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Archiv für die Kategorie: CCN-FEED

Keine Angst vorm Zockerspaß: Chancen und Risiken von Fortnite, Minecraft & Co

Videospiele gehören heute zum Leben von Jugendlichen dazu. Laut dem Branchenverband Bitcom spielen 89 Prozent der 10- bis 18-Jährigen digitale Spiele. Nathanael Ullmann sieht darin eine große Chance – aber auch Risiken.

Folgt man der Debatte über das Thema „Kind und Videospiele“, sind vor allem zwei Lager besonders laut. Die einen sehen, überspitzt gesprochen, in jedem Computerspieler den nächsten Amokläufer heranwachsen. Die anderen glorifizieren das digitale Spiel als den optimalen Lernort. Nach jahrelanger Spielerfahrung und wissenschaftlicher Beschäftigung mit dem Thema kann ich sagen: Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Ein paar Stunden in der virtuellen Welt werden kein Kind mit einem natürlichen Sozialverhalten zum Problemfall werden lassen – aber eben auch nicht zur Intelligenzbestie.

Es ist nicht zu leugnen, dass in der digitalen Spielewelt Gefahren lauern. Trotz allem bin ich ein großer Befürworter der Idee, Kinder – auch virtuell – spielen zu lassen. In diesem Artikel möchte ich beide Seiten beleuchten. Einerseits will ich darauf aufmerksam machen, wo Fallstricke hinter den Pixeln lauern, andererseits aber auch Angst nehmen.

DIE VORURTEILE

Wenn ich über Computerspiele rede, begegnen mir immer wieder falsche Vorstellungen. Mit zweien möchte ich hier aufräumen.

„Videospiele machen einsam“
In der Gesellschaft fällt mir regelmäßig ein vorherrschendes Bild auf: vom einsamen Zocker, der im dunklen Raum vor der Flimmerkiste sitzt. Und tatsächlich sitzt der Spieler ja erst einmal alleine vor dem Rechner oder der Konsole. Aber besorgte Eltern kann ich beruhigen: So einsam, wie Ihr Kind wirkt, ist es vielleicht gar nicht. Seit einiger Zeit ist auf dem Spielemarkt eine Bewegung hin zu so genannten „Multiplayer-Games“ zu sehen. Das heißt: Menschen aus aller Welt können sich online treffen und gemeinsam spielen. Nun darf man das nicht mit verklärter Brille sehen. Je nach Spiel kann der Umgangston zwischen den Nutzern durchaus harsch sein. Auf der anderen Seite regt das gemeinsame Spiel zu zwischenmenschlicher Interaktion an.

Regelmäßig treffe ich mich online mit Freunden. Ein Treffen im echten Leben wäre abends unmöglich, wohnen wir doch weit verstreut. So können wir uns trotz allem hören, gemeinsam etwas erleben und uns austauschen. Wir lösen zusammen Aufgaben, feiern Erfolge und haben Spaß. Zocken macht also nicht zwingend einsam. Es bleibt jedoch die Frage, ob Kinder, wenn die Zeit und Entfernung es zulassen, sich nicht lieber „in echt“ sehen sollten. Und natürlich wird digitaler Kontakt niemals reale Treffen ersetzen können. Wie so häufig gilt auch hier: Es kommt auf das richtige Maß an. Unterhält ihr Kind nur noch online Freundschaften, sollte das angesprochen werden. Trifft es seine Freunde gelegentlich online, kann das eine wertvolle Bereicherung sein.

„Videospiele machen dumm“
In dieser Deutlichkeit ist mir dieses Vorurteil zwar selten begegnet. Aber es schwingt immer wieder mit. Dabei können Computerspiele durchaus sinnvoll sein. Vorderhand entspannen sie natürlich. Aber auch darüber hinaus sind sie eine gute Schule. Ein Kind, das Minecraft spielt, kann lernen, von sich heraus kreative Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Ich selbst habe während meiner Schulzeit gewinnbringend das Strategiespiel Civilization III gespielt – die historischen Hintergründe haben mir die römische Geschichte zugänglicher gemacht.

DIE GEFAHREN

Ich wäre nicht seriös, würde ich die Gefahren des Spielens totschweigen. Vor allem an drei Stellen sehe ich Stolpersteine, von denen Eltern wissen sollten.

Die Sucht
Videospielsucht ist ein schwieriges Thema. Das lässt sich nicht leugnen. Gerade das Genre Rollenspiel nutzt bewusst Strategien, um Nutzer über lange Zeit bei der Stange zu halten. Hier kann man eben ein Level aufsteigen, dort noch eine Aufgabe (genannt Quest) erledigen. Die Chance auf großen Ruhm lockt viele in die virtuellen Alternativwelten – und lässt sie nicht mehr los. Das Mittendrin- Gefühl, das Spiele anderen Medien voraushaben, tut dann das Übrige. Das gilt bei weitem nicht für jedes Genre und jeden Spieler. Ich halte es zudem nicht für eine gute Lösung, Kindern deswegen das Spielen ganz zu verbieten. Klare Grenzen sollte es aber geben. Die EU-Initiative Klicksafe empfiehlt beispielsweise, Kinder zwischen vier und sechs Jahren nicht mehr als 30 Minuten am Tag in Begleitung der Eltern spielen zu lassen. Jugendliche zwischen elf und 13 Jahren sollten laut Klicksafe nicht mehr als 60 Minuten spielen. Definieren Sie mit Ihrem Kind im Bestfall Regeln. Beispielsweise: Wie viele Runden darf es nach den Hausaufgaben spielen?

Das Glücksspiel
Eng mit dem Thema „Sucht“ hängt auch das Thema „Glücksspiel“ zusammen. Seit einigen Jahren ist es in der Branche üblich, Spieler zu Zusatzkäufen zu verlocken. Manch ein Spiel, gerade auf dem Smartphone, kommt kostenlos auf den Markt, setzt aber darauf, dass Kunden für zusätzliche Waffen, Karten oder Outfits extra bezahlen. Die Methoden sind nicht selten dem Glücksspiel entlehnt. Anfangs wird der Spieler mit Gratis-Belohnungen überhäuft, er lernt den Reiz des schnellen Erfolgs kennen. Später werden die Belohnungen zurückgefahren, er soll dafür bezahlen. Die Gegenstände sind in Truhen versteckt, in denen ein nebensächlicher Artikel oder eine unglaublich seltene Waffe warten können – was der Käufer bekommt, ist Zufall. Hierfür kann eine Menge Geld ausgegeben werden. Wenn Programme mit Begriffen wie „Free2Play“ locken, sollten Eltern einen kritischen Blick darauf werfen.

Die Gewalt
Auch zur Gewalt in Videospielen muss ich ein Wort verlieren. Ja, eine Vielzahl von Mainstream-Spielen setzt darauf, dass der Spieler mit einer Waffe umgehen muss. Und ja, Videospiele können auch gewaltverherrlichend sein. Ich selbst hatte als kleiner Knirps im Urlaub viel zu lange die Möglichkeit, auf dem PC meines Cousins GTA: Vice City zu spielen. Diese Gewalteindrücke konnte ich lange nicht verarbeiten. Auf der anderen Seite möchte ich hier relativieren: Erstens gibt es aus ebendiesem Grund Altersfreigaben, die auf jeden Fall beachtet werden sollten. Gewisse Spielinhalte kann ein Kind noch gar nicht verarbeiten – dazu gehört je nach Alter auch die Waffengewalt. Zweitens gibt es gerade außerhalb des Massenmarktes eine Vielzahl an Spielen, die vollkommen friedlich daherkommen. Ein Beispiel ist das Adventure „Fire“ vom deutschen Entwicklerstudio „Daedelic“. Hier klickt sich der Spieler als Steinzeitmensch durch eine liebevoll gezeichnete Welt. Die Besonderheit: „Fire“ kommt ohne geschriebene Worte aus. Auch die meisten Nintendo-Titel (wie die Super Mario-Reihe) sind, was Gewalt angeht, eine Empfehlung wert. Zwar kann man in diesen Titeln gegen Monster kämpfen, das ist, mit wenigen Ausnahmen, allerdings absolut kinderfreundlich dargestellt.

WAS KÖNNEN ELTERN TUN?

Eltern sollten das Spielverhalten des Sohnes oder der Tochter in geregelte Bahnen lenken. Wegen bestehender Gefahren lohnt sich ein kritischer Blick. Wie kann der aussehen?

Zuhören und Mitmachen
Wenn Ihr Kind Spiele liebt, wird es darüber reden wollen. Auch wenn es Sie vielleicht nicht interessiert, kann aufmerksames und interessiertes Zuhören nur sinnvoll sein. So erfahren Sie am leichtesten, in welche Spielwelten es gerade versinkt. Und so können Sie auch am ehesten erfahren, ob das Erlebte zu seiner Altersklasse passt. Noch besser als nur zuzuhören ist natürlich das Mitmachen. Gerade in jungen Jahren ist das gemeinsame Spielen eine unglaubliche Freude. Die Montagnachmittage, an denen mein Vater und ich uns durch Monkey Island gerätselt haben, zählen noch heute zu den schönsten Erinnerungen meiner Kindheit.

Informieren
Ein großer Vorteil des Informationszeitalters ist, dass es über jedes moderne Spiel eine Vielzahl an Artikeln gibt. Erwähnt ihr Kind, dass es Fortnite spielt, ist es ein Leichtes, diesen Begriff zu googeln. Webseiten wie www. spieleratgeber-nrw.de erklären fachlich fundiert die Hintergründe zu den wichtigsten Titeln. Und wenn Ihnen Texte über den Titel nicht reichen, können Sie ein so genanntes „Let’s Play“ schauen. Das sind Videos, in denen Spieler sich beim Zocken filmen. So wissen sie ganz schnell, wie das Spiel funktioniert und ob es für Ihr Kind geeignet ist.

USK beachten
Ein großer Segen, den wir in Deutschland haben, ist die USK, die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“. Kein Spiel, das in den Laden kommt, kommt ohne diese Kennzeichnung aus. Mit einem Blick auf die Verpackung lässt sich leicht erkennen, ab welcher Altersstufe ein Game geeignet ist. Problematisch wird es, wenn Ihr Kind die Spiele nicht mehr im Laden, sondern online kauft. Einige Shops wie der Google Play Store oder der Xbox Store sind Teil des IARC-Systems, das eine Alterseinstufung nach einem automatisierten Verfahren vergibt. Diese Kennzeichnung kann ebenfalls ein Anhaltspunkt sein. Sinnig ist es zudem, gerade bei jüngeren Kindern, Online-Spieleplattformen wie Steam nicht fest mit einem Bezahl-Konto zu verknüpfen. Neue, kostenpflichtige Spiele können Ihre Kinder dann nur gemeinsam mit Ihnen erwerben. So behalten Sie den Überblick.

Nathanael Ullmann ist Volontär in der Online-Redaktion des SCM Bundes-Verlags und beim Männer-Magazin MOVO.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/10/Videospiel-Kind.jpg 1278 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2019-10-25 14:09:002019-10-25 14:09:00Keine Angst vorm Zockerspaß: Chancen und Risiken von Fortnite, Minecraft & Co

Mit 26 wieder zu Hause einziehen? Warum Sie das als Eltern nicht mitmachen sollten

„Unser Sohn (26) muss aus seiner WG ausziehen. Nun will er übergangsweise wieder bei uns wohnen. Kann ich ihm sagen, dass er sein Leben allein bewältigen können muss?“

Die erste Aufgabe von Eltern ist es, ihre Kinder in ein selbstständiges und verantwortungsvolles Erwachsenenleben zu begleiten. Dies haben Kinder in der Regel zwischen 18 und 20 Jahren gelernt. Hier hat auch die elterliche Einflussnahme ihren endgültigen Punkt erreicht. Wir bleiben Eltern und auf dieser Ebene verbunden, jedoch nun auf Augenhöhe. Das bedeutet auch, dass jeder für sein Leben selbst verantwortlich ist und es eigenständig gestaltet. Wie können Sie also mit der Situation umgehen?

SEIEN SIE GASTFREUNDLICH!

Als eines unserer Kinder mit 19 Jahren plötzlich vor der Tür stand, weil es aus verschiedenen Gründen kein Zuhause mehr hatte, mussten wir ihm deutlich machen, dass sein ehemaliges Kinderzimmer aus Kostengründen untervermietet war und wir keinen dauerhaften Platz in der Wohnung hatten. Aber wir halfen natürlich bei der Wohnungssuche und nahmen das inzwischen erwachsene Kind vorübergehend als Gast auf. Dazu war es notwendig, dass unser Wohnzimmer für diese Zeit als Gästezimmer und Wohnzimmer umgestaltet werden musste. Nehmen Sie doch Ihren Sohn ebenso als „Gast“ auf. Der Gast-Status macht deutlich: Er bleibt nur vorübergehend in Ihrem Haus.

SPRECHEN SIE OFFEN ÜBER IHRE ERWARTUNGEN

Mit Mitte Zwanzig lebt Ihr Sohn nicht mehr in der gewohnten Eltern-Kind- Beziehung. Sprechen Sie darüber, dass dies eine andere Situation ist als noch vor Jahren, als Sie eine andere Verantwortung für das Leben Ihres Sohnes hatten. Arbeiten Sie daran, dass Sie als Ehepaar gemeinsam agieren und sich einig sind.
Um Konflikte oder böse Überraschungen bereits vorab zu vermeiden, hätten Sie ihr Kind schon beim Auszug fragen können, ob es okay ist, nach seinem Auszug das ehemalige Kinderzimmer neu einzurichten und einer neuen Funktion zuordnen zu dürfen.

FINDEN SIE EINEN ABSCHLUSS

Als unsere Kinder auszogen, haben wir mit jedem von ihnen eine Abschiedsfeier gemacht. Wir luden das Kind zu einem besonders schönen Restaurantbesuch ein und sprachen miteinander. In diesem Gespräch fragten wir auch, wo wir als Eltern Fehler gemacht haben, ob wir ungerecht empfunden wurden und ob es zwischen uns etwas zu bereinigen gibt. Wir sprachen auch über die neue Situation und machten deutlich, dass sowohl für das Kind als auch für uns nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Sabine und Siegbert Lehmpfuhl haben vier Kinder im Alter zwischen 34 und 41 Jahren und sind Team.F-Regionalleiter.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/10/parker-gibbons-TM2F4SnXUO0-unsplash-e1571906658975.jpg 1402 2490 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2019-10-24 11:11:532019-10-24 12:00:20Mit 26 wieder zu Hause einziehen? Warum Sie das als Eltern nicht mitmachen sollten

Mettwurst oder Spitzenwäsche: So zeigen Sie Ihrem Partner, dass Sie ihn wirklich lieben

Romantische Fünf-Sterne-Dinner mit Sonnenuntergang sind super, ohne Frage. Aber es sind ganz andere Aufmerksamkeiten, die eine Beziehung ausmachen.

Um der Liebe unseres Lebens zu beweisen, wie wunderbar und einzigartig sie ist, geben wir uns viel Mühe, vor allem, wenn wir frisch verliebt sind. Die Verliebtheit aktiviert unsere Hirnwindungen in der rechten Großhirnrinde und treibt uns an. Wir schreiben Gedichte, basteln Karten, sparen für ein Vier-Gänge-Menü, stricken Schals, üben den Kniefall oder eine sinnliche Geste, schnuppern uns durch die Parfumabteilung und holen die Sterne vom Himmel.

Das Beziehungs-Gen

Woher kommt die Sehnsucht, der Liebe einen Ausdruck zu geben? Wir sind Beziehungswesen. Keiner lebt für sich allein. Wir brauchen das Gegenüber, um uns selbst zu erkennen, Bedürfnisse wahrzunehmen und uns weiterentwickeln zu können. Eremiten sind die absolute Ausnahme, aber selbst sie suchen ein Gegenüber. Eine mystische Begegnung. Eine Erkenntnis. Gott. Es scheint eine genetische Struktur in uns zu geben, die sich nach Begegnungen sehnt.

Einmal geklärt. Fertig.

Der Ausspruch: „Ich liebe“ ist nur sinnvoll, wenn es einen Adressaten gibt. Ich liebe Kunst, Sport, Essen – dich! Auch, wenn es praktisch zu sein scheint, ein einmaliges Bekenntnis der Liebe genügt nicht, denn „lieben“ ist ein aktives Verb. Es verlangt die Aktivität von kleinen und großen Liebesbeweisen, um nicht zu verkümmern. In der ersten Phase der Verliebtheit fällt es uns leicht, Aufmerksamkeiten zu ersinnen und zu verschenken. Doch irgendwann kommt unsere Liebesbeziehung im Alltag an, findet sich zwischen Routine und Gewöhnlichem wieder und wir gehen davon aus, dass der/die andere schon weiß, dass wir ihn/sie lieben. Wenn wir wollen, dass unsere Liebe Spuren hinterlässt, muss sie erlebbar sein, zum Anfassen und Spüren, zum Erinnern und Träumen. Doch wie sieht der perfekte Liebesbeweis überhaupt aus?

Hände weg von Hollywood

Hollywood und romantische Romane liefern Ideen, doch die scheinen sich nur umsetzen zu lassen, wenn man viel Geld, einen Adoniskörper, unbegrenzte Risikobereitschaft oder am besten alles zusammen hätte. Die Ansprüche an einen perfekten Liebesbeweis lassen uns erschöpft und überfordert zurück. Wir sind weder Romanheldin noch Prince Charming und dennoch sehnen wir uns danach, unserem Partner auf ganz besondere Weise zu zeigen, wie sehr wie ihn/sie lieben.

Im Kleinen wie im Großen

Aber vielleicht muss es auch nicht immer der ganz große Wurf sein. Wenn man sich nicht an Kleinigkeiten freuen kann, kann man sich auch nicht an den großen Überraschungen freuen. Kann man ein Sternemenü zelebrieren, wenn man die schlichte Mahlzeit verachtet? Kann man den Wellness-Urlaub genießen, wenn man sich nicht im Alltag entspannen kann? Was nützen die spektakulären Liebesbeweise, wenn man sich nicht an den kleinen Gesten der Zuneigung erfreuen kann? Eine Umarmung. Ein Post-it mit Herzchen. Eine gepflückte Blume vom Wegrand. Eine SMS mit: „Du fehlst!“. Die aufgehaltene Tür. Ein Streicheln über den Handrücken. Eine Süßigkeit auf dem Schreibtisch.

Unsere Liebe verdichtet für einen Augenblick in eine liebevolle Geste. Wenn ein Augenblick die Zeit zwischen zwei Lidschlägen ist und wir zwischen 11 und 19 Mal in der Minute blinzeln, dann sind das bis zu 16.200 Augenblicke am Tag. Wird da nicht ein Moment dabei sein, den wir unserem Partner schenken können?

Individuelle Vorlieben

Es mag Frauen geben, die empfinden Handlungen wie Tür aufhalten, in den Mantel helfen oder eine Rechnung zu übernehmen als Bevormundung. Übereifriger Feminismus und Gender Mainstreaming haben der Höflichkeit so manche Kerbe geschlagen. Ich finde es angenehm, wenn mir jemand in die Jacke hilft, damit ich mich nicht mit den verknuddelten Ärmeln plage. Sobald wir die Motivation einer freundlichen Geste entdecken, tut sie einfach nur gut.

Wir kennen doch unseren Partner und wissen, worüber er oder sie sich besonders freut. Ist es ein kleines Geschenk oder eine gemeinsame Unternehmung oder ermutigende Worte?

Wer mag die runde Brötchenhälfte?

Wenn wir nicht wissen, was unserem Partner gefällt, dann müssen wir darüber sprechen und unser Gegenüber muss ehrlich antworten. Wie oft hat man schon ein vermeintliches Lieblingsessen zubereitet und dabei denkt der Mann: „Jetzt hat sie schon wieder gefüllte Paprika gekocht. Ich konnte das Gericht schon als Kind nicht leiden.“ Es wäre doch schade, wenn wir aus Liebe auf die runde Brötchenhälfte verzichten, in der Annahme, dass unser Partner sie mag, und dabei ist es ihm schnurzpiepegal.

Mettwurst und Spitzenwäsche

Mein Mann ist als Außendienstmitarbeiter in verschiedenen Städten unterwegs. Er hat die Möglichkeit, zwischen zwei Terminen in ein Geschäft zu gehen und bringt mir dann Dinge, von denen ich mal gesagt habe, dass ich sie gebrauchen könnte, wie einen Topfkratzer oder eine Tasche für meine Ordner, mit. Manchmal bringt er mir auch Dinge mit, die ich nicht dringend brauche, zum Beispiel ein Spitzenbustier. In meinem Alltag komme ich höchstens beim Bäcker und Metzger vorbei. Dann kaufe ich ihm seine Lieblingsmettwurst, die er mit rohen Zwiebeln isst. Er freut sich, auch wenn er anschließend keine Küsse mehr bekommt. Blumen bringt er mir nie mit und das ist gut so, ich kaufe sie mir selbst, denn sie müssen zu den Vasen, Sofakissen und Tischdecken passen.

Sagt was!

Unter Frauen höre ich solche Klagen: „Mein Mann kennt nicht einmal meine Kleidergröße und bringt mir nie etwas mit.“ „Andere Männer sind viel aufmerksamer als meiner.“ „Nie kocht er für mich.“

An Valentinstag drängeln sich die Männer ins Blumengeschäft und zum Hochzeitstag schleppen sie sich schweratmend durch die Parfumabteilung. Lasst uns die Männer von diesen Vorstellungen an Aufmerksamkeiten befreien! Lasst uns direkt sagen, was uns gefällt und nicht nur hoffen, dass der Partner die indirekten Andeutungen decodieren kann. Wie die kleinen Gesten aussehen, entscheidet jedes Paar für sich. Wir dürfen nicht vergleichen. Der einen Frau sind ihre von ihrem Mann frisch gebügelten Blusen ein Liebesbeweis, dem anderen, dass man zusammengekuschelt einschläft und bei meinem ist es die Zwiebelmettwurst.

Kleine Gesten im Alltag

Eine kleine Geste ist ein lebendig gewordener Gedanke der Zuneigung im Alltag. Ohne großen Aufwand kann ich etwas für den anderen erledigen, was er nur ungern tut, zum Beispiel zur Post gehen, die Flaschen wegbringen, die Betten machen, staubsaugen, die Blumen gießen.

Kleine Gesten haben die Kraft, Missverständnisse zu entwaffnen. Sie schützen uns vor Empfindlichkeiten und zu hohen Ansprüchen. Sobald sich eine Geste mit Dankbarkeit paart, hat sie die Fähigkeit, uns durch Alltagsstürme zu tragen.

Ein Butterbrot voll Liebe

Jeden Morgen richte ich für meine Kinder und meinen Mann eine Brotdose her. Ja, es ist gesünder und kostengünstiger als ein gekaufter Snack, aber es ist auch eine Tupperdose voller Zuneigung. Ein Zettel mit „Du schaffst das“ oder „Ich denke an dich“ oder mit Herzchen signalisiert, dass wir auch während des Arbeitstages miteinander verbunden sind und er lässt mich wissen, dass es ihm gefällt. Wieso sonst sollte ich mir die Brotschmiererei im schlaftrunkenen Zustand antun?

Bleibt authentisch!

Wenn ich mich ständig verbiegen muss, damit mein Partner sich wertgeschätzt weiß, wird die Ehe zur Last. Die kleinen Gesten müssen nicht eingeübt und trainiert werden, sie schlummern in uns, vielleicht müssen sie nur wachgerüttelt werden. Aufmerksamkeiten lassen sich leicht in den Alltag integrieren, wenn sie authentisch sind.

Es fällt mir leicht, meinem Mann körperliche Zuneigung zu schenken, aber es würde mir schwerfallen, mich für Fußball und Stadionbesuche zu begeistern. Der andere wird es sowieso spüren, wenn man etwas ungern tut. Als ich ein Kind war, sagte meine Oma: „Wenn du nicht gern teilst, brauchst du überhaupt nicht zu teilen.“ Ich habe mir dann immer überlegt, wie ich trotz des Teilens freudig aussehen kann. Es geht nicht! Ein Geschenk muss von Herzen kommen, damit es sich im Gesicht widerspiegelt. Ja, und manchmal gibt es die Momente, die man für sich alleine haben möchte. Für diesen Fall hat mein Mann ein kleines Snacklager in seinem Kleiderschrank und ich trockne meine Fruchtgummiteile in meinem Bücherregal, bis sie hart wie Bonbons sind. (Das muss man im Verborgenen tun, sonst futtern die Kinder alles weg.)

Das Aufzählmonster

Kleine Aufmerksamkeiten entfalten sich durch Dankbarkeit und verkümmern durch Vorhaltungen: Es gibt Zeiten, da ist man nicht so aufmerksam, vielleicht weil Stress bei der Arbeit herrscht oder weil man Ärger mit den Nachbarn hat oder weil man körperlich erschöpft ist. In diesen Phasen investiert einer von beiden mehr in die Beziehung. Wenn man jetzt anfängt aufzuzählen, was man schon alles getan hat und wie viel man für den anderen opfert, dann entfesselt man das Aufzählmonster. Es hat die Macht, aus Kleinigkeiten Konflikte zu erschaffen. Plötzlich nervt alles! Zu lautes Einatmen. Zu lautes Ausatmen. Der Schlüssel wird nicht an den gewohnten Platz abgelegt, im Auto rieseln Krümel über die Sitze oder die Spülmaschine wird nicht effektiv eingeräumt. Im gleichen Maß, wie uns Kleinigkeiten erfreuen, können sie uns ärgern. In diesen Momenten müssen wir innehalten, durchatmen und uns dem Aufzählmonster in den Weg stellen. Wir werden kaum die Energie und Kreativität haben, uns etwas Außergewöhnliches für den Partner zu überlegen. Umso besser, wenn wir auf ein Repertoire aus Aufmerksamkeiten zurückgreifen können.

Der Partner ist genervt? Ich gebe ihm Möglichkeiten, sich zurückzuziehen.

Der Partner ist gehetzt? Ich umarme ihn ganz fest.

Der Partner ist entmutigt? Ich bete mit ihm.

Vom Sekundengeizhals zum Zeitschenker

Viele Unglücke passieren, weil man denkt, man hätte nicht genug Zeit. Man hastet durch den Alltag, drängelt sich durch den Verkehr und verbrennt sich am heißen Kaffee den Mund in dem Glauben, dadurch ein paar Sekunden zu sparen. Aus den gleichen Gründen verlieren wir unsere Aufmerksamkeit. Keine Zeit für den Abschiedskuss, weil ein Termin ansteht? Keine Zeit, dem Partner einen gesegneten Tag zu wünschen, weil das Kind quengelt? Die kleinen Aufmerksamkeiten kosten uns nur einen Augenblick und jeder Tag besteht aus wenigstens 16.000 Augenblicken. Wir dürfen nicht zum Sekundengeizhals mutieren. Lasst uns am Tag zehn Minuten Zeit nehmen, die wir in überlegten Portionen an unseren Partner verschenken. Vier Augenblicke, um sich zu umarmen. Zehn Augenblicke, um zwei Cappuccinos zu kochen. Zwei Augenblicke für den Gute-Nacht-Kuss.

Alles, was wir als wichtig erachten, wurde uns geschenkt: Leben, Zeit, Liebe, Beziehungen, Familie, Talente, Hoffnung. Wir sind Beschenkte. Wir dürfen großzügig sein mit unserer Aufmerksamkeit, mit Dank und Lob. Ja, und manchmal schlüpft aus unseren Hirnwindungen eine außergewöhnliche Idee, wie wir unseren Partner auf ganz besondere Weise mit unserer Liebe überraschen können.

Susanne Ospelkaus lebt mit ihrer Familie in Zorneding bei München, bloggt unter susanne-ospelkaus.com und arbeitet als Ergotherapeutin.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/09/family_rose.jpg 1872 3000 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-10-10 08:43:332019-10-10 08:43:33Mettwurst oder Spitzenwäsche: So zeigen Sie Ihrem Partner, dass Sie ihn wirklich lieben

Der friedliche Kampf: Das schreibt der Nikolaikirchen-Pfarrer über die DDR-Demos 1989

Am 3. Oktober feiern wir den Tag der Deutschen Einheit. Tausende DDR-Bürger gingen im Herbst 1989 für ihre Freiheit auf die Straße. Vor seinem Tod schrieb Christian Führer, der damalige Pfarrer der Nikolaikirche, wie er diese Tage erlebt hat.

Teil 1: Hintergrund – Montag, 9. Oktober 1989

Wie zur Warnung trifft sich gerade heute Honecker mit der chinesischen Staatsdelegation des stellvertretenden Ministerpräsidenten Yao Yilin in Berlin. Die chinesische Gewaltlösung vom „Platz des Himmlischen Friedens“ scheint so nah wie nie. In Leipzig wird währenddessen über die Betriebe offiziell davor gewarnt, in die Innenstadt zu gehen, da man sich so als Staatsfeind zu erkennen gäbe. Im Volkspolizeiamt lautet die offizielle Devise für die Sicherheitskräfte: „Das Ziel des Einsatzes besteht in der Auflösung rechtswidriger Menschenansammlungen und (…) in der dauerhaften Zerschlagung gegnerischer Gruppierungen sowie der Festnahme der Rädelsführer.“ In den Krankenhäusern werden Blutkonserven gesammelt und Betten frei gemacht. Betriebskampfgruppen werden zusammengezogen und mit Gummiknüppeln bewaffnet. Hinter der „Runden Ecke“, wie die Stasizentrale im Volksmund heißt, nehmen Schützenpanzer Stellung.

Balkone werden abgesperrt

Schon am frühen Nachmittag besetzen 600 SED-Parteikader (ohne Parteiabzeichen) den Innenraum der Nikolaikirche, bevor Pfarrer Christian Führer die Balkone der Kirche absperrt – für die »Werktätigen«, die bis 17.00 Uhr arbeiten müssen, wie er bei der Begrüßung der Neulinge das Montagsgebet erklärt. Aber auch die Thomaskirche, die Michaeliskirche und die Reformierte Kirche bereiten sich auf die Friedensgebete vor.

„Wir sind das Volk“

Um 17.00 Uhr versammeln sich 10.000 Besucher in den vier völlig überfüllten Kirchen zum Montagsgebet. Bischof Johannes Hempel ruft in allen vier Kirchen die Besucher persönlich zum Gewaltverzicht auf und die Berichte aus Dresden machen Mut. Draußen warten Menschenmengen. Gemeinsam ziehen sie mit den Kerzen in der Hand zum Karl-Marx-Platz und von dort den Ring entlang. Sprechchöre skandieren „Wir sind das Volk“, „Gorbi, Gorbi“ und „Wir sind keine Rowdys“, daneben erschallen Lieder wie „We shall overcome“. Die 8.000 Einsatzkräfte kapitulieren angesichts der friedlichen 70.000. Den möglichen massiven Schusswaffeneinsatz will keiner anordnen. Selbst Einsatzleiter Helmut Hackenberg bekam von Egon Krenz keine klare Antwort. Erst als die Demonstranten schon den ganzen Innenstadtring ausfüllten, kam die Bestätigung der Leipziger Linie des Nichteingreifens, solange keine Gewalt von der Demo ausgeht. Mit Kerzenketten und dem Ruf „Keine Gewalt“ wird versucht, vor den sensiblen Punkten wie der Stasizentrale Provokationen auch aus der Demo heraus zu verhindern, was wie ein Wunder gelang.

Ein Lichtermeer

In Dresden lauschen derweil 20.000 Menschen in und vor den Kirchen den Berichten der Bürgervertreter der „Gruppe der 20“ über die Ergebnisse ihrer Gespräche mit Oberbürgermeister Berghofer am Morgen.

In Berlin bricht bei den 3.000 Besuchern in der Gethsemanekirche spontaner Jubel aus, als sie von dem friedlichen Verlauf in Leipzig hören. Der Platz rund um die Kirche wird zum Lichtermeer und auch hier ziehen sich die Sicherheitskräfte zurück. Lediglich in Halle gehen sie mit gewohnter Brutalität gegen 2.000 Demonstranten rund um die Marienkirche vor, wo sie eingekesselt massenhaft zu den „Zuführungspunkten“ gebracht werden.

Viel Gebet

Neben Leipzig, Berlin, Dresden und Halle finden Veranstaltungen in Magdeburg, Jena, Markneukirchen und Meerane statt, „die ihrem Charakter nach gegen die staatliche Ordnung in der DDR gerichtet waren“, wie ein Lagebericht am nächsten Tag meldet. Für einen friedlichen Verlauf der Montagsdemonstrationen haben an diesem Abend viele Gemeinden in der DDR gebetet.

Teil 2: Christian Führer berichtet

Was mich bis heute am meisten bewegt: Mit dem Ruf „Keine Gewalt!“ war die Bergpredigt Jesu auf den Nenner gebracht! Aus dem Volk geboren, nicht von einem Pfarrer oder Bischof formuliert. Und sie haben nicht nur „Keine Gewalt!“ gedacht oder gerufen, sondern haben die Gewaltlosigkeit konsequent auf der Straße praktiziert. Menschen, die in zwei unterschiedlichen atheistischen Weltanschauungsdiktaturen aufgewachsen waren. Bei den Nazis mit Rassenhass und Kriegsvorbereitungen. An die Stelle Gottes war die „Vorsehung“ getreten. Bei den Realsozialisten mit Klassenkampf und Feindbild und atheistischer Propaganda: „Euren Jesus hat’s nie gegeben und euer Gefasel von Gewaltlosigkeit ist gefährlicher Idealismus. In der Politik zählen Geld, Armee, Wirtschaft, Medien. Alles andere kannst du vergessen!“ Dass die so erzogenen Menschen im Geist Jesu der Gewaltlosigkeit draußen auf der Straße handelten– Carl Friedrich von Weizsäcker sagte zu mir: „Das ist ein erschütternder Vorgang.“ Ich gehe noch einen Schritt weiter: Wenn je etwas das Wort „Wunder“ verdient, dann das. Ein Wunder biblischen Ausmaßes!

Zwischen Angst und Hoffnung

Als nach dem Friedensgebet alle aus der Kirche herausgekommen waren, setzte sich die Menschenmenge langsam in Bewegung. Die Kinder hatten sie zu Hause gelassen, weil es lebensgefährlich war. Zwischen Angst und Hoffnung bewegte sich der Zug Meter um Meter vorwärts auf dem Ring.

Mit allem gerechnet außer Kerzen und Gebeten

„Wir sind das Volk!“– das bedeutete auch: „Ihr ‚Volks‘-Polizisten, für wen steht ihr eigentlich hier? Für die paar Greise in Berlin – oder was?“ Wo das Volk steht, brauchst du bei 70.000 niemandem zu erklären. Die Staatsmacht war total überrascht und verunsichert. „Mit allem haben wir gerechnet, nur nicht mit Kerzen und Gebeten“, so der Volkskammerpräsident Horst Sindermann. Dafür hatten die Offiziere keinen Einsatzbefehl. Als der Zug der Menschen unangefochten den Innenstadtring passiert hatte und wieder am Ausgangspunkt angekommen war, herrschte eine ungeheure Erleichterung, dass nicht geschossen worden war. Keine zerstörte Schaufensterscheibe. Keine Sieger und Besiegten. Keiner verlor das Gesicht. Keiner büßte sein Leben ein.

Christian Führer (1943–2014), war 1989 Pfarrer in der Nikolaikirche in Leipzig. Der Text ist ein Auszug aus dem Buch „Das Wunder der Freiheit und Einheit“, erschienen bei SCM Hänssler und der Evangelischen Verlagsanstalt.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/09/family_taube_2.jpg 2003 3000 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-10-02 12:17:082019-10-15 09:25:03Der friedliche Kampf: Das schreibt der Nikolaikirchen-Pfarrer über die DDR-Demos 1989

Papa mit Drei-Tage-Bart: So sehen Kinder Gott

Was tun, wenn Kinder nach Gott fragen? Jugendpastor Bastian Erdmann klärt über Dos und Don’ts bei der religiösen Erziehung auf.

Warum ist es dir wichtig, dich mit Gottesvorstellungen auseinanderzusetzen?
Mir ist erst einmal wichtig wahrzunehmen, dass meine eigene Gottesvorstellung nicht vom Himmel gefallen ist und ich die auch nicht allein aus der Bibel gewonnen habe. Ich glaube, meine Vorstellung von Gott ist immer in meiner bestimmten Lebenswelt gewachsen. Das ist schon in der Bibel zu sehen: Ein Nomadenvolk kann mit dem Bild eines Hirten sehr viel anfangen. Ein Volk in Gefangenschaft wünscht sich einen starken Retter. In den Zeiten der Könige, wo es in Israel viel Unrecht gab, hat die Menschen die Vorstellung von Gott als einem guten Richter abgeholt. Wenn ich es auf einen Satz bringen sollte, würde ich sagen: Gott ist für mich dort, wo ich ihn brauche. Und er begegnet mir so, wie ich es jetzt zum Leben brauche.

Wie entwickelt sich das Gottesbild von Kindern? Und welchen Einfluss haben Eltern darauf?
Eltern sind die erste Projektionsfläche für die Gottesvorstellung der Kinder. Deshalb prägen sie ihr Gottesbild. Für Kleinkinder ist Gott so etwas wie der ideale Papa oder die ideale Mama – eine tröstende, lächelnde, erwachsene Bezugsperson. Eines unserer Kinder hat mal Gott gemalt und hat dafür mein Gesicht mit einem Dreitagebart gemalt. Damals war ich noch Gemeindepastor und habe mich nur im Urlaub nicht rasiert. Da steckte zwischen den Zeilen: Gott ist ein bisschen so wie Papa, wenn er Urlaub hat. Das hat mich sehr berührt. Nicht, dass ich Gott spielen wollte, aber ich habe dann doch sehr auf meine freien Tage geachtet.

Letztlich kommt es also viel mehr auf das an, wer ich bin, als auf das, was ich sage?
Ja. Bis zum Alter von 12 Jahren stellen Kinder sich Gott wie eine Person vor, die sie anfassen können, und sie malen ihn auch so. Bis in dieses Alter hinein ist es gar nicht so entscheidend, was ich sage, sondern was ich bin. Dass ich ihnen Begleiter bin und sie und ihre Fragen ernst nehme – das ist viel wichtiger, als die richtigen Antworten zu geben. Ab etwa 14 Jahren fangen Jugendliche an, in den so genannten theologischen Diskurs zu treten. Dann ändern sich auch die Gottesbilder noch mal, Symbole werden wichtig. Dann zeichnen sie Gott nicht mehr als Menschen, sondern vielleicht als Hand oder als Stütze oder als Licht.

Welche Aspekte von Gottes Wesen sind denn in welchem Alter wichtig?
Für ganz kleine Kinder ist es der freundliche und unterstützende Begleiter. Später ist es der starke Kämpfer an ihrer Seite. Irgendwann wird es auch der Gerechte, der immer ganz genau weiß, was richtig und was falsch ist.

Können Eltern das Gottesbild ihrer Kinder prägen?
Es ist unmöglich, es nicht zu prägen.

Ist es denn möglich, zu steuern, wie das Gottesbild der Kinder aussieht?
Ja schon und zwar, indem ich gucke: Was ist das Thema der Kinder jetzt gerade, was brauchen sie und welchen Zugang zu Gott kann ich ihnen anbieten? Es ist meine Aufgabe als Vater oder Mutter, meinen Kindern zu vermitteln: Was auch immer in deinem Leben passiert, es gibt einen Gott, der für dich ansprechbar ist. Das lernen sie dadurch, dass ich ihnen Gott erlebbar und erfahrbar mache.

Also würdest du immer eher vom Kind her denken?
Unbedingt! Ich kann das am besten an einem Beispiel aufzeigen. Im Kindergarten war eine Erzieherin, die den vier- und fünfjährigen Kindern Ostern erklären wollte. Und so hat sie den Kindern anhand eines Bilderbuches Jesu Sühnetod am Kreuz erklärt, mit kleinen Herzen, die schwarz waren und einer Blutsbrücke, über die dieses eine Herz rübermusste. Am Ende des Tages haben viele Kinder nicht gut schlafen können. Daraufhin habe ich mit der Erzieherin gesprochen und sie betonte, dass alles, was sie gesagt hatte, der Bibel gemäß sei. Aber ich habe ihr gesagt: „Ich möchte jetzt erst mal wissen, was die Kinder verstanden haben. Und wenn das, was die Kinder verstanden haben, bibelgemäß ist, dann bin ich ruhig. Aber wenn das, was die Kinder verstanden haben, nicht mit der Botschaft der Bibel übereinstimmt, dann müssen wir uns unterhalten.“ Das ist für mich das Entscheidende: Was kommt bei den Kindern an? Für Eltern bedeutet das, dass ich nicht überlege: Welches Gottesbild möchte ich vermitteln? Sondern: Welches Gottesbild haben die Kinder jetzt gerade nötig?

Was wäre für dich denn ein No-Go bei der Vermittlung von Gottesbildern?
Ein No-Go wäre für mich, ein Gottesbild zu fördern, das mir etwas bringt, aber nicht den Kindern. Also zum Beispiel Gott als Erziehungsverstärker zu nehmen. Wenn ich als Vater mit meinem Latein am Ende bin, dann den lieben Gott in den Zeugenstand zu rufen und zu sagen: „Gott sieht das und er ist traurig, wenn du mir nicht gehorchst.“

Wie sollten Eltern reagieren, wenn das Kind ein „merkwürdiges“ Gottesbild hat? Sollen sie es korrigieren oder es dem Kind lassen?
Eltern sollen ihr Kind fragen! Damit können sie nur gewinnen. Außerdem: Was ist überhaupt ein merkwürdiges Gottesbild? Ist ein merkwürdiges Gottesbild eines, das meinen Vorstellungen widerspricht? Jesus selbst hatte ein merkwürdiges Gottesbild. Zumindest fanden das viele fromme Menschen damals. Falsch ist ein Gottesbild dann, wenn es dem Leben im Weg steht und nicht guttut. Das kann passieren, wenn man fremde Bilder ungeachtet der eigenen Lage übernehmen will oder soll. Eltern haben manchmal das Gefühl, sie müssten das wahre biblische Gottesbild beschützen. Ich glaube, Gott kann ganz gut auf sich selbst aufpassen.

Das Interview führte Christiane Henrich.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/08/family_kind.jpg 1280 1920 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-08-30 12:21:382019-08-30 12:21:38Papa mit Drei-Tage-Bart: So sehen Kinder Gott

Sex im Netz: Das können Sie tun, wenn Ihr Kind plötzlich Pornos schaut

„Ich glaube, dass mein Sohn (8) Pornos auf seinem Handy schaut. Wie kann ich mit ihm darüber reden? Und wie kann ich ihm dabei helfen, die Bilder wieder aus dem Kopf zu bekommen?“

Diese Situation ist leider keine Seltenheit. Lehrer erzählen mir immer wieder von Grundschülern, die Pornofilme zu Hause auf dem Computer oder in den Pausen auf dem Handy schauen. Eltern berichten mir von der ständigen Angst, dass ihre Kinder bei Freunden oder allein im Internet mit Pornofilmen konfrontiert werden.

MEHR ALS NUR BILDER

Pornos haben einen negativen Einfluss auf Kinder. Es werden nicht nur, wie Sie schreiben, Bilder in ihre Köpfe geschleust. Auch ihr Verhalten leidet darunter: Die Einstellung zu Beziehungen und der Sprachgebrauch unter Kindern zeigt weniger Respekt denn je. Mädchen werden mit Wörtern beschrieben, die man hier nicht nennen kann. Von einem Psychologen aus Oslo, der mit minderjährigen Sexualverbrechern arbeitet, weiß ich, wie sehr seine Patienten besonders von Pornofilmen beeinflusst wurden.

REDEN SIE ÜBER SEX!

Zwei Dinge sollten Eltern tun. Erstens: Versuchen Sie, die Ersten zu sein, die ihr Kind auf das Thema vorbereiten. Erzählen Sie ihm, wie Sex funktioniert und wie schön er ist. Erzählen Sie von der Ehe als Geschenk und von dem Segen, der davon ausgeht.

BEREITEN SIE IHR KIND AUF DAS INTERNET VOR!

Zweitens: Bereiten Sie die Kinder auf das Angebot im Internet vor. Manchmal sind Eltern besorgt, dass sie ihre Kinder dadurch womöglich erst auf die Idee bringen, Pornos im Internet zu schauen. Informationen, Filme und Bilder sind heute jedoch überall zugänglich. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch Ihr Kind davon etwas mitkriegt.

NOCH VOR DER SCHULE AUFKLÄREN

Meiner Erfahrung nach sollten Eltern diese Gesprächsbrücke allerspätestens vor dem Schulanfang gebaut haben. Der erste Gedanke, der über eine Sache mitgeteilt wird – dazu noch von den Menschen, die den Kindern im Leben am meisten bedeuten –, ist immer die stärkste Grundlage. Von dieser Grundlage aus werden die Kinder neue Eindrücke verarbeiten. Wenn sie in eine entsprechende Situation geraten, werden Sie die erste Bezugsperson sein.

FRAGEN SIE IHR KIND!

Bei unseren eigenen Kindern benutzen wir oft Rollenspiele und Situationsbeschreibungen, um mit ihnen über dieses Thema ins Gespräch zu kommen, zum Beispiel: „Wenn ein Freund dir einen Film mit nackten Menschen zeigt, was würdest du tun?“ Oder: „Ist es dir schon einmal passiert, dass du etwas im Internet gesehen hast, was dir schlechte Dinge vermittelt hat?” Seien Sie nicht zimperlich beim Werte-Vermitteln. Ihr Kind liebt Sie und wird die Werte in seinen Entscheidungen berücksichtigen.

DIE HARDDISK DER GEDANKEN FÄRBEN

Was ist mit Kindern, die schon Pornofilme gesehen haben? Hier denke ich, dass man diese Filme als schlechte Beispiele besprechen kann. Pornos sind eine unechte Präsentation der Wahrheit. Wir sind für etwas viel Besseres von Gott gebaut worden. Leider ist es sehr schwer, Bilder von der Harddisk der Gedanken zu löschen. Aber man kann sie färben.

Chris Duwe lebt mit seiner Familie auf einem kleinen Bauernhof nördlich von Oslo und arbeitet bei „Jugend mit einer Mission“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/08/jde_porno_2.jpg 1184 1776 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-08-21 15:07:192019-08-23 09:00:10Sex im Netz: Das können Sie tun, wenn Ihr Kind plötzlich Pornos schaut

Fortnite: Bastelspaß oder Killerspiel – Wie gefährlich ist das Game für Kinder?

„Unser Sohn (13) spielt mit Begeisterung Fortnite. Ist das Spiel für sein Alter schon geeignet?“ Eine Medienpädagogin gibt wertvolle Tipps.

Das Spiel Fortnite ist bei vielen Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Aufgrund der kindlich anmutenden Comic-Grafik wirkt das digitale Spiel auf den ersten Blick vergleichsweise unbedenklich. Eltern sollten jedoch genau hinschauen, da die Inhalte insbesondere für jüngere Kinder ungeeignet sind.

TÖTEN UM ZU ÜBERLEBEN

Fortnite umfasst aktuell drei Spielvarianten. In der kostenpflichtigen Variante „Save the World“ muss mit anderen Spielern ein Fort (eine Festung) aufgebaut werden, um die letzten menschlichen Überlebenden vor Zombies zu schützen. Weitaus populärer ist jedoch die kostenlose Online-Variante „Fortnite Battle Royale”. Anfangs wird man mit 99 anderen Spielern über einer einsamen Insel abgeworfen. Auf dieser gilt es nun Waffen und Ressourcen zu finden, um möglichst lange zu überleben. Die Spielenden müssen sich gegenseitig töten und der letzte Überlebende gewinnt die Runde.

NEUER KREATIVMODUS

Waffengewalt ist die einzige Handlungsoption, Fortnite enthält jedoch keine detailreichen Gewaltszenen. Im Spiel selbst fließt kein Blut und es gibt keine Leichen. Seit kurzem gibt es Fortnite in einer dritten Spielvariante, dem Kreativmodus. Hierbei steht das Bauen im Vordergrund und die Spielenden müssen nicht miteinander kämpfen.

ALTERSFREIGABEN

Die offizielle USK-Altersfreigabe für den Modus „Save the World“ und „Battle Royale“ liegt bei zwölf Jahren und bezieht sich nur auf die Inhalte des Spiels. Nicht berücksichtigt sind Kommunikationsrisiken über den In-Game-Sprachchat. Bei Fortnite Battle Royale wird das Geschehen von Kämpfen mit Waffengewalt bestimmt. Die Spielhandlungen sind allerdings in ein fiktives Comic-Setting eingebettet, welches eine Distanz zur Realität ermöglicht.

ACHTUNG BEI SENSIBLEN KINDERN

In der Regel verfügen Jugendliche ab 14 Jahren über eine gewisse Medienerfahrung und das notwendige Reflexionsvermögen, um das Geschehen ohne nachhaltige Beeinträchtigung einordnen zu können. Für sensible Gemüter können die Hektik und der spannende Wettkampfcharakter im konstanten Bedrohungsszenario überfordernd wirken. Hier könnte der neue Kreativmodus eine geeignete Alternative sein. Letztendlich obliegt es Ihnen, sich ein Bild von den verschiedenen Spielmodi zu machen, eine Haltung dazu einzunehmen, um dann zu entscheiden, ab wann welcher Spielmodus für Ihr Kind geeignet ist.

MACHEN SIE SICH SELBST EIN BILD!

Tipp: Zeigen Sie Interesse und informieren Sie sich genau über das Thema digitale Spiele. Vereinbaren Sie gemeinsame Regeln zu Spielzeiten und In-App-Käufen. Auf klicksafe.de finden Sie dazu vielfältige Informationen und Tipps. Gemeinsame Medienerlebnisse ermöglichen eine vertrauensvolle Basis zwischen Ihnen und Ihrem Kind. Suchen Sie daher das Gespräch und begegnen Sie diesem Hobby mit einer unvoreingenommenen Haltung. Durch gemeinsame Spielerlebnisse können Sie mitreden, die Faszination nachvollziehen und eher erkennen, ob ein bestimmtes Spiel für Ihr Kind geeignet ist.

Deborah Woldemichael ist Medienpädagogin und leitet die EU-Initiative „klicksafe“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/08/family_fortnite-2-e1565609453586.jpg 1080 1617 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-08-12 14:35:392019-10-31 10:00:38Fortnite: Bastelspaß oder Killerspiel – Wie gefährlich ist das Game für Kinder?

„Mein Kind ist überarbeitet“ – Diese drei Tipps schützen vor dem Burnout

„Mein Sohn ist vor kurzem ins Berufsleben eingestiegen und reibt sich total auf. Ständig schiebt er Überstunden und hat kaum mehr Zeit für sich. Was kann ich ihm Hilfreiches sagen, ohne mich zu sehr einzumischen?“

Es ist schwierig, auf diese Frage eine individuelle Antwort zu geben. Aber ein paar Ideen und Gedanken möchte ich gern nennen:

ACHTEN SIE AUF BEZIEHUNGEN!

Am wichtigsten im Leben von uns Menschen sind Beziehungen: zu Freunden, zu Geschwistern, zum Partner und so weiter. Wenn Ihr Sohn in einem Verein ist, einen guten Freundeskreis hat oder sich in einer Kirchengemeinde ehrenamtlich engagiert, dann hat er eine gute Basis, damit sein Leben im Gleichgewicht bleibt. Wenn er allerdings anfängt, aufgrund seiner vielen Arbeitsstunden Freunde aufzugeben oder die wöchentliche Gruppe zu meiden, ist dies kein gutes Zeichen. In diesem Fall ist es vermutlich sinnvoll, ihn darauf anzusprechen.

SEIEN SIE STOLZ!

Männer (und oft auch Frauen) neigen dazu, sich ihre Bestätigung durch Leistung zu holen. Gerade junge Männer wollen zeigen, was sie können – und das ist erst mal eine gute Sache, denn dadurch bewegt sich vieles in unserer Gesellschaft. Aber wenn junge Männer sich nur noch durch ihre Arbeit, durch Leistung, durch Erfolg definieren, dann wird es kritisch. Absolute Fokussierung auf Leistung führt nicht selten zu körperlichen und seelischen Problemen. Jeder Mensch braucht andere Menschen, die ihn bestätigen. Und Sie können Ihrem Sohn zeigen, dass Sie ihn lieben, indem Sie ihm zum Beispiel einen Brief schreiben, in dem Sie ihm sagen, was Sie an ihm schätzen, warum Sie auf ihn stolz sind: auf seine Begabungen, auf seine Art, was auch immer ihn auszeichnet.

LASSEN SIE IHN DURCH FEHLER LERNEN

Wir Menschen lernen durch Fehler. Eltern wollen ihre Kinder gern vor Fehlern oder Problemen bewahren. Aber vor allem erwachsene Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Sie müssen auch mal stolpern und hinfallen, um dann aus diesen Fehlern zu lernen. Und vielleicht muss Ihr Sohn erst einmal die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erfahren, um zu lernen, seine Kraft richtig einzuteilen. Von daher mache ich Ihnen Mut, Ihren Sohn wertschätzend und betend zu begleiten auf dem Weg, den er geht – auch wenn es ein schwieriger Weg ist.

Stephan Münch ist Leiter und Gründer des Orientierungsjahrs Lebenstraum in Uffenheim (dein-lebenstraum.com). Illustration: Sabrina Müller

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/08/jde_ueberarbeitet_2.jpg 1800 2700 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-08-06 14:08:052019-08-06 14:08:05„Mein Kind ist überarbeitet“ – Diese drei Tipps schützen vor dem Burnout

Männer, packt mit an! – Warum eure Frauen zu Hause mehr Eigeninitiative erwarten

Familienmanagement ist in der Regel immer noch Frauensache, zusätzlich zum Job. Von den Männern erwartet Debora im Haushalt mehr als „Dienst nach Vorschrift“.

Liebe Männer,
die Psyche der Frau ist unergründlich. Ich weiß, es gibt viele Partnerschaften auf dieser Welt, in denen die Verantwortlichkeiten gut aufgeteilt sind. Ich weiß auch, dass es Männer gibt, die ihre Aufgaben im Haushalt sehr gewissenhaft übernehmen. Ich habe selbst einen Ehemann, der zum Beispiel die Küche viel gründlicher aufräumt, als ich es je könnte. Der die Spülmaschine effizienter befüllt, der in regelmäßigen Abständen den Kühlschrank nach Abgelaufenem oder Verschimmeltem inspiziert und den Müll in den Keller bringt. Das ist schon sehr viel wert. Vielen Dank dafür!

Aber, wie hat es schon Aristoteles so schön ausgedrückt: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Oder: Das gemeinsame Leben – vor allem, wenn Kinder mit ins Spiel kommen – besteht aus mehr als diesen einzelnen Aufgaben, um die wir euch bitten.

ICH MÖCHTE, DASS DU MIR HELFEN WILLST

Es gibt einen Schlüsselsatz in der mittelmäßigen Beziehungstragikomödie „Trennung mit Hindernissen“, der die Thematik dieses Artikels sehr gut auf den Punkt bringt. Und der geht so: „Ich möchte, dass du mir beim Abwaschen helfen willst.“

Ein Pärchen gibt eine Dinnerparty. Also, die Frau des Hauses hat sie geplant, die Wohnung aufgeräumt, gekocht, den Tisch gedeckt und so weiter – alles in High Heels wohlgemerkt und nach einem normalen Arbeitstag. Der Mann des Hauses hatte für den Abend genau einen Job, nämlich zwölf Zitronen zu kaufen. Mitgebracht hat er dann drei, reicht ja. Die blöden Dinger waren aber gar nicht fürs Essen gedacht, sondern als Tischdeko, um eine Vase damit zu befüllen. Was mit drei Zitronen natürlich nach nichts aussieht.

Als die Gäste gegangen sind, kündigt die Frau an, den Abwasch zu machen. Es ist eine Andeutung. Aufmerksame Zeitgenossen könnten es als Einladung verstehen, mitzumachen. Der Mann versteht es aber nicht so. Die Spielkonsole läuft, der Gegner will verkloppt werden. Schließlich muss er nach einem ebenfalls langen Tag und endlosem Zusammenreißen am Tisch mal für zwanzig Minuten ungestört Dampf ablassen. Kann er ja nichts dafür, wenn sie nicht zur Ruhe kommt, bis das schmutzige Geschirr wieder sauber ist. Als sie ihrem widerwilligen Mann erläutert, dass sie seine Hilfe beim Abwasch erwartet, entgegnet er: „Okay, dann helfe ich dir eben dabei, den verdammten Abwasch zu machen.“ Und dann fällt dieser absurde Satz von oben. „Warum sollte ich beim Abwaschen helfen wollen? Regst du dich etwa auf, weil ich keine große Lust darauf habe, dir beim Abwaschen zu helfen?“ – „Nein, ich rege mich auf, weil du keine große Lust darauf hast, mir anzubieten, den Abwasch zu machen.“ – „Das habe ich doch gerade gemacht!“ – „Ja, aber erst, nachdem ich dich darum gebeten habe.“

VIELES LÄUFT SCHON SUPER, ABER …

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich nicht daran erinnern, mich je für den Job gemeldet zu haben, das Große und Ganze im Blick zu haben, alle Bälle gleichzeitig in der Luft zu behalten, mich um die Befindlichkeiten aller Familienmitglieder zu kümmern und dabei unendliche Listen zu führen und abzuarbeiten. In einem alten Vorwerk-Werbeclip fasst die auf ihren Beruf angesprochene Hausfrau es so zusammen: „Ich arbeite in der Kommunikationsbranche … Und im Organisationsmanagement. Außerdem gehören Nachwuchsförderung und Mitarbeitermotivation zu meinen Aufgaben. Oder kurz: Ich führe ein sehr erfolgreiches kleines Familienunternehmen.“ Ja, so könnte man es nennen – nur dass heute bei den meisten Frauen zu alledem noch ein ganz normaler Job obendrauf kommt. Und selbst wenn argumentiert wird, dass ja die meisten Frauen in Teilzeit arbeiten, kann diese Organisationsund Denkleistung daheim es mit dem normalen Stress eines Vollzeitjobs locker aufnehmen.

DIE VERANTWORTUNG HÄNGT MEIST AN DEN FRAUEN

Barbara Vorsamer, Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung, hat diesen Umstand so zusammengefasst: „In den meisten Familien, selbst bei denen, die sich die Arbeit einigermaßen gerecht aufteilen, bleibt die Verantwortung an der Mutter hängen. Sie schreibt die Einkaufszettel und To-do-Listen und sie erinnert ihren Mann auch – unter Umständen mehrfach – an die noch zu erledigenden Aufgaben. Mental Load nennt man diese Denkarbeit, und sie ist anstrengend, ermüdend und unsichtbar.“

Wie gesagt, ich selbst führe einen am deutschen Durchschnitt gemessen schlampigen Haushalt, definiere mich nicht über das Muttersein, bin nicht bei Pinterest und insgesamt ein eher unstrukturiert denkender Mensch. Trotzdem möchte ich euch kurz in die Welt dessen hineinnehmen, was wir tagtäglich auf unserer Mental Load-Liste haben, ob wir wollen oder nicht. Und was uns am Ende des Tages so müde und unausstehlich macht, sodass wir eigentlich nur noch in Ruhe gelassen werden möchten: Kinderarzttermine ausmachen (erst mal telefonisch durchkommen), Geschenke für den nächsten Kindergeburtstag besorgen (also nicht für das eigene Kind, aber das dann auch irgendwann), optisch ansprechende Kuchen backen in rauen Mengen für diverse Kindergarten- und Schulveranstaltungen, zum geeigneten Zeitpunkt ein leeres Glas, einen Stein oder eine Socke zum Basteln mitbringen, rechtzeitig den Betrag fürs Schul-T-Shirt überweisen, die Kindergarderobe wettergerecht auf den neuesten Stand bringen und aussortieren, Kinderkleiderbasartermine in der Umgebung sondieren, Hausaufgaben kontrollieren, unendlich viele Zettel aus Schulpostmappen zur Kenntnis nehmen, Freizeitaktivitäten koordinieren, Büchereibücher fristgerecht verlängern …

Es könnte ewig so weitergehen. Allein die Liste für einen Kindergeburtstag hat bei meiner Siebenjährigen bereits mindestens 20 Unterpunkte: Motto überlegen, zum Motto passende Piñata und Einladungskarten basteln, Begrüßungsdrink mit Zuckerrand kreieren, mit Serviettentechnik Schmuckkästen verzieren, Mitgebseltüte befüllen und so weiter. Wer das alles organisiert? Tja. Immerhin seid ihr dann aber dabei, einen Teil der Aktivitäten mitzubetreuen.

UNSERE TO-DO-LISTEN ENDEN NIE

Das ist so, wie permanent 14 verschiedene Browser-Registerkarten offen zu haben. Ihr merkt, sie ist nicht gerade sexy, unsere Listenwelt. Sie lässt uns tagsüber und nachts keine Ruhe, sie trägt maßgeblich zu unseren Sorgen- und Zornesfalten bei, sie macht uns unentspannt und nörgelig, obwohl wir nie so sein wollten. Kein Wunder, dass uns die Kraft fehlt, euch abends nur in Klarsichtfolie eingehüllt an der Haustür in Empfang zu nehmen. Oder in der Kleinkindphase einem Hobby nachzugehen beziehungsweise uns beruflich so weiterzuentwickeln, wie wir das gern würden, und die gläserne Decke zu durchbrechen.

Nun gibt es glücklicherweise heutzutage Apps, die einem die Organisation dank punktgenauer Erinnerungsfunktion mit Wecker und regelmäßiger Erinnerungs-Popups sehr erleichtern. Gott sei gelobt für das Smartphone. Noch schöner wäre es allerdings, wenn wir das Gefühl hätten, nicht alles selbst organisieren zu müssen.

SIND WIR FRAUEN SELBST SCHULD?

Ich gebe zu, manche unserer Probleme mit euch sind hausgemacht. Wir könnten unsere Ansprüche herunterschrauben. Wir könnten Papa machen lassen, wie es Papa macht und die Kinder eben nicht noch mal umziehen, wenn ihr sie morgens im Bodo-Illgner-Gedächtnislook angezogen habt. Manchmal sind wir so mutig, euch allein mit dem Nachwuchs loszuschicken – dann allerdings mit vielen guten Ratschlägen und vorgepackten Wickeltaschen, weil ihr beim letzten Mal keine Windeln oder Wechselwäsche dabeihattet oder vergessen habt, gesunde Snacks einzupacken. Und weil wir schon diverse Male erlebt haben, dass ihr die euch aufgetragenen Aufgaben vor euch herschiebt („Das hätte ich schon noch gemacht“) oder sie (vielleicht mit System?) nicht zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt und drei statt zwölf Zitronen besorgt oder hässliche Kinderstiefel gekauft habt, übernehmen wir die Aufgaben dann schlussendlich doch oft zähneknirschend selbst. Weil wir sie selbst oft schneller erledigt haben, bevor wir uns den Mund fusselig erklärt haben. Auch das könnten wir bleiben lassen und uns stattdessen eine Scheibe eurer männlichen Wurstigkeit abschneiden.

Ich glaube nicht, dass es uns Frauen per se schwerfällt, abzuschalten. Aber es fällt uns schwer, abzuschalten, wenn wir wissen, dass ihr eben vieles nicht auf dem Schirm habt. Und je mehr wir selbst an alles denken, umso mehr schaltet ihr ab. Anders gesagt: Je mehr wir die Rolle der Projektmanagerin oder Familienunternehmensleiterin übernehmen, desto mehr verhaltet ihr euch wie Praktikanten, die ohne Arbeitsanweisung erst mal gar nichts machen. Oder nur genau das, was euch aufgetragen wurde.

GETEILTE ARBEIT IST HALBE ARBEIT

„Um wirklich frei zu sein, müssen wir den Kopf von Frauen freibekommen“, schreibt die Soziologieprofessorin Lisa Wade in einem Artikel des TIME-Magazins. „Natürlich muss immer jemand daran denken, Toilettenpapier zu kaufen. Aber wenn diese Arbeit geteilt wird, werden Frauen ihre Zusatzbelastungen abgenommen. Und erst dann haben Frauen genauso viel geistige Leichtigkeit wie Männer.“ Es ist nicht nötig, dass ihr genauso ständig alle Details im Kopf behaltet. Aber wir würden uns freuen, wenn ihr mitdenken würdet. Wenn ihr mit uns an einem Strang zieht. Wenn ihr proaktiv und unaufgefordert eure Hilfe anbietet. Mir persönlich ist es dabei ehrlich gesagt relativ egal, ob ihr das jetzt echt richtig wollt oder nicht – Hauptsache machen.

Wenn ihr mit anpackt und uns für die vielen unsichtbaren Dinge wertschätzt, die wir so erledigen – dann kann aus uns das werden, was wir immer gern werden wollten: ein unschlagbares Team.

Debora Kuder arbeitet als freie Journalistin und lebt mit ihrer Familie in München.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/08/becca-tapert-RjmGzTg4_mw-unsplash.jpg 2000 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2019-08-02 15:22:402019-08-02 15:22:40Männer, packt mit an! – Warum eure Frauen zu Hause mehr Eigeninitiative erwarten

„Mein Kind will nicht in die Kita“ – Diese Fragen sollten Sie unbedingt stellen

„Meine Tochter (5) ist immer gern in den Kindergarten gegangen. Aber nun weigert sie sich, sich morgens fertig zu machen. Was kann ich tun?“

Erst einmal ist es erfreulich, dass Ihre Tochter bisher immer gern in den Kindergarten gegangen ist. Das spricht dafür, dass sie sich dort grundsätzlich wohlfühlt. Nun gilt es herauszufinden, ob es Veränderungen gab, die ihre plötzliche Verweigerung erklären könnten. Gab es eventuell einen Personalwechsel? Treten Konflikte zwischen Ihrer Tochter und anderen Kindern auf? Gibt es Veränderungen im Tagesablauf oder in der Gruppenzusammensetzung? Am besten sprechen Sie darüber offen mit den Erzieherinnen und mit Ihrer Tochter.

FRAGEN SIE UNAUFFÄLLIG NACH

Suchen Sie einen ruhigen Zeitpunkt, an dem Sie es sich mit Ihrer Tochter gemütlich machen und sie behutsam fragen, warum sie auf einmal nicht mehr gern in den Kindergarten gehen mag. Wenn Ihre Tochter nicht antworten möchte oder den Grund selbst nicht benennen kann, kann es helfen, Beispiele zu nennen, etwa: „Manchmal kommt es vor, dass Kinder nicht mehr gern zum Kindergarten gehen, weil jemand sie ärgert oder weil sich etwas verändert hat, zum Beispiel bei den Erzieherinnen. Kennst du so etwas?“ Sie können auch immer mal wieder unauffällig Fragen stellen wie „Mit wem hast du denn heute gespielt?“ oder „Welche Erzieherinnen waren heute da?“ oder „War alles gut oder gab es heute Streit oder war jemand gemein?“.

BEARBEITEN SIE TRENNUNGSÄNGSTE

Nicht selten entstehen phasenweise Trennungsängste, die den Abschied erschweren. Überlegen Sie, wenn sich kein anderer Grund finden lässt, gemeinsam mit Ihrer Tochter, was ihr helfen könnte – vielleicht ein Kuscheltier-Begleiter oder etwas, das sie an Mama erinnert (zum Beispiel ein Tuch oder ein Mut-Stein)? Tolle Tipps dazu gibt es auch in dem Buch „Fremdeln-Klammern-Trennungsangst“ von Elizabeth Pantley.

SPRECHEN SIE OFFEN ÜBER SEXUALITÄT UND GEWALT

Obwohl es ein schwieriges Thema ist, sollte man immer wachsam sein in Bezug auf mögliche sexuelle oder aggressive Übergriffe, die auch Grund dafür sein können, dass ein Kind plötzlich nicht mehr in den Kindergarten gehen möchte. Achten Sie sehr genau auf mögliche Verletzungen und fragen Sie vorsichtig: „Manchmal möchten Kinder auch nicht mehr zum Kindergarten, weil dort jemand etwas machen will, das sie nicht wollen. Zum Beispiel irgendwo anfassen, weh tun oder Fotos machen. Hast du das schon mal erlebt?“ Auch Kinderbücher helfen, über dieses Thema ins Gespräch zu kommen und Kinder grundsätzlich zu stärken (Mein Tipp: „Mein Körper gehört mir“ von Dagmar Geisler). Bei Unsicherheiten berät auch unverbindlich und kostenlos der Kinderschutzbund.

HOSPITIEREN SIE IN IHREM KINDERGARTEN

Sollten Sie auf diesem Weg nicht weiterkommen, wäre eine weitere Option, mal einen Tag im Kindergarten zu hospitieren. Sprechen Sie das vorher mit dem Kindergarten ab, mit der Begründung, herausfinden zu wollen, wie Sie Ihrer Tochter helfen können, sich wieder wohler zu fühlen. Erklären Sie Ihrer Tochter, dass Sie heute mal ausnahmsweise zu Besuch kommen dürfen, damit Sie nicht erwartet, dass das nun immer so läuft.

Melanie Schüer ist Erziehungswissenschaftlerin, Mutter von zwei Kindern und als freie Autorin und Elternberaterin auf elternleben.de und neuewege.me unterwegs. Illustration: Sabrina Müller

https://www.family.de/wp-content/uploads/2019/07/family_kindergarten_1.jpg 1276 1914 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2019-07-30 14:26:182019-07-30 14:26:18„Mein Kind will nicht in die Kita“ – Diese Fragen sollten Sie unbedingt stellen
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