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Artikel aus den Heften

Wenn Stillen zur Qual wird

Stillberaterin Martina Parrish empfiehlt jungen Müttern, erst einmal die Ruhe zu bewahren, wenn es mit dem Stillen nicht gleich klappt.

Allenthalben wird Müttern empfohlen, ihr Baby zu stillen, weil Muttermilch das Beste und Stillen gut für die Bindung ist. Aber was, wenn es Schwierigkeiten gibt?

Es kommt auf den Zeitpunkt an. Wenn es um die ersten Tage geht, sollten Mütter versuchen, erst einmal Ruhe zu bewahren. Es ist normal, dass es am Anfang Schwierigkeiten beim Stillen gibt. Da ist es hilfreich, eine Stillberaterin oder die Wochenbetthebamme hinzuzuziehen, die viel Erfahrung auf diesem Gebiet haben und gute Tipps geben können. Es kann bis zu sechs Wochen dauern, bis sich das Stillen eingespielt hat.

Wann ist für Sie als Stillberaterin ein Punkt erreicht, wo Sie Müttern raten, vom Stillen abzusehen?

Diesen Zeitpunkt kann nur die Mutter selbst bestimmen. Wenn sie spürt, dass sie kräfte- und nervenmäßig an ihre Grenzen kommt, empfehle ich ihr, sich eine Frist zu setzen, wie lange sie noch – möglichst unter fachkundiger Begleitung – versuchen möchte, eine gute Stillbeziehung aufzubauen. Sollten Probleme wie entzündete, vielleicht auch blutende Brustwarzen, wiederkehrende Milchstaus und ein nicht zunehmendes Kind auch mit Hilfe einer Fachfrau nicht zu beseitigen sein, kann es für Mutter und Kind die sinnvollere Lösung sein, auf die Flasche umzusteigen.

Wenn es nicht klappt

Welche Alternativen zum Stillen gibt es?

Wenn man merkt, dass man zwar stillen kann, aber die Milch nicht ausreicht, ist eine Mischform aus Muttermilch und Pre-Milch eine gute Alternative. Wichtig beim Flaschenkauf ist es, auf einen Sauger zu achten, der der Brust sehr ähnlich ist, damit es zu keiner Saugverwirrung beim Säugling kommt. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe an guten Formula-Angeboten im Handel. In jüngster Zeit hat man dem Milchpulver sogenannte Humane Milch-Oligosaccharide zugesetzt, das sind Zuckermoleküle, die auch in der Muttermilch enthalten sind und den Aufbau der Darmflora unterstützen. Es reicht, dem Baby im ersten Lebensjahr Pre-Milch zu geben.

Schadet es der Mutter-Kind-Bindung, wenn Mütter ihren Babys die Flasche statt der Brust geben?

Überhaupt nicht. Wenn eine Mutter am Ende ihrer Kräfte und jede Stillmahlzeit für sie ein Horror ist, weil es ihr wehtut oder das Kind nicht satt wird und schreit, dann wird die Bindung zwischen Mutter und Kind auch nicht gestärkt, sondern eher gefährdet. In so einer Situation wird dem Kind eine ambivalente Botschaft vermittelt: Es darf zwar an die Brust, aber innerlich ist die Mutter auf Gegenwehr geschaltet. Wenn es über einen langen Zeitraum so geht, dann leidet die Beziehung darunter. Dann rate ich: Nimm dein Kind liebevoll in den Arm, guck ihm in die Augen, gib ihm die Flasche und genieße die Zweisamkeit.

Was Väter tun können

Wie kann der Partner helfen?

Ermutigen und unterstützen Sie Ihre Frau in dem, was sie will und braucht und verwöhnen Sie sie auch in den Stillmomenten, zum Beispiel, indem Sie Ihr ein Glas Wasser oder einen Tee ans Sofa oder ans Bett stellen. Versuchen Sie, ihr den Druck zu nehmen und hinter ihr zu stehen. Für die Frauen ist es auch wichtig, dass die Papas eine intensive Beziehung zum Kind aufbauen und ihr zeigen, dass sie einen Teil der Verantwortung übernehmen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/family_stillen-2-scaled.jpg 1987 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-08-06 12:48:502020-08-07 09:26:35Wenn Stillen zur Qual wird

Ein Paar, zwei Perspektiven: Schlaf

NACHTSCHICHTEN AUS TROTZ

Katharina Hullen muss mit sehr wenig Schlaf auskommen und beneidet ihren Mann um seine Superkräfte.

Katharina: Schlafen macht schön und klug. Schlafen ist gesund! Ich sage Ihnen was: Schlaf ist überbewertet! Denn all diese Aussagen ergeben nur unter Laborbedingungen Sinn.

Unsere Wahrheit ist derzeit: Schlafen wäre schon schön und wahrscheinlich klug und es wäre auch sicher gesund, früher schlafen zu gehen. Leider liegt unsere Zubettgehzeit weit hinter Mitternacht. Das ist notwendig und ärgerlich zugleich, weil es einfach an so vielen Faktoren hängt, warum es sich nur schwer ändern lässt.

Zum einen: Wir sind Eulen, können abends effektiv Dinge erledigen. Beziehungsweise: könnten. Denn unsere drei Mädels, die theoretisch rund 10 Stunden Schlaf benötigen sollten, kommen abends ebenfalls noch mal richtig in Fahrt und vor allem nicht beizeiten in die Federn. Das bedeutet meist, dass unser Programm erst weit nach 22 Uhr beginnen kann.

Zum anderen ist auch die Kombination von Aufschieberitis und Trotz (jetzt will ich aber auch mal Zeit für mich haben!) oft Ursache für unzählige Nachtschichten. Hauke treibt es hierbei bisweilen auf die Spitze. Ich werkele gern parallel zu meinem Mann abends vor mich hin, aber um 2 Uhr nachts ist auch Schluss. Mein Bester sitzt dann oft noch lange am Küchentisch und korrigiert weiter Klassenarbeiten. Resigniert, weil es mal wieder nicht mit der besseren Planung geklappt hat und weil ich leider selbst zu unvernünftig bin, gehe ich dann schon mal ins Bett.

Wenn wir an normalen Abenden gegen halb 2 beschließen, das Schlafzimmer aufzusuchen, liegt Hauke 60 Sekunden später bereits im Tiefschlaf. Eine bewundernswerte Fähigkeit, denn ich räume auf dem Weg zum Badezimmer noch kurz den Flur auf, stelle Müsli auf den Tisch, stolpere über eine Wäschekiste, die ich kurzerhand im Keller noch aufsetze, drehe eine kleine Zudeck-Runde durch die Kinderzimmer und liege erst 20 Minuten später neben dem besten Ehemann von allen.

Wie schön es hier ist – so weich und warm! Warum liege ich eigentlich nicht schon seit 2 Stunden hier? Wenn‘s gut läuft, habe ich jetzt noch 5 Stunden Schlaf. Wenn‘s normal läuft, hat in 3 Stunden unser Sechsjähriger bereits ausgeschlafen oder der Kleinste träumt schlecht und steht verstrubbelt und schluchzend vor meinem Bett. Natürlich vor meinem, nicht vor Papas!

Hauke bekommt von alledem meist nichts mit. Darum haben wir eine neue Regel: Ich werde zwar wach, wenn etwas mit den Jungs ist, darf Hauke aber anstupsen. Dann schlurft er schlaftrunken ins Kinderzimmer, legt sich mit einer Matratze von innen vor die Tür und nutzt seine Superkraft „Schlafen in allen Lebenslagen“. Während die Kinder fröhlich das Zimmer auf links ziehen, blendet er alles aus und schläft. So stelle ich mir den Schlaf von Jesus bei der Sturmstillung vor.

Achja, sicher ist dies auch nur so eine Phase, und irgendwann kommt wieder mehr Ruhe in unsere Nächte. Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf! Wie gut, dass unser Herr so mächtig ist und nicht viel Zeit zum Geben braucht.

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache in Elternzeit. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

FRÜHSCHICHT FÜR HELDEN

Hauke Hullen kann sich in den ganz wichtigen Familien-Momenten nicht zeigen, weil er sie schlichtweg verpennt.

Hauke: Erstaunlich, was Schlaf alles bewirkt: Das kratzbürstigste Kind erscheint schlummernd plötzlich wie ein Sinnbild für Frieden und Geborgenheit, im Traum wachsen den Schwachen Superkräfte und im Gegenzug sind selbst die Mächtigsten schlafend völlig wehrlos.

Philosophen sehen darin den Grund, warum Menschen sich zu Gesellschaften zusammengeschlossen haben: Wo in einer Anarchie auch der Starke fürchten muss, morgens ohne Kopf aufzuwachen, geben nur gemeinsame Gesetze Sicherheit. Kurz: Die Existenz des Schlafes führt zu festen Regeln.
Bei uns ist es umgekehrt: Ohne feste Regeln würde kein Schlaf existieren. Nur dank mühsam erkämpfter Rituale gehen bei unseren Kindern irgendwann die Augen zu. Doch kaum erscheinen ein Brückentag oder gar Ferien im Kalender, zerstäuben unsere 10- und 12-jährigen Mädchen den Schlafrhythmus. Plötzlich gilt Mitternacht als angemessene Zielmarke, zwei Tage später murren die Mädels, wenn man sie schon vor 1 Uhr ins Bett schickt.

Doch auch hier gilt der Satz: „Es hat keinen Sinn, Kinder zu erziehen, sie machen sowieso alles nach.“ Denn auch Kathi und ich bleiben oft zu lange auf, weil wir entweder so spät erst in Ruhe arbeiten können oder auf der Couch versacken. Oder beides, was eine unheilvolle Kombination ist, weil unsere kleinen Jungs ausgesprochene Frühaufsteher sind. Dann kommt für uns die Stunde der Wahrheit: Wer liebt den anderen wirklich? Wer verlässt um kurz nach 5 die warmen Decken, weil es im Nachbarzimmer schreit und scheppert?

In meiner Jugend hatte ich mir immer gewünscht, der Frau meines Herzens meine Liebe zu zeigen, indem ich sie aus brennenden Häusern rette. Heute weiß ich: Ein Held wird man erst frühmorgens im Kampf gegen volle Windeln und die sich anbahnende Verwüstung des Kinderzimmers.

Leider kann ich meine heroische Seite oft nicht zeigen – ich höre die Kinder schlichtweg nicht! Meine Frau hingegen vernimmt jedes Rascheln und ärgert sich, dass ich nicht stante pede aus dem Bett hüpfe, um nach dem Rechten zu sehen.

Doch kann man für etwas bestraft werden, was man nicht gemacht hat? Für eine Situation, die man gar nicht wahrgenommen hat? Kathi löst das Problem, indem sie mir unsanft die Faust in die Seite bohrt und mich aus dem Bett schiebt.

Wie gut, dass uns unsere kleinen Aufmerksamkeitsterroristen manchmal länger schlafen lassen, nämlich dann, wenn sie nächtens mit wirren Haaren in unser Zimmer getapst sind. In der Besucherritze schlafen sie dann beide in anatomisch höchst bedenklichen Verrenkungen, die dazu führen, dass Kathi und ich an die Bettkanten geklammert stundenlang ums Gleichgewicht kämpfen.

So richtig erholsam ist das nicht. Und so oder so wache ich zur Unzeit morgens auf, weil entweder die Jungs oder Kathi mir Fuß oder Faust zwischen die Rippen stecken.

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/family_hullen_01-scaled.jpg 2000 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-08-01 15:51:182020-07-03 16:02:07Ein Paar, zwei Perspektiven: Schlaf

Jetzt erst recht!

Gerade wenn wir von unseren Kindern enttäuscht sind, sollten wir sie lieben und unterstützen. Von Christine Gehrig

Irgendwie kamen eine Bekannte und ich auf das Thema „Liebe und Unterstützung für unsere großen Kinder“ zu sprechen. „Was auch immer das eigene Kind für einen Mist verzapft – und wenn es im Gefängnis sitzt – es hat ja nur die eine Familie. Wenn die sich abwendet, was soll dann werden? Durch Ablehnung hat sich ja noch nie jemand positiv verändert. Ich finde, gerade in Krisen brauchen unsere Kinder uns erst recht“, vertrat ich meine Ansicht. „Woher weißt du, dass mein Kind im Gefängnis war?“, fragte meine Bekannte. Ich sah sie überrascht an. Nein, davon hatte ich keine Ahnung gehabt. Trotz ihrer Enttäuschung hatte sie sich zu ihrem Kind gestellt. Dessen Leben verläuft heute in ruhigeren Bahnen. Vielleicht gerade wegen der Unterstützung durch die Mutter?

Unlogisch lieben

In der Regel wissen unsere Kinder, was sie falsch gemacht haben. Sie können einen vorwurfsvollen, harten Blick aus einem sorgenzerfurchten Gesicht nur schwer ertragen. Trotz ihrer Fehler oder ihres Versagens wollen sie sich in ihrer Person nicht abgewertet wissen. Ob es der Abbruch der Schule, des Studiums, der Ausbildung ist, das Driften ins Drogenmilieu, das Verharren in zerstörerischen Beziehungen, selbstverletzendes Verhalten, der leichtfertige Umgang mit Suchtmitteln, das Abrutschen in Kriminalität, die Schwangerschaft mit 14 …

Bei aller höchst verständlichen Schockiertheit, Verzweiflung und Wut – bleiben Sie nüchtern und besonnen! Niemals hat Ihr Kind Ihre Unterstützung dringender gebraucht. „Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen“, dieser Satz der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach geht unter die Haut. Machen Sie es wie Gott: Seien Sie völlig unlogisch, lieben Sie trotzdem und jetzt erst recht.

Welten aufeinandergeprallt

Ein Rückblick auf die eigene Jugend kann helfen, die Dinge klarer zu sehen. Tief unter der katastophenträchtigen Kratzbürsthülle hauste ein unsicheres, nach Anerkennung und Bestätigung hungerndes Teenagerwesen. Hinzu kam bei uns eine zeitgeschichtliche Besonderheit: In den 60er, 70er und auch noch in den 80er Jahren sind Welten aufeinander geprallt. Vertreter konservativer Wertvorstellungen und die 68er Bewegung standen einander als völlig unvereinbare, unversöhnliche Fronten gegenüber. Das schlug sich auf die Generationenbeziehungen in den Familien nieder.

Heute haben wir eine Art Baukastensystem – wir können aus allem das Positive herauspicken. Und vor allem: Das abweichlerische Kind gehört nicht mehr automatisch ins Feindeslager. Dennoch kann sein Verhalten als Bedrohung für die eigene, vielleicht mühsam zusammengezimmerte Welt empfunden werden. Alles Fremde macht zunächst Angst.

Herzförmige Brillengläser

Aber: Wenn wir unsere Herzen weit aufmachen, kommt nichts Schlimmes hinein, sondern Gottes Liebe hinaus zu unseren Kindern. „Liebe deckt alle Vergehen zu“ (Sprüche 10, 12). Wenn ich solche und ähnliche Sätze in der Bibel lese, bin ich wieder versöhnt mit Aussagen, die uns Menschen scheinbar klein machen. Diese Aussagen lesen sich wie durch eine richterliche Brille: Der Mensch ist ein zum Destruktiven neigendes Geschöpf und kriegt es einfach nicht richtig auf die Reihe, Eltern und Kinder inklusive.

Diese nüchterne Feststellung darf mal kurz sein – jetzt aber bitte die Brille mit den herzförmigen Gläsern aufsetzen, denn: Alles Strafende, Ablehnende, Verurteilende schafft Brüche, Distanzen und Abgründe in den Beziehungen zu unseren Kindern. Jahre später werden wir uns selbst dankbar sein, wenn wir unser Ding mit der Liebe durchgezogen haben.

Ich weiß von Eltern, deren Kind kaum einen Schlammassel ausließ. Zum Teil rieten Fachleute, das Kind auf Grundeis laufen zu lassen, es völlig abzuschneiden und den Folgen seines Handelns zu überantworten. Ja, Eltern sollen die Verantwortung für sein Handeln beim Kind lassen. Aber genauso ist es ihr Job, die Beziehung zu ihrem Kind niemals abreißen zu lassen. Eine Mutter hörte auf ihren Instinkt. Sie durchlebte Jahre des Hoffens und Bangens, ohne jemals den Kontakt und die offene Tür zu ihrem Kind aufzugeben. Nachdem dieses wieder Land gewonnen hatte, sagte es: „Danke Mama, dass du mich nie aufgegeben hast. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.“

Geduldig, geduldig, geduldig …

Setzen Sie immer wieder neu Ihre Brille mit den herzförmigen Gläsern auf: Welche altersangemessene Zuwendung braucht mein Kind jetzt? Freut es sich besonders über ein nettes Überraschungsgeschenk? Fühlt es sich durch eine bestimmte Unterstützung wertgeschätzt? Wirken anerkennende Worte, Anteilnahme und Verständnis wie Balsam auf seine Seele? Loben Sie im Zweifelsfall auch scheinbar Kleines und Selbstverständliches!
Bloß weil das Kind groß ist, bedeutet das nicht, dass es das alles nicht mehr braucht. Wir selber brauchen es ja auch. Und wenn das (spät)pubertierende Kind gerade sämtliche roten Knöpfe drückt? Was, wenn es mit uns so sehr auf Kriegsfuß steht, dass wir uns für unsere Existenz schon fast schuldig fühlen?

Dann arbeiten Sie als „verdeckter Ermittler“. Zum Beispiel, indem Sie für Ihr Kind und Ihre Beziehung zu ihm beten. Vielleicht fehlt Ihnen angesichts des schweren Wellengangs die Vorstellungskraft, dass es jemals wieder anders werden könnte. Seien Sie geduldig, geduldig, geduldig. Gott hat Vertrauen noch nie unbelohnt gelassen. Es kommen wieder ruhigere Fahrwasser. Kinder mit Besonderheiten in der Biografie sind die besten Lebenslehrmeister. Und: Behalten Sie die Zuversicht, dass Ihre guten, vorgelebten Werte wie Erbgut fest verankert in Ihrem Kind sitzen. Es wird nicht ausbleiben, dass Sie früher oder später etwas davon in irgendeiner Form erleben werden.

Christine Gehrig lebt mit ihrem Mann in Bamberg. Sie hat vier erwachsene Kinder und arbeitet als Nordic-Walking- und Gymnastik-Trainerin und als Lebe-leichter-Coach.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/family_vater.jpg 1414 2119 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-07-30 15:34:282020-07-03 15:47:00Jetzt erst recht!

„Ich liebe einen schwierigen Menschen“

Manche Menschen zerstören durch ihr Verhalten auf Dauer jede nahe Beziehung. Kann man mit ihnen zusammenleben? Von Jörg Berger

Manchmal wird es in einem einzigen Augenblick ganz deutlich: „Was mein Partner tut und sagt, ist nicht normal.“ In diesem Moment bricht ein Damm aus Beschönigungen und Entschuldigungen. Eine Flut schmerzlicher Einsichten spült alte Gewissheiten fort. Die Erkenntnis verändert die gesamte Sicht, und das Leben steht unter Wasser. Dem eigenen Umfeld kann man kaum erklären, was da passiert. Schließlich sind Freunde und Verwandte auch davon ausgegangen, dass alles weitgehend in Ordnung ist. Oder haben sie bereits alles geahnt und nur aus Taktgefühl geschwiegen?

Was bitte ist normal?

Doch wie soll man mit Sicherheit sagen können: „Mein Partner ist schwierig.“ Haben nicht beide ihren Anteil? In etwa 90 Prozent aller Paarbeziehungen ist es auch eine gute Regel, dass sich jeder am besten an die eigene Nase fassen sollte. Doch in etwa zehn Prozent der übrigen Paarbeziehungen führt das nicht weiter. Die Lebensweisheit, dass immer beide schuld sind, verdeckt dann eine schmerzliche Wahrheit, denn es gibt Menschen, die sich in nahen Beziehungen so verhalten, dass mit ihnen ein Zusammenleben konfliktreich und frustrierend ist. Es gibt extreme Verhaltensmuster, die in einer Paarbeziehung schwer erträglich sind. Folgende kommen am häufigsten vor:

Dominanz und Kontrolle. Ein Partner versucht, das gemeinsame Leben weitgehend allein zu bestimmen. Er verwickelt den anderen in zähe Machtkämpfe, wenn dieser mitbestimmen will. Es kommt häufig zu Grenzüberschreitungen: zum Versuch, das zu beeinflussen, was eindeutig in der Entscheidungsfreiheit des anderen liegt. Auch übermäßige Kritik kann ein Mittel von Kontrolle sein.

Verschlossenheit. Ein Partner zieht sich bei Konflikten zurück und verweigert sich emotionaler oder sexueller Nähe. Vielem, was andere Paare gemeinsam tun, entzieht sich der verschlossene Partner ebenfalls.

Verantwortungsflucht. Ein Partner vernachlässigt den Einsatz für das Familieneinkommen, den Haushalt oder die Kindererziehung in schwerwiegender Weise. Er kümmert sich kaum um die eigene Entwicklung und auch nicht um die Paarbeziehung.

Aggression. Ein Partner kann seine Aggression nicht zurückhalten, die sich in lautem Streit, Beleidigungen, Abwertungen, Drohungen, Gewalt oder Racheakten entfesselt.

Sucht. Sie ist ein Sonderfall schwierigen Verhaltens. Ein Suchtmittel wie Alkohol wird zunehmend zum Mittelpunkt des Lebens, und für Partnerschaft und Familie fallen nur noch Reste ab. Hier ist es die Macht der Sucht, die einen Partner schwierig macht, der, abgesehen davon, ein umgänglicher Mensch sein kann.

Ein sicheres Unterscheidungskriterium findet sich außerhalb der Paarbeziehung. Ein schwieriger Partner hat entweder keine nahen Beziehungen außerhalb der Partnerschaft oder es treten ähnliche Probleme wie in der Paarbeziehung auf, sobald Beziehungen näher und verbindlicher werden. Wenn Sie solche Differenzen im Umfeld Ihres Partners feststellen, dann ist die Diagnose eindeutig: „Nicht ich bin schwierig, sondern ich liebe einen schwierigen Menschen.“

Was kann ich tun, damit sich mein Partner ändert?

Partner von schwierigen Menschen suchen meist erst nach leidvollen Jahren eine Seelsorge, Beratung oder Psychotherapie auf. Oft stellen sie eine Frage, auf die es nur eine ernüchternde Antwort gibt. Sie fragen: „Was kann ich tun, damit sich meine Frau/mein Mann anders verhält?“ – „Nichts“, müssen Fachleute dann ehrlich sagen. „Ändern kann sich nur jeder selbst.“ Schwierige Partner sind nicht bereit, in eine Paarberatung oder -therapie zu gehen. Wenn sie dies tun und ernsthaft mitarbeiten, dann stimmt die Einschätzung „schwierig“ nicht, denn dass sie sich nicht korrigieren lassen, ist ein charakteristisches Merkmal schwieriger Menschen. Wenn sich schwierige Partner unverhofft doch selbst in Beratung oder Therapie begeben, ist das eine Chance. Ich kenne jedoch auch Fälle, in denen schwierige Menschen ihre Probleme und Lebenssituation in der Therapie verschleiert haben. Gestärkt von der persönlichen Begleitung leben sie dann ihre unguten Muster umso selbstbewusster aus: „Ich habe gelernt, mich abzugrenzen.“ – „Ich muss auch einmal für mich selbst sorgen.“

Im Zusammenleben mit einem schwierigen Menschen müssen sich betroffene Partner ihrer Ohnmacht stellen: „Selbst wenn ich mich auf der Stelle in eine Heilige/einen Heiligen verwandle, wird das am schwierigen Verhalten meines Partners nichts ändern.“ Als Ausweg öffnen sich drei Wege: eine Trennung als letzte Konsequenz ins Spiel bringen, ein Gleichgewicht aus Unabhängigkeit und Einsatz finden oder die Selbstaufopferung in der Bindung an Gott.

Der erste Weg: Die Trennung als letzte Konsequenz

Für diesen Weg entscheiden sich heute viele, die jahrelang unter einem schwierigen Ehepartner gelitten haben. Sie gehen ihn allerdings zu spät, dann nämlich, wenn sie mit der Beziehung bereits abgeschlossen haben. Es gibt schwierige Menschen, die tatsächlich den Weg der Veränderung suchen, wenn eine Trennung droht. Etliche habe ich in dieser Situation schon begleitet. Aber ihr ernsthaftes Bemühen und ihre Fortschritte nützen manchmal nichts mehr. Sie klopfen wieder beim Partner an. Aber die Tür bleibt verschlossen.

Wenn man dem Partner mit Trennung droht, dann sollte man das früh genug tun, zum Beispiel mit einer Haltung wie dieser: „Ich bin nicht mehr bereit, deine Verschlossenheit zu ertragen. Unser gemeinsames Leben kann man schon längst nicht mehr Ehe nennen. Wenn sich im nächsten halben Jahr nichts ändert, werde ich mich trennen. Zunächst in der Hoffnung auf Änderung, wenn nötig, auch endgültig.“

Ich habe Ethikpapiere unterschiedlicher Kirchen zu diesem Thema studiert. Keines sieht die Ehe als einen Freibrief für einen Partner, sich gehen zu lassen. Keines bindet Menschen in einer bereits gescheiterten Ehe fest. Wenn der veränderungsbereite Partner alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, tragen Kirchengemeinden aller Denominationen einen Weg der Trennung mit. Besonders bei Aggressionsdurchbrüchen, sadistischem Verhalten, schwerer Verantwortungsflucht und Suchtverhalten wird man Mitstreiter finden, die auch helfen, die praktischen Auswirkungen einer Trennung aufzufangen. Vielleicht ist das aber gar nicht nötig, weil dem schwierigen Partner am Ende die Ehe doch wichtiger ist als das Beharren auf seinen Eigenarten, wie auch im folgenden Fall.

Rainer hat sich von der Sexualität zurückgezogen, weil er sich von Leonore kritisiert gefühlt hat. Seit Jahren gibt er kaum noch etwas preis, behält seine Gedanken und Gefühle für sich. Dafür öffnet er sich einer Arbeitskollegin. Rainer gibt sich gar keine Mühe, die Innigkeit mit ihr zu verbergen. Als Leonore nachfragt, räumt er Komplimente, Umarmungen und französische Begrüßungsküsschen ein. „Mir gibt das viel“, sagt Rainer.

Nach einem halben Jahr hat Leonore genug. Sie ist zur Trennung entschlossen, wenn Rainer sich nicht von der Kollegin distanziert. Einige Wochen steht die Zukunft auf der Kippe, dann gibt Rainer nach. Dadurch wird der Alltag auch wieder angenehmer. Leonore und Rainer kommen besser ins Gespräch, die Unternehmungen als Familie machen wieder Freude.

Der zweite Weg: Einsatz bringen und sich unabhängig machen

Es gibt Partner von schwierigen Menschen, die für sich einen zweiten Weg entdeckt haben: Sie investieren in ihre Ehe und grenzen sich gleichzeitig ab, wo es nötig ist. Man kann ihre Ehe in drei verschiedene Bereiche unterteilen: Den ersten Lebensbereich, in dem es trotz allem schön ist, können sie genießen und ausbauen. Dann gibt es einen zweiten Bereich, der nur dann gut läuft, wenn einer einseitig investiert, zum Beispiel einseitig Gelegenheiten zu Nähe sucht und nutzt. Solche Beziehungsbereiche können dann schön und befriedigend sein, wenn man die Einseitigkeit akzeptiert und sich nicht daran aufreibt, dass vom anderen nichts zurückkommt. Drittens gibt es die Beziehungsbereiche, die auch dann nicht schön werden, wenn einer einseitig investiert, weil der andere Partner hier zu stark blockiert. In diesen Bereichen kann man sich unabhängig machen.

Wenn ein Partner zum Beispiel nicht reden will, wird der andere seine Freundschaften vertiefen und dafür auch Zeit einsetzen, die andere mit ihrem Partner verbringen. Das kann man so vertreten: „Eigentlich hätte ich lieber mit dir mehr vertrautes Gespräch. Wenn das aber nicht möglich ist, verbringe ich diese Zeit lieber mit Freunden.“ In einer anderen Situation kann Unabhängigkeit so klingen: „Du drohst mir und beleidigst mich gerade. Wenn du das tust, brauche ich Abstand. Ich werde die Zeit bis zum Wochenende mit den Kindern bei meinen Eltern verbringen.“ Akzeptanz und Loslassen sind hier die Schlüssel, die eine glückliche Ehe ermöglichen, auch wenn im Vergleich zu anderen Ehen vielleicht Wichtiges fehlt.

Leonore steht vor einer weiteren Entscheidung. Wie stellt sie sich zu Rainers sexueller Verweigerung? Eine Paarberatung lehnt er ab, und tiefer gehende Gespräche sind nur alle paar Monate möglich, wenn Rainer einmal sehr gelöst ist. Soll sie noch mal alles aufs Spiel setzen, um ihren Mann hier in Bewegung zu bringen? „Nein“, entscheidet Leonore, „auf keinen Fall, solange die Kinder uns als Eltern brauchen.“ Stattdessen entschließt sie sich zu Unabhängigkeit. Sie öffnet sich gegenüber ihren besten Freundinnen: „In manchem habe ich es sehr gut mit Rainer, aber als Frau muss ich mit unerfüllten Bedürfnissen leben.“ Es tut gut, sich nicht mehr verstecken zu müssen. Außerdem entschließt sich Leonore zu einer anspruchsvollen Fortbildung. Rainer meckert manchmal, weil sie nun viel außer Haus ist und sich oft zum Lernen zurückzieht. Rainer scheint jedoch zu ahnen, dass sie hier eine Erfüllung sucht, die ihr mit ihm fehlt. Letztlich unterstützt er sie bei ihrer Fortbildung.

Der dritte Weg: Eine selbstaufopfernde Liebe

Wenn ich mit Betroffenen nach Wegen suche, stelle ich auch diesen dritten Weg vor. Es ist ein spiritueller Weg, den zum Beispiel Menschen in der Nachkriegsgeneration gegangen sind. Hier sind mir einige Beispiele bekannt. Betroffene haben in einer schwierigen Ehesituation alle Wünsche losgelassen: nach Sicherheit, nach emotionaler und intimer Erfüllung, nach Wertschätzung und Respekt. Stattdessen haben sie sich entschlossen, ihrem Partner zu dienen und ihn zu lieben, ganz gleich, wie sich dieser verhält. Dies ist keine erotische Liebe mehr, sondern eine Nächstenliebe oder sogar Feindesliebe. Das geht freilich nur, wenn Betroffene ihre Bedürfnisse in eine tiefe Gottesbeziehung einbringen wie es Menschen tun, die im Zölibat leben. (Die Nachkriegsgeneration ist auch die letzte, die in größerer Zahl zu einem zölibatären Leben befähigt war.) Ein solcher Weg entspannt eine schwierige Beziehung oft. Mit den Jahren bessern sich schwierige Partner angesichts einer überraschenden und bedingungslosen Liebe.

Dieses Happy End fand die Beziehungsgeschichte von Marga und Heinz-Dieter. Sie blieben kinderlos und dies auch wegen Margas Alkoholproblem. Nüchtern war Marga über viele Ehejahre kaum zu ertragen. Sie war nervös und selbstbezogen. Die meiste Hausarbeit fiel Heinz-Dieter zu, Marga fehlte im Umgang mit ihm jedes Taktgefühl und jede Bereitschaft, seine Bedürfnisse wahrzunehmen. War es Bequemlichkeit oder sein Wachstum im Glauben, die Heinz-Dieter bei Marga hielten? Es war wohl beides. Mit der Entschlossenheit eines Liebenden verschlang Hans- Dieter geistliche Literatur, besuchte Exerzitien und brachte sich ins kirchliche Leben ein. Er gewann dort die Liebe, Ruhe und Großzügigkeit, die er zuhause verschenkte. Als Marga wegen des Trinkens ihren Job verlor, zwang sie das in eine Therapie. Marga reifte über die Jahre. Weil Hans- Dieter sie nicht verurteilte, konnte sich Marga für die Tatsache öffnen, dass sie ihrem Mann manches schuldig blieb. Sie lernte, fürsorglicher und aufmerksamer zu sein, was ihr je nach Tagesform manchmal besser, manchmal schlechter gelang. Rainer brachte die Entwicklung so auf den Punkt: „Eigentlich führen wir eine recht glückliche Ehe.“

Einen Weg aus Überzeugung gehen

Das Zusammenleben mit einem schwierigen Partner zieht Betroffene in einen Strudel der unterschiedlichsten Gefühle. Daher wechseln sie häufig ihre Strategie: Selbstaufopferung schlägt in eine Trennungsdrohung um, dem folgen Beschönigungen und dem wiederum der Versuch, dem Partner ins Gewissen zu reden. Diese wechselnden Verhaltensweisen heben nicht nur ihre Wirkung gegenseitig auf, sie erzeugen auch eine Verwirrung darüber, wo die Probleme liegen und wie es um die Paarbeziehung steht.

Deshalb sollte man sich nach reiflicher Überlegung für einen Weg entscheiden und diesen konsequent durchhalten. Nur dann helfen die genannten Strategien. Wer in der Beziehung den Halt verliert, muss ihn bei seinen tiefsten Überzeugungen finden. Wem das gelingt, der reift als Persönlichkeit und im Glauben enorm. Wenn ein schwieriger Partner dann doch zu einer Veränderung aufbricht, findet sich ein Glück in ungeahnter Tiefe.

 

Wenn Sie einen schwierigen Menschen lieben …

Es gibt Menschen, deren Charakter das Eheleben fast unerträglich macht. Ihre Partner sollten Folgendes beachten:

  • Suchen Sie die Schuld dafür, dass es nicht gelingt, echte Nähe zu Ihrem Partner herzustellen, nicht bei sich.
  • Schwierige Menschen lassen sich nicht ändern. Auch Sie können das nicht.
  • Investieren Sie in Bereiche, in denen Sie mehr Erfüllung finden als in Ihrer Ehe, zum Beispiel in Freundschaften, in die Karriere oder in Ihr geistliches Leben.
  • Suchen Sie nach einer Strategie, die für Sie funktioniert – drei mögliche Wege werden im Artikel beschrieben – und halten Sie mit großer Überzeugung daran fest. Ein ständiger Strategiewechsel wird Ihre Situation verschlimmern.

Jörg Berger ist Psychotherapeut in eigener Praxis. Er lebt mit seiner Familie in Heidelberg.

Zum Weiterlesen: Jörg Berger: „Stachlige Persönlichkeiten – Wie Sie schwierige Menschen entwaffnen“ Francke Verlag, Marburg.

Dieser Artikel ist erschienen in Family 1/16. Ein neuer Folgeartikel ist zu finden in der Ausgabe 5/20 von Family und FamilyNEXT.

Zur Vertiefung: Unter www.derherzenskompass.de/schwereliebe finden Sie einen Kurs des Autors zum Thema „Ich liebe einen schwierigen Menschen.“

 
https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/jde_schwierig.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-07-29 15:05:052020-09-24 08:42:58„Ich liebe einen schwierigen Menschen“

Als Letzte gewählt

„Meine Tochter (9) erzählt, dass ihre Mitschüler sie beim Sportunterricht ungern oder als Letzte in ihre Mannschaft wählen. Mir ging es früher ähnlich. Ich finde es schade, dass es solche Mannschaftswahlen heute immer noch gibt. Wie kann ich ihr helfen? Ist es ratsam, sich einzuschalten?“

Im Sportunterricht sollte der Fokus darauf liegen, dass Kinder Spaß an Bewegung bekommen und im Rahmen von Mannschaftssportarten Fairness und Miteinander lernen. Das, was Ihre Tochter erleben muss, trägt weder zum einen noch zum anderen bei. Daher kann ich Ihren Unmut gut verstehen.

Ich finde es sinnvoll, dass Sie sich zugunsten Ihrer Tochter einschalten. Ich habe in solchen Fällen die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, nicht beim Aufzeigen eines Problems stehenzubleiben, sondern mit konkreten Vorschlägen an die Lehrkräfte heranzutreten. Sie könnten anregen, dass ein anderes Verfahren der Mannschaftswahl angewendet oder der generelle Umgang mit Stärken und Schwächen innerhalb der Klassengemeinschaft thematisiert wird, beispielsweise im Klassenrat. Diese Fragen sollten in der Klasse zunächst weg von den persönlichen Erfahrungen ihrer Tochter diskutiert werden. Die Klassenleitung könnte beispielsweise eine thematisch passende Geschichte vorlesen und mit den Schülern besprechen. An dieser Stelle kann Ihre Tochter dann selbst entscheiden, ob sie darüber sprechen möchte oder nicht.

Gefühle nicht übertragen

Sprechen Sie auch mit Ihrer Tochter darüber, wieso sie diese Einwahlsituation stört, was sie dabei fühlt und was sie sich wünschen würde. Nehmen Sie ihre Gefühle wahr, aber interpretieren Sie nicht mehr in die Situation hinein, als Ihre Tochter Ihnen berichtet. Aus Ihrer Frage lese ich heraus, dass diese Situation auch alte Gefühle in Ihnen auslöst. Unterscheiden Sie zwischen Ihren Gefühlen und denen Ihrer Tochter und sprechen Sie gegebenenfalls auch über Ihren eigenen Schmerz – mit Ihrem Partner, Freunden oder Menschen, bei denen Sie sich gut aufgehoben fühlen. Das Reden über eigene negative Kindheitserlebnisse hilft, beim Begleiten der Kinder im Modus des Erwachsenen zu bleiben und sachlich und besonnen Unterstützung zu leisten.

Spaß an Bewegung

An Tagen, an denen Ihre Tochter enttäuscht über die Erfahrungen in der Schule ist, können Sie ihr dabei helfen, sich ihre eigenen Stärken wieder bewusst zu machen. Planen Sie an solchen Tagen Aktivitäten ein, bei denen Ihr Kind mit Sicherheit Erfolgserlebnisse haben wird: kreative Beschäftigung, Spiele oder Bewegungsangebote. Gerade nach Letzterem sollten Sie sogar aktiv suchen: Freude an Bewegung ist für unsere Kinder wichtig – nicht nur aus gesundheitlicher Perspektive.

Wenn der Sportunterricht in der Schule droht, das Gegenteil auszulösen, sollten Sie gegensteuern. Das muss nicht mal ein „klassischer“ Vereinssport sein. Vielleicht liebt Ihr Kind es, mit Ihnen im Wald zu spielen oder auf der Straße Springseil zu springen. Hauptsache, es verbindet Bewegung nicht nur mit Frust und Demütigung.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin, lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel und bloggt unter www.eltern-familie.de.
Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/family_sport_01.jpg 1356 2034 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-07-25 16:04:582025-09-03 14:12:03Als Letzte gewählt

Leider ist es vorbei …

Wenn die Lockerungen der Corona-Einschränkungen ein Vermissen auslösen

„Sag mal, ist das immer noch dein Corona-Ansatz?“, fragt mich meine Freundin und zeigt auf meinen dunkel schimmernden Haaransatz. Viele Frauen, die ihre Haare färben, haben in der Zeit des Covid-19-Lockdowns besonders darunter „gelitten“, dass die äußeren Möglichkeiten zur Pflege eingeschränkt waren. Lächelnd musste ich in den sozialen Medien von den Dramen lesen, die Stars und Sternchen wegen ihres nachwachsenden Haaransatzes durchleiden mussten. Und ich gehöre tatsächlich dazu. Meine blond gesträhnten feinen Haare wurden zu einer Art persönlichem Tagebuch: Je länger die Herausforderung uns alle beschäftigte, desto dunkler wurde mein Ansatz.

Als meine Freundin auf meinen Scheitel deutete, wurde mir bewusst: Ich komme nicht dazu, mich wieder in den normaler anmutenden Alltag einzufügen. Ich habe Wochen und Monate damit gerungen, dass mein Leben sich durch Einschränkungen und familiäre Kraftakte verändert – und nun trauere ich um meine Corona-Rituale? Es ist, als möchte ich mit diesem Ansatz festhalten, dass ich einen neuen Rhythmus gefunden habe.

Ich habe zum Beispiel viel bewusster gelesen, viel bewusster geschlafen und bin viel bewusster in den Tag gestartet: manchmal schon sehr früh. Wir haben als Familie mehr gespielt, den Sonntag zusammen mit einem Ausflug gestaltet, uns zu Mahlzeiten verabredet, damit der Tag nicht ganz strukturlos wird. Immer mehr gewann ich meine kleinen neuen Rituale sehr lieb.

Und nun: Ich kann und muss wieder zum Frisör, ich könnte in die Stadt zum Eiscafé schlendern und sogar Freunde treffen. Ja, nun habe ich wieder Termine. Und das fordert mich sehr. Ich suche nach Entschuldigungen, warum mein Haupthaar so verwahrlost ist, und erinnere mich auf einmal an das Volk Israel, von dem die Bibel berichtet. Erst brauchte ich ganz viel Nähe und Unterstützung und Gottes väterlichen Rat, um mich auf diesen Lockdown einzulassen und meinen eigenen Rhythmus zu finden. Und nun: Während die Welt wieder bummeln geht, jammere ich wie das Volk Israel. Nach einer schweren Zeit in Ägypten stapfen sie durch die Wüste und wollen zurück. Zurück, weil sie sich an die positiven Seiten in der Sklaverei erinnern. Während ich mir durch meine nicht geschnittenen Haare fahre, wird mir plötzlich bewusst: Ich kann es auch heute schaffen. Ich kann es heute mit Gottes Unterstützung wieder schaffen, mich in meinen Alltag einzufinden.

Gute Rituale kann ich wie kostbare Errungenschaften im neuen Heute einbetten und selbst bestimmen, was mich antreibt und meine Zeit ausfüllt. Ich bin nicht überfordert mit einer Krise. Ich brauche einfach einen inneren Schritt in meinem Tempo. Ich bin in das ungewohnte Zuhausebleiben gegangen und werde diesen Schritt mit Gott zusammen auch wieder in meinen Alltag schaffen. Ja, und ganz sicher auch zum Frisör.

Stefanie Diekmann, Gemeindereferentin

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/martin-dm_GettyImages-1096591210.jpg 1414 2120 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2020-07-23 10:44:312020-07-23 10:44:31Leider ist es vorbei …

Internetexpertin informiert: Diesen Einfluss können Influencer auf Jugendliche haben

Influencer sind die neuen Stars, sagt Klicksafe-Referentin Nadine Eikenbusch. Doch manche von ihnen können einen negativen Einfluss auf Kinder haben.

Warum sind Influencer so erfolgreich bei Jugendlichen?

Nadine Eikenbusch: Influencer sind Vorbilder und Stars. Im Gegensatz zu Idolen, die wir früher hatten, sind sie, obwohl sie so bekannt sind, viel nahbarer und greifbarer, fast wie Freunde. Man kann ihnen rund um die Uhr dabei zusehen, was sie machen. Man kann sogar Kontakt zu ihnen aufnehmen, sie liken oder Kommentare schreiben.

Allerdings antwortet kaum einer darauf …

Ja, man kann praktisch keine Rückfragen stellen oder gar diskutieren, wenn man mal anderer Meinung ist. Und das ist das Problem: Influencer besitzen ein Meinungsmonopol. Weil sie so beliebt sind, kommen viele Teenager vermutlich auch gar nicht erst auf die Idee, das, was sie sagen, zu hinterfragen. Das wird schwierig, wenn es um Meinungsbildung oder Schönheitsideale geht. Weibliche Influencer zum Beispiel sind häufig leicht bekleidet, haben lange Haare, sind super durchtrainiert und schlank – das spricht junge Mädchen an. Preisen sie dann noch irgendwelche Beautyprodukte an, werden diese häufig nachgekauft, im Glauben, der Influencerin so näher zu sein oder genau so schön und beliebt zu werden wie sie.

Auf Veränderungen achten

Wann sollten sich Eltern Sorgen machen?

Wenn sie merken, dass das Kind sich verändert, es zum Beispiel vorher lebenslustig war, anstandslos gegessen hat und nun depressiv wirkt oder stark auf die Ernährung achtet, weil es abnehmen will. Wenn das Taschengeld ständig für Beautyprodukte oder Klamotten draufgeht oder wenn Meinungen angenommen werden, die extrem sind und früher nicht präsent waren. Und natürlich, wenn zu viel Zeit mit dem Influencer verbracht wird.

Wie können Eltern eingreifen?

Es ist wichtig, dass man es nicht von oben herab macht, sondern das Kind in die Expertenrolle setzt, es fragt, welchen Influencern es folgt und warum es sie toll findet, also wirkliches Interesse zeigt. Fragen Sie, was für Gefühle die vielen Posts auslösen: Machen sie glücklich oder eher unzufrieden? Influencer sollten einem ein gutes und kein schlechtes Gefühl vermitteln. Reflektieren Sie auch zusammen über Influencer-Marketing: Influencer präsentieren nicht deshalb ständig Produkte, weil sie sie toll finden, sondern weil sie Markenkooperationen haben und Geld dafür bekommen. Es ist bestimmt auch nicht immer alles cool als Influencer: Es steckt viel Arbeit dahinter. Sie müssen immer präsent sein, viel von sich zeigen und haben gar keine Intimsphäre.

Body Positivity als Thema

Gibt es auch gute Beispiele?

Es gibt viele Influencer, die sich politisch stark machen und zwar in eine gute Richtung: „Fridays For Future“ und die ganze Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsthematik beispielsweise werden stark von Influencern angetrieben. Viele setzen sich auch für Body Positivity ein, also dafür, dass es okay ist, wenn der Körper nicht perfekt ist. Auch andere Themen, wie Mobbing oder Mental Health werden thematisiert. Das kann hilfreich für Jugendliche sein, die sich in einer Problemsituation befinden.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/family_influencer-scaled.jpg 1688 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-07-21 15:15:472020-09-11 13:32:07Internetexpertin informiert: Diesen Einfluss können Influencer auf Jugendliche haben

Angst vor dem Tod

„Vergangenes Jahr ist die Mutter der Freundin unserer Tochter (16) an Krebs gestorben. Seitdem hat unsere Tochter große Angst, dass entweder sie oder wir an Krebs erkranken und sterben. Wie können wir ihr helfen, einen Umgang mit dieser Angst zu finden?“

Es ist wunderbar, dass Sie Ihre Tochter so aufmerksam im Blick haben und dass Sie mit ihr im Gespräch sind. Die gemeinsame Verarbeitung von Trauer kann als positive, gemeinsam erlebte Zeit wahrgenommen und abgespeichert werden.

Verlässliche Beziehungen

Einen Trauerfall in einer befreundeten Familie oder in nahen Beziehungen mitzuerleben, ist sehr schwer auszuhalten und kann eine junge Frau überfordern. Dass wir endlich sind, ist eine Wahrheit, die Heranwachsende verständlicherweise weniger vor Augen haben. Vielmehr sind lebensfrohe Gedanken, wie das Leben zu genießen und Freude zu erleben, stärker vorhanden – und das ist auch gut so.

Sie können Ihrer Tochter helfen – wenn auch mit 16 Jahren sehr früh –, in die erwachsene Realität zu kommen. Es ist realistisch, dass tragische Ereignisse wie Krankheit und Tod in unser Leben treten. Trauernde Kinder und Jugendliche brauchen in erster Linie verlässliche und tragfähige Beziehungen zu für sie bedeutungsvollen Erwachsenen. Gehen Sie als Eltern offen und ehrlich mit eigenen Verlusterfahrungen um. Diese Offenheit und eigene Bewältigungsstrategien können Ihrer Tochter helfen. Vielleicht gibt es noch weitere Menschen in Ihrem Umfeld, mit denen Ihre Tochter über ihre Sorgen sprechen kann. Möglicherweise können auch diese Bezugspersonen auf Erfahrungen zurückgreifen, in denen sie mit Verlust umgehen lernen mussten.

Im „Hier und Jetzt“ leben

Gerade in der Zeit, in der Endlichkeit spürbar ist, ist es aber auch wichtig, sich der persönlichen Realität bewusst zu werden. Diese heißt: Im Moment haben wir uns noch. Es gibt keinen Anlass für Schreckensfantasien in unserer Familie, und es ist keine lebensbedrohliche Erkrankung vorhanden. Wenn es Ihnen gelingt, Ruhe und Zuversicht auszustrahlen, geben Sie Ihrer Tochter Sicherheit. Erinnern Sie sie daran, bewusst im „Hier und Jetzt“ zu sein. Das bedeutet: Ohne schlechtes Gewissen die Dinge zu genießen, die sie hat; bei ihrer eigenen Familiensituation zu bleiben; sich vor Augen zu führen, an was sie sich erfreuen kann. Dadurch lernt sie, ihre Aufmerksamkeit wieder auf die schönen Dinge zu lenken und sich daran zu freuen. Ermutigen Sie sie, sich mit Freunden zu treffen, auszugehen und sich durch Orte oder Zeiten der Entspannung „Freiräume“ ohne Angst und Sorgen zu schaffen – wenn auch anfangs nur für ein paar Stunden.

Darüber hinaus kann es für Ihre Tochter hilfreich sein, Tagebuch zu schreiben, Gedichte zu verfassen, Musik zu hören, selbst zu musizieren oder Internetforen nach Umgangsstrategien zu durchforsten. Vielleicht ist für Sie als Familie auch die Ressource des Glaubens vorhanden und kann hilfreich in Anspruch genommen werden durch Gebet, Lobpreislieder oder biblischen Zuspruch. Für den Fall, dass diese Strategien nicht greifen, ermutigen Sie Ihre Tochter, sich an eine Beratungsstelle zu wenden, in der geschulte Gesprächspartner sie im Prozess der Trauerbewältigung unterstützen können.

Sandra Schreiber ist Beraterin und systemischer Elterncoach in der christlichen Beratungsstelle „LebensRaum Gießen“.
Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/family_tod_01.jpg 1524 2286 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-07-20 15:38:212020-07-02 15:46:54Angst vor dem Tod

Ab diesem Alter sollten Eltern eingreifen, wenn ihr Kind lügt

Wenn Kinder nicht die Wahrheit sagen, ist das für Eltern nicht direkt ein Grund zur Sorge. Denn bis zu einem bestimmten Alter ist das ganz normal.

„Meine Tochter (5) sagt häufig Dinge, die nicht stimmen. Warum tut sie das? Und wann sollte ich eingreifen und sie darauf hinweisen, dass es falsch ist zu lügen?“

Wie groß ist die Freude bei Eltern über das erste Wort, die ersten Sätze und die ersten Geschichten, die ihr Kind erzählt. Doch wenn es irgendwann anfängt, an unwahren Erzählungen festzuhalten, sind sie irritiert, wenn nicht sogar erschrocken. Schnell fallen Eltern dann Sprüche wie „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, „Lügen habe kurze Beine“ oder das biblische Gebot „Du sollst nicht lügen“ ein. Doch sind die Fantasie-Erzählungen der Kinder wirklich Lügen, die man dem Kind ausreden, verbieten oder die man gar bestrafen sollte?

Nicht jede „Lüge“ ist eine Lüge

Lügen bedeutet, bewusst und vorsätzlich die Unwahrheit zu sagen, um daraus einen Vorteil zu ziehen. Was Kinder im Alter bis etwa sieben Jahre als verfälschte Realität äußern, ist jedoch selten wirklich eine Lüge. Bis etwa zur Einschulung befinden sie sich auf der Entwicklungsstufe des „magischen Denkens“. In dieser Stufe wird oft Traum und Wirklichkeit, Fantasie und Wahrheit vertauscht. Kinder können noch schwer unterscheiden zwischen dem, was sie in der Wirklichkeit sehen und hören, und dem, was sie sich darunter vorstellen und sich dazu ausdenken.

Filmhelden sind Wirklichkeit

Sie erfinden Geschichten und erleben Tagträume als echt. Figuren in Bilderbüchern und Filmen existieren für sie in der Wirklichkeit, und so manche Geschichte wird in der Kinderfantasie noch weiter ausgeschmückt und in die Realität geholt. Das zeigt übrigens auch, welch große Verantwortung Eltern gerade in dieser Zeit für die Medienauswahl ihrer Kinder haben. Auch das Zeitgefühl ist in diesem Alter noch nicht ausgeprägt, sodass Kinder Erlebnisse durcheinanderbringen oder ausschmücken.

Veränderung ab acht Jahren

Mit zunehmendem Alter fangen Kinder an, realitätsbezogen und sachlich logisch zu denken und sich auch dementsprechend zu äußern. Ungefähr ab dem achten Lebensjahr wird Ihr Kind zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Vorstellung und Wahrnehmung unterscheiden können. Dann braucht es durchaus Hinweise und Ermahnungen, wenn es die Unwahrheit erzählt. Um sich mit seiner Umwelt erfolgreich auseinanderzusetzen, muss ein Kind mit der Zeit also lernen, diese so wahrzunehmen, wie sie in Wirklichkeit ist, und nicht so, wie es sie für sich haben möchte.

Atmosphäre der Ehrlichkeit

Die wichtigste Lernhilfe sind dabei die Eltern. Von klein auf orientieren sich Kinder an ihrem Vorbild. Deshalb versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können. Seien Sie ehrlich und offen zu Ihrem Kind und anderen Familienmitgliedern. Beantworten Sie Fragen Ihres Kindes wahrheitsgemäß. Spielen Sie eigene Notlügen nicht herunter. Entschuldigen Sie sich im Beisein des Kindes für Lügen. Sprechen Sie mit dem Kind über die negativen Auswirkungen von Lügen. Greifen Sie ein, wenn Ihr Kind vorsätzlich um des eigenen Vorteils willen lügt.

Wenn Ihr Kind in einer Atmosphäre der Offenheit und Ehrlichkeit aufwächst, wird es auch nach der Phase des magischen Denkens offen und ehrlich sein und lernen, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden.

Margrit Dietze ist Erzieherin und Autorin für pädagogische Bücher und Artikel, Kinderlieder und Musicals.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/family_pinocchio-scaled.jpg 2000 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-07-16 15:47:082020-07-16 15:47:39Ab diesem Alter sollten Eltern eingreifen, wenn ihr Kind lügt

Beherzt über die Lücke springen

Sandra Geissler hat begriffen, dass man nicht alles wissen und planen kann. Sie plädiert daher für den Mut zur Lücke.

Meine liebe Freundin B. zeigte mir vor einigen Jahren bei der Führung durch ihr neues Haus alle Räume. Ich bestaunte gebührend das neue Daheim, aber der Keller raubte mir die Sprache. Er beherbergt eine Art Minimarkt: Duschgel-Flaschen fein säuberlich aufgereiht neben Pesto-Gläsern und Tomatenmark, Stapel von Toilettenpapier und Zahnpastatuben neben Nudeln aller Art, Olivenölflaschen und Müslipackungen.

„Ich bin eben gern auf alles vorbereitet,“ meinte sie lapidar auf mein entgeistertes Gesicht. B. hat die Dinge gern im Griff, berücksichtigt in ihrer Tages-, Wochen- und Lebensplanung möglichst viele Wahrscheinlichkeiten und hasst nichts mehr als Überraschungen. Kaum etwas macht ihr mehr Angst als die Lücke. Auch meine liebe Freundin P. ist in ständiger Habachtstellung vor der Lücke. Und deshalb verbringt sie unheimlich viel Lebenszeit mit dem Warten auf den richtigen Zeitpunkt, auf das perfekte Angebot, die ultimative Lösung. Aus diesem Grund hat sie kein zweites Kind bekommen, wechselt sie die ungeliebte Arbeitsstelle nicht und schafft es selten, einen Urlaub zu buchen und nicht nur gedanklich zu planen.

Gesundes Zwei-Drittel-Wissen

Obwohl sonst nicht unter den Mutigen zu Hause, unterscheide ich mich in dieser Hinsicht grundlegend von meinen beiden Freundinnen. Mein Herz schlägt für die Lücke. Schon sehr früh in meinem Leben habe ich begriffen, dass man nie alles wissen, planen, absichern kann. Als Folge habe ich mir eine Haltung angewöhnt, die ich mir seither behalten habe. In den meisten Situationen denke ich: „Wird schon schiefgehen, mit Gottes Hilfe und gesundem Zwei-Drittel-Wissen.“

So habe ich meine erste Arbeitsstelle angetreten, mit Neugier und Wissensdurst, aber mit Lücken. Nur so konnten wir fünf Kinder bekommen, Arbeitsstellen wechseln, ein Haus kaufen und in fragwürdige Urlaubsquartiere reisen. Wir sind die Familie, die bei einer Wanderung über die Allwetterausrüstung der anderen staunt, über Trekkingschuhe und Trinkschläuche, die aus Rucksäcken hängen. Müsste ich solch eine Ausrüstung für die ganze Familie besorgen, dann würden wir nie loslaufen.

Es ist erleichternd zu begreifen und anzunehmen, dass wir nicht allen Unwägbarkeiten des Lebens aus dem Weg gehen können. Ich kann nur mein Bestes geben und all meinen Mut zusammensammeln. Bisher war mein Gewinn immer größer als mein Verlust, hat sich der beherzte Sprung über die Lücke gelohnt, auch wenn die Landung etwas rumpelig war. Ich rede nicht von Leichtsinn, nicht von Verantwortungslosigkeit. Ich rede vom Mut, beherzt über die Lücke zu springen, von Gottvertrauen und Lebenslust. Auch wenn nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen, wenn du nicht genau weißt, ob alles klappen wird, wenn du nicht bis auf den Grund der Lücke schauen kannst.

Die Lücke als Geschenk erleben

Wäre es nicht schade, wenn wir hinter unseren Möglichkeiten, Bestimmungen und Berufungen zurückblieben – aus Angst vor der Lücke? Mir kommt eine Szene aus Ronja Räubertochter in den Sinn: Ronja und Birk stehen sich gegenüber, zwischen ihnen die tiefe Wolfsklamm, eine von allen gefürchtete Lücke. Die beiden Kinder fassen sich ein Herz und springen. Dabei entdecken sie die Freundschaft zueinander und eine neue Lebenswelt auf der jeweils anderen Seite.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitzen wir in Quarantäne. Das Coronavirus hat uns hinter verschlossene Türen verbannt. Unser Vorratskeller ist nicht prall gefüllt, schon gar nicht für zwei Wochen. Diese Lücke war im ersten Moment erschreckend, erweist sich aber immer mehr auch als Geschenk. Wir erfahren viel Hilfsbereitschaft, finden morgens frische Brötchen vor der Haustür, und Freunde kaufen für uns ein. Wir tun unsere zwei Drittel und vertrauen immer darauf, dass Gott uns über die Lücke trägt.

Sandra Geissler ist katholische Diplomtheologin und zurzeit Familienfrau. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Nierstein am Rhein und bloggt unter 7geisslein.com.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/07/family_luecke.jpg 1440 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-07-15 15:19:242020-07-02 15:25:54Beherzt über die Lücke springen
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