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Schlagwortarchiv für: Einsamkeit

Beiträge

Einsamkeit bei Kindern: Diese Warnsignale sollten Eltern kennen

Einsamkeit betrifft nicht nur Außenseiter. Auch Jugendliche mit intaktem Freundeskreis können sich einsam fühlen. Erziehungscoach Daniela Albert kennt die Warnsignale und zeigt, worauf Eltern achten sollten.

Wenn wir an Einsamkeit bei Kindern und Teens denken, haben wir manchmal bestimmte Bilder vor Augen: das Kind allein in seinem Zimmer. Eltern, die viel arbeiten oder deren Alltag von Schwierigkeiten und Krisen geprägt ist, die es kaum möglich machen, emotional für die eigenen Kinder verfügbar zu sein. Vielleicht denken wir auch an Einzelkinder oder Kinder mit wenigen Freunden.

All das gibt es natürlich, und die genannten Bilder spiegeln Gründe für Einsamkeit wider. Doch bilden sie das Thema längst nicht in seiner Komplexität ab. Denn auch Kinder und besonders Teenager, die nach außen gut angebunden an familiäre Netzwerke und Freundeskreise erscheinen, können sich einsam fühlen. Gleichzeitig können Menschen, die nur wenige Kontakte haben und oft allein unterwegs sind, sich so ausreichend mit anderen verbunden fühlen, dass ihnen Einsamkeit fremd ist.

Einsamkeit bedeutet dabei nicht einfach, allein zu sein. Sie beschreibt das schmerzhafte Gefühl, keine tragfähige Verbindung zu anderen zu haben, sich nicht gesehen, verstanden oder zugehörig zu fühlen. Gerade bei unseren Kindern und Teens kann das weitreichende Folgen für die emotionale Entwicklung, das Selbstwertgefühl und die psychische Gesundheit haben.

Alarmsignale

Einsamkeit hat kein eindeutiges Gesicht. Dazu kommt, dass besonders Teens sich oftmals schämen, über das, was sie gerade empfinden, mit uns zu sprechen oder gar nicht die richtigen Worte dafür finden.

Als Eltern müssen wir hier also genau hinschauen: Ein plötzlicher, auffälliger sozialer Rückzug kann ein Alarmsignal sein. Kinder haben manchmal das Gefühl, irgendwo nicht mehr gut reinzupassen. Sie fühlen sich unverstanden oder ausgeschlossen, auch, wenn die Erwachsenen um sie herum das anders beobachten und es keinen offensichtlichen Grund für diese Gefühle gibt. Hierbei sollten Eltern bedenken, dass Kinder sich im Lauf ihres Aufwachsens und ihrer Entwicklung verändern – manchmal so stark, dass vorher passende Freundesgruppen, Hobbys oder Netzwerke nicht mehr richtig erscheinen. Gleichzeitig ist aber manchmal noch nichts Neues an diese Stelle getreten. Ein Vakuum entsteht und mit ihm schmerzhafte und verwirrende Gefühle.

Bei Teenagern ist hier noch mehr Fingerspitzengefühl und genaues Hinsehen gefragt als bei jüngeren Kindern. Denn ein junger Mensch, der nur noch sporadisch aus seinem Zimmer kommt und dann meistens mürrisch wirkt, ist vielleicht auch nur ganz normal pubertär.

Aber vielleicht haben Eltern ihren Teenager auch lange nicht mehr lachen sehen, sondern nehmen wahr, dass er oder sie ständig bedrückt wirkt. Das wäre ein Alarmsignal. Junge Menschen, die nicht nur einen hormonell verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus haben, sondern gar nicht mehr zur Ruhe kommen, sollten uns ebenfalls Sorgen machen. Genau wie psychosomatische Beschwerden oder ein dauerhafter Rückzug in mediale Welten ohne erkennbares Interesse an anderen Dingen.

Elterliche Unterstützung

Vorübergehende Phasen der Einsamkeit, wenn Brüche oder Übergänge stattfinden, gehören zum Leben dazu. Sie dürfen, wie alle anderen negativen Gefühle und Erfahrungen auch, erlebt, gelebt und verarbeitet werden. Wenn daraus jedoch ein längerfristiges Problem entsteht und Kinder und Teens nicht mehr den Weg zurück in eine Gemeinschaft finden, die sie trägt, ist elterliche Unterstützung gefragt.

Zuerst einmal hilft es, wenn Eltern wertfrei auf den Tisch bringen, was sie wahrnehmen: „Ich sehe, dass du in letzter Zeit oft allein in deinem Zimmer bist.“ – „Mir fällt auf, dass deine Hobbys dir keinen Spaß mehr machen.“ – „Deine Freunde waren in letzter Zeit gar nicht mehr hier.“ – „Du wirkst traurig/unruhig/missmutig.“

Manchmal können Kinder und Teens diese Gesprächseröffnungen annehmen und erzählen, was gerade in ihnen vorgeht. Dann ist es wichtig, dass wir das, was sie uns anvertrauen, ernst nehmen. Auch dann, wenn wir es anders empfinden. Sätze wie: „Aber das stimmt doch gar nicht, X und Y mögen dich total gern.“, oder: „Du hast doch immer gern Fußball gespielt“, schlagen die Tür zum Herzen unserer Kinder, die wir gerade geöffnet haben, ziemlich sicher wieder zu.

Eltern können stattdessen deutlich machen, dass Einsamkeit kein persönliches Versagen ist. Viele Menschen erleben solche Phasen. Gerade in biografischen Übergangsphasen brauchen Kinder und Teens Unterstützung oder zumindest Beratung, um neue Räume auszuprobieren und herauszufinden, wer sie gerade sind und mit wem sie sich gern umgeben wollen. Schauen Sie gemeinsam nach Angeboten im sozialen Raum, ermutigen Sie dazu, Dinge auszuprobieren und Erfahrungen zu machen.

Aber manchmal reicht das nicht. Wenn Einsamkeit anhält, sich verstärkt oder mit Depressionen, Angst oder Rückzug einhergeht, scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Einsamkeit vorbeugen

Einsamkeit lässt sich nicht vollständig verhindern. Aber Eltern können viel dazu beitragen, dass Kinder innere Sicherheit und soziale Kompetenzen entwickeln. Kinder, die sich zu Hause gesehen und angenommen fühlen, entwickeln eher Vertrauen in Beziehungen. Regelmäßige gemeinsame Zeiten, echtes Interesse und verlässliche Zuwendung sind dafür zentral.

Freundschaften entstehen nicht von selbst. Kinder dürfen lernen, Konflikte auszutragen, Kompromisse zu schließen, Nein zu sagen und Nähe zuzulassen. Diese Fähigkeiten entwickeln sich im Alltag von Anfang an – auch durch das, was wir vorleben.

Zuletzt: Nicht jedes Kind findet Anschluss im gleichen Umfeld. Unterschiedliche soziale Räume, Vereine, Kirchengemeinden, unverbindliche Gruppen und viele andere Orte bieten Begegnungsräume und erhöhen die Chance, passende Menschen zu treffen, mit denen echte Verbindungen entstehen können.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel. eltern-familie.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/07/Einsame-Teenager_GettyImages_Daisy-Daisy_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-23 11:20:352026-07-23 11:20:35Einsamkeit bei Kindern: Diese Warnsignale sollten Eltern kennen

„Care-Arbeit geschieht unbeobachtet“: Eltern berichten über Einsamkeit in der Kinderphase

Kontakte mit Freunden, Ermutigung und Zuwendung sind für Eltern mit kleinen Kindern oft Mangelware. Junge Väter und Mütter berichten über Einsamkeit im Familienalltag.

Das hatten die Fußballfans wohl nicht erwartet: In der Halbzeitpause des WM-Qualifikationsspiels Deutschland gegen Luxemburg vor einigen Monaten rückte die Komikerin Carolin Kebekus in einem achtminütigen eingängigen Clip das Thema Einsamkeit in den Fokus der Besucherinnen und Zuschauer. „In diesem Moment sind 30.000 Menschen hier im Stadion. 18.000 davon machen in ihrem Leben Erfahrungen mit Einsamkeit“, wies Kebekus darauf hin, wie sehr das Thema viele ältere, aber auch jüngere Menschen belastet. Die Videos, in denen Musiker wie Mark Forster und Jasmin Wagner („Blümchen“) sowie Fußballweltmeister Lukas Podolski zu Wort kamen, wurden auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht und inzwischen millionenfach gesehen.

Anscheinend hat Kebekus damit einen Nerv getroffen. Nicht nur die vielen Klicks, auch die Zahlen sprechen dafür: Das „Einsamkeitsbarometer“, das jährlich vom Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. umgesetzt wird, ergab, dass 2024 fast ein Drittel der Erwachsenen Einsamkeit erlebt und als Belastung empfunden hat. Einsamkeit macht auch vor Eltern nicht Halt. Das zeigt zum Beispiel die aktuelle Studie „Love & Loneliness“, die im August 2025 durchgeführt wurde: Demnach fühlen sich rund zwei Drittel der Mütter in Deutschland nach der Geburt ihres Kindes einsam. Bei vielen von ihnen bleibt das Gefühl über Monate, teils Jahre präsent.

Eintöniger Alltag

Einsamkeit betrifft aber nicht nur Mütter, sondern auch Väter. „Mein Bett teile ich mir mit drei Menschen. Ständig kümmere ich mich um andere um mich herum. Ihre Bedürftigkeit und ihr Anspruch sind mein pausenloses Los. Am Tag bin ich nie allein. Und doch habe ich mich in meinem Leben noch nie so einsam gefühlt wie dieser Tage“, beschreibt ein Vater von zwei kleinen Kindern (1 und 5) seine Situation. Er fühle sich nicht nur von seinem Umfeld abgeschnitten. „Auch mein innerstes Selbst scheint mich verlassen zu haben und lässt mich mit dem, was noch als Letztes übrigbleibt, zurück: das täglich dauernde Beschäftigtsein und die nächtlich bewusst werdende Einsamkeit.“

Einsamkeit mitten im Leben

Solche Momente kennt auch Jonathan. „Einsamkeitsmomente“ nennt er sie: „Wenn du auf dem Spielplatz abhängst und minutenlang dein Kind auf der Schaukel anschubst, allein, weil alle anderen Kinder im Kindergarten oder in der Schule und ihre Eltern auf der Arbeit sind.“ Die Betreuung der Kinder teilt er sich mit seiner Frau. „Care-Arbeit geschieht unbeobachtet. Man bekommt dafür wenig Wertschätzung und Anerkennung“, ist seine Beobachtung. Auch das mache einsam. „Es gibt niemanden, der einem die Hand schüttelt oder auf die Schulter klopft und sagt: ‚Der Vormittag ist dir richtig gut gelungen. Du hast ein tolles Mittagessen gekocht und die Kinder sind zufrieden‘. Das muss man mit sich selbst ausmachen.“

Auch in Turn- und Krabbelgruppen, die er öfter mit den Kindern besuche, fühle er sich, als einer der wenigen Väter, häufig einsam. „In Stillcafés fühlt man sich als Mann allein wegen des Namens schon ausgeschlossen“, sagt er. In ihrer Siedlung wohnen nur wenige Familien. Auch im Dorf finden sie zunächst keinen Anschluss. „Ich bin vom Typ her kreativ und einfallsreich“, sagt der Grafikdesigner, der viel von zu Hause aus arbeitet. „Trotzdem kann so ein Alltag auch schnell mal eintönig werden, gerade, wenn man wenig Interaktion mit anderen Erwachsenen hat. Je länger so ein Tag dann geht, desto größer wird die Einsamkeit.“

Kaum aus dem Haus getraut

„Man ist gar nicht darauf vorbereitet, dass man sich als Mutter manchmal so einsam fühlt – und dass es okay ist, sich so zu fühlen“, findet Nika. Die ersten sieben Monate nach der Geburt ihres Sohnes verbringt sie fast nur zu Hause. Ihr Kind ist ein Schreibaby, das übermäßig und ohne erkennbaren Grund schreit, oft mehrere Stunden am Tag, an mehreren Tagen pro Woche. „Man führt ein ganz anderes Leben als der Rest der Welt. Ich habe mich kaum aus dem Haus getraut. Alles war auf das Kind abgestimmt. Ich hatte niemanden, mit dem ich mich austauschen konnte und war ganz auf mich allein gestellt“, beschreibt sie ihre damalige Situation.

Von Social Media fühlt sie sich unter Druck gesetzt. „Ich war nicht eine dieser Insta-Mamas, die ihre Babys in die Trage packen, in ein Café spazieren und sich mit Freundinnen treffen. Bei mir ging das nicht, und das hat das Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt, weil ich mich gefragt habe, warum es bei allen anderen geht, aber bei mir nicht. Ich habe mir auch vorgeworfen, dass ich unglücklich war, obwohl das wundervollste Geschenk doch in meinem Arm lag.“

Dann, nach den sieben Monaten, kommt eine andere Einsamkeit hinzu. „Man kann in einer Partnerschaft sein und sich dennoch allein fühlen“, weiß sie heute und meint damit ihre damalige Beziehung. „Wir haben aufgehört, ein Paar zu sein, und haben uns nur noch darüber unterhalten, wer welche Aufgaben übernimmt. Tagsüber waren wir fürs Kind da und abends war jeder mit sich beschäftigt. Das hat sich sehr einsam angefühlt.“

Keine Zeit für Freundschaften

Sich in der Partnerschaft einsam fühlen, dieses Gefühl kennt Florian auch. „Als unsere Tochter noch kleiner war, hat meine Frau sie ins Bett begleitet – und ist dort oft mit ihr eingeschlafen. Das ging über mehrere Monate. Sie waren ab dem Abendessen quasi wie aus dem Leben raus“, erinnert er sich. „Am Anfang fand ich es schön, abends so viel Zeit für mich zu haben, aber irgendwann habe ich mich sehr einsam gefühlt.“ Er fühle sich auch dann einsam und „immer so ein bisschen zurückgesetzt“, wenn seine Tochter seine Frau bevorzugt. „Ich vermisse auch manche Freundschaften“, sagt er. Viele seiner Freunde seien entweder selbst Väter oder wohnen weiter weg. Gemeinsame Treffen fänden nur selten statt. „Deshalb fühle ich mich heute manchmal einsam, obwohl Leute um mich rum sind“, beschreibt Florian sein Dilemma.

Auch Ute bekam ihre Freundinnen selten zu sehen, als sie Mutter wurde. „Durch die Mehrfachbelastung Familie, Arbeit, Haushalt hatte ich einfach keine Zeit und Kraft für sie, geschweige denn für mich selbst“, erinnert sie sich an die Zeit zurück, als ihre drei inzwischen erwachsenen Töchter klein waren. Dabei hätte sie sie dringend gebraucht. Ihr Mann betrügt sie und lässt sie oft mit den Kindern allein. „Nach außen hin schien unsere Familie zu funktionieren, und es war nicht zu sehen“, sagt sie. Aber eigentlich hätte sie es gebraucht, „wenn meine Freundinnen mich angesprochen und Hilfe angeboten hätten.“

Ungesehen und unverstanden

Mareike wiederum ist von Freundinnen umgeben, fühlt sich aber dennoch manchmal ungesehen und unverstanden. Ihr Sohn ist mit der VACTERL-Assoziation, einer Kombination verschiedener Fehlbildungen, zur Welt gekommen. Er hatte im Alter von drei Jahren bereits über 15 OPs hinter sich und über 400 Nächte auf der Intensivstation verbracht. „Wenn andere Mamas sich über ‚normale‘ Kleinkindherausforderungen und -fragen ausgetauscht haben, die mir zu der Zeit oft banal erschienen, auch wenn sie natürlich völlig gerechtfertigt waren, habe ich mich oftmals einsam gefühlt“, berichtet sie. Ausgelöst wurde dieses Gefühl bei ihr auch „durch den Gedanken, dass ich mich nicht für diese Art zu leben selbst entscheiden konnte, sondern dass es mir gefühlt ‚übergestülpt‘ wurde. Anders, als grundsätzlich Mama zu werden, wofür ich mich ganz bewusst entschieden habe“, sagt die zweifache Mutter.

Immer mal wieder komme dieses Gefühl noch in ihr hoch, aber seltener. „Der Austausch mit anderen Eltern, die in einer ähnlichen Situation mit einem Kind mit starken Beeinträchtigungen sind, hilft mir“, sagt sie. „Viel Reden hilft“, weiß auch Florian inzwischen – auch, wenn es ihm schwerfalle. Inzwischen wechseln er und seine Frau sich gegenseitig bei der Einschlafbegleitung ab und gönnen sich mehr Zeit füreinander, was ihrer Beziehung sehr guttut.

Feste Verabredungen

Jonathan, der sich eigentlich als jemanden beschreibt, der gern allein ist und dem auch die vielen Stunden im Homeoffice nichts ausmachen, spürte: „Wenn ich intensivere und schöne Gemeinschaftsmomente hatte, habe ich gemerkt, dass mir das unheimlich guttut und ich das brauche. So ein, zwei Leute, mit denen man feste Verabredungen hat, die in der Woche verankert sind, die hätten mir rückblickend daher gutgetan“, weiß er heute. Inzwischen wohnt er in einer anderen Stadt in einem belebteren Wohngebiet und in der Nähe seiner Familie. Dort habe er schon viele neue Beziehungen aufgebaut, die sein Leben bereichern.

„Heute fühle ich mich weniger einsam, weil meine Freundinnen und ich wieder viel miteinander sprechen und uns gegenseitig unterstützen und beraten“, erzählt auch Ute. Von ihrem Mann habe sie sich scheiden lassen. Auch Nika hat eine Trennung und einen Umzug hinter sich. Mit ihrem Sohn besucht sie inzwischen viele Kurse und Gruppen – etwas, das ihr alter Wohnort nicht bieten konnte. „Das hätte ich mir aber sehr gewünscht, dann hätte ich gar nicht so viel Einsamkeit erleben müssen“, meint sie.

Ruth Korte ist Redakteurin in Gießen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/07/Einsamer-Papa_GettyImages_Onfokus_E-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-16 13:08:302026-07-16 13:08:30„Care-Arbeit geschieht unbeobachtet“: Eltern berichten über Einsamkeit in der Kinderphase

Spielplatz – Ort zwischen Kritik und echter Begegnung

Spielplätze können erfrischen oder runterziehen. Psychologin Tabea Müller über Einsamkeit, die Sehnsucht nach Kontakten und ihre Erfahrungen mit anderen Müttern.

„Ich freue mich immer darauf, mein Kind vom Kindergarten abzuholen. Ihr seid die einzigen erwachsenen Kontakte, die ich tagsüber habe.“ Mit diesem ehrlichen Geständnis berührte mich eine Mutter tief, als wir wieder einmal zusammenstanden, während die Kinder auf dem Spielplatz spielten. Wie vielen Eltern in meinem Umfeld es wohl noch so erging?

Der Einsamkeit entgehen

Laut dem Einsamkeitsbarometer 2024 ist diese Mutter kein Einzelfall. Die intensive Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen ist häufig mit einer erhöhten Einsamkeitsbelastung verbunden. Obwohl Mütter von Kleinkindern selten allein sind und immer genug zu tun haben, fehlt oft ein echter, tiefgehender Austausch mit anderen Erwachsenen. Sowohl die Arbeit als auch Freizeitaktivitäten fallen erst einmal weg und hinterlassen ein Vakuum an menschlichen Beziehungen. Das Leben spielt sich zum Großteil in den eigenen vier Wänden ab – zwischen Wickeltisch, Babybett und Snacktellerchen. Doch um der Einsamkeit zu entgehen, brauchen wir Orte, an denen wir mit anderen zusammenkommen. Räume, die Gespräche, Entspannung und Vielfalt bieten, an denen unser Bedürfnis nach Begegnung und Austausch gestillt werden kann.

Der Soziologe Ray Oldenburg prägte 1989 dafür den Begriff der „Dritten Orte“. Er beschreibt damit neutrale Treffpunkte außerhalb von Familie (Erster Ort) und Arbeitsplatz (Zweiter Ort), an denen alle Menschen willkommen sind, frei kommen und gehen können und an denen Austausch möglich ist. Große Städte bieten in der Regel einige solcher Angebote, zum Beispiel kinderfreundliche Cafés. In ländlichen Gegenden ist die Auswahl „Dritter Orte“ dagegen oft spärlich. Was es jedoch überall gibt, sind Spielplätze.

Skepsis statt Sicherheit auf dem Spielplatz

Spielplätze sind der Inbegriff „Dritter Orte“, sie wurden als Wohlfühloasen geplant, sind kostenlos, niederschwellig und einladend. Erschaffen als Treffpunkt für Spaß, Austausch und Gemeinschaft. Doch meine Realität sah lange anders aus: Als frisch gebackene Mama mied ich Spielplätze. Ich empfand die Stimmung oft als skeptisch, beinahe feindselig. Bloß nicht zu lange die Schaukel besetzen oder die Sandsachen eines anderen Kindes benutzen … Spitze Kommentare anderer Eltern schienen stets in der Luft zu hängen. Kritik erlebte ich auch anderorts, im Laden oder auf der Straße. Fremde Menschen schienen sich an den skurrilsten Anlässen zu stören. Wie beispielsweise an meinem Babybauchwatschelgangschlurfgeräusch oder den nackten Füßchen meiner Tochter.

In dem Wirrwarr aus gut gemeinten Ratschlägen und ständig gefühlter Bewertung nagte die Unsicherheit an mir. Somit war ich auf der Hut, wollte mich unter Fremden nicht entspannen, auch nicht auf dem Spielplatz. Gemeinschaft erlebte ich genug: Wir lebten in einer tollen WG im Grünen und hatten häufig Besuch.

Tiefe Gespräche

Nach der Geburt unseres zweiten Kindes zogen wir um. Zwar wieder in eine Wohngemeinschaft, doch das Studienleben mit seinen interessanten internationalen Begegnungen und massig Zeit war vorbei. Mein soziales Netz verteilte sich in ganz Deutschland, und mein Wunsch nach lokalen Freundinnen wuchs. Ich sehnte mich nach Verbundenheit und Zugehörigkeit in meiner neuen Heimat. Also wagte ich mich wieder auf den Spielplatz.

Vielleicht lag es an den zusätzlichen Jahren an Lebenserfahrung und einer größeren Portion Gelassenheit, vielleicht auch an der Sehnsucht nach echter Begegnung. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr im ständigen Selbstbeobachtungsmodus war, sondern bei mir und mit mir als Mama im Reinen. Ich stellte Fragen, die mich wirklich interessierten, und erlebte spannende Gespräche. Das Wetter und die eigenen Kinder ließen wir schnell hinter uns, sprachen lieber über aramäische Tattoos, Finanzkonzepte, Depression und Gott. Ich erlebte: Menschen erzählen gern, wenn man . Und doch dauerte es zwei weitere Jahre und ein Kind mehr, bis ich langsam anfing, Gesichter wiederzuerkennen und herausfand, welche Spielplätze zu welchen Zeiten besucht werden.

Eine Mutter und inzwischen Freundin hat es mir besonders angetan. Bereits bei unserer ersten Begegnung erzählte sie mir von tiefen Zweifeln, war ehrlich und schenkte mir ein Vertrauen, das ich noch gar nicht verdient hatte. Mitten auf dem Spielplatz saßen wir barfuß im Sand und ließen die Tränen laufen. Sie bewies mir, dass echte Begegnungen auch inmitten von Kindertrubel auf Spielplätzen möglich sind, wenn wir uns einander zumuten und wahrhaft zeigen.

Spontan auf dem Spielplatz Geburtstag feiern

Heute ist ein bestimmter Spielpatz ein „Dritter Ort“ für mich geworden. Oft treffe ich dort Menschen, die mich beim Namen kennen, die spontan meinen Geburtstag mit mir feiern. An manchen Tagen bringe ich Kaffee, Kuchen und Sandsachen mit. An anderen Tagen teilen andere mit meinen Kindern und mit mir. Wenn eines meiner Kinder hinter den Busch muss – leider in der Regel die einzige Spielplatztoilette –, passt jemand anderes auf meine Kinder auf. Wenn ich erschöpft und entnervt ankomme, wartet manchmal sogar eine Umarmung auf mich. Und wenn jemand ruft: „Entschuldigung, der Kleine klettert gerade das Klettergerüst hoch“, setzt mein Herz zwar immer noch einen Schlag aus, während ich losspurte. Aber anstatt Scham empfinde ich Dankbarkeit. Dafür, dass wir aufeinander achtgeben.

Dritte Orte sind wertvoll, weil sie uns mit Menschen verbinden, die anders denken, fühlen und leben als wir. Sie lehren uns Offenheit und Empathie, auch wenn unsere eigene Weltsicht nicht bestätigt wird. Die anderen Mütter haben sich vielleicht gar nicht so sehr verändert. Aber ich habe es. Heute sehe ich keine Kategorien mehr wie die „Rasenmähermama“ oder die „Verschleierte“. Ich sehe echte Menschen mit komplexen Geschichten, entdecke im Gegenüber stets einen Teil von mir und stelle eigene Glaubenssätze in Frage. Und immer wieder treffe ich dabei, ganz unverhofft, auch Gott.

Tabea S. Müller ist Psychologin und lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in der Nähe von Karlsruhe.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/06/Spielplatzfreundinnen_GettyImages_nicoletaionescu-e1750154904311.jpg 1000 2018 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-06-18 13:45:262025-06-18 13:45:26Spielplatz – Ort zwischen Kritik und echter Begegnung

Einsam im ersten Babyjahr: „Ich habe mich nach Gesellschaft gesehnt“

Den ganzen Tag mit dem Baby zusammen und dennoch einsam? Was paradox klingt, ist für manche Mütter und Väter im ersten Babyjahr leider Realität. Trotz Krabbelgruppen und Co fühlen sie sich einsam. Wie sie damit umgehen berichtet Lisa-Maria Mehrkens.

Das Einsamkeitsbarometer des Deutschen Familienministeriums von 2024 listet die Erziehung und Betreuung minderjähriger Kinder als „erhöhte Einsamkeitsbelastung“ auf. Als Eltern habe man weniger Zeit, soziale Kontakte zu pflegen. Vor allem im Coronajahr 2020 fühlte sich rund ein Drittel aller Eltern einsam, 2021 waren es noch über 12 Prozent, bei Alleinerziehenden sogar 16 Prozent. Im Internet findet man viele Berichte von Müttern, die sich mit Baby zu Hause einsam fühlen. Vor allem dann, wenn der Partner viel arbeitet oder Freunde und Familie weiter weg wohnen.

Auch ich habe mich in der Elternzeit sehr oft nicht nur allein, sondern einsam gefühlt. Mir fehlte der Austausch mit Erwachsenen. Zu Hause allein mit Baby war mir oft langweilig. In Spiel- und Krabbelgruppen fühlte ich mich aufgrund der oft so unterschiedlichen Erziehungsstile selten wirklich wohl. Sozialkontakte aus der Zeit vor den Kindern brachen teilweise weg, weil die Lebensentwürfe, Themen und Zeitpläne zu verschieden waren. Da ich nebenbei freiberuflich weiterarbeitete, ging mein Themenfeld über Gespräche über Babythemen hinaus, womit viele meiner Mama-Bekanntschaften nichts anfangen konnten.

Ich wollte Zeit mit meinem Kind verbringen und brauchte gleichzeitig auch Zeit für mich allein und meine Arbeit. Diese Zerrissenheit führte zu ständigen Schuldgefühlen, weil ich weder ganz in der einen noch in der anderen Welt war. Ich war verunsichert und fragte mich, was mit mir nicht stimmte, dass ich die Elternzeit nicht so genießen konnte, wie scheinbar alle anderen Mütter um mich herum. Später stellte ich fest, dass es vielen Müttern ähnlich ging – nur sprach kaum jemand offen darüber.

Nicht allein, aber einsam

Das Gefühl von Einsamkeit im ersten Babyjahr scheint ein Tabuthema zu sein. Keine Mutter – oder kein Vater – gibt gern zu, dass die Gesellschaft des Babys nicht immer reicht. Und dennoch kennen die meisten dieses Gefühl wahrscheinlich. So wie Sara. Als die rund einjährige Elternzeit mit ihrem Sohn begann, ging ihre zweieinhalbjährige Tochter in den Kindergarten. Sara und ihr Mann waren gerade in ein Haus auf einen ehemaligen Bauernhof zur Familie gezogen.

Vor der Elternzeit hatte Sara viele soziale Kontakte und ging gern zur Arbeit. Doch ihr Sohn schlief sehr schlecht, wachte nachts stündlich auf, weinte tagsüber viel. Der monatelange Schlafmangel erschöpfte Sara. „Ich war so müde, ich konnte weder Freunde treffen noch Babykurse besuchen. Nicht mal einkaufen war möglich“, sagt sie über ihren Zustand damals. Trotz der Unterstützung von Mann und Mama fühlte sich Sara überfordert und einsam. „Es war schwierig, die Verantwortung und Belastungen die meiste Zeit des Tages nicht teilen oder sich darüber austauschen zu können“, erzählt sie.

Während andere Eltern vom schönen ersten Babyjahr schwärmten, konnte Sara dieses Empfinden nicht teilen. Manche Freundinnen und Freunde reagierten mit Unverständnis, andere zeigten keinerlei Reaktion, wenn sie von ihren Problemen erzählte. Einige brachen den Kontakt sogar ab. Nur ein paar wenige zeigten sich empathisch, verständnisvoll und interessiert. Vor allem kinderlose Menschen können das Gefühl von Einsamkeit in den ersten Babymonaten nur schwer nachvollziehen – wie kann das denn sein, wo man doch den ganzen Tag mit einem kleinen Menschen zusammen ist?!

Doch Einsamkeit ist nicht mit Alleinsein zu verwechseln. Einsamkeit ist subjektiv. Das Einsamkeitsbarometer beschreibt Einsamkeit als „wahrgenommene Diskrepanz zwischen den Erwartungen an soziale Beziehungen und den tatsächlich vorhandenen Beziehungen“, sowohl bezogen auf die Anzahl als auch Qualität der Sozialkontakte. Es gibt Menschen, die von außen betrachtet in ein großes soziales Netzwerk eingebunden sind und sich dennoch einsam fühlen. Und es gibt Menschen, die oft allein sind, ohne darunter zu leiden. Auch Sara kennt das Gefühl, einsam, aber nie allein zu sein: „Ich habe mich nach Gesellschaft gesehnt und gleichzeitig nach Zeit, mal wirklich allein für mich zu sein. Ich war zerrissen zwischen mehreren Herzenswünschen“, erinnert sie sich.

Sehnsucht nach Austausch

Natürlich empfindet es nicht jedes Elternteil so. Manche schaffen es, ihre früheren Sozialkontakte aufrechtzuerhalten oder in Spielgruppen neue zu finden. Bei manchen leben Eltern und Geschwister im gleichen Ort. So wie bei Tabea und Linda. Tabea ist seit rund zehn Monaten in Elternzeit mit ihrem ersten Kind. „Ich bin sehr gern zu Hause, es macht mir viel Freude und ich habe viel Spaß mit meiner Tochter“, sagt sie. Vor allem die ersten vier Monate nach der Geburt war sie froh, die Zeit mit ihrer „pflegeleichten Tochter“ ohne Verpflichtungen oder Termine genießen zu können. Wenn sie sich nach Austausch sehnt, besucht sie ihre Geschwister oder Eltern, die nur wenige Gehminuten entfernt wohnen. Eine Freundin mit einem gleichaltrigen Kind wohnt im Nachbarort. Tabeas Schwägerin war ihre Hebamme und ist jetzt selbst schwanger.

Die vielen Kontakte sind „ein großer Segen“ für Tabea. Auch in ihrer Gemeinde ist sie tief verwurzelt, ihr Mann und sie arbeiten bei den Konfirmanden mit. Demnächst wollen sie dort in einen Spielkreis gehen. Aber eine Sache fehlt Tabea: eine Austauschgruppe für Mütter. „Vor allem zu Beginn hätte ich mir eine Online-Austauschgruppe gewünscht“, sagt sie. So hätte jede Mama entspannt mit Baby zu Hause bleiben und sich gleichzeitig über eigene Herausforderungen austauschen können. Leider gab es eine solche Gruppe nicht. „Beim nächsten Kind werde ich es selbst in die Hand nehmen und eine Gruppe gründen“, plant Tabea.

Als Lindas erster Sohn geboren wurde, war ihr Mann als Austauschpartner noch oft zu Hause. Das gab ihr zudem die Zeit, Elterngruppen für neue Kontakte zu finden. Einige Mütter kannte sie bereits aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Später kamen Bekanntschaften aus dem Mutter-Kind-Kreis ihrer Gemeinde hinzu. „Ich war also Gott sei Dank von Anfang an recht gut sozial eingebunden“, erinnert sie sich. Deshalb fühlte sie sich nicht einsam, jedoch oft „alleingelassen mit meinen Fragen und Sorgen“. Die vielen unterschiedlichen Ansichten der anderen Mütter verunsicherten sie. Sie wünschte sich ehrlichen Austausch und gegenseitige Unterstützung. „Ich habe lange nach jemandem gesucht, bei dem ich mich mit meinen Unsicherheiten gut aufgehoben fühle und der mir hilfreich zur Seite steht, ohne mich zu belehren und zu sagen, was richtig und was falsch ist“, sagt Linda. Selbst sozial gut eingebundenen Eltern fehlt es also manchmal in der Elternzeit an ehrlichem Austausch auf Augenhöhe.

Wege aus der Einsamkeit

Was hilft nun also, aus der Einsamkeit herauszukommen? Nicht jeder kann auf die Unterstützung von Freunden oder Familie in der Nähe bauen. Wer vor der Geburt des Babys noch kein gutes soziales Netzwerk hatte, kann Krabbelgruppen, Spielplatztreffen und Co dazu nutzen, um neue Bekanntschaften zu finden. Aktivitäten gemeinsam mit dem Kind wirken der Einsamkeit entgegen, weil man vielleicht neue Bekannte mit gleichen Interessen findet. Nebenbei stärken sie die Bindung zum Kind. Das können Sportkurse sein sowie Kreativ- und Musikangebote, bei denen Babys und Kleinkinder willkommen sind. Du hast keine Gruppe, die dir gefällt, in deiner Nähe? Dann gründe wie Tabea selbst eine – vielleicht in deiner Gemeinde – und mach Werbung dafür, um Gleichgesinnte zu finden. Für alle, die sich dazu nicht überwinden können oder sich wie ich in solchen Gruppen nicht wirklich wohl fühlen, sind vielleicht Online-Foren zum Austauschen eine gute Idee.

Falls du neben dem Elternsein noch einen weiteren Lebenssinn suchst: Auch Ehrenämter sind mit Baby und Kleinkind möglich. Zum Beispiel Besuche bei Senioren in der Gemeinde oder einem Altenheim, die etwa der Besuchsdienst des Roten Kreuzes vermittelt. Die meisten Senioren freuen sich über kleine Kinder! An besonders schlechten Tagen habe ich es nicht geschafft, meine Einsamkeit zu überwinden und persönlich nach Kontakten zu suchen. Dann half es mir, meinen Partner einzubinden. Teilweise hat er dann bei befreundeten Familien angefragt und als ersten Schritt ein Treffen zwischen uns Frauen oder Mamas organisiert. Auch der Glaube kann eine große Stütze sein. Sara sagt, Gott habe in dieser schwierigen Zeit mit ihr „das Leben aufgearbeitet, wie es sonst nie möglich gewesen wäre“. Es half ihr zu wissen, „dass da jemand ist, der mich hält und sieht, auch in den dunkelsten Stunden und allein im dunklen Schlafzimmer“.

Lisa-Maria Mehrkens ist Psychologin und freie Journalistin und lebt mit ihrer Familie in Chemnitz.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/02/Mama-mit-Baby.jpg 1058 1920 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-02-18 10:28:042025-02-18 10:28:04Einsam im ersten Babyjahr: „Ich habe mich nach Gesellschaft gesehnt“

Einsamkeit im ersten Babyjahr – was tun?

Den ganzen Tag mit dem Baby zusammen und dennoch einsam? Das klingt paradox – doch Einsamkeit ist für manche Eltern im ersten Babyjahr Realität.

Das Einsamkeitsbarometer des Deutschen Familienministeriums von 2024 listet die Erziehung und Betreuung minderjähriger Kinder als „erhöhte Einsamkeitsbelastung“ auf. Als Eltern habe man weniger Zeit, soziale Kontakte zu pflegen. Vor allem im Coronajahr 2020 fühlte sich rund ein Drittel aller Eltern einsam, 2021 waren es noch über 12 Prozent, bei Alleinerziehenden litten sogar 16 Prozent an Einsamkeit. Im Internet findet man viele Berichte von Müttern, die sich mit Baby zu Hause einsam fühlen. Vor allem dann, wenn der Partner viel arbeitet oder Freunde und Familie weiter weg wohnen.

Auch ich habe mich in der Elternzeit sehr oft nicht nur allein, sondern einsam gefühlt. Mir fehlte der Austausch mit Erwachsenen. Zu Hause allein mit Baby war mir oft langweilig. In Spiel- und Krabbelgruppen fühlte ich mich aufgrund der oft so unterschiedlichen Erziehungsstile selten wirklich wohl. Sozialkontakte aus der Zeit vor den Kindern brachen teilweise weg, weil die Lebensentwürfe, Themen und Zeitpläne zu verschieden waren. Da ich nebenbei freiberuflich weiterarbeitete, ging mein Themenfeld in Gesprächen über Babythemen hinaus, womit viele meiner Mama-Bekanntschaften nichts anfangen konnten. Ich wollte Zeit mit meinem Kind verbringen und brauchte gleichzeitig auch Zeit für mich allein und meine Arbeit. Diese Zerrissenheit führte zu ständigen Schuldgefühlen, weil ich weder ganz in der einen noch in der anderen Welt war. Ich war verunsichert und fragte mich, was mit mir nicht stimmte, dass ich die Elternzeit nicht so genießen konnte, wie scheinbar alle anderen Mütter um mich herum. Später stellte ich fest, dass es vielen Müttern ähnlich ging – nur sprach kaum jemand offen darüber.

Nicht allein, aber einsam

Das Gefühl von Einsamkeit im ersten Babyjahr scheint ein Tabuthema zu sein. Keine Mutter – oder kein Vater – gibt gern zu, dass die Gesellschaft des Babys nicht immer reicht. Und dennoch kennen die meisten dieses Gefühl wahrscheinlich. So wie Sara. Als die rund einjährige Elternzeit mit ihrem Sohn begann, ging ihre zweieinhalbjährige Tochter in den Kindergarten. Sara und ihr Mann waren gerade in ein Haus auf einen ehemaligen Bauernhof zur Familie gezogen. Vor der Elternzeit hatte Sara viele soziale Kontakte und ging gern zur Arbeit. Doch ihr Sohn schlief sehr schlecht, wachte nachts stündlich auf, weinte tagsüber viel. Der monatelange Schlafmangel erschöpfte Sara. „Ich war so müde, ich konnte weder Freunde treffen noch Babykurse besuchen. Nicht mal einkaufen war möglich“, sagt sie über ihren Zustand damals.

Trotz der Unterstützung von Mann und Mama fühlte sich Sara überfordert und einsam. „Es war schwierig, die Verantwortung und Belastungen die meiste Zeit des Tages nicht teilen oder sich darüber austauschen zu können“, erzählt sie. Während andere Eltern vom schönen ersten Babyjahr schwärmten, konnte Sara dieses Empfinden nicht teilen. Manche Freundinnen und Freunde reagierten mit Unverständnis, andere zeigten keinerlei Reaktion, wenn sie von ihren Problemen erzählte. Einige brachen den Kontakt sogar ab. Nur ein paar wenige zeigten sich empathisch, verständnisvoll und interessiert.

Vor allem kinderlose Menschen können das Gefühl von Einsamkeit in den ersten Babymonaten nur schwer nachvollziehen – wie kann das denn sein, wo man doch den ganzen Tag mit einem kleinen Menschen zusammen ist?! Doch Einsamkeit ist nicht mit Alleinsein zu verwechseln. Einsamkeit ist subjektiv. Das Einsamkeitsbarometer beschreibt Einsamkeit als „wahrgenommene Diskrepanz zwischen den Erwartungen an soziale Beziehungen und den tatsächlich vorhandenen Beziehungen“, sowohl bezogen auf die Anzahl als auch Qualität der Sozialkontakte. Es gibt Menschen, die von außen betrachtet in ein großes soziales Netzwerk eingebunden sind und sich dennoch einsam fühlen. Und es gibt Menschen, die oft allein sind, ohne darunter zu leiden. Auch Sara kennt das Gefühl, einsam, aber nie allein zu sein: „Ich habe mich nach Gesellschaft gesehnt und gleichzeitig nach Zeit, mal wirklich allein für mich zu sein. Ich war zerrissen zwischen mehreren Herzenswünschen“, erinnert sie sich.

Sehnsucht nach Austausch

Natürlich empfindet es nicht jedes Elternteil so. Manche schaffen es, ihre früheren Sozialkontakte aufrechtzuerhalten oder in Spielgruppen neue zu finden. Bei manchen leben Eltern und Geschwister im gleichen Ort. So wie bei Tabea und Linda. Tabea ist seit rund zehn Monaten in Elternzeit mit ihrem ersten Kind. „Ich bin sehr gern zu Hause, es macht mir viel Freude und ich habe viel Spaß mit meiner Tochter“, sagt sie. Vor allem die ersten vier Monate nach der Geburt war sie froh, die Zeit mit ihrer „pflegeleichten Tochter“ ohne Verpflichtungen oder Termine genießen zu können. Wenn sie sich nach Austausch sehnt, besucht sie ihre Geschwister oder Eltern, die nur wenige Gehminuten entfernt wohnen. Eine Freundin mit einem gleichaltrigen Kind wohnt im Nachbarort.

Tabeas Schwägerin war ihre Hebamme und ist jetzt selbst schwanger. Die vielen Kontakte sind „ein großer Segen“ für Tabea. Auch in ihrer Gemeinde ist sie tief verwurzelt, ihr Mann und sie arbeiten bei den Konfirmanden mit. Demnächst wollen sie dort in einen Spielkreis gehen. Aber eine Sache fehlt Tabea: eine Austauschgruppe für Mütter. „Vor allem zu Beginn hätte ich mir eine Online-Austauschgruppe gewünscht“, sagt sie. So hätte jede Mama entspannt mit Baby zu Hause bleiben und sich gleichzeitig über eigene Herausforderungen austauschen können. Leider gab es eine solche Gruppe nicht. „Beim nächsten Kind werde ich es selbst in die Hand nehmen und eine Gruppe gründen“, plant Tabea.

Als Lindas erster Sohn geboren wurde, war ihr Mann als Austauschpartner noch oft zu Hause. Das gab ihr zudem die Zeit, Elterngruppen für neue Kontakte zu finden. Einige Mütter kannte sie bereits aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Später kamen Bekanntschaften aus dem Mutter-Kind-Kreis ihrer Gemeinde hinzu. „Ich war also Gott sei Dank von Anfang an recht gut sozial eingebunden“, erinnert sie sich. Deshalb fühlte sie sich nicht einsam, jedoch oft „alleingelassen mit meinen Fragen und Sorgen“. Die vielen unterschiedlichen Ansichten der anderen Mütter verunsicherten sie. Sie wünschte sich ehrlichen Austausch und gegenseitige Unterstützung. „Ich habe lange nach jemandem gesucht, bei dem ich mich mit meinen Unsicherheiten gut aufgehoben fühle und der mir hilfreich zur Seite steht, ohne mich zu belehren und zu sagen, was richtig und was falsch ist“, sagt Linda. Selbst sozial gut eingebundenen Eltern fehlt es also manchmal in der Elternzeit an ehrlichem Austausch auf Augenhöhe.

Wege aus der Einsamkeit

Was hilft nun also, aus der Einsamkeit herauszukommen? Nicht jeder kann auf die Unterstützung von Freunden oder Familie in der Nähe bauen. Wer vor der Geburt des Babys noch kein gutes soziales Netzwerk hatte, kann Krabbelgruppen, Spielplatztreffen und Co dazu nutzen, um neue Bekanntschaften zu finden. Aktivitäten gemeinsam mit dem Kind wirken der Einsamkeit entgegen, weil man vielleicht neue Bekannte mit gleichen Interessen findet. Nebenbei stärken sie die Bindung zum Kind. Das können Sportkurse sein sowie Kreativ- und Musikangebote, bei denen Babys und Kleinkinder willkommen sind. Du hast keine Gruppe, die dir gefällt, in deiner Nähe? Dann gründe wie Tabea selbst eine – vielleicht in deiner Gemeinde – und mach Werbung dafür, um Gleichgesinnte zu finden. Für alle, die sich dazu nicht überwinden können oder sich wie ich in solchen Gruppen nicht wirklich wohlfühlen, sind vielleicht Online-Foren zum Austauschen eine gute Idee.

Falls du neben dem Elternsein noch einen weiteren Lebenssinn suchst: Auch Ehrenämter sind mit Baby und Kleinkind möglich. Zum Beispiel Besuche bei Senioren in der Gemeinde oder einem Altenheim, die etwa der Besuchsdienst des Roten Kreuzes vermittelt. Die meisten Senioren freuen sich über kleine Kinder! An besonders schlechten Tagen habe ich es nicht geschafft, meine Einsamkeit zu überwinden und persönlich nach Kontakten zu suchen. Dann half es mir, meinen Partner einzubinden. Teilweise hat er dann bei befreundeten Familien angefragt und als ersten Schritt ein Treffen zwischen uns Frauen oder Mamas organisiert. Auch der Glaube kann eine große Stütze sein. Sara sagt, Gott habe in dieser schwierigen Zeit mit ihr „das Leben aufgearbeitet, wie es sonst nie möglich gewesen wäre“. Es half ihr zu wissen, „dass da jemand ist, der mich hält und sieht, auch in den dunkelsten Stunden und allein im dunklen Schlafzimmer“.

Lisa-Maria Mehrkens ist Psychologin und freie Journalistin und lebt mit ihrer Familie in Chemnitz.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/02/Mama-mit-Baby.jpg 1058 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-01-03 15:48:062025-02-18 17:48:51Einsamkeit im ersten Babyjahr – was tun?

„Ich vermisse unseren Sohn“

„Unser Sohn ist ausgezogen. Nun drehen sich meine Gedanken den ganzen Tag darum, was er gerade macht, vor welchen Schwierigkeiten er stehen könnte und ob ich ihm helfen sollte. Ich weiß, dass ich loslassen muss, aber es fällt mir schwer. Wie kann ich es lernen?“

Unsere Kinder in die Selbstständigkeit zu entlassen, ist ein wichtiger und oft auch schmerzhafter Prozess. Er vollzieht sich in vielen kleinen Schritten, die schon früh beginnen: Das erste Mal allein im Kindergarten, das erste Mal allein zu Fuß zur Schule gehen, das erste Mal allein zum Zahnarzt – all das sind wichtige Meilensteine. Wenn eines der wichtigsten Erziehungsziele ist, dass aus den Kindern selbstständige, verantwortungsvolle Menschen werden, die ihren Platz in der Welt finden, ist jeder dieser Schritte ein Grund zur Freude. Es ist eine wichtige Aufgabe von uns Eltern, unsere Kinder darin zu fördern und diese Dinge nicht für sie zu erledigen.

Vermeiden Sie zu häufige Telefonate!

Wenn dann der große Schritt des Auszugs nach Ausbildung oder Abitur kommt, sind die jungen Erwachsenen hoffentlich gut darauf vorbereitet, auch die nächsten Schritte zu gehen: eine passende WG aussuchen, sich in einer neuen Stadt orientieren, dafür sorgen, dass man genug zu essen im Kühlschrank hat, Menschenkenntnis in den vielen neuen Begegnungen anwenden … Wer seine Kinder darauf in den ersten 20 Jahren vorbereitet hat, hat gute Grundlagen gelegt.

Für die meisten Kinder ist der Auszug ein großes Abenteuer und eine aufregende Zeit, die sie genießen und zelebrieren. Das sollten wir ihnen gönnen und uns über die Erfolge freuen. Widerstehen Sie auf jeden Fall der Versuchung, mehr als einmal in der Woche anzurufen oder unablässig Nachrichten zu schicken. Telefone funktionieren in beide Richtungen. Wenn es unlösbare Fragen gibt, wird Ihr Sohn sich schon melden.

Loslassen ist ein Trauerprozess

Und trotzdem bleibt die innere Unruhe und Trauer. Ja, es ist wirklich ein Trauerprozess, den wir als Eltern durchlaufen. Vom Nicht-wahr-haben-Wollen („Mein Sohn kommt ja noch ganz oft nach Hause, das Kinderzimmer lassen wir so, wie es ist“) über eine gewisse Wut („Anderes ist ihm jetzt viel wichtiger als ich, obwohl ich alles für ihn getan habe“) bis zum Einrichten in die neue Situation, die ja auch Angenehmes hat. Aber zunächst muss ich loslassen. Ich konnte meine Kinder viele Jahre umsorgen und mich für sie einsetzen, aber jetzt weiß ich nicht mehr, wo sie sich Tag für Tag genau aufhalten und wie es ihnen geht.

Die Beziehung zum Kind wird nicht mehr die gleiche sein wie vorher. Allein das anzunehmen, kostet Kraft und Zeit. Mir persönlich hat es geholfen, Sorgen und Ablösungsschmerzen bei Gott abzugeben. Ihm konnte ich sowohl die Sicherheit meiner Kinder als auch meinen eigenen Schmerz anvertrauen. Kontrolle, Klammern und ständiges Nachfragen sind dagegen keine Option. Wir werden als Eltern aber auch auf uns selbst geworfen, wenn die Kinder ausziehen: Eine neue Lebensphase beginnt, in der wir viel Freiheit haben. Wie will ich diese Lücke füllen? Was kommt jetzt für mich als Vater oder Mutter? Es dauert meistens eine ganze Weile, bis man darin etwas Positives entdecken kann.

Anke Kallauch ist Referentin für Kindergottesdienst im Bund Freier evangelischer Gemeinden und Mutter von drei erwachsenen Kindern. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/sohn_vermissen.jpg 1764 1296 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-02-23 10:40:402022-01-19 18:00:09„Ich vermisse unseren Sohn“

Dankbar jammern

Die schwierige Frage nach dem Wohlergehen

Wenn mich jemand fragt, wie es mir oder uns geht, weiß ich oft nicht, was ich antworten soll. „Es geht uns gut. Wir sind bisher gesund geblieben, haben ein sicheres Einkommen und die Kinder kommen mit dem Homeschooling klar.“ Oder: „Es geht uns nicht so gut. Ich vermisse es, Freunde, Freundinnen und Verwandte zu treffen. Die Situation macht mir Angst. Und den Kindern fehlen ihre Freunde und ihr Sport.“

Jammern auf hohem Niveau? Ja, das ist es wohl. Die Frage ist ja: Womit vergleiche ich unsere Situation: Mit der Zeit vor Corona? Mit Menschen, die deutlich stärker durch Corona oder andere Dinge eingeschränkt werden? Oder gar mit Menschen, die nicht im reichen Europa leben und ganz andere Sorgen haben als die, wann endlich wieder Vereine und Restaurants öffnen dürfen?

Ich finde beides wichtig: Auch wenn es uns im Vergleich mit vielen anderen Menschen gut geht, dürfen wir benennen, was uns schmerzt und was uns fehlt. Es kann tröstlich sein, sich mit anderen auszutauschen, denen es ähnlich geht. Hier ist Ehrlichkeit wichtig. Wenn alle nur „Danke, gut!“ antworten, entsteht kein Austausch. Und wer nicht von seinen Herausforderungen und Problemen redet, findet auch keine Lösung dafür. Denn auch „Luxusprobleme“ können belasten und das Leben schwer machen.

Aber es ist auch wichtig, die eigene Situation in das Gesamtbild einzufügen und wahrzunehmen, wo wir stehen. Es ist hilfreich, auf das Gute zu sehen, das wir haben. Zu erkennen, womit wir gerade beschenkt sind und Gott dafür zu danken. Und sicher ist es so, dass an einem Tag eher das eine und am nächsten Tag das andere überwiegt. Lasst uns also dankbar jammern – und unsere Zuversicht auf Gott setzen!

Bettina Wendland ist Redakteurin bei Family und FamilyNEXT und lebt mit ihrer Familie in Bochum.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/04/Xsandra_GettyImages-1216167705.jpg 1414 2120 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2021-04-16 14:51:162021-04-16 14:51:16Dankbar jammern

Ein leeres Nest – Und nun?

Ja, es tut weh, wenn die Kinder ihr Zuhause verlassen und in die Welt hinausziehen. Wie Eltern gut mit diesem Schmerz umgehen können, beschreibt Sylvia Sobel.

In dem Augenblick, in dem wir uns entscheiden, ein Kind zu bekommen oder es in unserem Leben willkommen zu heißen, wählen wir häufig unbewusst ein Credo oder Motto: zum Beispiel das Sprichwort „Aller Anfang ist schwer“ oder das Hesse-Zitat: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Wir haben die Wahl, welche Weisheit wir uns zu eigen machen wollen. Welche Erkenntnis soll unser Credo, unser Wegweiser werden? Beim ersten Kind wissen wenige von uns wirklich, was auf sie zukommt. Wir haben Hoffnungen, Wünsche, Vorstellungen und vor allem: Träume! Diese Träume geben uns viel Kraft.

Trauer zulassen

Der Auszug von Kindern aus der elterlichen Wohnung ist für viele Eltern ein kritischer Moment im Leben, der – obwohl erwartet – häufig plötzlich eintritt. Robert Bor von der Uni London hat das „Leere-Nest-Syndrom“ folgendermaßen beschrieben: „Abgesehen von Geburt und Tod ist der Auszug eines Kindes die weitreichendste Veränderung, die eine Familie treffen kann. Dies sollte als besonders stressbeladene Phase anerkannt werden.“ Bor stellt ferner fest: „Was nötig ist, ist eine größere Offenheit bezüglich des ‚Leeren-Nest-Syndroms’, eine breitere Anerkennung seiner Existenz und der Schmerzen und Einsamkeit, die es verursachen kann.“ Der Auszug der Kinder bedeutet das Ende eines Lebensabschnitts. Ein wichtiger Lebensinhalt fällt weg, und Eltern erleben das Gefühl, verlassen zu werden.

Als unsere beiden Söhne drei Jahre nach ihrer großen Schwester das Nest verlassen haben, geschah dies in einem Abstand von vier Wochen, also fast gleichzeitig. Während dieser Zeit waren wir Eltern so sehr mit den Vorbereitungen und der Durchführung der beiden Umzüge beschäftigt, dass wir Gefühle der Trauer oder gar des Verlustes zunächst gar nicht wahrnahmen. Wir packten und ordneten, sortierten und diskutierten zwei Monate ohne Unterlass. Diese Aktivitäten hielten uns auf Trab und lenkten uns ab.

An dem Tag, als der jüngste Sohn auszog, um das Leben zu ergründen, empfand ich als Mutter eine tiefe Trauer und Leere, das Gefühl eines tiefgreifenden Verlustes. Diese Empfindung hielt eine Zeitlang an und kehrt selbst noch Jahre später ab und zu wieder zurück. Dann allerdings nur flüchtig und weniger intensiv. Meine Erfahrung ist aber, dass es auf längere Sicht hilfreich, ja sogar notwendig ist, Gefühle der Trauer und des Verlustes zuzulassen und zu ertragen! Anderenfalls flüchten Eltern sich in Verdrängungsmechanismen, die weder uns noch unserer Umgebung helfen, mit der Situation umzugehen und sie in den Griff zu bekommen.

Gezittert und gefeiert

Es ist doch eigentlich logisch: Eine lange und wichtige Phase unseres Lebens haben wir damit verbracht, unseren Kindern beim Aufwachsen und Erwachsenwerden zur Seite zu stehen und sie zu begleiten, wenn nötig sogar mit Rat und Tat. Wir haben uns bemüht, ihnen den richtigen Weg zu weisen, und sie auf ihrem steinigen Weg durch den Schuldschungel begleitet. Wie glücklich und befreit waren wir, als sie endlich – trotz Schule – einen qualifizierten Abschluss errungen haben. Ich sage ganz bewusst: Meine Söhne haben das Abitur abgelegt – trotz Schule! Unvergessen unzählige Elternabende und Anrufe der Lehrer, wenn wieder einmal Mitteilungsheft, Hausaufgaben, Turnbeutel etc. vergessen wurden. Bis kurz vor der Abiturprüfung wurde häufig gemeinsam diskutiert, gelernt, gezittert – und dann endlich gefeiert!

Aber spätestens nach dem Abitur oder einem anderweitigen Schul- oder Ausbildungsabschluss werden die Flügel ausgespannt, und der Radius unserer Sprösslinge erweitert sich schlagartig. Unsere Söhne zog es in die „weite Welt“ hinaus: nach Indien und nach Afrika, wo beide in sozialen Projekten tätig waren. Dies war im Grunde eine gute Hinführung auf das, was danach kam: der endgültige Auszug aus dem Elternhaus. Zunächst aber verblieben noch zahlreiche ihrer Besitztümer zu Hause, es handelte sich um einen Abschied auf Zeit.

Unser jüngster Sohn wurde selbst in Westafrika von mir, seiner Mutter, „heimgesucht“, natürlich nach Absprache und mit seinem vollsten Einverständnis. Dieser Besuch hat unserer Beziehung nicht geschadet, im Gegenteil. Ich durfte ihn dort als fürsorglichen und kompetenten Reiseführer und als voll integriert in seinen Aufgabenbereich erleben! Dies ist ein Beispiel dafür, dass die Eltern-Kind-Beziehung auch nach dem Auszug andauern kann, aber auch gepflegt werden sollte, in dem Bewusstsein, dass wir nun ein erwachsenes „Kind“ vor uns haben! Dieses „Kind“ will respektiert, aber keineswegs reglementiert oder eingeengt werden.

Geborgenheit vermitteln

Ich habe nach dem Auszug des dritten Kindes begonnen, regelmäßig und intensiv für alle drei Kinder zu beten. Ich vertraue sie dem Schutz und der liebenden Allmacht Gottes an, versäume aber dennoch nicht, ab und an einige „lebensnotwendige“ Hinweise mit auf den Weg zu geben: Fahr vorsichtig, benutze Sonnenschutz, genieße dein Bier oder Wein in Maßen … Vor besonderen Anlässen beten wir mit ihnen und für sie. Wir segnen sie mit dem Zeichen des Kreuzes, wenn sie heimkommen. Dies ist unsere Art und Weise, ihnen auch in der Ferne Geborgenheit zu vermitteln.

Experten sagen, dass ein geordneter Abschied auch bedeutet, dass wir unsere Sache gut gemacht haben. Wir bereiten die Kinder schließlich kontinuierlich auf den Auszug aus dem elterlichen Nest vor, versuchen, sie zur Selbstständigkeit zu erziehen und aus ihnen gerade und selbstbewusste Menschen zu machen. Am Ende dieser Bemühungen schließlich verlassen sie dann Haus und Eltern, um ihre eigenen Wege zu suchen und zu beschreiten. Viele Eltern beklagen, dass gerade in dem Moment, wo die mitunter stressigen Phasen der Pubertät abnehmen und wir unseren Kindern auf Augenhöhe begegnen könnten, sie ihre eigenen Wege einschlagen.

Hier stellt sich die Frage: Haben wir unsere Kinder mit viel Liebe und Fürsorge großgezogen, damit sie unser Leben auf Dauer bereichern und erleichtern? Die Antwort muss hier leider „Nein“ lauten! Das Fortgehen der Kinder gehört zum normalen Kreislauf des Lebens.

Schuldgefühle loslassen

„Das größte Geschenk, das wir unseren Kindern mitgeben können, ist Unabhängigkeit, emotionale Stärke und Freiheit von Schuldgefühlen“, schreibt Shelley Bovey in ihrem Buch „Und plötzlich sind sie flügge“. Diese Freiheit von Schuldgefühlen gilt ebenso für Mütter und Väter. Viele Eltern berichten von Schuldgefühlen, die sie vor allem in der Rückschau quälen. Vor allem Mütter leiden darunter, aber die Tatsache, dass sie ihr Bestes gegeben haben, ist eigentlich schon beachtlich und oftmals auch genug. Shelley Bovey schreibt: „Es ist wichtig, dass wir nicht an einer Stelle festhaken, wo wir die Vergangenheit nicht loslassen können, weil wir überzeugt sind, wir hätten es damals besser machen können.“

Lassen Sie Ihre Gefühle zu, erzwingen Sie nichts, trauern Sie und reden Sie! Auch die Resilienzforschung kann helfen: Diese Wissenschaft beschäftigt sich mit der menschlichen Fähigkeit, auch in schwierigen Lebensphasen Kraft und Zuversicht zu entwickeln. Resiliente Menschen können Krisensituationen besser durchstehen und gestärkt daraus hervorgehen. Die Resilienzforschung hat herausgefunden, was helfen kann:

  • Optimismus bzw. eine positive Einstellung Problemen gegenüber
  • Akzeptanz: gegebene Lebensumstände zunächst annehmen
  • Lösungsorientierung: nicht bei den Hindernissen stehenbleiben
  • Ablegen der Opferrolle
  • Übernehmen von Verantwortung: Dinge in die Hand nehmen – Probleme anpacken
  • Aufbau von Netzwerken, Gleichgesinnte suchen
  • Zukunftsplanung: vorwärts denken

Diese Einstellungen zum Leben können Menschen einüben. Die Erkenntnis, dass auch aus einer Krise etwas Gutes entstehen kann, ist dabei grundlegend für die Entwicklung einer resilienten Lebenshaltung. Jeder von uns kennt diese Situationen oder Phasen im Leben, wo etwas zerbricht und wir beinahe selbst daran scheitern. Reinhard Mey, selbst Vater dreier erwachsener Kinder, singt an einer Stelle: „Und ich mach mit Liebe alles falsch, so gut ich kann.“ Und für die Zeit nach dem Fortgehen der Kinder sei noch ein Ausspruch Karl Lagerfelds zitiert: „Zukunft ist die Zeit, die übrig bleibt.“ Mögen wir sie bewusst und intensiv nutzen, für uns und ab und an auch für unsere erwachsenen Kinder.

Sylvia Sobel lebt in Berlin und arbeitet als Lehrerin, Autorin und Schulmediatorin. Sie ist Mutter von drei erwachsenen Kindern und verheiratet mit Alfred Sobel, mit dem sie das Buch „Stärke fürs Leben entwickeln: So meistern Sie den Alltag mit einem behinderten Kind“ (Neufeld Verlag) geschrieben hat.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/12/GettyImages-494539880.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2021-01-02 11:03:032020-12-10 11:19:18Ein leeres Nest – Und nun?

Immer nur zu Hause

„Mein Sohn geht, außer zur Schule, nie weg und ist fast immer nur zu Hause. Ich weiß gar nicht, ob er überhaupt Freunde hat. Müssen wir uns Sorgen machen, dass er vereinsamt?“

Prinzipiell sind wir Menschen auf Beziehungen angelegt. Von Anfang an gehen Kinder in Kontakt mit anderen Menschen – zuerst mit den Eltern und dann mehr und mehr mit Gleichaltrigen, mit denen sie Freundschaften aufbauen. Gerade im Jugendalter, wenn sie sich von den Eltern lösen, spielen Freunde eine wichtige Rolle – sie geben Anerkennung, stiften Identität und sind Ansprechpartner bei Problemen.

INTROVERTIERTE KINDER BRAUCHEN RUHE

Vor diesem Hintergrund ist es schon berechtigt, dass Sie sich Sorgen machen, wenn Ihr Sohn außerhalb der Schule keinerlei Kontakte pflegt. Hier stellt sich zunächst die Frage, ob er schon immer ein eher introvertiertes Kind war, für das Freundschaften nicht so bedeutsam sind. Solche Kinder gibt es. Es sind die Kinder, die vielleicht schon in der Kindergartenzeit weniger Lust auf Gruppenspiele und gemeinsame Aktionen hatten und lieber für sich allein herumtüftelten. Auch in der Schulzeit sind für sie weniger die anderen Kinder im Fokus, sondern das Gespräch mit den Lehrern und die spannenden Sachthemen. Sind Kinder grundlegend eher so veranlagt, sind sie mit ein, zwei Freunden glücklich und zufrieden.

Wenn Sie Ihren Sohn diesem Charaktertyp zuordnen können, er einen ausgeglichenen Eindruck macht und die Zeit zu Hause positiv gestaltet, dann können Sie gelassen sein. Vielleicht ist sein Bedürfnis nach einem anstrengenden Schultag einfach nur Ruhe. Gleichzeitig würde ich aber auch empfehlen, Ihren Sohn ohne Druck immer wieder mal zu motivieren, wenige Kontakte zu pflegen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob er in der Schule wirklich gar keine Freunde hat. Fragen Sie ruhig vorsichtig nach, wenn ihr Sohn nicht viel erzählt. Außerdem wäre es sinnvoll, die Lehrer um ein Gespräch zu bitten, damit Sie eine Einschätzung bekommen, wie es ihm im Schulalltag ergeht und welche Kontakte er hat.

HAT SICH IHR KIND VERÄNDERT?

Mehr Grund zur Sorge besteht, wenn ihr Sohn sich in der letzten Zeit verändert hat. Gab es vorher Freundschaften und Aktivitäten am Nachmittag, die er aufgegeben hat? Welchen Eindruck haben Sie insgesamt von Ihrem Sohn? Wirkt er zufrieden oder könnte ihn etwas beschäftigen? Wie verbringt er die Nachmittage zu Hause? Welche Rolle spielt der Medienkonsum? Wenn aus Ihrem kontaktfreudigen und aktiven Sohn ein Stubenhocker geworden ist, der sich mehr und mehr zurückzieht, besteht tatsächlich Handlungsbedarf.

Auf der einen Seite kann es sein, dass ihm „nur“ die Herausforderungen der Pubertät zu schaffen machen und er deswegen viel mit sich selbst beschäftigt ist. Dann kann schon das eine oder andere vertrauensvolle Gespräch hilfreich sein. Auf der anderen Seite können aber auch schwerwiegende Probleme dahinterstehen wie Mobbing, Missbrauchserfahrungen, Streit unter Freunden oder Ähnliches. Dann braucht Ihr Sohn Hilfe. Sollte sich die Situation schon so zugespitzt haben, dass Sie als Eltern an Ihren Sohn nicht mehr herankommen, ist eine professionelle Unterstützung unbedingt ratsam.

Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid und ist Mitarbeiterin bei Team.F. www.sonja-brocksieper.de Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/01/family_nurzuhause.jpg 1291 1936 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2020-01-25 16:36:022020-01-16 16:37:54Immer nur zu Hause

Selbstgespräche am Frühstückstisch

Der Auszug seiner zweiten Tochter fiel Christian Rommert besonders schwer.

„Papa, ich zieh aus!“, höre ich unsere Tochter sagen. Ich frage mich, ob ich ein Déjà-vu habe und beiße erst einmal in meinen Apfel. Vielleicht geht es ja vorbei? Doch nach einigen Augenblicken der Stille höre ich: „Papa? Schläfst du?“ Diese Situation ist also echt … Vor mir steht unsere zweite Tochter. Die Kleine. „Du möchtest in eine eigene Wohnung ziehen?“, frage ich entgeistert und schaue zu der Frau, die ich liebe. „Warum das denn?“

Für mich kommt das sehr plötzlich. Was soll das? Es kommt mir doch so vor, als wäre sie gerade erst geboren. Ich erinnere mich noch, wie ich sie in nur einer Hand tragen konnte! Na gut, inzwischen ist unsere Tochter 20. Sie studiert. Sie arbeitet. Sie ist umsichtig und organisiert. Aber warum in aller Welt ausziehen? Irgendwie fühlte sich das bei unserer Großen anders an. Wie ein natürlicher Schritt. Wie ein bisschen mehr Freiheit. Und wie nach weniger Wäsche.

Doch hier klingt es ganz falsch! Es ist doch schön so, wie es ist. Abends sitzen wir zusammen und essen gemütlich. Manchmal kommen unsere Tochter und unser Jüngster zu uns runter. Auch die Große schaut oft noch vorbei. Alles ist perfekt so. Da muss man nichts ändern! Ich liebe es, unsere Kinder am Tisch zu haben. Ich möchte weiter mit ihnen das Essen für das Wochenende planen, spontan grillen oder einen Film schauen. Nur zu dritt – das ist doch doof. Der Wäschekorb ist leer. Die Wohnung ist leer und am Frühstückstisch bin ich der Einzige, der mir beim Reden zuhört! Ja, wirklich: Katrin und der Jüngste haben es um die Uhrzeit nicht so mit Gesprächen.

SIE MEINT ES ERNST!

„Also, Papa, ich habe im Internet nach Wohnungen geschaut. Eine klingt echt super!“, höre ich sie erzählen. Sie berichtet ganz begeistert von dem Viertel, das sie schon gut kennt, von dem Balkon und dem Zuschnitt. Unsicher frage ich, zu wann die Wohnung denn frei wäre. „Ich könnte in vier Wochen einziehen!“ „Das geht doch gar nicht“, starte ich einen kläglichen Versuch, sie davon abzuhalten: „Ich bin die nächsten Wochenenden verplant und kann dir gar nicht richtig helfen!“

Doch statt einzusehen, dass sie unmöglich ausziehen kann, sagt sie mit einer unfassbaren Leichtigkeit: „Ach, Papi, das schaffen wir schon! Streichen, Schränke aufbauen und Lampen anbringen kann ich doch selber. Oder Freunde helfen mir! Und ein paar Bohrlöcher setzt du vielleicht mal zwischendurch, okay?“ Sie meint es wirklich ernst. Wie ernst, wird mir wenig später klar. Alles geht plötzlich ganz schnell! Der Mietvertrag ist nach fünf Tagen unterschrieben. „Ich fahre zu Ikea!“, verabschiedet sie sich nun fast täglich. Schließlich sehe ich mich beim Möbelschleppen und Autopacken. Sie zieht das tatsächlich durch …

OB ER NOCH DA IST?

Während ich das hier schreibe, ist der Umzug schon zwei Wochen her. Am Frühstückstisch klapperte es die letzten Tage spürbar leiser. Nur ich plappere wie ein kleines Äffchen und rede mit mir selber. „Kleine werden groß und Große werden alt. So ist das nun einmal“, sage ich mir. Und kann es selber nicht glauben. Seltsam, wie die Dinge sich ändern. Noch vor ein paar Jahren liefen sie hinter dir her und baten: „Papa, hast du Zeit zum Spielen?“ Jetzt ist man selber derjenige, der hinter ihnen hergeht und fragt: „Wann kommt ihr mal wieder vorbei?“ Erwachsen werden ist irgendwie auch keine Lösung!

Naja, wir haben sie jetzt für nächsten Sonnabend eingeladen – alle: die Große, die Kleine und ihre Freunde. Bis dahin gehe ich immer mal wieder in der Etage unseres Sohnes vorbei. Einfach nur so … Und um zu schauen, ob er noch da ist.

Christian Rommert ist Autor, Redner und Berater und Fan des VfL Bochum. Er ist verheiratet mit Katrin und Vater von drei erwachsenen Kindern. Regelmäßig spricht er das Wort zum Sonntag in der ARD.
Foto: Wolfgang Wedel

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/06/jde_croissant.jpg 1414 2121 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-06-27 13:47:132019-06-28 08:20:00Selbstgespräche am Frühstückstisch
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