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Archiv für die Kategorie: Redaktions-Blog

Adventszeit – Lesezeit

Was gibt es Gemütlicheres als eine gemütliche Lesestunde im Advent? Mit Keksen, Kerzen, Kuscheldecke und guten Büchern? Euch fehlen noch die Bücher? Vielleicht sind diese Tipps ja passend für euch:

 

Bilderbücher

„Kleiner Stern ganz groß“ ist vor zehn Jahren erschienen und hat nichts von seinem Reiz verloren. Ausgerechnet der unscheinbare kleine Stern erhält einen wichtigen Auftrag. Er soll drei Sterndeutern den Weg weisen. Eine Weihnachtsgeschichte, die Kindern Mut macht – wunderschön illustriert von Nina Dulleck. Für Kinder ab 4 Jahren.

https://www.scm-shop.de/kleiner-stern-ganz-gross.html

 

In „Malte und das schönste Geschenk der Welt“ geht es um den Sinn des Schenkens. Malte möchte seiner Mama ein Geschenk kaufen. Er besitzt aber nur 47 Cent. Dafür bekommt er kein schönes Geschenk. Oder vielleicht doch? Für Kinder ab 3 Jahren wird hier ganz alltagsnah der Sinn von Weihnachten erklärt.

https://www.scm-shop.de/malte-und-das-schoenste-geschenk-der-welt.html

 

Adventskalender-Bücher

„Wie lange noch bis Weihnachten?“ enthält 24 Geschichten von Niko, der alles über Weihnachten wissen will. Sein Opa erklärt ihm verschiedene Weihnachtsbräuche, außerdem erhält Niko geheimnisvolle Briefe, in denen seine Fragen beantwortet werden. Ideal für die abendliche Vorlesezeit mit Kindern zwischen 6 und 8 Jahren.

https://www.scm-shop.de/wie-lange-noch-bis-weihnachten.html

 

„Das Geheimnis der Weihnachtskugel“ erzählt in 24 Kapiteln von den Abenteuern der Kinder einer Dorfschule. Sie versuchen, eine gestohlene Halskette zu finden. Und was hat es bloß mit dieser Weihnachtskugel auf sich? Für Kinder zwischen 4 und 8 Jahren.

https://www.scm-shop.de/das-geheimnis-der-weihnachtskugel.html

 

In „Flucht aus dem Adventskalender“ machen sich die Schokoladenstückchen von Florians Adventskalender selbstständig. Dabei hat Florian schon genug Sorgen. Wie bekommt er seinen Fußball zurück, der beim Nachbarn gelandet ist? Und was ist mit dem geheimnisvollen Mädchen am Fenster? Besonders toll: Die Seiten müssen jeden Tag erst aufgeschnitten werden, um die Geschichte weiterlesen zu können. Für Kinder ab 8.

Dazu passend gibt es eine Hörspiel-CD und ein Krippenspiel, das kostenlos heruntergeladen werden kann.

http://shop.bibellesebund.de/startseite-deutschland/flucht-aus-dem-adventskalender.html

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/11/Choreograph_ThinkstockPhotos-617874382.jpg 1415 2120 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-11-24 13:45:402016-11-24 13:45:40Adventszeit – Lesezeit

„Kinder müssen ermutigt werden, die Familie zu verlassen“

In Family und nun besonders in FamilyNEXT beschäftigen wir uns regelmäßig mit dem Thema „Ablösung“. Für viele Eltern ein schwieriger Prozess, der sie ihr ganzes Elternsein begleitet: vom Abstillen über den ersten Tag im Kindergarten bis zum Auszug aus dem Elternhaus gibt es viele kleine und große Abschiede. Oder andersherum: Viele Schritte des Kindes in Richtung Selbstständigkeit. Das fordert Eltern einiges ab.

Der Soziologe Dirk Baecker spricht in diesem Zusammenhang von einer Paradoxie: „Die Familie muss ihre Kinder unglücklich genug machen, um die Familie verlassen zu wollen, und glücklich genug, um selbst eine Familie gründen zu wollen.“ Im Interview mit dem Philosophie Magazin, das sein Dossier der aktuellen Ausgabe dem Thema „Die Familie – Zuflucht oder Zumutung?“ widmet, erläutert Baecker die komplexen Herausforderungen, denen sich Eltern gegenüber sehen:

„Familie ist ja zunächst nichts anderes als Sorge für den Nachwuchs. Dieser Nachwuchs darf aber nicht auf alle Zeiten an die Eltern gebunden werden, sondern muss irgendwann selbst Nachwuchs zeugen und beim Aufwachsen begleiten. Dazu muss die Herkunftsfamilie verlassen und eine eigene Familie gegründet werden. In die Familie ist somit zwangsläufig der Keim ihrer Selbstauflösung zugunsten ihrer Neugründung miteingebaut.“ Eine Perspektive, die viele Eltern im Alltag wahrscheinlich nicht so sehr im Blick haben. Oder erst dann, wenn die Kinder so langsam erwachsen werden. Dabei fängt die Erziehung zur Selbstständigkeit ja schon viel früher an.

Dirk Baecker erklärt: „Eltern denken oft, ihre Kinder müssten sich ganz natürlich für ähnliche Dinge wie sie selber interessieren. Doch dann stellen sie bereits beim Sandkastenspiel, auf dem Basketballfeld oder in der Schule fest, dass ihre Kinder andere Kategorien und Präferenzen entwickeln und sich von anderen gesellschaftlichen Möglichkeiten anziehen lassen. Besteht zwischen Eltern und Kindern nun keine Gesprächsebene, auf der solche Eindrücke ausgetauscht werden können, entsteht zunehmend ein Gefühl der Irritation.“

Damit Ablösung gut gelingen kann, ist eine gewisse Balance gefragt: „Die Kinder müssen dazu
ermutigt werden, ihr eigenes Leben zu führen und ihre Familie verlassen zu wollen. Doch zusammen mit dieser Ermutigung muss das Bedauern mitgeteilt werden, dass man sich auseinanderlebt – um eben im Gegenzug die Kinder darin zu unterstützen, selbst wieder eine Familie gründen zu wollen.“

Im Dossier des aktuellen Philosophie Magazins sind neben dem Interview mit Dirk Baecker viele weitere Einblicke in die Zusammenhänge und Herausforderungen von Familie zu lesen: Wie kann es sein, dass Familie gleichzeitig als Zuflucht und Zumutung empfunden wird? Ist Zorn auf die eigenen Eltern normal? Wie können Kinder ihren eigenen Weg finden? Was schulden sie ihren Eltern? Ist das klassische Modell der Kleinfamilie überholt? Weitere Infos: http://philomag.de/

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/11/riskiers_photocase7pdfs498ytvy.jpg 1500 2250 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-11-18 12:18:542016-11-18 12:18:54„Kinder müssen ermutigt werden, die Familie zu verlassen“

Wie viel Zeug braucht ein Baby wirklich?

Ein Gastbeitrag von Priska Lachmann

Schwangere, Babys und Kinder sind ein unglaublich großer Werbemarkt. Wir werden beinah jede Minute unseres Tages darauf hingewiesen, dass wir irgendetwas noch nicht für unsere Kinder haben, dass sie noch etwas brauchen, damit es ihnen wirklich richtig gut geht, sie optimal ins Leben starten und eine glückliche, perfekte Kindheit haben.

Inzwischen sind wir schon so verblendet von so unendlich vielen Möglichkeiten, dass wir vergessen, was wirklich zählt, was wirklich wichtig ist für unsere Kinder. Was braucht ein Baby wirklich, wenn es auf die Welt kommt?

Als ich meine erste Tochter bekam, war ich gerade mal knapp 23 Jahre jung, kurz nach dem Studium und mit wenig bis gar keinem Eigenkapital. Ich war jung, energievoll und hatte wenig Sorgen. Mit Hilfe unserer damaligen Gemeinde haben wir alles, was wir brauchten, geschenkt oder geliehen bekommen. Nichts habe ich kaufen müssen. Das war eine unendlich große Erleichterung. Ich habe alles dankend angenommen, und unsere Tochter ist gesund, klug und stark herangewachsen. Heute schmunzel ich darüber. In Zeiten von „Öko Warentest“ und „Stiftung Warentest“ wäre unser Babyautositz sicher durchgefallen. Meine Kinder lagen beide in einem Kinderwagen aus den 90ern, in dem meine Brüder noch gelegen hatten, und zwischen Familienbett oder Beistellbett konnte ich nicht wählen: Wir hatten ein tolles Gitterbett geschenkt bekommen. Es war eben, wie es war und es war gut.

Wir haben die Verantwortung, für das uns gegebene Geschenk zu sorgen, es gesund heranwachsen zu lassen. Es ist unsere von Gott gegebene Verantwortung. Doch wie nehmen wir diese Verantwortung war? Wir wollen als Eltern alles richtig machen, so gut wie möglich. Obwohl wir natürlich wissen, dass nichts perfekt sein kann, versuchen wir inständig, dem Kind alles zu geben, was es braucht, es soll ihm an nichts fehlen, es soll keinen Mangel haben und es soll den bestmöglichen Start ins Leben haben. Oftmals machen wir dann doch den Fehler und überhäufen das Kind mit materiellen Gütern. Wir meinen, es gehe dem Baby dann gut, wenn wir nur alle Dinge haben, die es für ein Baby zu kaufen gibt.

Ich hab eine gute Freundin, die gerade ihr drittes Kind bekommen hat. Sie meinte zu mir, dass ihr Nestbautrieb nie begonnen habe. Sie hatten vor der Geburt gerade mal das Kinderbett aufgestellt. Sind sie deswegen schlechtere Eltern? Im Gegenteil. Es sind wundervolle Eltern, die ihre beiden anderen Kinder zu großartigen Kindern herangezogen haben, die eine musische Ausbildung besitzen, die liebevoll, aufmerksam und voller guter Werte aufgezogen werden. Beide Eltern haben gute Jobs, es liegt also nicht daran, dass sie sich etwa nichts leisten könnten.  Die Mama hatte Beschäftigungsverbot, es lag also auch nicht an der mangelnden Zeit, dass sie etwas nicht besorgen konnte. Nein, sie hat beim dritten Kind gewusst, dass man gar nicht so viel braucht, wie man meint. Um gesund und liebevoll groß zu werden, braucht es keine materiellen Güter.

In Finnland gibt es die so genannte Erstlingsbox. Alle Eltern bekommen vom Staat zur Geburt ihres Kindes diese Box geschenkt. So starten alle Kinder, egal in welcher Familie sie geboren werden, gleichwertig. Ohne soziale Unterschiede.  Es ist eine Box, die alles enthält, was das Kind für die Anfangszeit benötigt. Sogar eine Matratze ist dabei, die Kinder schlafen also, wenn man möchte, in dieser Box. Klingt für uns befremdlich, ist aber normal in Finnland.

Susanne Mierau wollte dieses Konzept nach Deutschland bringen: Eine Erstlingsbox, die alles enthält, was das Baby braucht. Die hochwertige und biologisch feine Stoffe aufweist. So dass man sein Kind gut und gern damit versorgen kann.

Was braucht ein Baby? Liebe und Geborgenheit und einen Ort zum Schlafen. Das kann, theoretisch, auch in einer Box sein. Es braucht einen Ort, um gewickelt zu werden. Dafür braucht es nicht unbedingt eine Wickelkommode. Es braucht einen Ort, um gebadet zu werden. Das kann auch mit Papa in der Badewanne sein. Es braucht gesunde Milch, die gibt es im besten Fall von Mama. Mehr braucht ein Baby nicht für die ersten Wochen. Es braucht eigentlich keine Seife, kein Shampoo, keinen Kinderwagen … Babys können getragen werden und lieben es, getragen zu werden. Es fördert die Bindung zwischen Eltern und Kind. Seife und Shampoo zerstören den natürlichen Hautfilm des Babys. Es braucht kein eigenes Bett. Es schläft gern bei den Eltern in einem Familienbett oder vielleicht auch, wie in Finnland, in einer Box.

Egal, ob ihr euer erstes, zweites, drittes oder viertes Kind bekommt – schaut euch genau an, was ihr braucht. Und wenn ihr etwas braucht, stöbert doch erst einmal in der wunderschönen Erstlingsbox von Susanne Mierau: http://geborgen-wachsen.de/erstlingsbox/. Vielleicht enthält die schon alles, was ihr braucht.

Priska Lachmann ist verheiratet, Mama von zwei Kindern, Theologiestudentin und freie Autorin.

Susanne Mierau hat einige Inhalte einer Erstlingsbox zur Verlosung zur Verfügung gestellt. Die gibt es auf dem Blog von Priska Lachmann zu gewinnen: www.leipzigmama.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/11/YelenaYemchuk_ThinkstockPhotos-476975622.jpg 1414 2121 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-11-12 11:00:502016-11-11 10:12:43Wie viel Zeug braucht ein Baby wirklich?

Länger, weiter, teurer? Warum ich als Lehrerin den Klassenfahrts-Irrsinn nicht mehr mitmache

Ein Gastbeitrag von Martina Hagemann

„Frau Hagemann, können wir heute mal über die Klassenfahrt sprechen?“

Es dauert keine fünf Sekunden und meine 11.-Klässler sind hellwach! Urlaubsplanung statt Nullstellenberechnung? Das weckt die letzten Kräfte. Und meien Schüler haben auch schon sehr konkrete Vorstellungen, wo es hingehen soll:

„Die c fliegt nach Sorrent, zehn Tage lang.“ – „Der Biokurs aus dem letzten Jahr ist nach Spanien geflogen, und da gab es sogar einen Tauchkurs. Können wir das auch machen?“ – „Nee, ich will lieber auf eine Insel, Teneriffa vielleicht!“

Früher wanderte man an Wandertagen

Als ich Schülerin war, gab es so etwas wie „Wir sprechen über die Klassenfahrt“ gar nicht. Da bestimmten die Lehrer Ziel, Begleitperson, Programmpunkte und Zeitraum einer Fahrt. Oder es hieß – berechtigt oder nicht – gleich zu Beginn des Schuljahres: „Mit euch fahre ich nicht, ihr seid zu undiszipliniert.“ Aber das war auch zu der Zeit, als an Wandertagen noch gewandert wurde. Mittlerweile erwarten die Schüler an Wandertagen Events. Unter „Geocaching“, „Teambuilding“ oder „Adventurecamp“ läuft da gar nichts. Unter 30 Euro pro Kind im Übrigen auch nicht.

Bei einer Klassenfahrt wünschen sich Schüler solche Events sieben Tage am Stück. Reiseveranstalter haben sich darauf schon lange eingestellt und bieten Reisen ins In- und Ausland. Die Themenschwerpunkte reichen von „Abenteuer“ über „Klettern“ und „Skifahren“ bis hin zu „Surfen und Tauchen“. Die Lehrer, ach nein, falsch, die Schüler natürlich, können sich unter einer Vielzahl von Bausteinen ihre Wunschreise zusammenstellen. Der Lehrer übernimmt dabei vor allem das Marketing auf dem Elternabend.

Einige Schulklassen verkaufen jahrelang im Voraus auf dem Schulhof Kuchen, weil das von der Schule festgelegte Budget nicht reicht.

Geht’s vielleicht auch eine Nummer kleiner?

Nach einigen solchen Klassenreisen habe ich keine Lust mehr, den Eltern teure Fahrten schmackhaft zu machen, die mehr und mehr Urlaubs- statt Bildungsreisen entsprechen. Dabei sind Sinn und Zweck der Klassenfahrten in den Richtlinien der Länder festgelegt: Schulfahrten sollen der Begegnung mit Kultur, Natur und Umwelt dienen und das Zusammenleben und gegenseitige Verständnis aller am Schulleben Beteiligten fördern. Mir leuchtet nicht ein, warum diese Ziele nur weit weg und mit viel Geld erreicht werden können. Einige Schulklassen verkaufen jahrelang im Voraus auf dem Schulhof Kuchen, weil das von der Schule festgelegte Budget nicht reicht. Grundsätzlich freue ich mich immer, wenn ich mir meine Pausenaufsichten versüßen kann, aber welchen Sinn macht dann noch der Finanzrahmen?

St. Peter Ording statt Teneriffa

„Frau Hagemann, was ist denn jetzt, stimmen wir nun ab?“

Ich habe gar nicht bemerkt, dass meine Schüler bereits ihre Wunschziele an die Tafel geschrieben haben (bei solchen Dingen können meine 11.-Klässler ungemein selbstständig sein). Ich wische die Liste wieder weg und male stattdessen zwei winzige Punkte an die Tafel:

„Ich habe mir bereits einige Gedanken über eure Kursfahrt gemacht. Und ihr dürft auch auswählen zwischen zwei Zielen.“

Neugierige Stille. Nun schreibe ich an die beiden Punkte „St. Peter Ording“ und „Westerhever“.

„Wo ist das denn?“ – „Das sind irgendwelche Orte an der Nordsee.“ – „Och nö, ich war schon als Kind immer in Büsum.“

Ich stelle der Klasse kurz die beiden Ziele vor, Hauptunterschied: Die eine Unterkunft ist abgelegen, die andere Unterkunft ist ganz abgelegen. Zunächst muss ich den Schülern unser Programm noch schmackhaft machen: Wattwanderung, Vögel beobachten, Exkursion in die Salzwiese, am Deich sitzen … Doch dann scheint bei den ersten ein wenig Interesse aufzukeimen. Sie überlegen, was sie kochen wollen (es ist eine Selbstversorgerunterkunft), ob man im September noch in der Nordsee schwimmen kann und nur wenige reden noch von Tauchkursen im Mittelmeer.

Und siehe da: Vor der Tür ist es auch ganz erlebnisreich!

Im Rückblick erinnere ich mich noch gut an die Fahrt, auch wenn sie inzwischen Jahre her ist. Tagsüber sind wir durch Priele gewandert, haben Fritz aus dem Matsch gezogen und gewettet, ob Jana, Michel und Jakob wirklich bei 12 °C Außentemperatur in der Nordsee schwimmen (ja!). Dass ein Schüler auch einen Wattwurm gegessen hat, hielt ich so lange für eine Legende, bis mir ein Schüler ein Video als Beleg zeigte. Abends haben wir gemeinsam gekocht (irgendwie habe ich mich bei der Einteilung der Gruppen wohl übersehen, aber einer muss ja auch den Überblick haben), gegessen, versucht, den Kamin in Gang zu kriegen, Tee statt heimlich Alkohol getrunken und gespielt.

Die pädagogischen und inhaltlichen Ziele einer Klassenfahrt haben wir im heimatlichen Bundesland für wenig Geld mehr als erreicht. Und ich hatte noch nie ein solches Urlaubsgefühl und so viel Spaß wie auf dieser Studienreise (mal abgesehen davon, dass ich fast jede Spielerunde verloren habe). Die fünf Tage fühlten sich, nicht nur aufgrund der kurzen Anreise, sondern auch aufgrund der Intensität der Erlebnisse, an wie zehn Tage.

Bald steht mal wieder eine Planung mit der 10. Klasse an. Wie wär’s mit Halligen Hooge und Langeness?

Martina Hagemann ist Lehrerin und Mutter von zwei Kindern. Sie lebt mit ihrer Familie in Lübeck.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/11/Maxim-Blinkov_shutterstock_122993482.jpg 727 1000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-11-04 09:26:162019-07-17 16:13:25Länger, weiter, teurer? Warum ich als Lehrerin den Klassenfahrts-Irrsinn nicht mehr mitmache

Süßes oder Saures?

In den Supermärkten deutet es sich schon an: Bald steht wieder Halloween vor der Tür. Viele Familien, die dem Fest kritisch gegenüber stehen, fragen sich, wie sie damit umgehen sollen. Sarah Mittelstädt hat mit ihrer Familie einen kreativen Weg gefunden:

Jahr für Jahr spielt es sich gleich ab: Da klingelt es an der Haustür am Abend des 31. Oktobers und schaurig gekleidete Kinder schreien mir „Süßes oder Saures!“ entgegen.
Im vorletzten Jahr waren es schätzungsweise 30 Kinder, die im Laufe des Abends unser Haus heimsuchten. Zuletzt war ich auf die Idee gekommen, ihnen nicht nur Süßigkeiten mitzugeben, sondern auch eine Einladung für einen christlichen Kids Treff. Ich hielt das für eine gute Idee, denn so konnten die Kinder vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben etwas von Jesus hören. Und das wäre sicher nachhaltiger als Süßigkeiten …
Zerrissene Einladungszettel und eine mit rohen Eiern beworfene Hauswand belehrten mich eines Besseren – die Sache hatte wohl nicht so ganz funktioniert. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass Gott ganz klar zu mir sprach und mir Ideen für das kommende Halloweenfest gab. Schließlich kamen da freiwillig jede Menge Kinder zu uns an die Haustüre und wir durften ihnen schenken, was wir für gut erachteten. Eine bessere Gelegenheit für Evangelisation gab es doch gar nicht!
Im September machte ich mich auf die Suche nach gutem Aufklärungsmaterial für die Eltern. Schließlich wissen die meisten gar nicht, was es mit Halloween überhaupt auf sich hat. Viele denken ja, es sei einfach ein harmloser Spaß. Allerdings war es gar nicht so einfach, gutes Material zu finden, denn es sollte aufklären, ohne mit der moralischen Keule zu kommen.
Schließlich entschied ich mich für einen Film von Campus für Christus und bestellte noch Material bei den Marburger Medien. Meine hilfsbereiten Nachbarinnen kamen für einen Abend zu mir nach Hause und wir packten über 30 Päckchen mit Süßigkeiten und Kinderkalendern für die Kleineren. Die Größeren ab acht Jahren sollten dazu die DVD von Campus für Christus bekommen. Mein Mann hatte die Idee, im Hof ein Feuer anzuzünden, an dem die Kinder Marshmallows grillen und sich bei einer Tasse Kinderpunsch wieder aufwärmen konnten.
Wir fieberten dem 31.10. regelrecht entgegen. Würden die Kinder auch in diesem Jahr wieder so zahlreich kommen? Würden die Päckchen reichen? Wie sollten wir mit den Eltern ins Gespräch kommen? Wie würde unsere Aktion aufgenommen werden? Spannung lag in der Luft.
Am Abend des 31.10.beleuchteten wir unseren Hof mit allen verfügbaren Windlichtern. Wir wollten so viel Licht wie  möglich in diese dunkle Nacht bringen. Dann stellten wir einen großen Tisch im Hof auf und breiteten unsere Süßigkeitenpäckchen aus. Mein Mann machte ein großes Feuer, während ich Kinderpunsch und Becher  vorbereitete. Ein Schild am Gartenzaun erklärte die ganze Aktion so: „Reformationstag! Wir feiern mit Punsch, Marshmallows und mehr!“
Es war 18.30 Uhr, als die ersten kamen, und sie kamen in Scharen! Es sprach sich schnell unter den Kindern herum: „Geht dort in die Straße, wo das Feuer brennt! Da gibt es einen Tisch mit Kinderpunsch, Päckchen und Filmen!“
Im Laufe des Abends kamen an die 60 Kinder – teilweise mit Eltern – bei uns vorbei. Sie waren positiv überrascht und viele blieben eine Weile da, um Marshmallows zu grillen, Punsch zu trinken und ihr Päckchen abzustauben. Mein Mann beobachtete schmunzelnd, wie die Kinder ihre Schreckensmasken abnahmen, um den Punsch zu trinken und die Marshmellows grillen zu können. Was für ein herrliches Bild!
Viele Eltern fragten uns: „Macht ihr das zum ersten Mal?“ Und da konnten wir dann ins Gespräch einsteigen. Es war zugegeben manchmal schwierig, die richtigen Worte zu wählen, denn wir wollten die Eltern ja nicht vor den Kopf stoßen. Aber ich denke, dass es eine gute Gelegenheit war, sie zum Nachdenken über die grausige Herkunft des Halloween-Festes zu bewegen.
Und wir haben buchstäblich unser Licht leuchten lassen: Die Kinder merkten einfach, mit wie viel Liebe wir alles vorbereitet hatten. Auch die Kommentare der Eltern waren durchweg positiv.
Und das ist genau das, was mich begeistert: dass Menschen Jesu Liebe erfahren, wenn wir uns von ihm gebrauchen lassen. Und sei es an Halloween beim Punsch-Ausschenken.
Wir waren letztes Jahr sehr ermutigt, dieses Jahr wieder eine solche Aktion am 31.10. durchzuführen. Dann werden wir allerdings mehr Päckchen vorbereiten und noch mal nach geeigneterem Material für die Eltern suchen.
Rückblickend kann ich sagen, dass wir mit der Aktion eine Brücke zu den Kindern und ihren Eltern in unserem Wohnviertel geschlagen haben, und ich hoffe, dass das eine gute Basis dafür ist, ihnen eines Tages mehr von Jesus und seiner großen Liebe zu ihnen erzählen zu können.
„Halloween? Wir machen da nicht mit!“, ist somit keine Option mehr für uns.

Ein Gastbeitrag von Sarah Mittelstädt

Info-Material zu Halloween gibt es bei Marburger Medien.

Den erwähnten Film von Campus für Christus gibt es nicht mehr, alternativ könnte man den Kindern ein Hörspiel vom Schlunz schenken, in dem es um die Hintergründe von Reformationstag und Halloween geht: Der Schlunz – Süßer Schrecken, saurer Schrecken

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/10/AlexRaths_ThinkstockPhotos-483328044.jpg 1414 2121 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-10-17 11:26:172016-10-17 11:26:17Süßes oder Saures?

Erstkommunion

Gerade ist das Magazin „Erstkommunion“ aus der Druckerei gekommen. Ein Projekt, das wir im Auftrag und gemeinsam mit der der AKF, der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e.V. (www.akf-bonn.de), geplant und umgesetzt haben. Dieses Magazin richtet sich an die Eltern von Kindern, die im nächsten Jahr Kommunion feiern.

Denn mit dem Beginn der Erstkommunionvorbereitung springen Eltern die unterschiedlichsten Fragen in den Kopf: „Was muss ich alles tun und wissen? Was, wenn mein Kind mich plötzlich mit Fragen konfrontiert, auf die ich keine Antwort weiß? Wie können wir den Tag der Erstkommunion gut gestalten?“

Das Magazin „Erstkommunion“ setzt genau bei diesen Elternfragen an. Erfahrene Erstkommunion-Eltern erzählen, wie sie wichtige Dinge geregelt, über Situationen nachgedacht und Klippen umschifft haben. Experten geben Anregungen, wie Eltern mit ihrem Kind über Glaubensfragen ins Gespräch kommen können. Neben Hintergrundinformationen gibt es auch praktische Tipps, wie der Erstkommuniontag entspannt gefeiert werden kann, sodass er zu einem Fest wird, an das sich alle gern zurückerinnern.

Bestellen kann man das Heft zum Preis von € 3,90 plus Versandkosten hier: www.bundes-verlag.net/erstkommunion

Bettina Wendland

Family-Redakteurin

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/10/IMG_2340.jpg 1224 1632 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-10-12 09:10:462016-10-12 09:10:46Erstkommunion

Einzigartig gemacht

Ein Gastbeitrag von Christiane Seipel:

Max (6) sitzt frustriert hinter seinem Teller. Wieder hat die Butter den Kampf gegen die Brotscheibe gewonnen. „Ich kann das nicht!“, jammert er. Genervt nimmt seine Mutter den Teller und rettet, was noch zu retten ist. „Es ist auch kein Wunder, wenn du nicht übst. Schau dir deine Schwester an. Sie ist erst vier und sie kann das auch!“

Auch Jennifer (9) ist frustriert. Sie hat eine schlechte Note in Mathe geschrieben und darf sich anhören, wie gut ihre ältere Schwester Tanja in der vierten Klasse war und dass sie sich mehr anstrengen müsse, wenn sie, wie Tanja, auf das Gymnasium wolle.

Wieso neigen wir dazu, unsere Kinder miteinander zu vergleichen?

Das gilt nicht nur für Geschwister. Wir schielen bereits im Windelalter nach der „Konkurrenz“. Wer kann als Erstes laufen, wer ist als Erstes trocken und wer wechselt als Erstes in die nächsthöhere Kleidergröße?

Dabei ist die Welt doch gerade aufgrund unserer Unterschiedlichkeiten so bunt und vielseitig.

Vielleicht wird Max später als Wissenschaftler entscheidende Dinge entwickeln. Und möglicherweise wird Jennifer für ihren späteren Berufswunsch Mathe nicht so dringend brauchen wie Selbstachtung.

„Du hast mich geschaffen – meinen Körper und meine Seele, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich! Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen.“ (Psalm 139, 13-15)

Gott hat jeden von uns einzigartig geschaffen. Wie viel weniger Frust gäbe es, wenn wir die Kinder in ihrer Einzigartigkeit annehmen und unterstützen würden! Ist es nicht unser Ziel, unsere Kinder zu Erwachsenen mit einem gesunden Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu erziehen? Wie könnten wir das besser erreichen, als wenn wir jedem von ihnen ihren eigenen Wert zuschreiben? Wenn wir ihr Selbstvertrauen stärken, indem wir ihre Stärken fördern und sie in ihrer Schwäche unterstützen, ganz ohne leuchtende Beispiele, nach denen sie sich richten sollen. Schauen Sie sich Ihr Kind an: Es ist wunderbar und einzigartig gemacht!

Christiane Seipel lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in der idyllischen Wetterau

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/southnorthernlights_photocase.jpg 2400 3600 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-09-27 09:37:562016-09-27 09:37:56Einzigartig gemacht

Der Countdown läuft!

Es bleibt spannend: In vier Wochen erscheint die erste Ausgabe von FamilyNEXT. Und natürlich auch die neue Family. Heute sind wir noch mal alle Seiten von Family und FamilyNEXT durchgegangen, damit beide Zeitschriften auch richtig gut werden. Da ja ein Teil der Seiten in beiden Ausgaben gleich sind und ein Teil unterschiedlich, ist es etwas komplizierter als sonst. Aber es sieht gut aus.

Wir haben auch schon unsere Lieblingsartikel: Zum Beispiel eine Artikelstrecke zum Thema „Seelenverwandt“. Und einen Artikel zum „Potenzial entfalten“. Außerdem gibt es zwei ganz tolle Kreativseiten, eine für Family (Eulenlaternen für Sankt Martin) und eine für FamilyNEXT (Die Regentagbox).

Im Dossier geht es um „Das Erbe unserer Familie“, ein ausgesprochen spannendes Thema, das wir von verschiedenen Seiten beleuchten: Wie gehe ich mit Ähnlichkeiten um („Du bist wie deine Mutter“)? Welche Familientraditionen und -eigenheiten will ich in meiner eigenen Familie übernehmen? Und wie rede ich mit meinen erwachsenen Eltern über ihren Nachlass (exklusiv in FamilyNEXT)?

Ihr könnt euch also schon mal vorfreuen!

Übrigens: Uns haben schon mehrere Leser und Leserinnen angeschrieben, weil sie gern von Family zu FamilyNEXT wechseln möchten. Das geht am einfachsten direkt bei unserer Abo-Abteilung: vertrieb@bundes-verlag.de oder Tel: 02302/930 93 – 910. Schweizer wenden sich an info@scm-bundes-verlag.ch oder Tel: 043/288 80 10.

Ihr wollt bei Family bleiben? Dann braucht ihr gar nichts zu unternehmen. Außer der Vorfreude natürlich!

Bettina Wendland

Redakteurin Family und FamilyNEXT

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/IMG_2299.jpg 1224 1632 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-09-21 13:40:452016-09-21 13:40:45Der Countdown läuft!

Besorgte Eltern

Zwei Klassenpflegschaftssitzungen innerhalb einer Woche liegen hinter mir. So schlimm, wie sie gern in Blogs und Kolumnen beschrieben werden, waren sie nicht. Im Gegenteil. Ich habe engagierte Lehrer und nette Eltern erlebt. Aber ich habe auch viele besorgte Eltern erlebt. Eltern, die sich Sorgen machen, dass ihr Kind den Anschluss verliert. Dass es vielleicht erst gar nicht in der Schule ankommt, weil es nun mit dem Bus fahren muss. Oder dass es trotz Inklusion nicht genug Förderung bekommt.

„Eltern haben keine Sorgen, sie machen sich welche“ – diesen Satz habe ich vor kurzem aufgeschnappt. Natürlich stimmt er so nicht. Denn viele Eltern haben in der Tat ernsthafte Sorgen. Aber es stimmt schon, dass wir Eltern manchmal dazu neigen, uns Sorgen zu machen, wo es gar nicht nötig wäre.

Als es in der 8. Klasse darum ging, dass im Rahmen der Berufswahlvorbereitung eine Potenzialanalyse mit den Kindern durchgeführt werden soll, spürte ich, wie manche Eltern fast erschraken: „Mein Kind wird getestet. Was, wenn es nicht gut genug ist?“ Dabei handelte es sich ja nicht um einen Einstellungstest, sondern lediglich darum festzustellen, in welchen Bereichen das Kind gute Fähigkeiten und ausbaufähiges Potenzial hat. Da kommen möglicherweise Aspekte zu Tage, die Eltern bisher nicht im Blick hatten. Vielleicht hat das Lehrerkind gute Voraussetzungen für einen handwerklichen Beruf? Oder der Künstlersohn eher das Potenzial zum Ingenieur?

Manchen Eltern machte es aber offensichtlich Angst, dass ihr Kind „getestet“ werden sollte. Fürchteten Sie in der Bewertung Ihres Kindes auch eine Bewertung ihrer eigenen „Leistung“? Machen wir Eltern unser Selbstwertgefühl vielleicht manchmal zu sehr vom „Wohlgeratensein“ unserer Kinder abhängig?

In der 5. Klasse ging es stärker darum, wie die Eltern nachvollziehen können, was die Kinder in der Schule gerade lernen. In unserer Schule gibt es keine Hausaufgaben. Und es wird großer Wert gelegt auf selbstständiges Arbeiten. Gerade für Fünftklässler eine große Herausforderung. Aber offensichtlich auch für ihre Eltern. Eine Mutter meinte, ob es nicht besser sei, dass die Kinder übers Wochenende Hausaufgaben bekämen, damit die Eltern wüssten, was sie gerade durchnehmen.

Ich fühlte mich einen Moment schlecht. Denn ich bin so froh, dass wir diese leidigen Hausaufgaben am Wochenende los sind, die uns in der Grundschulzeit so manche Nerven geraubt haben. Aber Moment mal: Kann es sein, dass man die sehr durchdachte Arbeitsstruktur der Schüler ändert und ihnen ihr freies Wochenende verdirbt, nur damit die Eltern wissen, ob sie gerade Bruchrechnen oder Statistik machen?

Ich verstehe, dass Eltern sich sorgen, dass ihr Kind mit dem selbstständigen Lernen nicht klar kommen könnte. Und es dann irgendwann in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen ist. Leider gibt es ja auch genug Eltern, die sich viel zu wenig dafür interessieren, was ihr Kind den ganzen Tag so macht. Aber ich würde mir an dieser Stelle mehr Vertrauen wünschen. Vertrauen in das eigene Kind, dass es seinen Weg machen wird. Vertrauen in die Lehrer, die oft mit viel Herzblut ihren Job machen. Und nicht zuletzt auch Vertrauen in Gott, dem wir unsere Kinder anvertrauen können.

Gerade heute bekam ich eine Pressemeldung von einer Firma, die verschiedene technische Geräte für Familien anbietet. Zum Beispiel eine WLAN-Monitoring Kamera fürs Baby, die gleichzeitig auch die Temperatur misst (allerdings nur die Raumtemperatur, nicht die Körpertemperatur des Babys – da ist noch Luft nach oben). Oder einen Luftbefeuchter fürs Kinderzimmer, den man mit dem Smartphone steuern kann (wieder was für die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“). Außerdem bietet die Firma ein Gerät für Grundschulkinder an, das dem Kind vermittelt, ein Smartphone light zu sein – es kann damit übers Internet Musik hören und Videos schauen. Eigentlich handelt es sich aber um ein Überwachungsgerät: Die Eltern können nicht nur ständig  kontrollieren, welche Inhalte ihr Kind nutzt, sondern auch, wo es sich gerade aufhält.

Aber wie sollen unsere Kinder zu selbstständigen und selbstbewussten Erwachsenen werden, wenn wir sie krampfhaft festhalten – und sei es auch „nur“ digital? Richtet so ein Überwachen nicht mehr Schaden an als eine verpatze Mathearbeit? Loslassen fängt nicht erst an, wenn die Kinder aus dem Haus gehen. Es ist ein langer Prozess. Der ist für uns Eltern oft schwer. Aber für uns und vor allem unsere Kinder notwendig.

Bettina Wendland

Family-Redakteurin

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/day-walker_photocase.de_.jpg 2000 2000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-09-15 12:09:142016-09-15 12:09:14Besorgte Eltern

Verbreitete Irrtümer über ADHS

ADHS ist inzwischen ein bekannter Begriff. Er wird sowohl von Fachleuten als auch in Alltagsgesprächen häufig benutzt. So entstanden auch Klischees. Und es sind Irrtümer im Umlauf, die verunsichern und manchmal dazu führen, dass ADHS nicht erkannt wird und betroffene Kinder nicht die nötige Unterstützung bekommen. Der Begriff ADHS beinhaltet in diesem Artikel sowohl ADHS mit als auch ohne Hyperaktivität.

Verbreitete Irrtümer über ADHS, die immer wieder zu hören sind:

  1. „Wenn sich ein Kind gut konzentrieren kann, kann es kein ADHS haben.“ Menschen mit ADHS können sich sehr gut konzentrieren, wenn etwas für sie persönlich spannend und interessant ist, aber nur dann. Sie haben Probleme, wenn etwas langweilig oder schwierig ist.
  2. „Wer still sitzen kann, kann kein ADHS haben.“ Nicht nur Kinder ohne Hyperaktivität, die „Träumerchen“, können gut still sitzen. Selbst hyperaktive Kinder können das, zum Beispiel beim Aber es gelingt ihnen eben nur bei persönlichem Interesse (siehe 1.).
  3. „Aufmerksamkeitsdefizit bedeutet, dass diese Kinder zu wenig Aufmerksamkeit bekamen.“ Dieser Irrtum stammt daher, dass das Belohnungs- und Motivationszentrum im Gehirn bei diesen Kindern ständig „hungrig“ ist. Deshalb fordern sie meist tatsächlich mehr Aufmerksamkeit ein.
  4. „Mehr Jungen als Mädchen sind betroffen.“ Jungen bekommen eher die Hilfe und Unterstützung, die sie benötigen. Sie werden früher und häufiger diagnostiziert, weil sie sich durch die Hyperaktivität auffälliger verhalten als die oft eher ruhigen Mädchen. Durch die ADHS-typische Reizoffenheit mit Reizfilterschwäche sind die Mädchen oft hypersensibel im sozialen Kontext und bei hohem Eigeninteresse gelingt ihnen die Anpassung. Nicht selten ist dies auch eine Überanpassung mit früher Kontrollneigung, Ess- und Schlafstörungen, Depressionen und Ängsten.
  5. „Du könntest, wenn du wolltest. Gestern hast du es auch gekonnt.“ Es kann sein, dass das Gehirn aufgrund bestimmter Faktoren am Vortag „eingeschaltet“ war, zum Beispiel weil das Kind gute Laune hatte. Heute ist es nicht mehr „eingeschaltet“, zum Beispiel weil das Kind Druck verspürt. Es hat dann keinen Zugriff mehr auf sein Aufmerksamkeitszentrum und ist deshalb nicht in der Lage, die Aufgabe zu lösen.
  6. „Medikamente (Methylphenidat wie z.B. Ritalin) werden gegeben, um die Kinder ruhigzustellen und machen süchtig.“ Bei richtiger Dosierung helfen die Medikamente den Kindern, wacher und konzentrierter zu sein und verbessern die Selbststeuerung. Es entsteht nachweislich keine körperliche Abhängigkeit.
  7. „ADHS und Hochbegabung schließen sich aus.“ Es gibt viele Beispiele für Menschen mit ADHS und Hochbegabung!

Judith Gruhler ist Sozialpädagogin, Elterncoach und ADHS-Trainerin. Sie lebt mit ihrer Familie bei Ulm und arbeitet schwerpunktmäßig mit Familien mit ADHS. In der aktuellen Ausgabe von Family gibt Judith Gruhler Tipps, was betroffenen Eltern helfen kann.

 

Buchtipps:

  • Sehr empfehlenswert sind die Bücher von Cordula Neuhaus, die zum Teil nur noch antiquarisch erhältlich sind.
  • Ebenfalls empfehlenswert sind die Bücher von Helga Simchen (z.B. über ADHS und Hochbegabung) und Elisabeth Aust-Claus (z.B. zum Thema Lernen)
  • Max Lucado: Du bist einmalig (SCM Hänssler)
  • Arno Backhaus: Ach du Schreck! ADS: Vom Chaoskind zum Lebenskünstler (Brendow)
  • Anna Maria Sanders: Ich dreh gleich durch! Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen (Gütersloher Verlagshaus)
  • Felix Ditz: Wenn ich doch nur aufmerksam sein könnte (zu beziehen über ADHS Deutschland)
  • Uta Reimann-Höhn: Langsam und verträumt: ADS bei nicht-hyperaktiven Kindern (Herder spektrum); AD(H)S in der Pubertät (Herder)

 

Hilfreiche Websites:

  • Selbsthilfegruppen finden Sie unter www.adhs-deutschland.de, www.elpos.ch (Schweiz), und www.adapt.at (Österreich)
  • adhs.info
  • adhs.ch
  • kolleg-dat.de
  • ignis.de/Seminare/ADHS-Beratungsstelle
  • grz-krelingen.de/krelingenplus/adhs
  • opti-mind.de/checklisten-kostenlos.html (mit Checklisten und Fragebögen zu ADHS)
  • hochsensibel-leben.de (mit Fragebögen zu Hochsensibilität; oft gibt es Überschneidungen zwischen ADS und Hochsensibilität)

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/09/altrendo-images_ThinkstockPhotos-470660081.jpg 1546 1939 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2016-09-07 11:35:552020-05-22 08:44:23Verbreitete Irrtümer über ADHS
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