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Artikel aus den Heften

Angst vor Abhängigkeit

„Ich habe im Zimmer meines Sohnes (15) einen Joint gefunden. Was soll ich tun?“

ie Pubertät ist die Phase, in der Jugendliche viel ausprobieren und ihre Grenzen austesten – unter Umständen gehört dazu auch das Experimentieren mit Alkohol und illegalen Drogen. Ob Jugendliche ein Drogenproblem entwickeln, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Meist sind es familiäre, psychische oder gesellschaftliche Schwierigkeiten, die zu einem problematischen Konsum führen können. Auch wenn jugendlicher Probierkonsum nicht zwangsläufig in eine Abhängigkeit führt, so ist er aber immer mit einem Risiko verbunden, das umso höher ist, je niedriger das Einstiegsalter. Hinweise für einen problematischen Cannabiskonsum können ein Leistungsabfall in der Schule, der Wechsel des Freundeskreises, Wesensveränderungen und die Vernachlässigung von Pflichten und Hobbys sein. Diese Anzeichen sind häufig auch pubertätsbedingt, sollten aber Anlass für eine erhöhte Aufmerksamkeit geben.

EIGENE POSITION FINDEN
Wenn Sie einen Joint im Zimmer Ihres Kindes gefunden haben, heißt es erst einmal „Ruhe bewahren“. Verfallen Sie nicht in Panik und atmen Sie tief durch! Angst und Panik verhindern klares Denken und Handeln. Sie als Eltern machen sich in solch einer Situation verständlicherweise große Sorgen. Um die Situation besser einschätzen zu können, informieren Sie sich zunächst über Cannabis und andere Drogen. Hierbei können die unten aufgeführten Internetseiten eine Hilfe sein. Reflektieren Sie Ihre Haltung und Ihren eigenen Umgang mit legalen und illegalen Drogen. Fragen Sie sich zum Beispiel: „Wie stehe ich zu Alkohol? Wann und wo ist meine Grenze beim Alkoholkonsum? Bin ich ein gutes Vorbild im Umgang mit Rauschmitteln?“ Nehmen Sie sich Zeit für ein gemeinsames Gespräch. Nehmen Sie sich Zeit für ein gemeinsames Gespräch, Sprechen Sie offen über Ihre Ängste und Befürchtungen. Machen Sie deutlich, dass gewisse Verhaltensweisen an Ihre persönlichen Grenzen stoßen, die Sie so nicht tolerieren können. Das schafft klare Verhältnisse und bildet die Grundlage für gegenseitiges Vertrauen. Interessieren Sie sich dafür, warum Ihr Sohn kifft. Geben Sie ihm die Möglichkeit, seine Erfahrungen mit Cannabis mitzuteilen. Wichtig ist es, die Situation nicht zu dramatisieren und Ihr Kind nicht zu beschuldigen, damit es nicht in eine Verteidigungshaltung gedrängt wird.

INTERESSE ZEIGEN
Bleiben Sie im Kontakt und geben Sie Ihrem Kind immer das Gefühl, dass Sie jederzeit ansprechbar sind. Zeigen Sie Ihr Interesse, indem Sie auch andere Themen ansprechen, die Ihren Sohn betreffen, zum Beispiel: Wie geht es in der Schule? Wie geht es mit den Freundinnen und Freunden? Wie fühlt er sich innerhalb der Familie? Wie sieht er seine Zukunft? Gibt es Dinge, die ihn beunruhigen? Das Thema Drogenkonsum ist für Eltern und Angehörige mit großen Unsicherheiten und Ängsten verbunden. Grundsätzlich empfiehlt sich der Besuch einer Drogenberatungsstelle. Eine Beratung kann Orientierung bieten und zu Entlastung und mehr Handlungssicherheit führen.

Jakob Kraemer ist Sozialarbeiter und arbeitet in der Beratungsstelle inechtzeit. der Krisenhilfe e.V. Bochum. Hier berät er Konsumenten/Konsumentinnen von Cannabis und synthetischen Drogen und deren Bezugspersonen.

 

Hilfreiche Informationen zum Thema „Drogensucht“:
www.stark-statt-breit.de
www.dhs.de
www.drugcom.de
Buchtipp: Jörg Böckem, Henrik Jungaberle: High sein: Ein
Aufklärungsbuch (Rogner & Bernhard)

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/04/Joint.jpg 806 583 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2018-06-07 10:00:012018-06-05 14:19:40Angst vor Abhängigkeit

Kindergeburtstag im Wald

Verstecken spielen hinter Bäumen, Spuren suchen am Waldboden und zur Stärkung ein selbstgemachtes Stockbrot über dem Lagerfeuer – ein Kindergeburtstag im Wald ist spannender als jede Motto-Party. Die Waldschutzorganisation PEFC gibt sechs (Spiele-)Tipps für einen gelungenen Nachmittag mit Kindern im Wald.     

Geht es um die Planung des perfekten Kindergurtstages, denken viele Eltern, ihre Kids mit kostenintensiven Freizeitangeboten bespaßen zu müssen.  Dabei brauchen Kinder für einen gelungenen Geburtstag eigentlich nur Freunde, Geschenke, einen Geburtstagskuchen und einen spannenden Platz zum Spielen und Toben. Unsere Wälder sind solch ein idealer Abenteuerspielplatz.

Besonders viel zu entdecken gibt es in gesunden Mischwäldern, die nachhaltig bewirtschaftet werden, worauf die Waldschutzorganisation PEFC achtet. Hier gibt es Bäume unterschiedlicher Größe, Art und unterschiedlichen Alters. Versteckt im Totholz (abgestorbene Bäume) lassen sich Höhlen von Kröten, Käfern und seltenen Vögeln entdecken. Stadtnahe PEFC-Erholungswälder laden zudem mit gut ausgebauten Wanderwegen, Grill- und Picknickplätzen oder Barfuß- und Trimm-dich-Pfaden zum Spaßhaben ein.     

Die folgenden Spiele lassen sich ohne großen Vorbereitungsaufwand zu jeder Jahreszeit im Wald spielen und sind für Kinder von drei bis zehn Jahren geeignet. Es sollte möglichst ein Waldstück ausgewählt werden, in dem keine Schäden am Baumnachwuchs durch die spielenden Kinder entstehen können. Wie bei jedem Ausflug in die Natur empfehlen sich festes Schuhwerk, eine dem Wetter angemessene Kleidung und eine lange Hose gegen Kratzer. Alle Spielideen lassen sich übrigens auch prima in den normalen Sonntagsausflug integrieren.

Waldmemory

Auf dem Waldboden wird eine Picknickdecke ausgebreitet, auf der die Erwachsenen einige Gegenstände auslegen, die sie zuvor im Wald gesammelt haben. Dies können zum Beispiel Fichtenzapfen, Eicheln, Bucheckern, Steine oder die Blätter verschiedener Bäume sein. Die Waldgegenstände werden zusammen mit den Kindern betrachtet und namentlich bestimmt. Nachdem sich die Kinder die Gegenstände eingeprägt haben, haben die Kinder fünf Minuten Zeit, um möglichst viele dieser Gegenstände im Wald zu sammeln. Anschließend kommen alle Kinder zusammen und präsentieren ihre Funde vor den anderen auf der Decke. Wer am meisten Elemente gefunden hat, hat gewonnen. Am Ende darf sich jedes Kind ein Andenken für Zuhause aussuchen.

Finde den richtigen Baum   

Ein Kind lässt sich die Augen verbinden. Dann wird es, nach ein paar Drehungen, zu einem Baum geführt. Das Kind muss ihn ganz genau betasten und vielleicht auch daran riechen und versuchen, sich alle Besonderheiten zu merken. Danach wird es zum Startplatz zurückgeführt. Jetzt nimmt es die Augenbinde ab und sucht den richtigen Baum. Hat es alle Merkmale und damit den richtigen Baum wiedererkannt, ist das nächste Kind ist an der Reihe.

Baumschaukel-Basketball

Ein Korb wird mit einem Seil an den Ast eines Baumes gehängt und in Schwung versetzt. Etwa ein bis zwei Meter (je nach Alter der Kinder) entfernt, befindet sich eine Wurflinie. Die Kinder stellen sich entlang der Linie auf und werfen beispielsweise Kastanien, Eicheln oder Fichtenzapfen in den schwingenden Korb. Der Korb muss mehrmals von einem Erwachsenen neu in Schwung gebracht werden. Alle Gegenstände, die nicht im Korb gelandet sind, werden wieder aufgesammelt, neu verteilt und wieder geworfen. Wer sein Wurfmaterial zuerst im Korb versenkt, hat gewonnen.

Jäger und Sammler

In einem kleinen Waldstück wird eine festgelegte Anzahl an Gegenständen versteckt, die im Wald nichts verloren haben, z.B. ein Kuscheltier, Süßigkeiten, eine Socke auf einem Baumzweig, etc. Das Team, welches die meisten Gegenstände gefunden hat, ist der Gewinner. Damit am Ende nichts im Wald liegenbleibt, bitte vorher eine Liste erstellen.

Schiff Ahoi

Aus einem größeren Aststück werden unter Anleitung und Aufsicht der Aufsichtsperson kleine Schiffchen geschnitzt, die anschließend in einem Waldbach um die Wette fahren. Dieses Spiel eignet sich natürlich nur für größere Kinder, die bereits wissen, wie man mit einem Messer umgeht.

Hindernislauf

Es wird ein Hindernis-Parcours mit verschiedenen Stationen aufgebaut. An jeder Station müssen die Kinder eine Aufgabe lösen, etwa über einen einzelnen, liegenden Baumstamm balancieren, auf einem Bein durch tiefes Laub hüpfen, dreimal um einen bestimmten Baum rennen, einen Fichtenzapfen oder eine Kastanie von einer bestimmten Stelle in ein Erdloch rollen. Das Kind, welches den Parcours am schnellsten durchlaufen und alle Aufgaben gelöst hat, hat gewonnen.

Spielen im Wald macht hungrig. Zur Stärkung empfiehlt es sich, mit den Kindern an einer schönen Stelle wie einem Waldspielplatz ein Picknick zu machen oder direkt eine Grillhüte zu mieten. Je nach Jahreszeit kann man sich auch an den essbaren Früchten von Mutter Natur bedienen. Genascht werden sollte jedoch nur, was man kennt. Neben dem Geburtstagskuchen gehört unbedingt auch eine Mülltüte mit ins Gepäck, um den Wald wieder so sauber zu verlassen, wie man ihn vorgefunden hat.

Quelle: www.pefc.de

 

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/06/Kinder-beim-Schnitzen_Foto-PEFC.jpg 2000 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2018-06-04 08:00:432018-06-05 14:19:40Kindergeburtstag im Wald

„Wir sehnen uns nach Gemeinschaft“

In einer „klassischen“ Gemeinde haben Jessica Schlepphege und ihr Mann keine Heimat gefunden. Deshalb probieren sie neue Formen der Gemeinschaft aus.

Manchmal wage ich es gar nicht auszusprechen: Mein Mann, unsere Kinder und ich haben kein „geistliches Zuhause“. Wir gehen nicht jeden Sonntag in den Gottesdienst und sind auch in keinem Hauskreis. Zwar sind wir noch Mitglieder in unserer Heimatgemeinde, die wir hin und wieder besuchen, aber regelmäßige „Gemeindeaktivitäten“ pflegen wir dort nicht mehr. Seit gut zehn Jahren befinden mein Mann und ich uns auf der Suche nach dem, was Gemeinde für uns bedeutet. Angefangen hat dieser Prozess, als wir studiumsbedingt Richtung Norden zogen. Für uns war klar, dass wir auch in unserer neuen Heimat einer Kirchengemeinde angehören wollten. Also besuchten wir kurz nach dem Umzug die ersten Gottesdienste. Doch auch nach längeren Zeiträumen, die wir in einzelnen Gemeinden verbrachten, fühlten wir uns nirgendwo zu Hause. Sicherlich gab es auch hier und da Formen oder Strukturen, die uns befremdlich waren oder sogar irritierten. Doch der Illusion, einer perfekten Gemeinde zu begegnen, waren wir schon lange entwachsen. Schließlich wurde uns klar, dass unsere Gemeinde unbedingt vor Ort sein sollte. Wir sehnten uns nach Gemeinschaft, die regelmäßig ohne größeren Aufwand praktiziert werden konnte. Doch in den Gemeinden vor Ort kamen wir nie richtig an.

SCHLECHTES GEWISSEN
Immer seltener machten wir uns am Sonntagmorgen auf den Weg zum Gottesdienst, bis wir uns schließlich bewusst dazu entschieden, nicht mehr Teil einer Gemeinde vor Ort zu sein. Durch unsere gemeindliche Prägung meldete sich nicht selten das schlechte Gewissen: Ist es okay, wie wir unseren Glauben leben? Tun wir uns, anderen oder Gott damit Unrecht? Auch die sorgenvollen Fragen anderer Christen ließen uns manches Mal zweifelnd zurück. Wir suchten mehrmals wieder Kontakt zu einer Gemeinde, merkten aber beide relativ bald, dass unsere Bedürfnisse nicht gestillt wurden. Mit der Zeit kristallisierte sich heraus, wonach wir uns sehnten. Denn eigentlich klangen all unsere Gründe ‚gegen’ diese oder jene Gemeinde wie faule Ausreden. Wir sehnten uns nach anderen, vielleicht neuen oder eben nur ganz einfachen Formen des Gemeindelebens. Eine Gemeinschaft, die nahezu ohne Strukturen auskam. Strukturen, die wir immer mehr als hinderlich empfanden. Wir wollten eine Gemeinde nach dem Prinzip: Weniger ist mehr. Weniger Leute. Weniger Programm. Weniger Hierarchie. Weniger …

VERÄNDERTES GEMEINDEBILD
Schließlich traf das Buch „Der Schrei der Wildgänse“ von Wayne Jacobsen und Dave Coleman genau unseren Nerv. Es waren gar nicht so sehr einzelne Zitate oder Sätze, die mich berührten, sondern die Geschichte als Ganzes, der Lernprozess der Hauptfigur und seine oft dämlichen Fragen, die exakt so von mir hätten stammen können. Die Autoren beschreiben den Weg eines Gemeindeleiters und Pastors, der aus den Strukturen seiner (Mega-)Kirche ausbricht. Auf seiner Suche nach dem, was „Gemeinde“ bedeuten kann, begegnet er immer wieder einem mysteriösen Mann, der ihn herausfordert, seinen Weg ehrlich zu reflektieren. Im Grunde geht es in der Geschichte um die Einfachheit von Gemeinde. Um die Frage: Wo fängt Gemeinde eigentlich an? Auch meinen Mann und mich beschäftigen die Fragen, was Gemeinde eigentlich ist und welche Formen sie annehmen kann. Früher bedeutete Gemeinde für uns das, was die meisten Christen unter einer herkömmlichen Gemeinde verstehen: Sie hat einen Namen, einen Ort und ein Programm. An verschiedenen, über die Woche verteilten Terminen findet das Gemeindeleben statt. Das Gemeindeleben beziehungsweise die Gemeinschaft entstehen also durch diese Strukturen. Im Laufe der Jahre veränderte sich unser Bild von Gemeinde. Obwohl wir unser Leben oft als gemeindefern bezeichnet hatten, würden wir heute sagen, dass wir eigentlich schon lange, wenn nicht sogar immer, ein lebendiges Gemeindeleben führen. Wir leben enge Beziehungen zu anderen Christen, teilen mit ihnen die Tischgemeinschaft und ermutigen uns in unserem Weg mit Gott. Bei allem, was wir tun und in allen Beziehungen, die wir leben, möchten wir uns der Nähe von Jesus bewusst sein. Diesem Gedanken folgend fängt Gemeinde mit Gemeinschaft an. Ein organischer Prozess, bei dem authentische Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Beziehungen, wie Jacobsen schreibt, in denen „man einen offenen, ehrlichen Austausch pflegt, ein ehrliches Interesse am geistlichen Wohlergehen der anderen zeigt und sich gegenseitig ermutigt, Jesus zu folgen, wie auch immer er die Einzelnen führt“.

ERFAHRUNGEN
Wenn wir auf die vergangenen zehn Jahre mit unserer Form des Gemeinde- und Gemeinschaftslebens zurückblicken, wird uns Folgendes wichtig:

1. Mehr Eigeninitiative Eine Herausforderung war zunächst, dass wir mehr Eigeninitiative für unser Glaubensleben aufbringen mussten. Während wir früher mindestens jeden Sonntag und Donnerstagabend einfachen Zugang zu Lobpreis, Bibelauslegung und Gemeinschaft hatten, mussten wir uns nun bewusst darum bemühen, diese Komponenten in unseren Alltag einzubauen. Das versuchen wir, indem wir zum Beispiel Predigten über das Internet ansehen, eigene Lobpreiszeiten mit CD oder Klavier gestalten und die Gemeinschaft mit anderen Christen suchen. Je länger wir ohne festen Gemeindebezug auskommen wollten, umso natürlicher fühlte es sich an, Verantwortung für unser Glaubensleben zu übernehmen (was nicht heißen soll, dass Mitglieder einer herkömmlichen Gemeinde das nicht tun).
2. Missionales Leben Durch die Einfachheit von Gemeinde, wie wir sie leben wollen – das Weglassen von Strukturen und Terminen –, wurden Zeit und Kraft für einen anderen Bereich freigesetzt, der uns wichtig geworden ist: missionales Leben. Das bedeutet, wir möchten Gottes Licht und seine Liebe in den Beziehungen leben, die ganz natürlich in unserem Lebensumfeld entstehen. Obwohl wir dieses Prinzip auch schon vorher gelebt hatten, merkten wir, wie unser Alltag ohne die Veranstaltungen in der Gemeinde viel mehr Raum für Beziehungen bot: in der Nachbarschaft, bei Veranstaltungen für und mit den Kindern, bei der Arbeit und unseren Hobbys. Uns persönlich geht es dabei nicht darum, Menschen zu bekehren, sondern Gottes Liebe und all das Gute, das er uns schenkt, an die Menschen um uns herum weiterzugeben.
3. Kinder integrieren Im Laufe der Zeit wurden wir mit drei tollen Kindern beschenkt. Wir fragen uns immer wieder, wie auch sie Teil unseres Gemeindelebens sein können. Gerade sind sie im Baby-, Kindergarten- und Grundschulalter, und wir empfinden das Vorleben des eigenen Glaubens wichtiger als den Besuch eines Kindergottesdienstes oder der Jungschar. Aber auch unsere Kinder sehnen sich nach regelmäßiger Gemeinschaft vor Ort, sodass unser Ältester nun den Wunsch geäußert hat, eine Jungschar zu besuchen. Wir glauben nicht, dass das unserem Gemeindeverständnis widerspricht. Auch unsere Kinder sollen authentische Beziehungen zu anderen Gotteskindern leben und dürfen sich mit zunehmendem Alter für die Gemeindestrukturen entscheiden, die zu ihnen passen. Wie mit allem in unserem Gemeindeleben sind wir auch hier Suchende und Fragende. 4. Netzwerk Seit etwa vier Jahren sind wir Teil eines Netzwerkes, in dem wir uns über missionales Leben und alternative Gemeindeformen austauschen. Zwei- bis dreimal im Jahr treffen wir uns, um diese Themen zu vertiefen und voneinander zu lernen. Das Netzwerk hilft uns sehr, um mit all unseren Fragen nicht allein dazustehen. Es ermutigt uns zu erleben, dass andere Christen ähnliche Fragen haben und sich nach neuen Formen des Lebens mit Jesus sehnen.

BEZIEHUNGEN LEBEN
Gemeinde bedeutet für uns authentisch gelebte Beziehungen unter Gläubigen. Und ganz gleich, wie die einzelnen Gemeinden aussehen – wir sind überzeugt, dass jede Form ihre Berechtigung hat und gebraucht wird: ob mit traditionellen Strukturen im Gemeindehaus oder ganz hip im Stadtcafé; ob klein und persönlich, in der MegaChurch mit Eventcharakter oder irgendwo dazwischen. Mein Mann und ich leben Gemeinde seit gut zehn Jahren nach dem Beziehungsprinzip. Und vielleicht werden wir irgendwann auch wieder in einer „herkömmlichen“ Gemeinde zu Hause sein. Momentan träumen wir von kleinen Gemeinde-Zellen und wünschen uns Beziehungen mit anderen Gläubigen, die wir vor Ort leben können. Damit wir füreinander und gemeinsam den Menschen um uns herum Nachbarn und Nächste sein können. Wir sind mit Gott auf einem Weg, auf dem wir nicht alle Antworten kennen und auf seine Leitung angewiesen sind. Letztes Jahr zogen wir zurück in die alte Heimat und sind nun gespannt, was Gott hier mit uns vorhat.

 

 

Jessica Schlepphege hat Englische Fachdidaktik und Erziehungswissenschaften studiert. Sie ist Botschafterin der Anti-Sklaverei- Bewegung www.ijm-deutschland.de, arbeitet als freie Autorin und lebt mit ihrem Mann und den drei Kindern in der Nähe von Karlsruhe.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/04/Gemeinschaft-e1524220410662.jpg 692 1288 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2018-06-02 10:00:562018-06-05 14:19:41„Wir sehnen uns nach Gemeinschaft“

Aufatmen im Terminstress

Wie gut es tun kann, andere wertzuschätzen, hat Ingrid Jope erlebt.

Urlaubsreif. Mit diesem Wort ließ sich bestens beschreiben, wie es mir ging. Ein volles (Schul-) Jahr lag hinter mir. Der Schulwechsel unserer großen Tochter steckte darin und das letzte, intensive Kindergartenjahr unseres inzwischen auch großen Sohnes. Aufgrund meines beruflichen Wiedereinstiegs und einer damit verbunden Weiterbildung hatte ich ein Jahr lang eine 75-Prozent- Stelle und musste nebenbei noch eine Abschlussarbeit und einiges an Fortbildungsterminen stemmen. Die letzte Woche vor den großen Ferien hatte es mit sämtlichen Abschiedsfeiern und beruflichen Herausforderungen besonders in sich. Da musste der Termin fürs Abschlussgespräch im Kindergarten in die erste Urlaubswoche verschoben werden. Müde stand ich an diesem Tag morgens auf und hätte am allerliebsten darauf verzichtet, heute überhaupt einen Termin zu haben. Ich schleppte mich mehr zum Kindergarten, als dass ich radelte. Dann saß ich zwei freundlichen Erzieherinnen gegenüber. Sie hatten sich sorgfältig vorbereitet und stellten mir die Bildungsdokumentation meines Kindes vor. Nach wenigen Minuten war das Gefühl „Ich hätte keinen Termin gebraucht“ verdrängt vom Eindruck: „Toll, dass diese aufmerksamen und engagierten Erzieherinnen unseren Wirbelwind von Sohn durch seine Kindergartenzeit begleitet haben.“ Ich erfuhr Einzelheiten aus dem Kindergartenalltag, ich schnupperte die Sichtweise der Erzieherinnen auf mein Kind, kam so manches Mal ins Schmunzeln, weil ich typische Verhaltensweisen, Stärken und Schwächen vom Alltag zu Hause wiedererkannte. Und ich habe ganz viel Zugewandtheit gespürt, Wertschätzung und Respekt vor dem ureigenen Wachstumsprozess, den jedes Kind nach seiner „inneren Uhr“ und in seiner Einzigartigkeit durchläuft. In mir wuchs ein Glücksgefühl, es schmeckte nach Dankbarkeit, nach beschenkt sein und nach tief durchatmen. Ich fasste eine Erkenntnis, die uns schon lange begleitete, in Worte: Das war genau der richtige Kindergarten für unser Temperamentsbündel. Ich könnte mir keinen besseren für unser Kind und unsere Familiensituation vorstellen. Ich zählte einige Beispiele auf, die ich am Kindergartenalltag und dem ihn prägenden Erziehungsstil schätzte. Die vier Augen der Erzieherinnen strahlten. Meine Erschöpfung war wie weggeblasen. Achtsamkeit und Respekt zu erleben und Wertschätzung zu geben – das tat durch und durch gut. Auch wenn der Alltag voll ist und ich eigentlich viel zu erschöpft bin, will ich das nicht aus dem Blick verlieren: Danke sagen, Gutes wertschätzen, Menschen zeigen, dass ich wahrnehme, wie sehr sie sich einsetzen. All das tut auch mir und meiner Seele gut.

Ingrid Jope ist Theologin und Sozialpädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wetter/Ruhr.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/04/Tankstellesie.jpg 529 639 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2018-05-31 13:56:252018-10-09 11:10:05Aufatmen im Terminstress

„Ich glaube, mein Kind nimmt Drogen …“

Wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind Drogen konsumiert, sind sie oft unsicher, was zu tun ist. Viele Eltern zögern, sich Unterstützung zu holen. Philip Nielsen ist Psychotherapeut FSP und Leiter des Zentrums „Phénix Mail“ in Genf, einem der fünf Zentren der Stiftung Phénix. Im Interview mit Sucht Schweiz hat er Antworten auf Fragen, die viele Eltern beschäftigen.

Was sagen Sie Eltern, die zögern, sich Unterstützung zu holen?

Folgen Sie Ihrem Bauchgefühl. Sie kennen Ihr Kind besser als sonst jemand. Wenn sich Ihr innerer Alarm einschaltet, wenn Sie das Gefühl haben, dass es Ihrem Kind nicht gut geht, hören Sie auf sich! Und verlieren Sie keine Zeit damit, Beweise zu suchen, dass Ihr Kind Cannabis oder etwas anderes konsumiert, bevor Sie sich an eine Fachstelle wenden.

Wie geht es den Eltern, die sich an Sie wenden?

Oft fühlen sie sich erschöpft. Viele haben das Gefühl, versagt zu haben. Manche schämen sich sogar. Wir versuchen, diese Eltern bestmöglich zu entlasten. Wir wertschätzen auch, was sie schon getan haben. Oft sind ihre Ideen gut, auch wenn es nicht funktioniert hat. Man muss also nicht alles neu erfinden, vielleicht kann man auf dem aufbauen, was schon begonnen wurde.

Wie reagieren Sie auf die Gefühle der Eltern, versagt zu haben, und auf deren Schuldgefühle?

Diese Gefühle sind sehr verbreitet und können sehr lähmend sein. Wir begleiten die Eltern aus diesen Gefühlen heraus. Wir unterstützen sie dabei, neue Energie und neue Wege zu finden. Niemand hat bessere Möglichkeiten als die Eltern, ein Kind positiv zu beeinflussen. Davon sind wir überzeugt. Wir arbeiten eng mit den Müttern und Vätern zusammen, damit diese wieder eine harmonische Beziehung zu ihrem jugendlichen Kind finden können.

Wie läuft ein erstes Treffen ab? Wer muss dabei sein?

Bei uns werden die Eltern von einem Familientherapeuten oder einer Familientherapeutin empfangen. Natürlich wäre es für eine erste Konsultation gut, wenn sowohl der oder die Jugendliche wie auch beide Eltern gemeinsam kämen – beide Eltern auch dann, wenn sie getrennt leben. Aber das ist nicht immer möglich. So erstaunlich das klingen mag: Das Wichtigste ist, dass die Eltern da sind. Für die Therapierenden ist es wichtig, zu den Eltern eine gute Verbindung zu haben. Die Eltern sind die wichtigsten Personen, wenn es darum geht, ein Kind zu unterstützen.

Man kann also zur Beratung kommen, auch wenn das Kind nicht mitkommen will?

Ja. Man darf mit diesem Schritt nicht warten, bis der oder die Jugendliche Lust hat, eine Therapie zu machen. Therapien, die mit Druck der Eltern stattfinden, sind genau so wirksam wie diejenigen, bei denen Jugendliche freiwillig mitmachen. Wenn die Eltern zuerst ohne ihr Kind kommen, beginnen wir die Arbeit mit ihnen. In 90% der Fälle wird auch ihr Kind früher oder später dazu stossen.

In manchen Situationen ist zwischen Eltern und Kind keine Kommunikation mehr möglich…

Richtig. Diese Kommunikation wieder herzustellen, ist eine wirklich große Aufgabe. Die Eltern versuchen es, fühlen sich aber in dieser Suche nach Dialog oft abgewertet, weil das Kind sich – manchmal arrogant – verweigert. Es braucht dann andere Zugänge. Die Eltern müssen manchmal sogar heftig intervenieren und sagen: Du hast keine Wahl, es gibt hier keine Diskussion.

Welche Rolle haben Eltern in der Therapie?

Im Gegensatz zu den Situationen des gelegentlichen Freizeitkonsums, gibt es in Situationen mit eigentlicher Abhängigkeit oft einen Gefühls- und Beziehungsaspekt. Der Konsum von Cannabis kann bei den Jugendlichen zum Beispiel ein Regulator für ihre Wut auf die Eltern sein. Sie konsumieren, bevor sie nach Hause kommen, weil sie wissen, dass die Eltern mit ihnen schimpfen werden, oder um zwischen sich und die Eltern einen Filter zu legen. Wir arbeiten an diesem Aspekt. Ich kann dann den Jugendlichen auch sagen, dass nicht nur sie eine Veränderung in Angriff nehmen müssen. Auch die Eltern werden an sich arbeiten müssen.

Was sollen Eltern oder Geschwister tun, wenn der/die Jugendliche gegen sie gewalttätig wird?

Ich empfehle ihnen, sich so schnell wie möglich an eine Beratungsstelle zu wenden, die auf familiäre Gewalt spezialisiert ist, damit man Schutzmaßnahmen ergreifen kann.
Das kann unter Umständen auch bedeuten, dass gegen das Kind Anzeige erstattet wird. Das Vorgehen ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Für Minderjährige wird die Justiz eher erzieherische als strafende Massnahmen anordnen, z. B. in Form einer Therapie.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Was Sie sich merken sollten:

  • Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Sie kennen Ihr Kind besser als sonst jemand.
  • Warten Sie nicht, bis Sie Beweise haben, dass Ihr Kind konsumiert, bevor Sie etwas unternehmen.
  • Warten Sie nicht darauf, dass Ihr Kind Lust hat, bei einer Therapie mitzumachen. Therapien unter „Zwang“ funktionieren bei Jugendlichen genauso gut wie freiwillige Therapien.
  • Auch wenn es nicht funktioniert hat: Was Sie bisher getan haben, war sicher nicht falsch.

Weitere Infos Schweiz:

  • Suchtberatungsstellen: www.suchtindex.ch
  • Rat und Hilfe von Sucht Schweiz: Gratisnummer 0800 104 104, Mo bis Do, jeweils 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16:30 Uhr
  • Für Jugendliche: www.feel-ok.ch
  • Für Eltern: Themenseite Eltern

Weitere Infos Deutschland:

  • Suchtberatungsstellen: https://www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme/
  • Online-Beratung für Betroffene: https://www.drugcom.de/?id=chat
https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/05/complize_photocase.de_.jpg 2205 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2018-05-28 16:28:472018-06-05 14:19:41„Ich glaube, mein Kind nimmt Drogen …“

Das erste Treffen mit der Freundin

„Unser Sohn studiert an einem anderen Ort und hat dort seine Freundin kennengelernt. Sie sind seit über einem Jahr zusammen. Nun möchte er sie uns vorstellen, worüber wir uns sehr freuen. Trotzdem machen wir uns Gedanken, wie wir dieses erste Treffen möglichst entspannt gestalten können.“

Dies ist wahrscheinlich eine neue Situation für Sie. Bisher haben Sie die meisten Freunde und Freundinnen Ihres Sohnes gekannt, weil sie im selben Ort lebten. Irgendwann hört dieser Zustand auf, und es treten Menschen in das Leben des erwachsenen Kindes, die wir als Eltern nicht mehr kennen. Und nun auch noch eine neue „Unbekannte“, die bisher nur vom Hörensagen eine Rolle in der Familie spielt. Als Eltern kann einem das schon mal die Schweißperlen auf die Stirn treiben: Wie wird sie sein? Werden wir uns mit ihr verstehen? Wird sie mit den Umgangsformen unserer Familie klarkommen? Da könnte schon allerhand schiefgehen – muss es aber nicht. Denn die junge Frau ist wahrscheinlich genauso aufgeregt und angespannt wie Sie auch. Sie wird sich freuen über ein lockeres und warmes Willkommen und über so viel Selbstverständlichkeit wie möglich.

DER ERSTE EINDRUCK
Ich denke gern an so ein erstes Kennenlernen in unserer Familie zurück. Die Freundin unseres Sohnes zeigte sich als unkomplizierte und freundliche junge Frau, die es uns leicht machte, ins Gespräch zu kommen. Am Anfang waren beide Seiten entsprechend aufgeregt, und auch unserem Sohn war der Stress der Situation anzumerken. Die Aufregung legte sich schnell, ein ausgedehntes Frühstück trug zur Lockerheit bei, und gemeinsame Gesprächsthemen waren schnell gefunden. Beiden Seiten scheint es wichtig zu sein, sich möglichst positiv zu zeigen, nach dem Motto: Der erste Eindruck zählt! Das kann, muss aber nicht so sein. Auch ein nicht so gelungener Auftakt, zu dem es vielleicht vor lauter Anspannung kommt, muss nicht der Anfang einer schlechten Beziehung sein. Mit etwas Humor und Gelassenheit kann sogar eine nicht so glücklich gelaufene erste Begegnung Anlass für ein entspanntes zukünftiges Miteinander sein. Mir hat der Gedanke geholfen, dass unser Sohn einen guten Geschmack hat und dass er ja schließlich mit der Freundin zurechtkommen muss. Als Eltern sind wir zwar irgendwie Teil des Ganzen, aber auch nur am Rande interessant. Gute Beziehungen brauchen Zeit zum Wachsen und zum Reifen, und so lohnt es sich, immer wieder neu dort zu investieren.

NEUE FARBE
Ich möchte Ihnen Mut machen, diese Begegnung als Chance zu sehen, sich selbst, die eigene Familie und eine ganz andere Familie mit anderen Werten, aber auch manchen Gemeinsamkeiten kennenzulernen. Durch die Partner unserer Kinder kommt oft eine neue Farbe in unsere Familie. Wir entdecken neue Seiten an uns und lassen uns auf kleine und große Herausforderungen im Miteinander ein. Offenheit und eine gute Portion Gottvertrauen helfen uns dabei, eine Chance in dem Neuen zu sehen, sich nicht zu verschließen und die Tür füreinander offenzuhalten.

 

Antje Rein leitet das Lebensnah Institut für Beratung, Bildung und Coaching, www.lebensnah-institut.de.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/04/Kennenlernen.jpg 639 716 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2018-05-27 13:07:222018-06-05 14:19:42Das erste Treffen mit der Freundin

Schreiben lernen?

„Unser Sohn (6) ist mit digitalen Medien aufgewachsen. Wir befürchten, dass sich die Mediennutzung negativ auf seine schulischen Leistungen auswirkt.“

Wenn ich Bus fahre, beobachte ich immer wieder fasziniert Kinder beim Umgang mit dem elterlichen Smartphone. Ganz selbstverständlich agieren schon die Kleinsten mit dem Gerät. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der regelmäßig erscheinenden KIM-Studie wieder. Sie untersucht das Medienverhalten und die Rolle der Medien bei 6- bis 13-Jährigen. Die Ergebnisse zeigen, dass 2016 die Hälfte aller Befragten ein Handy besaß. Die digitalen Medien gehören zur Lebenswelt unserer Kinder dazu. Daher steht auch im Strategiepapier der Kultusministerkonferenz 2016 klar die Forderung: „Da die Digitalisierung auch außerhalb der Schule alle Lebensbereiche und – in unterschiedlicher Intensität – alle Altersstufen umfasst, sollte das Lernen mit und über digitale Medien und Werkzeuge bereits in den Schulen der Primarstufe beginnen.“

ERSTER KONTAKT
Durch die Mediennutzung kommen unsere Kinder heute sehr früh in Erstkontakt mit der Schriftsprache. Interaktive Bilderbücher erscheinen auf dem Tablet, die Hauptdarsteller machen beim Klick eventuell noch ein Geräusch. So wird einem Kind ein Buch vorgelesen, auch wenn Mama oder Papa gerade keine Zeit haben. Auch in der Schule spielt der Umgang mit digitalen Medien eine Rolle. Trainieren die Kinder schon früh den medialen Umgang, sind Hemmschwellen für den Gebrauch viel geringer, und die Schüler probieren Programme ganz selbstverständlich aus. So erleichtert die Digitalisierung die Präsentation von schulischen Ergebnissen, lässt Gruppen interaktiv arbeiten und kann Lernprozesse unterstützen. Lern-Apps helfen Schülern, Unterrichtsinhalte zu wiederholen. Einzelne Pädagogen erklären in höheren Klassen beispielsweise auch gerne Lerninhalte über YouTube. So kann nicht Verstandenes beliebig oft wiederholt werden, ohne dass jemandem der Geduldsfaden reißt. Auch für Kinder mit motorischen Defiziten bieten die digitalen Medien Zugang zu einem vergleichsweise normalen Schulalltag, da sie zum Beispiel am Laptop einen Text tippen können, ohne verkrampft versuchen zu müssen, einen Stift zu halten. Oder die Transkription von Sprachnachrichten in Schriftsprache lässt körperbehinderte Kinder ganz anders am Unterricht teilnehmen.

SCHREIBEN MIT DER HAND
Dennoch kann man nicht auf das Schreibenlernen der Buchstaben per Hand verzichten. Verschiedene neurologische Studien haben ergeben, dass durch das Schreiben mit der Hand die Feinmotorik geschult wird. Sie erleichtert uns nicht nur den Alltag, sondern hilft uns bei vielen Arbeitsprozessen. Die motorische Umsetzung von Gedanken führt außerdem dazu, dass ein Begriff viel besser gespeichert wird, da Motorik, Sensorik, Sinnhaftigkeit und auch Gefühle beim Schreibprozess aktiviert werden. Das Gehirn kann so eine Gedächtnisspur verfolgen, die durch das Formen der Buchstaben mit der Hand tief „eingegraben“ wird. Die Koexistenz der digitalen Medien mit dem klassischen Schriftspracherwerb birgt viele Chancen. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, unseren Kindern im Umgang mit den Medien ein Vorbild zu sein. Sie lernen von uns, in welchem Maß sie am besten genutzt werden sollten. Sie freuen sich aber auch, wenn sie einen handschriftlichen Brief von uns bekommen.

Stefanie Böhmann ist Grund- und Hauptschullehrerin und lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/04/Schreiben.jpg 454 526 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2018-05-23 12:00:122018-10-09 11:10:28Schreiben lernen?

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GLITZERSTICKER FÜR DIE PARTYHÖHLE

Katharina Hullen hofft, dass ihre Kinder einen guten Umgang mit Geld lernen – schließlich gehen die Eltern mit schlechtem Vorbild voran.

Katharina: Ich komme vom Einkauf nach Hause und grüble, wie ich es finde, dass unsere Tochter gerade dem Bettler vor Aldi ihr halbes Monatstaschengeld geschenkt hat. Dass die andere Tochter ihrerseits alles in Süßigkeiten umsetzt und die dritte trotz voller Brotdose zum Schulkiosk geht. Was ist der richtige Umgang mit dem eigenen Geld? Sie sollen doch vernünftige Entscheidungen treffen lernen! Dann fällt mein Blick auf meinen Einkauf und ich bin ertappt: Kaufrausch! Oh! Ein Spiel für den Großen, das spielt er im Kindergarten doch so gerne! Und da – Glitzersticker für die Mädchen. Auch gut für Kindergeburtstagsgeschenke! Zahlenrätsel für die Eltern! Lustige Plätzchenausstecher für Freunde! Ah! Strumpfhosen für die Kinder – davon kann man nie genug haben! Ich neige zu Fehlkäufen! Ich bin ja voller Erkenntnis und sage inzwischen immer öfter „Nein, wir brauchen das nicht!“, aber der Einkauf heute muss wohl als Rückschlag gewertet werden. Hauke kann das übrigens auch sehr gut: Unnützes Zeug kaufen! Ich bin eher die „Beeren-Sammlerin“ – viele Kleinigkeiten, die uns die Schränke zumüllen. Er ist vom Ursprung der Jäger. Er schießt nur die ganz großen Sachen! So recherchierte er wochenlang, was wir für ein Gerät kaufen könnten, um die Luftfeuchtigkeit in den einzelnen Räumen zu messen, damit wir Schimmelbildung vorbeugen können. Er bestellte schließlich eine Wetterstation für 150 Euro. Dieses dolle Ding konnte alles – Temperatur, Luftdruck, Windstärke – alles außer Luftfeuchtigkeit! Im Keller liegt Zubehör für ein Schrank-/Regalsystem für über 300 EUR. Inzwischen kann man es nicht mehr umtauschen – einbauen auch nicht. Kein Platz! Überall sind schon Regale und Schränke. Dann brauchten wir dringend ein Beschriftungsgerät, so ein Maschinchen, welches sofort passende Etiketten ausdruckt, die man überall hinkleben kann. Die erste Rolle Etiketten steckt immer noch im Gerät. Nein – wir brauchten es nicht! Und vor kurzem kam Hauke mit glitzernden Augen vom Bauhaus-Einkauf zurück. Er hatte rotierende Disco-Lampen ergattert. Nicht nur eine – nein, gleich fünf, damit eine ganze Etage zur Partyhöhle umgebaut werden kann. Großartig! Manchmal frage ich mich, wie wir den Kindern den richtigen Umgang mit Geld beibringen sollen, wenn wir es selbst so oft nicht schaffen. Vielleicht ist das Geheimnis, die Kinder jetzt mit ihrem kleinen Taschengeld ihre „Fehlkäufe“ machen zu lassen, damit sie lernen, später bessere Entscheidungen zu treffen. Und vielleicht muss auch beim Thema „Geld ausgeben“ nicht alles immer dem Diktat der Notwendigkeit gehorchen. Für ein fröhliches Leben können ja auch mal Glitzersticker unter der Discolampe aufblitzen!

 

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache in Elternzeit. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

GUMMILAPPEN VOM OMELETTE-MEISTER

Hauke Hullen kann sich mit den Einkäufen seiner Frau nicht immer anfreunden, auch wenn sie ihm zugutekommen sollen.

Hauke: Shoppen ist ein Erlebnis! Und zwar nicht nur für meine Frau, sondern insbesondere für mich, wenn ich abends sehe, welchen Krempel Kathi mit nach Hause gebracht hat. Ich verstehe das nicht – es gibt doch einen Einkaufszettel, auf dem Dinge draufstehen und Dinge nicht draufstehen, daher sollte doch klar sein, was man in den Wagen packt und was nicht! Doch leider interessieren sich maßgebliche Teile meiner Familie nicht so sehr für das schnelle Geldverdienen, eher für das schnelle Geldausgeben. Die bekannte Regel lautet ja, dass man nicht hungrig einkaufen gehen soll. Dummerweise würde es nichts bringen, wenn Kathi sich nur gut gesättigt auf den Weg in den Supermarkt machen würde. Denn Kathis Antrieb ist nicht der leere Magen, sondern das große Herz! Da ist Platz für so viele Menschen, die sie beglücken will. Gibt es auf der Aktionsfläche tatsächlich eine Kekspackung, wo links oben der Name einer unserer Töchter draufsteht? Tatsache! Das muss gekauft werden, auch wenn es sich um ein recht garstiges Marzipangebäck mit 54 Prozent Zuckeranteil handelt, welches weder ich noch die Kinderschar, vor allem aber nicht besagte Tochter essen mag. Sollen unsere Kinder nicht bestmöglich auf die Schule vorbereitet werden? Welch ein Zufall, dass es just jetzt Rätsel-, Rechen- und Schreiblernhefte auf dem Wühltisch gibt! Ich korrigiere: gab. Eine komplette Kommode im Flur ist nun bis an den Rand gefüllt mit Lernhilfen aller Art. Und obwohl sich unsere Vorschulkinder in den Sommerferien tapfer durch das schriftliche Dividieren gekämpft haben, kauft meine Frau schneller Lektüren nach, als die Kinder sie wegarbeiten können. Der Esstisch sah während der Vorbereitung aufs neue Schuljahr aus wie ein pakistanischer Sweat-Shop, wo kleine Kinderhände im Schummerlicht Akkordarbeit leisten. Und, natürlich, die Tupper-Party! Im Vorfeld verkündet die beste Ehefrau von allen, wie überflüssig sie solche Veranstaltungen fände und dass sie ganz gewitzt nur das Begrüßungsgeschenk abstauben wolle. Wenig später konnte sie allerdings weder der Salatschüssel, den Wurstdosen noch dem „Omelette-Meister“ (der heißt wirklich so) widerstehen, wo doch ihr Göttergatte sich gerne mal ein Omelette brät. Dieses Tupper-Teil für die Mikrowelle wurde übrigens genau einmal benutzt, weil es statt knusprig gebrutzelter Eierspeisen nur einen fettfreien Gummilappen hervorbringt. Und so geht das mit vielen Einkäufen. Das letzte Holzspielzeug war pädagogisch wertvoll (und damit gleichermaßen ohne jeglichen Spielanreiz), die urigen Brotfladen waren appetitlich anzusehen, bis sie sich in blauen Pelz kleideten, und mir bleibt es weiterhin ein Rätsel, warum Kathi Blumen kauft, wenn Gäste kommen, die ihrerseits Blumen mitbringen. Hier wie da ergibt der Satz „Ach, das wäre doch nicht nötig gewesen!“ wirklich einen Sinn!

 

 

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/04/Kolumne-Hullen.jpg 910 1287 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2018-05-19 13:11:282018-10-09 11:13:55Shoppen

Die Sommer-Liste

Kommt euch das bekannt vor? Jedes Jahr nehmen wir uns für den Sommer Dinge vor, die wir unbedingt machen wollen. Und die wir eigentlich auch schon im letzten Sommer auf der Liste hatten: Erdbeeren selbst pflücken, ein Wochenende nach Holland fahren, Besuch im Open-Air-Kino, öfter ins Freibad, eine richtig lange Radtour, eine Theateraufführung bei den Ruhrfestspielen, Tretboot fahren … „Diesen Sommer machen wir das aber ganz bestimmt“, sagen wir und ahnen, dass wir im Herbst doch wieder enttäuscht sein werden.

Denn immer, wenn wir grad zum Erdbeerfeld aufbrechen wollen, regnet es. Oder die Sonne scheint zu stark. Oder es stehen noch Hausaufgaben an. Für das Holland-Wochenende fehlt das nötige Geld in der Haushaltskasse. Und bei den Ruhrfestspielen sind die interessanten Stücke längst ausverkauft. Am Ende des Sommers blicken wir wehmütig zurück auf das, was wir wieder nicht „geschafft“ haben: nur einmal im Freibad, nur die Mini-Radtour bis Castrop-Rauxel und für die Marmelade haben wir dann doch lieber den Marktstand unseres „Erdbeerfritzen“ aufgesucht.

Ja, Pläne machen ist gut. Sie umsetzen auch. Aber wenn es nicht klappt – ist das so schlimm? Statt auf die nicht-erlebten Sommer-Highlights zu blicken, können wir doch auch auf die vielen schönen Momente sehen, die wir genossen haben: den Grillabend mit Freunden, den kleinen Spaziergang um die Felder, die köstliche Marmelade aus nicht selbstgepflückten Früchten, das unspektakuläre Picknick im Garten, das erfolgreiche Fußballturnier …

Genießt den Sommer mit allen Sinnen! Nehmt euch nicht zu viel vor! Und vielleicht klappt das eine oder andere dann ja doch. Wir waren dieses Jahr endlich mal wieder bei den Ruhrfestspielen. Okay, es war ein Geschenk, und wir mussten uns nicht selbst um die Karten kümmern – aber wir haben es genossen!

Bettina Wendland ist Redakteurin bei Family und FamilyNEXT und lebt mit ihrer Familie in Bochum.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/05/riskiers_photocaseqcp3i6vnrn9t2.jpg 2000 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2018-05-18 11:14:132018-06-05 14:19:42Die Sommer-Liste

Jetzt komm ich!

„Unser Sohn (3) fordert oft ungeteilte Aufmerksamkeit von uns ein. Jetzt bekommen wir ein zweites Kind. Wie bereite ich mein Kind auf das neue Geschwisterchen vor?“

Wenn ein Kind da ist, richtet sich bewusst und unbewusst die gesamte Aufmerksamkeit auf das Kind aus. Oft können sich Eltern nicht vorstellen, wie in diese Lebenssituation ein weiteres Kind passen soll. Die entlastende Nachricht vorweg: Die Forderung nach ungeteilter Aufmerksamkeit kann beim Erstgeborenen ausgeprägter wahrgenommen werden als bei den Geschwisterkindern später. In der Vorbereitung können diese Gedanken dennoch helfen:

WARTEN LERNEN
Wir haben unserem Kleinkind in dieser Phase das Wort „Warte“ nähergebracht. Uns war klar, dass es durch das Stillen oder Anziehen eines Säuglings Momente geben wird, wo die dreijährige Schwester genau im selben Augenblick unsere Aufmerksamkeit einfordert. Wenn sie also während des Kochens mit einem Buch um die Ecke kam, haben wir nicht viele Worte verloren. Komplizierte Erwachsenen-Erklärungen erfassen Kinder sowieso nicht. Wir haben in unserem Hirn auf die Wiederholungstaste gedrückt und sehr ähnlich geantwortet wie: „Warte. Ich sehe, du möchtest mir ein Buch zeigen. Warte. Ich fülle die Nudeln ins heiße Wasser, dann schau ich mir den Hund an, den du mir zeigen möchtest.“ Dabei haben wir uns als Eltern ermahnt, dass das Wort „Warte“ nicht zu einem undefinierbaren, dehnbaren Wort wie „Gleich“ und „Später“ wird. Warten heißt: Ich richte meine Aufmerksamkeit im nächsten Moment auf dich.

REIFUNGSPROZESS
Irgendwann hörten wir aber unsere Tochter zum Säugling sagen: „Warte! Mama kommt. Sie muss noch kurz meine Schuhe binden.“ Uns war wichtig: Wir sind nah und zugewandt, aber nicht sofort abrufbar. Das Warten hilft dem Kind ab drei Jahren, zu reifen und seine Umwelt wahrzunehmen. Den eigenen Radius zu erweitern. Es ist keine seelische Verletzung des älteren Kindes, wenn es erlebt, dass es nicht als Einziger seine Bedürfnisse anmeldet. Zu warten, zu verzichten und sich in den anderen hineinzuversetzen, trainiert sogar sehr wichtige soziale Fähigkeiten, die ein Kind bis zur Schulfähigkeit benötigt. In chaotischen Situationen zwischen vollen Windeln, angebranntem Milchreis und Creme-Kunstwerken auf dem Sofa, mit Tränen bei mir und beiden Kindern, habe ich versucht, mir das vor Augen zu stellen: Es fühlt sich an wie eine Niederlage, ist aber Reifungsprozess. Ein weiteres Wort, das neu in unserer Familie Bedeutung bekam, ist „Schau!“. Wir haben gemeinsam mit dem Kleinkind geschaut, wie es dem Säugling geht. Sieht er zufrieden aus? Wie weint er? Wir haben das Baby zusammen entdeckt, Babyfotos vom älteren Kind angeschaut und sind als Team in die Kennlernphase von Baby Nummer zwei gestartet. Dabei war unsere ältere Tochter nur „die Große“, wenn sie es sein wollte. Sie durfte genauso kleines Kind bleiben und auch mal getragen oder verwöhnt werden. Das braucht schließlich jeder ab und zu.

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/04/Warten.jpg 646 601 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2018-05-14 10:00:382018-06-05 14:19:43Jetzt komm ich!
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