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Archiv für die Kategorie: CCN-FEED

„Mein Baby schreit extrem beim Einschlafen“: Expertin räumt mit einem Eltern-Irrtum auf

Elternfrage: „Mein Baby (7 Monate) weint und schreit sehr stark bei der Einschlafbegleitung. Häufig lässt es sich nur beruhigen, wenn ich Arme und Beine festhalte. Das fühlt sich nicht richtig an. Schade ich meinem Kind damit?“

Kinder in diesem Alter erleben an einem einzigen Tag unglaublich viel. Sie bewegen sich zunehmend, erlernen neue Fähigkeiten und nehmen mehr Eindrücke und Emotionen wahr. Meist wird all das genau dann verarbeitet, wenn das Nervensystem herunterfährt und es um das Einschlafen geht.

Viele Kinder beginnen dann zu weinen, was oft ein Ausdruck ist, dass sie das Erlebte gerade verarbeiten. All die aufgestauten Emotionen, Eindrücke und Erlebnisse des Tages werden entladen. Dieses Weinen wird auch als Entlastungsweinen bezeichnet und hat eine heilsame Wirkung. Es hilft den Kindern, Stress abzubauen, um ruhig und entspannt einschlafen zu können.

Liebevolles (Aus-)Halten

Allerdings ist diese Situation für die Eltern oft herausfordernd. Sie wissen nicht, wie sie ihre Kinder beruhigen sollen, und sind selbst müde und erschöpft vom Tag. Meist ist unser erlernter Impuls, das Weinen schnellstmöglich zu beenden. Es geht jedoch in diesen Situationen weniger darum, das Weinen zu stoppen, als vielmehr die Kinder liebevoll in ihren Emotionen zu begleiten.

In diesen Momenten hilft es, dem Kind Halt zu geben: durch liebevolles Halten, leise „Schhhh“-Geräusche oder sanftes Wiegen im Arm. Hierbei ist die Herausforderung für die Eltern, dem Kind gegenüber ruhig und zugewandt zu bleiben und das Weinen nicht unterdrücken zu wollen. Hilfreich dabei kann ruhiges, konzentriertes Atmen sein. Für weitere Strategien kann ein individuelles Schlafcoaching helfen. Wenn die Eltern spüren, dass sie das Weinen nicht aushalten können, können sie die Begleitung am Tag üben oder sich in der Einschlafsituation abwechseln, sofern dies möglich ist.

Sinnvolle Rituale

Ebenfalls sollten die Eltern prüfen, ob der Zeitpunkt für das Zubettbringen zu spät ist. Ist das Kind schon übermüdet, erschwert das die Einschlafbegleitung. Ein beständiges Einschlafritual sollte eher etwas früher beginnen und aus nicht zu vielen Elementen bestehen. Damit sich ein Ritual etablieren kann, sollten die Eltern es circa zwei Wochen durchführen, bevor sie etwas daran verändern.

Liebevolles Festhalten und Begrenzen während der Einschlafbegleitung kann dem Kind Halt geben und Sicherheit vermitteln. Jedoch sollte dieses Festhalten nicht aus Wut heraus erfolgen oder gewaltsam werden. Sobald die Eltern bei sich selbst Aggression wahrnehmen, ist es wichtig, die Situation zu unterbrechen und sich zeitnah (professionelle) Unterstützung zu holen.

Lisa Buhl ist Sozialpädagogin und systemische Beraterin, ganzheitlicher Familienschlafcoach und Chronocoach. Sie gibt Workshops rund um das Thema Schlaf. beratung-lebelaut.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/08/Baby-schreit_GettyImages_Halfpoint_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1299 2309 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-08-06 10:16:352026-08-06 10:16:35„Mein Baby schreit extrem beim Einschlafen“: Expertin räumt mit einem Eltern-Irrtum auf

„Gut genug“ statt Perfektion: Was Eltern und Kinder wirklich stark macht

Familien brauchen mehr Ehrlichkeit und weniger Perfektion, meint Domenik Schuster, Filmemacher und Initiator von „Good Enough Parents“. Im Interview erklärt er, worauf es ankommt.

Wie entstand die Idee zu „Good Enough Parents“?

Als ich mit 21 Jahren Vater wurde, hat mich überrascht, welche Überzeugungen über Kinder ich im Kopf hatte. „Du darfst ein Kind nicht verwöhnen“ oder „Kinder müssen schnell selbstständig werden!“ Als aus unserem Baby ein Kleinkind wurde, fiel mir immer mehr auf, wie oft wir uns über die Bedürfnisse von Kindern hinwegsetzen. Ich wollte verstehen, woher das kommt. Das war der Anstoß zu meinem ersten Film „Good Enough Parents“, in dem ich mit Historikerinnen, Kinderärzten, Psychologinnen und Pädagoginnen gesprochen habe.

Als Eltern „good enough“ zu sein, klingt wohltuend unperfekt. Was bedeutet das im Familienalltag?

Ich bewundere alle Eltern, die hohe Ideale haben. Wir wollen es gut machen: Selbstwert stärken, Gefühle begleiten, zugewandt sein. Wir wollen unsere Kinder auf eine Welt vorbereiten, von der wir nicht wissen, wie sie sein wird und was unsere Kinder dafür brauchen. Und nebenher versuchen wir noch, irgendwie Gemüse in die Kinder zu bekommen. Es gibt so viele Ideale, an denen wir scheitern können. Wenn wir mehr über das Scheitern sprechen, ohne unsere Ideale zu vergessen, haben wir mehr Kraft, die Eltern zu sein, die wir sein wollen. Am Tagesende neben dem schlafenden Kind zu liegen und zu denken: „Da war heute viel Schönes dabei. Ich mache das echt okay so“ – das tut uns besser als Selbstabwertung.

Warum ist der ehrliche Austausch unter Eltern wichtig?

Ich finde das Gefühl schrecklich, wenn ich wieder ein Instagram-Video von einem kleinen Kind sehe, dass montessori-gerecht Holzspielzeug stapelt und einen Babyccino schlürft, während meine Kinder mit einer Bratpfanne eine Delle in den Holzboden hauen. Das macht Druck und baut Versagensgefühle auf. Mit meinen Filmen will ich keinen Druck machen, sondern Eltern stärken, damit es Kindern besser geht. Die Hauptbotschaft ist: Eltern, bleibt zugewandt – euch selbst und euren Kindern gegenüber!

Was hilft dir, im Elternsein „good enough“ zu bleiben?

Ich lerne immer mehr, mich um mich zu kümmern. Das ist nicht leicht, weil man als Eltern die eigenen Bedürfnisse schnell aus dem Blick verliert. Ich frage mich: Was tut mir gut? Wie tanke ich Kraft für den Alltag? Wie reguliere ich mein Nervensystem? Mir hilft Bewegung – Sport oder mindestens ein langer Spaziergang am Tag. Und Schlaf – soweit das mit bald vier Kindern möglich ist.

Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde: Elternschaft funktioniert nicht als Einzelleistung?

Seit Tag eins hatte ich das Gefühl, dass Elternschaft in unserer Kleinfamilien-Isolation gar nicht funktioniert. Freunde, die Essen im Wochenbett vorbeibringen, ein Spaziergang, um über das Erlebte zu sprechen – das macht einen Unterschied. Wir Erwachsenen brauchen andere Erwachsene. Es ist nur nicht so leicht, verbundene Familienfreundschaften aufzubauen und zu halten.

Der Volksmund sagt, man braucht ein Dorf als Unterstützung. Warum fehlt dieses Dorf so vielen Familien?

Viele Familien sind enorm eingespannt. Wohnraum und Lebenshaltung sind teuer, die Arbeit frisst viel Zeit, der finanzielle Druck erzeugt Turbostress. Viele Familien kreisen sehr um sich selbst, während sie versuchen, den Kopf über Wasser und den Alltag am Laufen zu halten. Ich denke oft: Alle Eltern aus unserem Kindergarten kochen ungefähr zur gleichen Zeit Abendessen und stellen sich die gleichen Fragen. Aber wenige bieten sich gegenseitig Unterstützung an. Wenn Familien alles selbst stemmen, geht Kraft verloren. Aber diese Kraft braucht es für ein verbundenes Miteinander, Gesundheit und für gemeinsame Erinnerungen, die uns als Familie tragen. Der Dorf-Gedanke beginnt für mich dort, wo Eltern gemeinsam über Lösungen nachdenken. Ich biete Freunden an, einmal in der Woche auf ihre schlafenden Kinder aufzupassen – dafür bekommen wir das an einem anderen Abend zurück. Solche Absprachen schaffen Freiräume.

Welchen Vorteil siehst du noch im „Dorf“?

Wir als Eltern können nur einen kleinen Teil der Lebensrealitäten und Wertesysteme zeigen. Andere authentische Erwachsene eröffnen neue Perspektiven: Wie kann man aufs Leben blicken? Womit seine Zeit verbringen? Welche Ziele verfolgen? Das inspiriert.

Mit deiner Instagram-Seite und der „Good Enough Parents“-App schaffst du Räume für Vernetzung – also Dörfer. Wie funktioniert das konkret?

Für viele Eltern ist es schwer, neue Elternbekanntschaften zu machen, obwohl wir ständig anderen Eltern begegnen. Aber in der Kita-Garderobe oder auf dem Spielplatz sind wir oft sehr auf unsere Kinder fokussiert. Im virtuellen Raum kann man entspannter kommunizieren. In der App gibt es Raum für Ratsuchende und Ratgebende. Wir Eltern haben viel Erfahrung, weil wir so viel Zeit mit dem Elternsein verbringen. Ich glaube an Schwarmintelligenz, wenn Menschen mit einer zugewandten Haltung gegenüber Kindern zusammenkommen. Der Austausch dort ist sehr wertschätzend. Außerdem bietet die App eine Community-Karte, über die sich Mitglieder in der gleichen Region finden und bei Interesse auch persönlich vor Ort treffen können.

Wenn du dir für Familien ein Dorf wünschen dürftest – wie würde es aussehen?

Es braucht Mut, nach Hilfe zu fragen, und Lust auf unkonventionelle Lösungen. Wenn man Gedanken wie „Wir waren seit einem Jahr nicht mehr nur als Paar essen“ mit anderen teilt, können Unterstützungssysteme entstehen. Genau das ist das Dorf: ein tragendes Netzwerk.

Das Interview führte Lisa-Maria Mehrkens.

Mehr Infos zu Domenik Schuster und seiner Arbeit unter goodenoughparents.de oder auf ­Instagram @goodenoughparents.de. Die App mit Eltern- und Paarberatungsangeboten findet ihr auf steady.de unter dem Stichwort „Good Enough Parents“. Filmtipp: „Liebe, Wut & Milchzähne“, Buchtipp: „Nein, der Rasenmäher darf nicht mit ins Bett.“

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/08/glueckliche-Familie_GettyImages_evgenyatamanenko_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1359 2205 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-08-04 14:04:432026-08-04 14:04:43„Gut genug“ statt Perfektion: Was Eltern und Kinder wirklich stark macht

Halb Begleiter, halb Prellbock: Wie Eltern ihre Teenager bei der Berufswahl unterstützen

Die Pubertät fordert Eltern schon genug heraus. Und dann sollen sie noch bei der Berufswahl unterstützen? Ein Vater berichtet.

Durchlässigkeit – dieser Begriff ist mit dem Bildungssystem in Deutschland und der Schweiz so untrennbar verbunden wie das Amen mit der Kirche. Dieser Begriff steht für Chancengleichheit und Flexibilität. Bis man begreift, dass diese Flexibilität uns Eltern und unsere Kinder in permanente Entscheidungs- und Anpassungssituationen wirft. Durchlässigkeit in der Bildung ist essenziell, aber auch anspruchsvoll. Vor allem in der Schweiz müssen Jugendliche bei der Berufswahl sehr früh wegweisende Entscheidungen zu ihrer Zukunft treffen. Zum ersten Mal bewusst wurde meiner Frau und mir dies mit dem Eintritt unseres ersten Sohns in die Oberstufe, als er gerade 12,5 Jahre alt war. Heute ist er 17.

Marathon im Sprinttempo

Mittlerweile ist auch unser jüngerer Sohn an diesem Scheideweg angekommen. Das zweite Oberstufenjahr (die 8. Klasse) stand ganz im Zeichen der Berufswahl: Betriebssuche, Eignungs- und Stellwerktests, in denen der Lernstand abgefragt wird, Vorstellungsgespräche und Schnupperlehren (Kurzpraktika), alles formal straff organisiert. Heute reicht selbst für Schnupperlehren kein schnelles Anfragen mehr: Motivationsschreiben und Lebenslauf müssen eingereicht werden und das oft Monate im Voraus, weil Plätze rar sind.

Egal, ob man ins Kurzzeitgymi (die gymnasiale Oberstufe in der Schweiz nach der 8. bzw. 9. Klasse) will oder plant, eine Lehre zu machen: Alle sollen schnuppern. Die Erwartung: Jugendliche sollen Initiative zeigen, Selbstverantwortung übernehmen, sich reflektieren, Feedback verarbeiten und realistische Ziele setzen. Sie sollen wissen, was sie wollen – in einem Alter, in dem sie kaum wissen, wie man den Geschirrspüler einräumt.

Auch wir Eltern sind gefordert und helfen, weil das System es verlangt. Wir investieren gemeinsam mit den Kindern Wochenenden in Lebensläufe, feilen an Motivationsbriefen und klicken uns durch Webseiten mit Lehrbetrieben. Und dazu diese Fragen, immer wieder dieselben, stets präsent: Ist er schon reif für die Arbeit? Oder wäre Schule besser, wenn die Noten reichen? Wo liegen seine Interessen und passen sie zu seinen Stärken? Ist das eine gute Ausbildung oder nur die erstbeste? Würde er glücklich sein in dem, was er tut? Wenigstens für die Zeit der Lehre. Wenigstens bis zum Abschluss.

Wenn das Hirn umgebaut wird

Diese anspruchsvolle Phase für Kinder und Eltern fällt ausgerechnet in die Zeit der Pubertät, in der die Hormone den Takt angeben. Türen werden dramatisch zugeschlagen, Beine wachsen schneller als die Jeansindustrie, Stimmen brechen, Zimmer verwandeln sich in textile Lagerstätten und der Kinderzimmerboden ist Lava. Hinzu kommen die gelegentlichen Wutausbrüche, wenn sich wieder einmal die ganze Gaming-Welt gegen einen verschworen hat. Seit dem letzten Ausbruch hat der Kleiderschrank keine Türen mehr. Wir versuchen, es locker zu sehen. Offene Schränke als Kontrast zu geschlossenen Zimmertüren. Denn einen neuen Schrank gibt’s nicht.

Die Pubertät ist ein biologisches Großprojekt: Das Gehirn wird umstrukturiert, das Selbstbild mutiert. Wer heute lacht, brüllt morgen. Und wer sich gestern noch an zeitliche Abmachungen hielt, lotet jetzt Grenzen aus oder überschreitet sie. Wir Eltern versuchen, uns dies immer wieder vor Augen zu halten, ohne dabei unsere eigenen Werte zu sabotieren. Dies ist einfacher gesagt als getan. Vor allem dann, wenn das Kind plötzlich Ansichten vertritt, die den eigenen diametral entgegengesetzt sind. In solchen Momenten fragt man sich, wie viel davon Provokation ist, was auf den Einfluss von Freunden und sozialen Medien zurückgeht und was einfach Charakter ist.

Ausbildungsstart mit Hindernissen

Dabei haben wir das alles schon einmal durchgemacht: Vor knapp zwei Jahren durfte unser älterer Sohn seinen Lehrvertrag in der Hotellerie unterzeichnen. Fast ein ganzes Jahr vor dem Start. Das ist heute nicht unüblich, aber auch ein zweischneidiges Schwert. Sicherheit und Erleichterung auf der einen und ein unübersehbarer Schlendrian im letzten Schuljahr auf der anderen Seite. Die Umstellung des Lebensrhythmus bei Ausbildungsstart war brutal: Arbeitszeiten ab 5:30 Uhr, Wochenenddienste, wenn die Freunde frei haben und anspruchsvolle Gäste in Hochstimmung, während man selbst regelmäßig im Tal der Tränen ist. Die Realität frisst jede Romantik.

Dazu kommen die Erwartungen in einer Erwachsenenwelt. Der raue Ton, der teilweise herrscht – was keine Kritik am Betrieb sein soll, sondern einfach der Schnelllebigkeit und dem On-Demand-Anspruch des Geschäfts geschuldet ist. Nach wenigen Monaten war klar: Diese Lehre wird kein Spaziergang.

Wecken oder verschlafen lassen?

Unweigerlich stellt sich einem die Frage, wie weit die elterliche Unterstützung gehen soll und wo die Eigenverantwortung beginnt, ohne dadurch die Ausbildung zu gefährden. Wann helfen wir zu viel, wann zu wenig? Soll man den Sohn morgens wecken, damit er nicht zu spät kommt? Oder lassen wir ihn verschlafen, um ihm die Konsequenzen zu zeigen?

Elternsein in dieser Phase bedeutet oft, die Kontrolle zu verlieren, ohne die Verantwortung abzugeben. Wir stehen im Dazwischen, sowohl moralisch als auch emotional. Unsere Kinder sind halb Kind, halb Erwachsene. Und wir selbst sind halb Begleiter, halb Prellbock. Das führt auch bei uns zu Konflikten. Mit der Partnerin, mit sich selbst. Denn wer hält wem den Rücken frei? Wer ist zu weich, wer zu hart? Wer zieht die Grenzen und verteidigt sie, wenn sie überschritten werden? Wir jonglieren Jobs, Haushalt, Elternabende und außerschulische Aktivitäten. Unser Respekt gilt denen, die das allein bewältigen. Meine Frau und ich sind dankbar, dass wir uns stützen können und zugleich demütig angesichts unseres Privilegs.

Ein gutes Jahr ist vergangen, seit unser Sohn seine Lehre begonnen hat. Ein Jahr gespickt mit kleinen Dramen, Zweifeln und Auseinandersetzungen. Mal laut, mal leise, mal völlig sinnlos, mal überfällig. Dazwischen das eine oder andere Gespräch mit dem Lehrbetrieb und einige schlaflose Nächte. Auch psychologische Unterstützung war ein Thema. Aber Kinderpsychologen sind derzeit auf Monate hinaus ausgebucht. Hilfe ist genau dann nicht erreichbar, wenn man sie bräuchte. Unterstützung kann sich aber auch anders zeigen. Wenn wir andere Eltern treffen, sei es bei Schulanlässen, im Quartier oder zufällig im Zug, hören wir oft: „Bei uns ist es gerade auch streng.“ Man lacht, man nickt, man schweigt. Aber man weiß: Wir sind nicht allein.

Überraschende Begegnungen

Und dann geschieht Erstaunliches: Unsere Kinder treten wieder häufiger aus eigenem Antrieb in Beziehung. Sie fragen vor dem Schlafengehen: „Legst du dich noch kurz zu mir rein?“, um sich dann zusammen an schöne gemeinsame Erlebnisse zurückzuerinnern. Sie bleiben nach dem Essen länger am Tisch als früher und reden mit. Ein andermal kommen sie aus ihren Zimmern und fangen von sich aus an, über ihren Alltag zu erzählen. Wir führen Gespräche, die Tiefe haben: über Stress, über Sinn und darüber, was sie gerade beschäftigt. Tags darauf sagt eine Nachbarin im Treppenhaus, was für „flotte und zuvorkommende Buben“ man doch habe. Und wir merken: Unsere Bemühungen wirken. Zwar nicht alle und nicht immer. Aber etwas. Genug. Das ist kein plötzlicher Entwicklungssprung, sondern das Ergebnis unzähliger kleiner Prozesse. Jene stille Emanzipation, die im Alltag kaum auffällt, aber rückblickend fundamental ist.

Unsere Rolle verändert sich. Wir stellen Fragen, statt Antworten zu geben. Wir begleiten, statt zu führen. Ja, Sorge und Frust gehören dazu. Aber ebenso Freude, Mitgefühl und Akzeptanz. Es ist eine Zeit des Umbruchs, in der wir Eltern uns an die neuen Rollen und Beziehungen gewöhnen müssen, während unsere Kinder sich von uns lösen und eine eigene Identität entwickeln.

Zuversichtlich

Wir können nicht alles verhindern. Wir können nicht vorwegnehmen, wie es weitergeht. Aber wir können Vorbilder sein und vorleben, was wir uns von unseren Kindern wünschen: Dass sie achtsam durchs Leben gehen. Dass sie ihre Mitmenschen respektieren und rücksichtsvoll mit den Ressourcen auf unserer Erde umgehen. Wir können hoffen, dass sie lernen, Verantwortung zu tragen. Für sich selbst. Für die, die sie lieben. Dass sie ein Umfeld haben, das hält, wenn es schwierig wird. Aber vor allem, dass sie glücklich sind. Egal womit.

Wir sehen uns als Wegbegleiter für unsere Kinder und wollen keine Mini-Mes, sondern Kinder, die zu eigenständigen jungen Erwachsenen heranreifen. Der Jüngere will jetzt doch weiter zur Schule und auf die Aufnahme ans Kurzzeitgymnasium hinarbeiten. Beim Älteren haben die Schlaglöcher auf seinem Ausbildungsweg seit dem Start ins zweite Lehrjahr abgenommen. Manchmal spricht er sogar davon, nach der Lehre noch eine Weiterbildung zu machen. Und das lässt uns mit Zuversicht in die Zukunft blicken.

Der Autor möchte anonym bleiben. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er lebt mit seiner Familie in Luzern.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/07/Vater-und-Teenager_GettyImages_Jacob-Wackerhausen_iStock_Getty-Images-Plus-scaled.jpg 1582 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-30 14:58:122026-07-30 14:58:12Halb Begleiter, halb Prellbock: Wie Eltern ihre Teenager bei der Berufswahl unterstützen

Paartherapeut erklärt: Warum glückliche Paare nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen

Manchmal gehen Dinge einfach schief. Muss man deswegen gleich die Beziehung in Frage stellen? Beziehungsexperte Jörg Berger verrät, was wirklich auf die Goldwaage gehört.

„Lege deine Worte auf die Goldwaage“, rät Jesus Sirach in seinem Weisheitsbuch (Sirach 28,25). Heute hören wir eher das Gegenteil: „Lege nicht jedes Wort auf die Goldwaage.“ Offenbar macht es einen Unterschied, ob Worte schon ausgesprochen sind oder nicht. Die Goldwaage ist ein Gegenstand, der nur hilfreich ist, wenn wir ihn richtig gebrauchen. Was gehört nun darauf und was nicht? Das möchte ich für unsere Paarbeziehungen untersuchen.

Keinen Mist auf die Goldwaage legen

Wenn Paare zu mir kommen, versuche ich bald Verständnis für etwas zu wecken, was im Englischen entspannt klingt: „shit happens“ (etwa: „Mist passiert eben.“). Paare brauchen eine Kategorie für Ereignisse, mit denen man sich nicht beschäftigen muss – Ereignisse, die man eben besser nicht auf die Goldwaage legt. Es sind Situationen wie die folgenden:

Moritz (alle Personen und Situationen verfremdet) hat nicht bedacht, dass sein Meeting am Nachmittag länger dauern könnte. Nun kommt er eine Stunde später heim und war auch nicht erreichbar. Auf seinem Smartphone sieht er Sabrinas Versuche, ihn zu erreichen. Oh, oh. Tatsächlich ist Sabrina wütend, als Moritz die Wohnung betritt. Sabrina hatte einen Termin und konnte wegen der Kinder nicht los. Normalerweise sprechen sich die beiden gut ab. Lohnt es sich nun zu klären, wer schuld ist? Sollte man Dinge jetzt grundsätzlich anders regeln oder klären, was in der Beziehung nicht stimmt? Nein, es ist einfach dumm gelaufen. Das passiert.

Beate ist noch aufgewühlt von dem Konflikt mit ihren Eltern. Sie macht sich beim Abendessen Luft, Felix hört aufmerksam zu. Danach zieht sich Beate zurück. Sie hört Musik, betet und nimmt ein Bad, um ihr Gleichgewicht wiederzufinden. Als Felix sie in der Wanne sieht, schlägt er für den späteren Abend Sex vor. „Was?“, denkt Beate. „Wie kann Felix so unsensibel sein? Ausgerechnet heute? An einem so dunklen Tag? Denkt er immer nur an sich?“ – „Was?“, denkt Felix, als Beate ihre Empörung ausspricht. „Ich war doch so einfühlsam und unterstützend. Muss ich hellsehen können, um niemals etwas vorzuschlagen, was für Beate nicht passt? Warum bin ich nie gut genug für sie?“

Gehört das auf die Goldwaage? Nein, besser nicht. Felix kann es akzeptieren, wenn Beate heute nicht nach Sex ist. Für Beate ist es normalerweise kein Problem, dass Felix andere Strategien hat, um mit Belastungen umzugehen, und er erstmal von dem ausgeht, was ihm selbst guttun würde. Es ist heute einfach dumm gelaufen.

Vor dem Wiegen sieben

Hobby-Goldsucher versuchen es am besten in Flüssen. Dort muss man keine Stollen graben und nichts aus Erzen lösen. Stattdessen siebt man den Schlamm im Flussbett. Die kostbaren Körnchen sind schwerer und setzen sich schneller ab. So können wir auch mit dem umgehen, was im Fluss unseres gemeinsamen Alltags aufgewirbelt wird.

„Jetzt weiß ich, wie du wirklich über mich denkst!“ Sanjas Stimme klingt kalt, ihr Gesicht drückt Schmerz und Fassungslosigkeit aus. Roger ist nicht stolz auf das, was ihm da herausgerutscht ist: „Warum brauchst du immer jemanden, der dir sagt, wie du entscheiden sollst? Oder jemanden, der dich anschiebt, damit du unangenehme Sachen erledigst?“ Das war nicht gerade eine Ich-Botschaft oder gewaltfreie Kommunikation. Trotzdem erschrickt Roger darüber, wie sein Vorwurf bei Sanja ankommt. Denn für sie wird es grundsätzlich: Hat Roger sie immer schon für etwas verachtet, was sonst niemanden stört? Wie soll sie seiner Liebe je wieder vertrauen?

Gehört es auf die Goldwaage, was uns im Streit herausrutscht? Zeigen wir am Ende in solchen Momenten unser wahres Gesicht? Nein, im Gegenteil. Was wir im Streit sagen, ist zugespitzt und übertrieben. Roger sieht Sanja nicht so, wie es in diesem Moment klingt. Außerdem gibt es keinen Streit, in dem nicht auch Erfahrungen aufgewirbelt werden, die älter sind als unsere Liebe. Rogers Mutter war überfordert mit einer chronischen Erkrankung, ihren drei Kindern und einem Mann, der sich wenig in die Familie eingebracht hat. Sie hat ihre Kinder oft machen lassen und sogar ihren Rat angenommen. Als Ältester hat sich Roger oft um seine Mutter gekümmert, eine verhängnisvolle Rollenumkehr. Er hat genug davon, Verantwortung für überforderte Frauen zu übernehmen. Aber Sanja ist nicht Rogers Mutter. Sie hat ihr Leben gut im Griff. Das sieht Roger auch so, wenn sich seine Emotionen beruhigt haben.

Sieben wir also besser die emotionalen Übertreibungen heraus und auch die Übertragungen aus der Kindheit. Dann bleiben einige Körnchen Wahrheit: Sanja tut sich manchmal mit Entscheidungen schwer und prokrastiniert ein wenig – Roger fühlt sich schnell verantwortlich und reagiert dann übertrieben abwehrend. Das darf man auf die Goldwaage legen: Wie wollen die beiden damit umgehen? Wie viel Unterstützung erwartet Sanja wirklich? Mit welcher Rolle könnte sich Roger wohlfühlen in solchen Situationen? Das dürfte gut zu lösen sein.

Dabei schürfen Paare Gold: Wenn wir an den Knackpunkten unser Liebe weiterkommen, vertiefen sich unsere Einfühlung und unser Verständnis füreinander. Wir fühlen uns tiefer geliebt, wenn wir uns auch an unseren wunden Punkten angenommen und unterstützt fühlen.

Finden, was auf die Goldwaage gehört

Der Mist, der im Alltag passiert, gehört also nicht auf die Goldwaage und auch nicht alles, was im Flussbett unserer Beziehung aufgewirbelt wird. Gibt es nicht auch etwas, das immer auf die Goldwaage gehört? Unbedingt! Es sind die kleinen Worte und Taten der Liebe, die wir auch dann austauschen, wenn viel los ist: ein Mitdenken, eine Hilfestellung, eine tröstliche Berührung, eine humorvolle Bemerkung, der Blick für das Schöne und so vieles mehr. Besonders, wenn wir gestresst und genervt sind, übersehen wir manchmal, was wirklich zählt. Wo wir unseren Blick für das Liebevolle verlieren, ist unser Lebenstempo zu hoch. Wir sind zu vielen anderen Reizen ausgesetzt. Hätten wir Spielraum, um Tempo rauszunehmen und uns von weniger wichtigen Dingen abzuschirmen? Dann sollten wir das unbedingt tun, bis wir wieder all das Gute spüren, was wir einander sind und schenken.

Doch nicht immer liegt es in unserer Hand, wie hoch das Lebenstempo ist und was uns alles beschäftigt. Dann können wir auch in wenigen Minuten unsere Aufmerksamkeit schärfen, wie das Achtsamkeitsübungen für Gestresste und Ausgebrannte tun. Man nimmt sich ein paar Minuten und führt sich all das Gute, was in der Liebesbeziehung gerade ist, bewusst vor Augen.

Anfangs wird unsere Wahrnehmung das Grobe erfassen, was unser Partner oder unsere Partnerin für uns tut und welche positiven Eigenschaften uns positiv berühren. Doch mit der Zeit verfeinert sich unsere Wahrnehmung. Wir spüren, wieviel Annahme und Wertschätzung in einer Berührung, einem Lachen oder einem Moment der Geduld des anderen liegen. Wieder erfahren wir, wie sehr der Partner mit seinem ganzen Wesen eine Antwort auf unsre tiefe Bedürfnisse ist. Davon fühlen wir uns wieder beschenkt, dass sich der oder die andere auf das gemeinsame Leben einlässt, was immer auch einen Preis hat und mit Loslassen verbunden ist.

Manchmal müssen wir sogar nachhelfen, damit der andere unsere Liebe wahrnehmen kann.

„Sie müssen Ihre Liebe besser verkaufen“, sage ich manchmal einem zurückhaltenden Partner im Paargespräch. Denn ich ahne: Viele der liebevollen Gedanken, Absichten und Handlungen hat der andere im Alltag gar nicht wahrgenommen. Dann darf man das Gold der Liebe ruhig ein wenig herausputzen. Das hat schon manchen Paaren gutgetan:

  • „Ich habe mir gedacht, so passt es besser für dich, stimmt das?“
  • „Das kostet mich echt Mut. Aber ich möchte dir das trotzdem ermöglichen.“
  • „Ich finde dich gerade richtig klasse!“

Sätze wie diese legen auf die Goldwaage, was wirklich darauf gehört: Wir legen eine liebevolle Absicht offen, die hinter unseren Handlungen steht. Wir sprechen aus, wenn uns die Liebe etwas kostet. Wir stellen sicher, dass unsere Gefühle beim anderen auch ankommen.

Jedes Paar wird seine Goldwaage etwas anders einsetzen. Manchmal ist sie auch ein umkämpfter Gegenstand:

  • „Lass uns das mal ernst nehmen!“ – „Nein, bitte nicht. Lass uns lieber locker bleiben.“
  • „Müssen wir daraus ein großes Thema machen?“ – „Wenn es nach dir ginge, würden wir überhaupt nicht reden.“

Beides hat Vorteile, Dinge ernst nehmen und Dinge leichtnehmen. Oft verlieben sich Menschen, die hier unterschiedlich sind. Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit ergänzen sich gut. Paare können diesen Unterschied wieder genießen, wenn sie einen Kompromiss finden: Den wenigen Dingen Gewicht geben, auf die es wirklich ankommt – und das übrige nicht auf die Goldwaage legen.

Jörg Berger ist Psychotherapeut in Heidelberg.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/07/Zufriedenes-Paar_GettyImages-Studio4_E-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-28 15:46:162026-07-28 15:46:16Paartherapeut erklärt: Warum glückliche Paare nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen

Einsamkeit bei Kindern: Diese Warnsignale sollten Eltern kennen

Einsamkeit betrifft nicht nur Außenseiter. Auch Jugendliche mit intaktem Freundeskreis können sich einsam fühlen. Erziehungscoach Daniela Albert kennt die Warnsignale und zeigt, worauf Eltern achten sollten.

Wenn wir an Einsamkeit bei Kindern und Teens denken, haben wir manchmal bestimmte Bilder vor Augen: das Kind allein in seinem Zimmer. Eltern, die viel arbeiten oder deren Alltag von Schwierigkeiten und Krisen geprägt ist, die es kaum möglich machen, emotional für die eigenen Kinder verfügbar zu sein. Vielleicht denken wir auch an Einzelkinder oder Kinder mit wenigen Freunden.

All das gibt es natürlich, und die genannten Bilder spiegeln Gründe für Einsamkeit wider. Doch bilden sie das Thema längst nicht in seiner Komplexität ab. Denn auch Kinder und besonders Teenager, die nach außen gut angebunden an familiäre Netzwerke und Freundeskreise erscheinen, können sich einsam fühlen. Gleichzeitig können Menschen, die nur wenige Kontakte haben und oft allein unterwegs sind, sich so ausreichend mit anderen verbunden fühlen, dass ihnen Einsamkeit fremd ist.

Einsamkeit bedeutet dabei nicht einfach, allein zu sein. Sie beschreibt das schmerzhafte Gefühl, keine tragfähige Verbindung zu anderen zu haben, sich nicht gesehen, verstanden oder zugehörig zu fühlen. Gerade bei unseren Kindern und Teens kann das weitreichende Folgen für die emotionale Entwicklung, das Selbstwertgefühl und die psychische Gesundheit haben.

Alarmsignale

Einsamkeit hat kein eindeutiges Gesicht. Dazu kommt, dass besonders Teens sich oftmals schämen, über das, was sie gerade empfinden, mit uns zu sprechen oder gar nicht die richtigen Worte dafür finden.

Als Eltern müssen wir hier also genau hinschauen: Ein plötzlicher, auffälliger sozialer Rückzug kann ein Alarmsignal sein. Kinder haben manchmal das Gefühl, irgendwo nicht mehr gut reinzupassen. Sie fühlen sich unverstanden oder ausgeschlossen, auch, wenn die Erwachsenen um sie herum das anders beobachten und es keinen offensichtlichen Grund für diese Gefühle gibt. Hierbei sollten Eltern bedenken, dass Kinder sich im Lauf ihres Aufwachsens und ihrer Entwicklung verändern – manchmal so stark, dass vorher passende Freundesgruppen, Hobbys oder Netzwerke nicht mehr richtig erscheinen. Gleichzeitig ist aber manchmal noch nichts Neues an diese Stelle getreten. Ein Vakuum entsteht und mit ihm schmerzhafte und verwirrende Gefühle.

Bei Teenagern ist hier noch mehr Fingerspitzengefühl und genaues Hinsehen gefragt als bei jüngeren Kindern. Denn ein junger Mensch, der nur noch sporadisch aus seinem Zimmer kommt und dann meistens mürrisch wirkt, ist vielleicht auch nur ganz normal pubertär.

Aber vielleicht haben Eltern ihren Teenager auch lange nicht mehr lachen sehen, sondern nehmen wahr, dass er oder sie ständig bedrückt wirkt. Das wäre ein Alarmsignal. Junge Menschen, die nicht nur einen hormonell verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus haben, sondern gar nicht mehr zur Ruhe kommen, sollten uns ebenfalls Sorgen machen. Genau wie psychosomatische Beschwerden oder ein dauerhafter Rückzug in mediale Welten ohne erkennbares Interesse an anderen Dingen.

Elterliche Unterstützung

Vorübergehende Phasen der Einsamkeit, wenn Brüche oder Übergänge stattfinden, gehören zum Leben dazu. Sie dürfen, wie alle anderen negativen Gefühle und Erfahrungen auch, erlebt, gelebt und verarbeitet werden. Wenn daraus jedoch ein längerfristiges Problem entsteht und Kinder und Teens nicht mehr den Weg zurück in eine Gemeinschaft finden, die sie trägt, ist elterliche Unterstützung gefragt.

Zuerst einmal hilft es, wenn Eltern wertfrei auf den Tisch bringen, was sie wahrnehmen: „Ich sehe, dass du in letzter Zeit oft allein in deinem Zimmer bist.“ – „Mir fällt auf, dass deine Hobbys dir keinen Spaß mehr machen.“ – „Deine Freunde waren in letzter Zeit gar nicht mehr hier.“ – „Du wirkst traurig/unruhig/missmutig.“

Manchmal können Kinder und Teens diese Gesprächseröffnungen annehmen und erzählen, was gerade in ihnen vorgeht. Dann ist es wichtig, dass wir das, was sie uns anvertrauen, ernst nehmen. Auch dann, wenn wir es anders empfinden. Sätze wie: „Aber das stimmt doch gar nicht, X und Y mögen dich total gern.“, oder: „Du hast doch immer gern Fußball gespielt“, schlagen die Tür zum Herzen unserer Kinder, die wir gerade geöffnet haben, ziemlich sicher wieder zu.

Eltern können stattdessen deutlich machen, dass Einsamkeit kein persönliches Versagen ist. Viele Menschen erleben solche Phasen. Gerade in biografischen Übergangsphasen brauchen Kinder und Teens Unterstützung oder zumindest Beratung, um neue Räume auszuprobieren und herauszufinden, wer sie gerade sind und mit wem sie sich gern umgeben wollen. Schauen Sie gemeinsam nach Angeboten im sozialen Raum, ermutigen Sie dazu, Dinge auszuprobieren und Erfahrungen zu machen.

Aber manchmal reicht das nicht. Wenn Einsamkeit anhält, sich verstärkt oder mit Depressionen, Angst oder Rückzug einhergeht, scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Einsamkeit vorbeugen

Einsamkeit lässt sich nicht vollständig verhindern. Aber Eltern können viel dazu beitragen, dass Kinder innere Sicherheit und soziale Kompetenzen entwickeln. Kinder, die sich zu Hause gesehen und angenommen fühlen, entwickeln eher Vertrauen in Beziehungen. Regelmäßige gemeinsame Zeiten, echtes Interesse und verlässliche Zuwendung sind dafür zentral.

Freundschaften entstehen nicht von selbst. Kinder dürfen lernen, Konflikte auszutragen, Kompromisse zu schließen, Nein zu sagen und Nähe zuzulassen. Diese Fähigkeiten entwickeln sich im Alltag von Anfang an – auch durch das, was wir vorleben.

Zuletzt: Nicht jedes Kind findet Anschluss im gleichen Umfeld. Unterschiedliche soziale Räume, Vereine, Kirchengemeinden, unverbindliche Gruppen und viele andere Orte bieten Begegnungsräume und erhöhen die Chance, passende Menschen zu treffen, mit denen echte Verbindungen entstehen können.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel. eltern-familie.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/07/Einsame-Teenager_GettyImages_Daisy-Daisy_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-23 11:20:352026-07-23 11:20:35Einsamkeit bei Kindern: Diese Warnsignale sollten Eltern kennen

Steter Tropfen höhlt den Stein – Warum Beziehungen Beständigkeit brauchen

Große Gesten in der Beziehung sind schön. Aber echtes Vertrauen wächst im täglichen Miteinander, verrät Paarberater Marc Bareth.

Als unser Guide die Stirnlampe ausschaltete, war es vollkommen dunkel und fast völlig still. Nur alle paar Sekunden löste sich ein Tropfen von der Felsdecke und klatschte auf den Höhlenboden. Es war das einzige Geräusch, das zu hören war. Da stand ich in diesem kilometerlangen Höhlensystem, von dem für Laien wie mich nur die ersten paar hundert Meter zugänglich sind, und starrte ins Dunkle. Ich war beeindruckt, dass ein wenig Wasser das Innere eines Berges so gestalten kann. Das Wasser war einfach da. Tag für Tag, über viele Jahre hinweg. Diese Beständigkeit bewirkte weitaus mehr als die Gewitter, die ein paar Mal im Jahr gewaltige Wassermassen brachten. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Beständigkeit zahlt sich aus

Mit unserer Partnerschaft verhält es sich genau gleich. Eine tragfähige Liebe entsteht nicht durch vereinzelte Großtaten, sondern durch die hunderttausend kleinen Dinge, die wir jeden Tag tun, ein ganzes Leben lang. Es ist ein grundlegendes Prinzip unserer Welt. Wenn ich für einen Marathon trainiere, muss ich über einen längeren Zeitraum hinweg mehrmals pro Woche die Laufschuhe schnüren. Und die Tomaten auf meinem Balkon brauchen jeden Tag ein bisschen Wasser und nicht einmal im Monat ganz viel.

Und doch neigen wir dazu, uns einzureden, dass in einer Beziehung vor allem die großen Gesten zählen: das pompöse Hochzeitsfest, der Urlaub auf den Malediven, der vierteljährliche Gourmet-Sex oder das teure Geburtstagsgeschenk.

Es wächst langsam

Tatsache ist jedoch, dass unsere täglichen, kleinen Handlungen viel bedeutsamer sind. An ihnen entscheidet sich der Erfolg unserer Beziehung. Mit jeder Umarmung bauen wir an unserer Liebe. Jedes Kompliment stärkt die gegenseitige Wertschätzung. Mit jedem angenommenen Beziehungsangebot wächst unsere Verbindung. Jedes Mal, wenn wir uns verletzlich zeigen, vertiefen wir unsere Beziehung. Immer, wenn wir unserer Partnerin Priorität geben, wächst das Vertrauen.

Liebe ist eine Lebensweise. Sie fällt uns nicht einfach zu, sondern ist vielmehr die Summe unserer Entscheidungen und Taten. Und wenn wir uns täglich für liebevolle Handlungen entscheiden, über viele Jahre hinweg, werden wir erleben, wie etwas Wundervolles heranwächst.

Marc Bareth und seine Frau Manuela leiten gemeinsam FAMILYLIFE Schweiz. Er bloggt unter: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/07/Vertrautes-Paar_GettyImages_FG-Trade_E-Plus.jpg 1414 2120 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-21 15:54:372026-07-21 15:54:37Steter Tropfen höhlt den Stein – Warum Beziehungen Beständigkeit brauchen

„Care-Arbeit geschieht unbeobachtet“: Eltern berichten über Einsamkeit in der Kinderphase

Kontakte mit Freunden, Ermutigung und Zuwendung sind für Eltern mit kleinen Kindern oft Mangelware. Junge Väter und Mütter berichten über Einsamkeit im Familienalltag.

Das hatten die Fußballfans wohl nicht erwartet: In der Halbzeitpause des WM-Qualifikationsspiels Deutschland gegen Luxemburg vor einigen Monaten rückte die Komikerin Carolin Kebekus in einem achtminütigen eingängigen Clip das Thema Einsamkeit in den Fokus der Besucherinnen und Zuschauer. „In diesem Moment sind 30.000 Menschen hier im Stadion. 18.000 davon machen in ihrem Leben Erfahrungen mit Einsamkeit“, wies Kebekus darauf hin, wie sehr das Thema viele ältere, aber auch jüngere Menschen belastet. Die Videos, in denen Musiker wie Mark Forster und Jasmin Wagner („Blümchen“) sowie Fußballweltmeister Lukas Podolski zu Wort kamen, wurden auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht und inzwischen millionenfach gesehen.

Anscheinend hat Kebekus damit einen Nerv getroffen. Nicht nur die vielen Klicks, auch die Zahlen sprechen dafür: Das „Einsamkeitsbarometer“, das jährlich vom Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. umgesetzt wird, ergab, dass 2024 fast ein Drittel der Erwachsenen Einsamkeit erlebt und als Belastung empfunden hat. Einsamkeit macht auch vor Eltern nicht Halt. Das zeigt zum Beispiel die aktuelle Studie „Love & Loneliness“, die im August 2025 durchgeführt wurde: Demnach fühlen sich rund zwei Drittel der Mütter in Deutschland nach der Geburt ihres Kindes einsam. Bei vielen von ihnen bleibt das Gefühl über Monate, teils Jahre präsent.

Eintöniger Alltag

Einsamkeit betrifft aber nicht nur Mütter, sondern auch Väter. „Mein Bett teile ich mir mit drei Menschen. Ständig kümmere ich mich um andere um mich herum. Ihre Bedürftigkeit und ihr Anspruch sind mein pausenloses Los. Am Tag bin ich nie allein. Und doch habe ich mich in meinem Leben noch nie so einsam gefühlt wie dieser Tage“, beschreibt ein Vater von zwei kleinen Kindern (1 und 5) seine Situation. Er fühle sich nicht nur von seinem Umfeld abgeschnitten. „Auch mein innerstes Selbst scheint mich verlassen zu haben und lässt mich mit dem, was noch als Letztes übrigbleibt, zurück: das täglich dauernde Beschäftigtsein und die nächtlich bewusst werdende Einsamkeit.“

Einsamkeit mitten im Leben

Solche Momente kennt auch Jonathan. „Einsamkeitsmomente“ nennt er sie: „Wenn du auf dem Spielplatz abhängst und minutenlang dein Kind auf der Schaukel anschubst, allein, weil alle anderen Kinder im Kindergarten oder in der Schule und ihre Eltern auf der Arbeit sind.“ Die Betreuung der Kinder teilt er sich mit seiner Frau. „Care-Arbeit geschieht unbeobachtet. Man bekommt dafür wenig Wertschätzung und Anerkennung“, ist seine Beobachtung. Auch das mache einsam. „Es gibt niemanden, der einem die Hand schüttelt oder auf die Schulter klopft und sagt: ‚Der Vormittag ist dir richtig gut gelungen. Du hast ein tolles Mittagessen gekocht und die Kinder sind zufrieden‘. Das muss man mit sich selbst ausmachen.“

Auch in Turn- und Krabbelgruppen, die er öfter mit den Kindern besuche, fühle er sich, als einer der wenigen Väter, häufig einsam. „In Stillcafés fühlt man sich als Mann allein wegen des Namens schon ausgeschlossen“, sagt er. In ihrer Siedlung wohnen nur wenige Familien. Auch im Dorf finden sie zunächst keinen Anschluss. „Ich bin vom Typ her kreativ und einfallsreich“, sagt der Grafikdesigner, der viel von zu Hause aus arbeitet. „Trotzdem kann so ein Alltag auch schnell mal eintönig werden, gerade, wenn man wenig Interaktion mit anderen Erwachsenen hat. Je länger so ein Tag dann geht, desto größer wird die Einsamkeit.“

Kaum aus dem Haus getraut

„Man ist gar nicht darauf vorbereitet, dass man sich als Mutter manchmal so einsam fühlt – und dass es okay ist, sich so zu fühlen“, findet Nika. Die ersten sieben Monate nach der Geburt ihres Sohnes verbringt sie fast nur zu Hause. Ihr Kind ist ein Schreibaby, das übermäßig und ohne erkennbaren Grund schreit, oft mehrere Stunden am Tag, an mehreren Tagen pro Woche. „Man führt ein ganz anderes Leben als der Rest der Welt. Ich habe mich kaum aus dem Haus getraut. Alles war auf das Kind abgestimmt. Ich hatte niemanden, mit dem ich mich austauschen konnte und war ganz auf mich allein gestellt“, beschreibt sie ihre damalige Situation.

Von Social Media fühlt sie sich unter Druck gesetzt. „Ich war nicht eine dieser Insta-Mamas, die ihre Babys in die Trage packen, in ein Café spazieren und sich mit Freundinnen treffen. Bei mir ging das nicht, und das hat das Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt, weil ich mich gefragt habe, warum es bei allen anderen geht, aber bei mir nicht. Ich habe mir auch vorgeworfen, dass ich unglücklich war, obwohl das wundervollste Geschenk doch in meinem Arm lag.“

Dann, nach den sieben Monaten, kommt eine andere Einsamkeit hinzu. „Man kann in einer Partnerschaft sein und sich dennoch allein fühlen“, weiß sie heute und meint damit ihre damalige Beziehung. „Wir haben aufgehört, ein Paar zu sein, und haben uns nur noch darüber unterhalten, wer welche Aufgaben übernimmt. Tagsüber waren wir fürs Kind da und abends war jeder mit sich beschäftigt. Das hat sich sehr einsam angefühlt.“

Keine Zeit für Freundschaften

Sich in der Partnerschaft einsam fühlen, dieses Gefühl kennt Florian auch. „Als unsere Tochter noch kleiner war, hat meine Frau sie ins Bett begleitet – und ist dort oft mit ihr eingeschlafen. Das ging über mehrere Monate. Sie waren ab dem Abendessen quasi wie aus dem Leben raus“, erinnert er sich. „Am Anfang fand ich es schön, abends so viel Zeit für mich zu haben, aber irgendwann habe ich mich sehr einsam gefühlt.“ Er fühle sich auch dann einsam und „immer so ein bisschen zurückgesetzt“, wenn seine Tochter seine Frau bevorzugt. „Ich vermisse auch manche Freundschaften“, sagt er. Viele seiner Freunde seien entweder selbst Väter oder wohnen weiter weg. Gemeinsame Treffen fänden nur selten statt. „Deshalb fühle ich mich heute manchmal einsam, obwohl Leute um mich rum sind“, beschreibt Florian sein Dilemma.

Auch Ute bekam ihre Freundinnen selten zu sehen, als sie Mutter wurde. „Durch die Mehrfachbelastung Familie, Arbeit, Haushalt hatte ich einfach keine Zeit und Kraft für sie, geschweige denn für mich selbst“, erinnert sie sich an die Zeit zurück, als ihre drei inzwischen erwachsenen Töchter klein waren. Dabei hätte sie sie dringend gebraucht. Ihr Mann betrügt sie und lässt sie oft mit den Kindern allein. „Nach außen hin schien unsere Familie zu funktionieren, und es war nicht zu sehen“, sagt sie. Aber eigentlich hätte sie es gebraucht, „wenn meine Freundinnen mich angesprochen und Hilfe angeboten hätten.“

Ungesehen und unverstanden

Mareike wiederum ist von Freundinnen umgeben, fühlt sich aber dennoch manchmal ungesehen und unverstanden. Ihr Sohn ist mit der VACTERL-Assoziation, einer Kombination verschiedener Fehlbildungen, zur Welt gekommen. Er hatte im Alter von drei Jahren bereits über 15 OPs hinter sich und über 400 Nächte auf der Intensivstation verbracht. „Wenn andere Mamas sich über ‚normale‘ Kleinkindherausforderungen und -fragen ausgetauscht haben, die mir zu der Zeit oft banal erschienen, auch wenn sie natürlich völlig gerechtfertigt waren, habe ich mich oftmals einsam gefühlt“, berichtet sie. Ausgelöst wurde dieses Gefühl bei ihr auch „durch den Gedanken, dass ich mich nicht für diese Art zu leben selbst entscheiden konnte, sondern dass es mir gefühlt ‚übergestülpt‘ wurde. Anders, als grundsätzlich Mama zu werden, wofür ich mich ganz bewusst entschieden habe“, sagt die zweifache Mutter.

Immer mal wieder komme dieses Gefühl noch in ihr hoch, aber seltener. „Der Austausch mit anderen Eltern, die in einer ähnlichen Situation mit einem Kind mit starken Beeinträchtigungen sind, hilft mir“, sagt sie. „Viel Reden hilft“, weiß auch Florian inzwischen – auch, wenn es ihm schwerfalle. Inzwischen wechseln er und seine Frau sich gegenseitig bei der Einschlafbegleitung ab und gönnen sich mehr Zeit füreinander, was ihrer Beziehung sehr guttut.

Feste Verabredungen

Jonathan, der sich eigentlich als jemanden beschreibt, der gern allein ist und dem auch die vielen Stunden im Homeoffice nichts ausmachen, spürte: „Wenn ich intensivere und schöne Gemeinschaftsmomente hatte, habe ich gemerkt, dass mir das unheimlich guttut und ich das brauche. So ein, zwei Leute, mit denen man feste Verabredungen hat, die in der Woche verankert sind, die hätten mir rückblickend daher gutgetan“, weiß er heute. Inzwischen wohnt er in einer anderen Stadt in einem belebteren Wohngebiet und in der Nähe seiner Familie. Dort habe er schon viele neue Beziehungen aufgebaut, die sein Leben bereichern.

„Heute fühle ich mich weniger einsam, weil meine Freundinnen und ich wieder viel miteinander sprechen und uns gegenseitig unterstützen und beraten“, erzählt auch Ute. Von ihrem Mann habe sie sich scheiden lassen. Auch Nika hat eine Trennung und einen Umzug hinter sich. Mit ihrem Sohn besucht sie inzwischen viele Kurse und Gruppen – etwas, das ihr alter Wohnort nicht bieten konnte. „Das hätte ich mir aber sehr gewünscht, dann hätte ich gar nicht so viel Einsamkeit erleben müssen“, meint sie.

Ruth Korte ist Redakteurin in Gießen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/07/Einsamer-Papa_GettyImages_Onfokus_E-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-16 13:08:302026-07-16 13:08:30„Care-Arbeit geschieht unbeobachtet“: Eltern berichten über Einsamkeit in der Kinderphase

Ernährungstipps auf Social Media – Hilfreich oder Unsinn? Machen Sie den Faktencheck!

Elternfrage: „Meine Tochter (16) probiert seit einiger Zeit verschiedene Ernährungstipps aus, die sie in den Sozialen Medien findet. Wie vertrauenswürdig sind solche Tipps? Und wie rede ich mit meiner Tochter darüber?“

Ich kann Ihre Sorge gut verstehen. Als Mutter von Teenie-Töchtern weiß ich genau, wovon Sie sprechen: In den sozialen Medien kann jede und jeder behaupten, Doktor oder Wissenschaftlerin zu sein. Das macht es kompliziert. Wir werden geflutet mit Massen an ungefilterten Informationen, deren Quelle und Herkunft – ob mit oder ohne Absicht – oft gut verschleiert sind. Leider kann man bei der Menge an Trends nie pauschal sagen, welcher seriös und gesund und welcher gefährlich ist. Das macht die Unterscheidung sehr schwierig – auch für Erwachsene.

In Kontakt bleiben

Das können Sie Ihrer Tochter genau so sagen. Wichtig finde ich, dass Sie mit ihr im Gespräch bleiben, damit sie merkt, dass Sie sie ernstnehmen und ein echtes Interesse an ihrem Leben haben: Welche Trends findet sie besonders gut, und was würde sie gern ausprobieren? Hat sie vielleicht kürzlich etwas total Irres gehört oder gesehen, von dem sie erzählen möchte? Haben Sie etwas Lustiges oder Interessantes gehört oder gelesen? Unterhalten Sie sich über die Themen, die Ihrer Tochter wichtig sind, ohne direkt zu (be-)urteilen.

Seriöse Quellen

Natürlich gibt es Gefahren und vor denen möchten Sie Ihre Tochter bewahren. Aber es gibt auch unglaublich viel Neues, das gut und interessant ist. Zeigen Sie ihr, wie und wo sie fundierte Quellen findet, und erklären Sie ihr als Faustregel, dass radikale und/oder einseitige Maßnahmen in Ernährungsfragen meist ein Indiz für ungesunde und unseriöse Methoden sind. Ausgewogenheit statt Einseitigkeit ist in den meisten Fällen eine gute Richtlinie.

Vielleicht haben Sie ja auch Lust, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren: eine Smoothie Bowl oder selbstgemachte Ramen. Viele Trends sind tatsächlich auch gut, lecker und machen Spaß!
Gute und seriöse Quellen sind:

  • Verbraucherzentralen der Bundesländer (verbraucherzentrale.de)
  • Bundeszentrum für Ernährung (bzfe.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (dge.de)
  • Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung (in-form.de)
  • Vereine für unabhängige Gesundheitsberatung (ugb.de)
  • Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (sge-ssn.ch/de)
  • oder die jeweilige Krankenkasse

Beinahe alle der oben genannten Quellen stellen – oft kostenlos – Material zur Verfügung.

Mareike Lotz ist Lehrerin für Ernährung und Hauswirtschaft an einem Berufsschulzentrum. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/05/Teenager-isst-Salat.jpg 1280 1920 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-14 15:58:412026-07-14 15:58:41Ernährungstipps auf Social Media – Hilfreich oder Unsinn? Machen Sie den Faktencheck!

Kind schläft schlecht – ist das Zungenband schuld? Ein Experte klärt auf

Elternfrage: „Mein Kind (1) schläft schlecht. Der Kinderarzt sagt, schuld sei ein zu kurzes Zungenband. Aber was hat die Zunge meines Sohnes mit seinem Schlaf zu tun?“

Auf den ersten Blick scheint es ungewöhnlich, dass ein kleines Stück Gewebe unter der Zunge den Schlaf beeinflussen kann. Doch die Zunge hat weit mehr Aufgaben als nur das Essen und spätere Sprechen – sie spielt eine wichtige Rolle für Atmung, Muskelspannung und die Stabilität im Mund- und Rachenraum.

Unruhiger Schlaf

In der Praxis erleben wir oft, dass Kinder mit einem funktionell eingeschränkten Zungenband einen sehr leichten Schlaf haben. Sie schlafen unruhig, wachen häufig auf oder kommen nur mit offenem Mund zur Ruhe. Das kann damit zusammenhängen, dass die Zunge nachts nicht dort liegt, wo sie physiologisch häufig am günstigsten liegt: oben am Gaumen. Diese Position unterstützt die Entwicklung des Oberkiefers, stabilisiert die oberen Atemwege und fördert eine ruhige Nasenatmung. Wenn ein Zungenband zu kurz oder straff ist, kann die Zunge diese Haltung nicht gut einnehmen. Sie rutscht nach unten, und die Kinder atmen häufiger durch den Mund.

Mundatmung kann zu trockeneren Schleimhäuten, leichterem Aufwachen und einer insgesamt höheren Unruhe beziehungsweise Grundanspannung beitragen. Durch die veränderte Atmung kann es zu kleinen, kaum wahrnehmbaren Weckreaktionen kommen, die den Schlaf immer wieder unterbrechen und die Schlafqualität mindern. Das kann teilweise erklären, warum manche Kinder am Tag müde wirken oder schneller erschöpft sind. Kann sich die Zunge dagegen frei bewegen, entsteht nachts häufig ein ruhigerer Atemrhythmus – und das Kind schläft tiefer und erholsamer.

Ungewöhnliches Essverhalten

Ein weiteres Anzeichen kann sein, dass Ihr Kind tagsüber beim Essen unruhig ist, sich leicht verschluckt, viel speichelt oder „schmatzend“ schluckt. Auch nächtliches Schnarchen, ständige Positionswechsel oder ungewöhnliche Schlafhaltungen können Hinweise darauf sein, dass die Zunge nicht frei arbeiten kann. Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes kurze Zungenband behandelt werden muss. Entscheidend ist, ob die Funktion eingeschränkt ist – und ob Symptome auftreten, die sich dadurch erklären lassen.

Wenn der Verdacht auf eine funktionelle Einschränkung besteht, lohnt sich eine genauere Abklärung – idealerweise bei Fachleuten, die Erfahrung mit Zungenbewegung, Atmung und früher Mundentwicklung haben. Dazu gehören zum Beispiel Osteopathen, Logopädinnen sowie spezialisierte (Kinder-) Zahnärzte. Gerade Themen wie eingeschränkte Zungenbeweglichkeit (orale Restriktionen) werden in den üblichen Vorsorgeuntersuchungen nicht immer umfassend betrachtet. Eine interdisziplinäre Sicht hilft, alle Aspekte gut einzuordnen – und gibt Eltern Sicherheit.

Ralf Vogt MSc ist Physiotherapeut, Heilpraktiker und Osteopath mit Schwerpunkt auf der Behandlung von Babys & Kindern sowie der funktionellen Diagnostik oraler Restriktionen (u. a. Zungenband).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/05/Kind-schlaeft.jpg 1280 1920 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-07 16:14:472026-07-07 16:14:47Kind schläft schlecht – ist das Zungenband schuld? Ein Experte klärt auf

Narzisst, oder was? Warum Beziehungen Anerkennung brauchen

Wir streben ständig nach Bestätigung. Doch gerade in der Partnerschaft führt diese Erwartung nicht immer ans Ziel. Paarexperte Marc Bareth erklärt, warum das nichts mit Narzissmus zutun hat.

„Ich halte das nicht mehr aus. Er versteht mich einfach nicht. Er versucht nicht einmal, auf meine Bedürfnisse einzugehen. Je länger ich mit ihm zusammen bin, desto klarer wird mir, dass er so ist und immer so bleiben wird. Er ist ein Narzisst, der sich nur um sich selbst dreht.“

So klingt es heute in unzähligen Gesprächen unter Freundinnen, in Coachings und Therapiesitzungen. Vor zwanzig Jahren hätte das niemand so gesagt, heute ist es weit verbreitet. Als kleines Experiment habe ich ChatGPT gebeten, diese Klage zu datieren. Die Antwort war eindeutig: „Diese Art von Klage ist typisch 2020er.“ Was könnte dahinterstecken?

Wir sind großartig

Wir leben in einem Umfeld, das viel Bestätigung spendet. Kinder werden gelobt, wenn sie Regeln befolgen, und statt auf ihren Schwächen herumzureiten, werden ihre individuellen Stärken betont. Beim Halbmarathon gilt jeder Finisher als Sieger und bekommt eine Medaille. Im Mitarbeitergespräch erhalten wir Kritik nach dem Sandwichprinzip: eingepackt zwischen zwei Komplimenten. Und auf Social Media sammeln wir Likes. Immer wird uns vermittelt, wie großartig und einzigartig wir sind.

Und dann kommen wir nach Hause. Dort läuft es anders. In der Beziehung bekommen wir bei weitem nicht die Bestätigung, die wir uns erhoffen. Unsere Partnerin kann oder will nicht immer unsere Cheerleaderin sein. Anstatt bei uns selbst, suchen wir die Ursache für dieses Problem beim anderen. Wenn sie mich nicht genug lobt und nicht immer wunderbar findet, muss das daran liegen, dass sie mich nicht versteht. Und weshalb es zu wenig um mich und mein Ego geht, ist auch klar: Weil sie sich nur um sich selbst dreht. Und weil wir inzwischen alle schon den einen oder anderen Psychologie-­Podcast gehört haben, ist das Wort „Narzisst“ schnell zur Hand.

Zwei Wege

Natürlich ist dieses Bild überzeichnet. Aber die Tendenz ist unbestreitbar – nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern in jedem von uns: Da wir in einer Welt leben, die unseren Drang nach Anerkennung ständig nährt, ist der Aufprall im Beziehungsalltag umso härter. Ich schlage zwei Wege vor, um dem entgegenzuwirken. Erstens dürfen wir uns auf einen Weg des Wachstums begeben. Raus aus einer Abhängigkeit von der Bestätigung anderer, hin zu einer selbstbestätigten Identität. Für Christen geht es sogar noch weiter – eine gottbestätigte Identität. Das bedeutet, dass mein Selbstbild nicht an der Anerkennung anderer hängt, sondern aus eigenem Zuspruch und innerer Gewissheit lebt. Und mit einer gottbestätigten Identität meine ich, dass das Selbstverständnis nicht allein auf menschlicher Anerkennung beruht, sondern von Gott bestätigt und getragen ist.

Zweitens lohnt es sich, dem anderen das zu schenken, was wir uns selbst wünschen. Nicht nur du sehnst dich nach mehr Bestätigung von deinem Partner – er sehnt sich wahrscheinlich genauso nach deiner. Wir können nur begrenzt beeinflussen, wie wir behandelt werden. Aber wir haben es in der Hand, wie wir unseren Partner behandeln. Wenn beide anfangen, einander Anerkennung zu geben, entsteht etwas Gutes.

Marc Bareth und seine Frau Manuela leiten gemeinsam FAMILYLIFE Schweiz. Sein Blog bietet wertvolle Impulse für die Partnerschaft: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/06/Bestaetigung_GettyImages_Jacob-Wackerhausen_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1413 2122 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-06-24 09:37:402026-06-24 09:37:40Narzisst, oder was? Warum Beziehungen Anerkennung brauchen
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