Die Beobachtung in meinen Coachings ist: Wenn man diesem Impuls nicht bewusst nachgeht, verlernen viele Frauen mit der Zeit, sich selbst und das, was in ihnen lebendig ist, wahrzunehmen. Ich möchte mit meiner Arbeit insbesondere christliche Frauen dafür gewinnen, den Teil des höchsten Gebotes – Liebe dich selbst! – ernst zu nehmen, um dem auf die Spur zu kommen, was sie ganz persönlich lebendig macht und mit welchen Besonderheiten sie ihrem Umfeld bestmöglich dienen können. Die Rolle der Mutter darf nicht als Ausrede vorgeschoben werden, sich selbst und seine Berufung über das Mamasein hinaus komplett aus dem Blick zu verlieren.

Ist es nicht auch eine Frage des Support Systems, ob man diese Chancen ausschöpfen kann?
Ich würde sagen, dass es zumindest in Deutschland eine Frage der inneren Einstellung und der Prioritätensetzung in der entsprechenden Familienkonstellation ist. Ich erlebe immer wieder: Wenn ich mir darüber klar werde, wo Gott mich neben dem Muttersein gebrauchen möchte, finden sich Zeiten, Mittel und Wege, um dem auch einen Raum zu geben. Wir können nicht alle im gleichen Tempo gleich viel erreichen, da jeder andere Grundvoraussetzungen mit sich bringt, aber wir können uns entscheiden, Schritt für Schritt auf Dinge zuzugehen.

Zum Beispiel durch den „Lass es leuchten“-Kongress. Was ist das Anliegen dahinter?
Ich möchte Frauen zum Aufblühen bringen. Klingt jetzt etwas kitschig, aber ich trage dieses starke Anliegen in mir, ihnen durch diese Arbeit den Mut zuzusprechen, zu träumen und ihr Leben bewusst zu gestalten. Ich glaube, dass wir Frauen unglaublich viel zu geben haben, aber oft eingeschüchtert, mutlos oder erschöpft sind. Die Kongresswoche gibt Müttern einen Motivationsschub. Da entsteht ein Sog, weg vom Vor-sich-hin-Vegetieren hin zum Selbst-gestalten-Dürfen, in dem starken Vertrauen darauf, dass Gott sie dazu beruft, in dieser Welt zu leuchten. Ich wünsche mir, dass mehr Frauen ihr Potenzial leben und am Ende ihres Lebens sagen können: Ich habe nicht nur so funktioniert, wie es das Umfeld von mir erwartet hat. Ich habe mutig gelebt, viele Fehler gemacht, bin Risiken eingegangen und habe in all dem erlebt, wie Gott meine Schritte lenkt und sich verherrlicht.

Wie funktioniert so ein Online-Event?
Der Kongress dauert eine Woche. Jeder Teilnehmerin wird per E-Mail ein Link zu den Interviews geschickt. Ich interviewe etwa 16 Sprecherinnen und Sprecher zum Thema „Lass es leuchten“. Der nächste Kongress beschäftigt sich insbesondere damit, wie wir uns von negativen inneren Blockaden lösen können. Denn um seine Berufung zu leben, sind oft die Gedanken entscheidend, gar nicht so sehr die äußeren Umstände. Und wenn wir anfangen, uns mit unseren inneren Blockaden zu beschäftigen und sie zu lösen, kommt das Umfeld hinterher. Über den Link in der E-Mail kann man das jeweilige Interview 24 Stunden kostenlos anschauen. Wenn man das nicht schafft, kann man sich eins der Kongresspakete holen. Das kostet zwischen 40 und 50 Euro. Dann hat man Zugriffauf alle Interviews plus verschiedene Online-Produkte wie einen digitalen Kurs zum Thema, damit es nicht bei dem einen Impuls bleibt, sondern in den Alltag hinein begleitet.

Das klingt nach einer aufwendigen Vorbereitung. Stemmst du das alles allein?
Mit jedem Kongress werden die Abläufe etwas leichter. Ich habe zudem zwei treue Freelancer. Einen, der mir technisch zur Seite steht und eine, die mich in Sachen Grafik, Konzeption und Social Media unterstützt.

Was war die größte Herausforderung beim letzten Kongress?
Beim letzten Kongress wohl die, die Interviews durchzuführen, wo meine Tochter erst ein paar Monate alt war und noch keinen richtigen Ess- oder Schlaf-Rhythmus hatte. Ich habe mir die Gespräche so gelegt, dass ich genügend Pausen hatte, um meine Tochter zwischendurch zu stillen und mich um sie zu kümmern. Trotzdem mussten einige Interviewpartnerinnen auch mal warten. Aber das Verständnis war sehr groß, dass trotz der Liebe für meine Arbeit für mich immer die Familie vorgeht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Ann-Sophie Bartolomäus

Falls du neugierig geworden bist: Der nächste „Lass es leuchten“-Kongress findet vom 27. Oktober bis zum 3. November 2022 statt. Über diesen Link ndest du alle wichtigen Infos und kannst dich direkt anmelden:
lassesleuchten.kongress.me

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/10/Jennifer-Pepper-B-1.jpg 1080 1920 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-10-24 15:44:292022-10-24 15:56:54„Ich wünsche mir, dass mehr Frauen ihr Potenzial leben“

Der Angst ins Gesicht schauen

Sara Bohlen hat mit „Furchtlos“ ein Buch geschrieben, in dem sie sich intensiv mit einer Strategie gegen die Angst auseinandersetzt.

Bist du furchtlos?
Gute Frage. Ich glaube nicht, dass man wirklich dahin kommt, komplett ohne Angst zu sein. Ich glaube auch nicht, dass es das Ziel ist, keine Angst mehr zu haben. Angst ist eine Emotion, die Gott uns gegeben hat. Der Titel meines Buches ist von daher vielleicht ein bisschen provokant. Trotzdem glaube ich, dass ich immer mehr reflektieren kann, wo ich von Furcht geleitet bin oder war und mich bewusst entscheiden kann, mutige Entscheidungen zu treffen. Das ist das Ziel: Die Angst zu kennen und ihr ins Gesicht zu schauen und dann zu sagen: Ich möchte aber diese Richtung einschlagen und mutig meine Bestimmung leben.

Was sind denn Dinge, vor denen du Angst hast?
Ich kämpfe immer wieder mit der Frage: Was denken Leute über mich? Ich habe Angst, als Leiterin oder als Mama zu versagen. Das hat auch mit meinem eigenen Anspruch an mich selbst zu tun.

Und wie war das für dich in der Corona-Zeit?
Corona war schrecklich und hat sehr viele Ängste hochgeholt, die mir gar nicht so bewusst waren. Wir leiten eine junge Kirche, und bis zu Corona hatten wir eine wahnsinnige Dynamik. Es kamen viele Leute, und wir waren eher ein bisschen überfordert mit dem Wachstum. In der Corona-Zeit war es total schwierig zu merken: Man spürt die Leute nicht. Und die Leute sind vielleicht nicht so verbunden mit der Gemeinde, wie wir uns das gewünscht hätten. Auf einmal kommen Frust und komische Gespräche und Kritik. Ich hatte nicht viel Angst vor dem Virus selbst, sondern Angst, nicht allem gerecht zu werden, Angst, zu versagen, Angst, Leute zu verlieren, Angst vor Kritik und davor, dass ich mich nicht mehr erfolgreich fühle. Da hat Gott mich entlarvt und ich habe gemerkt: Ich möchte nicht, dass ich davon motiviert bin.

Was hat dir geholfen?
Mir hat tatsächlich die Auseinandersetzung mit dem Thema für das Buch geholfen. Ich habe das Gefühl, dass es ein Trick war von Gott, dass ich mich damit auseinandersetzen musste, weil ich mich vorher nicht unbedingt als furchtsamen oder ängstlichen Menschen bezeichnet hätte. Aber die Auseinandersetzung mit dem Thema hat mir gezeigt, dass Angst oft anders aussieht, als man denkt. Nicht nur die haben mit Angst zu kämpfen, die sich die Decke über den Kopf ziehen und sich einigeln, wenn Corona kommt. Angst kann ganz unterschiedlich aussehen. Die Auseinandersetzung mit diesen inneren Glaubenssätzen, mit den Ursachen und den Schutzfunktionen, die man ergreift, wenn man ängstlich ist, hat mir total geholfen. Und das Gebet, Gott zu suchen, um Hilfe zu rufen.

Hast du eine Strategie, wenn du merkst: Jetzt kommt Angst in mir hoch?
Wir haben in dem Kurs, der meinem Buch zugrunde liegt, eine Formel entwickelt: See, Reflect, Choose, Act. Das sind vier Schritte, vier Fragen, die man sich stellen kann. Und das mache ich tatsächlich immer mal wieder. „See“ bedeutet: Was fühle ich gerade? Und auch: Wie reagiert mein Körper? Warum bin ich grad so negativ? „Reflect“ heißt: Wo kommt das her? Wann hat das angefangen? Und „Choose“ bedeutet: Was möchte ich denken? Mein Inneres ist in irgendeine Richtung abgebogen, aber es gibt auch einen anderen Weg, für den ich mich entscheiden kann. Und „Act“ ist dann, diesen Weg zu gehen und entsprechend zu handeln. Diese Formel, diese vier Fragen gehe ich immer mal wieder durch.

Jesus sagt ja häufig: „Fürchtet euch nicht.“ Aber wie passt das zusammen mit seiner Aussage: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“?
Ich glaube, dass Angst etwas Normales ist und dass wir keine Angst vor der Angst zu haben brauchen. Wenn Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst“, bedeutet das: Angst gehört zu uns, zu unserer Menschlichkeit und auch zu dem Umfeld, in dem wir leben, dazu. Das ist nun mal nicht sicher, es ist bedrohlich für uns und auch gefährlich. Jesus sagt: „Ihr habt Angst, das ist normal, das gehört dazu.“ Und diese Aussage „Fürchtet euch nicht“ in der Bibel ist eigentlich immer verknüpft mit „… denn ich bin bei dir“. Das finde ich so stark, dass es nicht heißt „Fürchte dich nicht!“ im Sinne von „Du sollst das nicht fühlen!“. Sondern: „Hey, du brauchst dich nicht zu fürchten, denn ich bin bei dir. Es gibt eine größere Realität in dieser Situation jetzt gerade. Gott hat Macht über unser Weltgeschehen.“ Oder: „Gottes Sicht von mir ist wichtiger als die Sicht von Menschen.“ Wir gucken dann nicht mehr auf das, was uns beängstigt, sondern eben zu Jesus und zu seinen Alternativen.

Du hast einen Bibelvers aus dem 2. Timotheus-Brief als Motto über dein Buch gestellt: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Was fasziniert dich an diesem Vers?
Je mehr ich mich damit auseinandersetze, desto mehr sehe ich, dass Kraft, Liebe und Besonnenheit nicht nur theologisch, sondern auch psychologisch richtige Pfunde gegen die Angst sind. Wenn ich weiß, ich habe die nötige Kraft, ich habe das nötige Beziehungsfundament, ich habe die nötige Unterstützung und ich habe Besonnenheit – was bedeutet, ich reagiere nicht impulsiv, sondern mit Weisheit, mit einer bewussten Entscheidung –, sind das auch psychologisch Schlüssel gegen die Angst. Aber da steht eben auch: Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit. Dass der Heilige Geist das mitbringt in unser Leben und diese Sachen in unserem Leben etablieren möchte, finde ich toll. Dass wir nicht nur angewiesen sind auf Psychologie, sondern dass wir eine Kraft an unserer Seite haben. Ich finde es unglaublich schön, dass wir nicht allein sind, sondern Gott an unsere Seite kommt, um uns in die Freiheit zu führen.

Interview: Bettina Wendland

Sara Bohlen leitet zusammen mit ihrem Mann Renke die „Kirche im Pott“ mit Standorten in Bochum, Dortmund und Münster. Für ihre Gemeinde hat sie zusammen mit einer Psychologin den Kurs „Fearless“ entwickelt, auf dessen Grundlage ihr Buch „Furchtlos“ (SCM R.Brockhaus) entstanden ist. Sara lebt mit Renke und ihren drei Töchtern Amie, Mila und Ella in Bochum.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/07/Family-7380-scaled-e1659016637835.jpg 1812 2002 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-08-30 15:07:052022-09-06 12:14:04Der Angst ins Gesicht schauen

Immer mehr Pickel

„Mein Sohn (13) bekommt immer unreinere Haut. Ich habe das Gefühl, dass er sich nicht richtig darum kümmert und befürchte, dass er gehänselt wird, wenn es so weitergeht. Wie kann ich ihm helfen und was kann man bei unreiner Teenager-Haut unternehmen?“

„Mein Sohn (13) bekommt immer unreinere Haut. Ich habe das Gefühl, dass er sich nicht richtig darum kümmert und befürchte, dass er gehänselt wird, wenn es so weitergeht. Wie kann ich ihm helfen und was kann man bei unreiner Teenager-Haut unternehmen?“

Bei Ihrem Sohn liegt wahrscheinlich eine pubertätsbedingte Akne vor. Die Akne ist eine der häufigsten Hauterkrankungen weltweit und tritt meistens ab dem Zeitpunkt der Pubertät auf. Zunächst einmal sollten Sie sich keine allzu großen Sorgen machen. Ihr Sohn ist mit diesem Problem nicht allein, denn fast 80 Prozent aller Teenager neigen zu unreiner Haut.

Das ist vor allem auf die hormonelle Veränderung während der Pubertät zurückzuführen. Im Teenageralter entwickeln die Sexualorgane vermehrt verschiedene Hormone, unter anderem auch Androgene. Ein Beispiel ist das männliche Sexualhormon Testosteron, welches unter anderem für das Wachstum der Körperbehaarung verantwortlich ist oder bei Jungen den Stimmbruch auslöst.

Aknenarben durch Pickel vermeiden

Die Androgene regen die Talgproduktion der Haut an, wodurch es bei Teenagern während der Pubertät häufig zu Unreinheiten und Pickeln im Gesicht und/oder auf der Rückenpartie kommt. Mit der richtigen Pflege und medizinischen Behandlung kann das Ausmaß der Akne glücklicherweise enorm gemildert werden. Das ist vor allem wichtig, um sogenannte „Aknenarben“ zu vermeiden, die häufig dann entstehen, wenn es zu Entzündungen kommt und diese nicht richtig behandelt werden.

Es ist wichtig, dass Sie hier, am besten gemeinsam mit Ihrem Kind, eine geeignete Pflegeroutine entwickeln und im besten Fall auch ein Auge darauf behalten, dass diese entsprechend durchgeführt wird. Um langfristige Erfolge zu erzielen, ist es essenziell, diese Routine konsequent durchzuführen und nicht abzubrechen, auch wenn Besserungen zu erkennen sind, sonst kann es zu einem Rückfall und einem erneuten Ausbruch der Akne kommen.

Worauf Sie bei Pflegeprodukten achten sollten

Es gibt unzählige Produkte zur Behandlung von Aknehaut. Bei der Auswahl sollten Sie einige Dinge beachten. Aknehaut neigt dazu, eher fettig zu sein, weswegen eher „leichte“ statt fettende Produkte verwendet werden sollten, die die Haut nicht noch zusätzlich verschließen. Auf diese drei Stichworte sollten Sie beim Kauf der Produkte Acht geben: Sie sollten „nicht komedogen“ bzw. „komedolytisch“ oder „keratolytisch“ sein. Pflegeprodukte, die diese drei Kriterien erfüllen, eignen sich gut zur Behandlung der Akne. Sie machen die Poren frei, helfen Pickel und Mitesser aufzulösen und lösen abgestorbene Hautzellen. Bei der Reinigung sollten milde, am besten pH-neutrale Produkte verwendet werden, um die Haut nicht weiter zu reizen. Meistens reicht jedoch bei einer Akne keine lokale Hautpflege aus, sondern rezeptpflichtige Wirkstoffe werden benötigt.

Ist die Akne stark ausgeprägt, kann in Absprache mit dem behandelnden Dermatologen auch eine medikamentöse Therapie mit Hormonpräparaten, Antibiotika oder Vitamin A-Säure-Präparaten angeordnet werden. Diese muss aber genau auf das Hautbild abgestimmt werden. Auch chemische Peelings können helfen, die Akne zu bekämpfen. Diese sollten ausschließlich von geschultem Fachpersonal durchgeführt werden.

Dr. med. Alice Martin ist Ärztin und Mitgründerin der Online-Hautarztpraxis dermanostic.com. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/07/Pickel-Kopie.jpg 1844 1696 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-08-21 14:17:592022-07-28 14:44:46Immer mehr Pickel
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